58) Berlin baut Premium

Es muss mal wieder sein, liebe Leser. Ich kann nicht anders. Vor circa einem Jahr, habe ich mich hier im Beitrag >Berliner Landschaften bereits über total überdimensionierte Stadtplanung und Jahrhundertbaustellen ausgelassen. Weiter gehts mit Geschichten aus‘m Kiez bei denen man vom Kopfschütteln ein Schleudertrauma bekommt.

Im oben genannten Beitrag ging’s auch um einen Schulhof um die Ecke. Was hat sich da getan? Die Baustelle wird so langsam abgebaut, die Kids haben einen gigantischen Schulhof bekommen. Nach zwei Jahren Bauzeit, für Zwei Millionen Euro. Wahnsinn.

Unser Sportplatz wurde im Herbst 2018 gesperrt, eine neue Tartan-Decke war nach 25 Jahren mal fällig. Auf dem Bauschild war die Bauzeit ursprünglich bis Frühling 2019 ausgewiesen. Okay, über den Winter 18/19 sollte uns das nicht stören. Bis vor wenigen Tagen war das Gelände immernoch gesperrt. Und nun? Ja nun haben wir dort einen Sportplatz der Premium-Klasse! Ich war gestern mit dem Sohnemann dort, wollten ein wenig im Fußball-Käfig kicken. Die Türen des Käfigs waren … abgeschlossen. Was sonst.

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Nicht weit von da, toben sich immer noch die Parkplatz-Design-Fetischisten aus. Seit Monaten dauert das schon. Die Anzahl Plätze wurde reduziert, man soll jetzt schräg parken. Die verbleibenden Parkplätze wurden „aufgewertet“ und durch Boden-Mosaik-Kunst der Römer und Griechen inspiriert. Kurz nach Eröffnung werden die bestimmt zum UNESCO-Kultur-Erbe erklärt.

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Ost-Berliner Straßenlampen „gelber“ leuchten als Lampen im Berliner Westen, kann man nachlesen oder sogar aus dem Weltraum sehen. So geht’s natürlich nicht! Also wird das Viertel mit neuen weiß leuchtenden Laternen ausgestattet. Neben jede alte Laterne, wurde nun eine neue gestellt. Die alte Lampe steht aber immer noch dort und leuchtet weiterhin gelb. Sie wurde nicht abgebaut. Das ist dann ein neues Bauvorhaben.

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Ein paar Straßen weiter bekam die Kita einen Zebra-Streifen. Macht Sinn. Aber auch Zebra-Streifen werden heute nicht mehr nur aufgemalt, nein es sind komplexe Verkehrsprojekte geworden. Eine enge Kooperation von Straßenbau, Gehweggestaltung, Fahrbahnmarkierung, Straßenbeschilderung und Straßenbeleuchtung ist da von Nöten. Und da das letzte Gewerk noch nicht fertig ist, wird der Zebra-Streifen einfach mit einem gelben Kreuz überklebt und damit für ungültig erklärt. Die Autos können einfach drüber brettern. Rechtlich in Ordnung. Die Stadt ist aus der Haftung. Hoffentlich verstehen die Kinder das auch und laufen nicht gutgläubig über die Straße wie die Beatles in der Abbey Road.

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Also ehrlich die haben die doch ein Ding an der Waffel, oder? Ich meine, es ist ja gut, dass in Verkehrssicherheit, Sport und Schule investiert wird, aber muss es immer gleich Premium-Class sein? Würde denn nicht auch eine Nummer kleiner ausreichen, dann könnte man mehr von solchen Projekten schaffen und auch mal irgendwann fertig werden.

57) Ringbahn

Ich besitze einen Diesel. Pfui! Shame on you!
Deshalb fahre ich jetzt häufiger Bahn. Great! Praise him!
Ich will ja auch einen Beitrag leisten.

Und man bekommt ja für die 2,80 EUR AB-Tarif auch eine Menge Unterhaltung geboten:

  1. Ich erreiche den Bahnsteig, die Bahn soll in 4 Minuten kommen.
    Sehr gut. Läuft. Heute ist mein Tag.
  2. Die Bahn fährt ein, alle Wagen scheinen gut gefüllt zu sein.
    Na wenigstens hängt keiner an der Tür oder sitzt oben auf dem Dach.
  3. Ich habe ein Stück kalte Metall-Stange zum Festhalten erkämpft.
    Wer heute wohl schon diese Stange … ach … ich kann’s auch freihändig.
  4. Nächste Station: „Guten Tag ich bin der Olaf, ich lebe …“
    Ja, Kleingeld, ich weiß. Aber heute nicht.
  5. Typ neben mir, steckt bis zu den Ohren in einem Döner.
    Hab ich zwar auch gern, aber eben nicht nur den Zwiebel- und Knoblauchduft!!
  6. Nächste Station: „Kalinka, Kalinka …“ beginnen drei Russen zu singen.
    Jetzt kommt Stimmung in die Bude.
  7. Typin gegenüber hat keine Lust auf Blickkontakt, sondern nur auf ihr Handy.
    Fast alle tun das. Laaaaaaangweilig.
  8. Nächste Station: „Baila, Baila, Baila me“ … trällern drei Süd-Amerikaner
    Ähm … sind das nicht die gleichen, die eben noch „Kalinka…„? … täuscht vielleicht.
  9. Typ hinter mir verteilt seinen Fahrrad-Dreck an meiner Hose.
    Ich bin für Fahrrad-Schnellwege! Entweder man fährt Rad oder Bahn.
  10. Nächste Station: Drei Chinesen betreten den Zug.
    Och nee, jetzt nicht ihr auch noch. Aber sie haben keinen Kontrabass dabei ;.-)
  11. Typ neben mir telefoniert laut mit der Arbeit und hat ein Bier in der Hand.
    Um 14:00 Uhr … na ja. Dann mal Prost…
  12. Nächste Station: „Nächster Halt … Jungfernheide … Anschluss zur U7 und zum Bus 109 nach Flughafen Tegel„
    Ich muss hier raus! Fahrräder, Döner, Musikanten bitte aus dem Weg … ich habe zu tun.
  13. Im Bahnhof: „Na, vielleicht mal die FAZ probieren? Kein Abo! Wirklich“
    Also nun will ich dem Bahnhof Jungfernheide ja nicht zu nahe treten. Aber der Bahnhof ist nicht das, wonach er klingt und ich würde mal sagen, dass ein ganzer Stapel FAZ auch etwas übertrieben ist

Aber nun schnell zum Termin und dann geht das alles wieder rückwärts

Beitrag 198 – Vom Anfang

Neulich mal ein wenig in WordPress herumgeklickt, sah ich doch, dass ich hier schon 197 Beiträge veröffentlicht habe. Seit Sommer 2018. Gar nicht so übel eigentlich.

Da mag sich so manch Robo-Blogger schlapp lachen, allerdings kann ich mit reinem Gewissen behaupten: „Alles selbst getippt, jedes Wort mehrfach überlegt, nix geklaut, und jeden Schreibfehler mit Bedacht erschaffen.“ Das dauert nun mal 😉

Wusste ich als Blog-Spätzünder in 2018 noch nicht genau, wohin mich das Format „Blog“ führen würde, kann ich heute feststellen, dass ich es ganz gern mag. Ich kann Gedanken loswerden, Botschaften platzieren und Menschen eine Freude machen. Einigen zumindest.

In den letzten Wochen, habe ich mich auf das Feld der fiktiven Geschichten gewagt und festgestellt, dass das noch einen Zacken anspruchsvoller ist. Respekt denen, die ganze Romane schreiben. Die neue Kategorie „Fiction“ ist nun geboren und steht noch ganz am Anfang. Und ich kann mir mehr davon vorstellen.

Beim Scrollen durch die WordPress-Statistiken sah ich aber auch, dass frühere Beiträge kaum wahr genommen wurden. Aber so schlecht sind die nun auch wieder nicht, Mensch!

Beschluss also: Bis Beitrag 200, kriegen jeweils 5 Beiträge eine Bühne, die noch etwas Aufmerksamkeit benötigen:

Viel Spaß beim Lesen

51) Bake Bake Radspur

Backe Backe Kuchen, habe ich selber im Sandkasten gesungen. Meine Kinder auch.

Liebe Städte, oder ihr Orte, die ihr mal Städte werden wollt, der neueste Scheiß kommt aus Berlin! Total heiß. Der letzte Schrei aus dem Mobilitätskonzept unseres Senats.

  • Ganze Auto-Spuren wegnehmen für die Fahrräder? Schnee von gestern.
  • Auch wenn im Winter keine Sau drauf fährt? Schreit kein Hahn mehr nach.
  • Die neu gewonnen Radspuren grün anmalen? Auch schon wieder ein alter Hut.
  • Die Stadt mit Fahrrad-Müll zustellen?  Is‘ auch schon Retro.
  • Mit rollenden Batterien durch die City brettern? Schon völlig normal.

Nee, Leute. Der neueste Trend nennt sich Protected Bike Lane.
Zitat http://www.morgenpost.de vom 23-05-2019:

Die Anlage von sogenannten „protected bike lane“ (kurz: PBL) ist ein aus Nordamerika importiertes Konzept, mit dem Kommunen schnell und kostengünstig Platz für komfortablen Radverkehr schaffen können. Dabei wird in der Regel dem Autoverkehr eine Spur weggenommen – und darauf ein mindestens zwei Meter breiter geschützter Radfahrstreifen angelegt. Durch bauliche Barrieren (zum Beispiel durch Poller) wird die Radspur vor dem Überfahren und Zuparken durch Autos geschützt.

Aha.

Wir hier, in der Hauptstadt, wir nageln jetzt also tausende kleine Baken auf die Straße und die Radler sind damit sofort „protected“. So einfach ist das. Sieht Scheiße aus, erinnert irgendwie an Playmobil, aber wer das nicht hat, ist eben auch keine richtige Metropole. PBL.

 

PS: Nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen Rad-Verkehr, mir gehts nur ums „Wie“

49) Berlin wird grün

Eine weitere Posse aus der Umsetzung des Berliner Mobilitätsgesetzes.

Dass man Fahrradstreifen an kritischen Stellen rot färbt, das kann ich ja noch verstehen. Aber da wir ja die Hauptstadt sind und anscheinend für das Mobilitätskonzept noch viel Geld übrig ist, malen wir den Rest der Radstreifen jetzt grün an. Nein, wir verändern die Radstreifen nicht baulich, um die Radfahrer vom übrigen Verkehr zu trennen. Nö, wir nehmen einfach eine Auto-Spur weg und malen die grün an. In sogenanntem verkehrsgrün, RAL 6024 um genau zu sein.

  • Glaubt man www.berlin.de, kann „…. die Grünbeschichtung zudem dazu beitragen, das subjektive Sicherheitsempfinden der Radfahrenden durch die gut sichtbare Radspur zu stärken….“. Das fühlt man sich als Radler gleich viel sicherer, wenn man auf grünem Radweg fährt und links ein LKW vorbei donnert
  • Die Grünflächen in der Stadt verwildern, die Parks verdrecken, da ist zu wenig Budget vorhanden. Will man irgendwo links abbiegen, kann man kaum dem Gegenverkehr einsehen, weil die Brennnesseln auf dem Mittelstreifen wuchern. Am besten wir fackeln das alles ab und malen die Flächen auch grün an. Geht schneller, können Maschinen reinigen, brauch man kein Personal mehr
  • Die Testphase ist angeblich auf 5 Jahre ausgelegt, zum Einsatz kommen wohl zwei verschiedene Materialien. Kaltplastik und Epoxidharz. What? Erzeugt das nicht auch Abrieb, wenn da Autos, Fahrräder und die Bürsten der Stadtreinigung drüberrauschen? Fließen da keine Kleinst-Partikel in die Kanalisation? Muss ich mal echt drauf achten, ob mein Berliner Mineral-Wasser demnächst einen Hinweis aufgedruckt hat. „Kann Spuren von RAL 6024 enthalten“
  • Wenn jetzt die Farben grün und rot den Radlern gehören, wird es langsam eng im Tuschkasten. Weiß ist ja schon im Einsatz, grau macht wenig Sinn, gelb ist für Baustellen reserviert. Blau wäre noch übrig. Damit könnte man den E-Tretrollern und E-Autos auch noch eine Spur bemalen. Dann bliebe noch Orange und Pink für spätere „Innovationen“

Na immerhin sind wir nun im Klub der ganz Großen dabei, so schreibt man weiter auf www.berlin.de „Die Farbauswahl orientiert sich an nationalen und internationalen Städten wie San Francisco, New York oder Wien„

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Frühere Beiträge zum Thema:

29) Acoustic Vehicle Alerting System

Neulich mussten wir mit den Kids eine Tiefgarage zu Fuß über die Ausfahrt verlassen. Das ist auch gar kein Drama, wenn man die Augen und Ohren offen hält. Gesagt, getan. Wir laufen wir also im Entenmarsch die Ausfahrt schräg hinauf in Richtung Schranke.

Leise nehmen meine Ohren ein Motorgeräusch wahr und ich rufe nach vorn: „Kinder’s, da kommt bald ein Auto. Lauft mal noch die paar Meter hoch und dann wartet ihr rechts neben der Schranke“. Aber ich fühle etwas direkt hinter mir und drehe mich um. Ein kleiner Elektro-Flitzer ist mir schon auf den Fersen. Wo kommt der denn auf einmal her?

Gestern las ich in der Zeitung über sogenannte Acoustic Vehicle Alerting Systems (AVAS). Also akustische Systeme, die das wegfallende Motor-Geräusch der E-Autos in den langsamen Geschwindigkeiten ersetzen sollen. Klingt vernünftig. Es gibt ein paar Vorgaben an die Hersteller, aber ansonsten setzt man auf Kreativität und Erfindergeist der Ingenieure und Sound-Tüftler.

Vielleicht wird es also ein sonores Brummen, ein Schnurren, Gluckern oder eher ein Pfeifen?

Oder aber sie machen sogar ein Business draus? Ich kann es schon hören:

  • Bei Volvo läuft ABBA, bei Renault trällert Charles Aznavour und bei Dodge hört man die US-Amerikanische National-Hymne
  • Über das AVAS der Mietwagen-Anbieter und Car-Sharing-Dienstleister schallt Werbung auf die Straße, die Fahrt wird dann noch billiger, wenn der Sound auch nach innen strahlt
  • Aus den Elektro-Mobilen des Ordnungsamts, werden die lokal geltenden Park-Bestimmungen, Tarife und Ordnungsstrafen vorgelesen
  • Junge Fahranfänger dürfen sich über eine App einen ganz eigenen Sound komponieren, Passanten können das Motor-Ersatz-Geräusch dann auch gern like‘n.
  • Filmfreaks können Zitate aus Blockbustern verwenden. Manchmal droht also der Terminator mit „I‘ll be back“, Rocky ruft immernoch nach seiner „Adrian“ und E.T. will nun wirklich langsam mal „nach Haus.“
    Manche Zitate stehen natürlich auf dem Index. Ist auch besser so.

Noch andere Vorschläge für diesen Patchwork-Klangteppich zur Elektromobilität?

Frühere Beiträge zur neuen Mobilität:

42) Baugrube Berlin 10407

Eigentlich wollte ich ja hier nicht mehr so viel schimpfen. Aber ich kann heute nicht anders, ich muss es loswerden. Andere schimpfen auch, ich stimme in den Kanon ein. Wenn ihr es nicht mehr hören könnt, dann klickt den Beitrag einfach weg. Mir egal. Es werden wieder bessere Texte folgen. Das hoffe ich doch.

06.03.19 bis 15.04.19: Straßenbahn M4 gesperrt, stattdessen Schienenersatzverkehr mit Bussen zwischen City-Ost und Prenzlauer Berg.

08.04.19 bis 20.05.19: S-Bahn 41 gesperrt, stattdessen Schienenersatzverkehr mit Bussen über die Storkower Straße, 50 % der Auto-Spuren zu Bus-Spuren erklärt

15.04.19 bis 13.05.19: Straßenbahn M10 gesperrt, „die“ Tram schlechthin, die vom Wedding, über Prenzlauer Berg, Friedrichshain bis kurz vor Kreuzberg fährt, stattdessen Schienenersatzverkehr mit Bussen.

13.05.19 bis 07.06.19: Kreuzung Landsberger Alle / Petersburger Straße. Das ist eine Mega-Kreuzung, essentiell für den Verkehr von Nord nach Süd und von den östlichen Außenbezirken in die City. Temporär nur noch einspurig (!) in alle Richtungen wegen Schienenbauarbeiten.

Herbst 2018 bis Frühling 2019: Unser Sportplatz soll nach 30 Jahren einen neuen Tartan-Belag bekommen. Mittlerweile ist bald Juni, viel Sand gibt es dort, Tartan aber nihc.

xx.04.19 bis xx.05.19, die Details habe ich vergessen: Monatelanger Bau einer Leichtbau-Schule ein paar Straßen weiter. Die ist anscheinend nicht „leicht“ zu bauen, sondern nur leicht an Material. Beginnende Kanalarbeiten in unserer Straße pünktlich zu Ferien-Ende. Gelbe Zebra-Streifen nehmen die Arbeit der Schülerlotsen ab. Die Grundschule ein paar Hausnummern weiter baut noch immer an ihrem Jahrhundertgarten. Wir vermuten, es entsteht ein zweites Taj Mahal. Und zu alldem noch der Wahnsinn, dass hier bei uns im Kiez viele Auto-Spuren zu Fahrrad-Spuren erklärt werden.

Selbst der unaufmerksame Leser hat kapiert, dass all das zur gleichen Zeit oder überlappend stattfindet. Nur derjenige, der hier wohnt, hat schon seit Wochen kapiert, dass all das auf einer Fläche von nicht einmal 3 Quadrat-Kilometern geschieht.

Die müssen spinnen, sorry. Aber anders kann ich mir das nicht erklären.

„Ja“, natürlich muss auch einmal gebaut werden. Verstanden. “Ja“, endlich werden die Baugelder locker gemacht. Auch gut. Und „Ja“, es gibt nie einen guten Moment für eine Baustelle. Alles schon gehört. Aber auf diese Weise?

Woran liegt das?

  • Ist eine Tram-Kreuzung oder eine S-Bahn-Weiche wirklich ein so komplexes Bauwerk?
  • Muss ein Schulhof bereits zum Unesco-Welterbe zählen, bevor er eröffnet ist?
  • Sind es die hohen Qualitätsstandard, die zu solchen Bauzeiten führen?
  • Liegt es an den knappen Budgets, dass keine Nacht- und Wochenendzuschläge gezahlt werden?
  • Sind es gar die Anwohner, die gegen den Baulärm vorgehen und alles in die Länge ziehen?

Bitte, erkläre es mir einer!

Denn es wenn es keine sachlichen Gründe gibt, dann muss es planerisches Unvermögen sein oder gar Kalkül. Bin mir gerade noch nicht sicher, was das Schlimmere ist.

Das sind die Momente, wo ich im Auto aufpassen muss, den Kids nicht mein komplettes Spektrum an Schimpfwörtern zu offenbaren. 

Man oh man…

Frühere Beiträge, aber nicht weniger aktuell:

40) Vollschaden von Typ VZ2009 und WH38

Das Viertel in dem wir wohnen, war nach dem Krieg ziemlich kaputt und zu DDR-Zeiten mächtig heruntergekommen. Mittlerweile sind fast alle Häuser saniert, die Wohnungsbewerber reichen sich die Klinke in die Hand. Alt und Neu wechselt sich ab. Es ist „historisch gewachsen“, wie man so schön sagt. 

Gerade erst aus Indien zurück, joggte ich neulich durch die Straßen zum Park. Diesmal irgendwie „achtsamer“ als sonst. Der Kiez war so viel sauberer als Indien, kaum Dreck auf der Straße, viel grüner und alles viel frischer irgendwie.

Dafür fielen mir aber diesmal ganz besonders all die bescheuerten Straßen-Schilder auf, für die man in Indien gar kein Geld hat. Ganz besonders dann, wenn sie gar nicht auf eine explizite Situation hinweisen, sondern nur den miserablen Zustand der öffentlichen Verkehrswege in der ersten Welt dokumentieren. „Gehwegschäden“ und „Straßenschäden“ sind wohl die meist geprägten Schilder Berlins. Aber eben weil es ein Altbau-Viertel ist, habe ich gar nicht den Anspruch an „High-Tech-Flüster-Asphalt“ und „Nanopartikel-Beschichtete Gehwegplatten“.

Aber die Stadt muss diese Schilder vermutlich aus Versicherungsgründen an die Laternen nageln, damit niemand sie verklagt, wenn man sich beim Joggen die Knie aufschlägt oder ein nobler Kinderwagen der „Helicopter-Hypercare-The-Angel-Premium-Class“ das Vorderrad verliert. Also hängen an jeder Kreuzung unseres Tempo-30-Viertels solche Schilder. Die Rechnung ist ganz einfach: Eine klassische Kreuzung bietet vier Richtungen, multipliziert mal zwei Fußwege, macht also exakt … acht Schilder je Kreuzung! Nicht zu vergessen noch die Hinweise auf Straßenschäden in ähnlicher Anzahl.

Bemüht man die gängige Suchmaschine, findet man das Schild „Gehwegschäden“ mal unter der Typ-Bezeichnung VZ2009 oder auch WH38. Egal wie es nun heißt, kostet es je nach Reflexionsklasse und Befestigungsart ca. 30-40 EUR. Einzelpreis natürlich, ohne Montage und Mehrwertsteuer. Bei all den Schäden hier  kann die Stadt Berlin bestimmt gigantische Mengen-Rabatte verhandeln, trotzdem könnte man es doch einfacher und preiswerter haben.

  • Alle Berlin-Reiseführer erhalten ab sofort einen zusätzlichen roten Aufdruck „Caution: Walkway damage throughout the City“. Dieser Hinweis folgt dann gleich unter dem schon existierenden gelben Balken „New: The 10 Top sights to get drunk for low budget“
  • Am Flughafen TXL läuft direkt nach der „Alleinstehende-Koffer-Ansage“ eine zusätzliche Ansage. „Achtung, Achtung. Wir machen sie darauf aufmerksam, dass sie ab Verlassen des Flughafengeländes mit erheblichen „Gehweg-und Straßenschäden rechnen müssen. Dafür können wir ausnahmsweise mal nichts“
  • Die gelben Ortseingangsschilder an den Autobahnen und Landstraßen, bekommen einen zusätzlichen Text: „Mit passieren der Ortseingangsgrenze akzeptiert der Besucher hochwahrscheinliche Gehweg-und Straßenschäden und übernimmt daraus entstehende Folgekosten aus Beschädigung an Gesundheit und Eigentum zu seinen Lasten“.

Noch andere kreative  Ideen? Dann bitte einfach kommentieren !

 

Man o man, wäre ich doch nur Schilder-Fabrikant geworden…

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Frühere Beiträge zu ähnlichem Unsinn in Berlin:

36) Park-App

Bargeldlos, Papierlos und Stressfrei – so wirbt die Park-App selbstbewusst und eingänglich. Allein diese drei Wörter lassen nur Gutes verheißen. Seit dem die Kids ein Taschengeld bekommen, habe ich kein Kleingeld mehr. Auf Papier-Tickets und Zettelwirtschaft kann ich auch sehr gern verzichten. Und wenn jemand verspricht, er könne mir etwas Stress abnehmen, würde ich sofort nachfragen, wo ich denn unterschreiben solle. 

Bei der Park-App musste ich hingegen gar nichts unterschreiben, sondern nur ein paar Buttons auf dem Bildschirm meines Telefons drücken. Ruckzuck war die App heruntergeladen, begrüßte mich umgehend und fragte ein paar Parameter ab. Das Land in dem ich zu parken gedenke, mein Einverständnis zu deren AGB und die Zustimmung zur Positionsbestimmung über mein Handy zum Beispiel. 

Währenddessen fragte ich mich, wovon die App eigentlich finanziert wird. Die Stadtkasse lebt bestimmt auch ganz gut von dem Geld, was zwar in die Automaten hineingeworfen, aber nicht „abgeparkt“ wurde. Ist eine Party also öde, sucht man schnell das Weite. Der Park-Automat zahlt aber nichts zurück. So, und da die Park-App ja angeblich sekundengenau abrechnet, kann es diese Überschüsse ja nun nicht mehr geben. Kurz darauf informierte aber die App, dass pro Parkvorgang 0,25 EUR berechnet würden. Aha. Damit war das nun auch beantwortet. Aber reicht das denn aus? Solch ein kleiner Betrag? Aber gut, warum eigentlich nicht. Die App is ja nun entwickelt, kostet nicht mehr viel Geld und die Umsätze werden irgendwie elektronisch an die städtischen Parkzonen-Bewirtschafter überwiesen. Viel Personal wird dafür vermutlich nicht benötigt. 

Erst kürzlich ergab sich uns die Gelegenheit, die App endlich einmal auszuprobieren. Wir waren zu einem Familiengeburtstag eingeladen und in der Gegend dort wimmelt es nur so von Mitarbeitern des Ordnungsamts. Also starteten wir vor dem Hauseingang die App, tippten auf „Parkvorgang starten“ und entschwanden in den Hausflur. Zwischen Kaffee, Kuchen und sprudelndem Getränk für die Erwachsenen, warf ich mehrmals einen Blick auf die Park-App. Sie war immer noch online und zählte Minuten und Sekunden vorwärts. Herrlich. Nie wieder dreckige Automaten anfassen, nie wieder hinuntergehen und Münzen nachwerfen, nie wieder zu viel Geld bezahlen. Das ist doch echt fair. 

Nach gut zwei Stunden verabschiedeten wir uns wieder. Die Party war zwar nicht öde, aber wir hatten noch andere Pläne. Später am Abend, auf der heimischen Couch, entsperrte ich mein Handy, um zu sehen, ob es irgendwelche Neuigkeiten aus der großen, weiten Welt gibt. Gab es nicht. Aber die Park-App … die lief noch und zählte eifrig vorwärts. Misst! 10,95 EUR waren bereits aufgelaufen. Für gut zwei Stunden Familiengeburtstag. In einem Wohngebiet. 

Na großartig. Nun weiß ich wenigstens, warum den Betreibern die 0,25 EUR pro Vorgang ausreichen.

Frühere Beiträge zu Parken, Apps und Kleingeld:

 

39) Wie aus Luft

Gestern fühlte ich mich zeitweise, als wäre ich „Sam“ aus dem 90-er Jahre Film „Ghost“. Der jüngeren Generation wird das vielleicht nichts sagen, also ziehe ich einen weiteren Vergleich. Ich fühlte mich wie Harry Potter. Mit Unsichtbarkeitsumhang.

München, Odeonsplatz. Chaos bei der U3 und U6. Der Bahnsteig ist überfüllt, die eintreffende Bahn ebenso. Ich beschließe, auf die nächste Bahn zu warten, bringe mich und meinen Rollkoffer aber schon mal in eine bessere Position. Ich stelle mich genau dahin, wo vermutlich die Türen der nächsten Bahn sein werden, halte aber noch etwas Abstand zur Bahnsteigkante. Kaum spüre ich den Luftzug der nächsten Bahn, erscheinen plötzlich weitere Menschen und stellen sich auf die kleine Fläche vor mir. Ähm, Hallo? Ich stehe hier doch nicht zum Vergnügen! Ich muss ins Büro.

München, U6. Trotz Koffer-Handicap schaffe ich es noch in die Bahn. Festhalten brauche ich mich nicht, umfallen kann ich eh nicht. Bei einer der nächsten Stationen, wird ein Mädel gegenüber unruhig. Sie will bestimmt aussteigen und hat Angst, dass sie es nicht rechtzeitig bis zur Tür schafft, weil ich ihr den Weg versperre. Ich signalisiere ihr nickend, dass ich verstanden habe und wühle mich in Richtung Tür, um ihr Platz zu machen. Die Türen öffnen sich. Ein breiter Kerl versperrt aber den Ausgang und bewegt sich keinen Zentimeter. Nicht nur weil er über Kopfhörer Musik hört, sondern weil man ihm anscheinend das Rücksichtnahme-Gen entfernt hat. Ähm, Entschuldigung, dürfte ich mal?

München, Flughafen. Airbus 319, Platz 26E. Ich bin auf meinem Platz in der Mitte der Reihe angekommen. Eine Frau kommt dazu, setzt sich selbstsicher auf den Gangplatz neben mir. Kurz danach erscheint ein Typ, scheucht sie wieder hoch, denn er habe wohl den Platz gebucht. Ich stehe schon mal auf, um in den Gang zu treten, damit sie dann zum Fensterplatz durchrutschen kann. Sie erhebt sich auch, bleibt aber in der Fußreihe stehen und schaut mich an.  Ähm, wie soll das jetzt laufen? Soll ich durch sie durchgehen oder will die vielleicht über mich drüber krabbeln?

Berlin, Flughafen. Flugfeld Terminal C. Wir verlassen das Flugzeug und laufen zu den Bussen. Es ist wieder sehr voll. Angekommen am Terminal, öffnet der Bus die vorderen Türen. Aus dem hinteren Bereich müssen wir also alle hintereinander durch den Bus laufen, um vorn auszusteigen. Der Menge stur folgend, schupst, schiebt und drängelt es permanent hinter mir. In meinem Nacken spüren ich fremden Atem. Als hätte ich jemanden im Huckepack. Ich schaue über die Schulter und wen sehe ich hinter mir? Die Lady vom Fensterplatz. Jetzt reicht es mir aber. „Rücken Sie mir nicht so auf die Pelle, man!“  

Berlin, Bernauer Straße. Ich sitze im Taxi und denke über die Ereignisse nach. War ich wirklich in München? Oder habe ich mir das nur eingebildet? War nur mein Geist in München und mein Körper war den ganzen Tag über noch in Berlin? Oder ist das mittlerweile vielleicht sogar anders? Kommt der Geist neuerdings eher an und der Körper folgt dann später? Ich durchsuche meine Jacken-Taschen nach Beweisen. Ich finde einen Kassen-Bon vom Münchener Flughafen. Ein Helles und eine Brezel. Datiert vom 30. Januar. Es muss so gewesen sein. Ich war in München, auch wenn ich permanent ignoriert wurde. Als wäre ich aus Luft. Als existiere ich gar nicht.

Ist das ein Münchener Phänomen oder liegt es daran, dass immer mehr Menschen ernsthaft glauben, der Planet wäre exklusiv für sie geschaffen worden?

Frühere Beiträge zum Thema: