41) Leergutautomaten

Es gibt da solch Ungetüme, die mich einmal pro Woche an den Rand des Wahnsinns treiben. Diese Apparate stinken zum Himmel, gelten gemeinhin als Keimschleuder und sind zudem noch widerspenstig, bockig und dämlich. Dort wo wir unseren wöchentlichen Einkauf erledigen, stehen gleich vier dieser zeitfressenden Monster nebeneinander. Leider sieht man ihnen ihre Tages-Laune nicht von außen an, man hat also kaum Chance, sich für oder gegen einen der Pfand-Automaten entscheiden. Zunächst fordert ein Display dazu auf, die Flaschen mit dem Boden zuerst in den grün leuchtenden Schlund einzuwerfen. Damit kann ich ja noch leben, selbst wenn einem dabei häufig irgendwelche Flüssigkeits-Reste in den Ärmel laufen. Die ersten zwei, drei Flaschen schluckt der Automat bereitwillig. Es scheint so, als hätten die Techniker bei der letzten Wartung das Zickigkeits-Level etwas herunter gedreht. Aber der Schein trügt und der Automat fällt wieder in sein gewohntes Verhaltensmuster. Er unterbricht den Vorgang, sein Schlund leuchtet rot auf und auf dem Display erscheinen wahlweise folgende Meldungen:

Gebinde nicht vollständig entleert!
Erstens habe ich die Pulle ja soeben erst in meinen Jacken-Ärmel entleert und zweitens, was ist das überhaupt für ein antiquierter Begriff? „Gebinde“. Meine Kids wissen gar nicht, was das heißen soll. Geschweige all die fremdsprachigen Benutzer, die dem Automaten ihre Falschen in den Hals werfen.

Flasche gehört nicht zum Sortiment!
Und ob, du dumme Maschine! Die habe ich ja erstes letzten Samstag hier im Markt gekauft. Ich kaufe ja schon kaum Flaschen bei anderen Märkten, um genau diesen Ärger mit euch zu vermeiden. Ich probiere es wieder und wieder, aber das Förderband schiebt die Flasche stur zurück. Mir reichts! Ich werfe die Flasche wie einen Dart-Pfeil an dem Scanner vorbei. Dafür gibt es zwar kein Geld zurück, aber ich habe nun auch nicht ewig Zeit.

Bitte kontaktieren Sie einen unserer Mitarbeiter!
Das ist die Höchststrafe und eigentlich schon ein Widerspruch an sich. Wenn es hier noch irgendwo Mitarbeiter geben würde, dann müsste ich mich ja nicht jeden Samstag mit euren nervenden Flaschenpfand-Maschinen herumärgern und meine Zeit mit ihnen verplempern.

 

Was waren das für Zeiten, als unsere Flaschen noch von Menschen entgegen genommen wurden.  Und wie geschickt und schnell die dabei waren…

Frühere Beiträge zu nervigen Automaten und Self-Service:

15) Labile Roboter

In der Robotik beschäftigt man sich mittlerweile auch damit, den Maschinen menschliche Züge zu verpassen. Dabei geht es um das reine Aussehen, aber auch um Bewegungsabläufe und die Mimik der künstlichen Wesen. Und dann gibt es da noch die emotionale Komponente, also Empathie, Ethik und auch verschiedene Stimmungslagen, die Roboter irgendwann beherrschen sollen. Wenn ich mir unseren Saug-Roboter so anschaue, sieht der zwar immer noch aus wie R2-D2 in platt, aber Stimmungsschwankungen hat der heute schon, wie ein Mädel in der Pubertät. Sorry, dafür.  An guten Tagen rollt er zielstrebig durch die Wohnung und bearbeitet jede Fläche mit Leidenschaft. Man könnte meinen, eine Eiskunstläuferin dreht elegant ihre Runden im Wohnzimmer, so schön und akkurat ist das anzusehen. Das Ergebnis bestätigt die Investition. In der Familie heisst er dann liebevoll „Robi“. An manchen Tagen allerdings, scheint er in ein Stimmungs-und Leistungstief zu fallen. Kurz nach dem Abdocken von der Basis-Station, reißt er dann die Kabel der Station mit sich und wickelt sich damit ein. Danach fährt er völlig planlos größer werdende Kreise, bis er endlich eine Wand berührt, die ihm wieder etwas Orientierung verschafft. An solchen düsteren Tagen, steuert er auch gern die Fläche unter dem Küchentisch an, bis er zwischen all den Stuhlbeinen fasst die Kraft verliert. Bloß gut, dass wir keine Treppen in der Wohnung haben, sonst müsste ich mir Sorgen machen, dass er sich da hinunter stürzt. Ich würde ihn dann am liebsten unter die Höhen-Sonne legen, damit er sich wieder fängt und aus seiner Robo-Depression heraus kommt. Wenn er mir dann noch ständig hinterher kommt und zwischen die Füße fährt ist Schluss mit “Robi“. Dann werde ich laut: „Du Scheiß-Roboter, siehst du denn nicht, dass ich hier stehe. Fahr’ doch woanders lang, Platz ist doch genug“! Wenn er dann schon nach 45 Minuten zurück zur Station fährt und mit einer Fanfare vermeldet, dass er „fertig“ ist, schicke ich ihn zur Strafe gleich wieder los. Reiss dich zusammen mein Freundchen! Wenn wir hier alle so arbeiten würden, dann könnten wir gleich dicht machen! Vielleicht sollte ich hier im Kiez mal nach einem Coaching-Laden für Roboter Ausschau halten?

Frühere Beiträge zum Thema Technik:

15) Automaten

Eine neue Form von Beeinflussung und Bevormundung ist, wenn Personal immer mehr durch Automaten eingetauscht wird. Keine Sorge, das wird jetzt keine gewerkschaftlich klingende Argumentation gegen Automaten. Ganz im Gegenteil, ich habe nichts gegen den Self-Service an sich. Ich mag Self-Service. Und zwar dann, wenn es mir einen zeitlichen Vorteil oder Freiheit verschafft. Ist das jetzt auch schon egoistisch? Zum Beispiel stört es mich überhaupt nicht, selber zu tanken. Auch im Supermarkt suche ich mir meine Dinge selbst zusammen. Ich möchte auch gar nicht an einem Tresen meine lange Einkaufsliste vorlesen müssen. Auch die Shopping Portale sind letztendlich Self-Service-Automaten. Sie funktionieren zu jeder Tageszeit und machen mich unabhängig von Öffnungszeiten. In letzter Zeit halten aber Automaten Einzug, die anscheinend nur den Unternehmen einen Vorteil verschaffen und mir aber nur Nachteile. Nehmen wir die Flaschen-Automaten. Früher haben Studenten oder Schüler die Flaschen in meinem Korb gezählt. Es war eine sehr ehrliche Arbeit und sie haben damit Geld verdient. Der Vorgang ging ziemlich schnell und am Ende hielt man einen Bon in der Hand, den man dann an der Kasse versilbern konnte. Diese netten Menschen wurden abgeschafft. Ausgetauscht. Weg-automatisiert. Heute stehen dort stattdessen rote Automaten mit einem Loch in Augenhöhe. Sie gelten allgemein hin als ein Bakterien-Herd, sind elend langsam und mega-pingelig. Kaum ist die Flasche mal geknautscht, ein Stück des Etiketts fehlt oder man schiebt sie mit dem Hals zuerst in den Schlund, nervt die Kiste und belehrt die richtige Handhabe. Häufig wird man die Flasche nicht los. Ätzend. Und warum? Die Firma optimiert ihre Personalkosten und Fehlerfälle, ich mache letztendlich deren Arbeit und wirklich preiswerter sind dadurch die Produkte nicht geworden. Die Kinder finden es großartig, den Flaschenautomaten zu füllen, auch wenn ich davon kein Freund bin. Jeder Haut-Kontakt zu dieser roten Kiste verspricht eine fette Erkältung oder Durchfall. Zudem sind Automaten super schlecht gebaut. Dadurch, dass man die Flaschen mit dem Boden zuerst in das Loch stecken soll, läuft einem manchmal der restliche Inhalt der Pulle in den Hemdärmel. Ekelhaft. Ein weiterer Vertreter dieser Gattung sind Self-Service-Kassen. Gerne anzutreffen bei IKEA oder Decathlon. Hier soll der Kunde sein Zeugs selber scannen. Wo früher noch vier Kassen mit Personal waren, gibt es heute nur noch vier Self-Service-Kassen, im besten Fall noch einen Studenten der hilft, wenn Scanner oder Kunde überfordert sind. Abgesehen davon, dass ich nun die Arbeit des Unternehmens mache, sind diese Stationen auch sehr dürftig ausgestattet. Da gibt es einen Scanner, dann einen Monitor, dann ein Kartenlesegerät und noch ein Schreibfeld auf dem man unterschreiben soll. Alle vier Komponenten sind von unterschiedlichen Herstellern in unterschiedlichem Design und Sprache, ein Grauen für alle die, die beruflich mit User Experience zu tun haben. Liebe Einzelhändler hört auf mit diesem Unsinn! Ich benutze gern Automaten wenn ich selbst davon etwas habe! Ich will aber nicht eure Arbeit machen! Und wenn ich das schon tun soll ,dann erwarte ich von euch einen kleinen Discount auf meinem Bon! Nun wird es aber Zeit, Egoismus und Ignoranz in und aus den Familien zu beleuchten.

Frühere Beiträge zum Thema Kaufen und Verkaufen: