233) Corona-Lektionen 100 (Jubiläum ;-)

Das ist sie nun, die 100. Ausgabe dieser Reihe! Eigentlich wollte ich genüsslich im Eigenlob baden, aber es gab natürlich ein paar Entwicklungen, die wollen dokumentiert und kommentiert werden. Ich mache es kurz.

Impfen: 
Der Impfstatus der Familie liegt bei exakt 75% ;-). Damit liegen wir weit über Bundesdurchschnitt und arbeiten uns bereits an den Dänemark-Gold-Status heran. Weiter so!

Tankwart erschossen: 
Dass da so etwas noch passieren muss. Wegen einer Maske und einem Sechser-Pack Bier. Furchtbar. Na klar trägt der Täter die Verantwortung, rein strafrechtlich. Aber die Gesellschaft (und da meine ich alle) muss sich die Frage stellen, wie es dazu kommen konnte.

Frage 1: Wie kann ein Tankstellen-Kunde so ausrasten, wegen einer Maske, die er für 2 Minuten Kassiervorgang tragen muss?

Frage 2: Warum muss ein Student, der an einer Tankstelle jobbt, die Corona-Maßnahmen des Staates durchsetzen?

Wortwahl:
Es ist nicht das erste Mal, dass ich in dieser Reihe auf bestimmte Wörter hinweise, die mir sauer aufstoßen. Diesmal soll es das Wort „Daumenschraube“ sein. Es wird in den letzten Tagen vermehrt verwendet, wenn es darum geht, den Druck auf die Impfunwilligen und Impfunentschiedenen zu erhöhen. Auch in den öffentlichen-rechtlichen Programmen, für die ich immer eine Fahne hochhalte. Aber solche platten Begriffe polarisieren und verschärfen die Situation. Wer keine Ahnung hat, was eine Daumenschraube ist, findet im Internet genügend schmerzhafte Bilder. Da nehme ich lieber eine Impfung im Sechser-Pack.

Und nun aber zum Eigenlob:
Ja es sind 100. Beiträge geworden. Hätte ich nie gedacht. Und da es anscheinend für den Pulitzer-Preis nicht gereicht hat, rufe ich mich nun selber auf die Bühne und beantworte ein paar Fragen des virtuellen Laudators:

Wie bist du auf die Idee für diese Reihe gekommen?
Nun, daraus sollte eigentlich nie eine Reihe werden. Der erste Beitrag entstand im März 2020, um ein paar Gedanken loszuwerden. Ich stellte in Aussicht, dass es vielleicht noch einen zweiten Beitrag geben könnte. Und nun sind es eben 100 geworden.

Warum der Titel Corona-Lektionen?
Ursprünglich ging es mir gar nicht um die Corona-Bekämpfung, um alle die Daten und Maßnahmen. Ich wollte mich eher damit befassen, was die Pandemie mit uns macht und was wir für die Zukunft daraus lernen können. Daher der Begriff „Lektionen“.

Und dann?
Tja, dann ging es Schlag auf Schlag. Es wurde politisch und der Dissens in der Gesellschaft wurde lauter. Es dauerte nicht lange, und da fand das Wort „Freiheit“ den Weg in meine Beiträge. Die ersten Male bei Lektion 7, Lektion 17 und Lektion 41. Und kurz danach kam der Begriff “Demonstration“ hinzu. Beginnend in Lektion 31, Lektion 36 und Lektion 37, die mich emotional schon aufgewühlt haben.

Oh, das hat Deiner Beitragsreihe wohl einen deutlichen Moll-Anstrich verpasst?
Ja, da gab es Beiträge, wo ich sehr frustriert war, aber ich habe auch mit Humor und Augenzwinkern geschrieben. Zum Beispiel in Lektion 21, Lektion 23 oder Lektion 43. Man muss auch mal schmunzeln, auch in pandemischen Zeiten.

Welche Beiträge wurden am wenigsten gelesen?
Rein statistisch die Lektion 5, Lektion 32 und Lektion 44. Das haben die aber echt nicht verdient, die sind durchaus gut, vielleicht hatten die Leute einfach keinen Bock an diesen Tagen oder es gab eine Störung im WLAN

Und die Top-Seller?
Na ja, „Seller“ ist vielleicht das falsche Wort. Es sind ja eher Geschenke für die Leserschaft. Aber die besten Beiträge vom Klick-Volumen her, waren die Lektion 30, Lektion 38 und Lektion 42. Und natürlich, sie sind Spitzenklasse, keine Frage 😉

Du hast immer das gleiche Motiv für die Beiträge, oder?
Ja, das gleiche, aber nie das selbe. Ich habe fast jeden Arbeitstag den Sonnenaufgang fotografiert, für mich ein Symbol das täglichen Aufstehens, Nachrichtenhörens und dem dann folgenden „Weg“ ins Homeoffice. Manchmal war aber das Wetter schlecht oder das Bild verwackelt, einige sind der Löschtaste zum Opfer gefallen. Es gibt aber einen einzigen Beitrag, der das aus der Reihe tanzt, das ist die Lektion 92, denn die habe ich in Frankreich geschrieben.

Und wie gehts weiter?
Nun ja, das Thema beschäftigt mich schon und ich fürchte, da gibt es noch eine Menge zu kommentieren. Ich mache erst einmal weiter, vielleicht nicht mehr mit der Häufigkeit. Ich will ja keinen Corona-Blog betreiben.

Was willst Du Deinen Lesern mitteilen?
Großes DANKE für’s Lesen und dass es bei den Kommentarwechseln immer freundlich und sachlich abging. Ich würde mich freuen, wenn ihr weiter dran bleibt oder Freunde und Familie dazu einladet. Als kleine Zugabe, gibt es heute ein paar Sonnenaufgänge, die noch auf meinem Handy schlummerten, es bislang aber nicht auf die Titelseite geschafft haben.

Und wer das alles noch einmal Review passieren, kann hier die ganze Reihe von der Rolle weglesen 😉

Schönes Wochenende!

195) Corona-Lektionen 81

Es fühlt sich zwar an wie März, ist aber Mai. Keine Sonne, wenig Wonne. Super Wetter gegen Virus- Spreader. … oh oh, das wird nun zu albern. Zurück zum Ernst.

Rückkehr in die Schule:
Das große Kind hatte nach 18 Wochen Abstinenz, die Schule dann doch wiedergefunden. Ab morgen heißt es für sie aber wieder „Schulisch angeleitetes Lernen von zu Hause“. Also im Wesentlichen „Selbststudium“

1. Der Präsenzanteil muss steigen! Nur so kann verhindert werden, das Kinder abgehängt werden und nur so können Eltern dann jemals wieder in ihrem eigentlichen Präsenz-Job nachgehen, sollte es mit weiterem Impffortschritt mehr Öffnungen geben.

2. Der Lehrplan muss hinterfragt werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Kinder keinen bleibenden Schaden davontragen, wenn sie in pandemischen Zeiten in Musik, Kunst, Textilarbeit und Sport etwas kürzer treten. Ich frage auch, ob es die richtige Zeit ist, die griechischen Götter oder Basketball-Regeln auswendig zu lernen. Jeder Personaler hätte doch Verständnis dafür, wenn es für zwei Jahre in diesen Fächern keine Noten auf dem Zeugnis gäbe. 

3. Und liebe Lehrkräfte, überlegt bitte, welches Unterrichtsformat in welcher Situation angebracht ist. Im Präsenzunterricht dann doch wieder Arbeitsblätter ausfüllen zu lassen, ist es ein Unding! Ach so … und noch etwas. Unsere Glasfaserleitung fühlt sich unterfordert. Sie hat noch freie Bandbreite, die könnt ihr gern noch mit Video-Unterricht auffüllen 😉

Rückblick
Manchmal rolle ich in meinen Corona-Lektionen zurück, nur um mal zu sehen, was ich denn da so vor einem Jahr gedacht habe.

In >Nummer 21 vom 02.05.202berichtete ich, wie ich das erste Mal mit Maske im Kaufland war und amüsierte mich prächtig über eine Kundin, die dort ständig „Bapu“ rief. Ist lustig 😉

In >Nummer 22 vom 05.05.2020 schrieb ich über erste zaghafte Schulöffnungen nach Lockdown 1 und wie sich das neue Gesichtstextil noch in die Familienroutinen integrieren muss.

In >Nummer 23 vom 07.05.2020 spürte ich eine erste Sättigung an Regeln und Vorschriften. Gleichzeitig fragte ich mich, wie es denn den Hamsterern so ergangen ist. Haben die 30 kg Ravioli gemundet? Ist die Rötung am Hinterteil wieder verschwunden?

Pandemie-Topping
Wem das aktuelle Pandemiegeschehen zu fad ist, wer noch etwas Sahne auf den trockenen Corona-Kuchen haben will, kann sich mal den Film „Contagion“ reinziehen. Den habe ich bei seinem Erscheinen vor zehn Jahren irgendwie verpasst, vielleicht fand ich den Inhalt damals auch irgendwie „unrealistisch“ und „an den Haaren herbeigezogen“. Es geht um eine Virus-Pandemie, die Suche nach einem Impfstoff, auftretende Mutationen, Verschwörungstheorien, Social Media, Angst und Panik. Damals hätte ich vermutlich gelassen in die Popcorn-Tüte gegriffen und den dort angesprochen R0-Wert sofort wieder vergessen.

Heute sind wir schlauer und erkennen, dass dieser Film doch sehr realistisch war.

Schönen Sonntag
T.

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–> Corona-Lektionen 82

187) Happy Blogday

Liebe Leser,

Neulich habe ich mit positivem Erschrecken festgestellt, dass ich alsbald die 400 Beiträge erreiche. Und dies ist hier nun mein 400. Beitrag. Törööh. „Happy Blogday to me, Happy Blogday to me!“ Zunächst fand ich meine Wortfindung „Happy Blogday“ sehr einzigartig und witzig, aber danach sah ich bei der Datenkrake, dass es bereits gute 9.000 Treffer dazu gibt. Na gut, soviel dazu.

Anlässlich dessen, sollte hier heute etwas ganz Besonderes geschehen, dachte ich:

Vielleicht etwas Spektakuläres, eine Enthüllungsstory, ein Thriller, ein Roman … 1.000 Seiten … ein echter Knaller. Aber mein Job lässt das aktuell nicht zu und mein neuer Personal Blog Assistant T.Bot ist da auch keine Hilfe, der denkt nur an seine Karriere. Auf den kann ich nicht bauen.

Also möglicherweise eine Best of-Collection? Ein Rückblick? Der beste Mix der … die Hitparade der coolsten … ein Kessel Buntes … ein Festival der Hiebe … der bestbesuchte Beitrag … der Beitrag mit den wenigsten Klicks? Mal wieder was mit Corona? Aber nein, dieses kleine Drecks-Virus hat das Programm hier in 2020 eh schon dominiert.

Oder mal wieder etwas Fiktives. Eine neue Episode, in der Noah die neue Arbeitswelt erlebt oder durch virtuelle Welten reist. Vielleicht sollten Noah und Yumi endlich mal heiraten? Ich merke aber, dass die Geschichten rund um Noah so manche Leser verstören. Das sollen sie auch! Ich mache da weiter.

Ich könnte auch mal wieder so richtig draufhauen auf die vielen Egoisten, Ignoranten und Bürokraten dieser Stadt, aber mir fehlt derzeit die Luf … Lust dazu. Vielleicht wieder etwas Neues aus unserer Verrückten Welt? Aber das kommt von ganz allein. Seid sicher. Die nächsten Entwürfe liegen schon bereit.

Nee, ich mach‘ heute nix Großes. Ich genieße den Moment und denke kurz zurück an den Algarve-Urlaub in 2018, wo dieser Blog ans Netz ging … wo wir noch unbeschwert reisen konnten und coole Postkarten nach Hause schickten. Dann klopfe ich mir selber auf die Schulter, weil ich alles selbst geschrieben habe, ohne Product-Placement und Unterlassungsklage ausgekommen bin.

Und noch was. Ich habe viele nette Menschen kennengelernt und danke euch allen für die regelmäßigen Besuche und Kommentare hier. Ähhhm, Ihr seid doch Menschen, … ? Oder seid Ihr vielleicht auch nur Bots, die alles wahllos liken, was ihnen vor die Taste kommt? Ich hoffe doch nicht.

Auf die nächsten 100. Beiträge

Prost!

T.

45) Postkarte aus Indien

Karfreitag. Schon 07:00 Uhr wach. Corona. Na großartig.
Was kann man anstellen an diesem pandemischen Feiertag?

Fenster putzen? Steuererklärung vorbereiten? Ablage machen? Schlitten und Eiskratzer verstauen? Smartphone upgraden? Bilder sortieren …

…und ein bisschen zurückdenken … oh ja!!!

Ein Jahr zurück? Nee, bloß nicht!
Zwei Jahre zurück? Schon viel besser.

Anfang April 2019 bildeten sich in der Wohnung diverse Stapel, die sich immer dann bilden, wenn es auf Reisen geht. Klamotten, Dokumente, Reiseführer, Technik, Sonnenschutz und so weiter. Denn es sollte nach Indien gehen. Mit Kind und Kegel.

Ich habe für euch ein paar Bilder aus Delhi, Agra und Goa ausgesucht, die mal aus anderer Perspektive aufs Land schauen.

 

Gandhi ist überall …

 

Verkehr gibt es reichlich …

 

An Kultur und Geschichte mangelt es auch nicht …

 

Und so lässt es sich aushalten 😉

Die anderen Postkarten dieser Reise:

182) Corona-Lektionen 77

Vor einem Jahr habe ich in >> Corona-Lektionen 10 noch drüber sinniert, was wohl “Positives“ aus der Krise erwachsen könnte. Nun, ein Jahr später haben wir über die Mutationen quasi eine neue Pandemie und hocken zu Ostern wieder daheim. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Realitäten
Eine Kollegin aus England fragte mich gestern, wie es denn bei uns so vorwärts ginge mit dem Impfen. Ich begann zu stammeln. „Ahhmmm … well … actually … slowly … very slowly … because other countries bought more than …, …. we are at … 5% (… weil „ihr“ alles aufkauft und nichts rausrückt ihr Linksfahrer !!!!!) … hätte ich am liebsten hinzugefügt. Habe ich dann aber doch nicht. Kann die ja auch nichts für. Und ich, als EU-Bürger bin ja schließlich nicht so egoistisch.

Mich erreichte eine Nachricht aus einem Slum-Resettlement im Süd-Osten von New Delhi. Wenn man da über die „Straße“ geht, steht man im Dreck. Ich war schon zweimal dort, ich weiß wovon ich rede. Zitat: „All schools and colleges are still closed here and its effected on the children education but children are online studying at home. I am also studying at home. What is your situation there?“ Was soll ich da antworten? Dass der Mathe-Lehrer ganze zwei Video-Calls in einem Jahr hingekriegt hat? Das für Studienräte in Deutschland „Lernmittelfreiheit“ besteht, man ihnen also die Medien nicht vorschreiben darf? Dass man „schon“ vor zwei Wochen ein Rahmen-Papier verabschiedet hat, wie das Home-Schooling künftig besser laufen soll. Ich lach’ mich schlapp. 

Die Osterferien haben gestern begonnen, viele Familien sind über alle Berge und vergnügen sich dort bei den sieben Zwergen. Oder bei den sieben Mallorcinos. Schön für sie. Und in Berlin munkelt man, ob die Ferien nach Ferien-Ende vielleicht noch einmal verlängert werden, um die Welle zu brechen. Um im heimischen Covid-Abklingbecken noch etwas auszudunsten, bevor die Brut dann wieder in die Schule geschickt wird. Welch klasse Idee! Nach zwei Wochen Fun auf Malle, gibt‘s dann vielleicht noch mal zwei chillige Wochen oben drauf. Na Großartig!

Wer hat noch nicht? Wer mag noch eine Runde? 

„Die Hände zum Himmel … komm lass uns fröhlich sein …“. 

Nun weiß ich nicht mehr, wie ich hier nun noch die Kurve zu einem optimistischen Abschluss kriegen soll. Ich fürchte, dass wird heute nichts mehr. Tut mir leid, vielleicht nächstes Mal wieder.

Nachtrag 19:00: sorry, der Beitrag war irrtümlicherweise als Nummer 78 veröffentlich, es ist aber „erst“ die 77

Nachtrag 21:45: mit der Pressekonferenz soeben, ist das Impfen mit AstraZeneca unter 60 Jahren ausgesetzt. Grmpf.

<— Corona-Lektionen 76

—> Corona-Lektionen 78

178) Corona-Lektionen 73

An dem Sonntag genau vor einem Jahr, hatten wir noch keinen blassen Schimmer, was es bedeuten würde, wenn beide Eltern im Homeoffice arbeiten und die Kids im Homeschooling lernen sollten. Einen Tag später, am 16.03.20 bekamen wir dann schon den Aperitif gereicht und ahnten bereits, dass es kein Zuckerschlecken werden würde. Nun, unzählige WLAN-Resets, Instant-Suppen und Spiegeleier später, darf auch das zweite Kind morgen mal in die Schule gehen und Präsenzluft schnuppern. Aber nur durch eine Maske natürlich.

Apropos Maske
Ein Kind sagt zum Frühstück, es könne sich gar nicht mehr vorstellen wie es so wäre, ohne Maske zum Supermarkt zu gehen oder Bahn zu fahren. Tolles Thema zum Spekulieren. 

  • Wie würde es sein, wenn irgendwann ein Kollege mit ausgestreckter Hand vor mir steht?
  • Wenn ich mal wieder reisen würde und zwei Reihen hinter mir im Flieger jemand herzhaft niest?
  • Ich mit Maske eine Bank betreten würde und mich sofort ein Sicherheitsmann zu Boden streckt?
  • Oder wir mal wieder eine Party schmeißen und zig Leute bei uns in der Küche stehen? Werde ich da völlig hilflos sein? Verklemmt? Blockiert? Asozial?

Ich glaube, wir müssen erst einmal alle wieder zur Abendschule gehen und den Kurs „Soziales Miteinander – Part 1“ besuchen. Und nur wenn man das Zertifikat der VHS in den Händen hat, darf man wieder unter Menschen gehen. Vorausgesetzt geimpft. 

Erschöpfung
Irgendwie fällt mir auf, dass ich bereits Mitte der Woche schon platt bin. Kollegen berichten auch von diesem Phänomen. Werden wir einfach nur älter? Ist es die Arbeitsmenge, die Geschwindigkeit? Oder das immer gleiche Corona-Hamsterrad was so an uns zehrt? Ich glaube wir sind einfach alle nur „an oder mit Corona“ …. erschöpft.

Wortwahl
Es gibt Worte und Redewendungen, die wurden in der Pandemie erfunden, andere gab es schon eher, wurden aber in den letzten Monaten häufiger ausgesprochen. In Corona Lektion 71 ging es um das Wort „eigentlich“. Ein anderes solches Wort ist aber auch „eh“. Zum Beispiel so wie in …

  • „Wir sind eh zu Hause“
  • „Ich bin eh noch nicht dran“
  • „Wegfahren werden wir vermutlich eh nicht“.

Oh, ich merke, der Beitrag driftet ins Moll ab, sorry.

Wo habe ich nur wieder mein Dur hingelegt? Ich gehe mal beim Nachbarn klingeln, ob der vielleicht noch etwas Dur im Schrank hat.

Eine schöne Woche!

<— Corona-Lektionen 72

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160) Corona-Lektionen 60

Das Jahr geht vorüber, es war ein spezielles Jahr, dass wir so nicht mehr vergessen werden. Die Jahresrückblicke sind alle schon gelaufen. Zur Vorspeise wurden Hauptstadtflughafen, Stadtschloss und Tesla-Werk gereicht. Danach kam der sehr kräftige Hauptgang komponiert aus frittierten Corona-Viren auf US-Wahl-Gemüse, angereicht an etwas Brexit-Mus. Als faule Nachspeise gab’s noch querdenkendes Fallobst mit aufgewärmter brauner Sauce. Würg. 

Zwischen den Gängen war aber noch viel mehr zu besprechen. Hotels, Restaurants, Bars, Kneipen, Clubs, Theater, Bühnen und Musikhäuser sind dicht. Der Barber-Shop verkauft nun 400 EUR-Gutscheine für nur 200 EUR und versucht seinen Umsatz vorzuziehen. Das Traditionskino lockt mit 139 EUR für‘s komplette erste Halbjahr 2021. Oder es ist schon gar nicht mehr da. Wer weiß. Das Eis-Café ein paar Meter weiter lädt auch zum Räumungsverkauf.

Das Jahr wird überall verflucht, viele wollen es so schnell wie möglich vergessen, in der Annahme, dass das Jahr 2021 schlagartig besser wird. 

Und nun ist auch noch der Böller dran. Die letzte Bastion maskulinem Kriegsspielzeugs ist nachhaltig getroffen. Selbst das friedliche Bleigießen gibt es nicht zu kaufen, nicht einmal die weniger giftige Variante aus Wachs. Auch Wunderkerzen gibt es nicht. Schluss mit lustig. 

Morgen um Mitternacht gehen wir also auf den Balkon und schreien aus unseren Kehlen:

  • „PENG, Verschwindet ihr Corona-Geister!“ 
  • „PAFF, Willkommen 2021, prost Neujahr!“

Wir brüllen gegen diesen Scheiß-Virus an, der mittlerweile 1.000 Tote pro Tag fordert.

Jetzt will ich euch hier aber gar nicht so runterziehen. Jeder hat bestimmt auch ein paar positive Effekte aus der Zeit mitgenommen, oder?

  • Also zum Beispiel, bin ich noch nie so wenig Auto gefahren. Beim geplanten Öl-Wechsel, hat mich der Kfz-Meister wieder nach Hause geschickt. Ich soll erst wieder kommen, wenn die Lampe leuchtet. Ich war seit Mitte März auf keiner Dienstreise mehr, ich habe meinen CO2 Footprint der letzten Jahre etwas abgebaut und bin laut Schrittzähler 1.000 Schritte täglich mehr gelaufen als in 2019.
  • Der 7-Tage-Homeoffice-Bart hat sich endlich etabliert und man hat zum Chef eine ganz andere Haltung, wenn er das Zielerreichungsgespräch im Lila Strickpulli und Halskettchen führt. Zum Glück fand der Blurry-Mode zügig in die Video-Konferenzen, damit musst man nicht mehr auf die verkramten Regale der Kollegen blicken. Die beste Erfindung seit der Küchenrolle!
  • Ich habe noch nie so viel gelesen wie in den letzten Monaten, noch nie so viele Podcasts und Hörbücher gehört, als während meiner Freigänge durch den Stadtpark. Die Sohlen der Wanderschuhe sind abgelatscht, dabei war ich nicht einmal in den Bergen. Und ich habe mehr geschrieben als sonst, knapp 150 Blog-Beiträge sind so entstanden.
  • Und wir haben viel über unsere Grundrechte diskutiert. Jeder wird hoffentlich für sich erkannt haben, welche ihm/ihr wichtig sind. Bewegungs-und Reisefreiheit und eine vielfältige Medienlandschaft stehen bei mir ganz oben auf der Liste.

So, liebe Leser. Nun drücken wir mal die Daumen, dass auch die letzten Mitmenschen verstehen, dass der Begriff Lockdown vom Englischen „to lock“ kommt und noch nichts mit „Lockerung“ oder „Verlockung“ zu tun hat und schon gar nicht mit „Sunblocker“ 🙂

Guten Rutsch morgen in ein gesundes neues Jahr 2021!

… ganz speziell an die gute S. aus HD am N. die keine Neujahrswünsche empfangen will 😉

<— Corona-Lektionen 59

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157) Corona-Lektionen 58 (Merry Christmas)

Als ich im März Teil 1 dieser Reihe ins Netz gestellt habe, war mir nicht klar, dass jemals über 50 weitere folgen. Noch weniger war mir klar, dass uns das zu Weihnachten immer noch so sehr beschäftigen würde.

Wenn ich nun zurück blättere, finde ich aber bereits weihnachtliche Hinweise das ganze Corona-Jahr über.

In Corona-Lektion 13 (April) bezog ich mich auf Weihnachten 2019, diskutierte mit mir die Begriffe System-Relevanz und Normalität. Und ich baute meine erste Verschwörungstheorie auf.

In Corona-Lektion 26 (Mai) philosophierte ich über den Begriff „Lockerungsgaben“, überlegte ob und wie der Weihnachtsmann eine Maske tragen muss und ich habe öffentlich versprochen, eine Riesen-Party zu schmeißen, wenn der Spuk mal vorbei ist.

In Corona-Lektion 43 (September) warf ich einen Blick in die Glaskugel und versuchte mir Weihnachten 2020 vorzustellen. Und da lag ich gar nicht so falsch.

In Corona-Lektion 54 (November) schloß ich die Mutmaßungen zur Maskenpflicht für Weihnachtsmänner_Innen endgültig ab und stellte erste Überlegungen zum Jahr 21 an.

In Corona-Lektion 56 (November) beendete ich für mich die Adventszeit noch bevor sie eigentlich begonnen hatte.

Und wie isses‘ nun?

Ich habe mich noch immer nicht an die Pandemie gewöhnt, manchmal vergesse ich sie sogar zeitweise und dann fällt sie mir wieder ein. So wie eine bevorstehende Weisheitszahn-Extraktion.

Die Politik (besonders die im Süden des Landes) hat mit ihrem erhobenen Finger und dem permanenten „Seid schön artig und folgsam, sonst fällt Weihnachten aus“- Geblubber seit November soviel unnötigen Druck auf diesen einen „Tag“ gepackt, die Leute damit irre gemacht und zusätzlich in die Shopping-Center und Flaniermeilen getrieben.

Am 06.12.2020 gab es zwar Klo-Papier ohne Ende, aber der Glühwein war ausverkauft. Nur Kinder-Punsch war noch zu haben. Nach einem Flirt mit der system-relevanten Verkäuferin brachte sie noch 5 Flaschen aus dem Lager zu Tage. Ganz solidarisch nahm ich aber nur eine Pulle mit. Ich musste feststellen, dass Glühwein in der Wohnung nicht schmeckt. Daraufhin habe ich mich dann mit der Tasse auf den Balkon gestellt. Da ging es dann. 

Es gibt Aussicht auf Impfungen und ich kann hervorragend spekulieren, wann es das erste Zeug bei E-Bay gibt und ob ich Weihnachten 2021 vielleicht auch endlich so eine Packung unterm Baum liegen habe.

Ein Corona-Fall in der Schulklasse und das schlechte „Krisen-Management“ der Schule in den letzten Tagen beschert uns nun ein Weihnachten in kleinster Runde. Na wunderbar.

Ich wünsche allen Lesern ein schönes Fest. Rückt euch nicht zu sehr auf die Pelle, singt nicht so viel, zieht euch warm an und stoßt euch nicht beim Lüften.

<— Corona-Lektionen 57

—> Corona-Lektionen 59

1) Tschüss Tegel, Willkommen BER (Gastbeitrag Hermann)

Kürzlich schlug T. mir vor, doch einmal einen Gastbeitrag zu schreiben. Ich fühlte mich geehrt, hatte bis zum 29.10.20 aber keine Idee. Im Wachwerden hörte ich das markante Heulen gedrosselter Flugzeugtriebwerke beim Landeanflug.
Na klar: Tschüss Tegel, willkommen BER! Ich will hier nicht das Berlin / BER-Bashing aufkochen, sondern die Leser an meinen persönlichen TXL/BER-Erlebnissen teilhaben lassen.

Ganz weit zurück:
1961 zog ich als Neunjähriger aus dem schönen Sachsenland nach Berlin. Vier Monate später stand die Mauer und wir wohnten im Osten. Meine Schule lag am S-Bahnhof Pankow praktisch in der Einflugschneise für Tegel. Den Flughafen gab es damals schon; er lag im französischen Sektor. Der Flugverkehr war natürlich viel geringer als heute und wenn die Caravelle kam (ein eleganter Düsenflieger der Air France) wurde die Schulstunde für 2-3 Minuten unterbrochen. Das Ding war laut, verschwand hinter dem Häusermeer und muss wohl immer in Westberlin gelandet sein.

Nach der Wiedervereinigung nutzten wir gelegentlich den Flughafen Tegel, nun in der modernen, 1974 fertiggestellten Form. Verglichen mit anderen Airports war er charmant, kompakt, kurze Wege durch die Ringform, toll, aber eben schwer erweiterbar. In den 90ern ging es Berlin wirtschaftlich nicht gut, und einflussreiche Kräfte waren eigentlich nicht am Ausbau Berlins zum Luftdrehkreuz interessiert. Also wurden Ergänzungsbauten (Terminals) rangebastelt, um das rasant steigende Volumen zu schaffen. Die Verkehrsanbindung nur durch Busse und Taxi war eh schon speziell. Aber schaut auf wikipedia, welche Pläne es zum Ausbau gegeben hat (mehrere Ringe, U-Bahn- Anbindung, toll!).

Dennoch: Die Innenstadtlage ist für die Bequemen toll, beim genaueren Nachdenken aber hoch riskant und nur durch die frühere Insellage „Westberlin“ zu rechtfertigen.

Nun wird TXL in wenigen Tagen als Flughafen stillgelegt. Als wir Ende 2012 an den Berliner Ostrand zogen, sollte BER eigentlich schon laufen, dazu später. Stillgelegt ist das Stichwort: Bisher wohnen wir in der letzten großen Anflugkurve praktisch am Beginn des Endanfluges nach Tegel; alle 2-3 Minuten ein Flieger war bis Corona normal, es war der Sound der nahen Großstadt, nicht so massiv als Fluglärm wie in Pankow oder Reinickendorf, aber doch deutlich.  Mit dem ersten Corona- lockdown verschwanden die Flugzeuge praktisch total;
ein pandemisches Vorspiel auf die BER-Eröffnung.

Nun, seit klar ist, dass BER eröffnet und bei wieder leicht steigenden Flugzahlen, schaut man öfter nach oben „na, alles klar dort, Maschine klingt normal, komm gut bis Tegel und dort runter… Du bist der xy – Vorletzte“.

Heute ist die Eröffnung des BER „Willy Brandt“.

Alle wissen, es sollte schon 2011/12 sein. …… und kurz vorher war ich schon dort!!  
Im Februar 2012 und noch einmal Ende Mai war ich Tester. Als Beleg habe ich noch die abgebildete Eintrittskarte für die Besucherterrasse. Mal sehen, ob ich sie noch einlösen kann. Den gesamten Umzug sollte eine Münchner Spezialfirma organisieren, sie gaben uns eine gute Einweisung zu den Tests und einen groben Überblick zum Umzug incl. Sperrung der Stadtautobahn und in einer Proviant-Tüte auch diese besondere Eintrittskarte und einige Marketing-Gimmicks.

Erster Eindruck: die wissen, was zu tun ist; dann beim Test (Check-in, Koffer auf´s Band, Security usw.: O ha, noch viel Arbeit (aber ich kannte internationale Messen, da sieht es kurz vor Eröffnung auch grausam aus).

Im Mai 2012 fand die Testeinweisung auf dem Rollfeld statt, wir durften Brötchen essen, aber nicht rauchen, denn die Tanks unter dem Beton waren schon mit Kerosin gefüllt!

Beim Test war sichtbar: immer noch viel Arbeit und die großen Brocken… Brandschutz, Entrauchung etc. haben wir Laien ja gar nicht gesehen. Dann bei der Rückfahrt an der Würstchenbude am S-Bahnhof Schönefeld tuschelte Flugpersonal am Nachbartisch und abends war klar: Herr Wowereit hat den Daumen gesenkt und die Eröffnung Ende Juli 2012 abgesagt.

2020: Für den diesjährigen Test hatte ich mich wieder angemeldet, Corona hat´s ausgebremst, andere haben getestet.

Jetzt ist alles bereit, in wenigen Minuten landen die ersten beiden Flieger, etwas Nacharbeit wird es sicher noch geben. Corona sorgt mit geringeren Flugbewegungen für einen sanften Anlauf. Der überhitzte Flughype der letzten Jahre (Taxi zum Flugplatz kostet so viel wie der Flug nach London) ist abgebrochen und Änderungen in der Umweltpolitik werden wohl auch das Flugwesen zurecht rücken, sodass das Geschrei „… der ist ja bei Eröffnung schon vieeel zu klein“ einer nüchternen Betrachtung gewichen ist.

Ich wünsche dem BER ein gutes Werden, nette Passagiere und vor allem all den Leuten, die dort arbeiten, eine gute berufliche Grundlage und den Tegel-Umziehenden, dass die Abschiedstränen bald trocknen mögen.

„Glück ab, gut Land“ und „many happy landings“

Hermann, Berlin, 31.10.2020

Nachtrag 06-11-2020: Petraida1 hat ihre Erinnerungen zu einem Flug nach Tegel zusammengeschrieben. Lesen! —> Berliner Flughafen

116) Stell dir vor, du wirst 100 – Teil 2

<— Teil 1

Stell dir vor, du wirst im Juni 1970 fünfzig Jahre alt
In Vietnam herrscht immer noch Krieg, ein Mann betrat den Mond, Studenten-Proteste im Westen, im Osten führte man die Mark der DDR ein. Deine Kinder sind nun erwachsen und gehen ihre eigenen Wege.

Stell dir vor, du wirst im Juni 1975 fünfundfünfzig Jahre alt.
Die RAF sorgt für Terror, bei Olympia in München nehmen Palästinenser israelische Sportler als Geiseln, die Bundesrepublik wurde wieder Fußballweltmeister. Deine ersten Enkel wurden geboren und machen ihre eigenen Schritte.

Stell dir vor, du wirst im Juni 1980 sechzig Jahre alt
Die RAF wütete weiter, Prominente wie Biermann und Krug verließen die DDR, Elvis für immer die Bühne. Weitere Enkel erblickten das Licht der Welt, du bist mittlerweile mehrfache Großmutter und hast immer Gummibärchen in der Tasche.

Stell dir vor, du wirst im Juni 1985 fünfundsechzig Jahre alt
Widerstand gegen Atomkraft treibt Menschen auf die Straße, im Westen entstand eine grüne Partei, DDR-Bürger flüchten über Deutsche Botschaften. Deine Enkel kamen in die Schule und entwickeln nun ihre eigenen Köpfe.

Stell dir vor, du wirst im Juni 1990 siebzig Jahre alt
Wer hätte das geglaubt. Die Mauer ist offen. Menschen fielen sich in die Arme. Der Ostblock liegt wirtschaftlich am Boden. In wenigen Tagen wird es eine neue Währung geben, Deutschland hat gute Chancen auf einen erneuten Fußball-Weltmeister-Titel und in ein paar Wochen folgt dann die Wiedervereinigung.

Stell dir vor, du wirst im Juni 1995 fünfundsiebzig Jahre alt
Die Sowjetunion fiel in sich zusammen, die EG wurde zur EU, auf dem Balkan herrscht schon wieder Krieg und man sprach wieder von ethnischen Säuberungen. Deine Enkel entdeckten den Computer, dein Mann die Malerei und Schreiberei.

Stell dir vor, du wirst im Juni 2000 achtzig Jahre alt
Es war gelungen, ein Schaaf zu klonen, Computer hielten überall Einzug und man befürchtete den Super-Gau, wenn das Datum zur Jahrtausendwende wieder auf 01.01.00 springt. Ein Ur-Enkel wurde geboren. Dein Mann war zunehmend verwirrt, wandelte nachts durch die Wohnung. Er lebt nun im Heim, keiner weiß wie lange noch.

Stell dir vor, du wirst im Juni 2005 fünfundachtzig Jahre alt
Wieder musstest du dein Geld umtauschen. Der Euro löste die D-Mark ab, eine Flutwelle tötet Tausende an den Küsten Südost-Asiens. Dein Mann war kurz nach deinem 80. Geburtstag verstorben, du bleibst allein in der Wohnung, so lang es eben noch geht.

Stell dir vor, du wirst im Juni 2010 neunzig Jahre alt
Ein Deutscher wurde Papst, ein Afro-Amerikaner US-Präsident, Deutschland erlebte ein Fußball-Sommermärchen. Weitere Ur-Enkel wurden geboren, die Familie wächst und du musst mit dem Gedanken umgehen, in ein Seniorenheim umzuziehen. Es geht nicht mehr allein.

Stell dir vor, du wirst im Juni 2015 fünfundneunzig Jahre alt 
Viele Naturkatastrophen gab es in den letzten Jahren, Deutschland schaltete Atomkraftwerke ab und wurde wieder Fußball-Weltmeister. Deine Tochter, mittlerweile selber in Rente und Großmutter, hat den Kampf gegen den Krebs verloren. Keine Mutter sollte ihre Tochter überleben.

Stell dir vor, du wirst im Juni 2020 einhundert Jahre alt
Die Erde zählt knapp 8 Milliarden Bewohner. Menschen flüchten übers Mittelmeer nach Europa, das Klima spielt zunehmend verrückt, Brände, Dürren, Hochwasser. Kriege und Konflikte in Nahost. Alles scheint zu beben. Du sitzt im Rollstuhl, dein Gehör hat stark nachgelassen und die Gelenke an den Fingern machen auch nicht mehr so richtig mit. „Ach weißt du, mit mir ist nichts mehr los“, sagst du immer. Dann schlägst du deine Zeitung auf, schaltest den Fernseher laut an und machst dir ein Bild von dieser Welt. Kopf und Augen ganz wach. Einhundert Jahre später.

Und als hätte all das für ein Leben nicht schon gereicht, nun auch noch das
Ein Virus springt in China auf den Menschen über und hat sich wenig später bis in Deutsche Altersheime vorgearbeitet. Die Einwohner werden abgeschottet, keine Besuche erlaubt. Wochenlang.

Die ganze Familie will dich zum hundertsten Geburtstag besuchen. Darauf freust du dich schon seit Wochen. Das motiviert dich, gibt dir Kraft. Sie werden dann im Vorgarten stehen, dir winken, dir zuprosten. Du wirst drinnen im Speisesaal sitzen, zwischen euch die geschlossene Fensterfront.

Stell dir vor, du wirst 100.