245) Das Jahr 2050 – Teil 1

Derzeit sitzen Regierungsvertreter in Glasgow zusammen und diskutieren Maßnahmen zur Einhaltung der bereits vereinbarten Klima-Ziele. Na mal sehen, was dabei rauskommt. Da ich beim Corona-Krisenmanagement aktuell noch keinen entschlossenen Willen erkennen kann, beschäftige ich mich derweil mal mit dem eigentlichen Brett, dass wir bohren müssten.

Nachdem Annuschka im Sommer mehrfach auf das Buch „Mensch, Erde!“ (Eckart von Hirschauen) eingegangen ist, hatte ich mir das dann auch beschafft und dann lag es erst einmal ein wenig herum. Es ist ja mit 500 Seiten auch ein ganz schöner Brummer und ich hatte noch ein anderes Buch zu beenden. Außerdem rennt das Klima ja auch nicht weg … dachte ich. 

Aber nun habe ich die ersten 100 Seiten gelesen, es liest sich locker und unterhaltsam, bringt aber all die gebotene Ernsthaftigkeit mit. 

Recht früh verweist das Buch auf die Website https://population.io die ich euch gern mal empfehlen möchte. Mit wenigen Klicks zeigt sie zum einen recht drastisch, wie schnell die Weltbevölkerung wächst und zum anderen, welche statistische Lebenserwartung man selber so hat. Demzufolge ist mein physisches Ende so circa. 2061 erreicht, wenn es keine Überraschungen gibt. Damit ist nun die „Hälfte rum“, oder positiv gesagt, dass Glas immer noch halbvoll. Na großartig. Kurzzeitig zumindest.

Aber da ich ja das schwere Buch beim Joggen schlecht mitnehmen kann, habe ich heute parallel mit der Hörfassung von „Deutschland 2050“ (Nick Reimer / Toralf Staud) begonnen (auch über Annuschka bei mir angekommen, DANKE). In den ersten Minuten dachte ich noch, es läuft auf einen dystopischen Öko-Thriller hinaus, aber dann wurde mir schnell klar, dass das Realität wird.

Die ersten drei Kapitel drehten sich um zunehmende Hitze & Trockenheit, dem vermehrten Aufkommen von Viren & Bakterien und der gravierenden Veränderung von Flora & Fauna. Nicht in Bangladesh, nee hier … bei uns … „Umme Ecke“ sozusagen.

Manchmal sagt man ja so salopp, dass „betreffe einen eh alles nicht mehr“ und dann „wäre man ja schon unter der Erde“.

  • Erstens, ist das natürlich sehr egoistisch betrachtet und hilft unseren Kids überhaupt nicht weiter.
  • Zweitens, sollte man sich da mal nicht zu sicher sein. Das Buch prognostiziert zwar 2050, wenn aber schon allein die Hälfte der Effekte bis 2035 eintreten, na dann wünsche ich uns allen viel „Spaß“. 

Nehmt ihr nur alle den Südbalkon, ich nehme Nord!

Ich gebe dem Beitrag mal den Zusatz „Teil 1“, könnte mir gut vorstellen, dass ich mich dazu noch mal melde.

—> Das Jahr 2050 – Teil 2

40) Food Print

Wenige Tage nach meinen Beiträgen >Pizza-Automaten und >Blume oder Keule, las ich dann  >Irènes Kochrezept für Kathi Rolls und es ergab sich ein lustiger Kommentarwechsel. Und da mir parallel auch der Begriff CO2 Footprint in den Ohren hing, dachte ich also noch etwas über unsere kulinarische Zukunft nach. Aber lest selbst

Food Print – Eine Ära geht zu Ende

Liebe Leser der TZ, viel wurde diskutiert in den letzten Tagen, aber nun ist es amtlich. Die in der Bevölkerung sehr beliebten Food Printer werden in den nächsten Wochen außer Dienst gestellt. Lesen Sie einen wehmütigen Rückblick unseres Redaktionsleiters Hans-Peter Koch.

Bereits im letzten Jahrtausend verhieß der Blockbuster „Das Fünfte Element“ kulinarische Neuentwicklungen unbekannten Ausmaßes. Da flog ein Chinesischer Imbiss-Wagen bis an das Fenster der Wohnkabine von Korben Dalles heran und offerierte ein üppiges Asia-Buffet am Fensterbrett. Viele Feinschmecker konnten diese noch kommende Epoche kaum erwarten.

Aber selbst in 2020 war die Realität noch eine ganz andere. Eher ernüchternd. Unterbezahlte Radfahrer ließen sich knallbunte Rucksäcke auf die Rücken schnallen und fuhren damit italienische Teigspeisen aus. Selten heiß, dafür häufig in den Pappen verrutscht und zermatscht, fanden die Menschen ihr Abendessen auf dem Fahrstuhl-Boden liegend. Wahrlich kein Hochgenuss und frei von jeglicher Esskultur, war es während der Corona-Pandemie doch häufig die einzige Nahrungsquelle für die an Mangelerscheinungen leidenden Home Worker und Home Learner

Mit zunehmender Digitalisierung … ja ja … auch in Deutschland, entstanden dann die ersten Food-Printer. Das Speisenangebot war da noch sehr eingeschränkt, man hatte nur die Wahl zwischen Tomatensuppe, Labskaus oder Rührei. Die „Gerichte“ mussten vorher bestellt und über Patronen in das Gerät eingesetzt werden. Das Ende des Mikrowellen-Essens war eingeläutet. Bing!

Die Technik entwickelte sich rasant weiter. Bald ließen sich Rezepte downloaden oder bei Kulexa anfordern und dann an den heimischen Food Printer schicken. Man konnte sämtliche Speisen drucken, alles war auf einmal möglich. Man benötigte nur noch 5 Druckerpatronen, je Kontinent eine. Diese enthielten die jeweiligen Aromen, Stärken, Textur-Enabler und olfaktorischen Booster. 

Über eine App liess sich der Druck zusätzlich nach persönlichen Belieben konfigurieren (Kinderportion, Schärfe-Grad, Süße und Salzgehalt etc) und es gab ergänzende Funktionen wie „Surprise“, „Express“, „Candle Light“, „Veggie Day“ und „Melange“ (Anm.d.Red. das waren die Reste der Woche).

Zu Beginn gab es bei den Geräten noch ein störendes Systemverhalten, was man in der Bürowelt als „Papierstau“ kannte. Ein weiteres Problem war die Reinigung der Drucker-Düsen. Das Indische Chicken Tikka schmeckte nach Rinderroulade und das Kebap aus Nahost nach Schweinebraten und anders herum. Je nach dem in welcher Reihenfolge gedruckt werde. Sie werden sich erinnern, wie angespannt die Situation zwischen den Kulturen bei uns im Land war. 

Um das Problem zu beheben, riet man anfänglich, sogenannte „Leerdrucke“ zwischen den Mahlzeiten einzuschieben, um die Düsen freizukriegen. Solche Leerdrucke waren aber auf Dauer zu kostspielig, also wurden einfach Chicken Nuggets in Dino-Form gedruckt. Diese von „Natur aus“ geschmacklosen Teile eigneten sich hervorragend, um die Düsen der Geräte zu putzen und sie wurden dadurch sogar noch aufgewertet, kamen sie doch nun mit  internationalen Touch auf den Teller. 

Wer keine Lust hatte, sich so ein Gerät in die eigene Küche zu stellen, konnte den Druck auch outsourcen, dafür standen überall Druckautomaten in den Straßen, bei dem man sich das fertige Ergebnis dann abholen konnte. Auch Copy-Shops stiegen in das Geschäft ein. Viele Bürger fragten sich zunehmend, ob sie eigentlich noch eine eigene Küche brauchten und vermieteten ihre Küchen zu stolzen Preisen als „1-Zimmerwohnung mit Kochgelegenheit“. Damit leisteten sie zusätzlich einen nennenswerten Beitrag, den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten.

Aber all das ist nun bald Geschichte, denn die Internationale Weltraum-Agentur erhielt nun den Auftrag, die Ernährung der 15 Milliarden Erdbewohner sicherzustellen. Die Behörden haben Anfang der letzten Woche die nötigen Genehmigungen erteilt. Künftig wird die Ernährung entweder über stark konzentrierte Flüssigkeiten aus Ampullen oder in Dragée-Form erfolgen. Bürger, die des Schluckens oder Kauens unfähig oder müde sind, können bei Ihren Krankenkassen einen Zuschuss zur intravenösen Versorgung beantragen.

Eine Ära geht zu Ende.

Herzlichst, Hans-Peter Koch
Leiter Redaktion „Kulinarisches“
Berlin, 27.08.2051

Tja, so wird’s wohl werden oder 😉
Schönes Wochenende und kocht was schönes!
T.

25) New Work – Teil 8

Fortsetzung …

Eine „Almost Manless Company“. Mit diesem Begriff verschwand der CEO aus der Holo-Con und somit auch aus Noahs Micro-Flat. Dass solche Formulierungen den Börsenanalysten die Freudentränen in die Augen treibt, konnte sich Noah denken.

Ein neues Unternehmen, nahezu ohne Liegenschaften, ohne Mitarbeiter, dafür aber mit den vollen Umsätzen, ist der Traum eines jeden Shareholders. Eigentlich erwartete Noah, dass der Gong ertönt und die Stimme aus der Zimmerdecke zum täglichen Arbeitsbeginn ruft. Aber im selbem Moment wurde ihm klar, dass das ja nun Geschichte war. Da er ja nun kein Arbeitnehmer mehr war, gab es folglich auch keinen Arbeitgeber mehr, der ihn anwies, dieses oder jenes zu tun. Die Unternehmenshierarchie, die Job-Description und alle geregelten Verantwortlichkeiten haben sich in Luft aufgelöst. Stattdessen würde er sich künftig um einzelne Aufgaben aus dem Backlog „bewerben“ müssen, die ihm dann im Erfolgsfall „assigned“ würden. Er würde keine Human-Ressource mehr sein, sondern nur noch ein namenloser „Assignee“ mit einer Contractor-ID.

Gong: „Noah, zur Umsetzung der soeben verkündeten Unternehmensstrategie sind alle ehemaligen Human-Ressourcen aufgefordert, jegliche in deren Besitz befindlichen Arbeitsmittel und Geräte zurückzuschicken. Wer weiterhin noch am Wachstum des Unternehmens teilhaben will, arbeitet mit eigenen Geräten. Nähere Ausführungen und Systemvoraussetzungen, können im Absatz UYOD der neuen AGB eingesehen werden, die hiermit in Kraft tritt und die künftige Zusammenarbeit regelt.

Wie von Zauberhand erwachte sein Arbeits-Computer aus dem Stand By, die Option „Cloud Backup“ begann zu arbeiten und schaufelte alle seine Daten in die Cloud seines ehemaligen Arbeitgebers. Danach startete das Programm „Auf Werkszustand zurücksetzen“ und der Rechner fuhr herunter. Dieser Rechner war eigentlich noch nie vollständig aus bemerkte Noah. Nun herrschte Stille. All das, was Noah jemals für das Unternehmen erschaffen, gedacht, kommuniziert hatte, war … weg. Alle sein bisherigen Projekte und Referenzen unerreichbar. Wenn er sich jemals wieder für Aufgaben bewerben sollte, wäre er ein Nobody.

<— Zum Anfang der Serie

<— Zum Teil 7

—> Zum Teil 9 

Reisen 6.0 – Teil 5

Fortsetzung …

Noah schaut unschlüssig auf das Display seines Smart Phones. Links der Button „Abbrechen“, rechts der Button „Reise buchen“. Darüber die Worte des CEO von VTS, der eine Neuorientierung im Reisegeschäft verkündet. 

Die klimabewussten Fernreisen über die Virtual Travel Center taten zwar der Umwelt gut, waren aber mit den neuen Hygiene-Vorschriften nicht mehr vereinbar. VT@Home heißt das neue Format nun.

Noah drückt auf „Reise buchen“, denn das Format „Abbrechen“ kommt für ihn nun gar nicht in Frage.

Er entscheidet sich für den Tarif „VTS Weekend“. Die App bestätigt die Lieferung der VT@Home-Box für die nächsten 60 Minuten. Und siehe da, bald klingelt es unten an der Haustür, der Fahrrad-Kurier schlägt vor, die Lieferung in den Fahrstuhl zu stellen. Natürlich. Noah überlegt kurz, ob es nicht mal langsam Zeit wäre, ein Regal im Fahrstuhl zu installieren. Bei all den LHD-Paketen und Pizza-Kartons, die wortlos auf den verdreckten Steinplatten abgelegt und die 82 Stockwerke hinauf zu ihm befördert wurden.

Die Kabinen-Tür öffnet sich und gibt den Blick auf die Lieferung frei. Ein großer Aufkleber prangt auf der Oberseite des Kartons. „Frisch desinfiziert und abflugbereit“. Während Noah die Kiste anhebt und in seine Micro-Flat trägt, wird ihm vollends klar, wie wichtig ihm das Reisen doch geworden ist. Reisefreiheit war schließlich ein Gut, was die Generation seiner Eltern auf die Straßen getrieben hat. Doch Klima und Virus verwandelten diese Freiheit nun in einen schwarzen Kunststoff-Würfel, kaum größer als ein Tissue-Spender. Mehr war außer 3rd-Hand-Pappe, Bio-Knallfolie und Tofu-Styropor nicht übriggeblieben. Und natürlich solch eine VR-Brille, die er schon von der gemeinsame Indien-Reise mit Yumi kannte und sofort aufsetzte. Yumi, ja wo bleibt sie eigentlich? Aber so konnte er sich noch etwas mit dem Setup des Würfels beschäftigen. Zunächst wurde das VTS-Profil zur Bestätigung angezeigt, dann folgten ein paar weitere Abfragen zu Präferenzen, Unverträglichkeiten und Risikoübernahmen, die im Januar nicht abgefragt wurden. Zum Ende wurde die Schrift immer kleiner und es folgte der übliche „Alles akzeptieren“-Button. Nach ein paar weiteren Einstellungen öffnete sich vor ihm eine gigantische Auswahl von Reise-Angeboten. Alle vorstellbaren Strecken, alle erdenklichen Klimazonen und Sehenswürdigkeiten. Manche Destinationen waren mit einem „Gesperrt-Symbol“ markiert und dem Zusatz „Einreise aus ihrem PLZ-Gebiet nicht erlaubt“. Bayern, Meck Pom, USA und noch ein paar andere. Immer noch. Aber egal, bleiben noch genug andere Ziele. Sollte er nun noch auf Yumi warten oder vielleicht schon einmal anfangen?

<— Reisen 6.0 – Teil 1

<— Reisen 6.0 – Teil 4

—> Reisen 6.0 – Teil 6

18) Smartvid-20 – Teil 3

Was soll man nur anfangen mit diesem Wochenende im September 2022? So richtig rausgehen kann man ja immer noch nicht, will man auch nicht. Und der Papierstapel ist noch nicht merklich geschrumpft. Also macht man einfach weiter.

Kaum waren also die beiden Zeitungsausschnitte vom >20. März 2021 und vom >11. April 2021 in der feuerfesten Kiste verstaut, so beschleunigt der Puls beim Lesen des dritteln Artikels noch einmal merklich.

Berliner Allgemeine Zeitung 11. September 2021

IoT-Ministerium genehmigt NGM-Chips

Berlin. Die knappe und überraschende Mitteilung des IoT-Ministeriums ist weit mehr als eine Pressemitteilung. Es ist die Dokumentation einer beginnenden Zeitenwende. Aber zunächst ein Rückblick. Ende 2019 bricht Covid-19 aus und legt 2020 die ganze Welt lahm. Im Frühjahr 2021 wird bekannt, dass sich ein Ableger des Virus bevorzugt in Sprachmuscheln und Lautsprechern von Smart Devices einnistet. Was folgte, dürfte jedem noch gut in Erinnerung sein. Eine flächendeckende Vernichtung sämtlicher Smart Phones und Tablets. Konfisziert oder ferngezündet. Menschen irrten planlos durch die Städte, wussten nichts mehr mit sich anzufangen. Und obwohl die Infektionen zurückgingen, machte sich Unmut breit. Es gab Demonstrationen in der Hauptstadt und man forderte digitale Freiheit. Um frühzeitig entgegenzuwirken, wies man Motorola, Nokia und Siemens an, ihre Mobilfunk-Klassiker aus den 90-er Jahren wieder neu aufzulegen. Diese würden immerhin mobile Telefonie ermöglichen und SMS. Nicht smart aber immerhin.

Die großen Smart Phone Hersteller Pear, Samson und Au-Weih wetterten wegen Wettbewerbsverzerrung und drohten, sich durch alle Instanzen zu klagen. Milliarden an Strafen würden den Start erwarten. Auf Jahre. Nicht finanzbar. Es gab nur eine Möglichkeit, den Klägern anderweitig entgegenzukommen: Das Konsortium der „großen drei“ bekommt die Lizenz für Entwicklung und Betrieb eines Nano-Gehirn-Mobil-Chips. Mit Internet-Zugang nach 5G-Standard. Man rechne bereits für Januar 2023 mit der Betriebsgenehmigung und ersten Implantierungen.

Das Filialnetz ist noch nicht einmal vollständig geplant, doch die Hersteller verzeichnen bereits lange Wartelisten. Die Menschen können es kaum erwarten.

Ende Zeitungsartikel Berliner Allgemeine Zeitung vom 11.09.2021

<— Teil 2

134) Corona-Lektionen 43

Bereits seit vergangenen Samstag sehe ich Weihnachtsgebäck im Supermarkt. Mir ist überhaupt nicht nach Weihnachten, habe noch nicht einmal die versauten Ostern verdaut.

Als ich da aber die Domino-Steine und Lebkuchen so liegen sah, musste ich über Weihnachten und den Jahreswechsel nachdenken. Schließlich macht man ja an Weihnachten häufig gravierende Veränderungen fest. Wie zum Beispiel das erste Weihnachten allein … oder in Freiheit … oder fern der Heimat … oder ohne Schnee … oder in den Tropen. Dies wird also das erste Weihnachten mit Corona sein.

Ein Blick in die Glaskugel:

  1. Betriebliche Weihnachtsfeiern werden abgesagt. Vielleicht ist es auch besser so. Dann muss man nicht zugucken, wie sich der dicke Wagner von der IT an die hübsche Krause aus der Buchhaltung ran macht
  2. Weihnachtsmärkte werden so sterbenslangweilig sein wie noch nie. Gesungen werden darf nicht, die Achterbahn setzt zu viele Aerosole frei, Glühwein gibts nur auf Marke und das ganze Gedrängle … was soll ich sagen. Den Rest erledigt die Angst vor dem Terror.
  3. Weihnachtsmänner werden Maske tragen müssen, man wird aber noch ausdiskutieren ob eher über oder unter dem mächtigen Bart. Vermutlich eher darunter oder der Bart wird gleich auf die Maske genäht. Das lässt sich dann leichter handhaben.
  4. Findige Geschäftsleute werden Corona-Accessoires auf den Markt werfen. Ein Masken-Etui mit Brillo’s für die Damen, ein 100-er Pack Schnelltests in Titan-Optik für die Herren. Auch eine Masken-Hakenleiste der Marke Ralf Bonz für den heimischen Flur wird’s geben, denn die Stofffetzen können ja nun nicht überall so herum liegen.
  5. All die Weihnachts-Shows kommen aus der Retorte oder aus TV-Studios ohne Publikum. Einzig auf Winnetou und Old Shatterhand ist Verlass, die reiten eh nur im Freien durch die Prärie der dritten Programme. Und auf „Dinner vor One“ natürlich. Völlig Corona-konform. Die Geburtstagsgäste von Mrs Sophie sind eh schon alle tot, Buttler James hält immer Abstand, desinfiziert sich gründlich von innen und gehört eh zum selben Haushalt. 
  6. Es wird ein paar Verdächtigungen geben, ob sich die mehrheitlich angebotenen Gänse (aus Polen) oder Kaninchen (aus China) mit dem Virus angesteckt haben könnten. Aber der Hobby-Koch wird die Viecher einfach die ganze Nacht bei 100°C in den Backofen schieben. Zusammen mit den Masken, die hätten es auch mal wieder nötig. Auf keinen Fall gibts Fledermaus mit Rotkohl!
  7. Die Sylvester-Party in Berlin wird abgesagt. Warum? Siehe 01.08.2020 und 29.08.2020, mehr gibt‘ da nicht zu sagen.

Und nu? Tja am besten noch schnell eine Hütte buchen und bloß weg hier.

<— Corona-Lektionen 42

—> Corona-Lektionen 44

15) New Work – Teil 6

Fortsetzung …

Gong: „Guten Morgen Noah, es ist 5:30 Uhr“, klingt es aus der Zimmerdecke und beginnt sofort mit dem täglichen Briefing.

„Dein Meeting um 7:00 Uhr wurde abgesagt, das nächste ist für 08:00 Uhr geplant. Die frei gewordene Zeit ist dir als persönliche „reflection time“ zugeordnet worden. Man bittet um sofortige Umsetzung dieser Maßnahme. Weitere Instruktionen folgen um 7:45 Uhr.“

Noch etwas überrascht über diese Ansage, liegt er auf seiner Schlafmatte vor seinem Arbeitsplatz und reibt sich die Augen. Er beschließt, etwas liegen zu bleiben und über die letzten Wochen nachzudenken. Für ihn persönlich hat sich ja eigentlich in dieser ganzen Corona-Zeit nicht viel verändert. Zumindest was die Arbeit angeht. Die vielen Holo-Cons, die vollgepackten Tage, all das war vorher schon an der Tagesordnung.

Ein paar Veränderung gab es aber schon, resümierte er:

  • Zunächst das permanente Klopfen dieser Drohnen an der Fensterscheibe, die zweimal am Tag die Arbeitnehmer um einen Corona-Test baten. Es galt das Fenster zu öffnen und den Mund weit zu öffnen. Die Drohne flog in den Rachenraum, nahm einen Abstrich vor und verschwand wieder. Da war ihm sehr unangenehm, so als hätte er einen Käfer verschluckt.
  • Als es dann durch einen Softwarefehler zu unverhältnismäßig vielen Abstürzen dieser Drohnen kam, wurden die Postboten des Versandhandels in die Testung eingebunden. Denn die waren schließlich eh permanent in den Häusern unterwegs. Es war schon vor Corona störend, wenn ständig jemand an der Tür klingelte, um Pakete bei ihm abzugeben. Aber nun, baten sie ihn auch noch, jedes Mal den Mund zu öffnen, um einen Abstrich vorzunehmen. Das war nicht ganz einfach mit den Konferenzgesprächen via Holo-Con.
  • Die Holo-Cons haben sich nicht wesentlich verändert. Wechselweise erschienen verschiedene Kollegen aus aller Welt in seiner Micro-Flat und besprachen mit ihm die Dinge, die zu besprechen waren. Allerdings erwartete sein Arbeitgeber das Tragen eines Mundschutz, alleine aus Respekt gegenüber den Nationen, bei denen die Infektionen immer noch anstiegen.
  • In seinem Team kamen neue Meeting-Formate auf. „Virtual Coffee Breaks„ und „Tele-Lunchs“ wurden anberaumt, um die Kollegen vernetzt zu halten und etwas Small Talk unter ihn zu fördern. Ein paar Mal war er anwesend, dann schwänzte er immer häufiger. Er hatte keine Lust mehr, die Töpfe seiner Kollegen klappern zu hören und schon gar nicht, sie in Jogging-Hose beim Mittag zu sehen.
  • Die IT-Abteilung sensibilisierte anfänglich noch, des Überspringen des Virus von Mensch auf Computer unbedingt zu vermeiden. Dies stelle ein großes Risiko für die IT Infrastruktur dar, hieß es. Mittlerweile hatte man diese Angst relativiert. Ja man fordert sogar dazu auf, diesen Virus endlich zu digitalisieren, dann könnte man ihn wenigstens mit den herkömmlichen Mitteln bekämpfen.

Gong: „Noah, es ist 07:45 Uhr. Hier nun das Briefing für das anstehende Meeting.“

<— Zum Anfang der Serie

<— Zum Teil 5

—> Zum Teil 7

14) PPBS – Postpandemische Belastungsstörung

14. Juni 2021: Liebes Tagebuch, ich habe dir schon lange nichts mehr anvertraut, aber heute kann ich nicht mehr anders. Denn ich bin ein Wrack. Das Jahr nach Corona war einfach zu viel für mich.

Vor gut einem Jahr wurden immer mehr Corona-Maßnahmen gelockert und alles unterlag dem Ziel, die Deutsche Wirtschaft wiederzubeleben. Anfänglich wurde mit einem Wumms die Mehrwertsteuer gesenkt, aber das war ja alles noch harmlos und nur der Beginn viel weitreichender Konjunktur-Pakete.

  • Bereits im Spätsommer 2020 wusste ich schon gar nicht mehr, was ich noch alles kaufen sollte. Die monatlichen Zwangsumsätze, die deutsche Haushalte zu erreichen hatten, waren kaum zu schaffen. So viele Schuhe, Hemden und Hosen brauchte ich doch gar nicht. Oft habe ich dann irgendetwas gegriffen, zügig bezahlt und die Einkäufe dann aber dort stehen lassen.
  • Als das Wirtschaftsministerium dann die Haushaltsgeräte-Hersteller anwies, deutsche Fabrikate per Fernsteuerung außer Funktion zu setzen, begann der nächste Stress. Auf einmal mussten sich unzählige Haushalte neue Waschmaschinen, Geschirrspüler und Kühlschränke anschaffen. Endlich kam es zu den erhofften Lieferengpässen. Die alten Geräte waren aber nun mal kaputt. Das ebnete den Weg für die nächste Maßnahme.
  • Um die Gastronomie wieder anzukurbeln, sollten die Menschen verstärkt auswärts essen. Ich habe 20 Kilo zugenommen, kann keine Pizza und kein Schnitzel mehr sehen. Gehe ich am Asia-Bistro vorbei, kriege ich vom Glutamat-Aerosol rote Pickel im Gesicht. Der nagelneue Geschirrspüler hatte kaum noch etwas zu tun, der endlich gelieferte neue Kühlturm kühlte fortan nur noch mein Bier und die blauen Kühl-Packs für Sportverletzungen.
  • Auch mein alter Diesel versagte eines Morgens den Dienst. Bei nur 160.000 Kilometern. Dem Automobil-Club war untersagt, den Fahrzeughaltern zu helfen. Als ich die Karre eigenhändig zur Werkstatt schob, schüttelte man nur den Kopf. Reparatur-Verbot. Erlass vom Wirtschaftsministerium. Als ich dann mit einem Hybriden aus Japan liebäugelte, schickte man mir Agenten des Deutschen Automobilverbands auf den Hals.
  • Und dann ging es weiter. Um die am Boden liegende Hotellerie zu retten, wurde jeder volljährige Staatsbürger verpflichtet, einmal pro Woche in einem Hotel zu nächtigen. Kostenloses Pay-TV, freie Mini-Bar und Frühstück ans Bett machten diese Einzelhaft zwar annehmlich, ich wäre aber lieber zu Hause gewesen. 
  • Als dann nach den Sommerferien die Berliner Clubs wieder öffneten, mussten wir auch dort regelmäßig antanzen. Ich meine, Blitzlicht und Nebeleffekte sind ja schon anstrengend genug, aber dann noch tanzen? Mit Maske! Ich halte mich ja eigentlich für sportlich, aber das war dann doch zu viel.
  • Zum Herbst hin, wurden dann die Kinos geöffnet. Unmengen Filme wurden auf den Markt geworfen und die Kino-Industrie erwartete, dass man auch dort vorbeischaut. Der gute neue Stoff war schnell durchgesehen, dann folgten nur noch schlechte Remakes. Kinokarten gab es nur noch mit Snack-Paket zu kaufen und der Werbeblock war nun doppelt so lang.
  • Und dann noch die Luftfahrt. Der Staat war ja nun Miteigentümer einer Airline. Und die Flugzeuge sollten wieder fliegen. Du glaubst nicht wieviele Flüge ich absolvieren musste. Stundenlang saß ich im Flieger, manchmal drehten wir nur über der Stadt, damit die noch übrig gebliebenen Piloten ihre Pflichtstunden absolvieren konnten. Damit es nicht so langweilig wurde, haben sie dann Elemente aus dem Kunstflug eingebaut. Erstaunlich, zu was so ein Airbus fähig ist und wieviele Kotztüten ich gefüllt habe.

Und das war noch lange nicht alles, liebes Tagebuch. Während der Corona-Zeit dachte ich ja, dass all die Einschränkungen einen bleibenden Schaden in uns hinterlassen, aber es war eher die Zeit danach, als es all die Verluste wieder aufzuholen galt. Immer häufiger wünsche ich mich in die Corona-Zeit zurück. Alles war entschleunigt, das Meiste war geschlossen, man konnte mal was lesen und Podcasts hören. Wir waren schon froh, überhaupt mal vor die Tür zu kommen. Das waren noch Zeiten.

Berlin, 14. Juni 2021

118) Corona-Lektionen 32

In welcher Homeoffice-Woche sind wir denn jetzt eigentlich? In Nummer 12 oder schon 13? Habe den Überblick verloren. Ich zähle noch einmal nach. Wir gehen nun in die 14. Woche!

Zwei Gedankengänge der letzten Tage:

Normalität 1: Viel wird derzeit geschrieben und besprochen, was uns wohl in der „neuen Normalität“, dem „New Normal“, erwarten wird. Der Begriff klingt verheißungsvoll, irgendwie nach Reform, oder? Als würde demnächst ein weißhaariger Mann mit Bart auf einen Hügel klettern und uns den Weg weisen, wie wir alle ab Stichtag X leben werden. Und so als würde diese neue Normalität dann eine Weile anhalten, bis sie dann mal wieder überarbeitet wird, wenn ein Grund dazu besteht. Ein neuer Virus, die Polkappen-Schmelze oder der Umwelt-Kollaps vielleicht? Der Begriff „Normalität“ scheint uns Orientierung zu geben, uns zu beruhigen, irgendwie unser Leben zu ordnen. Ist aber eigentlich auch Augenwischerei. Denn Normalität ändert sich doch täglich! Etwas wirkt auf uns ein, oder wir wirken auf andere. Das alles verändert den Status Quo. Und weil das so ist, brauchen wir auch nicht auf das „New Normal“ warten.

Normalität 2: Gemäß der großen Suchmaschine ist Normalität „ … das Selbstverständliche in einer Gesellschaft, das nicht mehr erklärt und über das nicht mehr entschieden werden muss. Dieses Selbstverständliche betrifft soziale Normen und konkrete Verhaltensweisen von Menschen …“! Na bitte. Da steht’s doch. Und wie kommt es dazu? Normalität wird diktiert (z.B. durch Politik, Organisationen oder Gesetze) und sie wird bestimmt durch unser aller Handeln. Letzteres können wir direkt beeinflussen und können was draus machen. Sollten wir auch. Sonst machen es nämlich andere! Wie wollen wir künftig konsumieren, wie wollen wir uns ernähren, wir wollen reisen, wie wollen wir arbeiten? Da haben wir durchaus Einfluss und sollten uns nicht unmündig vor die Karren anderer spannen lassen.

Frohes Nachdenken!

T.

<— Corona-Lektionen 31

–-> Corona-Lektionen 33

105) Corona-Lektionen 25

Die 25. Ausgabe der Corona-Lektionen will ich etwas unterhaltsamer angehen.

Viele Zukunftsforscher zerbrechen sich aktuell den Kopf, wie sich die Welt mit dem Corona-Virus verändern wird. Da geht es um die richtig dicken Dinger. Staatengefüge, Globalisierung, Weltweite Arbeitsteilung und so weiter. Aber auch im kleinen lässt sich drüber spekulieren. Ernst und weniger ernst.

Alles anders?

  1. Das Modell der „Mega-City“ steht auf dem Prüfstand. Das Ansteckungs-Risiko ist auf engem Raum einfach zu groß. Andererseits, lässt sich eine Stadt besser kontrollieren und versorgen, als der ländliche Raum. Man versucht es mit einer Mischform. Erste Großstädte gründen Stadtbezirke in der Mongolei, Grönland und Kanada. Da ist noch Platz. Das Wort Kolonialisierung soll in diesem Zusammenhang aber besser nicht verwendet werden, besser wäre „City-Off-Shoaring“ oder „Decentralized City“.
  2. Das Boom-Ziel des Tourismus ist Mecklenburg Vorpommern geworden. Wer hätte das gedacht. Da nun aber auch nicht jeder bis zur Waterkant fahren kann, entstehen gigantische Wohn-und Themenparks links und rechts von A11 und A20. Viele neue Glaskuppeln, nach dem Modell „Tropical Island“ sorgen nun für warme Temperaturen und entsprechendes Urlaubs-Feeling. Und da keiner wochenlang Fischbrötchen essen will und Mecklenburger Phlegma ertragen kann, wird auch kulinarisch und kulturell einiges geboten. China-Town, Little India und Phuket Beach begrüßen die Freunde Asiens auf der östlichen Seite, auf der gegenüberliegenden Seite warten Karibische Metall-Trommeln, Zigarren und Rum. Prost.
  3. Die Deutsche Kino-Wirtschaft hat Zeitkontingente bei den Sex-Kinos angemietet. Da sei naturgemäß am Vormittag eh weniger los, also könnten die Video-Kabinen auch für den normalen Kino-Betrieb angeboten werden. Auch Kinder-Filme und Wandertage werden ins das Programm aufgenommen. Damit die Kids beim Schulausflug nicht völlig ausflippen und albern herumkichern, sind die Betreiber der Etablissements aufgefordert, den Buchstaben „S“ abzukleben. Gerne auch mit einer Maske. Mit einem „ex-Kino“ können Filmwirtschaft und Kultusministerium sehr gut leben.
  4. Auch im Sport hat sich einiges verändert. Tennis, Hammer-Werfen, Diskus und Bogen-Schießen sind so populär wie nie zuvor geworden. Fußball spielt man nicht mehr mit zehn Feldspielern, sondern nur mit sieben. Kopfball-Duelle und jeglicher Körper-Kontakt sind verboten, um die fehlende Dynamik auszugleichen, wird mit vier Bällen gleichzeitig gespielt. Nur Torwarte dürfen Bälle noch mit den Händen anfassen. Einwürfe von der Seiten-Linie werden von Automaten vorgenommen. Zuvor wird der Ball selbstverständlich desinfiziert. Versteht sich ja von selbst.
  5. Nachdem die Kids im Frühjahr 2020 bereits im Homeoffice gearbeitet haben, bevor überhaupt ihre Berufstätigkeit begonnen hat, lernten sie ab Mai 2020  zusätzlich die „Teilzeit“ kennen und finden Gefallen dran. Ihre nächsten Ziele sind „Gleitzeit“, „Sabbatical“ und ein Firmenwagen (… bzw. Firmenroller 😉 und dann sollte schon mal bald über eine „Altersteilzeit“ verhandelt werden. Denn das geht ja schneller als man denkt.

Noch andere kreative Vorstellungen zu unserer Zukunft?

Grüße aus Berlin, T.

Wer es noch etwas futuristischer mag, kann ja mal hier vorbei schauen.

 

<— Corona-Lektionen 24

—> Corona-Lektionen 26