129) Corona-Lektionen 38

Gestern bin ich in die 22. Homeoffice-Woche gestartet. Die Kids allerdings nicht, in Berlin war gestern wieder Schulbeginn. Zeit für ein paar Gedanken aus den letzten Tagen.

Schule:
Die Schulen sind nun wieder voll geöffnet, allerdings mit diversen Maßnahmen, die Lehrer und Schüler nun zu beachten haben. Gestern hatte ich die Gelegenheit, das bunte Treiben vor der Schule zu beobachten. Die Realität sah ungefähr so aus. Vor dem Schulzaun treffen sich die Kids, haben sich lange nicht gesehen, Küsschen links/rechts, Umarmung. Like it, Peace, LOL. Kurz vor dem Schultor wird schnell die Maske aus der Hosentasche gezaubert und vor die Schnute gehangen. Wenn ich nur daran denke, dass in dem Gebäude nun 700 Menschen aufeinander hocken, wird mir ganz anders. Nach wenigen Stunden standen die Kids schon wieder hier auf der Matte. Erst mal nur „Orientierung“ in den nächsten Tagen, „Belehrung“ und „Vorbereitung“. Kopfschütteln meinerseits. Sind wir nicht eh schon deutlich hinter dem Lehrplan? Als Vollblutskeptiker sehe ich die Kids nach einer Woche Vorbereitung schon wieder im Home Schooling.

Homeoffice:
Neulich dachte ich über das Gegenteil von Homeoffice nach. Ursprünglich als Ausnahme gedacht, beschreibt Homeoffice ja die Büro-Arbeit von zu Hause. Gibt es eigentlich auch einen Begriff für die Arbeit im Büro der Firma? So selbstverständlich ist diese Arbeitsform ja nicht mehr und wird sie nie wieder werden. Legen wir bald einen Tag im „Onsite Office“ ein? Oder im „Corporate Office“ ein? Schatz, ich fahre morgen mal wieder ins „Formal Office“. Schaue ich in meinen Kleiderschrank hängen da die Hemden und Anzüge, wirken wie aus einer anderen Zeit zu uns geschickt. Wie Ballast. Mein Bauch sagt mir, dass ich die Klamotten noch längere Zeit nicht tragen werde. Alles auf einen Haufen, hübsches Feuerchen machen, dieses Kapitel abschließen?

Dienstreise:
Auch das dienstliche Reisen erscheint mir wie eine längst vergangene Mode. Lufthansa, Austrian Airlines, TAP und schicken mir regelmäßig e-mails und buhlen um Aufmerksamkeit. Da gibts 10.000 Meilen on top, wenn ich einen großen Koffer kaufe. Man bedaure, dass man derzeit den gewohnten Service nicht bringen könne. Meine Meilen sind mir für weitere drei Jahre gesichert und garantieren bestes „Flugerlebnis“ und noch mehr „Privilegien“. Nach Wien könnte ich mal wieder fliegen, für nur 109 EUR, mit Rückflugversprechen. Na immerhin. Alle Vielfliegerkarten auf den Tisch, haushaltsübliche Schere greifen und Schnipp-Schnapp? Ist diese Epoche beendet? Alles Geschichte?

Der durchsichtige Kulturbeutel mit der kleinen Reise-Kosmetik steht völlig deprimiert im Regal. Keiner beachtet ihn. Sollte ich mal aufbrauchen das Zeug, sonst erreicht das bald das Mindesthaltbarkeitsdatum oder zerfällt zu Staub.

<— Corona-Lektionen 37

—> Corona-Lektionen 39

121) Vergangenheit

Jeder hat eine davon. Ob man nun will oder nicht. Egal ob sie schön war oder weniger aufregend. Ob man sich gern an sie zurück erinnert oder sie lieber vergessen will. Nein, hier geht es heute nicht um die erste Liebe, sondern um die eigene Vergangenheit. In den letzten Tagen wurde ich mehrfach zurückgeworfen. In eine Zeit der Schwarzweiß-Bilder, Erinnerungsfetzen und Flashbacks, die ganz weit hinten im Oberstübchen liegen. Und dann ist es doch wirklich erstaunlich, was da alles noch vorhanden ist. Erlebnisse, Gespräche und Gefühle. Selbst Temperaturen und Gerüche. Alles lässt sich wieder hervorkramen.

Und das kann alles an einem Sonntag geschehen:

Sohnemann überzeugt mich, einen weiteren Instant-Messaging-Dienst zu installieren. Macht man halt heutzutage so. Kurz danach macht‘s „pling“ und mich schreibt Svenja (Name geändert) an. Mit Svenja war ich in Kita und Grundschule. Man könnte sagen, wir waren „zusammen“. Also so „zusammen“ man halt unter 11 Jahren ist. Und was hatte die für coole Rollschuhe.

Ich flitze zum Sportplatz und eine Frau kommt mir entgegen. Wir schauen uns beide unsicher an. Fußweg, Augen, Fußweg, Augen. Sag mal …? Bist du …? Nee, echt? Ich glaub’s ja nicht! Volltreffer. Doch. Sie ist es. Bettina (Name geändert) und ich synchronisieren uns. Family? Kids? Job? Wohnort? Und sonst so? Allet jut. Oh man, das waren Parties, Mitte der Neunziger.

Die Begegnung mit Svenja, treibt mich an, mal wieder nach Gero (Name geändert) zu googlen. Ich mache das seit Jahren immer mal wieder, denn der kann doch nicht von der Erdfläche verschwunden sein. Jeder hinterlässt doch heutzutage irgendwie Spuren. Ist dem was zugestoßen? Unsere Wege haben sich in den frühen 90-er Jahren getrennt, seitdem habe ich nichts mehr gehört. Und siehe da! Ein Doktor an einer Uni. Hah! Gefunden. So viele Erinnerungen kommen hoch. Viele Nachmittage haben wir verbracht, die Höfe im Viertel erobert.

Ist das alles nur Zufall? Oder wird man irgendwann empfänglicher für solche Begegnungen oder sucht gar aktiv danach?

108) Corona-Lektionen 28

Die 10. Family-Homeoffice-Woche liegt vor uns. Schule Nummer 2 wird ab Morgen wieder die Tore öffnen, zögerlich, unter Auflagen und in Teilzeit. Die Sonne scheint am blauen Himmel, alles friedlich.

Trotzdem muss ich etwas Dampf ablassen. Tut mir Leid.

Digitale Schule: Ein Desaster. Zumindest dort. Hat es diese Bildungseinrichtung in 9 Wochen nur einmal hinbekommen, einen Video-Call mit den Schülern der Klasse zu organisieren. Die Schulleitung hält sich aus allem raus, überlässt es den Lehrern. Manch einer entdeckt sich als YouTuber (Respekt!), andere schreiben E-Mails, andere machen nix. Was sind das für Zustände? Ich meine, die Schule hat doch einen Auftrag, oder? Sie wird von uns allen finanziert, die Schulleitung ist doch auch in gewisser Weise Arbeitgeber und hat eine Weisungskompetenz und auch -Pflicht, würde ich mal sagen. Ist die Schulpflicht ausgesetzt? Habe ich irgend etwas verpasst?

Fußball: Nun bin ich ja wahrlich kein großer Fußball-Fan, aber gestern habe ich mit halbem Ohr und Auge ein Geisterspiel verfolgt. Und wie zu erwarten. Es war furchtbar. Öde. Keine Stimmung, keine Gesänge, null Emotionen. Und daran ist meiner Meinung nicht einmal die Corona-Situation Schuld, sondern der Fußballverband, der meint, seine alten Konzepte 1:1 wieder aufnehmen zu können, um Bälle und Euros rollen zu lassem. Ohne Zuschauer, Bratwurst, Bierchen und T-Shirt-Stand. Nur eine Wiese, ein Ball und 22 Kerle, die dem hinterher rennen. Was bilden die sich eigentlich ein? Musiker, Schauspieler, Lehrer, Home Worker, usw müssen sich neu erfinden. Müssen irgendwie kreativ sein, sich anpassen, um arbeiten zu können, um Geld zu verdienen. Andere gehen in Kurzarbeit oder Pleite. Und der Fußball meint, er macht einfach da weiter, wo er aufgehört hat? Wie kann man ein Sportevent nur so ignorant veranstalten, ihm jeglichen Zauber nehmen und damit so dermaßen abkühlen. Da hätte Musik laufen können (wie bei Volleyball-oder Basketball-Spielen), man hätte Papp-Kameraden mit dem eigenen Namen kaufen können oder was weiß denn ich. Ein Show-Teil, mal neue Regeln, etwas ausprobieren. Irgendetwas. Der Fußball wird schweren Schaden nehmen, und zwar nicht wegen diesem blöden Virus, sondern wegen der Tatsache, dass er 0,0 anpassungsfähig ist und an alten Zöpfen festhält.

Verschwörung: Im Laufe der letzten Woche habe ich zögerlich mitbekommen, was da so an Verschwörungstheorien unterwegs ist. Ja, meine Güte, dacht ich. So ein paar Spinner gibt‘s doch immer. Jedes Dorf hat seinen Deppen. Und wenn der im Dorf bleibt, ist das ja auch ok so. Bis aufs jährliche Weinfest hat der doch gar keine Bühne. Heute früh habe ich mich etwas durch die YouTube-Bühne geklickt und bin entsetzt. Wie da Ex-Moderatoren, Sänger, Tänzer, Fernsehköche und andere C-Promis ihren geistigen Durchfall produzieren, da wird mir echt schlecht. Ich meine, die Situation ist doch nun schwierig genug. Für alle. Keiner hat sich das gewünscht, jeder muss irgendwie seinen Weg da durch finden. Aber solche Grütze in die Kanäle zu leiten oder auf Plätze zu tragen, das hat nichts mit mehr freier Meinungsäußerung zu tun. Nichts mit konstruktiver Diskussion oder Manöver-Kritik an den Maßnahmen. Das ist einfach nur Datenmüll, schade um den Strom der da verbrauchtt wurde. Gebt diesen Leuten schnell wieder etwas zu tun, die haben echt zu viel Zeit!

Schönen Sonntag!

T.

<— Corona-Lektionen 27

—> Corona-Lektionen 29

104) Corona-Lektionen 24

Die Neunte Family-Homeoffice-Woche liegt vor uns. Der Sohn darf morgen wieder in die Schule, zeitweise zumindest. Die lange Liste der Hygiene-Maßnahmen sorgt für Enttäuschung und zeigt eindrücklich, dass da noch lange nichts „normal“ ist. Aber was ist schon „normal“?

Durch Corona ist kein Stein auf dem anderen geblieben:

  • Vormals fast undenkbare Veränderungen sind in Deutschland auf einmal möglich geworden. Nehmen wir nur mal flächendeckendes Home-Office, Video-Konferenz mit Lehrern und Kartenzahlung.
  • Relikte alter Zeiten, die wir schon überwunden glaubten, machen nun eine zweite Karriere. Die Warteschlange ist zurück, Drive In-Konzepte gibts nicht mehr nur beim Fast Food sondern auch für die Beichte. Religionen entdecken Auto-Kinos für sich.
  • Bei den großen Herausforderungen, die bislang unerreichbar schienen, hat es bereits kurzfristige Veränderungen gegeben. Der Verkehr hat abgenommen, in Großstädten wird die Luft besser und es wird viel weniger geflogen.
  • Schlechte Angewohnheiten, von den wir doch eigentlich ablassen wollten, festigen sich nun erst recht. Der Versandhandel und Individualverkehr boomt, „To Go“-Konzepte sind die einzige Überlebenschance für die Gastronomie. Verpackung inklusive.
  • Und wir konnten alle mal schnuppern, wie es sich denn so anfühlt, wenn Grundrechte  eingeschränkt, Versammlungen, Demonstrationen, Soziales Miteinander verboten werden. Für manche Deutsche war das gar nicht so neu. Uns eint nun aber die neue Erfahrung, wenn staatlicherseits eine partielle Bedeckung des Gesichstes gefordert ist.

Und weil das ja mal nur die eher „kleineren“ Veränderungen der letzten Wochen sind, wird uns doch allen klar, dass es kein „back to normal“ geben kann. Und wer sagt eigentlich, was das neue „normal“ ist?

Aber das wird ein neuer Beitrag 😉

Schönen Sonntag
T.

<— Corona-Lektionen 23

—> Corona-Lektionen 25

102) Corona-Lektionen 23

In Berlin endet bereits heute die 8. Woche im Family-Homeoffice. Morgen haben wir frei. Eigentlich wollten wir ja den Frauentag feiern, aber der 8. März fiel dieses Jahr auf einen Sonntag. Also bekamen wir den 8. Mai geschenkt.

Ein paar Gedankengänge der letzten Tage:

Spiel: Kerstin schrieb kürzlich auf https://alltagseinsichten.com, dass sie das aktuell doch alles sehr an Brot & Spiele und den Film „Matrix“ erinnere. Ähnliche Gedanken kamen mir in der Woche auch, ich hatte aber eher „Monopoli„ vor Augen. Aber mit dem Unterschied, dass man nicht selber würfelt, sondern die Würfel von anderen geworfen werfen.

Der Rest bleibt ungefähr gleich:

  • Gegen Sie hier hin, aber gehen Sie nicht dahin
  • Gehen Sie am Rand, kommen Sie einander nicht zu nahe
  • Gehen Sie in den Bau, warten Sie 8 Runden … oder Wochen
  • Zahlen Sie dies und das, Strafgebühr, Anzahlung für keinen Urlaub
  • Stehen Sie hier an, warten Sie dort, aber bitte mit Abstand
  • Hotels sind gerade wieder im Kommen, kann man kaufen.
  • Theater und Kulturstädten besser noch schnell abstoßen

Hygiene-Konzept: Die Arbeitgeber, die ihre Leute zurück in die Büros holen wollen oder müssen, beschäftigen sich mit seitenlangen Hygiene-Bestimmungen. Klinken putzen, Fenstergriffe desinfizieren, Kaffee-Maschine reinigen, Tastatur abwischen, Telefonhörer polieren usw usw.  Team-Leads sind von nun an nicht mehr nur Chef, Coach, Datenschützer, Informationsschützer, Arbeitssicherheitsverantwotlicher und Chief Happiness Officer, sondern nun auch noch Putzkraft. Herzlichen Glückwunsch. Ich bleibe im Homeoffice so lange ich kann.

Hamster-Retrospektive: Die ersten Hamster-Käufe fanden nach meinen Notizen in der Woche vom 24.02.2020 statt. Die Mindesthaltbarkeitsdaten dürften nun Anfang Mai überschritten sein.

Daher lasst mich nun die Hamster fragen:

  • Hat die Mehlsuppe gut geschmeckt?
  • Habt Ihr euch an Dosen-Ravioli gelabt?
  • Oder sind euch die Kartoffel-Zentner, Salami-Ringe und Käse-Räder verfault?
  • Und wie steht’s eigentlich um die Klo-Papier-Bestände?

8. Mai: Der Tag der Befreiung jährt sich morgen zum 75. Mal. Die Deutschen krabbelten damals wieder aus den Kellern und Schützengräben. Die Städte lagen in Schutt und Asche. Sie standen vor dem Nichts. Und weil das alles noch nicht genug war, folgten 1946 und 1947 noch eisige Winter.

Das lässt doch die heutigen Probleme in einem ganz anderen Licht da stehen, oder?

Nachtrag: Tja, so wollte ich den Beitrag eigentlich enden lassen. Aber vorhin war ich noch mal im Park, etwas frische Luft schnappen. Da schien niemand ein Problem zu haben. Skater, Jogger, Volley-Baller überall. Kinder tobten auf den Spielplätzen, Picknick-Decken und Sitzgelage mit Bierchen auf der Wiese. Schon wieder eine neue Realität.

<—  Corona-Lektionen 22

—> Corona-Lektionen 24

36) Berliner Landschaften

 

„Landschaftsarchitektur“, nennt sich die Disziplin, die sich mit „Entwurf, Planung und Umgestaltung“ von nicht bebautem Raum beschäftigt. So steht’s geschrieben im großen weltweiten Internet-Lexikon. Genauer gesagt, geht es um Parks, Freizeitanlagen, öffentliche Plätze und Gärten im ländlichen und urbanen Raum.

Früher hieß es wohl auch mal „Landesverschönerung“ oder „Landschaftsplanung“. Egal welchen Begriff man nimmt, es klingt kreativ, gut durchdacht, bestens geplant und nach preußischer Genauigkeit zügig umgesetzt. Meint man.

Nachstehend ein paar Beispiele, bei denen ich aber ernsthaft ins Zweifeln komme:

Am höchsten Punkt des nahegelegenen Saefkow-Parks befindet sich eine Grünfläche mit Kinderspielplatz. Am anderen Ende der Ebene hat man zwei grüne Volleyball-Netz-Pfosten in die Erde gerammt. Das Netz fehlt. Das muss man mitbringen. Und falls wirklich jemand mal ein Netz da hoch schleppt und dort jemals Volleyball gespielt würde, wäre das Spiel schnell wieder vorbei. Die Volley-Ball-Zone befindet sich direkt am Rand des Hügels an einem 1,20 Meter hohen Zaun. Man müsste schon sehr viele Bälle mit nach oben nehmen oder ständig einen Balljungen den Hügel herunter schicken.

Beim Joggen komme ich immer an einem Spielplatz an der Friedenstraße vorbei. Große Kletter-Anlagen aus Holz, beschäftigten die kleinen Entdecker dort jahrelang. Pünktlich zur Eröffnung der Spiel-Saison im Frühjahr wurde der Spielplatz mit einem Bauzaun gesperrt, dann hat man den ganzen Sommer und Herbst an dem Spielplatz gebaut und vor ein paar Tagen, um den ersten Advent herum, erfolgte nun endlich die Abnahme und Eröffnung der Anlage. Es sind nun frische 5°C im Park, na dann viel Spaß beim Spielen.

Auch der Piraten-Spielplatz um die Ecke war lange gesperrt. Das kreative Holz-Piratenschiff war wohl nicht mehr sicher genug, also hat man es abgerissen und mit Spielgeräten aus dem Katalog ausgetauscht. Kann ich ja verstehen, bei Holz ist halt irgendwann mal Ende. So weit so gut. Obwohl nun aber die neuen Geräte endlich aufgestellt waren, zog sich die endgültige Eröffnung noch bis in den Herbst hin. Warum? Ja, weil jemand auf die Idee gekommen ist, die Wege auf dem Spielplatz mit kleinen Berliner Steinen zu pflastern. Alles Handarbeit! Dauert ewig und ist zudem vermutlich das teuerste Stück „Landschaft“ auf dem ganzen Gelände. Und die Kids sind bestimmt sehr dankbar dafür. Solch einen Pflasterweg haben die sich schon immer gewünscht.

In der benachbarten Schule ist man schon ewig damit beschäftigt, das tiefer liegende Erdreich unter dem Schulhof von Kriegstrümmern zu befreien. Anschließend soll der Schulhof wieder neu hergerichtet werden. Existierende Tischtennis-Platten und Fußball-Tore wurden daher abgebaut und an die Seite gestellt. Die Kids mussten sich halt für die Hofpause etwas anderes einfallen lassen oder den Bauarbeitern beim Arbeiten zuschauen. Heute lief ich mal wieder dort vorbei. Auf dem Hof tat sich etwas. Große Betonteile und NEUE (!) Tischtennis-Platten wurden geliefert, die bisherigen Platten standen immer noch am Rand. Im Vorbeigehen warf ich einen Blick auf das große Bauschild, um mal zu sehen, wann die fertig sein wollen. Da steht allen Ernstes geschrieben: „Bauzeit 2017-2019“. Oh man, die armen Kids und Lehrer. Ich meine, wir reden hier von einem Schulhof, oder? Nich von einem Autobahn-Kreuz!

Zu guter Letzt die selbe Schule noch einmal. Sie wurde vor Jahren saniert, hatte damals neue Dämmung und eine weiße Fassade bekommen. Über die Zeit wuchsen Sträucher und kleinere Bäume immer dichter an das Gebäude heran. Alles war schön grün und hielt die Sprayer von der Fassade weg. Selbst wenn sie dort aktiv geworden wären, hätte es keiner sehen können. Und das wollen die Idioten mit den Dosen ja nun auch wieder nicht. Nun aber kam ein schlauer Mensch auf die Idee, all das Grünzeug rund um die Schule abzuholzen. Keine Ahnung warum. Von Heute auf Morgen stand das weiße Schulgebäude auf einmal ungeschützt am Straßenrand und strahlte einladend vor sich hin. Ein Geschenk aller Steuerzahler an die Farbdosen-Lobby. Gut gemacht Ihr Experten. Jetzt sieht die Grundschule aus wie eine Lagerhalle in der Bronx. Großartig. 

Ich wage vorauszusagen wie es weiter geht. „Entwurf, Planung und Umgestaltung“ der Fassade …  mit Wettbewerb, Ausschreibung und einem neuem Bauschild von 2020 bis 2022? 

Frühere Beiträge zum Thema Stadtplanung und Verkehr: