12) Digital-Fernsehen

Wir empfangen unser Fernsehprogramm über einen HD-Receiver, der zwischen Kabel-Dose und Fernseher geschaltet ist. Ja, der Tuner ermöglicht Zugang zu hunderten von Sendern, viele viele davon sind aber einfach nur Schrott (siehe Beitrag Medien-Qual). Die wenigen guten Sendungen kommen dafür aber gestochen scharf ins Wohnzimmer. Das ist aber auch schon alles, was ich an positiven Dingen zu diesem Gerät sagen kann. Den Rest kann ich zusammenfassen zu … „grottig, schlecht, mies … oder kurz … unbenutzbar“.

Ein paar Eindrücke aus dem Fernseh-Alltag:

  • Das Ding benötigt lange zum Hochfahren. Es besteht das Risiko, den Anpfiff zum WM-Finale zu verpassen.
  • Man kann die Sender nicht löschen oder sortieren! Nein, man muss sich wohl oder übel durch den ganzen Blödsinn durchzappen, bis man im Bereich der „konsumierbaren“ Programme angelangt ist.
  • Die Büchse hat zwar eine Art Favoriten-Funktion, aber die ist umständlich zu bedienen und hilft nicht weiter
  • Der elektronische Programm-Guide glänzt häufig mit der Information „Keine Informationen Verfügbar“

Ende Februar informierte uns der Kabel-Betreiber über eine anstehende Preiserhöhung. Man sei überzeugt, das unser  „…Tarif auch zu diesem Preis ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis bietet.“ Das macht dann 1,49 EUR mehr pro Monat. Grund seien die gestiegenen Bau-, Lohn-, und Energiekosten. „Wir bedanken uns für Ihr Verständnis, Viele Grüße, Ihr Kundenservice.“

Vor ein paar Tagen erreichte uns dann noch ein weiterer Brief. Ende März werde alles von „analog“ auf „digital“ umgestellt. Der Schritt ins digitale Zeitalter ermögliche uns „… eine größere Programmvielfalt in bester Bild-und Tonqualität …“, heisst es da. Um Himmels Willen, nein! Ich will nicht noch mehr Sender! Ich will eigentlich nur eine Lösch-Funktion für meinen bestehenden HD-Receiver! Außerdem bin ich doch schon digital unterwegs oder nicht? Die Umstellung findet an einem Dienstag zwischen 02:00 und 08:00 Uhr morgens statt. Na gut, dann macht mal.

Mitten im Brieftext sticht mir dann noch folgende Passage ins Auge:

„Ihr Fernsehen, Internet, Telefon und am Kabelnetz angeschlossene Radios haben in der Umstellungszeit Sendepause und funktionieren nicht.“ Freunde der Wortklauberei haben daran ihre wahre Freude. Auf einmal gehört das „Internet“ anscheinend „mir“ und die Geräte „senden“ auf einmal, statt nur zu empfangen. 

Noch unterhaltsamer finde ich aber den nächsten Block:

„Notrufe u. Hausnotrufe über das Festnetztelefon sind nicht möglich.

Keine Sorge, Ihre TV-Programme bleiben erhalten.“

Na dann ist ja gut. Kratzt die Pflege-Omi also im Morgengrauen ab, gibt‘s immerhin weiterhin das Morgen-Magazin, die Reality-Soap und das Dschungel-Fernsehen. Bleibt alles beim Alten.

Nun bleibt die Frage, warum das zwischen 02:00 und 08:00 Uhr eingeplant wurde. Ist das der Zeitraum mit den geringsten Einschalt-Quoten? Oder sterben da statistisch gesehen die wenigsten Menschen, so dass das Risiko eines fehlenden Notrufes vertretbar ist?

Denken wir zum Schluss noch an all die Menschen, die nach absolvierter Spätschicht nach Hause kommen, noch etwas „zappen“ wollen und mangels Nacht-Programm plötzlich ein Ziehen in der linken Brust verspüren…

 

Frühere Beiträge zum Thema TV, Radio und Unterhaltung:

 

4) Medien-Qual

Das Problem der Zukunft wird nicht der Mangel sein, sondern die Auswahl. So ähnlich hat es Greg McKeown erst kürzlich wieder in mein Ohr geflüstert. Recht hat er. Nur glaube ich, dass wir da bereits angekommen sind. Es ist Samstag, kurz vor 21:00 Uhr, prime time also. Unsere Kids überlassen uns überraschenderweise den Fernseher im Wohnzimmer. Was‘n nu‘ los? Heißt das echt, wir können den restlichen Abend über das Programm bestimmen? „Ja, könnt ihr“, sprach es im Chor und schloss die Tür. Der spontane Zugewinn an Freiheit überfordert uns etwas, aber warum nicht? Der Abend ist noch jung, vielleicht können wir noch irgendwo einsteigen. Ich habe aber keine Lust auf planloses Zappen, also öffne ich meine TV-App, die mir die Sendungen meiner  Sender-Favoriten auflistet. Nichts dabei. Gut dann greife ich halt in den nächsten Topf, übernehme die Fernbedienung und schalte auf den Electronic Program Guide des HD-Receivers. Es erscheint eine Liste von angeblich 977 Sendern(!) Ich weiß aber, dass der Großteil gar nicht freigeschaltet ist. Warum wird das dann in der Liste angeboten? Und warum gibt es die dritten Programme jeweils dreimal oder viermal? Und warum kommen die Shopping-Kanäle so weit vorn? Und warum kriege ich fremdsprachige Sender, deren Sprachen ich nicht mal ansatzweise verstehe. Warum kann ich bei diesem dämlichem Receiver nicht einfach 80% der Sender löschen!!! Dann blieben ja immer noch stattliche 200 zur Auswahl. Auf den ersten Seiten der Sender-Liste erscheint nur Grütze. In einer Game-Show spielt Klein gegen Gross, ein Schlagersänger feiert mit Weggefährten seinen 76. Geburtstag und Johnny Depp kämpft mal wieder gegen Zombies. Ach nö! Ja, das Fernsehen hat ausgedient. Ich wechsele in den iTunes Store, mal schauen was es da so gibt. Die 63 Filme in der Kategorie „Neu und beachtenswert“ sagen mir nicht zu. Ein Mega-Hai frisst Menschen in 4K HDR und Mädels singen zum zweiten Mal ABBA-Lieder. Die 51 Filme der Kategorie „Neue Filme zum Leihen“ decken sich zur Hälfte mit „Neu und beachtenswert“. Natürlich kann ich nach den Film-Titeln suchen, aber nach welchen? Woher soll ich denn wissen, was ich jetzt schauen will und wie das dann noch heißt? Wir versuchen uns die Namen der jüngeren Kino-Filme ins Gedächtnis zu rufen. Ohne Erfolg. Dann suche ich nach Namen von Schauspielern, die ich eigentlich ganz gern mag. Ein paar Filme erscheinen zu Auswahl, allerdings laufen alle deutlich über 2 Stunden. Puhhh. Ganz schön gewagt, da es mittlerweile schon 21:15 Uhr ist. Wir wechseln zu Netflix und danach zu Prime. Überall das gleiche Drama. Tonnenweise bunter Bildchen, Filmbeschreibungen und Trailer. Nun ist es gleich 21:30 Uhr. Jetzt lohnt erst recht kein Film mehr. Aber vielleicht ein kurzer Reisebericht? Gute Idee. Malaysia beschäftigt uns gerade so ein bisschen. Wir wechseln zu YouTube und ich tippe „Malaysia Reise Doku“ ein. Als Ergebnis kriege ich unzählige private Video-Schnipsel. Ich will eine Doku, die mir einen Überblick über das Land verschafft (!) und keine verwackelten Handy-Filmchen von Leuten die ich nicht kenne. Ich überschreibe das Wort „Doku“ mit dem Wort „Reportage“ und schreibe noch ARTE und PHOENIX dahinter in das Suchfeld, damit es seriöser wird und was kriege ich? Die gleiche Sauce wie vorher. Dem Video mit den meisten Klicks gebe ich dann doch noch eine Chance. Aber wie schon vermutet, warten nur wackelige Aufnahmen und bunte Schriften, die aus allen Richtungen ins Bild einfliegen. Dann ertönt eine Off-Stimme, die in herzhaftem schwäbisch über Malaysia referiert. Gruselig. Also versuchen wir es bei den Media-Theken der öffentlich rechtlichen Sender. Aber auch dort gibt‘s keinen Überblick über die Reise-Ziele in Malaysia. Mittlerweile gehen wir auf 21:45 Uhr zu. Damit überhaupt noch etwas Grünes über den Bildschirm läuft, weichen wir auf Sri-Lanka aus, das ist aber auch bald ermüdend, weil die nur über eine uralte Eisenbahn sprechen. 

Kann das denn sein? Wir bezahlen Rundfunk-Gebühr, DSL-Anschluss, Kabel, HD-Paket, Netflix-Abo, Prime-Abo und weiß der Geier was und finden am Samstag Abend nichts inspirierendes in der Glotze?

Ich warte jetzt auf die Nachrichten und dann gehe ich ins Bett!

Vielleicht sollten wir den ganzen Mist einfach kündigen und uns einer Informations-Diät unterziehen? Wo war noch mal gleich der Zettel mit den Vorsätzen fürs neue Jahr?

Frühere Beiträge zu Medien in verschiedenen Formaten: