13) Postkarte vom Taj Mahal

Gestern ging es für uns nach Agra. Die Stadt an sich ist in Europa wohl weniger bekannt, aber seine Hauptsehenswürdigkeit, das Taj Mahal, kennt wohl jeder. Für mich war es nicht der erste Besuch dort, doch gab es auch diesmal wieder neue Eindrücke von der wohl dekadentesten Begräbnisstätte ever. Aber links und rechts davon gab es auch ein paar Skurrilitäten zu sehen.

Der Fahrer holte uns 07:00 Uhr am Morgen vor dem Hotel in Delhi ab. Die Familie stieg hinten ein, ich vorne. In meiner Erinnerung waren es gute 200 km nach Agra, zudem gibt es ja mittlerweile den neuen Yamuna-Express-Highway. Also ging ich von ca. 2,5 Stunden Fahrzeit aus. Wir fuhren also auf den Highway, der Fahrer beschleunigte aber nur zaghaft. Er zeigte auf einen Aufkleber an der Frontscheibe direkt vor mir. „This car is limited to 80 km/h“ oder so ähnlich stand da in Spiegelschrift geschrieben. Er sagte „Good speed“ und grinste. Na großartig! Ich, der ja grundsätzlich ein Problem mit dem „Nichtstun“ hat, sitze nun bei 80 km/h auf einem kaum befahrenen indischen Highway und bin zur Entschleunigung verdonnert. Also betrachtete ich Bauern, Felder, Hütten, Büffel, Ziegeleien und versuchte mich in Small Talk. Gegen 11:00 Uhr in Agra angekommen besuchten wir das Grabmal von Mogul Akbar. Anschließend des Agra-Fort und als Höhepunkt natürlich das Taj Mahal.

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2017 wurde es wohl frisch geputzt. Eigentlich übernahm das bislang immer der Monsun, aber der fiel in den letzten Jahren immer dünner aus. Also musste man manuell ran. Arbeitskräfte dafür gibt es genug.

Die Sicherheitskontrollen vor dem Taj sind streng, die Mitnahme von diversen Gegenständen ist verboten. So will Indien sein knapp 400 Jahre altes Bauwerk schützen. Hoffentlich geht das auf Dauer gut. Auf der Welt gibt es genug Idioten, denen solch ein Prachtbau islamischer Prägung ein Dorn im Auge ist. Aber das Taj ist auch in der Neuzeit angekommen. An bestimmen Ecken gibt es WLAN, auch eine App kann man sich herunterladen.

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Ansonsten läuft Agra auf ein heftiges Verkehrsproblem zu. Die Stadt bietet wenig Platz für Metro oder Sky-Train. Agra verstopft an allen Ecken. Besonders an den beiden Brücken über den Yamuna River geht nichts voran. Für eine Fahrt zwischen zwei Sights haben wir 50 Minuten gebraucht.

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Aber die Stadt hat eine große Vision. Sie steht auf ein Schild geschrieben, ist aber noch zurückhaltend an einen Baum gelehnt. Agra will eine „Smart City“ werden. Noch ist aber „Work In Progress“. Ehrlich habe ich aber noch nicht viel von „Progress“ gesehen.

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Kurz vor 18:00 Uhr traten wir die Heimfahrt an. Mindestens 3 Stunden, würde ich mir nun die andere Seite der Autobahn anschauen müssen. Aber so langweilig wurde es dann doch nicht. Sturm, heftige Gewitter und Platzregen begleiteten uns fast die ganze Zeit. Die Sicht war sehr bescheiden. Also klebte ich mit dem Gesicht an der Frontscheibe, um wilde Tiere, Fußgänger und Geisterfahrer zu entdecken. Von den Trucks erwartete ich jederzeit herunterfallene Eisenstangen, Zementsäcke oder Plastik-Planen. Und in dem Moment war ich eigentlich ganz froh, dass wir nur 80 km/h fahren durften … 😉

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Frühere Postkarten aus Indien:

12) Prekarte nach Indien

Ab und zu veröffentliche ich ja hier auf meinem Blog auch digitale Postkarten, um über Eindrücke und Kuriositäten in der Ferne zu schreiben. Postkarten heißen vermutlich deshalb Postkarte, weil man sie mit der Post verschickt. Irgendwie naheliegend. Vielleicht deutet aber auch das Wörtchen „Post“ darauf hin, dass die Karte immer erst „nach dem“ Erlebnis folgt.

So wie in posttraumatischer Belastungsstörung. Nur halt positiver. Alles nicht sprachwissenschaftlich belegt und etwas an den Haaren herbeigezogen, beschäftigt mich es aber nun doch. Wenn wir also auf einer Reise ein paar Impressionen nach Hause schicken, dann könnte man das doch eigentlich auch vor der Reise tun, oder? Abgeleitet von dem Begriff Postkarte, würde man quasi eine Prekarte schreiben. Die verschickt man nicht an die Heimat, sondern an das Reiseziel. Ganz einfach. 

Schon mal gemacht? Ich nicht. Aber ich probiere es heute einfach mal aus.

Liebes Indien,

Viele liebe Grüße senden wir aus Berlin. 

Das Wetter hier ist absoluter Mist, die Verpflegung aber gut, Personal habe ich allerdings schon länger nicht mehr gesehen. Wir haben die Nase voll vom Winter und wollen endlich in die Sonne!

Wir alle sind schon sehr aufgeregt. Manchmal sprechen wir beim Essen über schwierige Fragen. „Wie lange werden wir fliegen? Wieviel davon über Wasser? Fliegen wir auch über Syrien? Wird es solch eine Boing sein, über die man dieser Tage in den Nachrichten spricht?“ Als Vielflieger versuche ich dann mit statistisch/technischem Halbwissen zu überzeugen.

In den letzten Wochen haben wir unserem Hausarzt und der Pharma-Industrie kräftige Umsätze verschafft. In unseren Impfausweisen haben wir nun ein paar Aufkleber mehr, insbesondere auf den exotischen Seiten im hinteren Bereich des gelben Heftes. In den nächsten zwei Jahren sollten wir am besten wieder nach Asien reisen, damit sich das  mehrfach rechnet. Ich schaue mich schon einmal nach Reisezielen um.

Aber nun zurück zu dir. Zunächst wollen wir uns also etwas in deiner Hauptstadt herumtreiben. Dann besuchen wir dein berühmtes Taj Mahal. Wieder zurück in Delhi möchte ich noch ein paar Orte sehen, die bei meinem letzten Besuch in 2015 zu kurz gekommen waren. Und wir werden A. und ihre Familie besuchen! Das wird sicher ein unvergessliches Erlebnis. Zu guter Letzt geht es dann noch ans Meer, um die tausenden Bilder im Kopf zu sortieren und die Seele baumeln zu lassen.

Also, wir freuen uns auf deine Menschen, deine heiligen Kühe, den allgegenwärtigen Trubel, den chaotischen Straßenverkehr und das pausenlose Gehupe in der Stadt. Wir sind gespannt auf deine Tempel und Moscheen, auf deine Farben und Gerüche. Auch wenn nicht alles immer farbig sein und gut riechen wird. Ganz klar. Vieles wird zum Himmel stinken und schwer zu erklären sein. Manches wird wütend und hilflos machen. Das wissen wir. Trotzdem freuen wir uns und zählen die Tage schon rückwärts.

Also, mach‘s gut, wir sehen uns ja. bald. Ach so … und noch etwas. Wäre echt cool, wenn wir bei der Einreise nicht ewig warten müssen und der Taxi-Fahrer den Weg ins Hotel kennt. DANKE

 

So, das war nun meine erste Prekarte. Noch etwas ungewohnt, aber durchaus ein interessantes Format. Habe ich nun der eigentlichen Postkarte vorgegriffen? Gibt es denn überhaupt noch Stoff für weitere Postkarten aus Indien? Irgendwie bin ich mir sicher, dass es genug zu berichten geben wird…

Frühere Postkarten aus Asien: