175) Corona-Lektionen 70

So langsam dürfte sich bei jedem von uns das einjährige Corona-Jubiläum einstellen, oder? „Weißt du noch, vor einem Jahr?“ höre ich recht häufig dieser Tage. Und ich denke auch daran zurück.

Blick zurück:
Genau vor einem Jahr war ich noch in >> Bukarest und habe mich kurz danach über die heimischen >> Hamsterkäufe aufgeregt. Das Wort “Corona“ fand am 29. Februar erstmals Einzug in meinen Blog. Hielten wir das vorher alle noch für eine Biermarke aus >> Mexico oder ein Sonnenspektakel, sind wir mittlerweile zu 4-Sterne-Virologen und digitalen Heimwerkern mutiert. Unsere Kinder haben bereits mehr Homeoffice und Teilzeitmodelle kennengelernt, als wir jemals bei Chef oder Chefin durchsetzen konnten.

Reisen:
Die Lusthansa hat mir ihren Shopping-Katalog Frühjahr/Sommer 21 geschickt. Ich blättere kurz durch und habe die Wahl zwischen 36 Seiten Haushaltsgeräten (… nach Haushalt ist mir aber nun gerade mal gar nicht … ) und 25 Seiten rollendem Reisegepäck. Wollt ihr mich verarschen? Die Rubrik Vinothek hat nur noch magere 7 Seiten. Oh, oh. Alles abverkauft. Das bringt mich zum Thema Langzeitwirkung.

Langzeitwirkung:
Wir haben gelernt, dass Corona nicht nur die Lunge angreift, sondern auch den Rücken und das Oberstübchen. Und es macht die Haare grau. Lege ich mir eigenhändig einen Kurzhaarschnitt zu, muss ich mich an der Mülltonne schon gegenüber Nachbarn rechtfertigen. „Hey, sag mal, warst du etwa beim Frisör?“ Ich setze mittlerweile schon ein Perücke auf, damit mich bloß keiner anschwärzt. Aber was macht das alles langfristig mit uns? Kinder, die in dieser Zeit geboren wurden, haben vermutlich schon einen Knacks weg. Den meisten Menschen auf diesem Planeten fehlen Mund und Nase und die eigene Omma will sie nicht anfassen oder mal auf den Arm nehmen. Was soll aus denen nur werden? Bei der Fußball-WM in 12 Jahren wird Deutschland vermutlich so dermaßen abkacken, weil unsere Jungs seit Wochen nicht auf dem Platz waren. Und die bemannte/befraute Mars-Mission wird auf Jahre verschoben, weil sich keine Astronauten finden, die monatelang auf engem Raum zusammenleben wollen ;-

Schönes Wochenende!

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174) Corona-Lektionen 69

Der Frühling hat sein erstes Gastspiel. Im Stadtpark um die Ecke fuhren letzte Woche noch fette SUVs vor und luden ihre Eigner samt Ski-Ausrüstung aus. Jetzt spielen die Hipster da oben ohne Volleyball. Ich komm da kaum noch mit.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Impfen:
Meine Güte. Zuerst war kein Stoff da, jetzt schicken die Briten ein paar Pullen rüber und jetzt passt es nun auch wieder nicht. Das Zeug schützt ja „nur“ zu 70% und danach gehts dir vielleicht zwei Tage nicht gut. Ey, jetzt hört doch mal auf zu flennen! Was ist das nur für ein Wohlstand-Genöle? Wer das nicht haben will, der soll mir das mit der Post schicken, ich haue mir das auch selber in den Arm. 

Menscheln:
Als Jemand, der gut und gerne mal allein sein kann, haben mir die Kontaktbeschränkungen im letztem Jahr eigentlich wenig ausgemacht. Vor ein paar Tagen jedoch, habe ich mich doch aber glatt beim „menscheln“ erwischt. Nee, nicht googeln, nicht daddeln, nicht nextflixen. Sondern menscheln! Ich war beim Zahnarzt (wo man mich eigentlich nur unter Androhung von Gewalt hinkriegt) und ich verbrachte dort eine wirklich nette Stunde. Ich habe seit langem nicht mehr soviel mit Menschen außerhalb Arbeit/Familie gequatscht. Wir machten gleich weitere Termine fürs Frühjahr aus. Ich freue mich schon und fühle mich wie John Dunbar im Fort Sedgwick 😉  

Fernreisen:
Wer dieser Tage einer Fernreise machen will, muss kreativ sein. Ich hab’s versucht.

  1. Zunächst war ich im Asia-Lebensmittelladen, bin durch die Gänge gestreift, habe gerochen und gefühlt. Als ich wieder draußen war, hatte ich die Zutaten fürs Dinner und zwei Flaschen Singha in der Hand. Kingfisher gab‘s leider nicht. 
  2. Zum Abend gab es Indischen Blumenkohl mit Papadams und Raita. Und das Bier aus Thailand natürlich. Nicht ganz passend, aber Annapurna wird es verzeihen. 
  3. Für die Unterhaltung folgte dann ein 2,5-stündiger Bollywood-Actionfilm mit Super Star Shah Rukh Khan. Natürlich auf dem Tablet und mit Kopfhörern im Liegesessel. So fühlte ich mich dann wie auf einem >> Langstreckenflug kurz hinter Dubai, über dem Arabischen Meer. Nur ohne Luftloch. Und warme Tücher wurden auch nicht gereicht, dafür musste ich aber beim Klo nicht anstehen. Und es gab keinen Nebenmann der furzte und schnarchte. Oder aber schallend über alte Mr. Bean-Folgen lachte 😉

Ein guten Start in die nächste Homeoffice/Homeschooling-Woche!

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173) Corona-Lektionen 68

Der Countdown läuft. Noch ganze drei Wochen, dann habe ich ein Jahr im Corona-Homeoffice absolviert. Wer hätte das je gedacht. Tschakka! I made it! Mission accomplished!

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Schaden:
Aus irgendeinem Grund fliegt mir seit Tagen das Wort „Schaden“ durch den Kopf. Ist es der Kreuzschaden nach soviel Homeoffice? Der Sehschaden weil wir noch auf Flachbildschirme glotzen oder der Hörschaden, weil wir den ganzen Tag die Kopfhörer aufhaben? Oder der Sachschaden, der Totalschaden für so manchen Unternehmer. Oder ist es der Dachschaden, den wir nach Corona haben werden? Puh. Das zieht runter, ich versuche es noch mal anders

Lunch im Homeoffice:
Homeworker 1: „Ich habe heute zwischen 11:30 und 12:30 mal nichts, wir könnten ja gemeinsam rausgehen, uns etwas zum Mittag besorgen.“
Homeworker 2: „Ich kann nicht, ich will über Mittag mal kurz in die Firma, etwas abholen.“
Schoolboy: „Also ich habe von 11:00 bis 12:30 ein Meeting, ich habe da keine Zeit.“
Schoolgirl: „Geht nicht, ich habe ein Meeting von 09:00-14:00, weiß noch nicht wann Pause ist.“
Aha … Mahlzeit 

Auslandsreise:
Vor knapp einem Jahr habe ich mich mit meiner vorerst letzten > Auslandsreise nach Bukarest beschäftigt. Was nehme ich mit? Wie komme ich vom Hotel in die Firma? Was kann man abends noch so machen? Alles Geschichte. Seitdem hängen die Business-Outfits im Schrank. Dreimal haben sie es bislang nach draußen geschafft. Letzte Reise nach München im März, Jugendweihe im April und eine Online-Podiums-Diskussion im Oktober. Vermutlich wären die Klamotten in der Kleidertonne besser aufgehoben.
Es zieht immer noch runter, oder? 

Frühling:
Der Frühling kommt! Juchuuu! Es wird besser. Die dicke Winterjacke habe ich weit hinten im Schrank verstaut. Beim Durchsehen der Taschen, fand ich eine Maske. Ich entschied mich dafür, sie in der Jacke zu lassen. Denn dann bleibt die Entwicklung offen und beim nächsten Super-Winter habe ich dann entweder …

A) etwas zum Schmunzeln
ODER
B) eine Maske für den Super-Markt

Ja, ich weiß was ich will 😉

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171) Corona-Lektionen 66

Global Warming hat uns einen Wintereinbruch beschert. Schnee, Wind und Eiseskälte toben draußen. Bloß gut, dass wir ein Dach über dem Kopf haben. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Neues Lernen
Bevor mein Text gleich auf Stammtisch-Niveau fällt, möchte ich noch einen wichtigen Betrag von Sarah teilen. >>Was Lehrerinnen und Lehrer brauchen um wirklich guten Unterricht halten zu können. Während wir Elternhäuser auf den analogen Schulen herumhacken können, hat sie sich aus Sicht der Lehrkräfte ein paar Gedanken gemacht, wie die Transformation der Institution Schule gelingen kann. Denn da ist noch so viel zu tun. 

Die Schule einer unserer Home-Schüler hat es bis heute nicht gepackt, die Halbjahreszeugnisse auszuteilen. Und das ist sogar ein ganz analoges Vorgehen, was doch trotz Corona-Vorsichtsmaßnahmen irgendwie gehen müsste. Vielleicht sollte man die Verteilung den Paketboten überlassen. Sorry, jetzt ist es so weit … das Niveau fällt nun konstant.

Impfgeschehen
Schon bevor die erste Seniorin am 27.12.2020 geimpft wurde, brach immer wieder die Diskussion über „Sonderrechte für Geimpfte“ durch. Mal abgesehen davon, dass wir noch lange nicht die Impfgeschwindigkeit haben und die Fragestellung rechtlich / moralisch / ethisch zu den Schwierigeren gehört, gehts mir jetzt mal nur um die Wortwahl. „Für Geimpfte“… wie das klingt, oder? Zwar immer noch besser als „für Vaccinierte“, erinnert es mich aber sehr schnell an „entwurmte“ Katzen oder „gechipte“ Hunde. Die Türsteher müssen nun alle weitergebildet werden. Da ist keine Zeit zu verlieren! „Alda, bist’ geimpft? Sonst kommst‘ hier nit rein.

Veranstaltungen
Ach ja, seufz… . So ein krachendvolles Kino, Nachos mit Käse-Sauce auf dem Schoß und ein Bier in der Hand, was dem Ende naht, bevor auch nur der Film beginnt. Das fehlt schon, oder? Während man das Kino-Erlebnis zu Hause halbwegs nachbilden kann, steht es um den Fußball im Stadion ganz übel. Nun bin ich wahrlich kein großer Fußball-Fan, aber diese leeren Ränge sind ja immer noch schlimm anzusehen. Das Stadion ist vollgepackt mit Übertragungs-und Analyse-Technik, sie kriegen es aber nicht hin, die Distanz zum Zuschauer abzubauen. In der Video-Konferenz-Software der Firma „Winzigweich“ gibts einen „Zusammen-Modus“, da werden alle Teilnehmer wie in einem Hörsaal nebeneinander und übereinander gesetzt. Das ist oft ganz lustig. So stelle ich mir ein Bundesliga-Spiel vor … mit 70.000 Besuchern … wo man sein unrasiertes Corona-Face auf den Rängen jubeln sieht. Das ist die Zukunft! Man sitzt bequemer, es gibt keine Randale und auch keine Bengalos. Man muss kein Maske tragen und beim Klo steht man auch nicht mehr an. Außer die Stadion-Wurst. Die würde schon fehlen. Aber die kann man ja online bestellen 😉 Aber mit doppelt Senf bitte!

Schönen Sonntag.

T.

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169) Corona-Lektionen 65

Berlin hat schon wieder Ferien. 
Oahhhh großartig!
Dann können wir endlich mal nicht wegfahren. 
Fantastisch, das wird sicher gut!
Wir könnten ja mal den Stadtpark entdecken. 
Toll! Ja, das ist ja mal ganz was Neues.
Stattdessen können wir ja auch mal zu Hause bleiben.
Wunderbar! Als täten wir das nicht schon seit Monaten. 

Homeoffice wird Homework
Da ich meinen Resturlaub nicht im Berliner Schmuddelwetter abbummeln wollte, entschloss ich mich für ein Job-Rotation-Programm. Also tauschte ich Laptop gegen Pinsel und verwirklichte mich die letzten Tage als Maler und Tapezierer. Zu Hause. Wo sonst. So stand ich drei Tage auf der Leiter und ließ die Farbrolle und Gedanken kreisen. Besser jetzt im Februar als dann im Sommer, wenn wir uns vermutlich alle wieder an der Ostsee die Ellbogen in die Rippen rammen. Wenn … , … ach lassen wir das.

Lesen 1
Beim Abdecken von Möbeln konnte ich die Zeitungen der letzten Tage ganz gut einsetzen. Bei den Anzeigen blieb meine Aufmerksamkeit einen Moment hängen. Die ganze Rubrik „Reisemarkt“ bot nur zwei Anzeigen. Im Schwarzwald hat man noch Betten, im Spreewald bietet die „Waldhütte“ neu ausgestattete Zimmer und Bäder. Hunde sind erlaubt. Bin mir nicht sicher, ob die wirklich Gäste suchen, vermutlich haben die ein Jahresvertrag mit der Zeitung und kriegen die Annonce nun nicht mehr raus. Die Traueranzeigen dafür, belegen neuerdings eine ganze Seite. Das war „früher“ nicht so oder täuscht das? 

Lesen 2
An den Abenden konnte ich ein Buch beenden, dass schon länger darauf wartete. Es ist schwere Kost, zu der ich in den letzten Wochen nicht immer Appetit hatte. Aber es war ein wichtiges Buch und es hat mich schwer berührt. Seweryna Szmaglewska, eine politische Gefangene aus Polen, verbrachte zwischen 1942 bis 1945 schwere Jahre im KZ Auschwitz-Birkenau und schrieb kurz nach der Befreiung ihre Erlebnisse auf. 450 Seiten Lageralltag in all seiner Brutalität und ausweglosen Monotonie. Dagegen ist unser Alltag aktuell das reine Vergnügen. Eigentlich halte ich mich ja hier mit Literatur-Empfehlungen zurück, aber dieses Buch sollte zum Standard-Werk für Heranwachsende werden. Ich behaupte mal, da lernt die Jugend mehr als bei Goethes „Faust“ oder Shakespeares „Romeo und Julia“.

Und sonst so? Morgen geht’s wieder auf die Leiter.

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168) Corona-Lektionen 64

Schon 45 Wochen im Office! Törrööööööö“. I made it. Well done.  Tschakka. Das Modem glüht, ich verlasse die Online-Meetings schon gar nicht mehr, denn dann muss ich mich beim nächsten Mal auch nicht mehr einwählen. Spart Zeit.

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Homeoffice:
Am Montagmorgen stand ich im Badezimmer, schaute zerknautscht in den Spiel und hörte bei der Zahnpflege wie immer die Nachrichten. Stau auf der B2 nach Berlin, Stau am Potsdamer Platz, Stau hier und da. Gab es nicht eigentlich einen eindeutigen Aufruf der Politik, vermehrt Homeoffice anzubieten? Wie kann denn da eigentlich ein Stau entstehen? Das, was mir so langsam auf die Ketten geht, ist bei anderen Firmen immer noch Sience-Fiction. Den Arbeitnehmer ohne Aufsicht zu Hause arbeiten lassen? Au weiha. Wie schlimm. Der pult bestimmt den ganzen Tag an den Fußnägeln oder glotzt Netflix. Liebe Arbeitgeber dieser Kategorie: Wenn ihr so denkt und mir dann einen Headhunter auf den Hals hetzt, vergesst es. Ich werde nie und nimmer bei euch anheuern. Nie! Spart euch Anrufe und e-mails.

Wortwahl:
Beim Online-Tagesspiegel sah ich neulich einen Aufmacher mit dem Titel „10 Überlebenstipps von Erzieherinnen: Wie Sie im Homeoffice mit dem Kind den Lockdown überstehen.“ Also beim Tagesspiegel werde ich auch nie arbeiten! Erstens falsch gegendert, zweitens überhaupt nicht zielführend und drittens völlig überdreht. Aber auch das eigentlich von mir sehr geschätzte „Heute Journal“ sprach von „Folterwerkzeugen“ der EU gegenüber AstraZeneca. Muss diese Wortwahl sein? Ist die Lage nicht schon angespannt genug? Also to do-Liste öffnen und neuen Eintrag aufnehmen. „Brief an ZDF schreiben.“

Selbsttests:
Ach wie wäre es schön, sich selber zu Hause testen zu können, ohne sich so ein Stäbchen bis an die Schädeldecke zu schieben, oder? Man arbeitet wohl dran und ich glaube das wäre ein riesiger Fortschritt. Du stehst morgens auf, schmeißt die Kaffee-Maschine an, tappst dann ins Bad und machst einen einfachen Test. Für Laien. Super. 

Aber jetzt stellt euch mal vor, man hätte eine App entwickelt, die Speichel auf Viren analysieren kann. Und die einzige Stelle auf dem Handy, die einen Sensor hat, ist der Home-Button. Glücklich sind die, die noch einen Home-Button haben;-) Und dann verlangt die App, man solle jeden Morgen beherzt … also von ganz unten … Speichel … ihr wisst schon … hervorbringen … und dann … treffgenau … auf den Home-Button … auftropfen … lassen.  Mindestens fünf Milli-Liter. Oaaaah. Was für ein Bild. Großartig. Mehr davon! Like it!

Ich nehme Wetten an, ob die Menschen so weit gehen würden 😉

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PS: Bei der Gelegenheit sei meine Reihe SmartVid-20 empfohlen, die ich im ersten Lockdown Anno 2020 schrieb. Lest selbst.

164) Corona-Lektionen 62

Gestern habe ich meine 43. Woche im Homeoffice beendet. Ich habe in der Zeit kein Büro betreten, keinen Flieger, nix. Unglaublich. Zweimal habe ich ein Teammitglied auf einen Döner getroffen. Das wars. Mehr nicht. Den Rest des Teams gab’s nur über Teams. Ha ha, Wortwitz!

Bald habe ich ein Jahr voll und ich würde große Geldbeträge wetten, dass ich das Jahr noch deutlich überschreite. Denn mein Brötchengeber bittet mich wiederholt, nicht ins Office zu kommen, wenn es nicht zwingend sein muss. Wer hätte das jemals gedacht.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Ein Jahr Corona

In Corona-Lektion 14 habe ich versucht zu rekonstruieren, wann Corona das erst Mal nennenswert in den Deutschen Medien auftauchte. Nach meinen Recherchen war es der 22.01.2020 als die Tagesschau titelte: „Lungenkrankheit in China, Mehr infizierte durch Corona-Virus.“ Das ist nun knapp ein Jahr her. Seitdem haben wir 2-3 Lockdowns erlebt und es gibt die ersten Impfungen. Verfolge ich aber die Nachrichten der letzten Tage, habe ich das Gefühl alles geht von vorn los. Die neuen Virus-Varianten scheinen gefährlich, sie erreichen Deutschland und man befürchtet daher Schlimmes.

Wortwahl

Es gab da ein Statement aus einer der November-Lockdown-Light-Reden der Politik, was mich nicht in Ruhe lässt. Ich meine, es war sogar die Kanzlerin. Man sagte da, „ … man solle sich so verhalten, als hätte man selber Corona …“ und zielte dabei auf Vernunft, Abstand und entsprechende Hygiene ab. Aber das würde ja voraussetzen, dass die Spezies Mensch gern und ehrlich am Wohlergehen anderer Mitmenschen interessiert ist. Und da habe ich so meine Zweifel. Ich behaupte mal dreist, viele Menschen würden die Maßnahmen besser befolgen, hätte man gesagt: “Verhalten sie sich so als hätten alle anderen um sie herum Corona“.

Quarantäne

Gestern flatterte ein Brief des Gesundheitsamtes ins Haus. Nun haben wir es amtlich. In der Klasse der Tochter gab es einen Corona-Fall und wir sollen alle in Quarantäne gehen, auf keinen Fall Einkaufen oder zum Briefkasten. Zweimal am Tag bitte Fiebermessen. Und das Ganze voraussichtlich bis zum 27.12.2020. Aha. Gestern war der 14.01.2021. Der Brief ist datiert vom 05.01.2021 und enthält zwei Seiten Belehrung. Nun gut. Nicht falsch verstehen, ich will die Arbeit des Amtes nicht lächerlich machen. Die haben keine leichte Aufgabe aktuell. Es zeigt aber, dass die Sache aus dem Ruder läuft. 

So, nun will ich hier aber am Freitag gar nicht so schlechte Stimmung verbreiten. Freut euch, es ist Wochenende! Macht was draus! 

PS1: Ein guter Freund aus Potsdam hat mir heute was zum Lesen geschickt. Oh, da muss ich gleich mal die Inzidenzen dort checken, ob ich das überhaupt anfassen darf.

PS2: Mit einer sehr geschätzten Kollegin habe ich heute über die neue Gendergerechte Sprache geplaudert. Da habe ich auch schon einmal drüber nachgedacht in 34) Schäm dich! Aber ich muss wohl noch dran arbeiten, sonst fliegt mir der nächste Brief ins Haus.

Also liebe BloggerInnen, LeserInnen und FreundInnen. Genießt die Tage, weniger draußen … eher Innen 😉

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162) Corona-Lektionen 61

Gestern Abend gab’s die erste Pressekonferenz der Kanzlerin und der Länder im neuen Jahr. Mittlerweile dürften die Ergebnisse auch in den Ländern und Städten kommuniziert sein. 

Willkommen im Lockdown V2.3!

V2.3?? Da ich im IT-Umfeld arbeite, werde ich die von nun an für mich einfach mit Versionsnummern nummerieren. 

Rückblick auf bisherige Versionen:
Die Version 1 wurde im Frühjahr „gelaunched“.
Die Version 2 startete im Spätherbst und ist über die Zwischenversionen 2.1 „Soft“, 2.2 „X-Mas/New Year“ nun bei 2.3 „Kater“ angekommen. Zwei neue Features dieser Version nennen sich „15-er Regelung“ und „Family+1“. Diese Features sollten alle ausprobieren, denn das könnte durchaus positive Effekte haben.

Distanzunterricht:
Die Schüler hocken wieder zu Hause und müssen sich den Stoff selbst beibringen. Von Distanzunterricht kann bei uns noch keine Rede sein. Die Aufgaben werden zwar nun mehr über Plattformen verteilt und weniger über E-Mail, das ist aber auch die einzige Veränderung. Einzelne Lehrer_Innen hängen sich voll rein und versuchen mehr über Video-Konferenz zu machen. Macht weiter so! Genauso gut gibt es Lehrer, die seit der Vorweihnachtszeit, die Deutsch-Hefter bei sich zu Hause zur Korrektur liegen haben und sich jetzt wundern, wie die Kids da nun rankommen sollen. Soviel dazu. Bei digitalem „Unterricht“ sind wir noch lange nicht. Da kann man schon mal fragen, was eigentlich seit März 2020 erreicht wurde. Siehe hier >Corona-Lektion 3 vom 17. März 2020.

Realitäten:
Wie schon in >Corona-Lektion 6 und >Corona-Lektion 34 angesprochen, wundere ich mich so über verschiedene Realitäten.

Wenn ich mal wieder durch die TV-Sender zappe, habe ich den Eindruck, dass Corona da überhaupt nicht angekommen ist. Mal abgesehen von Nachrichten und Politik-Talk, in denen man nervöse Politiker und gut gelaunte Rodler am Winterberg sieht, scheint Corona bewusst negiert zu werden. Stattdessen laufen Filme aus der Konserve, da wird Trödel verhökert oder Kuchen gebacken. Es sind zwar mehr Glasscheiben verbaut und die Menschen stehen weit auseinander, aber trotzdem will man anscheinend den Virus partout nichts in Programm lassen. Will man die Leute damit beruhigen? Ihnen eine Corona-freie Unterhaltungsblase geben? Vielleicht kommt so manch lockeres Verhalten auch daher, dass in vielen Sendungen eben nur die Welt „vor Corona“ vorgegaukelt wird, so dass der Eindruckt entsteht, das ist alles halb so wild?

Sollen sie doch mal zeigen, wie es auf der Intensiv so abgeht,
wie Menschen an Schläuchen hängen, 
wie sie regelmäßig gedreht werden,
wie sie sauber gehalten werden,
wie sie auf eine Maschine angewiesen sind.
wie künstliche Ernährung so schmeckt,
wie die wochenlang im Bett liegen,
und um ihr Leben kämpfen.

Zeigt das doch mal! Ich meine so richtig echt. Kamera an und filmen. Ganz nah ans Gesicht ranzoomen. Voll drauf! Ohne Verpixelung der Augen bitte. Eine ganze Nacht durch, auf allen Kanälen. Alles live! Ohne Werbung. Auch bei Netflix, Amazon und YouTube. Chips und Bier sind ausdrücklich erlaubt. Lasst‘s euch schmecken!

PS: Sorry, für die drastischen Bilder hier, aber vielleicht muss das mal sein, damit‘s auch der letzte kapiert.

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157) Corona-Lektion 58 (Merry Christmas)

Als ich im März Teil 1 dieser Reihe ins Netz gestellt habe, war mir nicht klar, dass jemals über 50 weitere folgen. Noch weniger war mir klar, dass uns das zu Weihnachten immer noch so sehr beschäftigen würde.

Wenn ich nun zurück blättere, finde ich aber bereits weihnachtliche Hinweise das ganze Corona-Jahr über.

In Corona-Lektion 13 (April) bezog ich mich auf Weihnachten 2019, diskutierte mit mir die Begriffe System-Relevanz und Normalität. Und ich baute meine erste Verschwörungstheorie auf.

In Corona-Lektion 26 (Mai) philosophierte ich über den Begriff „Lockerungsgaben“, überlegte ob und wie der Weihnachtsmann eine Maske tragen muss und ich habe öffentlich versprochen, eine Riesen-Party zu schmeißen, wenn der Spuk mal vorbei ist.

In Corona-Lektion 43 (September) warf ich einen Blick in die Glaskugel und versuchte mir Weihnachten 2020 vorzustellen. Und da lag ich gar nicht so falsch.

In Corona-Lektion 54 (November) schloß ich die Mutmaßungen zur Maskenpflicht für Weihnachtsmänner_Innen endgültig ab und stellte erste Überlegungen zum Jahr 21 an.

In Corona-Lektion 56 (November) beendete ich für mich die Adventszeit noch bevor sie eigentlich begonnen hatte.

Und wie isses‘ nun?

Ich habe mich noch immer nicht an die Pandemie gewöhnt, manchmal vergesse ich sie sogar zeitweise und dann fällt sie mir wieder ein. So wie eine bevorstehende Weisheitszahn-Extraktion.

Die Politik (besonders die im Süden des Landes) hat mit ihrem erhobenen Finger und dem permanenten „Seid schön artig und folgsam, sonst fällt Weihnachten aus“- Geblubber seit November soviel unnötigen Druck auf diesen einen „Tag“ gepackt, die Leute damit irre gemacht und zusätzlich in die Shopping-Center und Flaniermeilen getrieben.

Am 06.12.2020 gab es zwar Klo-Papier ohne Ende, aber der Glühwein war ausverkauft. Nur Kinder-Punsch war noch zu haben. Nach einem Flirt mit der system-relevanten Verkäuferin brachte sie noch 5 Flaschen aus dem Lager zu Tage. Ganz solidarisch nahm ich aber nur eine Pulle mit. Ich musste feststellen, dass Glühwein in der Wohnung nicht schmeckt. Daraufhin habe ich mich dann mit der Tasse auf den Balkon gestellt. Da ging es dann. 

Es gibt Aussicht auf Impfungen und ich kann hervorragend spekulieren, wann es das erste Zeug bei E-Bay gibt und ob ich Weihnachten 2021 vielleicht auch endlich so eine Packung unterm Baum liegen habe.

Ein Corona-Fall in der Schulklasse und das schlechte „Krisen-Management“ der Schule in den letzten Tagen beschert uns nun ein Weihnachten in kleinster Runde. Na wunderbar.

Ich wünsche allen Lesern ein schönes Fest. Rückt euch nicht zu sehr auf die Pelle, singt nicht so viel, zieht euch warm an und stoßt euch nicht beim Lüften.

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155) Corona-Lektionen 57

Um so länger die Pandemie andauert und wir mit den Einschränkungen zu leben haben, um so mehr erlebe ich in Gesprächen ein gewisse Müdigkeit, Sättigung und Frustration (…  manchmal auch in mir selber …). Kein Wunder.

Schließlich haben wir die Situation nun schon seit März. Ganze neun Monate. In der Zeit kann man ein Kind auf die Welt setzen! Vermutlich erblicken in diesen Tagen die ersten Corona-Kinder das Licht der Welt. Aber darum geht‘s mir heute nicht. 

Wenn immer ich mich niedergeschlagen und Corona-müde fühle, versuche ich mir dann zu sagen: Ja, is‘ doof, aber…“

Wenn ich mir die vielen Arbeitsstunden der letzten Monate anschaue, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber wenigstens hast du viel zu tun und kannst dich tagsüber von all dem da draußen ablenken“.

Wenn mir nach 38 Wochen Homeoffice die Decke auf den Kopf fällt, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber wenigstens musst du nicht jeden Tag mit Bus oder Bahn fahren. Sei froh, dass du zu Hause arbeiten kannst“.

Wenn ich mich mal irgendwie eingesperrt fühle, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber jetzt weißt du ansatzweise, wie sich Menschen in Hausarrest fühlen. Setzen die nur einen Schritt vor die Tür, warten draußen Geheimdienst oder Polizei.

Wenn ich mich in meiner Freiheit beschränkt fühle, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber jetzt kannst du fühlen, wie es in manch autokratischen Systemen abgeht, wenn dem Volk schrittweise Recht für Recht genommen wird. Erinnere dich! Denk‘ immer dran!“

Wenn mir die Maske mal wieder auf den Sender geht, sage ich mir:
„Ja, is‘ doof, aber die Kinder müssen die Dinger den ganzen Tag im Unterricht tragen. Die haben es doch eigentlich mit am schwersten oder? Überfüllte Klassenräume, Stoff vorm Gesicht, Fenster bei 2°C geöffnet und dann noch einen Test schreiben“.

Also, probiert es mal selber aus, wann immer ihr ins Zweifeln kommt.

Sagt euch:
„Ja, is‘ doof aber …“

Schönes Wochenende und behaltet die Nerven!
T.

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