18) Smartvid-20 – Teil 3

Was soll man nur anfangen mit diesem Wochenende im September 2022? So richtig rausgehen kann man ja immer noch nicht, will man auch nicht. Und der Papierstapel ist noch nicht merklich geschrumpft. Also macht man einfach weiter.

Kaum waren also die beiden Zeitungsausschnitte vom >20. März 2021 und vom >11. April 2021 in der feuerfesten Kiste verstaut, so beschleunigt der Puls beim Lesen des dritteln Artikels noch einmal merklich.

Berliner Allgemeine Zeitung 11. September 2021

IoT-Ministerium genehmigt NGM-Chips

Berlin. Die knappe und überraschende Mitteilung des IoT-Ministeriums ist weit mehr als eine Pressemitteilung. Es ist die Dokumentation einer beginnenden Zeitenwende. Aber zunächst ein Rückblick. Ende 2019 bricht Covid-19 aus und legt 2020 die ganze Welt lahm. Im Frühjahr 2021 wird bekannt, dass sich ein Ableger des Virus bevorzugt in Sprachmuscheln und Lautsprechern von Smart Devices einnistet. Was folgte, dürfte jedem noch gut in Erinnerung sein. Eine flächendeckende Vernichtung sämtlicher Smart Phones und Tablets. Konfisziert oder ferngezündet. Menschen irrten planlos durch die Städte, wussten nichts mehr mit sich anzufangen. Und obwohl die Infektionen zurückgingen, machte sich Unmut breit. Es gab Demonstrationen in der Hauptstadt und man forderte digitale Freiheit. Um frühzeitig entgegenzuwirken, wies man Motorola, Nokia und Siemens an, ihre Mobilfunk-Klassiker aus den 90-er Jahren wieder neu aufzulegen. Diese würden immerhin mobile Telefonie ermöglichen und SMS. Nicht smart aber immerhin.

Die großen Smart Phone Hersteller Pear, Samson und Au-Weih wetterten wegen Wettbewerbsverzerrung und drohten, sich durch alle Instanzen zu klagen. Milliarden an Strafen würden den Start erwarten. Auf Jahre. Nicht finanzbar. Es gab nur eine Möglickkeit, den Klägern anderweitig entgegenzukommen: Das Konsortium der „großen drei“ bekommt die Lizenz für Entwicklung und Betrieb eines Nano-Gehirn-Mobil-Chips. Mit Internet-Zugang nach 5G-Standard. Man rechne bereits für Januar 2023 mit der Betriebsgenehmigung und ersten Implantierungen.

Das Filialnetz ist noch nicht einmal vollständig geplant, doch die Hersteller verzeichnen bereits lange Wartelisten. Die Menschen können es kaum erwarten.

Ende Zeitungsartikel Berliner Allgemeine Zeitung vom 11.09.2021

<— Teil 2

13) SmartVid-20 – Teil 2

Der wiedergefundene Zeitungsausschnitt vom 20. März 2021 (hier zum nachlesen), wird wohl für immer in der metallenen Erinnerungskiste im Flur verschwinden. Persönliche Erinnerungen wurden bis Mitte 2021 üblicherweise unterm Bett oder auf dem Dachboden gelagert. Seit der vielen Feuer im Frühling 2021, der damit einhergehenden Zerstörung vieler Erinnerungsstücke und den Millionen Klagen gegen die Bundesrepublik, wurde das PEaG (Persönliche Erinnerungsaufbewahrungs-Gesetz) verabschiedet. Es regelt die künftige Aufbewahrung solcher Erinnerungen in den eigenen vier Wänden. Eine feuerfeste Metall-Kiste der Schutz-Klasse A1, die im Flur zu stehen hat, soll das zügige und eigenhändige Heraustragen im Feuerfall ermöglichen. Kaum war der Ausschnitt von März in der Kiste verstaut, fällt ein zweiter Zeitungsartikel in die Hände.

Berliner Allgemeine Zeitung 11. April 2021:

Bundesregierung, Feuerwehr, Polizei und KatSchutz-Behörden rufen die Bürger erneut dazu auf, ihre Smart Phones und Tablets an die ausgewiesenen Sammelstellen zu schicken, um sie nachhaltig zu zerstören. Nur so lasse sich die Ausbreitung von SmartVid-20 eindämmen, hieß es. Mit Durchsagen über Funk und Fernsehen werde versucht, jeden Haushalt zu erreichen. Dies gestalte sich jedoch mehr als schwierig, da die meisten Menschen ihre Informationen nicht mehr über diese konventionellen Kanäle beziehen, sondern nur noch über ihre Smart Devices. Man stecke hier in einem Dilemma, bestätigte Bundesinnenminister Horst Meerkötter. Das Einfachste wäre natürlich, Push-Nachrichten auf die Millionen Geräte zu schicken. Damit würde man zwar alle Bundesbürger sofort erreichen, jedoch wäre die Maßnahme kontraproduktiv, wenn es doch eigentlich darum ginge, die Smart Phones zu zerstören. Zudem bestehe ein hohes Risiko, dass diese Nachrichten als lästige Werbung oder Fake News weggedrückt werden. Ein eigens für diese Aufgabe gegründeter Think Tank rät indes dazu, subtile Durchsagen in Netflix-Serien und Podcasts zu integrieren. Diese würden dann irgendwann gestreamt und die Nachricht wäre somit übermitteltet. Aber auch das gestaltet sich schwierig, werden solche Formate doch meistens über Smart Devices konsumiert, die man doch zügig vernichten wolle. Die Maßnahme würde zudem zu lange dauern und die notwendigen Retour-Quoten würden so nicht erreicht. Die KatSchutz-Behörden dagegen schlagen vor, mit Lautsprecher-Wagen durch die Straßen zu fahren und die Menschen über diesen analogen Weg zu informieren. Aber auch hier scheint der Wirkungsgrad gering, da die Menschen ihre Wahrheiten nicht mehr auf der Straße suchen, sondern in ihren digitalen Welten. In einem Feldversuch wurde nun die im März 2021 seitens der Smart Phone Hersteller vorgeschlagene Fernzündung der Geräte getestet. Alle Smart Phones und Tablets der Gemeinde Klein-Kennstenicht wurden gestern in Brand gesetzt. Es sei zu erheblichem Sachschaden in den Wohnungen gekommen. Größeren Personenschaden gab es, aufgrund der durch die Smart Phone Branche initiierten Brandmelder-Pflicht, glücklicherweise nicht. Insider sind sich einig, dass dieses Vorgehen innerhalb der nächsten zwei Wochen für ein zufällig gewähltes Bundesland wiederholt wird. Mit Spannung wird die Ansprache der Bundespräsidentin heute Abend erwartet, in der letztmalig zur freiwilligen Abgabe der Geräte motiviert werden soll.

Ende Zeitungsartikel Berliner Allgemeine Zeitung vom 11.04.2021

<— Teil 1

—> Teil 3

12) SmartVid-20 – Teil 1

Irgendwann im Jahr 2022, wird man beim Aufräumen vielleicht auf diesen Zeitungsartikel stoßen. Er wird die Welt verändert haben.

Berliner Allgemeine Zeitung 20. März 2021:

Gesundheitsministerin, Bundeskanzler und die Top-Virologen des Landes, laden zur Pressekonferenz ins Headquarter der Bundesregierung auf Hiddensee ein.

Hauptthema sei die immer noch anhaltenden Pandemie Covid-19 und neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Vorabberichte ließen verlauten, dass einem Team aus hochkarätigen Wissenschaftlern der Durchbruch bei der Ursachenforschung gelungen sei. Erste Auszüge der wissenschaftlichen Arbeit liegen nun vor. Demnach hat das Covid-19 Virus schon kurz nach seiner Entdeckung 2019 einen Ableger gebildet, der sich bevorzugt in Baukomponenten von Smart Phones und Tablets einnistet.  Insbesondere Home Button, Lautsprecher und das integrierte Mikrofon sind ideale Nist- und Vermehrungsplätze für diesen Virus. Dadurch sei auch zu erklären, warum selbst durch massive Einschränkung der Bewegungsfreiheit bislang keine nennenswerten Erfolge bei der Covid-19-Bekämpfung erzielt werden konnten. Die Menschen hielten in diesen schwierigen Zeiten ständig ihr Smart Phone in der Hand, machten Selfies, Video-Calls mit den Eltern und bezahlten damit an den Kassen der Super-Märkte. Mit dieser Erkenntnis erwartet man nun weitere drastische Einschränkungen. Da ein normale Reinigung der Geräte nicht ausreicht, werden die Bürger gebeten, ihre Smart Phones unverzüglich zu sichern (nur über WiFi, nicht per Kabel) und zur jeweiligen zentralen Sammelstelle der Gemeinde zu schicken (nicht bringen!). Die großen Smart Phone Hersteller Pear, Samson und Au-Weih signalisierten bereits volle Unterstützung bei der Idee, die Smart Phones per Fernsteuerung in Brand zu setzen und somit dem Virus konsequent an den Kragen zu gehen. Die Technologie gäbe es seit 2016 und war damals versehentlich an die Öffentlichkeit geraten. Nachdem einzelne Geräte in Brand gerieten, wurde dieses Feature damals als technischer Defekt kommuniziert. Damit erreicht die Krise wohl eine weitere Verschärfung. Haben sich die Deutschen in den vergangenen Monaten damit abgefunden, in der Wohnung zu bleiben, selten das Haus zu verlassen und nicht mehr in die Schule zu gehen, werden sie nun vor die vermutlich härteste Probe gestellt. Bis zur Entwicklung eines Nano-Gehirn-Mobil-Chips nach G5-Standard, wird das liebgewonnene „Daddeln“ wohl auf längere Zeit unmöglich sein.

Ende Zeitungsartikel Berliner Allgemeine Zeitung vom 20.03.2021

—> Teil 2

68) Handy-Zombies

Habe ich nicht erst vor einem Jahr über all die Handy-Nacken geschrieben, die man im Alltag antrifft? Mir Gedanken gemacht, was man wohl alles für Apps erfinden könnte? Ja, habe ich und zwar hier —> Handy-Nacken und Ampelmann (lesenwert wie ich finde 😉

Aber nun, ein Jahr später, sind wir bereits ein Level weiter:

Mir fällt zunehmend auf, dass am Sonntag immer mehr Menschen im Stadtpark unterwegs sind, die nur noch auf ihre Handys glotzen. Nein, ich meine nicht einzelne Geo-Caching-Daddies im Wolfskin-Parker, die mit ihren Kids ein   Abenteuer in der Großstadt erleben wollen. Ich meine mehrere Dutzend Menschen, locker an die Hundert, die allesamt irgendwie dort „abgesetzt“ wirken, um etwas zu suchen. Mit dem Handy. Sie laufen zu zweit als Pärchen oder im Trupp mit anderen, glotzen aufs Display und brabbeln kurze Kommandos. Manche haben zwei Geräte in der Hand. Was machen die da?

  • Ist es eine Art Schnitzeljagd, ein Flash Mob, ein Gruppen-Geo-Caching, eine Partner-Vermittlung oder gar ein Swinger-Club auf Exkursion?
  • Und warum gehen die in den Park? Sie schauen doch eh nur auf ihr Handy. Würden sie ihren Event in einer Tiefgarage oder Lagerhalle abhalten, käme es aufs Gleiche raus.
  • Sind die auf Rezept hier? Manche sehen so aus, als hätte man ihnen Tageslicht und regelmäßige Bewegung per Rezept verordnet.
  • Werden unter den Wegen bald Induktionsspulen verlegt, damit die Gäste permanent ihre Telefone aufladen können?
  • Und was ist mit den Laternen und Mülltonnen, werden die demnächst mit Gummi verkleidet, damit diese Entdecker nicht dagegen laufen und sich verletzen?
  • Und wenn ich doch nur in der Lage wäre, Push Nachrichten an alle diese Freaks zu schreiben? Das wäre lustig. „Fassen sie ihrem Gegenüber an die Nase und drehen sie mal kräftig dran“.

Ich erwarte jeden Moment Michael Jackson aus der Hecke springen zu sehen, wie ihr zu Thriller einleitet und die Zombies zum Gleichschritt animiert. Aber das war wohl nur so ein Flashback aus alten (…analogen) Zeiten.

Ach Michael, wenn du wüsstest was hier abgeht …

 

51) Fußball im Radio

Am Samstag spielte der Lieblingsverein des Sprösslings auswärts gegen Freiburg. Wenn man aber nun mal kein Sky empfängt und auch nicht bis 18:00 Uhr auf die Sportschau warten will, gibts nur einen Weg halbwegs „dabei“ zu sein. Auf irgendeine App glotzen oder eben Radio hören. Ich schlage ihm das Radio vor und verweise auf dieses „Gerät“, was er mal geschenkt bekommen hat und seitdem wenig genutzt in seinem Zimmer steht. Ein blauer CD-Player mit Radio. Kompakt. Einfach zu bedienen. Alle funktionieren doch irgendwie gleich. Denke ich mir so.

  • „Wie war das noch mal … wo macht man hier Radio an?“
    Den Drehknopf da unten ganz nach rechts drehen, bis er auf „Radio“ zeigt.
  • „Aber da kommt ja dann immer Musik zwischendurch.“
    Wir können auch einen Nachrichtensender einstellen, da wird dann nur gesprochen. Dann kriegst du mehr vom Spiel mit.
  • „Oh ja, das machen wir!“
    Dann müssen wir mal kurz „googeln“ welche Frequenz der Radio-Sender hat. Weiß ich auch nicht aus dem Kopf, warte mal … ähhhm … 93.1
  • „Kann man den nicht einfach auswählen?“
    Nee, du musst die Pfeiltasten nach unten drücken, bis irgendwann 93.1 auf dem Display steht.
  • „So, jetzt bin ich bei 93.1!“
    Prima dann kann’s ja los gehen.
  • „Die sprechen da aber so langweilig!“
    Gut, dann drücke die Pfeiltasten nach oben, bis du wieder bei 95.8 bist
  • „Ok, hab ich gemacht. Papa, Tooooooooor!“
    Großartig, Juhuu. Ist doch ganz spannend per Radio dabei zu sein, oder?
  • Ja schon, aber ich schaue mal schnell in die App, ob das auch stimmt“
    … Grmmpf.

Was war ich froh über mein erstes Radio. Ohne CD-Player. Einfach nur Radio…

 

Auszug Titel „Radio“ von Rammstein:

…Radio, mein Radio
Ich lass‘ mich in den Äther saugen
Meine Ohren werden Augen…

Mit rrrrrrrrollendem RRRRRR natürlich

Mehr zu Hören im Radio 😉

48) Von WLAN und anderen Geschäften

„Waaaas, kein WLAN?“ So tönte es schon zwei Tage vor der Abfahrt zur Ferienwohnung an der See. 

„Ja, Leute kein WLAN.“ Also wird mal etwas weniger nett „geflixt“, nichts ist in der „Tube“ für euch, aus „Prime“ wird wieder eine Primzahl und „Äppel“ bringen keine Musik, sondern Vitamine. „Streamen“ kann nur das Wasser da oben am Strand. „Wir gehen in die Natur und für den Abend gibt es einen Fernseher. Und zwei Buchläden gibt es da übrigens auch“. Old School.

  • Die Glotze in der FeWo bietet hunderte Programme, sie sind alphabetisch sortiert. Doof wenn man eher ARD und ZDF schaut und üblicherweise vorwärts zappt. Manchmal ist ein Schritt zurück aber eben auch ein Schritt nach vorn 😉
  • Gleich hinterm Kinder-Sender Toggo folgt der „Traumfrauen TV“. Vor dem Disney-Channel halten im „Deutsche Girls 2 TV“ reifere Damen ihre Oberweiten und Telefonnummern in die Kamera. 
  • Irgendwann gelangen wir bei einem privaten Kinder-Sender in die Werbung. Bausteine, Video-Games und das übliche Zeug. Kurz darauf kam ein Spot für ein Tisch-Spiel namens „Tschakka Alpaka“. Dabei muss man ein Kamel-ähnliches Lastentier mit Plastik-Zeug beladen. Slogan: „Langsame Stapler werden bespuckt“. Aha.
  • Aber dann kam’s liebe Leser. Das neueste Brettspiel heißt …? Na …? Spannung steigt … .Törööööö! Es heißt „Kacka-Alarm“. Slogan: „Drück den Pümpel bis Mister Kacka rausspringt!“ „Oaaaahh bitte, macht das weg“, flehe ich. Mehr will ich hier gar nicht drüber schreiben, wer Bock auf das Spiel hat, findet es im schlechtsortierten Fachhandel.

„Mir reicht‘s!“. Die nächste FeWo hat wieder WLAN!

PS: sorry für die Produkt-Namen hier … eigentlich nicht so mein Ding … aber ohne ging es nicht. Ganz klar, keine Kaufempfehlung!

Frühere Beiträge zum Thema:

33) Digital Detox in der Cloud

Good Morning, Your capitan speaking … bla bla … flight time to Munich today will be one hour and ten minutes. Enjoy your flight!

Was, ein Inlandsflug?? Pfui! Hat der etwa keine Flugscham? Doch doch, ich schäme mich. Schon wieder. Aber dazu bald mal ein anderer Beitrag hier auf‘m Blog.

Eine Stunde und zehn Minuten Zeit nur für mich, das ist ein wahrer Luxus. Was kann ma da alles schönes anstellen?

  • Einen Blog-Beitrag verfassen?
    Logisch, das geht auch hier oben über den Wolken, aber dazu fehlt mir gerade eine Inspiration
  • Schlafen?
    Besser nicht, dann fühle ich mich in München wie gerädert und trage das den ganzen Tag mit mir herum
  • Auf dem Handy daddeln?
    Ja, kann man machen, aber ohne Netzanbindung kann ich nur alte Nachrichten lesen. Das Vergnügen ist irgendwie endlich
  • Magazine auf dem Tablet schauen?
    Hätte ich zwar offline dabei, aber um 06:45 Uhr fühle mich noch nicht ganz so aufnahmebereit für komplexere Informationen
  • Musik oder Hörbuch hören?
    Auch ´ne Idee, Musik lenkt aber von Gedanken ab und Hörbücher machen mich, zumindest im Sitzen, müde
  • Fotos aussortieren?
    Eine wunderbare Aufgabe für den Flieger, aber auf dem kleinen Bildschirm auch nicht gerade optimal. Außerdem saugt das den Akku leer
  • Im Board-Magazin blättern?
    Ist irgendwie immer dasselbe. Start Up-CEO‘s Mitte 20 geben ihren Senf ab, es werden Städte vorgestellt wo ich schon war und Prominente zeigen, welche Gadgets sie in ihren Koffern mit sich herum tragen
  • Im Shopping-Katalog blättern?
    Ganz nett zum inspirieren, aber so viele tragbare Lautsprecher, Adapter, Uhren, Mäh-Roboter, Saug-Roboter und Powerbanks kann ich niemals brauchen

Und nun?

Ich bestelle mir einen Premium-Krümel-Kaffee, packe den ganzen Medien-Kram beiseite, schaue aus dem Fenster und lasse den Gedanken freien Lauf.

Frühere Beiträge zu Fliegerei und Medien:

26) Double-Deck

Ich manchen Kellern, Dachböden und Wochenend-Häusern stehen noch echte technologische Meisterstücke. Manche sind uralt und schon echt museumsreif, andere hingegen tun immernoch ihren treuen Dienst. Die sind auf keinen Fall „alt“ oder „aus einer anderen Zeit“, denn dann wären wir das ja auch.

Dazu gehört zum Beispiel das Double-Deck:

  • Es hat kein Display, man kann nicht auf ihm „wischen“ und beim Ruf nach „Alexa“ zuckt es nichtswissend die Schultern
  • Seit den 80-ern braucht es keine Updates, keine Schutzfolien, keine Backups und auch keine Ersatz-Akkus. Selbst bei aufziehenden Clouds, bleibt es gelassen und weitestgehend wartungsfrei
  • Es ist komplett offline und analog, statt Facebook-Account oder Fingerprint besitzt das Ding einen orangen Schalter, um es in Gang zu setzen
  • Hat man elektrischen Strom und etwas Äther zur Hand, entwickelt sich ein bombastischer Sound, bei der selbst der tragbare Speaker aus der Neuzeit etwas blass aussieht
  • Es bietet stolze 26 Schalter und Drehknöpfe, um das Hörvergnügen zu optimieren. Mono, Stereo, CrO2, LW, MW, Balance, Beat, Bass, Treble und so weiter machen das Ding anfassbar
  • Wem der Kasten zu grau ist, der kann ihn mit Aufklebern aus der Bravo bekleben oder mit einem Edding verzieren. Auch politische Statements machen sich immer gut darauf.
  • Die ausziehbare Antenne hat es schon vor Jahren dahingerafft, seither ermöglicht eine Gabel den Zugang zu Frühstücksradio, Hitparade und Halbzeitkonferenz.
  • Eine illegale Depeche Mode-Kassette von polnischer Herkunft und übelstem Klang im linken Deck, liess sich auf eine noch „leere Kassette“ im rechten Deck überspielen. Sogar in „High Speed“!

Im besten Falle auf eine Super Chrome II Audio 90 Minuten, Slim!!

Frühere Beiträge zum Rrrrrradio und Glotze:

21) Prioritäten entlang der Sonne

Je nach dem womit wir so unsere Brötchen verdienen, sehen unsere Alltage ganz unterschiedlich aus, aber Hektik und permanente Störung kennt vermutlich jeder irgendwie.

Alle Tage wieder:

  • Am frühen Morgen liegen schon erste Nachrichten aus Fernost vor. Die sollten als erstes beantwortet werden, da die Kollegen dort bald wieder in den Feierabend gehen.
    …Eigentlich wollte ich in Ruhe an einem Konzept arbeiten. Dann halt später.
  • Ab 08:00 Uhr geht Ost-Europa online. Rumänien bittet um eine Entscheidung bis Mittag, Tschechien hat ein Thema, was aber mehr Zeit benötigt.
    …Eigentlich wollte ich jetzt den Workshop für nächste Woche vorbereiten. Zunächst verschoben.
  • Ab 10:00 Uhr ist West-Europa nun dabei. Egal ob via E-Mail, Chat, Voice, Video, Telefon …  es klingelt auf allen Geräten.
    Eigentlich würde ich lieber ein paar Dinge mit Indien klären, da die nun vom Essen zurück sein müssten. Geht jetzt nicht.
  • Ab 12:00 Uhr kriege ich endlich Indien und Nahost an die Strippe und kann meine Anliegen platzieren,
    …Eigentlich wollte ich mal etwas essen. Vielleicht sollte ich mal über künstliche Ernährung nachdenken.
  • Ab 13:00 Uhr sind die Deutschen (bis auf einen Blödmann) vom Lunch zurück und feuern aus vollen Rohren.
    …Eigentlich wollte ich mich um meine gesperrte Kreditkarte kümmern. Muss warten.
  • Ab 15:00 Uhr wird Brasilien wach und fragt wegen der Agenda für den Workshop. „Bom Dia. Ja, kommt heute Abend.“
    …Eigentlich müsste ich mal ans Telefon gehen, denn eine unbekannte Nummer ruft zum dritten Mal an. Etwas wichtiges? Gerade schlecht jetzt.
  • Ab 16:00 Uhr melden sich Mexiko, Canada und USA und wollen ihre Probleme bei mir abladen.
    …Eigentlich müsste ich mal an die Tür gehen, denn da klingelt es energisch. „Hallo, hier ist DHL“.
    Ach Sie sind’s, was bin ich froh. Ich dachte schon es wären die Kollegen aus Amerika …

 

Und nun? Die ganz schlauen Chefs sagen dann gern: „Tja, dann müssen Sie halt mal ihre Prioritäten sortieren“. Klingt weise, ist aber völliger Bullshit.

Zitat:

„The word priority came into the English language in the 1400s. It was singular. It meant the very first or prior thing. It stayed singular for the next five hundred years.

Only in the 1900s did we pluralize the term and start talking about priorities. Illogically, we reasoned that by changing the word we could bend reality. Somehow we would now be able to have multiple “first” things.

People and companies routinely try to do just that. One leader told me of this experience in a company that talked of “Pri-1, Pri-2, Pri-3, Pri-4, and Pri-5.” This gave the impression of many things being the priority but actually meant nothing was.”

Greg McKeown, aus seinem Buch Essentialism

Darüber kann man mal nachdenken…

13) WIFI for kids

New Delhi, Connaught Place, Zimmer 100, Bett rechts und Bett links. Darauf unsere Kinder.  Sie haben genug für heute und ihren ersten Tag auf dem Subkontinent wirklich gut gemeistert. Besonders wenn man bedenkt, dass wir heute erst 02:00 Uhr im Hotel waren und am Tag bereits bei über 40 Grad durch die nähere Umgebung des Hotels gelaufen sind. In Jantar Mantar waren wir und dann noch zu Fuß in einem Handicrafts Bazar. Anschließend ging es per Taxi zum Lodi-Garden, der Driver hat das Geschäft der Woche gemacht … am Sonntag schon 😉. Zum Abhängen kriegen die Kids nun die iPads und dürfen daddeln. Ich will mal kurz in den WordPress Reader schauen und mache es mir auf dem Büro-Stuhl bequem. Gar nicht so einfach, sich hier zu konzentrieren. Die Klimaanlage habe ich heruntergedreht, trotzdem pustet sie mich permanent an. Hinter mir auf dem Connaught Circle hupt es pausenlos. Die Stadt kommt eher in Fahrt, nicht zur Ruhe. Ist das noch Wochenende, oder schon Wochenanfang?

Es ist 20:30 Uhr Ortszeit und ich lausche ab und zu den Kids:

  • “Wie sind deine Serverdaten?“
  • “Ich habe eine Spitzhacke und Äpfel für dich“
  • “Die Welt ist doch super oder? Ich nehme mir einen Platz“

Na dann, Namaste!

Frühere Beiträge zum Thema Hotel und Mobile: