158) Von Winnetou, Weihnachtsgans und Schina

Liebe Leser da draußen, 

Nachdem der fiese Frederick Santer heute wieder die hübsche Nscho-Tschi erschossen hat, bekräftigte der stattliche Old Shatterhand erneut, dass er sie doch geliebt hatte. Letztlich ist er dann aber doch mit dem Winnetou in den Sonnenuntergang geritten.

Danach habe ich einen Blick auf die Weihnachtsgans geworfen. Ja eine Gans. Mit Fleisch. Regional und Bio. Ob sie aber glücklich war, konnte keiner mehr sagen. Ich glaube sie hatte eine Schiefstellung des Beckens. Das eine Bein ist länger als das andere und guckt aus dem Bräter raus. Und dann habe ich einen Blick auf den Blog geworfen.

Wenn ihr nicht zufälligerweise selber Blog-Schreiber seid, wisst ihr vermutlich gar nicht, dass ich über eine Zugriffsstatistik sehen kann, wie oft die Beiträge gelesen … na ja sagen wir besser mal … geöffnet wurden. Auf einer digitalen Weltkarte, sind sogar die Länder eingefärbt aus denen der Zugriff erfolgte. Die Liste ist natürlich von deutschsprachigen angeführt. Grüezi und Grüß Gott an die Nachbarn! Auf Platz 4 kommt bereits die USA, auf Platz 5 schon Indien. Liebe Grüße auch dorthin, ein Großteil wird vermutlich in Chennai gelesen, nehme ich an ? ;-). 

Auf Platz 6 kommt dann schon Schina (genau, hier in Preussen sagt man nicht Kina!), und dann wird’s immer exotischer. Sogar in Urugay, Nepal, Äquatorialguina hat man meine Beiträge geklickt oder ist vermutlich versehentlich mit der Maustaste abgerutscht.

Aber zurück zu Schina. Mittlerweile habe ich fast täglich Zugriffe aus Schina. Sollte mich das wundern? Gar Sorgen machen? Wer mag das sein?

Sind es Schinesen, die deutsch sprechen? Oder Schinesen, die meine Zeilen durch einen Übersetzer schicken? Oh je, was da wohl am Ende bei rauskommt? Ich sollte vielleicht sachlicher schreiben und weniger Umgangssprache verwenden. 

Aber vielleicht sind es auch Deutsche, die dort leben, arbeiten, studieren? Das wäre toll, denn das würde heißen, sie könnten hier an meinem Mikro-Kosmos teilhaben und mein Blog wäre von dort frei zugänglich. Schöne Grüße ins Reich der Mitte!

Oder ist es möglicherweise ein Roboter der das Netz durchwühlt und Blogs auf deren Inhalt checkt? Oh oh. Schnell durchsuche ich meine Beiträge nach dem Wort Schina. 14 Stück habe ich bisher geschrieben, aber sie sind nicht sonderlich kritisch oder so. Vielleicht war mal eine kleine Anspielung dabei, mag sein. Aber bitte doch nichts Großes. Hoffentlich. Denn ich will da ja noch mal hin. Irgendwann.

Also, lieber „Lesa“ aus Schina. Meld‘ dich mal!

157) Corona-Lektionen 58 (Merry Christmas)

Als ich im März Teil 1 dieser Reihe ins Netz gestellt habe, war mir nicht klar, dass jemals über 50 weitere folgen. Noch weniger war mir klar, dass uns das zu Weihnachten immer noch so sehr beschäftigen würde.

Wenn ich nun zurück blättere, finde ich aber bereits weihnachtliche Hinweise das ganze Corona-Jahr über.

In Corona-Lektion 13 (April) bezog ich mich auf Weihnachten 2019, diskutierte mit mir die Begriffe System-Relevanz und Normalität. Und ich baute meine erste Verschwörungstheorie auf.

In Corona-Lektion 26 (Mai) philosophierte ich über den Begriff „Lockerungsgaben“, überlegte ob und wie der Weihnachtsmann eine Maske tragen muss und ich habe öffentlich versprochen, eine Riesen-Party zu schmeißen, wenn der Spuk mal vorbei ist.

In Corona-Lektion 43 (September) warf ich einen Blick in die Glaskugel und versuchte mir Weihnachten 2020 vorzustellen. Und da lag ich gar nicht so falsch.

In Corona-Lektion 54 (November) schloß ich die Mutmaßungen zur Maskenpflicht für Weihnachtsmänner_Innen endgültig ab und stellte erste Überlegungen zum Jahr 21 an.

In Corona-Lektion 56 (November) beendete ich für mich die Adventszeit noch bevor sie eigentlich begonnen hatte.

Und wie isses‘ nun?

Ich habe mich noch immer nicht an die Pandemie gewöhnt, manchmal vergesse ich sie sogar zeitweise und dann fällt sie mir wieder ein. So wie eine bevorstehende Weisheitszahn-Extraktion.

Die Politik (besonders die im Süden des Landes) hat mit ihrem erhobenen Finger und dem permanenten „Seid schön artig und folgsam, sonst fällt Weihnachten aus“- Geblubber seit November soviel unnötigen Druck auf diesen einen „Tag“ gepackt, die Leute damit irre gemacht und zusätzlich in die Shopping-Center und Flaniermeilen getrieben.

Am 06.12.2020 gab es zwar Klo-Papier ohne Ende, aber der Glühwein war ausverkauft. Nur Kinder-Punsch war noch zu haben. Nach einem Flirt mit der system-relevanten Verkäuferin brachte sie noch 5 Flaschen aus dem Lager zu Tage. Ganz solidarisch nahm ich aber nur eine Pulle mit. Ich musste feststellen, dass Glühwein in der Wohnung nicht schmeckt. Daraufhin habe ich mich dann mit der Tasse auf den Balkon gestellt. Da ging es dann. 

Es gibt Aussicht auf Impfungen und ich kann hervorragend spekulieren, wann es das erste Zeug bei E-Bay gibt und ob ich Weihnachten 2021 vielleicht auch endlich so eine Packung unterm Baum liegen habe.

Ein Corona-Fall in der Schulklasse und das schlechte „Krisen-Management“ der Schule in den letzten Tagen beschert uns nun ein Weihnachten in kleinster Runde. Na wunderbar.

Ich wünsche allen Lesern ein schönes Fest. Rückt euch nicht zu sehr auf die Pelle, singt nicht so viel, zieht euch warm an und stoßt euch nicht beim Lüften.

<— Corona-Lektionen 57

—> Corona-Lektionen 59

153) Corona-Lektionen 56

Üblicherweise tritt bei mir die Weihnachtssättigung immer am Abend des 26. Dezember ein. So war es zumindest in den letzten Jahren immer.

Der Druck fiel ab, nach den üppigen, gefräßigen Tagen konnte man endlich etwas relaxen und in die Weihnachtsferien gehen. Dieses Jahr habe ich die Sättigung bereits Ende November erreicht. 

Warum?
Obwohl ich noch keinen Weihnachtsmarkt betreten, keinen Glühwein getrunken und erst einen einzigen Lebkuchen gekostet habe, ist eigentlich schon genug. 
Ich war auf keiner Weihnachtsfeier, habe für kein Weihnachtsgeschenk im Laden angestanden und habe noch nicht einmal „Last Christmas“ gehört. Doch reicht es mir schon.
All meine Wünsche habe ich mir schon selbst erfüllt, nur um die deutsche Wirtschaft zu retten und  um mal ein anderes Gesicht im Homeoffice zu treffen. Auch wenn es „nur“ der wortkarge DHL-Mann war.

Seit Tagen wird das „große Fest“ auf allen Kanälen zerredet. Ob man sich denn nun treffen darf, wen man treffen darf und ob, wie und wie lange übernachtet werden darf. In den Hotels die eh geschlossen sind. 

Und schon fängt man selber an zu überlegen, ob das Kind noch unter die Altersgrenze fällt, ob man die Großeltern bei Minusgraden auf die Terrasse setzen kann, ob man gegenüber an einer Tafel sitzt oder besser doch im großen Stuhlkreis wie bei einer Talkshow. 

Gemeinsam singen sollte man dann besser auch nicht, auf Oma’s Schoß darf auch keiner hüpfen und Gesellschaftsspiele bei denen gebrüllt wird, sind tabu. Am besten wäre eigentlich, alle laden sich eine Weihnachts-App runter und begehen Weihnachten auf diese Weise. Still. Digital. In sich gekehrt. Mit viel Abstand. Bloß nicht sprechen, lachen oder singen. Klappe halten. Maximal eine WhatsApp-Nachricht aus der Küche. „Wollt ihr noch’n Glas Wein?“ oder „Noch‘n Stück Stolle?“ Getippt natürlich, nicht gesprochen.

Also meine Vorfreude ist mir eigentlich vergangen, noch nie habe ich … bzw. wurde ich … im November mit so viel Weihnachten beschäftigt. Oder will man uns eigentlich damit nur so lang wie möglich unterhalten, damit bloß keiner die unangenehme Frage stellt, wie es denn eigentlich im Januar weitergehen wird?

Sorry liebe Leser, ich will hier nicht den Grinch spielen und euch die Adventszeit versauen, aber besser wär’s doch, wir sagen das alles ab, gehen in den Winterschlaf und wachen kurz vor Beginn der Grillsaison wieder auf. Weiß jemand wie das geht?

<— Corona-Lektionen 55

—> Corona-Lektionen 57

Passende Beiträge aus anderen Zeiten:

—> Paket-Dienst
—> Eislaufen über 40
—> Mega-Slide und Super-Maus

151) Corona-Lektionen 54

Bevor ich morgen in meine 36. Voll-Homeoffice-Woche starte, hier noch ein paar Gedanken zum Sonntag.

Fernweh
Am Samstag war ich im Buchladen denn ich verspürte Lust auf einen bunten Bildband mit Reiseeindrücken aus warmen Gefilden. Thailand, Vietnam, Indien … irgendwas aus der Ecke. Nach 10 Minuten fühlte ich mich aber wie Truman Burbank unter der Glaskuppel. Dort wo ihm ständig suggeriert wurde, dass es doch in Seahaven auch schön sei und es keinen Grund gäbe, diesen beschaulichen Ort zu verlassen. So schrien mich die Buchrücken da förmlich an:

„Hiergeblieben“
„Entdecke Deutschland“
„Unterwegs in Deutschland“
„Wo Deutschland am schönsten ist“
„Wandern mit Kindern rund um Berlin“

… und so weiter

Reagiert der Handel hier auf eine Nachfrage oder haben die vielleicht die Ansage bekommen, solche Bücher in die erste Reihe zu stellen? Oder bin ich etwas hypersensibel? Nach etwas Mühe konnte ich dann noch „Schweden“ und „Norwegen“ entdecken, aber dass war auch nicht gerade passend gegen den November-Blues.

Weihnachten
Bereits in der Corona-Lektion 43 von Anfang September, hatte ich spekuliert, wie Weihnachten und Jahreswechsel diesmal wohl ablaufen. Beim nochmaligen Lesen muss ich feststellen, dass ich da vermutlich gar nicht so falsch lag. Bei einer Sache allerdings schon. Ich habe mich gefragt, ob Weihnachtsmänner die Maske wohl eher über oder unter dem Bart tragen werden. Nun fürchte ich aber, die Frage wird sich nicht stellen. Gebuchte Weihnachtsmänner werden wohl keine fremden Wohnungen betreten dürfen, nehme ich mal an. Wahrscheinlich gibts aber auch hier schon findige Geschäftsideen. Ein Weihnachtsmann-Besuch per Video-Konferenz oder so. Künftig müssen Weihnachtsmänner also neben Bauch, Bart und tiefer Stimme auch noch eine ausgeprägte Digital-Kompetenz mitbringen. Der Berufsstand hat’s echt nicht einfach und befindet sich in einer großen Transformation. Zunächst bekamen sie immer mehr Konkurrenz von den DHL-Boten und anderen Päckchen-Amazonen, dann blieb auch noch der Schnee aus und nun müssen sie Zoom, Teams und Skype beherrschen. Bei uns im Kiez auch noch auf Englisch, Französisch und Spanisch. Die Eltern wollen das so für ihr Kind.

2021
Zurück zum Jahreswechsel und zum Jahr 21. Die 21 scheint eine besondere Zahl zu sein. Vor 20 Jahren zitterte die Welt schon einmal vor einer 21 und hoffte, dass all die Computer den Datumssprung ins 21. Jahrhundert schafften. Nun sitzen die Menschen wieder vor einer 21 wie das Kaninchen vor der Schlage und fragen sich, was da wohl nun kommen mag. Geht’s nun aufwärts oder kommt das dicke Ding erst noch. Tja, wenn wir das nur wüssten, oder?

Schönen Sonntag
T.

<— Corona-Lektionen 53

—> Corona-Lektionen 55

134) Corona-Lektionen 43

Bereits seit vergangenen Samstag sehe ich Weihnachtsgebäck im Supermarkt. Mir ist überhaupt nicht nach Weihnachten, habe noch nicht einmal die versauten Ostern verdaut.

Als ich da aber die Domino-Steine und Lebkuchen so liegen sah, musste ich über Weihnachten und den Jahreswechsel nachdenken. Schließlich macht man ja an Weihnachten häufig gravierende Veränderungen fest. Wie zum Beispiel das erste Weihnachten allein … oder in Freiheit … oder fern der Heimat … oder ohne Schnee … oder in den Tropen. Dies wird also das erste Weihnachten mit Corona sein.

Ein Blick in die Glaskugel:

  1. Betriebliche Weihnachtsfeiern werden abgesagt. Vielleicht ist es auch besser so. Dann muss man nicht zugucken, wie sich der dicke Wagner von der IT an die hübsche Krause aus der Buchhaltung ran macht
  2. Weihnachtsmärkte werden so sterbenslangweilig sein wie noch nie. Gesungen werden darf nicht, die Achterbahn setzt zu viele Aerosole frei, Glühwein gibts nur auf Marke und das ganze Gedrängle … was soll ich sagen. Den Rest erledigt die Angst vor dem Terror.
  3. Weihnachtsmänner werden Maske tragen müssen, man wird aber noch ausdiskutieren ob eher über oder unter dem mächtigen Bart. Vermutlich eher darunter oder der Bart wird gleich auf die Maske genäht. Das lässt sich dann leichter handhaben.
  4. Findige Geschäftsleute werden Corona-Accessoires auf den Markt werfen. Ein Masken-Etui mit Brillo’s für die Damen, ein 100-er Pack Schnelltests in Titan-Optik für die Herren. Auch eine Masken-Hakenleiste der Marke Ralf Bonz für den heimischen Flur wird’s geben, denn die Stofffetzen können ja nun nicht überall so herum liegen.
  5. All die Weihnachts-Shows kommen aus der Retorte oder aus TV-Studios ohne Publikum. Einzig auf Winnetou und Old Shatterhand ist Verlass, die reiten eh nur im Freien durch die Prärie der dritten Programme. Und auf „Dinner vor One“ natürlich. Völlig Corona-konform. Die Geburtstagsgäste von Mrs Sophie sind eh schon alle tot, Buttler James hält immer Abstand, desinfiziert sich gründlich von innen und gehört eh zum selben Haushalt. 
  6. Es wird ein paar Verdächtigungen geben, ob sich die mehrheitlich angebotenen Gänse (aus Polen) oder Kaninchen (aus China) mit dem Virus angesteckt haben könnten. Aber der Hobby-Koch wird die Viecher einfach die ganze Nacht bei 100°C in den Backofen schieben. Zusammen mit den Masken, die hätten es auch mal wieder nötig. Auf keinen Fall gibts Fledermaus mit Rotkohl!
  7. Die Sylvester-Party in Berlin wird abgesagt. Warum? Siehe 01.08.2020 und 29.08.2020, mehr gibt‘ da nicht zu sagen.

Und nu? Tja am besten noch schnell eine Hütte buchen und bloß weg hier.

<— Corona-Lektionen 42

—> Corona-Lektionen 44

62) Jahresendhektik

Sagt mal, bin ich der Einzige, der die so ach so besinnliche Vorweihnachtszeit eher mega-hektisch empfindet? Warum herrscht im letzten Monat des Jahres eigentlich so viel Hast statt Rast?

Woran kann das liegen?

  • Sind es die Feiertage und Ferien, die aus den sonst 22 Arbeitstagen auf einmal nur 15 machen?
  • Sind es Kollegen, die das ganze Jahr über vertrödeln und dann zum Jahresende noch was reissen wollen?
  • Sind es die wenigen Stunden Tageslicht, die mit so vielen „Tasks“ und „Challenges“ vollgestopft werden?
  • Sind es mir unbekannte Zielvereinbarungen, die so manch einer mit dem lieben Gott oder Weihnachtsmann zu haben scheint?
  • Sind es die überlebenswichtigen Werke Händels, die Geschichte der Faustkeile oder die Süßwasser-Polypen, über die die Kinder noch Klassenarbeiten schreiben?
  • Sind es unsere Vorsätze für 2019, von denen wir wenigstens noch einen umsetzen wollen, bevor wir den Rest geschlossen mit ins neue Jahr nehmen?
  • Sind es Geburtstags-oder Weihnachtsfeiern oder das ewig verschleppte Treffen mit dem Schul-Kumpel, dass nun unbedingt noch im alten Jahr „erledigt“ werden muss?
  • Sind es Erinnerungen an Mangel, die uns frühzeitig in die Geschäfte treiben, um den Lieben statt Gans oder Ente letztlich nicht noch falschen Hasen zu kredenzen?
  • Sind es Rituale, Medien, Marketing, Musik-Titel oder andere Gehirnwäschen, die uns seit Wochen eine heile Weihnachtszeit vorgaukeln und so viel Last und Bedeutung auf diese drei verdammten Tage legen?

Vermutlich all das, macht aus Besinnlichkeit Betriebsamkeit

So jetzt muss ich aber Schluss machen, hab‘ noch was zu tun 😉