7) Bilder-Berge

Wer ein Smartphone nutzt, der weiß, wie einfach man damit Photos machen kann. Vielleicht nun nicht gerade prämierte Meisterwerke, dafür aber schnell und um so mehr. Man kann gleich mehrfach auf den Auslöser drücken, nur für den Fall, dass der erste Versuch verwackelt oder falsch fokussiert ist. Kostet ja erst einmal nichts. Man kann mit Blitz, Filter und Panorama spielen, bis der Akku qualmt.

Schnell sammeln sich auf diese Weise in einem Urlaub tausend Bilder an. Reist man mit Familie und mehrere Menschen knipsen gleichzeitig, wird es noch mehr. Erinnern wir uns da mal an die analogen Zeiten zurück. Da hatte man drei 36-er Filme mitgenommen, die Motive sorgsam gewählt und beim Abdrücken die Luft angehalten. Wollte man noch mehr Photos machen, musste man halt einem lokalen Halsabschneider einen Film abkaufen, der schon seit Jahren in der Sonne eines Schaufensters lag. War man zurück zu Hause und hat die entwickelten Bilder beim Foto-Laden abgeholt, konnte man die Hälfte wegschmeißen. Verwackelt, unterbelichtet, langweilig. Es blieben also noch ungefähr 70 Bilder übrig, davon schafften es 30 ins Familien-Album. Reicht ja auch.

Heute ist das anders. Im guten Falle löscht man bereits auf dem Rückflug all die verwackelten Bilder direkt vom Smartphone. Hat man etwas mehr Zeit, sollte man die Bilder erst einmal nach irgendeiner Logik auf diverse Festplatten, auf den Home-Server oder in die Cloud schieben, um das dann „irgendwann“ einmal anzugehen. Die absolute Kür ist, die besten Bilder in einem Photo-Buch zusammenzustellen. Meinen vollen Respekt dafür.

Wie man es aber auch angeht, es werden sich über die smarten Jahre tausende Bild-und Video-Dateien angesammelt haben und der Bestand wird stetig wachsen. 50.000 Dateien in 10 Jahren sind bestimmt nicht übertrieben. Waren früher manche Fotos einer Kaffee-Tasse, einem Wasserschaden oder einem Wohnungsbrand zum Opfer gefallen, war man natürlich traurig. Die Bilder waren schwer beschädigt oder gar verloren, wenn es die Negative auch erwischt hatte. Es war aber nicht zu ändern. Die digitalen Bilder werden uns hingegen bald über den Kopf wachsen.

Wenn man die Bilder nicht löschen will, dann muss man sich Gedanken machen, was damit eigentlich geschehen soll. Überschlage ich nur mal die Zeit bis zur Rente (…der frühestmögliche Zeitpunkt, mich damit zu beschäftigen…), wird der Bestand auf 200.000 Bilder angewachsen sein. Angenommen, ich würde pro Bild 30 Sekunden benötigen, um es zu sichten, zu entscheiden, zu drehen und zu ordnen, dann wäre ich mit der Aufgabe ein knappes Jahr beschäftigt. Unterbrochen nur von Schlaf. Nur für das Sortieren! Da ist noch kein Film draus entstanden oder gar ein Photo-Buch. Und nun?

Wie so oft in dieser Kategorie hier, gibt es auf all das keine Antworten, sondern eher Fragen:

  1. Wäre es nicht an der Zeit eine Software zu erfinden, die diese Bilder-Berge sichtet? Oder gibt’s die vielleicht schon? Kennt ihr eine?
  2. Angenommen, die Bilder-Berge lösen sich auf einmal in Luft auf. Irgendein fieser Virus frisst die alle auf. Ohne Ankündiung. Was dann?
  3. Was passiert, wenn all die Bilder mal in ein neues Format konvertiert werden müssen? Ein Multi-Trillionär ist der, der einen solchen Konverter gegen kleines Geld anbietet.
  4. Was ist eigentlich, wenn wir mal ins Altersheim müssen und gern ein paar Papier-Photos mitnehmen wollen. Welche denn? Und wer sucht die aus den Bilder-Bergen heraus?
  5. Vererbt man eigentlich digitale Bilder an die Hinterbliebenen und wenn ja wie? „Liebe Kinder, im Keller stehen drei Server mit Photos, seht zu was ihr draus macht! Wir sind dann mal offline. Eure Eltern. ROFL, LOL ;-)“

Ich freue mich über Kommentare und eine angeregte Diskussion

Frühere Beiträge zu Smartphone und Co:

1) Verrückte Welt-Intro

Seit einem halben Jahr nun, veröffentliche ich meine Gedanken, Erlebnisse und Kurzgeschichten hier auf meinem schreib-blog. Im Juli 2018 begann ich diesen Blog mit seiner ersten Kategorie „Metropolen-Egoismus und andere Aufregbarkeiten“. Ursprünglich mal als Papier-Buch gedacht, schlummerten die ersten 20 Artikel schon längere Zeit auf meinem Rechner. Also verwendete ich die Beiträge quasi als „Kanonen-Futter“, um die Blog-Welt für mich zu erschließen. Mittlerweile sind daraus knapp 40 Beiträge geworden. Menschen und Organisationen lieferten immer genug Nachschub, über den ich mich auslassen konnte. Traurig eigentlich, oder? Vermutlich wird da noch mehr kommen. Wenn man aber über das tägliche Miteinander und seine Unzulänglichkeiten schreibt, kann man dabei ganz schnell schlechte Laune bekommen. Es musste also etwas unterhaltsameres her, was meine Stimmung wieder etwas anhebt. Quasi als Gegengewicht zum Mecker-Kanal. Damit war die zweite Kategorie geboren. Ich nannte sie „Kleinigkeiten mit Schlechte-Laune-Potenzial“. Sie trägt zwar die „schlechte Laune“ ganz offensichtlich im Namen, soll aber eigentlich das genaue Gegenteil bewirken: Mich kurz über Dinge des Alltags aufregen und dann zügig erkennen, dass es sich eben nur um unwichtige Kleinigkeiten handelt, die gar nicht soviel Energie wert sind. Im besten Fall bleibt ein Schmunzeln zurück, eine Priese Humor vielleicht, aber kein Frust. Auch diese Kategorie umfasst nun schon 33 Beiträge. Beide Kategorien sind aber nun mal sehr textintensiv, es fehlte noch etwas „Buntes“, etwas zum Anschauen und zum Blättern. Somit war meine dritte Kategorie „Postkarten“ im Oktober geboren. Ich liebe das Reisen, wollte aber in dem Blog nicht jeden Stein, jede Kirche oder Tempel von unterwegs beschreiben. Das machen andere Reise-Blogger viel besser als ich. Ein paar Fotos und Kurztexte im Postkarten-Stil schienen mir da schon eher geeignet. Gern gewürzt mit einigen Skurrilitäten oder Nachdenklichkeiten im Kontext der Reise, die sonst im Touristik-Marketing zu kurz kommen. Und nun? Wie geht es in 2019 weiter? Einfach weiter so? Mhm… ich will nicht immer nur auf Mitmenschen und Organisationen schimpfen oder eigene Missgeschicke ans Tageslicht zerren, über die man schmunzeln kann. Ich kann auch gar nicht so oft reisen, um regelmäßige neue elektronische Postkarten verschicken zu können. Unsere neue Welt bietet aber noch so viel mehr Stoff, zu dem ich meinen Senf hinzugeben möchte. So viele neue Entwicklungen erreichen unsere Aufmerksamkeit. Jeden Tag. Da sind neue Technologien, Lebensarten oder Verhaltensweisen. Sie fallen vom Himmel und bestimmen fortan unseren Alltag. Dafür richte ich eine neue Kategorie ein.

Und hier ist sie schon: Ich nenne sie „Verrückte Welt“. 

Das scheint mir ein geeigneter Titel dafür zu sein. Nun ja, ich weiß. Es gab schon Bücher und Filme mit diesem Titel oder ganz ähnlichen Wortspielen. Na und? Wenn die Welt nun mal so verrückt ist? Wie sollte ich sie sonst nennen?

Mit diesem kurzen Rückblick und Ausblick, nähern wir uns dem Ende von 2018 und freue mich schon auf 2019 und die neue Kategorie.

Einen guten Rutsch an alle Leser (… falls ich mich nicht noch einmal vorher melde 😉