46) Späti

Sorry liebe Leser, ich muss mal wieder schimpfen. Ich versuche, es auch kurz zu machen. Seit ein paar Wochen fällt mir auf, dass unsere beliebten Berliner Spätverkaufsstellen (Späti’s) nun am Sonntag wieder geschlossen sind.

  •  Ja, ich weiß, dass das Ladenschluss-Gesetz auch in Berlin gilt.
  • Und ja, die Späti’s haben sich vermehrt wie die Guppies.
  • Und verdammt noch mal ja, die verkaufen mittlerweile weit mehr als Reisebedarf.

Na und?

Wen es stört, der muss ja nicht hingehen! Aber lasst doch dieser Stadt dieses „Kultur-Gut“. Warum versuchen irgendwelche lokalen Wichtigtuer, die Stadt wieder in die Wilmersdorfer Piefigkeit der frühen Achtziger Jahre zurückzukatapultieren?

Etwas sachlicher stellte man diese Frage kürzlich einem Befürworter des Ladenschlussgesetz im Radio-Interview. Und der sagte sinngemäß so etwas wie „ na weil es ein Gesetz ist, muss es eben auch eingehalten werden …“.

Also mit der gleichen Gründlichkeit, mit der auch alle anderen Gesetzesverstöße hier geahndet werden? Ich lach‘ mich schlapp. Haben Ordnungsamt, Polizei und Gewerbeaufsicht nichts Wichtigeres zu tun hier? So etwas Albernes. Wir hätten auch Drogenhandel, Menschenhandel, Kinderporno-Handel und viele andere Formen von üblem Handel hier im Portfolio, die etwas mehr Aufmerksamkeit bräuchten. Stattdessen geht man nun dem Sonntäglichen „Bier,-Kippen,-Butter,-Waschmittel,-Brötchen,-TK-Pizza und Mango-Handel“ an die Substanz.

Wer steckt dahinter?

  • Sind es die Investoren, die ihr Asset pflegen und gedeihen lassen wollen? Als es noch der Attraktivität der Stadt diente, hatte man die Zügel noch lockerer gelassen.
  • Sind es die Gewerkschaften, die sich ums Wohle der mehrheitlichen Türkischen Shop-Betreiber und deren Familien sorgen?
  • Steckt die Kirche dahinter, die ihr Haus am Sonntag nicht mehr voll bekommt, weil die Leute stattdessen im Späti ihren Halt finden?
  • Oder sind’s die großen Handelsketten, die den Umsatz lieber am Samstag oder Montag bei sich verbuchen wollen?

Zum Ende des Interviews drohte der Mensch im Radio dann auch noch den Tankstellen, demnächst viel strenger hinzusehen. Also bald gibt‘s da nur noch Sprit, Zündkerzen und Öl.

Ist das nicht piefig?

zur Klarstellung:
In Nord -und Ostdeutschland bedeutet „piefig“ so etwas wie altmodisch, verzopft, steif oder spießig.
Im Westen Deutschlands kennt man es wohl auch als missmutig, stänkernd, unfreundlich.

Je nach Perspektive passt aber beides, oder?

Frühere Beiträge zu Shops und Einkauf:

18) Küchentisch, Elektrischer Stuhl und Schoko-Eis

Ein neuer Küchentisch soll her. Der alte hat lange treuen Dienst geleistet, aber nun ist auch mal gut. Aus Holz, vier Ecken und maximal 2 Meter lang. Ach so, ausziehbar sollte er auch noch sein. Mehr nicht. Kann doch nicht so schwer sein, oder? Für eine erste Recherche wähle ich mich in ein Möbel-Portal ein.

Ein Klick auf „Esstische“ bringt erfreuliche 436 Esstische zu Tage. Bestens, da sollte sich doch etwas finden lassen. Das wird ein Spaziergang. Ich setze die Filter auf 90-100 cm Breite, maximal 200 cm Länge und das Material auf „Holz“. Die mächtige Zahl 436 schrumpft auf eine kümmerliche 23 herunter. Abzüglich der Tische, die irgendwie metallische und farbige Anteile haben, bleiben noch 13 Modelle. Ziehe ich noch die Tische ab, die nach fränkischer Bauernstube aussehen, überleben gerade mal lächerliche 10 Exemplare. Und da habe ich noch nicht einmal auf Dekor, exakte Maße und Preis eingeschränkt. Kann das sein? Sind unsere Vorstellung so extrem? Das scheint ein größeres Projekt zu werden. Dann wohl doch ab zum Möbel-Markt. 

  • Nicht weit von uns entfernt, fahren wir abends spontan dort vorbei. Der Markt ist riesig, schließt aber bereits in einer Stunde. Nur wenige andere Kunden stehen uns im Weg, es gibt sogar 33% Rabatt. Den würden wir schon gern mitnehmen, wenn es sich machen lässt. Zwei oder drei Tische passen aus der Ferne grob ins Beute-Schema, bei den Details aber fallen sie alle durch. Wir sind frustriert.
  • Wir fahren wenigstens noch „schnell“ zum Möbel-Schweden nebenan, einen Büro-Stuhl fürs Töchterchen suchen. Der Markt hat eine Stunde länger auf und notfalls finden wir dort zum Dinner noch ein paar Schweden-Bouletten. In der Büro-Abteilung finden wir schnell einen Dreh-Stuhl, die Laune steigt sofort wieder. Leider kriegen wir von dem Stuhl ständig eine gewischt. Ein elektrischer Stuhl quasi. Für Kinder. Im Einzelhandel. Die Lust vergeht uns, wir brauchen 20 Minuten, um diesen blau-gelben Press-Span-Tempel wieder zu verlassen
  • Fünfzehn Kilometer stadtauswärts hat man vor ein paar Jahren einen neuen Möbel-Markt auf die Wiese gesetzt. Ein Riesen-Teil. Da muss es unseren Tisch geben. Wo sonst, wenn nicht da? Letztlich standen ein paar Kandidaten dort herum, waren aber auch nicht das Richtige. Manche hatten gigantische Zahlen auf dem Preisschild zu stehen, ander konnte man bis auf 2,80 Meter ausziehen. Was soll ich damit anstellen? Luxus-Tapeten drauf einkleistern? Immerhin gibts für Sohnemann im Erdgeschoss eine Kugel Schoko-Eis. Ausgesprochen lecker ist das die und deutlich günstiger als im Bio-Vegan-Fair-Laktose-Öko-Koscher-Eis-Kaffee bei uns im Kiez.

Bei 80 Millionen Menschen in Deutschland, gibt es doch bestimmt 40 Millionen Haushalte. Angenommen die Hälfte davon besitzt einen Küchentisch. Sind die alle aus Press-Pappe, kreisförmig und quietsch-bunt? Hat schon mal einer Lebenszeit und Auto-Kilometer berechnet, die man auf der Suche nach einem Küchentisch verbrauchen kann? Allgemein denkt man doch immer, in dieser Welt gibt es alles in tausenden Varianten, Farben und Spezifikationen zu haben. 

Da bin ich mir nicht mehr so sicher. 

Wird uns das nur vorgegaukelt? Eine Angebots-Blase. Ist das alles eine Mogel …ähm … Möbel-Packung? 

Andere Beiträge zum Einzelhandel:

11) Berliner Frauentag-Nachlese

Berlin 8. März. Heute hatten wir nun also unseren niegel-nagel-neuen Feiertag. Den Frauentag. Seit diesem Jahr in Berlin arbeitsfrei. Er fühlte sich noch etwas unhandlich an und hat uns doch alle sehr überrascht. Mein früherer Beitrag „Berliner Frauentag“ war sehr gut besucht und wurde auch eifrig kommentiert. Danke noch einmal dafür. Heute möchte ich einen kurzen Nachtrag liefern.

Aber zunächst wünschen ich allen weiblichen Lesern hier „Alles Gute!“ Aber das klingt irgendwie doof. „Herzlichen Glückwunsch“ macht’s auch nicht wirklich besser, oder?

Also sage ich es mal so: Macht weiter so, kämpft für eure Rechte und ihr Kerle da draußen, ihr setzt euch gefälligst auch dafür ein, dass für Frauen gleiche Rechte und Gehälter gelten!

So, und wie haben wir den Tag nun erlebt?

Zunächst musste ich trotzdem früh raus. Ein Meeting mit Kollegen in Asien stand noch an. Das konnte ich nicht mehr absagen. Und siehe da, auch in Singapur und Malaysia war der Frauentag heute ein Thema.  Die Kollegen aus Indien hielten sich da etwas zurück. Da werde ich nächste Woche noch einmal „nachhaken“.

Der Tag in Berlin startete grau und regnerisch. Die Geschäfte sollten geschlossen haben, auf den vietnamesischen Blumenladen um die Ecke war aber zum Glück Verlass. So wie bereits im Februar vorhergesagt. Und da das Wetter bis zum Nachmittag so bleiben sollte, taten wir konsequenterweise auch das, was ich im Februar schon in Aussicht stellte. Wir gingen shoppen. Der Kaufpark Eiche lud zum „Ladies Shopping Day“. Da der Kaufpark bereits zu Brandenburg gehört, sollten die Geschäfte dort geöffnet sein. Bei unserer Ankunft dort, war der Parkplatz schon gut gefüllt. Alle Autos mit Berliner Kennzeichen natürlich. 

Wir stürzten uns in das Getümmel:

  • Beim großen Elektro-Laden gab es für die Damen am Eingang ein Glas Sekt
  • Der Drogerie-Markt verschenkte zur Begrüßung weiße Rosen an das starke Geschlecht
  • Ein älteres Pärchen vor uns stritt sich über irgendetwas. Darauf packte der Kerl die Frau an der Schulter und schupste sie vor sich her

Bleibt also noch viel zu tun…

Frühere Beiträge zu Frauentag und Shopping (Beziehung rein zufällig ;-):

 

6) Shop-Gebläse

Der Einzelhandel muss sich etwas einfallen lassen, um langfristig gegen den Versandhandel bestehen zu können. Das ist allgemein bekannt. In Shopping-Centern versucht man es mit Modenschauen, Kinderbetreuung und irgendwelchen D-Promis, die Autogramme schreiben. Bei den klassischen Ladengeschäften in Fußgänger-Zonen tut sich hingegen in der Richtung nicht viel. In manchen Shops wummert zwar Musik, in anderen gibt es eine Warte-Couch für die Herren und einige Läden bieten freies WLAN an. Das war es im Prinzip schon. Immer noch gibt es lange Warteschlangen an der Umleide und an der Kasse. Schnäppchen gibt es meistens nur in Größe S oder XXXL, wer konkrete Vorstellungen, hat verliert schnell die Orientierung und geht wieder frustriert nach Hause. Mit Anfahrt, Parkplatz-Suche, Laufwegen und Rückfahrt sind schnell drei Stunden Lebenszeit vergangen und das, was man eigentlich kaufen wollte, gab es nicht. Da sollten sich die Shop-Strategen mal etwas mehr einfallen lassen, um Kunden anzuziehen und irgendwie einladend zu wirken. Neuester Trend scheint hier der „Tag der offenen Tür“ zu sein. Und zwar sechs Tage die Woche. Die Türen der Shops stehen sperrangelweit offen, viele Läden haben schon gar keine Tür mehr, sonder nur noch faltbare Glas-Fronten. Draußen herrschen Minusgrade und aus dem Shop bläst die warme Luft hinaus. Kommt man gerade vom Friseur könnte man sich dort die Haare föhnen. Selbst ein Olivenbaum würde dort im Winter Früchte tragen und stünden dort ein paar Liegestühle, fühlte man sich wie beim Shoppen in Phuket Town. Es würde mich echt mal interessieren, wie das mit einer Wärmebildkamera aussieht. Was is’n das für ein energetischer Unsinn? Häuserwände müssen heute mit dicken Dämm-Platten zugenagelt werden, Fenster sind mittlerweile doppelglasige Hightech-Produkte geworden und unten im Erdgeschoss hängen die einfach die Tür aus? Ich meine, es muss ja nun nicht mehr unbedingt der dicke Leder-Vorhang sein, in dem man sich früher verloren hatte, als man einen Laden betrat und die Glocke über einem bimmelte. Aber irgendetwas kreatives muss den Ingenieuren doch da einfallen. Oder machen das die Shop-Betreiber nur, damit sie dieser Tage vor der Tür keinen Schnee schieben müssen?

Frühere Beiträge zu Einzel-und Versandhandel:

33) Kiezladen

Den Bötzow-Kiez habe ich noch ganz anders in Erinnerung als er heute ist. Baufällige Häuser, Einschuss-Löcher in den Fassaden, Etagen-Klo und Kohlenheizung überall. Kopfsteinpflaster auf der Straße, ein Kohlenhandel auf der Ecke und ein Kinderzahnarzt im Vorderhaus (knarrende Treppe, zweite Etage links. Gruselig.) Heute ist das aber ganz anders. Fast alle Wohnungen sind mittlerweile saniert, oft findet man wunderschönen Stuck an den Wänden und nach Kohle riecht es schon lange nicht mehr. Und auch die Struktur der Läden hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Ein paar Geschäfte von damals halten sich noch immer wacker. Die tragen auch noch keine künstlichen Namen über dem Schaufenster, sondern nur ein Schild mit der Aufschrift „Frisör“, „Bäcker“ oder „Farben-Handel“. Auch die Kneipe gegenüber gibt es immer noch. Neu hinzu gekommen sind sehr exklusive Geschäfte, in denen man aber nur selten wirklich Kundschaft sieht. Ein Lampen-Geschäft bietet edle Designer-Lampen an, eine Holz-Manufaktur fertigt Möbel auf Maß und ein Wasser-Geschäft verkauft Wasserflaschen. Für mich alles etwas fragwürdig, aber gut. Immerhin kann man da noch etwas kaufen und es dient dem Stadtbild. Viel bedenkenswerter finde ich allerdings, dass die Ladenkultur dort immer mehr von „Services“ ersetzt wird, die einzig und allein dazu da sind, unseren körperlichen und seelischen Verfall zu bremsen. Oder auch unserem Nachwuchs, Business und Eheleben etwas auf die Beine zu helfen. 

Läuft man die Bötzow-Straße vom Kino her bergauf, findet man dicht an dicht die folgenden „Anbieter“: 

  • Nummer 10: Naturheilkunde, Ernährungsberatung, Akupunktur
  • Nummer 12: Physiotherapie
  • Nummer 14: Ingwer-Bar… es gibt dort auch „health“ und „wellbeing“
  • Nummer 24: Naturkosmetik, Körperarbeit, Massagen
  • Nummer 28: Kunststoffblenden für die nicht mehr ganz so hübschen Zähne 
  • Nummer 28: Vollkeramische Lösungen nach der Probefahrt mit den Kunststoffblenden auf den alten Zähnen
  • Nummer 28: Führungs- & Team Coaching, Eltern & Familiencoaching, Gründercoaching
  • Nummer 36: Logopädie & Ergotherapie
  • Nummer 41: Anti Aging, Lifting, Ultraschall, Wimpern und vieles mehr

Das kleine Nähgeschäft hat erst kürzlich dicht gemacht, das Kaffee mit der Spielecke schon etwas länger. 

Ich bin gespannt, welche neuen „Provider“ dort nun einziehen.

  • Vielleicht eine Vermittlung freier Seniorenheim-Plätze am Goldstrand
  • Eventuell regelmäßige Performance-Gespräche für Erst-Klässler?
  • Möglicherweise doch noch eine Konfliktberatung für Haushaltsroboter und deren Eigentümer?

Ich werde berichten und wage vorherzusagen, dass es hier in zwei Jahren die ersten Wochenend-Gutscheine für den Bötzow-Kiez zu kaufen gibt. 

„Lassen Sie ich ein Wochenende lang verwöhnen oder mal etwas restaurieren! Für nur 1.999 EUR genießen Sie Messer, Nadel, Botox und eine inspirierende Tasse Tee mit dem Coach ihrer Wahl. Kinder unter 10 Jahren zahlen die Hälfte. Bei Nichtgefallen gibt’s Geld zurück.“

Frühere Beiträge zum Thema Stadtleben:

 

15) Automaten

Eine neue Form von Beeinflussung und Bevormundung ist, wenn Personal immer mehr durch Automaten eingetauscht wird. Keine Sorge, das wird jetzt keine gewerkschaftlich klingende Argumentation gegen Automaten. Ganz im Gegenteil, ich habe nichts gegen den Self-Service an sich. Ich mag Self-Service. Und zwar dann, wenn es mir einen zeitlichen Vorteil oder Freiheit verschafft. Ist das jetzt auch schon egoistisch? Zum Beispiel stört es mich überhaupt nicht, selber zu tanken. Auch im Supermarkt suche ich mir meine Dinge selbst zusammen. Ich möchte auch gar nicht an einem Tresen meine lange Einkaufsliste vorlesen müssen. Auch die Shopping Portale sind letztendlich Self-Service-Automaten. Sie funktionieren zu jeder Tageszeit und machen mich unabhängig von Öffnungszeiten. In letzter Zeit halten aber Automaten Einzug, die anscheinend nur den Unternehmen einen Vorteil verschaffen und mir aber nur Nachteile. Nehmen wir die Flaschen-Automaten. Früher haben Studenten oder Schüler die Flaschen in meinem Korb gezählt. Es war eine sehr ehrliche Arbeit und sie haben damit Geld verdient. Der Vorgang ging ziemlich schnell und am Ende hielt man einen Bon in der Hand, den man dann an der Kasse versilbern konnte. Diese netten Menschen wurden abgeschafft. Ausgetauscht. Weg-automatisiert. Heute stehen dort stattdessen rote Automaten mit einem Loch in Augenhöhe. Sie gelten allgemein hin als ein Bakterien-Herd, sind elend langsam und mega-pingelig. Kaum ist die Flasche mal geknautscht, ein Stück des Etiketts fehlt oder man schiebt sie mit dem Hals zuerst in den Schlund, nervt die Kiste und belehrt die richtige Handhabe. Häufig wird man die Flasche nicht los. Ätzend. Und warum? Die Firma optimiert ihre Personalkosten und Fehlerfälle, ich mache letztendlich deren Arbeit und wirklich preiswerter sind dadurch die Produkte nicht geworden. Die Kinder finden es großartig, den Flaschenautomaten zu füllen, auch wenn ich davon kein Freund bin. Jeder Haut-Kontakt zu dieser roten Kiste verspricht eine fette Erkältung oder Durchfall. Zudem sind Automaten super schlecht gebaut. Dadurch, dass man die Flaschen mit dem Boden zuerst in das Loch stecken soll, läuft einem manchmal der restliche Inhalt der Pulle in den Hemdärmel. Ekelhaft. Ein weiterer Vertreter dieser Gattung sind Self-Service-Kassen. Gerne anzutreffen bei IKEA oder Decathlon. Hier soll der Kunde sein Zeugs selber scannen. Wo früher noch vier Kassen mit Personal waren, gibt es heute nur noch vier Self-Service-Kassen, im besten Fall noch einen Studenten der hilft, wenn Scanner oder Kunde überfordert sind. Abgesehen davon, dass ich nun die Arbeit des Unternehmens mache, sind diese Stationen auch sehr dürftig ausgestattet. Da gibt es einen Scanner, dann einen Monitor, dann ein Kartenlesegerät und noch ein Schreibfeld auf dem man unterschreiben soll. Alle vier Komponenten sind von unterschiedlichen Herstellern in unterschiedlichem Design und Sprache, ein Grauen für alle die, die beruflich mit User Experience zu tun haben. Liebe Einzelhändler hört auf mit diesem Unsinn! Ich benutze gern Automaten wenn ich selbst davon etwas habe! Ich will aber nicht eure Arbeit machen! Und wenn ich das schon tun soll ,dann erwarte ich von euch einen kleinen Discount auf meinem Bon! Nun wird es aber Zeit, Egoismus und Ignoranz in und aus den Familien zu beleuchten.

Frühere Beiträge zum Thema Kaufen und Verkaufen:

10) Drogerie

Wenn ich Drogerien aufsuche, um zielgerichtet ein paar Kleinigkeiten einzukaufen, könnte ich mich regelmäßig aufregen. Insbesondere wenn ich einen kurzen Aufgaben-Zettel im Kopf habe und mit ganz klarer Vorstellung den Palast der Cremes betrete. Schnell wird mir dann aber klar, dass dieser Laden nicht zum Einkaufen gedacht ist. Die Gänge sind nicht in einem klassischen Fischgrätenmuster angelegt, in dem man sich doch sehr schnell orientieren kann. Normalerweise folgt man einer Hauptstraße und geht dann links oder rechts in kleine Nebenstraßen und wird meistens schnell fündig. Jeder Baumarkt ist so aufgebaut, viele Supermärkte auch. In Drogerien jedoch ist es komplett anders. Kaum hat man die duftende Halle betreten, ist man mit schräg organisierten Gängen konfrontiert. Es gibt keine Hauptstraße. Die Produkte in den Gängen sind kaum einsehbar, Hinweisschilder die zu den Tuben und Töpfchen führen, kann man nur lesen, wenn man bereits vor ihnen steht. Häufig bleibt nichts anderes übrig als die schrägen Gänge nacheinander abzulaufen und zu interpretieren, was sich der Laden-Designer bei für die Platzierung der Ware gedacht hat. Vor kurzem stand für mich eine Dienstreise nach Asien an. Aus diesem Grunde wollte ich mir ein paar Feuchttücher mitnehmen. Eigentlich sollte das schnell erledigt sein. Aber nicht, wenn man diese bei den großen Drogerie-Ketten suchen muss. Zunächst ging ich in Richtung Baby & Co. Denn das ist vermutlich die sauberste Ecke im ganzen Laden. Fehlanzeige. Keine Feuchttücher mit desinfizierender Wirkung. Ich stolpere weiter durch die Gänge und entdeckte ein Schild mit der Aufschrift Hygiene. Super. Ich scannte die Schachteln darunter, fand jedoch nur Tampons und Binden für Damen. Als sei das die einzig vorstellbare Hygiene auf dem Planeten. Als nächstes steuerte ich die Ecke der Toilettenpapiere an, insbesondere der feuchten Varianten dieser Art. Wenn ich Ladenbesitzer wäre, würde ich diese Feuchttücher direkt neben den nassen Klo-Papieren platzieren. Falsch gedacht. Ich lief gefrustet alle Gänge rückwärts im Zick Zack bis zur Kasse, stellte mich dort in die Schlange und fragte den Kassierer wo ich diese berühmten Feuchttücher fände. Er antwortet: „Na da hinten bei den Seifen“. Logisch. Wo sonst. Was hier vielleicht sehr witzig klingt oder ein typisches Männer-Problem ist, ist in meinen Augen eine absolute Frechheit. Durch Aufbau der Drogerien klaut mir dieses Unternehmen Lebenszeit. Das ist Beeinflussung und Bevormundung in höchstem Maße und grenzt schon an Freiheitsberaubung. Und ich habe keine Lust eine Viertelstunde netto ohne Kasse in einer Seifenhalle zuzubringen. Zu was soll das denn führen? Soll ich mir etwa Feuchttücher bei etwa Amazon bestellen, für 2,50 € + 3 Euro Versand? Ist es das was wir hier wollen? Soll das der bröckelnden Ladenkultur dienen? Irre. Aber bevor wir uns zu lange bei der Privat-Wirtschaft aufhalten, schauen wir doch bei uns Mitmenschen vorbei. Das ist bestimmt alles anders, oder etwa nicht?

9) Melkkuh Familie

Auch bei den privaten Unternehmen ist man ganz vorn dabei, wenn es darum geht, insbesondere Familien zu „melken“. Familien sind ideale Markteilnehmer. Viel Wahl haben sie eh nicht, Zeit schon gar nicht und es gibt viele Käufe an denen sie auch gar nicht vorbeikommen bzw. sogar kaufen müssen. Das ist besonders ignorant und besonders mies. Jemanden ohne sein Wissen auszunehmen ist ja das eine, jemanden aber offensichtlich übergebührend zur Kasse zu bitten, ist noch viel gemeiner. Das Thema Eintritte hatte ich oben schon thematisiert. Zwei Erwachsene in den Tierpark für 26 EUR, im Vergleich dazu eine 4-Kopf-Familie schon 39 EUR. Da wäre es günstiger, die Kids zu Hause vor die Glotze zu setzen und als Eltern für die 26 EUR nett ins Kino zu gehen, oder? Aber auch bei den Verbrauchs-Gütern kann man sich nur an den Kopf fassen. Ein Kindersitz fürs Auto für ca. 150 EUR aufwärts. Eine Pampers-Bick-Pack-Packung für günstige 45 EUR, ein Laufgitter gibt es ab 100 EUR aufwärts. Diese drei Dinge sind Investitionen, an denen keine Familie vorbeikommt. Die Kosten dafür lassen sich nur drücken, wenn man 2. oder 3. Hand kauft oder in der Qualität Abstriche macht. Oder man müsste wie im letzten Jahrtausend die vollgekackten Stoffwindeln sammeln und dann in einem großen Bottich auskochen. Soll mich aber keiner zu bekehren versuchen. Aber muss das wirklich alles sein? Stecken in den 150 EUR für den Kindersitz wirklich 150 EUR Ingenieursleistung oder entsprechender Material-Wert? Und warum gelten für Kinder-Produkte nicht die niedrigen Mehrwertsteuersätze, wie zum Beispiel für Rollstühle und Hörgeräte? Wieviel Marge ist in dem Preis für die Unternehmen enthalten? Zu welchen Selbstkosten wird das eigentlich hergestellt? Schauen wir auf die Konsum-Güter. Ein Lego-Bausatz „3in1“ gibt es für ca. 15-20 EUR. Das geht ja noch, wenn sich der Sohn dreimal damit beschäftigt und die Steine danach für weitere Bauten verwendet werden. Aber im direkten Vergleich dazu nehmen wir hier mal die „Lego Duplo Bau Basic Platte dunkel beige“, wohl gemerkt für die Kleinkinder, schlägt mit 15 EUR in die Kasse. Trotzdem ist es nur eine beige Plastik-Platte mit Noppen! Da steckt nicht viel mehr Material drin als in einem Stullenbrett. Aber Kinder wollen sie unbedingt haben, das ist der Unterschied.

Frühere Beiträge zum Thema Familienleben: