203) Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 4

„Pling, Plopp, Bing, Ssssst, Fffffft, Klong, Beep“, so ähnlich machen unsere Handys mehrmals pro Stunde auf sich aufmerksam. Man hat eine Mail bekommen, irgendwer schickt eine Nachricht, Fußballtraining fällt aus, Päckchen wurde Versand, „Du sitzt


zu viel“, etc. Doch das war nicht immer so.

Es muss circa 1997 gewesen sein, da hatte ich mein erstes Handy in der Hand. Ein S6 der Firma Siemens. Es war ungefähr so groß wie eine Fernbedienung, aber flacher als das S4, hatte eine „harte“ Stummel-Antenne, wog ca. 200 g (nicht schwerer als das neueste Apfel-Phone) und der Akku hielt ewig.

Erinnerungen:

  • Frisch aus der Verpackung genommen und aufgeladen, lag das edle Stück auf dem Couch-Tisch aber rührte sich nicht. Es machte einfach …. „nichts“. Kein Mensch rief an. Ich programmierte ein paar Telefonnummern von Freunden ein, aber die hatte ich eigentlich eh im Kopf. Man musste also wirklich jemanden anrufen, damit das Ding irgendetwas tut.
  • Das Display war monochrom, neben Telefonieren konnte man noch … Kontakte sortieren. Aber es gab noch andere coole Features wie Minuten-Ton, Gebührenanzeige, Beleuchtung, Begrüßungstext, Makeln und Konferenz mit bis zu 4(!) Teilnehmern.
  • Eine andere Funktion fand ich eher zufällig. Unter Menü/Meldungen gab es eine Option „Textnachrichten“ und ich meine, die war sogar anfänglich kostenlos. Damit konnte man Textnachrichten an andere Nutzer schicken. Nur Text natürlich, keine Bilder, aber genial. Aber man musste sich sehr kurz fassen. Später nannte sich das Ganze „SMS“ und wurde zur beliebtesten Kommunikationsform der Jugend.
  • T9 und Rechtschreibkorrektur gab‘s für die Textnachrichten noch nicht, geschweige denn „Diktier-Funktion“ oder „Text to Speech“. Also wurde jede Zifferntaste solange gedrückt, bis der richtige Buchstabe auf dem Display erschien oder die Daumen bluteten. Und wehe man hatte sich zu Beginn des Satzes verschrieben, dann ging alles rückwärts.
  • Zu Sylvester und anderen Feiertagen war das Netz total überlastet, die Mobilfunk-Firmen offerierten spezielle Zeitfenster für kostenlose SMS oder preiswertere Gespräche in Nebenzeiten.
  • Und das Telefonieren war teuer. Der meist gesprochene Satz dieser Zeit war: „Warte mal, ich rufe dich gleich auf’m Festnetz zurück“ … und ich erwische mich heute noch dabei, obwohl ich eine Flat Rate habe.
  • Da das Gerät in keine Hosentasche passte, gab es dazu eine schicke Gürteltasche für den Herren. Die trug man eher seitlich oder hinten und wenn man sich damit auf den Fahrersitz des Autos fädelte, rammte man sich die Antenne in die Nieren. Ich muss doch glatt mal nachschauen, ob die blauen Flecken mittlerweile weg sind.

Hat’s bei euch etwas auch gerade „Pling“ gemacht?

Dann war das vielleicht dieser Beitrag hier … aber dann ist das ja auch in völlig Ordnung … wenn es bei euch „Pling“ macht 😉

<— Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 4

192) Atlas, wat das?

Ab und zu fällt mir mal mein Auto-Atlas in die Hände. Das stolze Werk steht im Seitenfach der Fahrertür und wartet dort auf den Fall der Fälle. „Atlas? Wat das?“ mögen die jungen Erdenbürger fragen. Ich versuche mich mal an einer Rezension

Features:

  • 2,1 kg, Hard Cover (scheiße schwer)
  • Farbdruck, 1.232 Seiten Papier (… ja Papier … wirklich)
  • 2 Lesebändchen (heute würde man wohl „Bookmarks“ oder „Favorites“ sagen)
  • „Touren-Planer auf CD-Rom für PC“ (das sind die komischen Scheiben, die eure Alten im Regal stehen haben)

Content:

  • Reisekarten, Durchfahrtspläne für Europa
  • Innenstadtpläne, Planungskarten
  • Entfernungstabellen, Hotel-und Restaurantverzeichnis
  • Verkehrsregel pro Land, KfZ-Kennzeichen
  • Erste Hilfe, Pannenhilfe, Fremdwörter
  • Ortsregister
  • PS: manchen Autobahnen fehlen noch

User Experience:

  • Entweder man arbeitet sich durch 70 Seiten Ortsregister oder man blättert „free style“ zum Ziel. Ihr wisst ja hoffentlich noch, Polen ist rechts von zu Hause, Frankreich ist links, Dänemark ist oben, Österreich unten. Von da kommt man dann ganz gut weiter.
  • Auf jeden Fall braucht man gute Augen, wenn man sein Reiseziel finden will. Und man kann nur hoffen, dass es nicht direkt im Knick zwischen zwei Seiten liegt. So wie „Oberi         lbach“ in Bayern oder „Frie         gen“ in Westfalen. Wenn dann noch Kekskrümel im Knick liegen, wird es fast unmöglich.
  • Zoomen funktioniert da noch nicht. Zumindest nicht mit den Fingern. Entweder man hält sich das Buch direkt vor die Nase oder man senkt den Kopf über das Buch, bis man Druckfarbe riechen kann.
  • Wischen und Swipen geht nur bedingt, man kann sich aber anhand von kleinen Zahlen an den Seitenrändern orientieren und „blättern“. Man sollte aber vorher Daumen und Zeigefinger in die eigene Viren-Gusche halten und ordentlich befeuchten.
  • Sprachsteuerung? Fehlanzeige. Auto-Korrektur, Auto-Updates und Auto-Backup gibt’s noch nicht, dafür aber eine Auto-Versicherung auf Seite 6 und eine Auto-Vermietung auf Seite 123
  • Siri, Alexa, Cortana … könnt ihr vergessen … nix da

Fun Factor:

  • Der/die/das Beifahrer_*-In mit dem Ding navigieren lassen und dann seinen/ihren/dessen Ansag_Innen vertrauen und folgen
  • Die Route halten, wenn er/sie/es dann doch bei 80km/h auf Dänemarks Landstraßen eingeschlafen ist
  • Nachtfahrten, wenn man die Abfahrt Genua gerade verpasst hat und die Fähre in 10 Minuten erreichen muss.

Und nun, was mache ich nun damit? Wegschmeißen? Anzünden? Ins Museum bringen?

Ach … ich glaube ich lege das Ding wieder ins Seitenfach der Fahrertür.
Nur für den Fall der Fälle

61) Forum Nervum

Irgendwie fehlt mir heute der Antrieb für die großen Themen der Zeit. Also komme ich mal wieder auf die nervenden Kleinigkeiten des Alltags zurück. Diese Kategorie hier auf’m Blog ist in den letzten Wochen etwas zu kurz gekommen.

Das Internet kann Fluch und Segen sein. Heute beginne ich kurz mit einem Segen, aber der Fluch lässt nicht lang auf sich warten.

Brauche ich mal einen praktischen Rat oder eine technische Hilfestellung, ist die große Video-Plattform eine gute Wahl. Wie stelle eine Fahrradschaltung ein? Wie zieht man eine Silikon-Fuge? Was tun bei einem platten Reifen? Großartig, die kurzen Videos möchte ich nicht missen.

Aber wehe man landet in einem Internet-Forum, in dem Menschen miteinander kommunizieren. Da beginnt dann schnell mein Fluchen. Verstehen sich zum Beispiel der Fernseher und Receiver nicht so recht und man hat großes Glück, findet man im Netz einen anderen Leidensgenossen. „Ich will meinen Panasonic-TV ABC-0815 über HDMI-ARC an den Teufel-Receiver 4711-XYZ anschließen, aber es kommt kein Ton an.“ steht dort. Mein Herz macht Freudensprünge, der hat das gleiche Problem wie ich und bestimmt auch die Lösung. Denkste.

Denn meistens liest man dann folgendes:

  1. Der Moderator: Bevor du die Frage stellst, schau doch erst mal im Forum nach. 🧐
  2. Der Schlaumeier: Also ich habe mir ja den Teufel 9876-UVW gekauft, da läuft alles bestens. 💪
  3. Der Granatwerfer: Probiere ein Reset und dann mach mal ein Firmware-Update. 💣
  4. Der Ingenieur: Löse alle Schrauben, nimm einen Spannungsmesser und prüfe an der MNO-Platine ob hinter dem Widerstands-Modul H noch ein Signal ankommt.🔧
  5. Der Weltretter: Also ich habe seit Jahren schon keinen Fernseher mehr, ich lese nur noch. 🦄

Oaaaaahh …. nerv. 😡

<— Weitere Kleinigkeiten mit Schlechte-Laune-Potenzial gibts hier

60) Auto-Innenreinigung

Da ich noch die Ehre habe, dass Innere der Familienkutsche selber reinigen zu dürfen, läuft dieses Spektakel jedes Mal ähnlich ab.

Zunächst muss ich Dampf ablassen:

  • Haben diese Auto-Designer eigentlich selber Kinder? Und waren sie jemals mit ihnen auf der Autobahn? Oder am Meer, oder im Wald unterwegs? Wie kann man sich nur so eine dämliche Innenausstattung ausdenken? Ich meine Teppiche am Boden! Polster auf den Sitzen!
  • Und wenn sie Kinder haben, verdienen vermutlich soviel Schotter, dass sie ihr Auto ständig zur Innenreinigung weggeben können? Oder kriegen sie einfach alle 6 Monate eine neue Karre gestellt und die verdreckte Schüssel wird nach Afrika verschifft?
  • Und wer hat eigentlich den Kindern erlaubt, hinten Salzstangen zu knabbern, Schokolade zu essen oder Kaugummi zu kauen? Und die ganzen Ü-Eier? Und die Fußballkarten? Wo kommen die her? Vorsicht, das könnte nach hinten losgehen 😉

Nachdem diese Schuldfragen nun angesprochen sind, folgen dann die etwas konstruktiveren Überlegungen:

  • Warum müssen Autos mit Teppich ausgelegt sein? Kann man die Bodenplatte nicht fliesen, mit Laminat auslegen? Oder eine Auffangeinrichtung wie beim Toaster vorsehen, die man rausziehen kann. Oder die Karosserie gleich auf ein Rost montieren? So könnten die Krümel durchfallen und man könnte mit einem Hochdruck-Reiniger ran.
  • Warum bauen sie allmöglichen High-Tech Schnick Schnack in die Karren rein, so dass es permanent piept und gongt? Aber sie kriegen es seit Beginn der seriellen Autofertigung nicht gebacken, mit dem Dreck der Reisenden umzugehen.
  • Warum gibt‘s Saug- und Wischroboter, Fenster-Putzgeräte für den Haushalt, aber nicht fürs Auto? Wieso sind manch andere Automaten im Auto sogar schon wieder ausgestorben (man denke an CD-Wechsler) und wir krauchen immer noch kopfüber unter die Polster und fluchen über die zu breite Staubsauger-Düse!

Liebe Auto-Industrie, bevor ihr euch an den selbstfahrenden Autos die Zähne ausbeißt, löst doch bitte erst einmal dieses Problem. Oder glaubt ihr etwa ich putze das Auto, während es autonom über die Autobahn fliegt?

Andere Nervigkeiten zum Thema Auto:

 

95) Corona-Lektionen 17

Die ersten kleineren Läden dürfen wieder öffnen. Das ist schön und bringt wieder etwas Leben auf die Straße. In zwei Wochen werden wir sehen wohin das führt, etwas skeptisch bin ich da auch noch, haben wir doch noch nicht einmal die Effekte des ersten Oster-Wochenendes virologisch verkraftet. Ganz zu Schweigen vom zweiten Wochenende mit den warmen Temperaturen und Freiheitsgefühlen, getragen von der Diskussion um Lockerungen. Aber gut.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Homeschooling: Gestern habe ich eine Diskussion im TV verfolgt, da ging es auch um die Herausforderungen im Homeschooling. Ein Argument war, dass es nichts bringe, die Kids mit Hausarbeiten zuzuschütten, stattdessen bräuchte man „Lernplattformen“. Da bin ich ja voll dabei, aber die wird’s nicht morgen geben. Die Realität sieht leider anders aus. Wenige Lehrer experimentieren kreativ und offen mit den „neuen“ Medien (volles Lob!), aber der Großteil ist doch herzlich überfordert. Tut mir leid, dass so sagen zu müssen, auch wenn Lehrkräfte hier mitlesen, aber so ist es nun mal in unserem Schulumfeld. Seit letztem Mittwoch 12:00 Uhr ist klar, dass die Schulen nicht öffnen werden, heute am Dienstag trifft man sich zur ersten Beratung und nun trudeln die ersten Aufgaben per e-mail ein. Sechs Tage später. Unterschiedlich in der Menge, der Erläuterung und der Verbindlichkeit. Und auch nicht von allen, sondern nur von einzelnen Lehrkräften. Und wo ist die Schulleitung in dem Spiel? Kann ich alles nur schwer nachvollziehen, ehrlich. Und da soll mir keiner sagen, das ist alles „neu“ und „gab es noch nie“. Das ist Quatsch.

Medienzugang: Und nun zu einem sehr heiklen Thema, wobei ich mir vielleicht die Finger verbrenne. Aber ich will das Thema trotzdem mal ansprechen. Häufig höre ich das Argument, dass nicht alle Haushalte den nötigen Zugang zu entsprechender Technik haben und deshalb die elektronische Verteilung der Lerninhalte nicht funktionieren kann. Und jetzt wage ich mal die Provokation, dass das nicht stimmt. Sicherlich haben nicht ALLE den Zugang zur Technik, aber ich bin mir sehr sicher, dass ein Großteil dieser ALLE ihre Smart Phones im Einsatz haben, da wird auch gedaddelt, WhatsApp genutzt und bei Insta vorbeigeschaut. Und ich glaube auch, dass viele Playstations oder andere Zeitvertreiber in den Kinderzimmern laufen. Wenn das wirklich nicht so ist, dann soll der Shitstorm über mich ergehen und ich lerne gern dazu. Bitte um Kommentare, ich korrigiere mich gern.

Auf Sicht: Diese Formulierung wird dieser Tage häufig verwendet. Aufgrund mangelnder Daten und Erfahrung muss man auf „Sicht fahren“ oder auf „Sicht fliegen“. Schöner Vergleich eigentlich. Aber er ist eben nicht vergleichbar und daher möchte ich aktuell auch nicht in der Haut der Entscheider stecken. Auf „Sicht fahren“ heißt doch, ich fahre mangels Daten vorsichtig vorwärts, sehe kurz vor mir Hindernisse oder Tiere und reagiere entsprechend. Und da hinkt der Vergleich. Bei der Diskussion um Lockerungen der Beschränkungen, fahren die Entscheider nicht „auf Sicht“, sondern sie müssen heute entscheiden, und zwar aufgrund von Daten, die sie 10-14 Tage zuvor an einer Kreuzung gesehen haben. Das macht einen großen Unterschied. Stellt euch vor, ihr dürftet nur rückwärts auf euer Ziel zufahren, ohne Rückspiegel und müsstet eure Lenkbewegung aufgrund der zurückgelegten Strecke machen. Viel Erfolg.

Grüße aus Berlin

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—> Corona-Lektionen 18 

28) Wetter-App

Und nun zum Schluss … das Wetter. Als ich meine Laufbahn als „Fernsehkieker“ begann, pinnte der Wettermann noch ausgeschnittene Papp-Wolken und Sonnen an die Wetter-Karte hinter sich. Dabei sprach er direkt zu uns vor der Mattscheibe in Berlin, seine Hände wuselten aber zeitgleich irgendwo zwischen Oder und Elbe herum, aus dem Lautsprecher kamen aber Temperaturen von ganz woanders. Heute sind Wetterberichte zwar echte Multimedia-Shows geworden, aber wirklich folgen kann ich denen immer noch nicht. Noch vor Ende der wenigen Minuten, habe ich schon wieder vergessen, was Wetter-Frosch oder -Froschin gesagt und gezeigt hat. Besser ist da natürlich eine Wetter-App. Je nach dem welche App man hat, können die sehr gute Vorhersagen bekommen, auch der Regen-Radar ist erstaunlich exakt. Mehrmals am Tag, ja mehrmals pro Stunde kann man mit dem Ding die Großwetter-Lage „checken“.

Aber wir wissen alle: Wetter ist erstens unberechenbar und zweitens sehr lokal. So auch am Urlaubs-Ort.

Und was ist eigentlich nun besser?

A) Wenn das Wetter zunächst als schön prognostiziert wird und trotzdem schlecht wird? Dann stellt man sich irgendwo unter oder ändert kurzfristig das Programm. Schwimmhalle, Kino oder Museum.

ODER

B) Wenn die App für den nächsten Tage zunehmend schlechtes Wetter vorhersagt? Dann fährt man in die Therme, ins Museum und wundert sich dann drinnen über die viele Sonne draußen, denn das Wetter wird verdammt noch mal nicht schlechter.

ODER

C) Die Wetter-App ausschalten, einen Blick gen Himmel werfen, sich nicht verrückt machen lassen und dann entscheiden … so wie im Mittelalter 😉                                                                              

Frühere Beiträge zum Thema „App“schalten:

43) Gurtwarner

Dieses kräftige Rot, gehört nicht dem Hintern eines Pavians, sondern dem Gurtschloss unserer Familien-Kutsche. Auf der Fahrerseite blöderweise. Seit ein paar Wochen, macht es mit einer Verhaltensstörung aufmerksam.

Es denunziert mich als gurtfaulen Fahrer an die Zentraleinheit, welche wiederum das zentrale Gong-System befehligt, dauerhaften Alarm zu schlagen. Anfänglich reichten da noch ein paar sanfte Schläge auf den Kopf des Schlosses, nun aber entwickelte sich diese Macke aber zur Dauererkrankung. Es benötigt dringend Behandlung.

  • Erste Idee: Blick ins Bordbuch, passende Sicherung suchen und einfach rausziehen. Ich bin alt genug, ich brauche keine Bimmel, die mich permanent an den Gurt erinnert. Fehlanzeige: Keine bestimmte Sicherung für den Gurtwarner zu finden.
  • Zweite Idee: Suche im Inhaltsverzeichnis im Buchstabenbereich „G“ wie „Gurt“. Ich finde die Überschrift „Gurtwarner deaktivieren“. Großartig, das muss es sein! Fehlanzeige: „Zur Deaktivierung des Gurtwarners bitte Fachwerkstatt aufsuchen“ steht dort geschrieben.
  • Dritte Idee: Im Urlaubs-Ort finden wir eine typenoffene Werkstatt, ich spreche dort vor. „Tach’chen, könnt ihr euch die Tage mal bitte meinen Gurtwarner anschauen, der treibt mich zur Weißglut. Können Sie auch gern ausbauen oder abschalten. Brauche ich nicht“.
    Fehlanzeige. „Den dürfen wir nicht ausbauen oder abschalten, wir können ihn aber gern tauschen“.
  • Vierte Idee: Na gut dann halt Tauschen. „Von mir aus, dann am besten aber in den nächsten zwei Wochen, ich kann die Karre gern mal ein paar Tage hier stehen lassen. Ich habe ja Urlaub.“ Fehlanzeige: „Den nächsten Termin kann ich ihnen in drei Wochen anbieten.“
  • Fünfte Idee: Eine kleiner Werbezettel liegt seit Tagen bei der Handbremse. Wenn ich den jetzt einfach ein wenig falte … und … mit der Schnalle ins Schloss … stecke, dann könnte doch vielleicht … Volltreffer: Es herrscht wieder Ruhe auf der Brücke!

Warum zum Geier, müssen sich erwachsene und erfahrene Auto-Fahrer von einem Gong nerven lassen? Ich schnalle mich doch an, Mann! Ich weiß, dass dieser Strick mein Leben rettet. Und wenn ich mich mal nicht anschnalle, dann hat das verdammt noch mal einen guten Grund. Welcher Bürokrat hat sich da nur wieder selbst verwirklicht? Es herrscht doch Gurtpflicht in Deutschland, warum muss man das noch mit einem Dauergong untermalen? Hat da jemand einen Schwager bei der Gurtwarner und Gong-Systeme GmbH?

Frühere Beiträge zur Auto & Co:

26) Double-Deck

Ich manchen Kellern, Dachböden und Wochenend-Häusern stehen noch echte technologische Meisterstücke. Manche sind uralt und schon echt museumsreif, andere hingegen tun immer noch ihren treuen Dienst. Die sind auf keinen Fall „alt“ oder „aus einer anderen Zeit“, denn dann wären wir das ja auch.

Dazu gehört zum Beispiel das Double-Deck:

  • Es hat kein Display, man kann nicht auf ihm „wischen“ und beim Ruf nach „Alexa“ zuckt es nichtswissend die Schultern
  • Seit den 80-ern braucht es keine Updates, keine Schutzfolien, keine Backups und auch keine Ersatz-Akkus. Selbst bei aufziehenden Clouds, bleibt es gelassen und weitestgehend wartungsfrei
  • Es ist komplett offline und analog, statt Facebook-Account oder Fingerprint besitzt das Ding einen orangen Schalter, um es in Gang zu setzen
  • Hat man elektrischen Strom und etwas Äther zur Hand, entwickelt sich ein bombastischer Sound, bei der selbst der tragbare Speaker aus der Neuzeit etwas blass aussieht
  • Es bietet stolze 26 Schalter und Drehknöpfe, um das Hörvergnügen zu optimieren. Mono, Stereo, CrO2, LW, MW, Balance, Beat, Bass, Treble und so weiter machen das Ding anfassbar
  • Wem der Kasten zu grau ist, der kann ihn mit Aufklebern aus der Bravo bekleben oder mit einem Edding verzieren. Auch politische Statements machen sich immer gut darauf.
  • Die ausziehbare Antenne hat es schon vor Jahren dahingerafft, seither ermöglicht eine Gabel den Zugang zu Frühstücksradio, Hitparade und Halbzeitkonferenz.
  • Eine illegale Depeche Mode-Kassette von polnischer Herkunft und übelstem Klang im linken Deck, liess sich auf eine noch „leere Kassette“ im rechten Deck überspielen. Sogar in „High Speed“!

Im besten Falle auf eine Super Chrome II Audio 90 Minuten, Slim!!

Frühere Beiträge zum Rrrrrradio und Glotze:

7) Bilder-Berge

Wer ein Smartphone nutzt, der weiß, wie einfach man damit Photos machen kann. Vielleicht nun nicht gerade prämierte Meisterwerke, dafür aber schnell und umso mehr. Man kann gleich mehrfach auf den Auslöser drücken, nur für den Fall, dass der erste Versuch verwackelt oder falsch fokussiert ist. Kostet ja erst einmal nichts. Man kann mit Blitz, Filter und Panorama spielen, bis der Akku qualmt.

Schnell sammeln sich auf diese Weise in einem Urlaub tausend Bilder an. Reist man mit Familie und mehrere Menschen knipsen gleichzeitig, wird es noch mehr. Erinnern wir uns da mal an die analogen Zeiten zurück. Da hatte man drei 36-er Filme mitgenommen, die Motive sorgsam gewählt und beim Abdrücken die Luft angehalten. Wollte man noch mehr Photos machen, musste man halt einem lokalen Halsabschneider einen Film abkaufen, der schon seit Jahren in der Sonne eines Schaufensters lag. War man zurück zu Hause und hat die entwickelten Bilder beim Foto-Laden abgeholt, konnte man die Hälfte wegschmeißen. Verwackelt, unterbelichtet, langweilig. Es blieben also noch ungefähr 70 Bilder übrig, davon schafften es 30 ins Familien-Album. Reicht ja auch.

Heute ist das anders. Im guten Falle löscht man bereits auf dem Rückflug all die verwackelten Bilder direkt vom Smartphone. Hat man etwas mehr Zeit, sollte man die Bilder erst einmal nach irgendeiner Logik auf diverse Festplatten, auf den Home-Server oder in die Cloud schieben, um das dann „irgendwann“ einmal anzugehen. Die absolute Kür ist, die besten Bilder in einem Photo-Buch zusammenzustellen. Meinen vollen Respekt dafür.

Wie man es aber auch angeht, es werden sich über die smarten Jahre tausende Bild-und Video-Dateien angesammelt haben und der Bestand wird stetig wachsen. 50.000 Dateien in 10 Jahren sind bestimmt nicht übertrieben. Waren früher manche Fotos einer Kaffee-Tasse, einem Wasserschaden oder einem Wohnungsbrand zum Opfer gefallen, war man natürlich traurig. Die Bilder waren schwer beschädigt oder gar verloren, wenn es die Negative auch erwischt hatte. Es war aber nicht zu ändern. Die digitalen Bilder werden uns hingegen bald über den Kopf wachsen.

Wenn man die Bilder nicht löschen will, dann muss man sich Gedanken machen, was damit eigentlich geschehen soll. Überschlage ich nur mal die Zeit bis zur Rente (…der frühestmögliche Zeitpunkt, mich damit zu beschäftigen…), wird der Bestand auf 200.000 Bilder angewachsen sein. Angenommen, ich würde pro Bild 30 Sekunden benötigen, um es zu sichten, zu entscheiden, zu drehen und zu ordnen, dann wäre ich mit der Aufgabe ein knappes Jahr beschäftigt. Unterbrochen nur von Schlaf. Nur für das Sortieren! Da ist noch kein Film draus entstanden oder gar ein Photo-Buch. Und nun?

Wie so oft in dieser Kategorie hier, gibt es auf all das keine Antworten, sondern eher Fragen:

  1. Wäre es nicht an der Zeit eine Software zu erfinden, die diese Bilder-Berge sichtet? Oder gibt’s die vielleicht schon? Kennt ihr eine?
  2. Angenommen, die Bilder-Berge lösen sich auf einmal in Luft auf. Irgendein fieser Virus frisst die alle auf. Ohne Ankündigung. Was dann?
  3. Was passiert, wenn all die Bilder mal in ein neues Format konvertiert werden müssen? Ein Multi-Trillionär ist der, der einen solchen Konverter gegen kleines Geld anbietet.
  4. Was ist eigentlich, wenn wir mal ins Altersheim müssen und gern ein paar Papier-Photos mitnehmen wollen. Welche denn? Und wer sucht die aus den Bilder-Bergen heraus?
  5. Vererbt man eigentlich digitale Bilder an die Hinterbliebenen und wenn ja wie? „Liebe Kinder, im Keller stehen drei Server mit Photos, seht zu was ihr draus macht! Wir sind dann mal offline. Eure Eltern. ROFL, LOL ;-)“

Ich freue mich über Kommentare und eine angeregte Diskussion

Frühere Beiträge zu Smartphone und Co:

4) Medien-Qual

Das Problem der Zukunft wird nicht der Mangel sein, sondern die Auswahl. So ähnlich hat es Greg McKeown erst kürzlich wieder in mein Ohr geflüstert. Recht hat er. Nur glaube ich, dass wir da bereits angekommen sind. Es ist Samstag, kurz vor 21:00 Uhr, prime time also. Unsere Kids überlassen uns überraschenderweise den Fernseher im Wohnzimmer. Was‘n nu‘ los? Heißt das echt, wir können den restlichen Abend über das Programm bestimmen? „Ja, könnt ihr“, sprach es im Chor und schloss die Tür. Der spontane Zugewinn an Freiheit überfordert uns etwas, aber warum nicht? Der Abend ist noch jung, vielleicht können wir noch irgendwo einsteigen. Ich habe aber keine Lust auf planloses Zappen, also öffne ich meine TV-App, die mir die Sendungen meiner  Sender-Favoriten auflistet. Nichts dabei. Gut dann greife ich halt in den nächsten Topf, übernehme die Fernbedienung und schalte auf den Electronic Program Guide des HD-Receivers. Es erscheint eine Liste von angeblich 977 Sendern(!) Ich weiß aber, dass der Großteil gar nicht freigeschaltet ist. Warum wird das dann in der Liste angeboten? Und warum gibt es die dritten Programme jeweils dreimal oder viermal? Und warum kommen die Shopping-Kanäle so weit vorn? Und warum kriege ich fremdsprachige Sender, deren Sprachen ich nicht mal ansatzweise verstehe. Warum kann ich bei diesem dämlichen Receiver nicht einfach 80% der Sender löschen!!! Dann blieben ja immer noch stattliche 200 zur Auswahl. Auf den ersten Seiten der Sender-Liste erscheint nur Grütze. In einer Game-Show spielt Klein gegen Groß, ein Schlagersänger feiert mit Weggefährten seinen 76. Geburtstag und Johnny Depp kämpft mal wieder gegen Zombies. Ach nö! Ja, das Fernsehen hat ausgedient. Ich wechsele in den iTunes Store, mal schauen was es da so gibt. Die 63 Filme in der Kategorie „Neu und beachtenswert“ sagen mir nicht zu. Ein Mega-Hai frisst Menschen in 4K HDR und Mädels singen zum zweiten Mal ABBA-Lieder. Die 51 Filme der Kategorie „Neue Filme zum Leihen“ decken sich zur Hälfte mit „Neu und beachtenswert“. Natürlich kann ich nach den Film-Titeln suchen, aber nach welchen? Woher soll ich denn wissen, was ich jetzt schauen will und wie das dann noch heißt? Wir versuchen uns die Namen der jüngeren Kino-Filme ins Gedächtnis zu rufen. Ohne Erfolg. Dann suche ich nach Namen von Schauspielern, die ich eigentlich ganz gern mag. Ein paar Filme erscheinen zu Auswahl, allerdings laufen alle deutlich über 2 Stunden. Puhhh. Ganz schön gewagt, da es mittlerweile schon 21:15 Uhr ist. Wir wechseln zu Netflix und danach zu Prime. Überall das gleiche Drama. Tonnenweise bunter Bildchen, Filmbeschreibungen und Trailer. Nun ist es gleich 21:30 Uhr. Jetzt lohnt erst recht kein Film mehr. Aber vielleicht ein kurzer Reisebericht? Gute Idee. Malaysia beschäftigt uns gerade so ein bisschen. Wir wechseln zu YouTube und ich tippe „Malaysia Reise Doku“ ein. Als Ergebnis kriege ich unzählige private Video-Schnipsel. Ich will eine Doku, die mir einen Überblick über das Land verschafft (!) und keine verwackelten Handy-Filmchen von Leuten die ich nicht kenne. Ich überschreibe das Wort „Doku“ mit dem Wort „Reportage“ und schreibe noch ARTE und PHOENIX dahinter in das Suchfeld, damit es seriöser wird und was kriege ich? Die gleiche Sauce wie vorher. Dem Video mit den meisten Klicks gebe ich dann doch noch eine Chance. Aber wie schon vermutet, warten nur wackelige Aufnahmen und bunte Schriften, die aus allen Richtungen ins Bild einfliegen. Dann ertönt eine Off-Stimme, die in herzhaftem schwäbisch über Malaysia referiert. Gruselig. Also versuchen wir es bei den Media-Theken der öffentlich rechtlichen Sender. Aber auch dort gibt‘s keinen Überblick über die Reise-Ziele in Malaysia. Mittlerweile gehen wir auf 21:45 Uhr zu. Damit überhaupt noch etwas Grünes über den Bildschirm läuft, weichen wir auf Sri-Lanka aus, das ist aber auch bald ermüdend, weil die nur über eine uralte Eisenbahn sprechen. 

Kann das denn sein? Wir bezahlen Rundfunk-Gebühr, DSL-Anschluss, Kabel, HD-Paket, Netflix-Abo, Prime-Abo und weiß der Geier was und finden am Samstagabend nichts inspirierendes in der Glotze?

Ich warte jetzt auf die Nachrichten und dann gehe ich ins Bett!

Vielleicht sollten wir den ganzen Mist einfach kündigen und uns einer Informations-Diät unterziehen? Wo war noch mal gleich der Zettel mit den Vorsätzen fürs neue Jahr?

Frühere Beiträge zu Medien in verschiedenen Formaten: