109) Corona-Lektionen 29

Geht man mit offenen Augen durch die Stadt könnte man meinen, wir haben das gröbste überstanden. An vielen Ecken zeigen sich deutliche Szenen der Entspannung und oben drüber schweben die Argumente für deren Rechtfertigung. Wie bei einer Karikatur in einem Satire-Magazin.

Impressionen der letzten Tage:

  • Der Park ist voll, Menschen genießen den Frühling auf der Wiese, Kinder stecken sich gegenseitig die Sandförmchen in den Mund und hüpfen gemeinsam auf dem Trampolin.
    Was soll man machen? Man kann die Kids ja nicht den ganzen Tag vor Netflix setzen, oder?
  • Die Biergärten sind wieder geöffnet, Restaurants stellen Tische raus, Latte Macchiato, Bier und Aperol Spritz fließen wieder.
    Was soll man machen? Das gehört doch auch irgendwie zu unserer Kultur und zum Frühling dazu, oder?
  • Die Pizza-Kartons und Sektflaschen stapeln sich im Park und lassen beim morgendlichen Joggen fragen, was denn hier das Nächstens wohl so abgeht.
    Was soll man machen? Wenn die Kneipen schon um 22:00 Uhr schließen müssen, dann ist man ja schon dazu gezwungen, oder?
  • Die Brachen in der Umgebung, werden zu privat organisierten Beachvolleyball-Plätzen umfunktioniert und es sieht aus wie an der Copacabana.
    Was soll man machen? Wenn die Corona-Regeln auf den Vereinsplätzen so streng sind, dann hat man ja kaum eine andere Wahl, oder?
  • Zwei Gruppen Radfahrer/Innen fahren aufeinander zu und fallen sich zur Begrüßung, um den Hals. Bussi links, rechts. Wie geht‘s euch denn?
    Was soll man machen? Die haben wir schon so lange nicht gesehen, außerdem kennen wir die ja, das sind ganz vernünftige Leute, die haben kein Corona.
  • Die Corona-Kurven anderer Länder, sind noch lange nicht „flat“ und man hört von üblen Schicksalen. Wanderarbeiter sind nach zehn Wochen immer noch nicht zu Hause angekommen, manche werden nachts auf Straßen und Schienen überfahren.
    Was sollen man machen? Das ist ja schließlich weit weg, oder? Solange die nicht an die Ost- oder Nordsee fahren und unseren Nearshore Urlaub versauen ist doch bei uns hier alles supi.

Schönen Feiertag morgen.

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108) Corona-Lektionen 28

Die 10. Family-Homeoffice-Woche liegt vor uns. Schule Nummer 2 wird ab Morgen wieder die Tore öffnen, zögerlich, unter Auflagen und in Teilzeit. Die Sonne scheint am blauen Himmel, alles friedlich.

Trotzdem muss ich etwas Dampf ablassen. Tut mir Leid.

Digitale Schule: Ein Desaster. Zumindest dort. Hat es diese Bildungseinrichtung in 9 Wochen nur einmal hinbekommen, einen Video-Call mit den Schülern der Klasse zu organisieren. Die Schulleitung hält sich aus allem raus, überlässt es den Lehrern. Manch einer entdeckt sich als YouTuber (Respekt!), andere schreiben E-Mails, andere machen nix. Was sind das für Zustände? Ich meine, die Schule hat doch einen Auftrag, oder? Sie wird von uns allen finanziert, die Schulleitung ist doch auch in gewisser Weise Arbeitgeber und hat eine Weisungskompetenz und auch -Pflicht, würde ich mal sagen. Ist die Schulpflicht ausgesetzt? Habe ich irgend etwas verpasst?

Fußball: Nun bin ich ja wahrlich kein großer Fußball-Fan, aber gestern habe ich mit halbem Ohr und Auge ein Geisterspiel verfolgt. Und wie zu erwarten. Es war furchtbar. Öde. Keine Stimmung, keine Gesänge, null Emotionen. Und daran ist meiner Meinung nicht einmal die Corona-Situation Schuld, sondern der Fußballverband, der meint, seine alten Konzepte 1:1 wieder aufnehmen zu können, um Bälle und Euros rollen zu lassem. Ohne Zuschauer, Bratwurst, Bierchen und T-Shirt-Stand. Nur eine Wiese, ein Ball und 22 Kerle, die dem hinterher rennen. Was bilden die sich eigentlich ein? Musiker, Schauspieler, Lehrer, Home Worker, usw müssen sich neu erfinden. Müssen irgendwie kreativ sein, sich anpassen, um arbeiten zu können, um Geld zu verdienen. Andere gehen in Kurzarbeit oder Pleite. Und der Fußball meint, er macht einfach da weiter, wo er aufgehört hat? Wie kann man ein Sportevent nur so ignorant veranstalten, ihm jeglichen Zauber nehmen und damit so dermaßen abkühlen. Da hätte Musik laufen können (wie bei Volleyball-oder Basketball-Spielen), man hätte Papp-Kameraden mit dem eigenen Namen kaufen können oder was weiß denn ich. Ein Show-Teil, mal neue Regeln, etwas ausprobieren. Irgendetwas. Der Fußball wird schweren Schaden nehmen, und zwar nicht wegen diesem blöden Virus, sondern wegen der Tatsache, dass er 0,0 anpassungsfähig ist und an alten Zöpfen festhält.

Verschwörung: Im Laufe der letzten Woche habe ich zögerlich mitbekommen, was da so an Verschwörungstheorien unterwegs ist. Ja, meine Güte, dacht ich. So ein paar Spinner gibt‘s doch immer. Jedes Dorf hat seinen Deppen. Und wenn der im Dorf bleibt, ist das ja auch ok so. Bis aufs jährliche Weinfest hat der doch gar keine Bühne. Heute früh habe ich mich etwas durch die YouTube-Bühne geklickt und bin entsetzt. Wie da Ex-Moderatoren, Sänger, Tänzer, Fernsehköche und andere C-Promis ihren geistigen Durchfall produzieren, da wird mir echt schlecht. Ich meine, die Situation ist doch nun schwierig genug. Für alle. Keiner hat sich das gewünscht, jeder muss irgendwie seinen Weg da durch finden. Aber solche Grütze in die Kanäle zu leiten oder auf Plätze zu tragen, das hat nichts mit mehr freier Meinungsäußerung zu tun. Nichts mit konstruktiver Diskussion oder Manöver-Kritik an den Maßnahmen. Das ist einfach nur Datenmüll, schade um den Strom der da verbrauchtt wurde. Gebt diesen Leuten schnell wieder etwas zu tun, die haben echt zu viel Zeit!

Schönen Sonntag!

T.

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107) Corona-Lektionen 27

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise wird viel diskutiert, welche Auswirkungen all das auf unsere Zukunft haben wird. Da lässt sich trefflich spekulieren, aber die Herausforderungen sind eigentlich gar nicht neu. Sie wurden schon zig mal diskutiert, nur vor anderen Kulissen und zu anderen Zeiten.

Ein paar Beispiele aus den letzten 20 Jahren:

Globalisierung: Bestimmte Arbeiten werden ins Ausland verlagert, vieles geht nach Osteuropa und Asien. Die haben dort auch gute Uni‘s und kosten nur den Bruchteil unserer Gehälter.
Und es wurde eifrig diskutiert: Ist das denn so gut für die Umwelt, wenn dort die Schlote qualmen? Wenn man lustige Radiergummis für je 1 EUR bestellt und die dann 6 Wochen mit dem Diesel-Schiff nach Deutschland fahren? Brauchen wir überhaupt so viele bunte Radiergummis? Und machen wir uns denn nicht auch abhängig? Gehen damit nicht auch Kompetenzen verloren? Und all die Telefonate, die kann man doch eigentlich auch aus dem Homeoffice machen, oder? Aber wenn in Asien die Nähmaschinen brummen, was sollen die Menschen hier denn noch tun? Die „schlaue“ Arbeit?

Digitalisierung: Andere Tätigkeiten muss man schon gar nicht mehr ins Ausland verlagern, das machen nun einfach Roboter. Wir sind permanent online, das Internet macht alles zu jeder Zeit verfügbar.
Und es wurde eifrig diskutiert: Ist dann so gut für die Umwelt, wenn wir alles online bestellen und Food liefern lassen? Wenn Server und Smart Devices Rund um die Uhr laufen? Brauchen wir das denn überhaupt alles und was passiert mit unseren Ladenstraßen? Und machen wir uns denn nicht auch abhängig? Gehen damit nicht auch Kompetenzen verloren. Und all die Telefon-Konferenzen, die kann man doch auch aus dem Homeoffice machen, oder? Aber wenn in Asien die Software-Schmieden laufen und unsere Busse künftig führerlos fahren, was sollen die Menschen hier denn noch tun? Innovation?

Energiewende: Ein AKW fliegt in die Luft, wir brauchen alternative Energien und E-Autos. Das Eis an den Polen schmilzt, das Klima verändert sich und die Temperaturen steigen. Zusätzlich fackeln Menschen sensible Wälder ab und heizen weiter an.
Und es wurde eifrig diskutiert: Ist dann so gut für die Umwelt, wenn wir nun einen Haufen neuer E-Autos bauen? Wenn wir die Landschaft mit Windmühlen zustellen? Brauchen wir das denn überhaupt alles oder könnten wir nicht auch unseren Konsum reduzieren? Und machen wir uns denn nicht auch abhängig? Gehen damit nicht auch Kompetenzen verloren? Und all die Virtual Meetings, die kann man doch auch aus dem Homeoffice machen, oder? Aber wenn E-Autos in der Produktion so viel weniger Personal benötigen, was sollen die Menschen hier denn noch tun? Altenpflege?

Covid-19: In China hat angeblich jemand von Fledermaus oder Gürteltier genascht. Wenige Wochen später steht die Weltwirtschaft still. Es gibt weder Klo-Papier noch Mehl, globale Lieferketten sind unterbrochen und Mitarbeiter und Schüler arbeiten von zu Hause. Billionen-Rettungspakete werden verabschiedet, Schulden gemacht ohne Ende.
Und es wird eifrig erkannt: Oh, schau an. Das ist ja sogar gut für die Umwelt, wenn nicht mehr soviel transportiert wird. Die Luft wird ja besser, wenn viele Arbeitnehmer nicht mehr täglich in die Firma fahren müssen. Manches brauchen wir ja eigentlich gar nicht und wir kommen mit viel weniger aus. Uuups, da haben wir uns aber ganz schön abhängig gemacht in den letzten Jahren. Können ja selber kaum noch Masken und Desinfektionsmittel produzieren. Und wenn viele Arbeitnehmer künftig einfach weiterhin von zu Hause arbeiten, dann braucht man ja gar nicht mehr so viele Büros und Flächen, die man heizen oder kühlen muss. Das könnte man ja Wohnraum schaffen. Das würde die Mietsituation entlasten. Ach nee. Aber wenn wir nicht mehr so viel reisen, pendeln und konsumieren, was sollen die Menschen hier denn noch tun? Netflix, Matrix, GarNix?

Soll mir doch bitte keiner sagen, es gäbe nichts mehr zu tun auf der Welt! Guckt euch den Dreck überall an, den Müll, die kaputten Landschaften. Kümmert euch um Menschen die Hilfe brauchen, pflegt euch und eure Gesundheit, tut was für die Birne, lernt was, treibt Sport, schreibt ein Buch, inspiriert euch und andere.

Es müssen andere Konzepte her. Weg von einem wachstums-und verbrauchsbasierenden Wirtschafts- und Einkommenssystem, hin zu gesundheits,- wohlstands,- und umweltgerechten Gesellschaftsentwürfen.

Auch nicht ganz neu, ich weiß, aber genau darum geht‘s ja hier

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106) Corona-Lektionen 26

So langsam beenden wir die 9. Woche im Family-Homeoffice. Ein Teil der Mannschaft war schon mal vorsichtig schauen, ob Firma und Schule noch stehen. Sie tun es. Gemütlich ist es da aber nicht.

Zeit für ein paar Beobachtungen und Gedankengänge:

Lockerungsgaben: Sprach die Marietta im ZDF am Montagabend wirklich von „Lockerungsgaben“. Sehr kreativ eigentlich. Oder habe ich mich da verhört? Das hat mich nicht mehr in Ruhe gelassen. Beim erneuten Abspielen gestern, verstand ich es nun als „Lockerungsgraben“ zwischen den Bundesländern. Schade eigentlich. Ist doch „Lockerungsgaben“ eine Mega-Wortkombinationen über die man mal nachdenken kann. Selbst die gängige Suchmaschine liefert keine Treffer für dieses Wort!

„Gaben“ ist doch ein anderes Wort für Geschenke oder? Und wir verstehen darunter auch sehr kleine Geschenke. Häufig auch im Zusammenhang mit Bedürftigkeit. Auf jeden Fall sind wir dankbar für Gaben, sind sie auch noch so bescheiden. Wir kennen da noch die „milde Gabe“ und den „Gabentisch“. Gaben sind aber auch bedingungslos würde ich mal sagen, und da unterscheiden sie sich dann eben doch wieder von den Lockerungsmaßnahmen.

Weihnacht: Das Wort Gabentisch bringt mich doch glatt auf Weihnachten, auch wenn gerade erst Mai ist. Wird der Weihnachtsmann mit Maske kommen? Mit einer roten vielleicht? Passt der gewaltige Bart darunter oder müssen die Weihnachtsmänner alle auf den kürzeren Berlin-Hipster-Bart umsteigen? Oder kleben die den Bart einfach auf die Maske drauf? Und dürfen wir mit Maske und Mütze überhaupt auf den Weihnachtsmarkt gehen? Ich glaube, der Innensenator und ich wollen das Thema gleich wieder beenden. Aber es bringt mich weiter zum Feiern großer Feste.

Fete: Wenn dieser Spuk mal wieder vorbei ist, gebe ich eine Party und freue mich schon riesig drauf. Lasst uns herzlich begrüßen, auf die Schulter klopfen, in die Arme fallen, aneinander drücken und auch Küsschen verteilen. Wenn es denn sein muss. Schuhe könnt ihr anlassen, Jacken schmeißt ihr auf’s Bett. Dann können wir dicht an dicht in Flur und Küche stehen, gemeinsam vom Käse-Igel naschen, mit vollen Händen in die Chips-Schüssel greifen, eine Pulle nach der anderen öffnen und, von mir aus auch, rauchen. Auch drinnen. Scheiß drauf. Ansonsten wollen wir quatschen, scherzen, lachen, schunkeln, tanzen, prosten, lärmen und lauthals singen. „Ich war noch niemals in New York“ … „Über den Wolken“ … „Staying alive“ … „I am still standing“ … egal was läuft. Bis es wieder hell wird und die ersten glücklich von den Stühlen kippen.

Wir lassen es krachen!

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104) Corona-Lektionen 24

Die Neunte Family-Homeoffice-Woche liegt vor uns. Der Sohn darf morgen wieder in die Schule, zeitweise zumindest. Die lange Liste der Hygiene-Maßnahmen sorgt für Enttäuschung und zeigt eindrücklich, dass da noch lange nichts „normal“ ist. Aber was ist schon „normal“?

Durch Corona ist kein Stein auf dem anderen geblieben:

  • Vormals fast undenkbare Veränderungen sind in Deutschland auf einmal möglich geworden. Nehmen wir nur mal flächendeckendes Home-Office, Video-Konferenz mit Lehrern und Kartenzahlung.
  • Relikte alter Zeiten, die wir schon überwunden glaubten, machen nun eine zweite Karriere. Die Warteschlange ist zurück, Drive In-Konzepte gibts nicht mehr nur beim Fast Food sondern auch für die Beichte. Religionen entdecken Auto-Kinos für sich.
  • Bei den großen Herausforderungen, die bislang unerreichbar schienen, hat es bereits kurzfristige Veränderungen gegeben. Der Verkehr hat abgenommen, in Großstädten wird die Luft besser und es wird viel weniger geflogen.
  • Schlechte Angewohnheiten, von den wir doch eigentlich ablassen wollten, festigen sich nun erst recht. Der Versandhandel und Individualverkehr boomt, „To Go“-Konzepte sind die einzige Überlebenschance für die Gastronomie. Verpackung inklusive.
  • Und wir konnten alle mal schnuppern, wie es sich denn so anfühlt, wenn Grundrechte  eingeschränkt, Versammlungen, Demonstrationen, Soziales Miteinander verboten werden. Für manche Deutsche war das gar nicht so neu. Uns eint nun aber die neue Erfahrung, wenn staatlicherseits eine partielle Bedeckung des Gesichstes gefordert ist.

Und weil das ja mal nur die eher „kleineren“ Veränderungen der letzten Wochen sind, wird uns doch allen klar, dass es kein „back to normal“ geben kann. Und wer sagt eigentlich, was das neue „normal“ ist?

Aber das wird ein neuer Beitrag 😉

Schönen Sonntag
T.

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102) Corona-Lektionen 23

In Berlin endet bereits heute die 8. Woche im Family-Homeoffice. Morgen haben wir frei. Eigentlich wollten wir ja den Frauentag feiern, aber der 8. März fiel dieses Jahr auf einen Sonntag. Also bekamen wir den 8. Mai geschenkt.

Ein paar Gedankengänge der letzten Tage:

Spiel: Kerstin schrieb kürzlich auf https://alltagseinsichten.com, dass sie das aktuell doch alles sehr an Brot & Spiele und den Film „Matrix“ erinnere. Ähnliche Gedanken kamen mir in der Woche auch, ich hatte aber eher „Monopoli„ vor Augen. Aber mit dem Unterschied, dass man nicht selber würfelt, sondern die Würfel von anderen geworfen werfen.

Der Rest bleibt ungefähr gleich:

  • Gegen Sie hier hin, aber gehen Sie nicht dahin
  • Gehen Sie am Rand, kommen Sie einander nicht zu nahe
  • Gehen Sie in den Bau, warten Sie 8 Runden … oder Wochen
  • Zahlen Sie dies und das, Strafgebühr, Anzahlung für keinen Urlaub
  • Stehen Sie hier an, warten Sie dort, aber bitte mit Abstand
  • Hotels sind gerade wieder im Kommen, kann man kaufen.
  • Theater und Kulturstädten besser noch schnell abstoßen

Hygiene-Konzept: Die Arbeitgeber, die ihre Leute zurück in die Büros holen wollen oder müssen, beschäftigen sich mit seitenlangen Hygiene-Bestimmungen. Klinken putzen, Fenstergriffe desinfizieren, Kaffee-Maschine reinigen, Tastatur abwischen, Telefonhörer polieren usw usw.  Team-Leads sind von nun an nicht mehr nur Chef, Coach, Datenschützer, Informationsschützer, Arbeitssicherheitsverantwotlicher und Chief Happiness Officer, sondern nun auch noch Putzkraft. Herzlichen Glückwunsch. Ich bleibe im Homeoffice so lange ich kann.

Hamster-Retrospektive: Die ersten Hamster-Käufe fanden nach meinen Notizen in der Woche vom 24.02.2020 statt. Die Mindesthaltbarkeitsdaten dürften nun Anfang Mai überschritten sein.

Daher lasst mich nun die Hamster fragen:

  • Hat die Mehlsuppe gut geschmeckt?
  • Habt Ihr euch an Dosen-Ravioli gelabt?
  • Oder sind euch die Kartoffel-Zentner, Salami-Ringe und Käse-Räder verfault?
  • Und wie steht’s eigentlich um die Klo-Papier-Bestände?

8. Mai: Der Tag der Befreiung jährt sich morgen zum 75. Mal. Die Deutschen krabbelten damals wieder aus den Kellern und Schützengräben. Die Städte lagen in Schutt und Asche. Sie standen vor dem Nichts. Und weil das alles noch nicht genug war, folgten 1946 und 1947 noch eisige Winter.

Das lässt doch die heutigen Probleme in einem ganz anderen Licht da stehen, oder?

Nachtrag: Tja, so wollte ich den Beitrag eigentlich enden lassen. Aber vorhin war ich noch mal im Park, etwas frische Luft schnappen. Da schien niemand ein Problem zu haben. Skater, Jogger, Volley-Baller überall. Kinder tobten auf den Spielplätzen, Picknick-Decken und Sitzgelage mit Bierchen auf der Wiese. Schon wieder eine neue Realität.

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100) Corona-Lektionen 21

Die Kids schlafen noch. Bevor unser Router wieder die Lichter der Nachbarschaft flackern lässt, Zeit für ein paar Gedankengänge.

Psyche: Man liest von depressiven Stimmungen, der Umsatz von Alkoholika ist um 20% gestiegen, der Absatz von fernsteuerbaren Vibratoren wohl auch. Meine Güte, was es alles so gibt …
Tja, was macht das alles mit uns? Stehen wir nach Corona nicht beim Friseur in der Schlange, sondern eher beim Seelenklempner? Eigentlich wollte ich genau darüber etwas schreiben heute, aber das zieht mich irgendwie runter. Das geht so nicht, es muss etwas Lustiges her! Ich versuche es mal.

Wortspiele:

„Hi Coro, na wie geht’s?“
„Neulich noch in Verona, jetzt im Bett mit Cor…“.

… mhm …

“Das ist Kalle aus Halle, mit dem spielen `se alle. Das ist Heiner mit dem spielt …
Das ist Mona, die hat Cor….“

… Oaaaahh schlecht …

„Wessen Maske ist das? Das ist, Henry‘s Maske.“
„Auch der Baske trägt nun Maske.“

… krampf …

„Corona Lisa“
„ Toyota Corona?“

… ich lass` es wohl besser

Maske: Am Donnerstag war ich das erste Mal mit Maske im Kaufland. Und was ist daran nun bitte lustig? Nicht viel.

  • Noch vor ein paar Wochen hätte sich die Menschenmenge vor mir geteilt, wenn ich mit Maske da aufgekreuzt wäre. Jetzt, wo die Maske Pflicht ist, sind anscheinend jegliche Abstandsregeln vergessen. Menschen rücken mir so sehr auf die Pelle, da wird mir Angst.
  • Schon kurz nach Obst & Gemüse bekam ich kaum noch Luft. Jetzt weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn ein Nepalese in Kathmandu zum Kaufland geht. Respekt. Beim Joghurt schalte ich die Lauf-App ein und versuche das als Höhen-Training zu verbuchen.
  • Und ständig beschlägt mir die Brille. Ich setze sie auf und ab. Ich schiebe sie über die Augenbrauen ( … und sehe aus wie einer vom literarischen Quartett) oder lasse sie locker auf den Nasenflügeln sitzen ( … uns sehe dann aus wie der Gauland von der AfD). Doof.
  • Ich muss die Gummis hinter den Ohren lockern, sonst kriege ich noch Segelohren. Merken: Termin machen beim Schönheitschirurgen. Und beim Seelenklempner.
  • Hinter Fleisch & Käse irrt ein Seniorin durch den Laden und brüllt durch ihren Stoff. „Bapu!“ „Bapu, wo bipt du?“ „Bapu, hapt du schon Milp?“
    Was is‘n das für‘n ungewöhnlicher Name … Bapu. Ist der vielleicht Inder?
    Nö… der heisst einfach Hartmut.

So, dann ist das ja nun doch noch ein unterhaltsamer Beitrag geworden

Schönes Wochenende

T.

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99) Corona statt Nelke

Die Veranstaltungen um den Mai-Feiertag haben sich stark gewandelt. Und nur weil in China jemand von der Fledermaus naschen wollte, wird Corona auch diesen Feiertag disruptive verändern.

In der DDR wurde zur Teilnahme an der zentralen Demo aufgefordert. Mit roter Plastik-Nelke am Revers und Winkelement in der Hand, stand man sich mit den Eltern und deren Kollegen am Sammelplatz die Beine in den Bauch. Irgendwann setzte sich der Zug dann endlich in Bewegung. Tausende Menschen, Enge, Körper-Kontakt, politische Parolen und Lieder, die den Grau-Köpfen des Politbüros kurz vor dem Alexanderplatz aus müden Kehlen entgegen gerufen wurden. Zum Ende der Veranstaltung stand man Schlange, um eine pappige Grilletta (Hamburger des Ostens) zu ergattern oder vielleicht auch mal ein Fischbrötchen. Da musste man aber schon sehr viel Glück haben oder jemanden kennen. (Für die jüngere Generation: Das ist ungefähr so, als wenn ihr heutzutage Klo-Papier besorgen wollt und etwas von der Post abholen müsst.)

Eine staatlich verordnete Groß-Demonstration … heute kaum denkbar. Der „Honi“ Honecker und seine blauhaarige Margot, der kleine dicke Axen, der greise Willi Stoph und der weißhaarige Günther dessen Nachname immer Appetit machte, würden heute alle zur Risiko-Gruppe zählen und für immer in Wandlitz eingeschlossen werden. Auch wenn die DDR damals schon sehr vorbildlich Corona-Maßnahmen umgesetzt hatte (Grenzschließung, Reise-, Versammlungsverbot etc), wäre sie doch spätestens jetzt untergegangen. Das beruhigt doch irgendwie.

Aber auch bei den Mai-Krawallen in den 90-er Jahren war man schon sehr auf die Durchbrechung von Infektionsketten sensibilisiert. Die Demonstranten trugen  bereits Mundschutz und warfen Flaschen mit desinfizierenden Flüssigkeiten. Die Polizei war auch im Vollschutz angetreten, gepanzert, mit Visier vor Mund und Nase und sogar mit einem Plexiglas-Schild. (Also so wie im Supermarkt heute.) Beide Lager hielten sich tagelang auf Abstand. Zum regelmäßigen Händewaschen warf die Polizei frisches Wasser über den Demonstranten ab. Virologen würden heute allerdings zu warmem, statt dem damaligem kalten Wasser raten. Und da das Berliner Wasser bekanntermaßen sehr hart ist, sollte man eher Wasser aus den Alpen verwenden. Aber das ist auch nicht mehr ganz so einfach zu beschaffen dieser Tage.

Dieser 1. Mai 2020 wird anders werden. Keine Feste, keine Demos, keine Steine. Stattdessen verlagert der Deutsche Gewerkschaftsbund seine Veranstaltungen komplett ins Internet. Es soll nicht gearbeitet werden und Millionen Arbeitnehmer arbeiten an diesem Tag heimlich, weil sie keinen Bock auf Netflix haben oder Herz-Lungen-Wiederbelebung für ihre Firmen und Geschäfte leisten.

In diesem Sinne … einen schönen Feiertag!

Und wer sonst noch kein Bock auf Netflix hat, dem kann ich zwei Serien hier auf’m Blog empfehlen. Aktueller denn je.

Thema DDR, Mauerfall und Stasi: 

Thema Zukunft der Arbeit, New Work und Homeoffice:

98) Corona-Lektionen 20

Die siebte Family-Homeoffice-Woche geht dem Ende zu, vor uns liegt ein langes Mai-Wochenende. Das Wetter wird so la la, aber Mai-Fest oder Straßen-Café gibt‘s eh nicht. Nächstes Jahr vielleicht.

Zeit für ein paar Gedankengänge, die mich beschäftigen

Abwägung: Seit längerem liegt ein Text-Fetzen in meinen Notizen: „… Alles für die Gesundheit? Wie lange? …“. Aber ich hatte keinen Schimmer, wie ich das hier halbwegs sensibel ansprechen kann. Nun hat der Bundestagspräsident das getan. Er provoziert eine wichtige Diskussion: Kann alles der Gesundheit unterliegen? Was riskieren wir sonst noch so, um die Infektionszahlen niedrig zu halten? Wie lange tragen wir das alle mit? Ist es nicht auch der Lauf der Dinge, dass Menschen erkranken? Das klingt kalt und herzlos, das weiß ich auch. Aber ich denke, die Gesellschaft kann sich der Frage auch nicht entziehen. Schwieriges Thema, gar keine Frage.

Risiko: Ein Bespiel, wo es definitiv ein Risiko gibt. Da gibt es eine kleine Omma, die soll im Juni stolze 100 Jahre alt werden. Seit Wochen darf sie niemand mehr besuchen, auch ihr Zimmer darf sie nicht mehr verlassen. Nicht einmal zum Essen. Alles zum Schutze ihrer Gesundheit. Sie ist damit sehr unglücklich, die Kommunikation mit den Angehörigen klappt schlecht, da sie schwerhörig ist. Zum Briefe schreiben kann sie kaum den Stift halten. Also bleibt nur die Glotze bei Lautstärke 100. Und diese kleine Omma, schützen wir nun vor „uns“, die vielleicht diese fiese Krankheit unwissend in uns tragen. Dieser kleinen Omma wird man wohl verklickern müssen, dass der Bürgermeister nicht kommen wird, um zum Hundertsten zu gratulieren. Fraglich ist, ob überhaupt EINER aus der Familie vorbei gehen kann. Vielleicht ist sie nun so gut geschützt, dass sie noch 100,5 wird oder gar 101 oder 102? Wird aber die Familie nie mehr sehen, wenn es ganz blöd läuft.

Applaus: Ich will den Beitrag nicht so düster enden lassen, also nun noch etwas Unterhaltsames: Unsere jungen Mitbewohner hatten kürzlich den Fernseher fürs Finale von „The Voice of Kids“ okkupiert. Die Show lief ohne Publikum natürlich. Die Sitzreihen dort im Studio waren unbesetzt und abgedunkelt. Alle 30 Sekunden ertönte aber ein Applaus. Wie damals bei „Alf“ oder der „Schrecklich netten Familie“. Sehr skurril. Das wäre doch auch was für die kommenden Geisterspiele im Fußball  oder? Das kann man auch wunderbar automatisieren. Kaum rollt der Ball aufs gegnerische Tor zu, toben die einen Lautsprecher, rollt er zurück, tönen die anderen Boxen. Fangesänge, Schlachtenrufe und selbstverständlich die üblichen Beleidigungen könnte man auch abspielen. Für die Bengalos kann man vielleicht einen Pyro-Werker anheuern, die haben doch eh nix zu tun gerade.

In diesem Sinne.

Schönen Feiertag 

<— Corona-Lektionen 19

32) Postkarte von Himmelstreifen

Vor Corona zog alle paar Minuten ein Flieger am Sonntag Himmel entlang. Nun, da die meisten Flieger am Boden stehen, sind Kondensstreifen am Himmel schon echt eine Seltenheit geworden.

Schon fast vergessen, wie nervig Reisen auch sein kann, stehe ich dieser Tage da, schaue in den Himmel, zeige mit dem Finger und rufe:

„Schaut mal da, ein Flieger!

Hier ein paar Bilder aus den letzten Wochen:

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Fernweh? Wo sollte es denn hingehen?

<— Weitere Postkarten gibt‘s hier