209) Corona-Lektionen 89

Die Radtour fällt buchstäblich ins Wasser, aber das verschafft mir etwas Zeit für einen weiteren Beitrag über das blöde Virus und was es so mit uns macht.

Ein paar Gedanken der letzten Tage

Freiheiten
Eine Einschränkung fällt nach der anderen. Kaum ist eine Lockerung zu mir durchgedrungen, überlege ich, was ich damit nun anstelle. Aber da ist die Information schon wieder veraltet und es geht schon wieder etwas mehr. Ich find es echt krass, wie sehr wir in 7 Monaten gelernt haben zu verzichten und bin mit den neuen Freiheiten auch leicht überfordert. Aber Stück für Stück entdecken wir sie zurück. Zum Beispiel letzten Dienstag mit Freunden beim Griechen. Es gab Wein, Gyros und Tsatsiki in ordentlichen Mengen. Es fühlt sich noch sehr ungewohnt an und ich hatte das Gefühl, das nun besonders genießen zu müssen, denn wer weiß was im Herbst wieder auf uns wartet.

3G
Auch wenn wir sonst gern über das mobile Netz in Deutschland schimpfen und uns bereits auf 5G freuen, scheint 3G dieser Tage völlig ausreichend. Getestet, Geimpft oder Genesen. Aber selbst das ist gar nicht mehr unbedingt notwendig. Ich wollte heute endlich mal wieder in den Baumarkt (letztes Mal Mitte November !), checkte aber vorher noch mal die Regeln dort. „Dieser Markt hat ohne Test und Einkaufstermin für alle Kunden geöffnet. Wir freuen uns auf ihren Besuch.“, stand auf der Homepage. Und Tatsache, die Türen standen offen, die Gänge waren luftig leer und die Abteilungen waren noch an ihren alten Plätzen. So wie „damals“ in 2020. Zum Glück haben sie während des Lockdowns nicht noch umgeräumt, dann wäre ich völlig verloren gewesen.

Events
Auch Veranstaltungen scheinen wieder möglich. Nun bin ich ja wahrlich kein großer Fußball-Fan, aber als gestern die Italiener im Stadion ihre Nationalhymne schmetterten, stand mir PiPi in den Augen.

Stringiamoci a coorte,
Siam pronti alla morte,
Siam pronti alla morte,
L’Italia chiamò

Puhhh, was für Zeilen. Die geballte Kraft der Stimme, die vielen Menschen im Stadion und aber natürlich auch das Wissen, wie der blödes Virus dort gewütet hat. 

 

PS: Vor einem Jahr habe ich >Corona-Lektionen 32 zum Thema „New Normal“ geschrieben. Passt bestens in die aktuelle Zeit.

Also, genießt die Möglichkeiten, aber übertreibt‘s nicht gleich wieder!

<— Corona-Lektionen 88

207) Corona-Lektionen 87

Die vergangene Woche war wieder vollgepackt mit Arbeit, außer ein wenig Corona-Zahlen-Check am Morgen und Abend war nicht mehr drin.

Ein paar Gedanken aus der Woche: 

Post vom Meilen-Sammler
Der Meilen-Sammler hat mir schon wieder geschrieben. Er will mir „die Möglichkeit geben meinen Status bis 2024 zu verlängern“. Ich könnte „jetzt nicht nur Meilen beim Fliegen sammeln“, sondern auch über eine Kreditkarte ( … die mich aber auch noch etwas kostet). Der nette Herr beendet den Brief mit „… und drücke Ihnen die Daumen für Ihre Statusverlängerun. Mit freundlichen Grüßen. Marketing Director Sowieso “.  Ungläubig wende ich den Brief mehrere Male und frage, mich ob der aus einer anderen Zeit abgeschickt wurde. Die Fluglinien sind schwer angeschlagen, ich konnte/durfte nirgends hinfliegen und nun soll ich deren Loyalty-Programm erhalten bleiben, in dem ich Sachen auf Kredit kaufe, die ich gar nicht brauche? Mal davon abgesehen, dass deren Hauptgeschäft nicht nur Corona-bedingt, sondern auch CO2- bezogen ins Wanken gerät? Lieber Managing Director und Vice President, da kommt eine Menge Wind auf euch zu. Wind of Change.

Test-Skandal
In die positiven Entwicklungen in der vergangenen Woche, platzt nun der nächste Skandal. Die privaten Test-Center, die wie Pilze aus dem Boden gewachsen sind und Schnelltests anbieten, können die 18 EUR Aufwandsersatz pro Test abrechnen, ohne entsprechende Belege einzureichen. What? Sonst wirft man Deutschland vor, oberbürokratisch zu sein und nun prüft man … gar nichts? Oberster Grundsatz in der Buchhaltung lautet „Keine Buchung ohne Beleg“. Und die Center können (heisst nicht, dass alle das machen) abrechnen was sie wollen? Das kommt einer Veruntreuung von Steuergeldern bei gleichzeitiger Ermunterung zum Betrug nahe. Ich meine, man muss ja nun nicht gleich wieder ein Mega-Prüf-Monster erfinden, aber der Betreiber eines solchen Centers könnte doch mindestens dazu aufgefordert werden, die Rechnung/Lieferscheinnummer für die Test-Kits beizulegen. Da kann man immer noch bescheißen, ja klar, aber ich lass doch auch nicht die Tür meiner Wohnung offen stehen, um mich dann zu wundern, dass sie ausgeräumt wird. Das ist dilettantisch und hat rein gar nichts mit der „der so unverhofften und nie gekannten Pandemie-Situation“ zu tun .

Hellblau
Gerade eben habe ich mir noch einmal auf die Corona-Karte von Berlin geschaut. Unser Stadtbezirk erstrahlt da in einem ganz zarten himmelblau. Die Einfärbung ist so schwach, ich muss bald mal die Kontrasteinstellungen am smarten Gerät verändern, damit ich das überhaupt noch erkennen kann. Und auf diesem hellblau protzt eine superschlanke 18,3. Zum Glück sind es nicht die Wahlprognosen der AfD, sondern unsere 7-Tage-Inzidenz. So schön wie das klingt, so zögerlich bin ich aber auch, gleich in Euphorie zu verfallen. Keiner rennt vor Freude auf die Straße, keiner zündet Raketen, keiner liegt sich freudeheulend in den Armen. War’s das? 

Ich traue dem Frieden noch nicht. 

Vielleicht macht das Biest nur Sommer-Pause?
Schönen Sonntag
T.

<—Corona-Lektionen 86

202) Corona-Lektionen 84

Hah! Unser Kiez ist deutlich unter 50. Nein, nicht nur vom Durchschnittsalter her, sondern auch von den Neuinfektion auf 100.000 Einwohner gerechnet. Bevor die neue Arbeitswoche im Höhlen-Office startet, hier noch ein paar Gedanken der letzten Tage.

Tja, wie ging nun die Inzidenz so deutlich runter?
Haben wir uns so diszipliniert heruntergearbeitet? Durch Vernunft, Verzicht und nächtliche Ausgangssperre? Lag es daran, dass die gebürtigen Schwaben und Bayern über’s lange Wochenende nach Hause gefahren sind 😉 Aber wäre die Inzidenz dadurch nicht eigentlich sogar höher, weil gar nicht 3,5 Mio Einwohner in der Stadt waren? Oh, oh …, zu früh gefreut? Oder hat diese böse Regierung vielleicht doch heimlich Impfstoff ins Trinkwasser gekippt? Oder entwickelte das Bundeswetterministerium das ideale Anti-Corona-Wetter für uns. Schwedischer Sonne-Wolke-Mix bei 13°C für die nächsten 30 Jahre? Oder hat das Virus einfach keinen Bock mehr. Würde ich verstehen, ist ja auch anstrengend so eine Pandemie.

Und warum kennt mein Schreibprogramm immer noch nicht den Begriff „Inzidenz“ und unterstreicht ihn ständig rot?

Impf-Schummel
Man liest von Schummelei und Dokumentenfälschung. Wundert mich alles nicht und da soll mal keiner so erstaunt tun. Die miese Dokumentationsform der erfolgten Impfungen, muss man noch mal aufs Brot schmieren. Da war nun wirklich genug Zeit, sich etwas Vernünftiges einfallen zu lassen. Vielleicht sollten sie mal bei Fluggesellschaften, Kinobetreibern und Bonuspogrammen anfragen, wie man so etwas macht. Aber nein, wir wedeln mit einem gelben Büchlein durch die Außen-Gastro und erbitten Einlass. Ich warte auf die ersten Datenschutzdiskussionen, ob der Kellner die anderen Impfungen im Buch überhaupt sehen darf. Aber obwohl, da könnten sie dann ja auch einen Service draus machen. „Ihre Lasagne kommt sofort, aber sagen sie mal … ihre Tetanus müssten sie auch mal wieder auffrischen“.

Lockerung
Zeit für eine paar Lockerungsübungen! Bei dieser erfreulichen Entwicklung der Zahlen, fragt sich bestimmt jeder dieser Tage mal, was er/sie denn gern machen würde, wenn der Spuk mal beherrschbar wird, oder?

  • Mal irgendwo gemütlich sitzen und etwas essen? Sich nicht ständig von der Fläche vor dem Lokal vertreiben lassen? Den Döner nicht an einer zugigen Häuse-Ecke herunterschlingen und die Kanton-Ente nicht in Kunststoffverpackung nach Hause tragen? 
  • Lust auf einen Kino-Besuch? Einen Blockbuster mit Überlänge und eine Schüssel Nachos auf dem Schoß. Mit Käsesauce und Jalapeños? 
  • Oder mal eine chillige Wiedersehens-Party veranstalten? So wie schon hier im letzten Mai in Corona-Lektionen 26 geschrieben.
  • Mal wieder einen Laden betreten, dessen Fenster nicht mit Verhaltensregeln zugeklebt sind? Sondern wo einfach ein einziges Schild die Eingangstür ziert: 

„OFFEN“

Ach ja … wie schön … aber mit Geduld bitte.

Schönen Sonntag noch
T.

<— Corona-Lektionen 83

–> Corona-Lektionen 85

197) Corona-Gedicht

Erzähl mir ein Corona-Gedicht
Maske ziert noch das Corona-Gesicht
Pizza wurde zum Corona-Gericht
Und nun zu Corona-Gewicht

—> Bewegt euch und genießt den Frühling!

Liebe Leser, sorry für diesen bislang kürzesten Text ever hier auf‘m Blog. Aber ich habe keine weiteren Worte gefunden, die mit „Ge“ beginnen und mit „icht“ aufhören.

Und wenn ihr euch nun Sorgen macht: Nein, nein, ich drehe noch nicht durch, habe auch nicht zugenommen und gehe gewiss nicht unter die Poeten.

Wir hatten einfach die letzten beiden Tage ein Super-Wetter hier und ich glaube, det ha‘m wa‘ uns vadient!

Bleibt stark! Alles wird gut.

196) Corona-Lektionen 82

Eine arbeitsreiche Woche liegt hinter mir, ich hatte nur wenig Zeit den Corona-News zu folgen. Ein paar Nachrichten am Abend und Talkshow-Fetzen, mehr war nicht drin. Trotzdem (oder vielleicht genau deshalb) habe ich das Gefühl, dass sich die Ereignisse überschlagen oder täuscht das?

  • Zu Wochenbeginn saß ich noch bei Plasberg und ertrug die ermüdenden Erläuterungen der Bundesbildungsministerin. „Wir haben schon zu Beginn der Pandemie gesagt, dass …“, „Luftfilter einbauen geht nicht weil …“, „da gibt es Vorschriften hier“ und „Standards da“. Ein sehr sympathischer Soziologe konterte sehr charmant und ungefähr „Ja wenn wir mal all die Vorschriften und Standards ernst nehmen würden, dann hätten die Kids auch funktionierende Toiletten und die Fenster wären dicht“. Herrlich! 
  • Das war ungefähr der Zeitpunkt, als ich die Doku-Reihe „plan b“ entdeckte. Positive, konstruktive Entwicklungen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Technik. Das tut mal richtig gut. Kein rückwärtsgewandtes Genöle, sondern ein Blick nach vorn. Kann ich nur empfehlen.
  • Zur Mitte der Woche ging es dann Schlag auf Schlag. Wiederkehrende Freiheiten für „Geimpfte und Genesende“, ja sogar Reisen im Sommer soll möglich sein. Die Haustechniker in den Hotels überlegen bereits krampfhaft, wo eigentlich die Hauptsicherung für den Strom und das Absperrventil für die Wasserversorgung zu finden sind. Und dann ging es so weiter. Impfungen von Kindern über 12 Jahre in Canada, Diskussionen um die Aussetzung von Patentrechten für Impfstoffe, Impfung der deutschen Kinder noch in den Ferien, hört hört!
  • Und nun zum Ende der Woche geht das so weiter. Die Impfreihenfolge für AstraZeneca ist ausgesetzt, es gibt einen Sonder-Etat für Kinder und Jugendliche und man diskutiert nun wieder ein Wort, was längere Zeit nicht zu hören war. „Klima“. Was ist hier nur los? Lag ich 2 Monate im Koma? Wird jetzt geklotzt? Ist alles überstanden?

Vorhin war ich beim Supermarkt um die Ecke. Ein Typ steht an der Fleischtheke, seine Maske hängt auf „halb sieben“ und er blökt seine Bestelllung über den Tresen. „Würden Sie bitte ihre Maske über die Nase ziehen“, fragt die Fleischfachverkäuferin“ sehr freundlich. Der Typ fängt das Diskutieren an. „Wissen `se ick halt davon ja nix …“

Es ist noch nicht vorbei … aber es geht aufwärts.
Bleibt stark!

<— Corona-Lektionen 81

—> Corona-Lektionen 83

183) Corona-Lektionen 78

So, Ostern wäre nun auch geschafft. Das Wetter war grau, kalt und feucht, für Unternehmungen im Freien eher weniger geeignet. Bestimmt steckt die Regierung dahinter, oder? Die wollen uns wohl alle in den eigenen vier Wänden wissen. Das ist doch offensichtlich! Daher rufe ich nun laut „Freiheit!, Freiheit!, Freiheit!“ und „Wir sind die Wolk! Wir sind die Wolk! Wir sind die Wolk!“

Tut mir leid, eigentlich wollte ich sachlicher beginnen, ich kann aber nicht anders. In den letzten Tagen stolperte ich wieder durch verschiedene Realitäten, es fühlte sich an, als hätte ich fünf Spielfilme hintereinander geschaut und weiß nun gar nicht mehr, worum es bei denen eigentlich ging.

Lockdown
Das vegane Osterlamm ist vernascht, die Flasche alkoholfreier Osterschnaps steht beim Glascontainer und das CO2-freie Osterfeuer ist auch abgebrannt. Aber ab Morgen ist Schluß mit der Völlerei! Morgen wird zurückgekehrt an den Corona-Verhandlungstisch. Harter Lockdown? Oder das bisherige Stop-and-Go auf Sicht? Oder besser doch alles öffnen bevor die Deutschland AG den Bach runtergeht? Ich weiß es doch auch nicht, aber ich glaube, dieses Waschen ohne sich nass zu machen bringt’s auch nicht. Da geht der Dreck halt nicht ab. Also dann. Hinein in die Duschkabine, Hebel voll auf kalt drehen und dann Wasser Marsch!

Stuttgart
Apropos „Wasser Marsch“! Die Bilder der Demo aus Stuttgart kann ich nur schwer ertragen. Jeder soll demonstrieren, wenn ihm etwas nicht passt. Absolut ok. Und er soll klar sagen, was er stattdessen will. Vollkommen in Ordnung. Von mir aus. Aber ich kapiere nicht, was sie eigentlich wollen? Ich sehe und höre nur „Stimmt nicht“, „Lügen“, „Fake News“ und „Diktatur“. Aber das ist doch kein Argument, kein Ziel, keine Position. Stattdessen laufen zehntausend Menschen dichtgedrängt und „oben ohne“ durch die Stadt und die Polizei lässt sie gewähren. Jedes Bundesliga-Spiel ist da besser abgesichert. Wenn das Schule macht … oh oh.

Impfung
Aber vielleicht noch was „Positives“. Rund um das Impfzentrum hier in der Nähe war über die Ostertage deutlich Betrieb zu vernehmen. Kleinbusse rollten vom nahegelegenen S-Bahnhof heran, Taxen fuhren mit Licht und Warnblinker vor und setzten die „Impflinge“ am Eingang ab. Bürger mit Zettel in der Hand befragen die Ordner in ihren schicken grünen Westen. 

„Wo is’n hia dit Impfsentrum“
„Isset etwa noch sehr weit?
„Ham ´se och Biontech?

In diesem Sinne. Ärmel hoch!

PS:
Und zum Abschluss noch etwas Humor: Auf der Suche nach einem Urlaubshäuschen bemühen wir die Übersetzungsmaschine. 

Und da steht doch glatt:

„Rote amerikanische Küchenhilfe:
Wenn du unsere rote Küchenhilfe verwenden möchtest, beachte bitte, dass sie aus den USA stammt und einen Adapter benötigt – andernfalls bricht sie zusammen.“

Pahh! Wusste ich’s doch!

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4) Corona + Astra + Tegel = Osterausflug (Gastbeitrag Hermann)

Liebe Leser, die Stimmung dieser Tage ist nicht allzu üppig. Es gibt aber auch positives zu berichten. Hermann war beim Impfen und berichtet „live“. Aber lest selbst. Es geht aufwärts!

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Corona + Astra + Tegel = Osterausflug (Gastbeitrag Hermann)

Verrückt, vor 5 Monaten habe ich hier dem Flughafen Tegel tschüss geschrieben und heute 9:30 Uhr stand ich mit ca. 300 anderen „best agern“ vorm früheren Touristen-Terminal C an, um hineinzukommen.

Der Parkplatz P5 war voll wie zu „alten“ Flugzeiten; die Leute allerdings ohne Gepäck, schön mit Maske und auf ca. 2 m Abstand. Sonnenschein, gelockerte Stimmung, nette Kurzgespräche mit den Anstehnachbarn.

Aber wie das?
Ich bin knapp 69 und wäre erst in etwa 2 Monaten zum Anti-Corona-Schuss dran gewesen. Nach dem Astra-Durcheinander hat der Senat schnell gehandelt und eine Hotline eingerichtet, wo man ohne die geordnete Einladung als 60-69-Jährige(r) telefonisch buchen und die vorhandenen Mengen Astra-Stoff bekommen kann.

Am Donnerstag erzählte mir meine Frau davon (im Radio gehört), ich hab´s aber in der Dauer-Corona-Benachrichtigungswelle nicht ernst genommen oder nur halb hingehört. (F1)

Freitag nachmittag fragte die Tochter, ob ich denn schon den Corona-Link von ihr gelesen hätte. (als Smartphone-Privat-Verweigerer leere ich normalerweise meinen E-Mail-Briefkasten am PC nach dem Frühstück). Diesmal nicht! (F2). So hat ihre Nachfrage meine Nachlässigkeiten (F1) und (F2) kompensiert und ich hatte doch noch die Chance zur Schnellbuchung und habe tatsächlich gegen 18:00 Uhr einen Termin für heute (!!!) 9:45 Uhr im Impfzentrum Ex-Airport Tegel buchen können.

Und so lief es dann ab

Gegen 9:15 Uhr Ankunft (wegen möglicher Nachwirkungen habe ich die Frauen und den Quasi-Schwiegersohn gebeten, mich zu chauffieren; bei einer Grippeschutzimpfung machen wir nicht so viel Action, aber Corona… ja, ist halt etwas Besonderes). Ca. 300 Leute standen vor mir, nach etwa 30 Minuten war ich drin. Überall Helfer, Security, Ordner, DRK-Leute, einige Soldaten. Man wird ständig geleitet, „ausbüchsen“ geht nicht (warum auch?) und wenn man folgsam ist, versteht man auch den Sinn der Schritte. Z.B. gibt es nach der Dokumentenüberprüfung und vorm eigentlichen Impfakt noch Wartebereiche als Puffer. Mein Wartebereich war auf ca. 40 Leute ausgelegt, Stühle auf 2 m Abstand, beim Eingang wird ein Stuhl zugewiesen (eine Frau wollte gern einen anderen Platz haben, der „Aufpasser“ blieb aber freundlich und deutlich bei seiner Zuweisung). Ebenso mit System bittet ein anderer Helfer den nächsten Impfling in die eigentliche Impfstraße und weist dort eine Kabine zu. Je nach Zeitaufwand gibt es Parallelstationen. So geht alles schön der Reihe nach und ist auch recht entspannt. 
Kurzes Gespräch mit dem Betreuer vor der Impfung: er arbeitet sonst in der Organisation für Musikveranstaltungen und ist froh, einen guten und nützlichen Job zu haben, netter Kerl.

10:30 Uhr ruhiges, ausreichendes Gespräch mit dem Impfarzt und dann der Schuss. Danach bis 11:00 Uhr im Abspannbereich, falls irgendetwas wäre. Freundliche Verabschiedung mit Schoko-Osterhasen.

Draußen wieder (immer noch ca. 300 Leute beim Anstehen in der Sonne), also der Durchlauf klappt.

Das Beste: alle leicht positiv aufgekratzt, freundlicher Umgang, kein Gemecker, so waren auch die vielen Helfer zwar konzentriert bei der Sache, aber auch immer nett und entspannt.

Kein Wunder: die Leute, die dort hingehen, freuen sich auf den Piekser!

(Jetzt 18:30; bisher gar keine Nachwirkungen)

Ende Gastbeitrag

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Also Leute, bleibt cool!
Und die Chancen stehen gut, dass ich dann doch noch mal nach Tegel komme. 😉

176) Corona-Lektionen 71

Es fällt mir schwer dieser Tage, die Corona-Lage zu verfolgen und dabei besonnen zu bleiben. Ich versuche es aber weiterhin.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Fliegerei
Vor ein paar Tagen schickte mir die Lusthansa einen Brief. Er enthielt eine neue Vielflieger-Karte. Die wurde aus Kulanz verlängert. Und was mache ich jetzt damit? Soll ich die beim Drehtor zum Stadtpark vorzeigen? Und überhaupt …. ein Vielflieger-Programm … das ist auch so ein Ding wie aus einer anderen Zeit. Abschaffen.

Taskforce
Wenn man sich so ins Gedächtnis ruft, welches Image die Deutschen so gern von sich pflegen, da treibt es mir gerade die Schamesröte ins Gesicht. Wir sind Qualitätsstandort, Logistik-Meister, Export-Weltmeister und Pünktlichkeitsfanatiker. Und wie gern schauen wir herab auf die Länder Ost-Europas, weil das da immer noch so marode aussieht. Oder die im Süden, die mit ihrer „Kommst‘ heut‘ nich‘, kommst‘ morgen“-Mentalität auch nichts auf die Straße bringen. Aber jetzt kommt der Super-Andi aus dem Mauthäuschen dazu und soll mit dem Gesundheits-Jens die Karre aus dem Dreck ziehen. König Markus hat letzte Woche nochmals bekräftigt, dass der Andi sogar Erfahrungen in der Logistik hat. Beruhigt mich das? Vielleicht sollte man Logistik doch lieber Amazon überlassen. Ach, nee. Da wollten wir ja eigentlich nicht mehr so viel bestellen. Eigentlich.

Eigentlich
Das Wort „eigentlich“ kommt mir in der Corona-Zeit recht häufig in den Köpf. Nicht nur weil ich jetzt „eigentlich“ ganz gern woanders wäre, sondern weil uns der Virus in vielen Bereichen weit nach hinten wirft. Und zwar ganz uneigentlich.

Eigentlich wollten wir weniger amazonieren, sondern die Geschäfte in den Innenstädten stärken.
Eigentlich wollten wir weniger liefern lassen, wegen der miesen Arbeitsverträge der Liefer-Helden. 
Eigentlich wollten wir weniger „to go“ essen, wegen der Esskultur und Kunststoff-Verpackungen.
Eigentlich wollten wir mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, statt mit dem eigenen Auto.
Eigentlich wollten wir uns doch wieder mehr mit Menschen abgeben und all die Technik mal beiseite legen.
Eigentlich …

Hoffentlich haben wir das alles nicht vergessen, wenn der Corona-Spuk mal vorbei sein sollte.

Schönen Sonntag noch!

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175) Corona-Lektionen 70

So langsam dürfte sich bei jedem von uns das einjährige Corona-Jubiläum einstellen, oder? „Weißt du noch, vor einem Jahr?“ höre ich recht häufig dieser Tage. Und ich denke auch daran zurück.

Blick zurück:
Genau vor einem Jahr war ich noch in >> Bukarest und habe mich kurz danach über die heimischen >> Hamsterkäufe aufgeregt. Das Wort “Corona“ fand am 29. Februar erstmals Einzug in meinen Blog. Hielten wir das vorher alle noch für eine Biermarke aus >> Mexico oder ein Sonnenspektakel, sind wir mittlerweile zu 4-Sterne-Virologen und digitalen Heimwerkern mutiert. Unsere Kinder haben bereits mehr Homeoffice und Teilzeitmodelle kennengelernt, als wir jemals bei Chef oder Chefin durchsetzen konnten.

Reisen:
Die Lusthansa hat mir ihren Shopping-Katalog Frühjahr/Sommer 21 geschickt. Ich blättere kurz durch und habe die Wahl zwischen 36 Seiten Haushaltsgeräten (… nach Haushalt ist mir aber nun gerade mal gar nicht … ) und 25 Seiten rollendem Reisegepäck. Wollt ihr mich verarschen? Die Rubrik Vinothek hat nur noch magere 7 Seiten. Oh, oh. Alles abverkauft. Das bringt mich zum Thema Langzeitwirkung.

Langzeitwirkung:
Wir haben gelernt, dass Corona nicht nur die Lunge angreift, sondern auch den Rücken und das Oberstübchen. Und es macht die Haare grau. Lege ich mir eigenhändig einen Kurzhaarschnitt zu, muss ich mich an der Mülltonne schon gegenüber Nachbarn rechtfertigen. „Hey, sag mal, warst du etwa beim Frisör?“ Ich setze mittlerweile schon ein Perücke auf, damit mich bloß keiner anschwärzt. Aber was macht das alles langfristig mit uns? Kinder, die in dieser Zeit geboren wurden, haben vermutlich schon einen Knacks weg. Den meisten Menschen auf diesem Planeten fehlen Mund und Nase und die eigene Omma will sie nicht anfassen oder mal auf den Arm nehmen. Was soll aus denen nur werden? Bei der Fußball-WM in 12 Jahren wird Deutschland vermutlich so dermaßen abkacken, weil unsere Jungs seit Wochen nicht auf dem Platz waren. Und die bemannte/befraute Mars-Mission wird auf Jahre verschoben, weil sich keine Astronauten finden, die monatelang auf engem Raum zusammenleben wollen ;-

Schönes Wochenende!

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174) Corona-Lektionen 69

Der Frühling hat sein erstes Gastspiel. Im Stadtpark um die Ecke fuhren letzte Woche noch fette SUVs vor und luden ihre Eigner samt Ski-Ausrüstung aus. Jetzt spielen die Hipster da oben ohne Volleyball. Ich komm da kaum noch mit.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Impfen:
Meine Güte. Zuerst war kein Stoff da, jetzt schicken die Briten ein paar Pullen rüber und jetzt passt es nun auch wieder nicht. Das Zeug schützt ja „nur“ zu 70% und danach gehts dir vielleicht zwei Tage nicht gut. Ey, jetzt hört doch mal auf zu flennen! Was ist das nur für ein Wohlstand-Genöle? Wer das nicht haben will, der soll mir das mit der Post schicken, ich haue mir das auch selber in den Arm. 

Menscheln:
Als Jemand, der gut und gerne mal allein sein kann, haben mir die Kontaktbeschränkungen im letztem Jahr eigentlich wenig ausgemacht. Vor ein paar Tagen jedoch, habe ich mich doch aber glatt beim „menscheln“ erwischt. Nee, nicht googeln, nicht daddeln, nicht nextflixen. Sondern menscheln! Ich war beim Zahnarzt (wo man mich eigentlich nur unter Androhung von Gewalt hinkriegt) und ich verbrachte dort eine wirklich nette Stunde. Ich habe seit langem nicht mehr soviel mit Menschen außerhalb Arbeit/Familie gequatscht. Wir machten gleich weitere Termine fürs Frühjahr aus. Ich freue mich schon und fühle mich wie John Dunbar im Fort Sedgwick 😉  

Fernreisen:
Wer dieser Tage einer Fernreise machen will, muss kreativ sein. Ich hab’s versucht.

  1. Zunächst war ich im Asia-Lebensmittelladen, bin durch die Gänge gestreift, habe gerochen und gefühlt. Als ich wieder draußen war, hatte ich die Zutaten fürs Dinner und zwei Flaschen Singha in der Hand. Kingfisher gab‘s leider nicht. 
  2. Zum Abend gab es Indischen Blumenkohl mit Papadams und Raita. Und das Bier aus Thailand natürlich. Nicht ganz passend, aber Annapurna wird es verzeihen. 
  3. Für die Unterhaltung folgte dann ein 2,5-stündiger Bollywood-Actionfilm mit Super Star Shah Rukh Khan. Natürlich auf dem Tablet und mit Kopfhörern im Liegesessel. So fühlte ich mich dann wie auf einem >> Langstreckenflug kurz hinter Dubai, über dem Arabischen Meer. Nur ohne Luftloch. Und warme Tücher wurden auch nicht gereicht, dafür musste ich aber beim Klo nicht anstehen. Und es gab keinen Nebenmann der furzte und schnarchte. Oder aber schallend über alte Mr. Bean-Folgen lachte 😉

Ein guten Start in die nächste Homeoffice/Homeschooling-Woche!

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