Postkarte aus Melbourne 2

Und weiter gehts, hier och eine zweite Postkarte aus Melbourne. Nach dem die Arbeit getan ist, bleibt noch etwas Zeit für Sightseeing. Nicht viel, aber gut geplant, kann ich noch einiges von der Stadt sehen.

Und natürlich gab es auch ein paar Kuriositäten zu sehen:

Am Freitag-Abend verschlug es uns nach St. Kilda, einem Amüsier-Viertel im Südosten der Stadt. Es gibt dort einen uralten Vergnügungspark mit Achterbahn von 1912. Kleine wilde Pinguine landen bei Einbruch der Dunkelheit regelmäßig am Pier von St. Kilda an … (Chinesische Reisegruppen deshalb auch …)

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… und hinterm Yachthafen kann man die Sky-Line Melbournes sehen.

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Am Samstag machte ich mich allein auf den Weg nach South Melbourne, Port Melbourne und Albert Park. 13 Kilometer lief ich da unten am Wasser herum.

Zunächst entdecke ich ein Kleinflugzeug, welches Schriftzüge an den Himmel schreibt. Macht da etwas einer Werbung für eine Bar?

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Aber nein, das Flugzeug setzte für weitere Kurven an und irgendwann prangte der Markenname eines Autoherstellers am Himmel. (Wohlgemerkt, ich stehe nicht bei denen auf der Gehaltsliste!)

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Am Port Melbourne kann man etwas Geschichte nachempfinden. Viele Soldaten legten von hier ab, fuhren in die Kriege der Welt und kamen nie wieder. Emigranten landeten hier und gaben Melbourne sein buntes Gesicht. Wenn man will, kann man da heute in eine Fähre nach Tasmanien steigen. Hatte kurz überlegt, die Überfahrt dauert aber 10,5 Stunden. Das wird mit dem Rückflug etwas knapp.

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Auf dem Rückweg stoppte ich noch mal in der City, das Wetter war nun viel besser als noch am vergangenen Samstag, also wollte ich ein paar Dinge noch mal etwas farbiger sehen. Zunächst ein Bummel durchs alte China-Town inklusive Stopp in einem Food-Court.

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Dann noch zwischen Swanston Street und Elizabeth Street im Zick Zack hin und her und zu guter Letzt nun noch etwas Street Art. Da könnte ja fast eine Tradition draus werden …

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Bye Bye Melbourne

 

 

36) Berliner Landschaften

 

„Landschaftsarchitektur“, nennt sich die Disziplin, die sich mit „Entwurf, Planung und Umgestaltung“ von nicht bebautem Raum beschäftigt. So steht’s geschrieben im großen weltweiten Internet-Lexikon. Genauer gesagt, geht es um Parks, Freizeitanlagen, öffentliche Plätze und Gärten im ländlichen und urbanen Raum.

Früher hieß es wohl auch mal „Landesverschönerung“ oder „Landschaftsplanung“. Egal welchen Begriff man nimmt, es klingt kreativ, gut durchdacht, bestens geplant und nach preußischer Genauigkeit zügig umgesetzt. Meint man.

Nachstehend ein paar Beispiele, bei denen ich aber ernsthaft ins Zweifeln komme:

Am höchsten Punkt des nahegelegenen Saefkow-Parks befindet sich eine Grünfläche mit Kinderspielplatz. Am anderen Ende der Ebene hat man zwei grüne Volleyball-Netz-Pfosten in die Erde gerammt. Das Netz fehlt. Das muss man mitbringen. Und falls wirklich jemand mal ein Netz da hoch schleppt und dort jemals Volleyball gespielt würde, wäre das Spiel schnell wieder vorbei. Die Volley-Ball-Zone befindet sich direkt am Rand des Hügels an einem 1,20 Meter hohen Zaun. Man müsste schon sehr viele Bälle mit nach oben nehmen oder ständig einen Balljungen den Hügel herunter schicken.

Beim Joggen komme ich immer an einem Spielplatz an der Friedenstraße vorbei. Große Kletter-Anlagen aus Holz, beschäftigten die kleinen Entdecker dort jahrelang. Pünktlich zur Eröffnung der Spiel-Saison im Frühjahr wurde der Spielplatz mit einem Bauzaun gesperrt, dann hat man den ganzen Sommer und Herbst an dem Spielplatz gebaut und vor ein paar Tagen, um den ersten Advent herum, erfolgte nun endlich die Abnahme und Eröffnung der Anlage. Es sind nun frische 5°C im Park, na dann viel Spaß beim Spielen.

Auch der Piraten-Spielplatz um die Ecke war lange gesperrt. Das kreative Holz-Piratenschiff war wohl nicht mehr sicher genug, also hat man es abgerissen und mit Spielgeräten aus dem Katalog ausgetauscht. Kann ich ja verstehen, bei Holz ist halt irgendwann mal Ende. So weit so gut. Obwohl nun aber die neuen Geräte endlich aufgestellt waren, zog sich die endgültige Eröffnung noch bis in den Herbst hin. Warum? Ja, weil jemand auf die Idee gekommen ist, die Wege auf dem Spielplatz mit kleinen Berliner Steinen zu pflastern. Alles Handarbeit! Dauert ewig und ist zudem vermutlich das teuerste Stück „Landschaft“ auf dem ganzen Gelände. Und die Kids sind bestimmt sehr dankbar dafür. Solch einen Pflasterweg haben die sich schon immer gewünscht.

In der benachbarten Schule ist man schon ewig damit beschäftigt, das tiefer liegende Erdreich unter dem Schulhof von Kriegstrümmern zu befreien. Anschließend soll der Schulhof wieder neu hergerichtet werden. Existierende Tischtennis-Platten und Fußball-Tore wurden daher abgebaut und an die Seite gestellt. Die Kids mussten sich halt für die Hofpause etwas anderes einfallen lassen oder den Bauarbeitern beim Arbeiten zuschauen. Heute lief ich mal wieder dort vorbei. Auf dem Hof tat sich etwas. Große Betonteile und NEUE (!) Tischtennis-Platten wurden geliefert, die bisherigen Platten standen immer noch am Rand. Im Vorbeigehen warf ich einen Blick auf das große Bauschild, um mal zu sehen, wann die fertig sein wollen. Da steht allen Ernstes geschrieben: „Bauzeit 2017-2019“. Oh man, die armen Kids und Lehrer. Ich meine, wir reden hier von einem Schulhof, oder? Nich von einem Autobahn-Kreuz!

Zu guter Letzt die selbe Schule noch einmal. Sie wurde vor Jahren saniert, hatte damals neue Dämmung und eine weiße Fassade bekommen. Über die Zeit wuchsen Sträucher und kleinere Bäume immer dichter an das Gebäude heran. Alles war schön grün und hielt die Sprayer von der Fassade weg. Selbst wenn sie dort aktiv geworden wären, hätte es keiner sehen können. Und das wollen die Idioten mit den Dosen ja nun auch wieder nicht. Nun aber kam ein schlauer Mensch auf die Idee, all das Grünzeug rund um die Schule abzuholzen. Keine Ahnung warum. Von Heute auf Morgen stand das weiße Schulgebäude auf einmal ungeschützt am Straßenrand und strahlte einladend vor sich hin. Ein Geschenk aller Steuerzahler an die Farbdosen-Lobby. Gut gemacht Ihr Experten. Jetzt sieht die Grundschule aus wie eine Lagerhalle in der Bronx. Großartig. 

Ich wage vorauszusagen wie es weiter geht. „Entwurf, Planung und Umgestaltung“ der Fassade …  mit Wettbewerb, Ausschreibung und einem neuem Bauschild von 2020 bis 2022? 

Frühere Beiträge zum Thema Stadtplanung und Verkehr:

34) Kids Drive in

Ab und zu ist es noch nötig, dass wir die Kids mit dem Auto in die Schule bringen. Das Schulgebäude liegt in einem Wohngebiet, direkt an einer Einbahnstraße. Wenn man aber nicht erst kurz vor Schulbeginn kommt, hat man eigentlich ganz gute Chancen, einen legalen Parkplatz zu ergattern. Manchmal ist dazu auch eine weitere Ehrenrunde nötig oder man findet halt eine Lücke um die Ecke. Dann läuft man halt mal 100 Meter. Alles klein Problem. Wenn die Zeit knapp ist, halte ich auch mal in der zweiten Reihe und lasse die Kids von dort aus dem Auto aussteigen. Bestimmt nicht ganz STVO-konform, aber wenn man ehrlich ist, ist es die schnellste und auch ökologischste Form. Der Vorgang dauert max 30 Sekunden und wirklich stören oder behindern tut man dort niemanden. Andere machen es sich aber noch einfacher. Sie halten direkt vor der Schuleinfahrt. „Was für ein Zufall, hier ist ja noch Platz“. Also schalten sie den Warnblinker ein, verabschieden in aller Ruhe die Gören und quatschen dann noch mit Bekannten aus der Nordic-Walking-Gruppe. Man hat ja Zeit. Deutlich weiter oben auf der Egoismus-Skala rangieren aber Eltern, die glauben, die Schulzufahrt gehört allein ihnen. Kurz vor 08:00 Uhr erreichen sie die Schule, kreuzen den Fußweg und fahren die Zufahrt hoch. Dann verlassen sie das Auto und bringen ihre Brut in das Schulgebäude. So selbstverständlich, als hätten sie dort ihren angemieteten Stellplatz. Als würde dort ein Schild, mit ihrem KFZ-Kennzeichen drauf, stehen. Am Nachmittag sieht man eine ähnliche Situation auf dem nahegelegenen Sportgelände. Dort führt eine kleine Sackgasse bis hinter zum Fußballplatz. Am Ende der schmalen Gasse befindet sich eine ausgewiesene Zufahrt und Rangierfläche für Feuerwehr und Rettungskräfte. Und natürlich der zweite Stellplatz für den Boliden von „Spieler-Mama“ (…oder auch „Spieler-Papa“). „Was soll man machen, war ja sonst kein Platz mehr zu kriegen“. Sollte es dort jemals ein Feuer geben oder ein Krankenwagen kommen müssen, wäre es besser, die kämen per Lösch-Flugzeug oder Helikopter, denn da ist jetzt für 90 Minuten kein Durchkommen mehr. Erst nach dem Training der Jungs lichtet sich das wieder. Also ehrlich Leute, nun seid doch mal nicht so faul und lauft halt mal ein paar Meter! Das wird den Kids auch gut tun. Oder wollt Ihr eure künftigen Weltmeister noch bis an die Mittellinie fahren, um sie dort an den Trainer zu übergeben?

 

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33) Kiezladen

Den Bötzow-Kiez habe ich noch ganz anders in Erinnerung als er heute ist. Baufällige Häuser, Einschuss-Löcher in den Fassaden, Etagen-Klo und Kohlenheizung überall. Kopfsteinpflaster auf der Straße, ein Kohlenhandel auf der Ecke und ein Kinderzahnarzt im Vorderhaus (knarrende Treppe, zweite Etage links. Gruselig.) Heute ist das aber ganz anders. Fast alle Wohnungen sind mittlerweile saniert, oft findet man wunderschönen Stuck an den Wänden und nach Kohle riecht es schon lange nicht mehr. Und auch die Struktur der Läden hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Ein paar Geschäfte von damals halten sich noch immer wacker. Die tragen auch noch keine künstlichen Namen über dem Schaufenster, sondern nur ein Schild mit der Aufschrift „Frisör“, „Bäcker“ oder „Farben-Handel“. Auch die Kneipe gegenüber gibt es immer noch. Neu hinzu gekommen sind sehr exklusive Geschäfte, in denen man aber nur selten wirklich Kundschaft sieht. Ein Lampen-Geschäft bietet edle Designer-Lampen an, eine Holz-Manufaktur fertigt Möbel auf Maß und ein Wasser-Geschäft verkauft Wasserflaschen. Für mich alles etwas fragwürdig, aber gut. Immerhin kann man da noch etwas kaufen und es dient dem Stadtbild. Viel bedenkenswerter finde ich allerdings, dass die Ladenkultur dort immer mehr von „Services“ ersetzt wird, die einzig und allein dazu da sind, unseren körperlichen und seelischen Verfall zu bremsen. Oder auch unserem Nachwuchs, Business und Eheleben etwas auf die Beine zu helfen. 

Läuft man die Bötzow-Straße vom Kino her bergauf, findet man dicht an dicht die folgenden „Anbieter“: 

  • Nummer 10: Naturheilkunde, Ernährungsberatung, Akupunktur
  • Nummer 12: Physiotherapie
  • Nummer 14: Ingwer-Bar… es gibt dort auch „health“ und „wellbeing“
  • Nummer 24: Naturkosmetik, Körperarbeit, Massagen
  • Nummer 28: Kunststoffblenden für die nicht mehr ganz so hübschen Zähne 
  • Nummer 28: Vollkeramische Lösungen nach der Probefahrt mit den Kunststoffblenden auf den alten Zähnen
  • Nummer 28: Führungs- & Team Coaching, Eltern & Familiencoaching, Gründercoaching
  • Nummer 36: Logopädie & Ergotherapie
  • Nummer 41: Anti Aging, Lifting, Ultraschall, Wimpern und vieles mehr

Das kleine Nähgeschäft hat erst kürzlich dicht gemacht, das Kaffee mit der Spielecke schon etwas länger. 

Ich bin gespannt, welche neuen „Provider“ dort nun einziehen.

  • Vielleicht eine Vermittlung freier Seniorenheim-Plätze am Goldstrand
  • Eventuell regelmäßige Performance-Gespräche für Erst-Klässler?
  • Möglicherweise doch noch eine Konfliktberatung für Haushaltsroboter und deren Eigentümer?

Ich werde berichten und wage vorherzusagen, dass es hier in zwei Jahren die ersten Wochenend-Gutscheine für den Bötzow-Kiez zu kaufen gibt. 

„Lassen Sie ich ein Wochenende lang verwöhnen oder mal etwas restaurieren! Für nur 1.999 EUR genießen Sie Messer, Nadel, Botox und eine inspirierende Tasse Tee mit dem Coach ihrer Wahl. Kinder unter 10 Jahren zahlen die Hälfte. Bei Nichtgefallen gibt’s Geld zurück.“

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24) Jogger und Hund

Versucht man, mit Joggen den eigenen Körper halbwegs in Form zu halten oder den weiteren Verfall des Human-Materials hinauszuzögern, wird man im Stadtpark irgendwann auf freilaufende Hunde treffen. Und das verläuft dann fast jedes Mal ungefähr so: Hat mein Jogger-Herz endlich seine 150 Schläge pro Minute erreicht, bleibt es auf einmal stehen. Ein Boxer rennt in hohem Tempo auf mich zu, das Maul weit aufgerissen und die Zunge flattert im Find. Ich stoppe sofort meinen Lauf, schließe die Augen und lasse mein Leben noch einmal in Bildern vorbei ziehen. Schön war’s. Dann tut es aber gar nicht so weh wie erwartet. Also öffne ich meine Augen wieder und stelle beruhigt fest, dass der Sprint des Boxers seinem Gummi-Ball hinter mir galt.

Ich nehme mein Lauf-Programm wieder auf und erfreue mich am Leben. Ich sprühe vor Energie, fliege förmlich und erreiche „runners high“. 30 Meter vor mir kommt mir ein kleiner „Schoßhund“ entgegen. Die Nase auf der Erde sucht er nach irgendwas. Ich verlagere meine Bahn nach rechts, er darauf hin nach links. Gut, du Fiffi, dann gehe ich halt nach links. Er zieht nach rechts. Das Spiel geht noch ein wenig so weiter. Kurz bevor wir aufeinandertreffen, scheint aber jeder seine Seite gefunden zu haben. Im letzten Augenblick zieht Fiffi aber hinüber auf meine Seite und läuft mir kopfgesenkt in meine Beine. Nur mit einem Dreisprung von olympischem Format kann ich ihn davon bewahren, von mir plattgetrampelt zu werden. 

Zum Ende meiner üblichen Runde, treffe ich mitten auf dem Weg auf eine spontane Hundeversammlung. Hunde verschiedener Rassen beschnüffeln sich vorne, hinten, oben und unten. Herrchen und Frauchen bilden einen Kreis und quatschen. Alles wirkt friedlich und ich will am Rand vorbei laufen. Auf einmal beginnt ein Gekläffe und Gejaule. Die Hunde können sich auf einmal gar nicht mehr riechen und gehen aufeinander los. Das klingt gar nicht gut. Die Fetzen fliegen und ich bin auf einmal mittendrin. Bloß schnell weg hier.

Vielleicht sollte ich doch mal wieder Schwimmen gehen??

 

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31) SUV im Prenzlauer Berg

Es ist schon erstaunlich, wie viele SUVs man so bei uns im Viertel sehen kann. Für die überzeugten Fußgänger und Radfahrer unter den Lesern sei erklärt, dass ein SUV so ein riesiges Auto in Glanzlack ist, dessen Kühlergrill sich auf Höhe des eigenen Brustkorbs befindet. Oder auf Höhe eines Kinder-Kopfes. Je nach dem. Für die Karosserie verbraucht man anscheinend schon so viel Material, dass für das Typen-Schild nur wenig übrig bleibt. Deshalb tragen sie meistens sehr kurze Namen, oft nur einen Buchstaben gefolgt von einer Zahl. Ein Vertreter dieser Gattung zum Beispiel, ist mit einer 3.0 TDI-Maschine schon ab 60.000 EUR zu haben. Geht doch, oder? In Zeiten von chronischem Parkplatzmangel und Abgas-Diskussion frage ich mich, ob es den Zweitwagen für die Gattin nicht auch eine Nummer kleiner gab. Aber vielleicht ist die vermehrte Ansammlung solcher Off-Roader auch die logische Konsequenz daraus, dass manche Einwohner aus den Wäldern Süddeutschlands stammen und im Volkspark Friedrichshain mittlerweile schon am Tage die Füchse zu sehen sind. Da kommt der Forst-und Jagd-Instinkt schnell wieder hoch. Außerdem stört das Kopfsteinpflaster aus den 20-er Jahren beim Fahren und der Straßen-Verkehr in der Tempo-30-Zone lässt sich mit normalem PKW kaum noch überblicken. Da braucht man schon etwas „Größeres“ mit etwas mehr Überblick und Geländetauglichkeit. Diese Metallic-Panzer sehe ich dann oft vor dem „Bio-Markt“ stehen, vor dem „Coaching-Laden“, genauso wie vor dem „Koscher-Vegan-Öko-Fair-und-was-sonst-noch-Bäcker“. Oder auch gern in der Zufahrt zu Schule und Kita … aber das ist ein eigenen Beitrag wert.

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30) Graffiti-Teddy

Das Berliner Schmuddel-Graffiti breitet sich aus wie eine Seuche. Das Geschmiere ist nicht lesbar, beschädigt fremdes Eigentum und hat nichts mit Kunst oder Street Art zu tun. Und da zu ebener Erde kaum noch eine freie Fläche zu finden ist, wechseln die Idioten nun in die Höhe. Von den Häuserdächern aus bemalen sie die Wände jetzt von oben. Das sieht noch beschissener aus, weil es anscheinend kopfüber oder mit einer Farbrolle am Stiel getan werden muss. Noch schlimmer trifft es aber den „Teddy“. Je nach dem wo man aufgewachsen ist, weiß man, dass nicht nur Theodore Roosevelt so genannt wurde, sondern auch Ernst Thälmann. Dieser Teddy wiederum war Widerstandskämpfer gegen die Nazis, zeitweise KPD-Chef und hat seine Überzeugung mit dem Leben bezahlt. August 1944 im KZ-Buchenwald erschossen. So haben wir das gelernt. Heute diskutiert man die Person Thälmann kontroverser. Man führt ihn auch als  Paramilitär und Stalinisten. Keine Ahnung, wo da nun die Wahrheit liegt. Aber darum gehts mir hier nicht. Bei uns im Kiez steht dieser Teddy immer noch fest auf einem Sockel. Eine schwere Bronze-Statue zeigt sein Profil, er ballt noch immer die Faust und hinter ihm weht symbolisch die Arbeiterfahne. Da doch fast alle dieser Denkmäler nach der Wende in Berlin abgerissen wurden, hat man ihn entweder vergessen oder weiß nicht, wie man ihn abtransportieren soll. Vielleicht will man sich auch nicht positionieren und überlässt die Entscheidung einer künftigen Generation. Soll die doch über seine Verdienste diskutieren und richten. Was der Teddy aber, meiner Meinung nach, nun echt nicht verdient hat, ist, dass er das ganze Jahr über mit Farbe beschmiert wird. Einmal jährlich im April wird Teddy dann aber wieder geputzt, denn am 16. April hat er Geburtstag. Die Putz-Maßnahme wird terminlich ganz dicht an den 16. April gelegt, damit niemand kurz vorher noch seine Dose entleert. Vermutlich wird sogar ein Wachschutz für die letzte Nacht organisiert. Am Geburtstag selbst, finden sich dann ein paar weißhaarige Menschen mit roten Fahnen vor dem Denkmal ein. Jemand spricht ein paar Worte, die Menschen legen Blumenkränze ab und dann löst sich die Menge schon wieder auf. Tschüß, bis zum nächsten Jahr und Rot Front! Schon am Tag darauf sieht Teddy wieder aus wie vorher. Lackiert bis unter die Kinnlade. Jeder Mensch, der sich für eine bestimmte Sache engagiert und hofft, man würde ihm später mal ein Denkmal setzen, sollte sich zumindest das mit dem Denkmal noch mal überlegen…

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27) Müll-Spende

Wir alle kennen sicherlich Begriffe wie „Sach-Spende“, „Geld-Spende“ oder „Blut-Spende“. Spenden heisst für mich, man gibt etwas von Wert ab und hilft damit einem anderen Wesen. Auf jeden Fall entbehrt man etwas, was man auch ganz gut selber nutzen könnte. In Berlin hat sich aber in den letzten Jahren etwas entwickelt, was auf den ersten Blick vielleicht selbstlos erscheint, sich aber beim näheren Hinsehen, als das genaue Gegenteil entpuppt. Über Nacht bewegen sich dort Drehstühle, Betten, Schränke oder Matratzen wie von Zauberhand auf die Straße, stellen sich an die Hauswand und hängen sich Zettel um. Auf den Papieren statt dann so etwas wie „Zu verschenken“ oder „Funktioniert noch“ geschrieben. Das ist doch eigentlich nett, oder? Nein, ist es nicht! Der Schein trügt. Vielleicht gibt es wenige gutmütige Menschen, die damit ernsthaft jemandem helfen wollen, statt nur nur ein lästiges Problem zu lösen. Aber ich bin überzeugt, dass der Großteil nur einfach seinen wertlosen Krempel auf der Straße entsorgt. Warum glaube ich das? Was macht mich da so sicher?

Nun, ich versuche mir folgende Fragen zu beantworten:

  1. Warum werden die Dinge nicht über e-Bay verkauft oder verschenkt, wenn sie doch noch einen Wert haben? Da gibt es doch für alles einen Abnehmer.
  2. Warum wird das Zeug immer nachts auf die Straße gestellt? Der Spender könnte es doch am helllichten Tage tun, wenn es sich um eine wertvolle Spende handelt. Dann kann jeder sehen, welch guter Mensch er doch ist.
  3. Warum geschieht das immer heimlich und anonym? Der Spender könnte Name und Adresse auf den Zettel schreiben, dann kann sich der Finder bei ihm bedanken.
  4. Warum haben diese Trümmer meistens Abmäße, die man nicht mehr in der Hausmüll-Tonne unterbringen kann? Oder hat schon mal jemand Fön oder Waffeleisen an der Hauswand stehen sehen? Vermutlich nicht, denn die sind schon längst in der Tonne verschwunden.
  5. Warum legt der „Spender“ nicht noch 10 EUR dazu, wenn er doch wirklich einem Obdachlosen oder Asylsuchenden helfen will. Dann könnten die vielleicht damit auch gleich den Transport des guten Stücks in die Unterkunft finanzieren.
  6. Warum muss das Zeug zwei Tage im Regen stehen und noch mehr an Restwert verlieren? Dann ist das Ding doch endgültig dahin.

Und weil ich für die Fragen keine plausiblen Antworten einfallen, steckt hinter dem edlem Spender vermutlich doch nur ein Egoist.

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25) Automat ohne Schlitz

Tut mir Leid, liebe BVG, aber bevor ich das Thema „ÖNPV“ erst einmal wieder verlasse, musst Du noch die andere Backe hinhalten. Ich mache es auch kurz. Ich kann das aber nicht zurückhalten, weil mich das seit Jahren ärgert und ich nicht verstehe, wo eigentlich das Problem dabei liegt. Vielleicht müsst Ihr es einfach besser kommunizieren. Worum geht es eigentlich? Schauen wir kurz zurück. Die allerersten Fahrkarten-Automaten verlangten damals Münzen, um eine Fahrkarte zu bekommen. Ok, das war nachvollziehbar. Die Fahrpreise waren ja niedrig und andere Zahlungsmittel gab es halt einfach nicht. Dann kamen die EC-Karten in den Umlauf, aber die konnte man eben nicht zur Zahlung an BVG-Automaten nutzen. Danach wurde das Zahlen mit der Kreditkarte immer selbstverständlicher. Zumindest in anderen Ländern. In Holland bezahle ich einen Espresso mit der Kreditkarte, in Schweden den Besuch des Bahnhofs-Klos. Warum zum Henker, muß man aber in Berliner Straßenbahnen und Bussen heute im Jahr 2018 immer noch mit Hartgeld zahlen? Da spreche ich ja noch nicht mal von Geld-oder Kredit-Karten. Wenigstens kleine Scheine könntet ihr doch annehmen, genau so wie die unzähligen Automaten in den Parkhäusern! Die schaffen das doch auch. Selbst 1 oder 2 EUR Parkgebühr kann ich notfalls mit einem Schein bezahlen. Fahre ich aber mit der BVG hin und zurück, bräuchte ich schon stolze 5,40 EUR in Münzen! Manchmal sogar passend! Man müsste all das Kleingeld glatt mal wiegen. Ich bin heilfroh, dass es mittlerweile die BVG-App gibt, um Tickets zu kaufen. Da läuft zwar auch nicht immer alles rund (siehe voriger Beitrag), aber ich muss wenigstens kein schweres Metall mit mir herumschleppen. Und was machen die Gäste in der Stadt, die noch schnell in die M10 hüpfen? Die stehen kopfschüttelnd vor den gelben Automaten und suchen den Schlitz für Schein oder Karte. Den wird es aber vermutlich nie geben. War das vielleicht von Anfang an Eure Strategie liebe BVG? Wusstest Ihr in den 80-er Jahren schon, dass die Smartphones irgendwann kommen und habt ganz bewusst die Zwischenstufen „Papier-Geld“ und „Plastik-Geld“ übersprungen? Habt Ihr vermiedene Infrastrukturkosten als Erfolg verbucht? Wenn ja, dann sage ich „Hut ab!“. Sehr visionär. Aber so richtig glauben kann ich es ehrlicherweise nicht. Für mich sieht es eher so aus, als sei Euch der Zahlungs-Komfort schlichtweg egal. Ihr ignoriert das einfach. Die Fahrgäste werden schon irgendwie an Kleingeld kommen, notfalls bittet sie der nächste Konti aus der Tram raus auf den Bahnsteig zur „Datenaufnahme“.

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24) Kurzstrecke

Verlassen wir das in Berlin schwer belastete Themenfeld des Rad-Verkehrs für den Moment. Kommen wir noch einmal zum ÖNPV, diesmal geht es mir aber weniger um die oft sehr egoistischen Nutzer, sondern eher um die Betreiber selbst. Die BVG ist zwar ganz vorn dabei, wenn es um markige Sprüche und hippe Marketing-Videos geht, aber der Alltag gestaltet sich manchmal ganz un-hipp. Nach einem Stadtbummel zu zweit, waren uns die Füße zu müde und wir beschlossen, die letzte Strecke mit dem Bus zu fahren. Also gingen wir in Richtung nächster Bus-Haltestelle. Auf dem Weg dorthin kaufte ich mit der BVG-App schon mal ein Kurzstrecken-Ticket. Ich hatte gehört, dass man das besser ein paar Minuten vor dem Einsteigen machen sollte, um Stress mit Kontrolleuren zu vermeiden. Gut. Gar kein Problem. Das war exakt 19:19 Uhr. Als wir auf die Haltestelle zuliefen, schloss ein Bus gerade die Türen und machte sich auf seinen Weg. Das war ca. 19:23 Uhr. Kein Problem, nehmen wir halt den nächsten Bus. Wir hatten ja Zeit. Der nächste Bus sollte 10 Minuten später abgehen, also ca. 19:33 Uhr. Zunächst passiert eine Weile gar nichts, dann entfiel der Bus komplett. Der nächste gelbe Schlenki war für 19:43 Uhr angezeigt. Auch kein Problem. Um ca. 19:43 Uhr hielt der Bus vor uns und öffnete zischend die Türen. Ich zückte mein Handy und drückte den Button „aktuelle Tickets“. Doch das soeben gekaute Ticket verschwand auf einmal und ich stand etwas sprachlos vor dem Fahrer. So, als gehörte ich zu den Nutzern, die erst dann ein Ticket kaufen, wenn der „Konti“ schon in der Tür steht. Zunächst dachte ich, meine App spinnt oder ich bin einfach zu doof, mein Handy zu bedienen. Um die Situation schnell zu klären, kaufte ich mit ein paar Münzen eine zweite Kurzstrecke. Auf der Fahrt beschäftige ich mich mit der BVG-App und siehe da, mein Ticket war noch da, aber in den Ordner der „abgelaufenen“ Tickets verschoben worden. Exakt um 19:39 Uhr.  Also genau 20 Minuten nach Kauf. Ehrlich gesagt, habe ich nie gewusst, dass eine Kurzstrecke an den unmittelbaren Fahrtantritt gebunden ist und ich bezweifele, ob das für die Papier-Varianten auch gilt. Ich gehe in Gedanken meine BVG-Karriere zurück und kann mich nicht daran erinnern, jemals Stress mit einer Kurzstrecken-Karte gehabt zu haben. Liebe BVG, wenn Ihr mit eurer App eure Kosten optimiert, in dem Ihr zunehmend auf Automaten und Kassen verzichtet, dann sollte das Ganze auch funktionieren! Erst Recht, wenn ich alles „richtig“ gemacht habe und eurer Bus ausfällt. Wären wir doch gleich gelaufen oder hätten einen Fahrausweis „Normal“ für zwei Stunden gezogen. Selbst dann, wäre ich deutlich günstiger gefahren als mit zwei Kurzstrecken.