133) Corona-Lektionen 42

Die große Demo gegen die Corona-Maßnahmen heute war zunächst angekündigt, dann abgesagt und doch wieder genehmigt worden. Könnt ihr alles woanders nachlesen. Das wirkt natürlich chaotisch, ist aber eigentlich ur-demokratisch und ein Beweis der Freiheit hierzulande.

Genau die Freiheit, die die Teilnehmer zu vermissen scheinen und deshalb auf die Straße gehen, um sie wieder einzufordern. What?

Im Vorfeld wurde zum Sturm des Bundestages gerufen, mit Waffengewalt! Bei Amazon gab‘s T-Shirts mit Aufschrift „Die Masken müssen fallen“ für 17,99 EUR oder mit „Keine Zwangsimpfungen“ für 19,99 EUR. Bei den Querdenkern warb ein Flyer mit dem Slogan „Berlin invites Europe“. Was für eine Frechheit. Ich habe überhaupt keinen eingeladen.

Gehe ich hin, schaue mir das an? Lass’ ich es bleiben? Ich ging dann doch hin. Abmarsch 11:00 Uhr zu Fuß, denn der Tram-Verkehr in die City war eingestellt. Am Alex war nicht viel los. Unter den Linden, waren dann immer mehr Menschen zu sehen, die in Richtung Westen liefen. Aber bereits ab Charlottenstraße war kein Durchkommen mehr. Abgesperrt. Also drehte ich nach rechts ab, einen anderen Durchgang in Richtung Brandenburger Tor suchen. Keine Chance. Jede Seitenstraße war abgeriegelt. „Is‘ voll“, sagt ein Polizist. Also weiter nach rechts. An der Spree war dann für mich Schluss. Im Wasser fuhren Ausflugsdamper und schwarze Schlauchboote der Polizei. Aber so hatte ich einen guten Blick auf die Brücke, die der Friedrichstraße … und der Demo … übers Wasser hilft. Zu weit weg, um einzelne Menschen und deren Gesinnung ausmachen zu können. Ein Tross von Menschen befand sich im Stillstand, vorne ging es anscheinend nicht weiter. Die Polizei ließ wohl die ersten Reihen nicht weiterlaufen … so ganz ohne Maske.

Also blieben mir die Durchsagen der Veranstalter. Aus dem Gedächtnis und mittels Ton-Aufnahmen rekonstruiert:

„Liebe Freunde der Freiheit …“
„Bitte haltet die Abstände ein …“
„Da vorn geht es aktuell nicht weiter …“
„Bitte setzen sie sich hin, nicht stehen bleiben …“
„Gebt dem Gegner keinen Grund euch anzugreifen …“
„Schließt euch an, schließt euch an, schließt euch an, schließt…“
„Hinsetzen, Hinsetzen, Hinsetzen … zeigt der Welt wie viele wir sind …“
„Gebt der Polizei keinen Grund, die Veranstaltung gewaltsam aufzulösen …“
„Wir rufen die Polizei auf, die Infektionsschutzbestimnungen durchzusetzen, indem die Sperren zu den Seitenstraßen geöffnet werden …“
„Drängt nicht nach vorn Bürger, verschafft euch Platz, indem ihr durch die Absperrungen geht, euch in den Seitenstraßen verteilt …“
„Lauft nicht blind auf das Ziel zu. Unser Kampf wird ein langwieriger Kampf werden, wir brauchen Geduld … für unseren Kampf für die Freiheit …“

Haben die je in Unfreiheit gelebt?

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132) Corona-Lektionen 41

Tja, liebe Leser, eigentlich wollte ich mich erst am Samstag wieder melden. Und zwar dann, wenn ich mit weitestgehend neutralen Eindrücken von der Corona …, ähm … Anti-Corona …, ähm … Freiheits … oder „Was auch immer“-Demo in Berlin zurück gewesen wäre.

Ja, ich wollte hingehen. Nicht als Teilnehmer, aber als Beobachter. Mir einfach ein Bild machen. Aber die Demo ist nun erst einmal abgesagt. Wegen zu erwartender Verstöße gegen geltende Infektionsschutzbestimmungen. Nach der Nummer am 01.08.2020 kann ich das vollkommen nachvollziehen, wenngleich es natürlich demokratisch und politisch heikel ist.

Also bleibt im Moment nur ein Blick in die Glaskugel:

  • Wie hätte ich mir die Demo gewünscht?
    Sachlich, friedlich, gesprächsorientiert, mit Abstand. Weniger esoterisch, weniger verschwörungssuchend und schon gar nicht undemokratisch.
  • Wie hätte ich die Veranstaltung erwartet?
    Eigentlich so wie am 01.08.2020. Nur noch etwas lauter, offensiver. Und zusätzlich noch weitere Party-Touristen aus dem In-und Ausland, die das hier als großen Spielplatz und Möglichkeit zur Provokation verstehen.
  • Und, wie wird‘s nun möglicherweise werden?
    Puh, vermutlich werden trotzdem viele Teilnehmer anreisen, vielleicht noch mehr als ursprünglich wollten, nur um ihren Frust hier abzuladen. Die Polizei hat ein Großaufgebaut angekündigt, das zieht vielleicht noch einmal zusätzliche Krawall-Touristen an.

Ich werde wahrscheinlich fernbleiben. Hoffentlich bleibt das friedlich.

 

Mal was anderes … heute eine Literaturempfehlung:

Bisher hielt ich mich ja hier mit Literaturempfehlungen zurück. Aber heute will ich mal auf ein Buch eingehen. Es geht um „Corpus Delicti“ (von Juli Zeh), neulich empfohlen von > Belana Hermine. Die Handlung spielt in einem deutschsprachigem, totalitärem Überwachungsstaat irgendwann in der Zukunft. Um das Gesundheitssystem zu entlasten, gilt es, Krankheiten vollständig auszumerzen. Also greift der Staat massiv in den Alltag ein, schreibt den Bürgern vor, wie sie sich zu ernähren und besonders gesundheitsfördernd zu verhalten haben. Mehr will ich gar nicht zum Inhalt sagen, am besten selber lesen oder hören.

Ich habe mir die Hörbuchfassung „reingezogen“. Vor wenigen Minuten beendet. Gut geschrieben, einfach zu verstehen, tolle Dialoge zwischen den Hauptfiguren. Und obwohl bereits 2009 erschienen, bietet natürlich das Corona-Geschehen nun eine bizarre Kulisse.

Eigentlich will ich die Beziehung zwischen Buch und aktueller Situation gar nicht herstellen. Aber es ist nun mal so. Jemand wollte an der Fledermaus knabbern und nun haben wir den Salat. Dafür kann ja nun das wirklich gute Buch auch nichts.

Also lest selbst!

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131) Corona-Lektionen 40

Auf der Corona-Demo am 01.08.2020 brüllten Teilnehmer solch Worte wie „Lügenpresse“ und „Fake News“ in die Berliner Luft. Sie zielten damit auf die klassische Presse ab.

Fake News und Lügenpresse sollen daher heute mal exklusives Thema für diesen 40. Beitrag meiner Reihe der Corona-Lektionen sein. Wer hätte gedacht, dass mal 40 Beiträge draus werden…

Aber zum Thema:

Zunächst sind doch Fake News erst einmal nur falsche Informationen, als offizielle „Nachricht“ verpackt, die gezielt von irgendwem lanciert werden, um Ziele zu erreichen. Oder einfach nur um Chaos zu stiften. Die Nachricht sieht echt aus, ist aber falsch. Und das schließt erst einmal keinen Urheber aus. Solch eine Falschinformation könnte von der Presse selbst stammen, genauso aber auch von Regierungen, Hackern, Parteien und allmöglichen Organisationen und Bewegungen. Für die Urheber dieser Fake News wäre es natürlich am besten, die Presse schluckt den Frosch und ermöglicht somit eine freie Bühne. Medien-Häuser haben daher immer mehr damit zu tun, den Wahrheitsgehalt einer Nachrichten abzusichern. Und weil das gar nicht mehr so einfach ist, der Presse eine Falschinformation unterzujubeln, publizieren die Urheber im Internet. Da geht ja schließlich alles. So meine ich, ist der Begriff Fake News ursprünglich mal entstanden.

Journalismus soll aber nicht nur vorlesen, sondern eben auch Mißstände, Unwahrheiten und Täuschungen aufdecken. Und da sind wir beim Dilemma. Denn solchen Recherchen sind manch einem Autokraten oder Meinungsführer sehr unbequem, denn sie entlarven die eigentliche Agenda, ihr falsches Spiel. Also stellen sie sich breitbeinig hin, zeigen mit dem Finger auf die Presse und johlen „Fake News“ laut im Chor. Sie instrumentalisieren den Begriff für ihre Zwecke, werfen „all die Medien“ in einen Topf und unterstellen ihnen, gezielt Falschinformationen zu produzieren. Der deutsche Begriff „Lügenpresse“ ist da noch viel krasser, denn er verbindet die Worte „Lüge“ und „Presse“ ungerechtfertigterweise zu einem nachhallendem Begriff. So, als würden sich Springer, Süddeutsche, FAZ, Neues Deutschland, RTL, SAT und die öffentlichen Sender täglich im Kanzleramt treffen und festlegen, welche Nachrichten denn heute zu verbreiten sein. Und weil das ja dann alles „gelenkt“ ist und man „denen da“ nicht mehr trauen kann, verlangen Demonstranten „endlich Wahrheit“ und glauben eher halbgaren „Nachrichten“ und Wackel-Videos im Internet. Denn das muss ja dann folglich die „Wahrheit“ sein. Was für eine gequirlte Grütze.

All die, die je in einem diktatorischen System gelebt haben, wissen wie erstrebenswert eine breite Medienlandschaft ist. Falls sie das vergessen haben, dann sollten sie sich noch mal erinnern. Gar nicht so lange her.

Und wenn sie noch nicht das „Vergnügen“ hatten, sollten sie vielleicht einfach Menschen aus Ländern fragen, die sich derzeit schnurstracks auf eine solche Zeit zu bewegen. Hoffentlich macht‘s dann bei den Schreihälsen klick.

Grüße aus Berlin
T.

By the way, wer noch nicht Florian Schröders Auftritte zunächst beim NDR und dann als Gast bei den Querdenkern gesehen hat, sollte das mal tun. Großartig. Verdient einen Preis!!

In diesem Sinne: „Maske auf, Abstand halten, Nachdenken“! (Zitat Schröder)

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130) Corona-Lektionen 39

Die 23. Woche in dieser Ausnahmezeit beginnt morgen. Ich bin froh, dass Berlin wieder im halbwegs normalen Schul-/Arbeitsbetrieb ist. Auf einer Spanischen Insel möchte ich gerade nicht hocken.

Zeit für ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Reiseplanung:
Das Jahr 2020 stellt alles auf den Kopf. Auch beim Reisen. Ich bin noch nie so wenig gereist, doch die jeweiligen Vor-und Nachbereitungen der nicht stattgefunden Reisen ist schon beachtlich. Stornierungen, Umbuchungen, Draufzahlen, Kohle eintreiben, AGB lesen und herumärgern. Ein völlig neues Hobby ist entstanden. Non-Travel-Management.

Maske:
Kein anderes Stück Stoff hat jemals so polarisiert (… vielleicht der BH noch … oder das Einstecktuch). Ich will hier keine Grundsatzdiskussion vom Zaun brechen, ich trage das Ding, wenn immer nötig. Einzig beim Betreten einer Tankstelle und Bank-Filiale ist das immer noch ein sehr eigenartiges Gefühl. In Zeitlupe laufe ich als Clyde auf die Tür zu, schaue nach links und rechts, dann nicke ich meiner imaginären Bonnie zu und ziehe die Maske bis hoch zu den Augen. Hände hoch oder ich niese!

Aber nun wieder zum Ernst zurück.

Demonstration:
In zwei Wochen soll in Berlin wieder ein große Demo gegen die Corona-Maßnahmen stattfinden. Heute war ich etwas im Internet unterwegs, um mich mal mit den Organisatoren zu beschäftigen. Einfach mal lesen, was sie so antreibt. Dabei bin ich auf der großen Video-Plattform auf einen 10-minütigen Redebeitrag einer ihrer Scharfmacher gestoßen und habe es mir komplett angehört. Sollte ich hier tiefer drauf eingehen? Nein, ich entscheide mich dagegen. Soll jeder selber sehen und sich ein Bild machen. Nur soviel: Der Sprecher klingt seriös, schmeißt meiner Meinung nach aber alle aktuellen Herausforderungen in einen Mixer und garniert das Ganze mit Wörtern wie „Corona-Regime“, „Corona-Lüge“ und dem „Umfassendsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte“. Zweifelhaft. So ein Cocktail kann nur schmecken, wenn es sonst nix zu trinken gibt.

Ich meine, die angerissenen Themen sind ja vertikal betrachtet schon sehr komplex und man müsste jeweils sehr in die Tiefe gehen. Es bringt aber meiner Meinung nach überhaupt nichts, all die Probleme der Zeit horizontal (oder „quer“) und flach auf eine Strippe zu ziehen und damit krampfhaft Beziehungen untereinander herzustellen. Im besten Falle könnte man 7,99 EUR drunter schreiben und das als Schmöker im Buchladen anbieten. Aber da gibts auch echte bessere Werke.

Ich überlege, bei der nächsten Demo hinzugehen. Nicht als Teilnehmer, sondern als Beobachter. Möchte mir ein Bild von den Demonstranten und ihren Ansichten machen. Mit verdammt viel Abstand und Maske.

Denn eines habe ich noch nicht kapiert: Wem nützt es?

Schönen Sonntag
T.

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128) Corona-Lektionen 37

Nächste Woche beginnt die Schule hier wieder, mit Abstand und Maske, aber ohne sonstige Limitierung. Ob das wohl gut geht? Aber ehrlich, das ist eigentlich  alles bescherrschbar, da macht mir anderes mehr Sorgen. Und da sind wir schon beim Thema dieses Beitrags.

Die Demo letzten Samstag in Berlin wirkt immer noch in mir nach. Ich bin entsetzt und möchte daher heute über „Bilder“ nachdenken und wie sie Menschen beeinflussen können.

Dazu habe ich mir „Schulz“, einen durchschnittlichen Berliner ausgedacht. Schulz folgt den Corona-Maßnahmen zwar, ist aber auch etwas genervt davon. Aber lest selbst:

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Samstag wird eine Demo gegen die Corona-Maßnahmen stattfinden. Schulz kann sich nicht aufraffen dahin zu gehen. Er hat gehört, da gehen nur Rechtsradikale und Aluhut-Träger hin. Als Rechter will er im Fernsehen nicht gesehen werden, als Spinner schon gar nicht.

Also bleibt er zu Hause und macht sich über weitergeleitete Video-Schnipsel und Social Media sein eigenes Bild von der Welt da draußen.

Video 1: Das ganze System sei korrupt und lügt, rufen die Menschen da. Die Wahrheit läge woanders. Corona gäbe es gar nicht, alles sei nur Fake, die RKI-Daten wären gefälscht, der Staat wolle nur von seiner Pleite ablenken. Krisen-Gelder fließen in die Taschen von Oligarchen, beim kleinen Mann käme nichts an.

Schulz: Mhm, so habe ich das noch gar nicht betrachtet. Klingt irgendwie nachvollziehbar. Da könnte ja glatt was dran sein, ich kenne keinen der Corona hat.

 

Video 2: Das stehen Teilnehmer von Jung bis Alt, auch kleine Kinder sind dabei, Transparente sind zu sehen, Kostüme auch. Sogar aus anderen Bundesländern sind sie angereist. Kaum einer trägt eine Maske. „Kinder des Lichts“ werden die Demonstranten von der Bühne aus angesprochen. “Heute feiern wir einen neuen Nationalfeiertag“ ruft der Redner. Die Sonne scheint, es ist warm, Sommer in Berlin.

Schulz: Ach, schöne Atmosphäre dort im Tiergarten. So friedlich irgendwie. So einig. So gemeinsam. So überzeugend und irgendwie auch einfach.

 

Video 3: Die Leute sind eher normal gekleidet, es sind keine offensichtlich Rechtsradikalen zu sehen, keine Punks, keine Vermummten in schwarzen Klamotten, keine Islamisten, keine Junkies, keine Hooligans, keine Clans. Auch Steine oder Flaschen fliegen nicht.

Schulz: Na das sieht ja gar nicht so aggressiv aus, wie immer behauptet wird. Da muss ja echt was dran sein, wenn da so viele normale Bürger hingehen.

 

Video 4: Organisatoren hüpfen euphorisch durchs Bild und sprechen mal von 800.000, 1,8 Mio, 1,3 Mio Teilnehmern. Die Frage aus dem Off, woher denn die Info käme, wird von einer anderen Stimme aus dem Off beantwortet: „Kam gerade rein, is‘ offiziell“.

Schulz: Also wenn das offiziell wirklich schon 1,3 Million sind? Da muss ja was dran sein. Das scheint ja echt ein kommende Bewegung zu sein. Die können ja nicht alle irren.

 

Video 5: Eine Bildmontage fängt die verschiedenen Rufe der Demonstranten ein. „Lügen-Presse“, „Kamera aus“, „Wir bleiben hier“, „Schämt euch“, „Sagt die Wahrheit“ und „Wir sind das Volk“.

Schulz: Ja also wenn das so ist. Ich bin ja auch „das Volk“. Kein Zweifel. Die Wahrheit muss endlich ans Licht.

 

Die Demo wird am Nachmittag aufgelöst. Am Samstag-Abend zappt Schulz durch die TV-Programme und streift kurz die Nachrichten. RTL berichtet von 20.000 Teilnehmern, ARD von 17.000. ARD spricht über eine bunte Mischung aus Rechtsgesinnten, Esoterikern, Impfgegnern, Corona-Leugnern und Verschwörungstheoritkern. RTL hält sich da etwas zurück.

Schulz: Kann ja alles nich‘ sein. Das war ganz anders. Es waren 1,3 Millionen und ganz vernünftige Leute da. Ich habe es ja selbst gesehen. Fake News! Lügen-Presse!

Ende

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Kommentar des Verfassers:

Liebe Leser, der oben beschriebene Ablauf ist konstruiert, ohne Frage, aber ich habe mir selber einige Video-Schnipsel seitens der Teilnehmerschaft angesehen und es ist sehr nahe dran. Am Montag habe ich auch den 30 minütigen Rundgang durch das ZDF-Team (wohlgemerkt ohne Schnitt !) gesehen. Ich kann nur raten sich das mal anzusehen. Ich bin heilfroh, dass wir solch eine bunte Medien-Landschaft haben. Gefällt mir nicht immer, muss es aber auch nicht. Aber es gibt dort Immerhin gut recherchierte und durch Fakten abgesicherte Berichte und eben nicht nur aus dem Zusammenhang gerissene Video-Schnipsel im Internet.

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127) Corona-Lektionen 36

In welcher Woche sind wir gerade? Schwer zu sagen. Habe die Orientierung verloren. Ich nehme einen Kalender und zähle mit dem Finger die Homeoffice-Wochen durch.

Wenn ich mich nicht verzählt habe, gehen wir morgen … in die 20. Woche. Jawohl. In einer Woche soll in Berlin sogar die Schule wieder losgehen. Mit voller Last. Mir wird ganz schwindelig.

Denn das, was in den letzten Tagen hier abgeht, erfüllt mich mit großer Sorge:

  • Ja, ich bin auch kein begeisterter Masken-Träger.
  • Ja, ich könnte auch mal wieder ein Konzert besuchen.
  • Ja, ich würde auch mal gern wieder mit Freunden feiern.
  • Ja, ich wäre auch gern wie geplant in den Urlaub geflogen.
  • Ja, ich mache mir auch so meine Sorgen über unsere Freiheit.
  • Ja, ich bin auch verunsichert, wie das alles mal weiter gehen soll.

Aber, Nein, Nein, Nein, dass was ich so lese und höre, soll erst recht nicht sein:

  • 3.000 Leute feiern (nicht die erste) illegale Party in der Berliner Hasenheide.
  • 20.000 Menschen zogen gestern durch die Innenstadt und erklärten Corona für beendet.
  • Maske, Abstand = Fehlanzeige. Weil eh alles fake ist und der Staat sowieso doof und das Ganze von irgendwem initiiert ist. So einfach sind die Gründe dargelegt. Ruck Zuck erklärt. Der Gegner ausgemacht. Lautstärke. Gebrüll. Wut.

Mag man von der Regierung doch halten was man will. Aber vor 5 Wochen sah das doch alles ganz gut aus. Die Infektionszahlen gingen zurück, Einschränkungen wurden gelockert oder gar aufgehoben. Was sich jetzt da auf den Plätzen sammelt … tut mir Leid … ich kann es nur verallgemeinern … , scheint mir ein verwöhnter, asozialer, durchgeknallter Mix von gefrusteten Menschen und Krawall-Touristen zu sein. Wer dabei war und sich nun missverstanden oder in der falschen Schublade fühlt, sollte sich eine andere Demo suchen. Sorry.

Denn, ich habe mehrmals pro Woche mit Kollegen aus anderen Ländern (z.B. Indien, Brasilien, Israel, Spanien usw) zu tun und ich kann aus erster Hand wiedergeben, dass das, was wir hier in den letzten Wochen „erleiden“ mussten, der reine Kindergarten war, im Vergleich zu dem was dort abging. In manchen Ländern geht es noch so weiter, in manchen fängt man erst an oder hat noch nicht einmal kapiert, was eigentlich an der Tagesordnung ist.

Zusätzlich schmeißt unsere Regierung mit Geld um sich, um die wirtschaftlichen Folgen abzumildern. Dass das nicht jeden erreicht und nicht immer genug ist, mag sich ungerecht anfühlen, ohne Frage. Aber immerhin fließen solche Gelder hier und wir haben (…oder hatten?) genug Krankenhausbetten frei.

Mal sehen wie lange noch.

Darüber sollten wir mal nachdenken.

Schönen Sonntag!

T.

Nachtrag Montag 03.08.2020 08:00 Uhr:
In den sozialen Medien kursieren unzählige Diskussionen, ob‘s nun 17.000 bzw. 20.000 Teilnehmer, oder gar 800.000 oder 1,3 oder 1,8 Millionen waren. Man drischt wieder auf die Presse ein und so weiter.

Eine Millionen Menschen können wir getrost vergessen. Ich habe selber mehrere Love Parades in Folge an der Strecke Dienst geschoben. Glaubt mir, ich weiß wie es sich anfühlt, sich in einer Menschenmasse von 1 Millionen Menschen zu bewegen.

Und wir können uns noch mal über die Mathematik nähern. Die Party-Meile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule ist ca. 2.000 Meter lang. Und nur die Hälfte war m.W. davon freigegeben.
Die Straße des 17. Juni hat 6 Fahr-Spuren + 1 Mittelstreifen + 2 Park-Spuren + 2 Fußwege. Macht ca. 40 Meter Breite. Abzüglich Grünzeug, Bäume, Hindernisse … sagen wir 35 Meter. Multipliziert mit 1000 Meter Länge …  macht das eine Fläche von ca. 35.000 Quadrat-Meter. Und wie sollen da jetzt 1 Millionen Menschen reinpassen?

Und selbst wenn es mehr als 17.000 waren oder 20.000, macht’s das besser? 

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97) Corona-Lektionen 19

Bevor wir in die siebte Family-Homeoffice-Woche starten und uns daran gewöhnen müssen, Stoff-Stücke vor der Schnauze tragen, will ich noch ein paar Gedanken-Gänge vom Wochenende teilen.

Generation: Gerne geben wir den Generationen Namen, den letzten wurden nur noch Buchstaben aufgedrückt. X und die Y und die Z. Das blöde an den Buchstaben ist, dass man häufig ins Schlingern kommt, wer was ist und was diese Generation eigentlich ausmacht. Ich bin mir sicher, dass es eine Generation „Corona“ geben wird. Was wird die ausmachen? Es wird die Generation der Stubenhocker, der Home Workers, der sozial distanzierten sein. Gleich bei Geburt werden die Kinder lernen, dass auf diesem Planeten nicht nur die Geburtshelfer Mundschutz tragen, sondern auch Mama und Papa. Nur blumiger. Omma und Oppa werden sie erst einmal nur per Video kennenlernen.

Gesundheit: Viele heilige Kühe aus der Arbeitsgesetzgebung wurden in den letzten Wochen geschlachtet. Menschen arbeiten dauerhaft von zu Hause. Arbeit und Privatleben fließen ineinander über. Arbeitnehmer generieren massiv Überstunden, arbeiten bevor die Kids wach werden und nachdem sie wieder im Bett sind. Sie sitzen wochenlang auf klapprigen Küchenstühlen, vor viel zu kleinen Bildschirmen und schicken Daten über schwach geschützte Leitungen. Den Arbeitssicherheitsbeauftragten, Datenschützern, Betriebsräten, Betriebsärzten und Betriebspsychologen kräuseln sich die Fußnägel. Ich bin gespannt wie das wieder in „normale“ Verhältnisse zurückgeführt wird. Vielleicht bleibt es auch einfach so.

Konflikte: Wirtschaft, Sport und Tourismus drängeln kräftig und verlangen weitere Lockerungen. Letztlich geht es dort ums liebe Geld, um deren „Überleben“. Aber es werden auch andere Stimmen laut. Neben den wirtschaftlichen Interessen, darf nicht vergessen werden, dass die Arbeit von Vereinen, Hilfs-und Beratungsstellen, Religionen und Politischen Gruppen immer noch massiv eingeschränkt ist. Wenn 100 Menschen gemeinsam einen Baumarkt betreten dürfen, ist es nur schwer verständlich, dass z.B. Demonstrationen nur bis 20 Teilnehmern möglich sind und das Selbsthilfe-Café und die Familienberatung um die Ecke seit Wochen geschlossen sind. Da droht neues Unheil.

Ich möchte euch einen Beitrag vorstellen, der bereits bunt kommentiert wurde. 

https://mutter-und-sohn.blog/2020/04/24/die-psychologie-der-maske-deutschland-und-die-maskenpflicht/

Ich bin bestimmt kein Drängler, aber ich denke auch, hier muss mehr geöffnet werden. Mit Abstand und Mundschutz sollte es doch möglich sein. Raum dafür gibt es genug. Große Plätze, Stadien, Hallen und Hotels sind ungenutzt. 

Gesellschaft besteht nich nur aus Balkon-Pflanzen und subventionierten Neuwagen!

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