272) Ohne Worte – Vol.2

Neben all der schweren Themen dieser Tage, soll es heute hier mal wieder etwas lockerer zugehen. Ich habe länger überlegt, wie ich den Beitrag nenne.

  • Zeichen setzen?
  • Zeichen für Zeichen?
  • Die Zeichen der Zeit?

Aber das kann in diesen Zeiten alles missverstanden werden, also nenne ich den Beitrag einfach „Ohne Worte – Vol.2“ , denn >Ohne Worte hatte ich schon und das passt inhaltlich ja auch.

Also, worum gehts?

Jeder hat so seine Spleens, oder? Zum Beispiel schaue ich mir häufig Produktverpackungen an. Nicht wegen der Zutaten und all der bösen E-Nummern. Nö, mich interessiert, was da sonst noch drauf steht. Meistens steht drauf, was „nicht“ mehr „drin“ ist. Wie hier in >Mehr „ohne“ und weniger „mit“, Neuerdings sind aber auch immer mehr Symbole draufgedruckt, die über die bekannten CE-Kennzeichen und Gelbe-Tonne-Label hinausgehen.

Manchmal steht noch ein Text dahinter, das ist dann recht einfach zu verstehen, aber für die Hersteller doof, weil sie das in zig Sprachen drucken lassen müssen. So wie hier …

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Oder hier …

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Mittlerweile kommen die aber auch schon ohne Text und man kann lustig raten, worum es eigentlich geht. Eine neue Variante von Rinderwahn? Ist hier ein Fußball-Club beteiligt? Nur roh verzehren? Darf man das nicht mehr in die Tonne kloppen?

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Und bei den nächsten? Nur bei Regen verwenden? Im Dachgeschoss lagern? Nach 8 Stunden wegschmeißen? Vor Gebrauch im Kreis drehen? Nicht zwei übereinander ziehen? Nicht zweimal benutzen?

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Und die hier? Idiot vom Dienst? Anleitung konsultieren? Nix für Grönland und Dubai? Für Pärchen nicht empfohlen? Jeder bitte in Summe nur 5 Dreiecke?

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Und hier? Links ein Männchen? Mit Reagenzglas? In einem Haus? Ist das eine Bank? Nur ein bisschen voll machen? Ei, Ei, Ei …

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Nie wieder Kinderarbeit? Salz und Wasser nicht gleichzeitig ins Auge? Nicht mehr ausatmen? 

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Auf dem Tablet von links nach rechts wischen? Nur in Kirchen verwenden? Eimer geht noch, Eimer geht noch rein?

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Das nächste Päckchen traute ich mich gar nicht aufzumachen? Habe ich vielleicht Feinde? Hat man gegen mich schon eine UN-Resolution verabschiedet? Kommen jetzt die Blauhelme ?

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Und hier wird‘s nun ganz symbolisch, fast schon eine Höhlenmalerei der Neuzeit.

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Ich glaub ich hab Symbolophobie…

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23) Ohne Worte

Der neue Spüli tat zwar schon Tagen seinen Küchendienst, sah aber noch etwas „roh“ und „industriell“ aus. Ihm fehlten Deckel und Front. Mangels Zeit, hatte ich ihn nur dürftig mit Wasser und Strom versorgt, die komplette Montage in die Einbau-Küche aber erst einmal vertagt. Denn das kleine gedruckte Handwerker-Männchen auf der Montage-Anleitung drohte mit 2-3 Stunden Aufbauzeit. Ach du meine Güte! Heute hatte ich mich nun dazu durchgerungen. Als ich die Aufbau-Anleitung vor mir ausbreitete, hätte ich sie am liebsten gleich wieder zusammengefaltet und das Vorhaben abgebrochen. Das Papier maß stolze 60 x 60 Zentimeter. Und bestand nur aus Bildern. Ich meine, ich bin ja durchaus ein Freund von Bildern, sagen sie doch bekanntermaßen mehr als tausend Worte. Aber nur Bilder? Und dann noch so viele? Vom Schwedischen Standard-Regal kennen wir das ja alle schon, aber einen Spüli passgenau, inclusive Front, in die Küche zu integrieren, ist eine andere Liga, als „Billy“, „Hemnes“ oder „Liatorp“ mit einem Inbus-Schlüssel zum Leben zu erwecken. Schon nach den ersten Bildchen traten Widersprüche auf und Fragezeichen schwirrten über mir. Manche gedruckten Symbole, Handschläge und Werkzeuge machten irgendwie keinen Sinn bzw. fehlte mir einfach ein klarer Imperativ. „Nimm Schraube 4b und versenke sie in Loch B“, zum Beispiel. Zum Glück waren am Rand der Anleitung QR-Codes gedruckt, die zu kurzen Filmchen führten. Schon mal viel besser, aber auch die waren ohne Ton und bei den anspruchsvollen Stellen sehr hastig und ungenau. Der Hersteller macht es sich einfach, er muss nichts mehr übersetzen. Das Abenteuer ist auf unsere Seite und versüßt uns das Wochenende. Schönen Restsonntag noch!

Frühere Beiträge zu weißer Ware und deren Eigenwillen

PS: auf anderen, weniger komplexen Produkten, findet man durchaus noch Wörter in allen möglichen Sprachen gedruckt, auch wenn es immer dieselben sind 😉

 

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