272) Ohne Worte – Vol.2

Neben all der schweren Themen dieser Tage, soll es heute hier mal wieder etwas lockerer zugehen. Ich habe länger überlegt, wie ich den Beitrag nenne.

  • Zeichen setzen?
  • Zeichen für Zeichen?
  • Die Zeichen der Zeit?

Aber das kann in diesen Zeiten alles missverstanden werden, also nenne ich den Beitrag einfach „Ohne Worte – Vol.2“ , denn >Ohne Worte hatte ich schon und das passt inhaltlich ja auch.

Also, worum gehts?

Jeder hat so seine Spleens, oder? Zum Beispiel schaue ich mir häufig Produktverpackungen an. Nicht wegen der Zutaten und all der bösen E-Nummern. Nö, mich interessiert, was da sonst noch drauf steht. Meistens steht drauf, was „nicht“ mehr „drin“ ist. Wie hier in >Mehr „ohne“ und weniger „mit“, Neuerdings sind aber auch immer mehr Symbole draufgedruckt, die über die bekannten CE-Kennzeichen und Gelbe-Tonne-Label hinausgehen.

Manchmal steht noch ein Text dahinter, das ist dann recht einfach zu verstehen, aber für die Hersteller doof, weil sie das in zig Sprachen drucken lassen müssen. So wie hier …

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Oder hier …

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Mittlerweile kommen die aber auch schon ohne Text und man kann lustig raten, worum es eigentlich geht. Eine neue Variante von Rinderwahn? Ist hier ein Fußball-Club beteiligt? Nur roh verzehren? Darf man das nicht mehr in die Tonne kloppen?

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Und bei den nächsten? Nur bei Regen verwenden? Im Dachgeschoss lagern? Nach 8 Stunden wegschmeißen? Vor Gebrauch im Kreis drehen? Nicht zwei übereinander ziehen? Nicht zweimal benutzen?

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Und die hier? Idiot vom Dienst? Anleitung konsultieren? Nix für Grönland und Dubai? Für Pärchen nicht empfohlen? Jeder bitte in Summe nur 5 Dreiecke?

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Und hier? Links ein Männchen? Mit Reagenzglas? In einem Haus? Ist das eine Bank? Nur ein bisschen voll machen? Ei, Ei, Ei …

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Nie wieder Kinderarbeit? Salz und Wasser nicht gleichzeitig ins Auge? Nicht mehr ausatmen? 

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Auf dem Tablet von links nach rechts wischen? Nur in Kirchen verwenden? Eimer geht noch, Eimer geht noch rein?

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Das nächste Päckchen traute ich mich gar nicht aufzumachen? Habe ich vielleicht Feinde? Hat man gegen mich schon eine UN-Resolution verabschiedet? Kommen jetzt die Blauhelme ?

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Und hier wird‘s nun ganz symbolisch, fast schon eine Höhlenmalerei der Neuzeit.

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Ich glaub ich hab Symbolophobie…

Ähnliche Beiträge 😉

23) Ohne Worte

Der neue Spüli tat zwar schon Tagen seinen Küchendienst, sah aber noch etwas „roh“ und „industriell“ aus. Ihm fehlten Deckel und Front. Mangels Zeit, hatte ich ihn nur dürftig mit … Weiterlesen 23) Ohne Worte

68) Wortwahl: Ich, Ich, Ich (Nr. 500 ;-)

Et voilà, Mein 500. Beitrag 😉
In 3G! Gedacht, Geschrieben und Gepostet.

Dieses Ereignis kündigt sich für mich schon seit ein paar Tagen an, also überlegte ich, ob ich etwas Besonderes machen sollte. Ein Best-Off? Ein Rückblick in Sepia? Ach, nee … besser nich‘.

Stattdessen will ich zu den Wurzeln dieses Blogs zurück, denn der entstand schließlich im Kontext des >Alltags-Egoismus in unseren Breitengraden. Die anderen >Kategorien (… die mir mittlerweile auch mehr Spaß machen …) kamen erst danach hinzu.

Aber nun zum heutigen Thema:

Vor einiger Zeit kam mir die Wortkonstruktion „Gerechtichkeit“ in den Sinn.

Nein, diesmal kein Schreibfehler 😉 Bewusst so entschieden und mit „ich“ geschrieben.

Aber als ich die Datenkrake danach befragte, musste ich lernen, dass es den Begriff Gerichtichkeit schon gibt, allerdings nur sehr selten und es stand auch kein Trademarkzeichen dahinter, also bin ich mal so frech und reite heute ein wenig darauf herum.

Warum beschäftigt mich nun diese „Gerechtichkeit“?:

Tja, es geht um das kleine gesprochene „ich“, denn das kann ja zwei Intentionen haben.

  • Zum einen, dass man eher sich selber, also das eigene „ich“, als Empfänger, Profiteur oder Nutznießer des Strebens nach Gerechtichkeit im Kopf hat.
  • Zum anderen, könnten wir es ja auch so denken, dass es von uns selber, also vom „ich“ abhängt, ob es gerechter, besser und friedlicher auf der Kugel zugeht.

Das Wort Gerechtichkeit wäre noch exakt das gleiche, es kommt aber darauf an, wie man dieses kleine „ich“ denkt.

Und es gibt noch viel mehr solcher Wörter, über die man mal nachdenken kann:

  • Persönliche Freiheit
  • Bürgerliche Rechte
  • Selbstlosichkeit
  • Chancengleichheit
  • Ausgeglichenheit
  • Unabhängichkeit
  • Impfpflicht, Sicherheit
  • Rücksicht, Nachsicht, Verzicht,

Also Schönen Abend, euer Stammtich-Philosoph!

PS: Alle Schreibfehler sind voll beabsichtigt!

252) Wortwahl: Emissionsrechte

Folgt man der Klima-Debatte etwas aufmerksamer, trifft man irgendwann auf die Begriffe „Emissionsrechte“ und „Klimagutschriften“. Vereinfacht gesagt, kauft/verkauft man die verbriefte Erlaubnis, gewisse Kontingente an CO2 in die Luft blasen zu dürfen. Die „License to polute“ sozusagen. Mehr Hintergründe könnt Ihr woanders sicherlich fundierter nachlesen.

Packt man die Worte „Emissionrechte“ und „Klimagutschriften“ zusammen und verlagert sie ins häusliche Umfeld, entstehen auf einmal super Geschenkideen, die man den liebsten unter den Weihnachtsbaum legen kann.

Fünf Geschenk-Ideen von mir, da sollte doch für jeden was dabei sein 😉

Noch weitere Ideen? Dann hinterlasst mir ein Kommentar, für besonders originelle Ideen ergänze ich den Beitrag um weitere Gutscheine 😉

Und nun die nachgereichten Vorschläge der geneigten Leserschaft, frei interpretiert:

Gutschein von Belana Hermine:

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Gutschein von Frau Momo:

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Und noch einer von Frau Momo:

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243) Wortwahl: Die Einschläge kommen näher

Obwohl in unserem Land doch relativ wenig geschossen wird, liebt der Deutsche anscheinend den Militärsprech. Da wird gern mal mit Kanonen auf Spatzen geschossen, das schwere Geschütz aufgefahren, manch Sache in Angriff genommen oder die Fahne hochgehalten. Hauptsache es gibt einen Wumms.

In letzter Zeit höre ich in den Medien häufiger die Bemerkung „Die Einschläge kommen näher“. Klingt so, als säße man im Keller und das Wummern draußen wird immer lauter und gefährlicher. Zum Glück war ich nie in der Situation. Andere Menschen, auch Kinder, erleben gerade genau das.

Was kommt näher?

  • Zunächst habe ich diese Formulierung im Kontext von Terrorismus wahrgenommen und da kann ich ja noch eine inhaltliche Verbindung erkennen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis uns wieder erwischt.
  • Dann habe ich den Satz wieder in der Corona-Hochsaison gehört, dabei meinte man nicht etwa Granaten, sondern die zunehmenden Infektionen im Freundes-und Bekanntenkreis.
  • Aber auch bei den jüngsten Unwetterkatastrophen, den Überschwemmungen und Zerstörungen im Westen Deutschlands kam der Satz wieder hoch und wollte sagen, dass solche Ereignisse häufiger werden und immer mehr Menschen treffen werden, wenn nicht bald mal was passiert. So habe ich das zumindest verstanden.
  • Und nun sprachen noch die Kollegen unserer IT-Sicherheit davon und zitierten genau so. Wieder ging es um Viren, nicht um Corona diesmal, aber um Hackingangriffe, Ransomwareattacken und das andere vielfältige Besteck der Cyber-Kriminalität.

Tja Leute, die Einschläge kommen also näher von allen Seiten. Sei es von Extremisten, Klimaveränderungen, Viren/Bakterien oder eben Hackern. Im schlimmsten Falle, alles zur gleichen Zeit. Großartige Aussichten oder?

Und was machen wir da nun?

  • An der Abwehr arbeiten?
  • Die Bazooka rausholen?
  • Blitzkrieg ?

Oder weiße Fahnen hissen?

Andere Beiträge zum Thema:

242) PIEEEEEP

Nach dem ich mich im Februar mal an das Thema >Gendern gewagt hatte und auch ein >Gastbeitrag folgte, wurden beide Beiträge fleißig diskutiert. Danke dafür. Das zeigt mir aber auch, wie konträr die Sichtweisen sind, wenn es um die „richtige“ (… was ist das überhaupt?) und „zeitgemäße“ (… welche Zeit denn?) Wortwahl geht.

Und bei den Beiträgen habe ich mich noch nicht mal an die N-Worte, I-Worte, Z-Worte und X-Worte gewagt. Schönen Gruß bei der Gelegenheit an Sinnlosreisen, wir hatten heute einen netten Kommentarwechsel dazu.

Die neue Sprache ist wahrlich ein heißes Eisen, daher habe ich bisher nur meinem Digital Bot Assistant T.Bot erlaubt, darüber zu schreiben hier in >Wenn Bots bloggen – Teil 10.

Aber genug der Einleitung, weiter im Thema.

Im Prinzip erkenne ich bei der Diskussion zwei Lager:

  • Die einen sagen: Über die konsequente Durchsetzung einer Sprache ergibt sich langfristig eine Haltung.
  • Die anderen sagen: Wenn eine Haltung das Herz erreicht, ergibt sich die neue Sprache von ganz allein.

Keine Ahnung, ob meine Einteilung wissenschaftlich standhält, ist mir aber auch egal.

Ich weiß definitiv, dass ich eher zur zweiten Fraktion gehöre:

Bei mir schrillen einfach die Alarmglocken, wenn ich bestimmte Worte nicht mehr nutzen „darf“ und stattdessen neue Wörter gelten. Die Deutschen sind im vergangenen Jahrhundert mehrfach sprachlich umgekrempelt worden. Alltagswörter, Straßennamen und sogar Städte von heute auf morgen umbenannt. Gestern richtig, heute falsch. Selbst mehrmals in einem Leben. Aus ideologischen Gründen. Einfach so. Ja, dabei wurden jeweils große Bevölkerungsteile „erfolgreich“ sprachkonvertiert, aber eben nie alle und das bestätigt mir, dass es übers Herz kommen muss. Sonst wird in der Epoche halt gesprochen wie gesprochen werden „soll“, damit es irgendwem passt. Unterschwellig wabert aber die alte Sprech noch so mit und hält sich über Generationen, selbst wenn die Schöpfer dieser Sprache schon lange unter der Erde sind. Und nicht nur die Sprache überlebt Jahrzehnte, sondern eben auch die Haltung, was ja noch viel schlimmer ist.

Was aber irgendwie absurd ist, dass Wörter heute „weggepiept“ oder „weggesternt“ werden, selbst wenn man mal sachlich drüber reden will und die Schreiberlinge bei jedem Wort überlegen müssen, wem sie aktuell auf die Füße, Hautfarbe oder Geschlechtsteile treten, ohne es zu beabsichtigen. Dann sprechen sie die Wörter zwar nicht aus, denken sie doch aber trotzdem.

Glaubt ihr nicht?

  • Kennt ihr das Schnitzel in roter Paprika-Sauce, dieses N****-Schnitzel?
  • Oder diese schaumigen Schoko-Dinger, diese Z*******-Küsse?

Na, gemerkt?

Natürlich sollte man sich mal neue Begriffe dafür einfallen lassen, aber diese Entwertung über Nacht, kann nicht funktionieren. Die Wörter sind über Jahrzehnte entstanden, also muss man ihnen auch Zeit, geben sich weiterzuentwickeln.

Dass ich als Kind mehrfach das Buch „PIEEEEEP Nobi“ gelesen habe, traue ich mich hier kaum zu schreiben. Und das ist doch Gaga, Leute! Das Buch hieß nunmal so wie es hieß, es war nicht meine Idee. Und das Buch war sogar echt gut, soweit ich mich erinnere. Und ich bin kein Rassist geworden, glaube ich. Das Buch heißt heute anders. Das Wort „PIEEEEEP“ wurde gänzlich wegretuschiert.

Aber ich spüre, ich muss die Hauptstraße dieses Blogbeitrags verlassen, sonst schreibe ich mich in Rage.

Stattdessen mache ich mal etwas futuristisch weiter:

Was wäre eigentlich, wenn es eine erweiterte Rechtschreibkorrektur gäbe? Die bessert nicht nur die vielen Tipp-und Komma-Fehler aus, sondern auch alle anderen sprachlichen Entgleisungen. Je nach dem, was gerade so gefordert ist. Da die sprachliche Entwicklung aber so schnell voran geht, gibt es alle vier Wochen ein Software-Update. Interessenverbände, Gewerkschaften, Gleichstellungsbeauftragte, Minderheitenvertretungen, Religionen und Ministerien verhandeln jeden Monat und dann fließt das neue Vokabular „certified and approved“ in die Rechtschreibprüfung ein. Und wenn die Gremien später zur Erkenntnis kommen, dass gewisse Formulierungen rückwirkend schwierig sind, dann reicht ein weiteres Update und schwups sind alle Formulierungen rückwirkend angepasst. Wie praktisch, oder?

Aber letztlich führt das wieder nur zum Anfang des Beitrags. Die Worte entsprechen dann der Sprachregel, sie sind dann nicht mehr rot unterstrichen, sogar automatisch korrigiert. Ja, aber die Herzen, die erreicht die Autokorrektur eben nicht.

In diesem Sinne!

PS: Konstruktive Kommentare jederzeit gern gesehen 😉

229) Corona-Lektionen 98

Nächste Woche öffnen BaWü und Bayern wieder ihre Schultore … und die Fenster. Ja, das „Extreme-Lüfting“ beginnt wieder und wenn das Kind die C-Karte gezogen hat und an der Fensterseite sitzen darf, kann man schon mal dicke Pullies besorgen. Aus den Lüftungs-Hoodies des letzten Jahres sind sie vermutlich schon rausgewachsen und die Luftfilter wird’s erst geben, wenn die Mars-Landung geglückt ist. Vorher hat man für solch komplexe Aufgaben keine Kapazitäten.

Ein paar Gedanken der letzten Woche:

Impfen 1
Impfen macht müde. Erst mussten wir auf den edlen Stoff warten, dann wurde er Ende letzten Jahres unter Polizeischutz über die nächtlichen Autobahnen verteilt und am 27.12.20 fand er den Weg in die ersten Deutschen Oberarme. Erst 9 Monate sind seither vergangen, der Stoff stapelt sich in den Regalen und wir diskutieren und diskutieren, wie die Impfquote im Land der Dichter und Querdenker erhöhen können. Mit Appell, Motivation und Überzeugung oder durch Druck, Sanktion bis hin zu Zwang. Wenn mich Kollegen aus Asien fragen, wie es denn bei uns so vorwärts geht, weiß ich gar nicht was ich sagen soll. Wie soll man das erläutern? Dabei fehlt es mir nicht nur an den passenden Vokabeln, sondern mir bleibt einfach die Spucke weg.

Impfen 2
Wenn ich dann sehe, wie die Dänen ihre Corona-Regeln und die nationale Ausnahme-Situation aufheben, da kann ich schon neidisch werden. Und sie machen das nicht, weil ihnen der Virus und die erkrankten Menschen egal sind, nö, sie können sich das mit einer Impfquote von schlapp 80% leisten. Nun werden wir sehen, wie sie damit durch die kalten Monate kommen, aber es zeigt doch recht eindrücklich, wie vermeintlich einfach die Geschichte doch sein könnte. Bei der großen Datenkrake suchte ich nach den Impfquoten im internationalen Vergleich. Ganz oben standen Malta und Gibraltar. Und da kann man gern schmunzeln … ja ja … Zwergstaat … is’ ja auch einfacher … klar. Mit den nächsten 8 Ländern ergab sich eine Top 10. Deutschland war nicht dabei. Ich klickte „View more“, weitere 10 wurden nachgeladen und in den Top 20 war dann schwarz-rot-gold zu finden … war aber Belgien … dann wieder „View more“ … nix … noch mal „View more“ und immerhin stehen wir am Ende der Top 40. Es ist deprimierend, ich muss das Thema wechseln, ich will den Beitrag nicht so enden lassen.

Wortwahl
Ich werfe einen Blick auf die Übersicht der aktuellen Corona-Regeln für unsere Stadt. Was für eine eigenartige Sprache … ich glaube darin sind wir aber nun aber wirklich Weltmeister. Der Begriff „Körpernahe Dienstleistungen“ klingt ja schon bizarr, aber lädt immerhin zu Phantasie ein. Beim Terminus „Prostitutionsbetriebe und Bordelle“ kann es einem schon wieder gleich vergehen. Das klingt nach Groß-Schlachterei und man benötigt dort ein „Hygienekonzept, Termin, FFP2-Maske und Test*“, das kleine Sternchen ist weiter unten erläutert. Schüler müssen keinen Test mitbringen. Erleichterung. Schön sind auch „ Tanzlustbarkeiten im Freien“ und „allg. Erwachsenenbildung, Musik-, Jugendkunst-, Jugendverkehrs-und Gartenarbeitsschulen“.

Herrlich!
Schönen Sonntag
T.

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212) Wort oder Schrift

Letztes Jahr drang ein Gedanke in mein Ohr, der seitdem in meinen Notizen schlummert. Es war ein Podcast auf meinen unzähligen Corona-Freigängen, welcher die Frage aufwarf, was denn dieser Tage eigentlich mehr Bedeutung hat: Das Gesprochene oder das Geschriebene.

Früher hätte man selbstverständlich gesagt: „Das Geschriebene, ist doch logisch.“

Denn das hatte schließlich mehr „Wert“. Nicht umsonst hatten wir sogar Redewendungen, die den Hunger nach fixierten Texten unterstrichen. So wollten wir es erst einmal „schriftlich bekommen“, es „schwarz auf weiß sehen“ oder warten „bis die Tinte getrocknet“ ist. Das Mündliche war weniger wert. Kaum jemand hätte ein Auto ohne Vertrag gekauft, oder? Und wollte man jemandem mal deutlich die Meinung geigen, hätte man das schriftlich gemacht, um seine volle Wirkung zu entfalten. „Sie arrogantes Arschloch“, liess sich weitaus nachhaltiger schreiben, als nur so dahinsagen. Das „saß“ dann ordentlich und der Empfänger konnte länger daran knabbern. Und es garantierte eine Fortsetzung.

Kann es ein, dass sich das mit Social Media, Digitalisierung und der heutigen Informationsflut massiv verändert hat? Vieles läuft heute zwar digital, aber trotzdem immer noch schriftlich ab. Aber was ist ein Argument wert, wenn man es aufgrund der schieren Menge eh nie wieder finden bzw. schon gar nicht mehr suchen würde?

Was sind Beiträge oder Kommentare wert, wenn sie im Nachgang verändert werden können? Eine uralte e-Mail, die man stundenlang sucht, um sie einem Kollegen unter die Nase zu reiben. Oder wenn Investigativ-Journalisten frühere Statements und Widersprüche von Politikern aufarbeiten. Was ändert es? Welchen Stellenwert hat die schriftliche Information dann noch? Der Sachverhalt hat sich schon tausendmal überholt und das vermeintlich „verlässliche“ Zitat aus einem geheimen Papier verpufft in Sekunden. Schnell zweifeln wir, ob der Text überhaupt echt ist. Vielleicht ist der Text ja von einem Bot verfasst worden oder anderweitig frisiert? Fake News? Manipulation? Wer kann das schon nachvollziehen?

Dann wäre es doch eigentlich besser, man spricht es laut aus: „Sie arrogantes Arschloch“. Davon wissen zwar dann nur die zwei (bzw. auch alle Teilnehmer des Meetings) aber es lässt sich nicht mehr korrigieren. Das vergeht nicht so schnell. Das hallt nach. Wums! Großartig, diese Stille kurz danach 😉

Alle haben es gehört, gesagt ist gesagt …

 

Nachtrag: Oh, oh … ich sollte den Text vielleicht noch einmal ändern … dabei habe ich schon mehrmals …

178) Corona-Lektionen 73

An dem Sonntag genau vor einem Jahr, hatten wir noch keinen blassen Schimmer, was es bedeuten würde, wenn beide Eltern im Homeoffice arbeiten und die Kids im Homeschooling lernen sollten. Einen Tag später, am 16.03.20 bekamen wir dann schon den Aperitif gereicht und ahnten bereits, dass es kein Zuckerschlecken werden würde. Nun, unzählige WLAN-Resets, Instant-Suppen und Spiegeleier später, darf auch das zweite Kind morgen mal in die Schule gehen und Präsenzluft schnuppern. Aber nur durch eine Maske natürlich.

Apropos Maske
Ein Kind sagt zum Frühstück, es könne sich gar nicht mehr vorstellen wie es so wäre, ohne Maske zum Supermarkt zu gehen oder Bahn zu fahren. Tolles Thema zum Spekulieren. 

  • Wie würde es sein, wenn irgendwann ein Kollege mit ausgestreckter Hand vor mir steht?
  • Wenn ich mal wieder reisen würde und zwei Reihen hinter mir im Flieger jemand herzhaft niest?
  • Ich mit Maske eine Bank betreten würde und mich sofort ein Sicherheitsmann zu Boden streckt?
  • Oder wir mal wieder eine Party schmeißen und zig Leute bei uns in der Küche stehen? Werde ich da völlig hilflos sein? Verklemmt? Blockiert? Asozial?

Ich glaube, wir müssen erst einmal alle wieder zur Abendschule gehen und den Kurs „Soziales Miteinander – Part 1“ besuchen. Und nur wenn man das Zertifikat der VHS in den Händen hat, darf man wieder unter Menschen gehen. Vorausgesetzt geimpft. 

Erschöpfung
Irgendwie fällt mir auf, dass ich bereits Mitte der Woche schon platt bin. Kollegen berichten auch von diesem Phänomen. Werden wir einfach nur älter? Ist es die Arbeitsmenge, die Geschwindigkeit? Oder das immer gleiche Corona-Hamsterrad was so an uns zehrt? Ich glaube wir sind einfach alle nur „an oder mit Corona“ …. erschöpft.

Wortwahl
Es gibt Worte und Redewendungen, die wurden in der Pandemie erfunden, andere gab es schon eher, wurden aber in den letzten Monaten häufiger ausgesprochen. In Corona Lektion 71 ging es um das Wort „eigentlich“. Ein anderes solches Wort ist aber auch „eh“. Zum Beispiel so wie in …

  • „Wir sind eh zu Hause“
  • „Ich bin eh noch nicht dran“
  • „Wegfahren werden wir vermutlich eh nicht“.

Oh, ich merke, der Beitrag driftet ins Moll ab, sorry.

Wo habe ich nur wieder mein Dur hingelegt? Ich gehe mal beim Nachbarn klingeln, ob der vielleicht noch etwas Dur im Schrank hat.

Eine schöne Woche!

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171) Corona-Lektionen 66

Global Warming hat uns einen Wintereinbruch beschert. Schnee, Wind und Eiseskälte toben draußen. Bloß gut, dass wir ein Dach über dem Kopf haben. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Neues Lernen
Bevor mein Text gleich auf Stammtisch-Niveau fällt, möchte ich noch einen wichtigen Betrag von Sarah teilen. >>Was Lehrerinnen und Lehrer brauchen um wirklich guten Unterricht halten zu können. Während wir Elternhäuser auf den analogen Schulen herumhacken können, hat sie sich aus Sicht der Lehrkräfte ein paar Gedanken gemacht, wie die Transformation der Institution Schule gelingen kann. Denn da ist noch so viel zu tun. 

Die Schule einer unserer Home-Schüler hat es bis heute nicht gepackt, die Halbjahreszeugnisse auszuteilen. Und das ist sogar ein ganz analoges Vorgehen, was doch trotz Corona-Vorsichtsmaßnahmen irgendwie gehen müsste. Vielleicht sollte man die Verteilung den Paketboten überlassen. Sorry, jetzt ist es so weit … das Niveau fällt nun konstant.

Impfgeschehen
Schon bevor die erste Seniorin am 27.12.2020 geimpft wurde, brach immer wieder die Diskussion über „Sonderrechte für Geimpfte“ durch. Mal abgesehen davon, dass wir noch lange nicht die Impfgeschwindigkeit haben und die Fragestellung rechtlich / moralisch / ethisch zu den Schwierigeren gehört, gehts mir jetzt mal nur um die Wortwahl. „Für Geimpfte“… wie das klingt, oder? Zwar immer noch besser als „für Vaccinierte“, erinnert es mich aber sehr schnell an „entwurmte“ Katzen oder „gechipte“ Hunde. Die Türsteher müssen nun alle weitergebildet werden. Da ist keine Zeit zu verlieren! „Alda, bist’ geimpft? Sonst kommst‘ hier nit rein.

Veranstaltungen
Ach ja, seufz… . So ein krachendvolles Kino, Nachos mit Käse-Sauce auf dem Schoß und ein Bier in der Hand, was dem Ende naht, bevor auch nur der Film beginnt. Das fehlt schon, oder? Während man das Kino-Erlebnis zu Hause halbwegs nachbilden kann, steht es um den Fußball im Stadion ganz übel. Nun bin ich wahrlich kein großer Fußball-Fan, aber diese leeren Ränge sind ja immer noch schlimm anzusehen. Das Stadion ist vollgepackt mit Übertragungs-und Analyse-Technik, sie kriegen es aber nicht hin, die Distanz zum Zuschauer abzubauen. In der Video-Konferenz-Software der Firma „Winzigweich“ gibts einen „Zusammen-Modus“, da werden alle Teilnehmer wie in einem Hörsaal nebeneinander und übereinander gesetzt. Das ist oft ganz lustig. So stelle ich mir ein Bundesliga-Spiel vor … mit 70.000 Besuchern … wo man sein unrasiertes Corona-Face auf den Rängen jubeln sieht. Das ist die Zukunft! Man sitzt bequemer, es gibt keine Randale und auch keine Bengalos. Man muss keine Maske tragen und beim Klo steht man auch nicht mehr an. Außer die Stadion-Wurst. Die würde schon fehlen. Aber die kann man ja online bestellen 😉 Aber mit doppelt Senf bitte!

Schönen Sonntag.

T.

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168) Corona-Lektionen 64

Schon 45 Wochen im Office! Törrööööööö“. I made it. Well done.  Tschakka. Das Modem glüht, ich verlasse die Online-Meetings schon gar nicht mehr, denn dann muss ich mich beim nächsten Mal auch nicht mehr einwählen. Spart Zeit.

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Homeoffice:
Am Montagmorgen stand ich im Badezimmer, schaute zerknautscht in den Spiegel und hörte bei der Zahnpflege wie immer die Nachrichten. Stau auf der B2 nach Berlin, Stau am Potsdamer Platz, Stau hier und da. Gab es nicht eigentlich einen eindeutigen Aufruf der Politik, vermehrt Homeoffice anzubieten? Wie kann denn da eigentlich ein Stau entstehen? Das, was mir so langsam auf die Ketten geht, ist bei anderen Firmen immer noch Sience-Fiction. Den Arbeitnehmer ohne Aufsicht zu Hause arbeiten lassen? Au weiha. Wie schlimm. Der pult bestimmt den ganzen Tag an den Fußnägeln oder glotzt Netflix. Liebe Arbeitgeber dieser Kategorie: Wenn ihr so denkt und mir dann einen Headhunter auf den Hals hetzt, vergesst es. Ich werde nie und nimmer bei euch anheuern. Nie! Spart euch Anrufe und e-mails.

Wortwahl:
Beim Online-Tagesspiegel sah ich neulich einen Aufmacher mit dem Titel „10 Überlebenstipps von Erzieherinnen: Wie Sie im Homeoffice mit dem Kind den Lockdown überstehen.“ Also beim Tagesspiegel werde ich auch nie arbeiten! Erstens falsch gegendert, zweitens überhaupt nicht zielführend und drittens völlig überdreht. Aber auch das eigentlich von mir sehr geschätzte „Heute Journal“ sprach von „Folterwerkzeugen“ der EU gegenüber AstraZeneca. Muss diese Wortwahl sein? Ist die Lage nicht schon angespannt genug? Also to do-Liste öffnen und neuen Eintrag aufnehmen. „Brief an ZDF schreiben.“

Selbsttests:
Ach wie wäre es schön, sich selber zu Hause testen zu können, ohne sich so ein Stäbchen bis an die Schädeldecke zu schieben, oder? Man arbeitet wohl dran und ich glaube das wäre ein riesiger Fortschritt. Du stehst morgens auf, schmeißt die Kaffee-Maschine an, tappst dann ins Bad und machst einen einfachen Test. Für Laien. Super. 

Aber jetzt stellt euch mal vor, man hätte eine App entwickelt, die Speichel auf Viren analysieren kann. Und die einzige Stelle auf dem Handy, die einen Sensor hat, ist der Home-Button. Glücklich sind die, die noch einen Home-Button haben;-) Und dann verlangt die App, man solle jeden Morgen beherzt … also von ganz unten … Speichel … ihr wisst schon … hervorbringen … und dann … treffgenau … auf den Home-Button … auftropfen … lassen.  Mindestens fünf Milli-Liter. Oaaaah. Was für ein Bild. Großartig. Mehr davon! Like it!

Ich nehme Wetten an, ob die Menschen so weit gehen würden 😉

PS: Bei der Gelegenheit sei meine Reihe SmartVid-20 empfohlen, die ich im ersten Lockdown Anno 2020 schrieb. Lest selbst.

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