18) Smartvid-20 – Teil 3

Was soll man nur anfangen mit diesem Wochenende im September 2022? So richtig rausgehen kann man ja immer noch nicht, will man auch nicht. Und der Papierstapel ist noch nicht merklich geschrumpft. Also macht man einfach weiter.

Kaum waren also die beiden Zeitungsausschnitte vom >20. März 2021 und vom >11. April 2021 in der feuerfesten Kiste verstaut, so beschleunigt der Puls beim Lesen des dritteln Artikels noch einmal merklich.

Berliner Allgemeine Zeitung 11. September 2021

IoT-Ministerium genehmigt NGM-Chips

Berlin. Die knappe und überraschende Mitteilung des IoT-Ministeriums ist weit mehr als eine Pressemitteilung. Es ist die Dokumentation einer beginnenden Zeitenwende. Aber zunächst ein Rückblick. Ende 2019 bricht Covid-19 aus und legt 2020 die ganze Welt lahm. Im Frühjahr 2021 wird bekannt, dass sich ein Ableger des Virus bevorzugt in Sprachmuscheln und Lautsprechern von Smart Devices einnistet. Was folgte, dürfte jedem noch gut in Erinnerung sein. Eine flächendeckende Vernichtung sämtlicher Smart Phones und Tablets. Konfisziert oder ferngezündet. Menschen irrten planlos durch die Städte, wussten nichts mehr mit sich anzufangen. Und obwohl die Infektionen zurückgingen, machte sich Unmut breit. Es gab Demonstrationen in der Hauptstadt und man forderte digitale Freiheit. Um frühzeitig entgegenzuwirken, wies man Motorola, Nokia und Siemens an, ihre Mobilfunk-Klassiker aus den 90-er Jahren wieder neu aufzulegen. Diese würden immerhin mobile Telefonie ermöglichen und SMS. Nicht smart aber immerhin.

Die großen Smart Phone Hersteller Pear, Samson und Au-Weih wetterten wegen Wettbewerbsverzerrung und drohten, sich durch alle Instanzen zu klagen. Milliarden an Strafen würden den Start erwarten. Auf Jahre. Nicht finanzbar. Es gab nur eine Möglichkeit, den Klägern anderweitig entgegenzukommen: Das Konsortium der „großen drei“ bekommt die Lizenz für Entwicklung und Betrieb eines Nano-Gehirn-Mobil-Chips. Mit Internet-Zugang nach 5G-Standard. Man rechne bereits für Januar 2023 mit der Betriebsgenehmigung und ersten Implantierungen.

Das Filialnetz ist noch nicht einmal vollständig geplant, doch die Hersteller verzeichnen bereits lange Wartelisten. Die Menschen können es kaum erwarten.

Ende Zeitungsartikel Berliner Allgemeine Zeitung vom 11.09.2021

<— Teil 2

126) Corona-Lektionen 35

Jedes Kleinkind hat‘s mittlerweile kapiert und kann es textsicher aufsagen: Maske auf und 1,5 m Abstand. Ich bin ja bekanntermaßen kein Virologe, aber ich bin überzeugt, dass wir mit diesen beiden einfachen Maßnahmen eine Weile überbrücken könnten, bis endlich der Impfstoff da ist. Könnten wohlgemerkt.

Ein Teil der Mitmenschen ist dazu aber schlichtweg zu blöd. Und mit Habgier, Faulheit und Egoismus infiziert. Tut mir Leid, dass so sagen zu müssen, aber anders kann ich es mir nicht erklären.

Drei ausgewählte Situationen aus den letzten Tagen:

Ich stehe an der Ausgabe eines Imbisses und bezahle meine „Bocki“. Vor meiner Nase trennt mich eine halbe Glasscheibe von der Bedienung in der Hütte. Unter der Glasscheibe wurden noch ca. 40 cm Luft gelassen, um eben Speisen und Geld zu tauschen. Ich verstaue mein Geld und will mir meine Bocki auf‘m Pappteller greifen. Da kommt ein Typ von der Seite, sagt „Tschuljung“, steckt seinen Specknacken unter der Glasscheibe in den Imbiss und fragt „Kann ick noch mal zweimal Besteck haben“.

Warum du Blödmann ist da wohl eine Glasscheibe und warum aerosolst du das Wort Besteck so feucht auf meine Bocki?

Ich warte noch einmal in der Schlange vor dem Eisladen gleich neben dem Imbiss, lasse vor mir die circa 1,5 m Abstand zum Vordermann. Oder mehr, ist aber auch egal. Die Geschwindigkeit des Vorankommens wird schließlich durch den Ferien-Jobber an der Eis-Vitrine bestimmt, nicht durch die kompakte Aufstellung der Menschenschlange. Es geht weiter, aber ich träume etwas vor mich hin und schließe nicht sofort auf. Vor mir entsteht ein Abstand von 2 Metern. Dieser wird kurzerhand zur Transfer-Fläche erklärt. Ein Familien-Vater kreuzt die Schlange und trägt ein Tablet voller Speisen direkt vor mir auf Brusthöhe durch die Lücke.

Warum du fauler Sack, kannst du nicht einfach diesen aufgemalten Weg gehen? Stattdessen trägst du das Fritten-Zeug direkt vor meinem Corona-Auspuff vorbei. Soll ich mal kräftig in deine Armbeuge niesen?

Ich beobachte das Boarding eines Dampfers. Man ruft zum Einstieg für die Zwei-Stundenfahrt auf. Was bis eben noch wie eine halbwegs gestreckte Corona-Schlange aussah, entwickelt sich in kürzester Zeit zu einem gestauchten Touristen-Engerling. Der Durchschnitts-Teutone kann es auf den Tod nicht leiden, wenn vor dem Vordermann eine Lücke entsteht und wenn‘s „da vorn“ nicht weiter geht. Dann hält er panisch die Tickets in die Luft und rückt Anderen so dicht auf die Pelle, dass er bei der Gelegenheit gleich noch einen Abstrich von dessen Rachenraum machen könnte.

Warum ihr gierigen, von Neid und Torschluss-Panik durchtränkten Landsleute, könnt ihr nicht einfach mal die Füße stillhalten?

Also Leute, Corona ist gar nicht so hinterhältig, so unberechenbar oder so komplex. Corona ist einfach nur schlau und hat verstanden, wie es Zugang in die Körper der Deutschen bekommt.

Nicht Mund und Nase sind das Einfallstor, sondern Habgier, Faulheit und Egoismus.

Schönen Sonntag noch!

T.

<— Corona-Lektionen 34

—> Corona-Lektionen 36

13) SmartVid-20 – Teil 2

Der wiedergefundene Zeitungsausschnitt vom 20. März 2021 (hier zum nachlesen), wird wohl für immer in der metallenen Erinnerungskiste im Flur verschwinden. Persönliche Erinnerungen wurden bis Mitte 2021 üblicherweise unterm Bett oder auf dem Dachboden gelagert. Seit der vielen Feuer im Frühling 2021, der damit einhergehenden Zerstörung vieler Erinnerungsstücke und den Millionen Klagen gegen die Bundesrepublik, wurde das PEaG (Persönliche Erinnerungsaufbewahrungs-Gesetz) verabschiedet. Es regelt die künftige Aufbewahrung solcher Erinnerungen in den eigenen vier Wänden. Eine feuerfeste Metall-Kiste der Schutz-Klasse A1, die im Flur zu stehen hat, soll das zügige und eigenhändige Heraustragen im Feuerfall ermöglichen. Kaum war der Ausschnitt von März in der Kiste verstaut, fällt ein zweiter Zeitungsartikel in die Hände.

Berliner Allgemeine Zeitung 11. April 2021:

Bundesregierung, Feuerwehr, Polizei und KatSchutz-Behörden rufen die Bürger erneut dazu auf, ihre Smart Phones und Tablets an die ausgewiesenen Sammelstellen zu schicken, um sie nachhaltig zu zerstören. Nur so lasse sich die Ausbreitung von SmartVid-20 eindämmen, hieß es. Mit Durchsagen über Funk und Fernsehen werde versucht, jeden Haushalt zu erreichen. Dies gestalte sich jedoch mehr als schwierig, da die meisten Menschen ihre Informationen nicht mehr über diese konventionellen Kanäle beziehen, sondern nur noch über ihre Smart Devices. Man stecke hier in einem Dilemma, bestätigte Bundesinnenminister Horst Meerkötter. Das Einfachste wäre natürlich, Push-Nachrichten auf die Millionen Geräte zu schicken. Damit würde man zwar alle Bundesbürger sofort erreichen, jedoch wäre die Maßnahme kontraproduktiv, wenn es doch eigentlich darum ginge, die Smart Phones zu zerstören. Zudem bestehe ein hohes Risiko, dass diese Nachrichten als lästige Werbung oder Fake News weggedrückt werden. Ein eigens für diese Aufgabe gegründeter Think Tank rät indes dazu, subtile Durchsagen in Netflix-Serien und Podcasts zu integrieren. Diese würden dann irgendwann gestreamt und die Nachricht wäre somit übermitteltet. Aber auch das gestaltet sich schwierig, werden solche Formate doch meistens über Smart Devices konsumiert, die man doch zügig vernichten wolle. Die Maßnahme würde zudem zu lange dauern und die notwendigen Retour-Quoten würden so nicht erreicht. Die KatSchutz-Behörden dagegen schlagen vor, mit Lautsprecher-Wagen durch die Straßen zu fahren und die Menschen über diesen analogen Weg zu informieren. Aber auch hier scheint der Wirkungsgrad gering, da die Menschen ihre Wahrheiten nicht mehr auf der Straße suchen, sondern in ihren digitalen Welten. In einem Feldversuch wurde nun die im März 2021 seitens der Smart Phone Hersteller vorgeschlagene Fernzündung der Geräte getestet. Alle Smart Phones und Tablets der Gemeinde Klein-Kennstenicht wurden gestern in Brand gesetzt. Es sei zu erheblichem Sachschaden in den Wohnungen gekommen. Größeren Personenschaden gab es, aufgrund der durch die Smart Phone Branche initiierten Brandmelder-Pflicht, glücklicherweise nicht. Insider sind sich einig, dass dieses Vorgehen innerhalb der nächsten zwei Wochen für ein zufällig gewähltes Bundesland wiederholt wird. Mit Spannung wird die Ansprache der Bundespräsidentin heute Abend erwartet, in der letztmalig zur freiwilligen Abgabe der Geräte motiviert werden soll.

Ende Zeitungsartikel Berliner Allgemeine Zeitung vom 11.04.2021

<— Teil 1

—> Teil 3

12) SmartVid-20 – Teil 1

Irgendwann im Jahr 2022, wird man beim Aufräumen vielleicht auf diesen Zeitungsartikel stoßen. Er wird die Welt verändert haben.

Berliner Allgemeine Zeitung 20. März 2021:

Gesundheitsministerin, Bundeskanzler und die Top-Virologen des Landes, laden zur Pressekonferenz ins Headquarter der Bundesregierung auf Hiddensee ein.

Hauptthema sei die immer noch anhaltenden Pandemie Covid-19 und neue Erkenntnisse aus der Wissenschaft. Vorabberichte ließen verlauten, dass einem Team aus hochkarätigen Wissenschaftlern der Durchbruch bei der Ursachenforschung gelungen sei. Erste Auszüge der wissenschaftlichen Arbeit liegen nun vor. Demnach hat das Covid-19 Virus schon kurz nach seiner Entdeckung 2019 einen Ableger gebildet, der sich bevorzugt in Baukomponenten von Smart Phones und Tablets einnistet.  Insbesondere Home Button, Lautsprecher und das integrierte Mikrofon sind ideale Nist- und Vermehrungsplätze für diesen Virus. Dadurch sei auch zu erklären, warum selbst durch massive Einschränkung der Bewegungsfreiheit bislang keine nennenswerten Erfolge bei der Covid-19-Bekämpfung erzielt werden konnten. Die Menschen hielten in diesen schwierigen Zeiten ständig ihr Smart Phone in der Hand, machten Selfies, Video-Calls mit den Eltern und bezahlten damit an den Kassen der Super-Märkte. Mit dieser Erkenntnis erwartet man nun weitere drastische Einschränkungen. Da ein normale Reinigung der Geräte nicht ausreicht, werden die Bürger gebeten, ihre Smart Phones unverzüglich zu sichern (nur über WiFi, nicht per Kabel) und zur jeweiligen zentralen Sammelstelle der Gemeinde zu schicken (nicht bringen!). Die großen Smart Phone Hersteller Pear, Samson und Au-Weih signalisierten bereits volle Unterstützung bei der Idee, die Smart Phones per Fernsteuerung in Brand zu setzen und somit dem Virus konsequent an den Kragen zu gehen. Die Technologie gäbe es seit 2016 und war damals versehentlich an die Öffentlichkeit geraten. Nachdem einzelne Geräte in Brand gerieten, wurde dieses Feature damals als technischer Defekt kommuniziert. Damit erreicht die Krise wohl eine weitere Verschärfung. Haben sich die Deutschen in den vergangenen Monaten damit abgefunden, in der Wohnung zu bleiben, selten das Haus zu verlassen und nicht mehr in die Schule zu gehen, werden sie nun vor die vermutlich härteste Probe gestellt. Bis zur Entwicklung eines Nano-Gehirn-Mobil-Chips nach G5-Standard, wird das liebgewonnene „Daddeln“ wohl auf längere Zeit unmöglich sein.

Ende Zeitungsartikel Berliner Allgemeine Zeitung vom 20.03.2021

—> Teil 2