117) Mehr „ohne“ und weniger „mit“

Sagt mal, kommt mir das nur so vor, oder gab‘s früher mehr  „mit“ und weniger „ohne“. Oder täuscht das vielleicht? Ich ertappe mich häufig, wie ich das Kleingedruckte auf den Verpackungen des Alltags lese.

Ich bilde mir ein, da stand früher mehr drauf, was dem Produkt zugesetzt wurde.

Also zum Beispiel:

  • Mit 100% Fruchtgehalt
  • Aus 20 sonnengereiften Tomaten
  • Mit sorgfältig ausgewählten Erdbeeren
  • Aus Alpenmilch
  • Mit Aloe Vera

Heute habe ich den Eindruck, sie nennen eher das, was nicht mehr drin ist.

Zum Beispiel:

  • Glutenfrei
  • Laktosefrei
  • Ohne Farbstoffe
  • Ohne Geschmacksverstärker
  • Ohne Alkohol
  • Ohne Zucker
  • Ohne Gentechnik
  • Ohne Palmöl

Mhm. Da Stellen sich mir zwei Fragen:

  1. Was ist denn dann da überhaupt noch drin?
  2. Was habe ich früher in mich hineingeschaufelt?

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, welche Frage ich beantwortet haben will …

57) Gib mir den Rest

Bei all dem aktuellen Geschehen um uns herum, kommen die kleinen Widrigkeiten des Alltags zu kurz. Es muss mal wieder sein. Viren, Krankheiten, Konflikte, Öl-Preise, Finanzmärkte und unser Klima haben mal zwei Minuten Pause.

Stattdessen?

Wenn Lebens-oder Verbrauchsmittel verpackt sind, lassen sie sich eigentlich ganz gut befreien, wenn man sie gießen, schütten, schneiden oder stückweise packen kann. Doof wird‘s, wenn sie als Paste, Gel und Creme in Tuben vertrieben werden. Noch doofer, wenn man geneigt ist, auch noch den letzten Rest herauszubekommen.

Jeder hat da so seine eigene Tuben-Technik entwickelt, oder?

  • So manch einer quetscht die Tube mit der vollen Pfaust. Das wirkt irgendwie infantil, herzlos und brutal.
  • Andere drücken nur das obere Drittel der Tube. Dort ist dann aber bald nichts mehr drin, also muss weiterer Nachschub von unten hochmassiert werden.
  • Echte Verwertungsprofis und Sparfüchse „rollen“ den Inhalt von unten nach oben heraus. Um so enger gewickelt um so besser. Vom Business Case her betrachtet ist das sicher gut, aber man muss aufpassen, dass sich daraus kein Spleen entwickelt 😉

Richtig spannend wird dann das Tuben-Finale:

Denn egal, wie man sich durchs Material arbeitet, es wird ein Rest oben im Kopf der Tube verbleiben. Da hilft’s auch nicht, wenn man die Tube auf den Kopf stellt, schon gar nicht auf den eigenen. Bei Tuben-Köpfen aus Weichplastik (z.B. Zahnpasta) geht das noch ganz gut. Es gibt sie aber auch aus Hartplastik (z.B. Haar-Gel) oder aus Alu (z.B. Tomatenmark) und da kann ich man schon mal schlechte Laune bekommen.

Denn, drückt man dann mit kräftigem Daumen auf den verkannteten Tuben-Kopf, folgt eine Indoor-Eruption die ihresgleichen sucht. Da fliegt das Haar-Gel aufs frisch gebügelte Hemd und die Tomate verteilt sich in der halben Küche. Da kommt Freude auf.

Und so polarisiert die Tube weiterhin. Man kann sie mögen oder hassen. Genauso wie Tuberkulose oder YouTube … was für ein Wortspiel.

PS: sollten Markennamen auf dem Foto erkennbar sein, ist das nicht meine Absicht, sondern Zufall, ich stehe bei denen nicht auf der Gehaltsliste.

So, und jetzt können wir wieder Nachrichten hören.

59) Ernährungswirrenschaften

Also wenn ich irgendwo höre, das man sich in Deutschland überdurchschnittlich wenig mit dem Essen beschäftigt, kriege ich einen TobsuchtsanfallAnfall.

Ich nehme das eher so war:

1. Weniger Fett
Ja, verstanden, wegen Blutgefäßen und Hosenbund

2. Weniger Zucker
Ja, auch klar. Die Zähne gehen kaputt und schon wieder der Hosenbund

3. Weniger Salz
Ja, weiß doch jeder. Die Nieren und so

4. Nicht so viele Eier
Logo man, und nur braune Nudeln … Cholesterin-Spiegel … oder so ähnlich … kenn‘ ich schon

5. Mehr Fisch
Klar. Als Alternative zum Fleisch. Mach‘ ich

6. Kein Thunfisch
Yep. Weiß ich. Wegen der Delphine. Aber was ist mit Punkt 5.?

7. Mehr Eiweiß
Ooookeee … aber … widerspricht das nicht Punkt 4. …  Wurscht … mach ich. Ach nee. Wurscht ist auch nicht gut. Dazu dann gleich.

8. Am besten Vegetarisch
Kein Fleisch, ja, weiß doch jeder. Wurscht auch nicht. Wegen dem Tierschutz. Bin ja schon dabei, drauf zu achten. 

9. Und Tomaten nur vom Strauch
Jo, wegen dem Plastik drumherum, auch kapiert.

10. Besser auch gar kein Rind mehr
Habe ich gehört, klar. Die pupsen so viel. Schweinerei eigentlich.

11. Milch stärkt die Knochen und bringt Eiweiß ins Human-System
Aber … was ist mit Punkt 1. und Punkt 10.?

12. Auf jeden Fall aber Bio
Mhm ja. Wegen der Chemie in Körper und Böden. Ich nehme mir das vor. Ist zwar sau-teuer … aber gut … gehört ja schon zum guten Ton

13. Richtig gut ist aber eigentlich nur vegan
Ja, mag sein, aber Vegan heiß nicht „Bio“ und schon gar nicht „gesund“, oder? Parmesan aus Sägespänen ist vegan

14. Aber Fair Trade bitte
Ja, auf jeden Fall. Der Kolumbianische Bauer soll unter fairen Bedingungen anbauen. Selbstverständlich. Bin dabei

15. Und Regional natürlich
Bin ja nicht blöd man, eine fair angebaute Mango, die Bio, Vegan, Vegetarisch, Fettarm, Fischfrei aus Brasilien eingeflogen wird, da wo vor kurzem noch Urwald war, geht ja nun gar nicht

 

Oahh, liebe Leser, ich fürchte, dass wird mir zu viel.
Es ist ja nicht so, dass ich mich langweilen würde … aber kann es sein, dass das irgendwie ein wenig verwirrend ist. Wollte ich Ernährungswissenschaften studieren? Kann mich gar nicht daran erinnern. Sollte ich vielleicht mal Magnesium, Kurkuma, Ginko …

25) Pillen-Packung

Eigentlich versuche ich ja hier auf meinem Blog, die Nennung einzelner Marken zu vermeiden. Soll keiner denken, ich stehe bei denen auf der Gehaltsliste. Aber heute muss ich da mal eine Ausnahme machen. Sorry.

Wegen etwas Kopf-Brummen war ich gerade in der Apotheke. Ein paar Aspirin sollten es sein. Also trat ich an den Tresen und bat um „Einmal Aspirin klassisch“, in der Erwartung einen schmalen Streifen mit 10 Tabletten zu bekommen. Die Apothekerin nickte verständlich und legte einen Mega-Pack auf den Tisch. Ich sagte, „danke, aber eine kleine Packung reicht mir eigentlich“. Die Dame antwortete „das ist die kleinste, da sind 8 Stück drin“.

Nun liegt diese stolze Packung vor mir auf dem Tisch und offenbart ihr inneres. Stolze 8 Pillen und ein Beipack-Zettel. Ansonsten Luft viel Luft.

Ich hole einen Zollstock und nehme Maß. Die Packung ist 11cm breit, 8cm tief, 2cm hoch. Grob überschlagen, liegt der Packung eine grün gefärbte Pappe von ca 200 cm2 für nur „8 überzogene Tabletten“ zu Grunde. Das finde ich auch etwas überzogen.

Ich starte die gängige Suchmaschine und werde schnell fündig. Die Firma Bayer hat für die Packung in 2014 sogar den Innovationspreis der deutschen Verpackungsindustrie In der Kategorie „Pharma & Medizin“ bekommen. Die besondere „Konsumentenfreundlichkeit der Primär und Sekundärverpackung“ und die „Streifenverpackung im Kleeblatt-Design“ aus „Aluminium und Papier“, haben da den Ausschlag gegeben.

Ich lach’ mich schlapp. Vor lauter Kopfschütteln kriege ich gleich wieder Kopfschmerzen.