62) Jahresendhektik

Sagt mal, bin ich der Einzige, der die so ach so besinnliche Vorweihnachtszeit eher mega-hektisch empfindet? Warum herrscht im letzten Monat des Jahres eigentlich so viel Hast statt Rast?

Woran kann das liegen?

  • Sind es die Feiertage und Ferien, die aus den sonst 22 Arbeitstagen auf einmal nur 15 machen?
  • Sind es Kollegen, die das ganze Jahr über vertrödeln und dann zum Jahresende noch was reissen wollen?
  • Sind es die wenigen Stunden Tageslicht, die mit so vielen „Tasks“ und „Challenges“ vollgestopft werden?
  • Sind es mir unbekannte Zielvereinbarungen, die so manch einer mit dem lieben Gott oder Weihnachtsmann zu haben scheint?
  • Sind es die überlebenswichtigen Werke Händels, die Geschichte der Faustkeile oder die Süßwasser-Polypen, über die die Kinder noch Klassenarbeiten schreiben?
  • Sind es unsere Vorsätze für 2019, von denen wir wenigstens noch einen umsetzen wollen, bevor wir den Rest geschlossen mit ins neue Jahr nehmen?
  • Sind es Geburtstags-oder Weihnachtsfeiern oder das ewig verschleppte Treffen mit dem Schul-Kumpel, dass nun unbedingt noch im alten Jahr „erledigt“ werden muss?
  • Sind es Erinnerungen an Mangel, die uns frühzeitig in die Geschäfte treiben, um den Lieben statt Gans oder Ente letztlich nicht noch falschen Hasen zu kredenzen?
  • Sind es Rituale, Medien, Marketing, Musik-Titel oder andere Gehirnwäschen, die uns seit Wochen eine heile Weihnachtszeit vorgaukeln und so viel Last und Bedeutung auf diese drei verdammten Tage legen?

Vermutlich all das, macht aus Besinnlichkeit Betriebsamkeit

So jetzt muss ich aber Schluss machen, hab‘ noch was zu tun 😉

21) Prioritäten entlang der Sonne

Je nach dem womit wir so unsere Brötchen verdienen, sehen unsere Alltage ganz unterschiedlich aus, aber Hektik und permanente Störung kennt vermutlich jeder irgendwie.

Alle Tage wieder:

  • Am frühen Morgen liegen schon erste Nachrichten aus Fernost vor. Die sollten als erstes beantwortet werden, da die Kollegen dort bald wieder in den Feierabend gehen.
    …Eigentlich wollte ich in Ruhe an einem Konzept arbeiten. Dann halt später.
  • Ab 08:00 Uhr geht Ost-Europa online. Rumänien bittet um eine Entscheidung bis Mittag, Tschechien hat ein Thema, was aber mehr Zeit benötigt.
    …Eigentlich wollte ich jetzt den Workshop für nächste Woche vorbereiten. Zunächst verschoben.
  • Ab 10:00 Uhr ist West-Europa nun dabei. Egal ob via E-Mail, Chat, Voice, Video, Telefon …  es klingelt auf allen Geräten.
    Eigentlich würde ich lieber ein paar Dinge mit Indien klären, da die nun vom Essen zurück sein müssten. Geht jetzt nicht.
  • Ab 12:00 Uhr kriege ich endlich Indien und Nahost an die Strippe und kann meine Anliegen platzieren,
    …Eigentlich wollte ich mal etwas essen. Vielleicht sollte ich mal über künstliche Ernährung nachdenken.
  • Ab 13:00 Uhr sind die Deutschen (bis auf einen Blödmann) vom Lunch zurück und feuern aus vollen Rohren.
    …Eigentlich wollte ich mich um meine gesperrte Kreditkarte kümmern. Muss warten.
  • Ab 15:00 Uhr wird Brasilien wach und fragt wegen der Agenda für den Workshop. „Bom Dia. Ja, kommt heute Abend.“
    …Eigentlich müsste ich mal ans Telefon gehen, denn eine unbekannte Nummer ruft zum dritten Mal an. Etwas wichtiges? Gerade schlecht jetzt.
  • Ab 16:00 Uhr melden sich Mexiko, Canada und USA und wollen ihre Probleme bei mir abladen.
    …Eigentlich müsste ich mal an die Tür gehen, denn da klingelt es energisch. „Hallo, hier ist DHL“.
    Ach Sie sind’s, was bin ich froh. Ich dachte schon es wären die Kollegen aus Amerika …

 

Und nun? Die ganz schlauen Chefs sagen dann gern: „Tja, dann müssen Sie halt mal ihre Prioritäten sortieren“. Klingt weise, ist aber völliger Bullshit.

Zitat:

„The word priority came into the English language in the 1400s. It was singular. It meant the very first or prior thing. It stayed singular for the next five hundred years.

Only in the 1900s did we pluralize the term and start talking about priorities. Illogically, we reasoned that by changing the word we could bend reality. Somehow we would now be able to have multiple “first” things.

People and companies routinely try to do just that. One leader told me of this experience in a company that talked of “Pri-1, Pri-2, Pri-3, Pri-4, and Pri-5.” This gave the impression of many things being the priority but actually meant nothing was.”

Greg McKeown, aus seinem Buch Essentialism

Darüber kann man mal nachdenken…