40) Postkarte aus Weitwegeigentlich

Irgendwo habe ich gelesen, dass „Can you see my screen“ oder „Könnt ihr mich noch hören“ wohl zu den meistgesagten Sätzen im Deutschen Berufsleben des Jahres 2020 gehören werden. Glaube ich gern. Im Privatleben war es mit Sicherheit eher „Eigentlich wären wir jetzt in … gewesen“. 

Wir waren in London, Lissabon und auf Korsika. Eigentlich. Aus Korsika wurde dann Santorin, aber wieder nur eigentlich. Aber in Bukarest, da war ich wirklich. Und an der Ostsee. Aber geht es um die Ferne, bleibt wohl nichts anderes übrig, als in Erinnerungen zu schwelgen.

Aber wenn ich so durch meine Bilder von Goa, São Paulo und Melbourne blättere, frage ich mich auch, ob ich da jetzt wirklich hinreisen wollte. Will ich aktuell in Indien sein? Ist São Paulo dieser Tage wirklich „The place to be“. Will ich jetzt über 24h in einer Metall-Röhre sitzen und nach Down Under fliegen?? Mhm … ich glaube nicht. 

Also wischt man sich so durch seine Fotos und schmiedet den ein oder anderen Reiseplan für 2021.

Lust auf ein paar Eindrücke aus Goa? Vielleicht etwas coole Street Art aus São Paulo? Oder eine Portion von Multi-Kulti in Melbourne?

Bitte schön!

  1. Postkarte aus Goa 1 2019
  2. Postkarte aus Goa 2 2019
  3. Postkarte aus Goa 3 2019
  4. Postkarte aus São Paulo 2019
  5. Postkarte aus Melbourne 1 2019
  6. Postkarte aus Melbourne 2 2019
  7. Postkarten aus Delhi, Singapore, Mexico?

<— Weitere Postkarten gibt‘s hier

38) Postkarte aus Berlinbestimmtnich

Es wird mal wieder Zeit für eine knackige Postkarte hier. Doch von wo soll ich denn eine Karte schreiben, wenn ich doch kaum reisen kann? Von Berlin etwa? Die Bilder vom Samstagabend waren weniger ansehnlich, eher erschreckend, verstörend, inakzeptabel!

In der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung fand ich einen Artikel, der auf die 150-jährige Geschichte der Postkarte einging.
Zitat: „147 Millionen Postkarten beförderte die Deutsche Post 2019, 2007 waren es noch 210 Millionen.“
WhatsApp, Facebook und der Selfie-Sticks sind Schuld. Und nun kommt auch noch Corona dazu und lässt die Postkarten im Drehständer stehen und ausbleichen.

Aber ich habe auch gelernt, dass man sich elektronisch Postkarten schicken kann und man muss noch nicht einmal vor Ort gewesen sein. Wie „praktisch“. Die Umwelt wird’s gut finden. Die Reiseindustrie wohl weniger.

Aber jetzt mal angenommen, ich schicke Postkarten von Orten, an denen ich noch niemals war. Woher kriege ich dann die kitschigen Kühlschrankmagneten? Aber Ihr ahnt es schon, die Antwort liegt auf der Hand. Die gibt’s bei Herrn Bezos im Hochregal. Aus aller Herren Länder. Egal ob Zuckerhut, Taj Mahal oder Golden Gate Bridge. Ich will gar nicht drüber nachdenken, wo die hergestellt werden und welche Wege die zurücklegen.

Wenn ich mir ein paar meiner Magnete aus 2019 so anschaue, kriege ich schon Fernweh.

Hier noch mal zum Nachlesen

  1. Postkarte aus Dubai 2019
  2. Postkarte aus Mexico-City 2019
  3. Postkarte vom Taj Mahal 2019
  4. Postkarte aus Delhi 2019

 

Und wer es voll virtuell mag, der kann gern mit mir über die Zukunft des Reisens nachdenken. > Travel 6.0 

36) Souvenir

Wenn man auf Reisen ist, so kommt man irgendwann an einem Souvenir-Shop vorbei. Denen kann man ja kaum entgehen. Auch wenn unsere Welt immer digitaler, virtueller und kleiner wird, scheint das Souvenir aber nicht auszusterben. Ganz im Gegenteil, es wird gekauft, als gäbe es keinen Morgen.

Auch wenn da manchen Entwicklungen echt skurril sind:

  • In jedem Shop gibt es grundsätzlich immer dasselbe Grundsortiment. Kaffee-Tasse, Kugelschreiber, T-Shirt, Base-Cap und Jute-Beutel. Nur Slogan und Aufdruck sind unterschiedlich. Häufig gibt es auch eine Schnee-Kugel. Auch wenn es da an dem Ort gar nicht schneit. Die Touristen wollen das so, weil es eben überall so ist.
  • In manchen Städten bekommt man dann noch lokale Spezialitäten oben drauf. In Amsterdam gibt‘s Clogs aus Plüsch und Grill-Schürzen mit Pimmel-Mann vorn dran. In Mexico-City mögen sie anscheinend Toten-Köpfe sehr gern. Da freut sich auch die Oma hier daheim. In Berlin gibts einen nie endenden Vorrat an „original“ Mauer-Stückchen. In Delhi findet man für seine letzten Rupees ein filigranes Taj Mahal aus Marmor, von Kinder-Händen gefertigt. Die können das besser.
  • Das Shop-Sortiment wurde mittlerweile etwas an das digitale Zeitalter angepasst. Man bekommt nun also auch Maus-Pads, Handy-Hüllen, Power-Banks und Selfie-Sticks. Denen kann man ja noch etwas praktisches abgewinnen, der Rest ist eher zum Hinstellen und Einstauben.
  • Die Leute kaufen immer noch Kühlschrankmagneten, obwohl die meisten Kühlschränke fest in deutsche Küchen eingebaut sind. Die Magnete bleiben an den Holzblenden gar nicht mehr haften. Vielleicht sollte ich da mal etwas erfinden. Einen alternativen Kühlschrank-Magneten-Halter, ohne Kühlschrank.
  • Schaut man bei Souvenirs aufs Etikett, stellt man häufig fest, dass sie aus China kommen. So kann es leicht sein, dass Chinesen auf Europa-Reise ihre eigenen Produkte kaufen und wieder zurück nach China bringen, auch wenn „Greetings from Kopenhagen“ draufsteht.

Wem die ganze Reiserei auf den Sender geht oder wer sich vor lauter Flug-Scham quält, der kann die Souvenirs auch bequem im Versand-Handel bestellen. Da muss man gar nicht mehr den weiten Weg nach Melbourne, Buenos Aires oder Rio fliegen. Stattdessen kommt der Fridge-Magnet Typ „Zuckerhut“ per Post nach Hause. Fragt sich nur, ob aus Brasilien oder aus China. Dann noch einen Caipirinha mixen und auf YouTube die „Best off Rio in 10 Minutes“ klicken.

Fertig.  Schön war‘s

Mehr verrückte Welt gibt’s hier

 

20) Postkarte aus São Paulo

Hallo zusammen, viele Grüße aus São Paulo! Vor Anreise hatte ich bereits ein Bild im Kopf. Mega-City, 12-14 Millionen Einwohner, nach Einbruch der Dunkelheit am besten drinnen bleiben oder Auto fahren. Vermutlich chaotisch, schmuddelig und heruntergekommen.

Aber nun, nach einer Woche hier, muss ich mein Bild korrigieren. São Paulo, nun nicht gerade für seine Bauwerke bekannt, kann über KKK (Kunst, Kultur, Kulinarik) locker mit den anderen großen Städten mithalten. Mit Sicherheit hat die Stadt in den Außenbezirken diverse Probleme, aber in der Innenstadt haben wir uns am Tag und frühen Abend echt wohl gefühlt. Brasilianische Kollegen bestätigen uns, dass São Paulo eher zu den sichereren Städten zählt und sie selber wegen mangelnder Sicherheit nur ungern zur großen Schwester Rio de Janeiro fahren. Viele Kleinigkeiten im Stadtbild haben mich echt überrascht und hätte ich so nicht erwartet.

In der Innenstadt wird z.B. eifrig Müll getrennt, die Straßen sind verhältnismäßig sauber und es gibt ein durchgängiges Leitsystem für blinde Menschen. São Paulo hat ein gutes Radweg-Netz, ist sehr hügelig und macht per Uber, Bus und Metro alles erreichbar. Die Stadt ist in seiner Einwohnerschaft sehr divers. Europäische Spuren in den Gesichtern, viele Japanische Ursprünge und auch Indigene Einschläge machen die Stadt sehr bunt.

Erlaufen: Bezirke Jardins, Pinheiros, Centro, Park Ibirapuera, Friedhof do Araca, Streetart-Viertel Beco de Batman und noch so einiges mehr

Gegessen und getrunken: durch die vielen Ursprünge der Menschen, gibt‘s hier alles was der Hunger begehrt. Wer die Gelegenheit hat, sollte ein Brazilian Barbecue mitmachen (z.B. Im Fogo de Chão) und auf eine Dachterasse (z.B. Hotel Unique) einen Caipirinha trinken

Zunächst also ein paar Schnapp-Schüsse von Avenida Paulista, Parque do Ibirapuera und Cemitério do Araça

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… und zum Abspann nun Bilder von sehr cooler Street Art gefunden in Beco de Batman

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Ihr vielen Schmierfinken in Berlin ... daran könnt ihr euch mal ein Beispiel nehmen !!!

Frühere Postkarten: hier klicken

46) Krümel-Kaffee und Mikro-Welle

Sao Paulo, Dienstag 03:30 Uhr: Ich bin wach, kann nicht mehr schlafen und beschließe, die Qual zu beenden und mich der Arbeit zu widmen. Das Hotel-Zimmer hat sogar eine kleine Küchenzeile und ich meine, dort bei Ankunft sogar kleine Kaffee-, Zucker-, und Creamer-Tütchen gesehen zu haben. So ein Kaffee wäre jetzt genau das Richtige. Also checke ich die Mini-Küche. Zwei Tassen, zwei Gläser, 1 Besteck und eine Mikro-Welle. Wasser-Kocher = Fehlanzeige. Wie kriege ich jetzt bloß Wasser heiß? Meine Augen bleiben bei der Mikro-Welle hängen. Habe ich noch nie gemacht, aber müsste doch gehen, oder? Tief im Gedächtnis habe ich einen Informationsfetzen gespeichert, dass die schnelle/heiße Erwärmung zu einem Problem führen kann, kriege es aber nicht mehr zusammen. 

Probieren geht über Studieren:

  1. Versuch: Ich kippe etwas von meinem restlichen Mineralwasser in eine Tasse, stelle sie in die Mikro-Welle und drücke auf die „Milch-Taste“.  Dadurch erwarte ich eher eine schonende Erwärmung. Und siehe da, 200 Watt liegen an. Nach 1:40 Minuten ist die Tasse schweineheiß, aber das Wasser immernoch kalt. So wir das nichts.
  2. Versuch: Ich kippe Mineralwasser in eines der Gläser, das sollte doch die Mikro-Wellen viel besser durchlassen als die Tasse. Wieder drücke ich die „Milch-Taste“. Nach Ablauf das „Milch-Programms“ ist das Wasser sichtlich heiß. Es sprudelt nicht. Aber es sieht so aus, als wollte es irgendwo hin ausbrechen. Ich kippe ein Tütchen Instant-Kaffee-Pulver drauf und dann auch noch Zucker. Auf einmal beginnt ein energisches Sprudeln, der Kaffee wird immer mehr und geht ab wie eine geschüttelte Cola. Der Kaffee schwimmt in der Mikro-Welle.
  3. Versuch: Basierend auf Versuch Nummer 2, nehme ich nun Wasser ohne Sprudel aus der Mini-Bar. Diesmal mache ich das Glas nur halbvoll, starte wieder das „Milch-Programm“. Das Wasser wird heiß. Ich kippe das zweite Kaffeetütchen drauf. Die Eruption bleibt aus. Den Zucker werfe ich hinterher. Dann noch mehr Wasser oben drauf, aber eben nicht bis ganz voll, denn oben muss ich das Glas irgendwie noch anfassen können.

Bing! Kaffee ist fertig. Na geht doch. Ich bin zwar in einem Hotel in Sau Paulo, es fühlt sich aber an wie auf dem Zeltplatz. Nachdem ich ja nun Erfahrung damit habe, könnte ich gegen 04:30 Uhr glatt noch eine zweiten Kaffee vertragen, aber das Päckchen hatte sich ja leider in Schaum aufgelöst und schwimmt in der Mikro-Welle.

Frühere Beiträge aus dem Hotel-Leben: