86) Corona-Lektionen 8

So wie es aussieht, müssen sich die Menschen nun weltweit mit der neuen Situation arrangieren. Großbritanniens Regierung zog nach und verhängte ähnliche Beschränkungen wie „Mainland Europe“. Noch krasser in Indien.

Ausgangsverbot für 1,4 Milliarden Menschen. Wie will man in Indien jemandem aus dem Weg gehen? Kollegen dort sagen, Straßen sind gesperrt mit Barrikaden und Polizei. Aber wie wollen sie das in den Slums durchsetzen? Noch ist März, aber es wird wärmer. Schlecht fürs Virus, aber auch schlecht für Quarantäne. Fragen über Fragen.

Aber die fliegen auch mir durch den Kopf, große wie kleine, jeweils eine…

Künftige Herausforderungen: Vor „einiger Zeit“ war es noch die Digitalisierung, die uns beschäftig hat. Roboter nehmen uns die Jobs weg, sehr platt zusammengefasst und Stammtisch-mäßig verkürzt. Die Digitalisierung stand schon immer im Aufmerksamkeitskampf mit dem Klima-Wandel. Man kann trefflich spekulieren, was dramatischer ist. Wenn man die Luft nicht mehr atmen kann oder wir absaufen oder vertrocknen. Aber dann brauchen wir auch keine Roboter mehr, oder? Oder vielleicht erst recht? Und nun kommt noch eine Pandemie hinzu. Auch wenn die Pandemie für eine unmittelbare Verbesserung der Luftwerte sorgt, kann man sich ja fragen, ob man die im worst-case-scenario überhaupt noch braucht, wenn die Leute eh durch eine Maske atmen. Ist es wichtiger die Umwelt sauber zu halten oder gegen Viren zu kämpfen. Muss man über selbstfahrende Busse nachdenken, wenn kaum noch einer Bus fährt? Oder muss jetzt erst recht drüber nachdenken, damit Busfahrer nicht täglich Viren ausgesetzt werden. Dann sind sie zwar vor Viren geschützt, aber arbeitslos. Puhh. Blöde Vergleiche und sehr polarisierend, ich weiß. Sollen sie aber auch sein! Kann man mal drüber nachdenken.

Wortschatz: Es ist zwar erst März, aber die Liste der Wortvorschläge für das Wort des Jahres wächst bereits kräftig an. Kontakt-Verbote, Ausgangssperre, Schließ-Befehl, Corona-bedingte Einschränkung bei der S-Bahn, Corona-Party, Social Distancing, Systemrelevanz … usw. Habt ihr noch andere Vorschläge?

Grüße aus der Hauptstadt

T.

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85) Corona-Lektionen 7

Seit gestern Abend ist es nun amtlich. Kontakt-Verbote für Gruppen größer zwei Personen. Harter Einschnitt, aber immerhin haben wir nun Klarheit, was wiederum hoffentlich für mehr Ruhe sorgt. In Mexico verbietet man gerade Veranstaltungen über 50 und das Küsschen zur Begrüßung.

Ich bin froh, dass wir immerhin noch hinaus gehen dürfen. Und das führt mich bereits zu Punkt 1 der heutigen Corona-Lektionen.

Freiheit: Das Wort Freiheit sagt und singt sich so leicht daher. Manch einer denkt an die Freiheit der Gedanken, ein anderer an einen Ausritt durch die Rocky Mountains. Mit der Corona-Krise haben nun alle Deutschen die Gelegenheit zu spüren, was es heißt, wenn Bewegung und Versammlung mehr und mehr eingeschränkt werden und die Medien von einem zentralen Thema beherrscht werden. Das Gefühl, dass jeden Tag ein „Recht“ abhanden kommt, kann mir schon den Kragen eng werden lassen. Ich weiß, es ist nötig, es muss sein fürs „Große und Ganze“, aber ähnliche Dinge passierten in niedergegangen Systemen und sind in so manchen Autokratien an der Tagesordnung.

Zeitgefühl: Das Gefühl für Zeit hat sich verändert würde ich sagen. Die letzten Wochen … (oder waren es nicht eigentlich eher wenige Tage … ?) fühlen sich sehr „lang“ an. Scrolle ich im Kalender rückwärts, sehe ich aber, dass ich Ende Februar noch in Bukarest war und am 10./11.03. in München. Mit dem Flugzeug! Am 13.03. wurde die Schul-Schließung verkündet und trat dann am 16.03. in Kraft. Das war gerade mal vor sieben Tagen. In den letzten, nicht einmal vier Wochen haben Hamster gelernt, Klo-Papier zu benutzen und backen nun ihr eigenen Brot. Jeden Tag wurden neue Maßnahmen verkündet, Absagen und Schließungen. Nicht umsonst fühlt man sich wie im Film dieser Tage. In mehreren Filmen. Wie beim Zappen.

Richtig/Falsch: Und auch im Alltag gibt es neue interessante Wendungen. War Deutschland bislang eine Kartenzahlungs-Wüste, akzeptieren manche Läden nun nur noch die Plastik-Karte. Die Türen der Tram gehen nun endlich alle von allein auf, ohne den Knopf drücken zu müssen. Habe ich sonst auf die Kids eingeredet, sie sollen wegen dem Hundedreck nicht zu dicht an der Häuserwand laufen, halten die mich für bekloppt, weil ich sie nun um genau das bitte. 😉

Verrückte Zeit.

Grüße aus Berlin!

T.

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84) Corona-Lektionen 6

Spätestens beim täglichen Erwachen zeigt sich, dass wir noch lange nicht in der neuen Realität angekommen sind. Mein Oberstübchen ist mächtig durcheinander geraten dieser Tage. Also schreib ich was hier auf‘m Blog, um mich zu sortieren.

Realitäten 1: Habe ich das mit dem Virus nur geträumt? Mit dieser inneren Frage gleich nach dem Erwachen, verbindet sich eine kleine Hoffnung, aber sie zerplatzt schnell wieder. Nee, das war kein Traum. Auch kein Spielfilm gestern abend. Das ist jetzt echt so. Für Wochen. Oder länger? Was war nun noch mal die zuletzt kommunizierte Maßnahme in den Nachrichten? Dürfen wir noch raus? Oder nicht? Und zu welchem Zweck? Kann bitte endlich jemand vor die Kameras treten und die Aktion als „Globale Katastrophen-Schutzübung“ erklären und damit beenden? Lassen die uns noch bis zum 1. April in dem Glauben und rufen dann „April, April“?

Lagebestimmung: Habe ich „früher“ nach dem Aufstehen relativ bald Wettervorhersage und Regen-Radar gecheckt, kommt nun die Welt-Karte mit den roten, größer werdenden Kreisen dazu. Links daneben stehen die Länder sortiert nach Fallzahlen. Was in guten Zeiten aussieht wie ein Olympia-Medaillen-Spiegel oder die Ergebnisse vom Eurovision Song Contest, macht den morgendlichen Kaffee schwer genießbar.

Realitäten 2: Und weil eh alles durcheinander ist, sind meine Antennen für Realitäten und Wahrheiten hyper-empfindlich. Am Freitag erreichte uns eine täuschend echt aussehende Verkündigung der Berliner Behörden und erklärte die Ausgangssperre. Fake News, wie sich später herausstellte. In der Berliner Zeitung überfliege ich einen Artikel und traue meinen Augen nicht: Da steht doch wirklich „… die der Berliner Senat vom Corona-Schließbefehl ausgenommen hat …“. Welcher Chefredakteur lässt so etwas durchgehen? Hat man es mit den Augen und lässt mal eben das „L“ in der Mitte weg, kriegt man sofort einen Fieber-Schub. Bei den Radio-Nachrichten um 10:30 Uhr läuft im Hintergrund Musik. Der Sprecher scheint verwirrt. Sind das Frequenz-Überlagerungen oder spielt dessen Kind an der heimischen Stereo-Anlage, während Papa aus dem Home-Office die Nachrichten verliest?

Klatschen: Nicht nur Italien klatscht am Abend für die Helfer und fleißigen Mitarbeiter, die dafür sorgen, dass der Laden hier noch halbwegs rund läuft. In Deutschland beginnt diese Bewegung nun auch und wird sich vermutlich bald zum Ritual etablieren. Eine nette, friedliche Aktion. Jeder kann sich überlegen, ob er klatscht oder nicht. Wenn ich mir aber vorstelle, dass irgendwelche Voll-Honks tagsüber Kassiererinnen anpöbeln und sich abends eine Minute von ihrer Schuld „freiklatschen“ wird mir kotzübel.

Schönen Sonntag an die Leserschaft und einen guten Wochenstart morgen!

T.

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83) Corona-Lektionen 5

Die erste Corona-Family-Home-Office-Woche ist vorüber. Die viele Arbeit sorgt für Ablenkung, wirft man aber zwischendurch mal einen Blick aufs Handy, holt einen die neue Realität schnell ein. Viele Gespräche mit Kollegen weltweit … überall das selbe Bild. Egal ob Kuala Lumpur, Bengaluru, Bratislava, Mexico-City oder Sao Paulo.

Aber darum geht es in der Serie hier nicht, hier geht‘s darum, was das ganze mit uns macht.

Donnerstag, 19. März:

Distanz: Die Menschen im Kiez machen größere Bögen wenn sie aufeinander zugehen, halten mehr Abstand. Auf dem Fußweg vor dem Eisladen warten rosa Striche im Abstand von 1,5 m auf die Kunden. Irgendwie ist den Leuten aber die Lust auf Eis-Diele vergangen. Und das schon Mitte März. Nicht gut.

Stammtisch: Während ich zwei Pizzen organisiere, höre ich einer Bierseligen 3-er Runde zu. „Ick hör da nich mea hin, man“ … „Wenn de zum Arzt jehst, biste erst recht krank danach“ …  „Völlijer Blödsinnn, dit Janze“ … „Darfst de allet nich globen“ … „Jetzt machen die allet zu hia, bis zun 18.04., wat is’n dann anders, meinen die, dit virus ist dann weg“ … „Is ejal, Hauptsache der Schwachsinn hört bald uff“ … Prost!“ Ein Kommentar liegt mir auf der Zunge. Ich lasse es denn aber. Vermutlich werden wir uns wohl nie wieder sehen.

Klo-Papier: Es gibt wieder Klo-Papier. Die Mitarbeiter des Super-Markts räumen die Packen gar nicht mehr ins Regal, die Leute nehmen es direkt von der Euro-Palette. Ich wollte noch nicht sofort zugreifen, ich fühlte mich irgendwie schlecht dabei. Morgen oder übermorgen vielleicht. Und dann werden wir sparsam damit umgehen und auch die Blatt-Rückseite nutzen 😉

Freitag, 20. März

Park: Die Menschen kapieren zunehmend, sich aus dem Weg zu gegen. Zumindest da wo ich unterwegs bin. Die Enten im Park haben schon vor Jahren aus der Vogelgrippe gelernt und gehen freiwillig in Quarantäne. Die Spielplätze sind mit rot-weißem Flatter-Band gesperrt. Auch der versteckte Spielplatz, wo sonst eine Klimmzug-Stange auf mich wartet. Muss das sein? Hier ist keine Menschenseele. Hüpfe ich einfach schnell über den hüfthohen Zaun? Nee, besser nicht.

Geschäfte 1: Ich muss ein paar Kleinigkeiten im Baumarkt besorgen. Ein Sicherheitsdienst wartet an der Tür und wirft für jeden Neuankömmling eine Münze in einen Topf. An den Kassen hat man auf die Schnelle einen Plexiglas-Schutz für die Kassierer installiert, Markierungen auf dem Boden zeigen an, wieviel Abstand man halten soll. Im Markt sind zwar Kunden unterwegs, aber es herrscht bedächtige Stille.

Geschäfte 2: Der sonst etwas „maulfaule“ Mann in der Reinigung freut sich, mich zu sehen. Ich hole ein paar Hemden ab, wir kommen ins Quatschen. Zwanzig Kunden hatte er gehabt. In der ganzen Woche. Das sind exakt vier am Tag. Ich verspreche ihm, weitere Arbeits-Klamotten zu bringen. Die brauche ich jetzt eh lange nicht.

Samstag, 21. März

Schlange: Wir müssen etwas bei der Post abgeben. Menschen die in der DDR groß geworden sind, fühlen sich auf einmal 35 Jahre zurückversetzt.  So viele Erinnerungen kommen hoch. Anstehen. Reingehen. Gucken. Weitergehen. Wo anders probieren. Wieder anstehen. Reingehen. Und so weiter.

Idioten: Nun, wo viele vernünftige Menschen zu Hause bleiben bzw. nur wenig unterwegs sind, fallen leider die Voll-Idioten viel deutlicher auf. Wir waren heute kurz mit dem Auto unterwegs. Fette SUV‘s ballern durch die Stadt, die Fahrer denken sich wohl, die Polizei hat anderes zu tun. Man, ihr Honks! Muss das sein? Das ist doch alles schon doof genug.

Nachdenken: Ein Moderator im Radio sagte so etwas wie „… Man sollte es nicht Social Distancing nennen, sondern nur Physical Distancing…“. Ja, da ist was dran und damit beende ich diesen Beitrag.

Macht‘s gut und tragt zur Beruhigung … und Belustigung … der Lage bei.

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81) Corona-Lektionen 3

Klingelt dieser Tage mein Wecker, schießen mir zwei Fragen durch den Kopf:

  1. Wo bin ich? Ach ja, Berlin. Ist ja auch mal nett!
  2. Was bringt der Tag? Ach ja, Corona, stimmt. Oh ha!

Nach den ersten beiden Tagen „Family-Home-Office“, muss ich wieder ein paar Gedanken loswerden. Zur Corona-Pandemie. Dabei geht es nicht ums Klo-Papier, sondern um einzelne Vorkommnisse, die ich kommentieren will und die hoffentlich zum Umdenken anregen.

Party 1: Am Samstag wagten wir uns zum Nachmittag mal in den Kiez, um zu schauen, was „noch so geht“. Die Fußwege waren voller Menschen, Eis und Latte Macchiato kreisten durch die Hände. Auch im Park herrschte eher Frühlingsfest und ausgelassene Stimmung. Habe ich etwas verpasst? Wurde Corona frühzeitig als April-Scherz entlarvt oder haben die Menschen dort kein Radio? Kurz später höre ich von Corona-Parties. Ich meine, ich finde es ja echt gut, wenn wir nach Terror-Anschlägen oder Naturkatastrophen bewusst unseren freiheitlichen Lebenswillen demonstrieren … aber … es handelt sich hier um ein ansteckendes unsichtbares Virus, Leute. Check?

Party 2: Das Gymnasium in der Straße hatte am Montag noch geöffnet. Ab ca. 11:00 Uhr strömten Schüler aus den Toren. Eine Mischung aus Ferien-Beginn, Fasching und Junggesellen-Abschied. Fläschchen, Späßchen und Helau. „School‘s out!“ Ja, die Kids nehmen das lockerer. Ja, die Jugend muss „anti“ sein. Waren wir auch. Aber haben die halbwegs umrissen, dass es gerade mal nicht um „Hitzefrei“ geht, sondern um die vermutlich gravierendsten Einschränkungen der letzte 70 Jahre? Und wo sind deren Eltern? Wieso lassen sie die Kids in solchem Aufzug zur Schule gehen? Kein Verständnis. Nicht diskutabel.

Digitalisierung 1: Die Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter reihenweise ins Home-Office. Logisch, nachvollziehbar. Nur werden damit auch die versäumten Investitionen der letzten Jahre sichtbar. Digitalisierung ist nun mal ein bisschen mehr, als eine halb gare Weisheit bei LinkedIn zu posten. Die VPN-Tunnel sind zu knapp bemessen, Mitarbeiter können sich nicht einwählen. War nicht voraussehbar? Ach hört doch auf! VPN-Tunnel kenne ich seit Ende der 90er Jahre. Dass das Klima, die Sicherheit oder eben nun ein Virus die Leute irgendwann aus den Büros treibt, ist seit 20 Jahren erkennbar. Durchgefallen! Nachsitzen! Mitarbeiter dezentral arbeitsfähig machen und draus lernen. Bald! Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt.

Digitalisierung 2: Dass oben geschriebene gilt natürlich auch für Schulen und Schüler. Selbstverständlich. Der aktuelle Standard an „Digitaler Wissensvermittlung“ ist aber, dass wir morgen eventuell ein paar Aufgaben „per e-mail“ erwarten können. Auch hier bitte umdenken und nacharbeiten Ihr Schulen und Bildungsbehörden! Sonst macht Ihr es den teils sehr guten YouTube-Lehrern sehr einfach, euch digital zu „disrupten“.

Realitäten: Die letzten Tage fühlten sich an, als würde man in kurzen Abständen durch verschiedenste Filme hüpfen. Letzte Dienstreisen, morgendliche Nachrichten, leere Regale, virtuelle Meetings mit der halben Welt, Schulaufgaben, „Freigang“, Besorgungen und wieder Nachrichten mit den nächsten Ankündigungen, leere Stühle in Talk-Shows, Luftbrücken, Rückhohl-Aktionen mit Charter-Flügen. Vielleicht sollte ich mir auch einen Papp-Hut aufsetzen und den Frühling feiern…?

Ich würde mal sagen, dass ich mich echt schnell an verschiedene Situationen anpassen kann. Aber die „Chamäleon“-Gene werden schon arg gefordert dieser Tage, oder? Und ich vermute mal, dass ist erst der ganz frühe Anfang von einer längeren Strecke.

Bis bald

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80) Corona-Lektionen 2

Die Neuigkeiten zu Corona überschlagen sich. Alle paar Stunden werden neue Einschränkungen verkündet.

Mit meiner Reihe „Corona-Lektionen“ will ich ein wenig zum Nachdenken anregen, was das alles mit uns „macht“ und was wir daraus lernen können … oder werden.

Wahrheiten: Die einen rechnen mit dem Weltuntergang, andere zucken mit der Schulter und bestellen sich erst einmal einen Eisbecher mit Sahne. Dazwischen gibt es Fake News, die zur Einnahme von Schmerztabletten und Grünem Tee raten. Dass sich Wissenschaftler nicht immer einig sind, kann ich ja verstehen. Aber den Hobby-Virologen, die die Kanäle mit Mutmaßungen und Fehlinformationen fluten, sollte man den Strom abschalten! Hier hoffe ich auf ein Nachspiel.

Konsum: Je nach dem wann und wo man geboren ist, hat man schon vor Corona irgendwann einmal leere Regale gesehen. Vielen Menschen ist das jedoch völlig fremd. Da wo es sonst bereits im August schon Weihnachtsgebäck gibt, sorgt man sich nun um den eigenen Arsch, weil es kein Klo-Papier gibt und irgendwer das ganze Mehl weggekauft hat. Ich hoffe diese Eindrücke bleiben den Menschen noch lange im Kopf.

Europa: Dänemark, Polen, Tschechien usw. schließen ihre Grenzen zu Deutschland. War das Verhältnis aufgrund der Flüchtlingspolitik doch eh schon mächtig angespannt, schotten sich einzelne EU-Länder mehr und mehr ab. Diese drastischen Maßnahmen werden zusätzlich an der Europäischen Idee rütteln und den Nationalisten zu weiterem Auftrieb verhelfen. Aussicht? Düster. Leider.

Innehalten: Die behördlich verordnete Verlangsamung bringt die Menschen vielleicht mal zum tieferen Nachdenken. In anderen Ländern gibt es immer wieder längere Phasen von Stille und Innehalten (Fastenzeit, Gebehtswoche etc.). Vielleicht tut uns das Deutschen auch mal ganz gut. Wenn Netflix keine Erleuchtung mehr bringt, können die Menschen mal ein bisschen reflektieren und ein paar Vorsätze für die Zeit nach Corona formulieren.

Miteinander: Noch können wir uns ja frei in der Stadt bewegen. Sollte es sich so entwickeln wie in Italien, werden wir tagelang in unseren Höhlen hocken und im eigenen Saft schmoren. Das heimische Miteinander wird auf die Probe gestellt. Scheidungen werden zunehmen oder wir haben in 40 Wochen einen Baby-Boom ;-). Mal sehen. Auf jeden Fall glaube ich, dass wir uns wieder auf die Menschen „da draußen“ freuen werden. Das wäre ja sehr positiv. Mal sehen wie lange das dann anhält.

Schönen Sonntag!

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79) Corona-Lektionen 1

Corona ist nun in Deutschland angekommen und wir werden in den nächsten Wochen deutlich spüren, was das so für unseren Alltag heißt.

Das Zusammenleben wird heruntergefahren, wir bleiben in unseren Hütten und gehen nur fürs Nötigste unter Menschen. Na großartig.

Aber ich will mit dem Beitrag gar nicht so sehr auf den persönlichen Einschränkungen herumreiten, sondern über ein paar Punkte nachdenken, bei denen die Pandemie hoffentlich zum Umdenken anregt.

  1. CO2-Emissionen: Wir erleben gerade, wie schnell für sauberere Luft gesorgt werden kann. Vor wenigen Tagen noch demonstrierten Schüler freitags für die Zukunft. Flugzeuge bleiben nun vermehrt am Boden, Mitarbeiter fahren seltener in die Firma. Stinkende Diesel-Schiffe bleiben in fernen Häfen stecken. Auf einmal geht‘s doch oder? Aber vielleicht lesen wir zunächst Punkt 2.
  2. Klimaschutz: Punkt 1 zeigt aber auch, dass solch eine drastische Reduktion des Verkehrs „von Heute auf Morgen“ allerorts zu Problemen führt. Die Gesellschaft und Infrastruktur ist noch nicht so weit, sie muss dahin entwickelt werden. Fliegen weniger Flugzeuge und fahren weniger Schiffe, gibt‘s schnell Engpässe, die reiseabhängige Wirtschaft geht in die Knie. Und zwar schon nach wenigen Tagen.
  3. Importe: Wenn Fernseher und Smart Phones in China hergestellt werden, soll das so sein. Von mir aus. ABER: Wenn überlebenswichtige Medikamente, Mundschutze und sogar Flüssigseifen aus China oder Indien importiert werden, dann hört der Spaß auf. Man wird nach Corona nachdenken müssen, bestimmte Fertigungsbereiche zurückzuholen oder die Produktion weiter zu dezentralisieren.
  4. Virtuelles Arbeiten: Was mussten sich Arbeitnehmer „früher“ einfallen lassen, um den Chef wenigstens einen Tag Home-Office pro Woche aus den Rippen zu leiern. “Was der faule Mitarbeiter da wohl alles so nebenbei macht“, „Bloß kein Exempel statuieren, dann kommen sonst noch andere“ mag sich der Chef da gedacht haben. Seit Tagen werden Mitarbeiter nun förmlich nach Hause gedrängt. Hier habe ich große Hoffnung, dass das „Virtuelle Arbeiten“  entspannter gesehen wird, wenn der Spuk mal vorbei ist.
  5. Kinder: Die Kids stehen in manchen Bundesländern schon vor verschlossenen Schultoren, Berlin zieht nächste Woche nach. Das führt ihnen mal wunderbar vor Augen, wie sich Kids in der Dritten Welt fühlen. Von dem kleinen Unterschied mal abgesehen, dass sich unsere Kids untereinander vernetzen können und vieles online lernen können. Oder zwei Wochen abhängen und daddeln. Kids, denkt drüber nach!
  6. Hass: Beklagte man vor Tagen noch die teils verrohte Fan-Kultur und drohte mit leeren Rängen, können diese Idioten das nun mehrere Wochen üben. Zunächst Geister-Spiele, jetzt Pause in der Bundesliga. Schaut euch das an, ihr krakeelenden Schreihälse und Haters. Genießt es!
  7. Digitalisierung: Daten scheinen sonst überall verfügbar, wir können die Schritte zählen, Schlaf vermessen, Kalorien zählen und miteinander teilen. Phantastisch. Aber keine App der Welt, kann uns momentan sagen, ob wir den Virus unbemerkt in uns tragen. Vernünftige Digitalisierung muss nicht der böse Job-fressende Roboter sein, sondern zum Beispiel eine „Spuck-Fläche“ auf meinem Handy mit integriertem Viren-Scanner. Warum nicht?
  8. Richtig/Falsch: Was gestern noch richtig war, ist heute falsch. War es sonst “Bahn fahren“, ist es nun „Am besten allein Auto“, war es früher „Vorn beim Fahrer einsteigen“ ist es nun „Türen zu, bitte nur hinten einsteigen“. „Nähe“ wird zu „Abstand“. Gelernte Werte und auch willkürlich festgelegte Regeln verschieben sich. Andere machen auf einmal keinen Sinn mehr.
  9. Miteinander: Und das ist ein Punkt, der mir wirklich am meisten Sorgen macht. Ist doch mein Blog eigentlich auf diesem Fundament entstanden. Wenn sich sehe, wie „freundlich und selbstlos“ die Menschen auf einmal zurücktreten und mich die S-Bahn-Taste drücken lassen. Und wenn dieselben Typen mir am Spaghetti-Ragel die Ellbogen in die Rippen rammen (bildlich gesprochen) frage ich mich, was hier eigentlich los wäre, wenn wir mal einen richtigen Killer-Virus ins Land kriegen.

Der Beitrag trägt den Zusatz 1, könnte mir gut vorstellen, dass es noch einen zweiten Teil gibt. Passt auf euch auf und tragt zur Beruhigung der Lage bei!

—> Corona-Lektionen 2

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