45) Postkarte aus Indien

Karfreitag. Schon 07:00 Uhr wach. Corona. Na großartig.
Was kann man anstellen an diesem pandemischen Feiertag?

Fenster putzen? Steuererklärung vorbereiten? Ablage machen? Schlitten und Eiskratzer verstauen? Smartphone upgraden? Bilder sortieren …

…und ein bisschen zurückdenken … oh ja!!!

Ein Jahr zurück? Nee, bloß nicht!
Zwei Jahre zurück? Schon viel besser.

Anfang April 2019 bildeten sich in der Wohnung diverse Stapel, die sich immer dann bilden, wenn es auf Reisen geht. Klamotten, Dokumente, Reiseführer, Technik, Sonnenschutz und so weiter. Denn es sollte nach Indien gehen. Mit Kind und Kegel.

Ich habe für euch ein paar Bilder aus Delhi, Agra und Goa ausgesucht, die mal aus anderer Perspektive aufs Land schauen.

 

Gandhi ist überall …

 

Verkehr gibt es reichlich …

 

An Kultur und Geschichte mangelt es auch nicht …

 

Und so lässt es sich aushalten 😉

Die anderen Postkarten dieser Reise:

181) Corona-Lektionen 76

Nachdem ich mir gestern die Wochenbeiträge der Herren Ehring, Nuhr, Welke und Böhmermann nacheinander reingezogen habe, ist mir heute irgendwie nicht danach, die Corona-Politik zu kommentieren. Stattdessen möchte ich heute mal wieder den kleinen Dingen des Corona-Alltags widmen.

Gewohnheiten
Nur mit Vernunft und Appellen ist der Krise nicht Herr*In zu werden. Die Menschen können das nicht. Sie fallen immer wieder in alte Verhaltensmuster zurück. 

Meine Beobachtungen der Woche:

  • Dem Korb-Zuteiler im REWE juckt die Nase. Also setzt er seine Maske ab, rubbelt sich mit der rechten Hand kräftig über seinen großen Riechkolben. Dann setzt er die Maske wieder auf, greift mit der rechten in den Stapel der Körbe und teilt weiter Körbe zu.
  • Beim Döner-Mann lädt das schmale Döner-Fenster zur Döner-Bestellung ein. Der Döner-Kunde steckt also den unmaskierten Kopf durchs schmale Döner-Fenster und brüllt seine Döner-Bestellung in Richtung Döner-Spieß. ABA OHNE SWIEBEL BÜTTE!
  • Es wurde mehrfach darauf hingewiesen, das Reisen in den Ostferien zu vermeiden. Die Tiefgarage ist halbleer, Nachbarn werfen ihre Koffer in den SUV und brausen davon. Ich sollte mal das Radio einschalten, vielleicht habe ich eine Aufforderung zur Evakuierung verpasst?

Schnelltests
Der Sohn hat eine handvoll Schnelltests von der Schule bekommen. Ganz aufgeregt will er unbedingt einen Test machen und wir gönnen ihm diese „Experience“. Er packt das Test-Kit aus und folgt den Anweisungen. Auf mich wirkt das alles wie eine Mischung aus Briefwahl, Überraschungs-Ei und Fixer-Besteck. Auf der Video-Plattform rät man dazu, eine Wäscheklammer dazu zu nehmen. Oh je, jetzt erfolgt wohl der nächste Run. Auf Wäscheklammern. Nach 15 Minuten rennt er wie ein Weltmeister durch die Wohnung. Ich bin negatiiiiiiiiiv. Juhuu, ich biiiiiiin negaaaatiiiiiiiiv!

Ich: Man, jetzt sei doch nicht immer so negativ!

Corona-Bar
Bei uns um Flur steht eine Kommode. Die lädt gerade dazu ein, Schlüssel, Briefe, Fahrradhelme und Pizza-Flyer dort abzulegen. Seit dem letzten Jahr nutzen wir das Schwedische Möbel auch als Corona-Bar. Im Frühjahr 2020 lagen dort die selbstgenähten Masken, dann kam Desinfektionsmittel dazu, dann OP-Masken, dann FFP2-Masken und nun liegen da nun auch noch Schnelltests. Und eine Wäscheklammer. Wie vor einem Schaukasten, kann man wunderbar die technologischen Fortschritte der letzten 12 Monate bewundern. Es sieht aus wie in einem Corona-Museum. Oder Feldlazarett.

So, und noch was „positives“ zum Schluss. Im Familienkreis wurden die ersten Impf-Einladungen an die „um die 70-jährigen“ verschickt. Es geht also vorwärts.

Haltet durch!

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180) Corona-Lektionen 75

Die 75. Folge der Corona-Lektionen ist da! Hätte ich ja nie gedacht. Bereits bei der 30. Ausgabe formulierte ich ein gewisse Sättigung und flüchtete mich abschließend in Humor. Aber wie fange ich den Beitrag hier heute nun an? Mhm. Ich habe eine Idee. Ich schreibe einfach ganz wenige Worte, nur Fragmente eigentlich und garantiere Emotionen pur. Aber lest selbst.

Osterei
Osterfeierta … Reisen … Mallorc … Lüneburger Hei … Gründonn … Zusätzlicher Ruheta … MPK … Beschlüsse … Fehler.

Na, dampft es im Kessel? Glaube ich gern. Es hat mich gerade mal 10 Begriffe gekostet und ich habe eure volle Aufmerksamkeit. Jeder BWL-er macht einen Luftsprung bei soviel Effizie …. Effektivi … im Affekt. Es wurde schon viel geschrieben, ich will nicht weiter bashen. Vielleicht trotzdem ein wenig anerkennen, dass die Kanzlerin so kurzfristig zurückrudert. Das gibt es auch nicht alle Tage. Respekt.

Dubai
Während wir also drüber diskutieren, ob wir die Urlauber wirklich nach Malle schicken sollten, damit die sich da gegenseitig anstecken und mit Corona-Gepäck wieder heim ins Reich fliegen, wird mein Beitrag > Postkarte aus Dubai vermehrt geklickt. Es müssen wirklich Deutschsprachige Reisende sein und meine Blogstatistik lokalisiert die Leser ganz klar in VAE. Was machen die da? Sind das diese O-P-Q-bis R-Promis, die sich da die Sonne auf die verblassten Mund-Nasen-Partien scheinen lassen? Na macht mal! Ich beneide euch nicht! Viel zu viel Sand, Wolkenkratzer aus Glas, kein gescheites Bier und eine fragwürdige Auffassung zu Gleichstellung und Nachhaltigkeit. Nee. 

Und täglich grüßt …
Routinen verschaffen Struktur und Ordnung, sagt man. So laufe ich jeden Morgen meine Standardrunde und sehe …

  • abgerockte > Sachspenden, die sich in der Nacht an Hauswände gelehnt haben
  • viele > Fahrradskelette, die ihrer Sattel und Lenker beraubt wurden
  • graue Gestalten, die schon um 07:30 pünktlich vorm Netto stehen. Moin. Plopp. Prost.
  • Hobby-Sportler, die sich von einem Personal Trainer triezen lassen
  • Mutti‘s, die Ihre Prenzl-Berger Brut in riesigen Holzkisten zur Schule kutschen oder im fetten SUV dort absetzen (> Kids-Drive In, > SUV im Prenzlauer Berg)

Und abends drehe ich dann noch eine Runde und treffe immer wieder auf die selben Situationen…

  • bei Hausnummer 60, strömt der Duft indischer Küche aus der Hochparterre. Och, lecker
  • an jeder Laterne hängen Zettel, die nach Schlüsselbunden, Hunden oder Wohnungen suchen
  • auf den Wegen liegen > E-Roller, die rot-oder grün leuchtend auf Kundschaft warten
  • am jüngst eröffneten Juppi-Neubau wurden die Scheiben eingeschlagen
  • bei Hausnummer 4 wieder mal Nebelschwaden. Brennt es? Nee, ist Cannabis. Na denn.

Alles in geordneten Verhältnissen.

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3) Postkarte aus … Pick-Up (Gastbeitrag Hermann

Liebe Leser, zu dieser Stunde diskutieren unserer Volksvertreter immer noch, ob wir nun zu Ostern verreisen dürfen und zu wem und wozu eigentlich. Da wir anscheinend noch etwas länger auf die leeren Stühle in der Presse-Konferenz glotzen werden, hier noch etwas Unterhaltung für zwischendurch und ein paar heiße Tipps für vergnügliche Oster-Reisen.
Ach ist das spannend, oder 😉 ?
Grüße, T.

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Corona–Ausflug in Berlin – Gastbeitrag von Hermann

T. hat uns ja mit Postkarten aus aller Welt an seinen Reisen und mit seinem wöchentlichen Corona-Tagebuch am aktuellen Alltag teilhaben lassen. 

Corona und Reisen – eine wahrhaft explosive Mischung – habe ich gestern auf ganz kleiner Flamme erlebt und sogar ein bisschen genossen.

Für eine kleine Heimwerkerei brauchte ich etwas Material, bestellte übers Netz bei einer bekannten Baumarktkette zum Abholen. Die Lieferei ist eh schon überlastet, die lokalen Werktätigen wollen ja auch was tun und das Auto sollte auch mal bewegt werden.

Zu diesem Mikro-Ausflug kam meine Frau mit, denn sie wollte mal was Anderes sehen, als Haus und Garten am Stadtrand.

Die Abholung ging schnell, neu waren auch Kunden mit Termin und sogar ohne Termin, dann mit extra- Registrierung. Baumärkte sind ja wegen Garten….. teilgeöffnet. Es gab  keinen Andrang, aber grad leer war es auch nicht, samstags gegen Mittag.

Und nun, mit der Beute schnell wieder nach Hause? 

Nein, wir machen einen kleinen, ökologisch verwerflichen und auch sonst nutzlosen Schlenker in Richtung Stadt (als Stadtrandler „fahren wir in die Stadt“, wenn wir uns in Richtung City bewegen). 

Am Tierpark vorbei (wäre mal ein Corona-Ausflugsziel), wie früher, dann mit den Kindern, heute mit den Enkeln, braucht aber gutes Wetter und aktuell eine time-slot-reservation.

Stadtteil Karlshorst, Treskowallee habe ich die letzten Jahre als Autofahrer gemieden, ewige Baustelle, nervige Staus – siehe da: FERTIG! Straßenbahn verlegt, S-Bahn-Brücke fertig, toll.

Weiter über die „Rummelsburger“, da stehen etliche neue Townhouses – nichts für Geringverdiener, weiter zum Ostkreuz. Eine langjährige Bahnhofsbaustelle – auch FERTIG!

Damit es keine Ganztagstour wird, über die Spree zurück, Kurs heimwärts. Treptower Park, Baumschulenweg nichts Neues an der Strecke. 

Schöneweide , Wilhelminenhofstraße, vor 100 Jahren eine Säule von Elektropolis, als Berlin das Weltzentrum der Elektroindustrie war. Heute restaurierte Backsteinindustriehallen, ein großes AEG erinnert an die Gründer. Das Industriegleis längs der Straße, mit dem noch vor 40 Jahren Großtransformatoren und Kabeltrommeln verladen wurden, ist weg und heute ein Radweg. Nix mehr Großproduktion. Abgewandert gen Westen oder wegglobalisiert.

Weiter durch die Ostendstraße, vorbei am früheren Werk für Fernsehelektronik, in dessen Bildröhrenwerk ich in den 70er öfter mal gejobbt habe als menschliches Bindeglied zwischen Hängeförderern und Bearbeitungsstationen. Mann, waren die Glasbildröhren schwer!

Weiter durch Köpenick, immer noch vertraut, aber beim Autofahren muss man höllisch aufpassen, denn die Straßenbahnhaltestellen sind teilweise komplett auf die eigentliche rechte Fahrspur gebaut und so erhöht, dass man barrierefrei direkt in die Straßenbahn rein kann. Für die ÖPNV-Nutzer prima, für mich in meinem kleinen koreanischen Corona-Käfig (Auto) manchmal „tricky“  — Zeichen der Veränderung.

Zum Abschluss der Mini-Tour gab es einen leckeren Döner vom Imbiss an unserer 
S-Bahnstation.

…… wie eingangs gesagt: ein kleiner Ausflug, den wir ohne Corona wohl nicht gemacht oder nicht so wahrgenommen hätten.

Vielleicht ein Tipp an die Mitleidenden, die eigene Umgebung wieder zu entdecken und die Veränderungen dort als Teil unseres Lebens (auch) zu genießen.

Foto: Ausschnitt einer Abholinformation der Firma Hellweg

176) Corona-Lektionen 71

Es fällt mir schwer dieser Tage, die Corona-Lage zu verfolgen und dabei besonnen zu bleiben. Ich versuche es aber weiterhin.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Fliegerei
Vor ein paar Tagen schickte mir die Lusthansa einen Brief. Er enthielt eine neue Vielflieger-Karte. Die wurde aus Kulanz verlängert. Und was mache ich jetzt damit? Soll ich die beim Drehtor zum Stadtpark vorzeigen? Und überhaupt …. ein Vielflieger-Programm … das ist auch so ein Ding wie aus einer anderen Zeit. Abschaffen.

Taskforce
Wenn man sich so ins Gedächtnis ruft, welches Image die Deutschen so gern von sich pflegen, da treibt es mir gerade die Schamesröte ins Gesicht. Wir sind Qualitätsstandort, Logistik-Meister, Export-Weltmeister und Pünktlichkeitsfanatiker. Und wie gern schauen wir herab auf die Länder Ost-Europas, weil das da immer noch so marode aussieht. Oder die im Süden, die mit ihrer „Kommst‘ heut‘ nich‘, kommst‘ morgen“-Mentalität auch nichts auf die Straße bringen. Aber jetzt kommt der Super-Andi aus dem Mauthäuschen dazu und soll mit dem Gesundheits-Jens die Karre aus dem Dreck ziehen. König Markus hat letzte Woche nochmals bekräftigt, dass der Andi sogar Erfahrungen in der Logistik hat. Beruhigt mich das? Vielleicht sollte man Logistik doch lieber Amazon überlassen. Ach, nee. Da wollten wir ja eigentlich nicht mehr so viel bestellen. Eigentlich.

Eigentlich
Das Wort „eigentlich“ kommt mir in der Corona-Zeit recht häufig in den Köpf. Nicht nur weil ich jetzt „eigentlich“ ganz gern woanders wäre, sondern weil uns der Virus in vielen Bereichen weit nach hinten wirft. Und zwar ganz uneigentlich.

Eigentlich wollten wir weniger amazonieren, sondern die Geschäfte in den Innenstädten stärken.
Eigentlich wollten wir weniger liefern lassen, wegen der miesen Arbeitsverträge der Liefer-Helden. 
Eigentlich wollten wir weniger „to go“ essen, wegen der Esskultur und Kunststoff-Verpackungen.
Eigentlich wollten wir mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, statt mit dem eigenen Auto.
Eigentlich wollten wir uns doch wieder mehr mit Menschen abgeben und all die Technik mal beiseite legen.
Eigentlich …

Hoffentlich haben wir das alles nicht vergessen, wenn der Corona-Spuk mal vorbei sein sollte.

Schönen Sonntag noch!

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44) Postkarte von Morgenröten

Die Leser, die hier schon eine Weile dabei sind, haben vielleicht schon festgestellt, dass ich einen kleinen Fimmel für Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge habe.

Während meiner morgendlichen Freigänge im aktuellen Lockdown konnte ich ein paar tolle Exemplare mit der Kamera einfangen. 

Aber was macht Sonnenaufgänge für mich so interessant? 

Tja, der Stadtpark ist noch leer, alles wirkt frisch und es beginnt etwas Neues, wo man noch nicht genau weiß wie es ausgeht. Vielleicht macht man sich Gedanken über den Tag, hat ihn vielleicht super durchgeplant, aber kaum wählt man sich dann ins Netz ein, warten die Überraschungen. Und man ist so zwischen den Zeiten irgendwie. Die Kollegen in Asien gehen schon wieder in Richtung Lunch, die in Amerika haben gerade erst einmal in Schlummerland eingecheckt und wollen da noch ein paar Stunden bleiben.

Aber seht selbst, ist sicher keine Profi-Fotografie,  „but not too bad“ würde ich mal sagen.

Ähnliche Bilder gibts hier >> Postkarte vom Auf und Ab der Sonne und wer aktuell eher etwas mehr Ausland als Stadtpark mag, kann ja mal bei meinen anderen Postkarten vorbeischauen >> Postkarten / Post Cards oder mit mir in die Luft fliegen >> Postkarte aus‘m Himmel

175) Corona-Lektionen 70

So langsam dürfte sich bei jedem von uns das einjährige Corona-Jubiläum einstellen, oder? „Weißt du noch, vor einem Jahr?“ höre ich recht häufig dieser Tage. Und ich denke auch daran zurück.

Blick zurück:
Genau vor einem Jahr war ich noch in >> Bukarest und habe mich kurz danach über die heimischen >> Hamsterkäufe aufgeregt. Das Wort “Corona“ fand am 29. Februar erstmals Einzug in meinen Blog. Hielten wir das vorher alle noch für eine Biermarke aus >> Mexico oder ein Sonnenspektakel, sind wir mittlerweile zu 4-Sterne-Virologen und digitalen Heimwerkern mutiert. Unsere Kinder haben bereits mehr Homeoffice und Teilzeitmodelle kennengelernt, als wir jemals bei Chef oder Chefin durchsetzen konnten.

Reisen:
Die Lusthansa hat mir ihren Shopping-Katalog Frühjahr/Sommer 21 geschickt. Ich blättere kurz durch und habe die Wahl zwischen 36 Seiten Haushaltsgeräten (… nach Haushalt ist mir aber nun gerade mal gar nicht … ) und 25 Seiten rollendem Reisegepäck. Wollt ihr mich verarschen? Die Rubrik Vinothek hat nur noch magere 7 Seiten. Oh, oh. Alles abverkauft. Das bringt mich zum Thema Langzeitwirkung.

Langzeitwirkung:
Wir haben gelernt, dass Corona nicht nur die Lunge angreift, sondern auch den Rücken und das Oberstübchen. Und es macht die Haare grau. Lege ich mir eigenhändig einen Kurzhaarschnitt zu, muss ich mich an der Mülltonne schon gegenüber Nachbarn rechtfertigen. „Hey, sag mal, warst du etwa beim Frisör?“ Ich setze mittlerweile schon ein Perücke auf, damit mich bloß keiner anschwärzt. Aber was macht das alles langfristig mit uns? Kinder, die in dieser Zeit geboren wurden, haben vermutlich schon einen Knacks weg. Den meisten Menschen auf diesem Planeten fehlen Mund und Nase und die eigene Omma will sie nicht anfassen oder mal auf den Arm nehmen. Was soll aus denen nur werden? Bei der Fußball-WM in 12 Jahren wird Deutschland vermutlich so dermaßen abkacken, weil unsere Jungs seit Wochen nicht auf dem Platz waren. Und die bemannte/befraute Mars-Mission wird auf Jahre verschoben, weil sich keine Astronauten finden, die monatelang auf engem Raum zusammenleben wollen ;-

Schönes Wochenende!

<— Corona-Lektionen 69

—> Corona-Lektionen 71

43) Postkarte vom Raufundrunterundzwischendurch

“Und schon Reisepläne für dieses Jahr?“, wurde ich am Wochenende gefragt. Und dann kam aus mir erst einmal nur … Seufzen. Es bleibt vorerst eher exotik-reduziert hier, aber nicht minder unterhaltsam.

Aber das Reisen besteht ja eben nicht nur aus Sand, Strand und Elefant. Noch aus Tempel, Dschungel und Neapel. Auch nicht nur aus Verona, Barcelona oder Bellinzona. Ich merke, ich komme gerade zu dicht an die Wörter, die mit „…ona“ enden. Das kann gefährlich werden. Daher stelle ich das Reimen lieber ein.

Nein, Reisen hat auch was mit Widrigkeiten, Missgeschicken und Mißverständnissen zu tun. Und dem schönen Gefühl der Heimkehr, wenn man endlich angekommen ist und die Koffer abstellen kann.

Stellen wir uns also einfach vor, wir sind soeben angekommen, lassen uns aufs Sofa fallen und erzählen den Lieben daheim, was wir so erlebt haben. Das mit dem Sofa dürfte ja aktuell nicht so schwer fallen. 😉

Oder einfach die folgenden Stories klicken und teilhaben.

Und? Wie war‘s? Nett?

Sorry, Souvenirs habe ich heute nicht dabei.
Beim nächsten Mal vielleicht.

Reisen 6.0 – Teil 10

Fortsetzung …

Noah war sehr verwundert über die wortkarge Begrüßung seitens Yumi. Schließlich haben sie sich soeben nicht vor der Dreh-Tür des heimischen Supermarkts getroffen, um ihre tägliche Ration eingeschweißtes Brainfood entgegenzunehmen. Nein, sie beide standen an einem Straßenrand in Old-Delhi.

Gerade eben aus zwei verschiedenen Tuk Tuks entstiegen. Noah war sich immer noch nicht klar, wie Yumi ihm über das VT@Home System nach Indien folgen konnte. Und genau weil das alles so unvorstellbar war, hätte er sich doch etwas mehr „Freude“ gewünscht. Aber immerhin hat sie ihm keine Szene gemacht, denn schließlich war er ja ohne Ankündigung vorgereist. Er beschloss, die Angelegenheit ruhen zu lassen, deutet auf einen Indischen Guide vor ihnen, der sofort die Führung übernahm. Gemeinsam bummeln sie durch die große Freitagsmoschee und beobachten Reisende aus aller Welt. Sie hüpfen Hand in Hand über die von der Sonne aufgeheizten roten Sandsteinplatten, um 30 Meter weiter ein schattiges Plätzchen für ihre dampfenden Fußsohlen zu erobern. Sie stehen an den Arkaden des gigantischen Bauwerks und lassen ihre Blicke über die quirlige Altstadt werfen. Der Guide führt sie weiter in das Viertel um den Chandni Chowk und läuft mit ihnen durch die wuseligen Gassen. Sie sehen Handwerk, Shops, Gewürze, Obst, Gemüse, Garküchen, Hunde, Kühe und sogar Affen in den Bäumen. Mal riecht es gut, mal eher übel. Noah tritt aus Versehen in eine knöcheltiefe Lache, Yumi wird von jedem Ladenbesitzer mit „Please come in my shop“ begrüßt. Ganz aufgeregt lassen sie sich so auf diese Weise in Richtung West treiben bis zur nächsten Moschee. Als die Gassen immer enger und einsamer werden, ist Noah heilfroh, einen Guide bestellt zu haben, denn die Orientierung in dem Viertel scheint unmöglich und Yumi klammert sich schon an ihn. Der Guide rät umzudrehen und deutet in Richtung Ost, Red Fort, ein besserer Ort zum Entspannen. Sie arbeiten sich wieder durch die Massen, kreuzen die große Straße, an der sie vor ein paar Stunden aus ihren Tuk Tuks ausgestiegen sind und bewegen sich auf das streng gesicherte Rote Fort zu. In der Grünanlage laufen sie die uralten Gebäude ab und finden Schatten unter großen Bäumen. 

In Noahs Sichtfeld erscheint auf einmal ein Countdown, der auf das anstehende Ende der Reise hindeutet. Ihm ist noch gar nicht nach Rückkehr. Überhaupt nicht nach seiner Micro-Flat im 82. Stock des Wohnturms. Es gibt hier noch so vieles zu bereisen, so vieles zu sehen. Und Yumi scheint es ja auch gefallen zu haben. Kurz streift er mit der Handfläche über die leere Sofafläche neben ihm.

Dann wieder der Blick auf den Countdown.
Er ist bei 00:00:10 angekommen. 
Zwei Buttons erscheinen.

Rechts: „Vielen Dank und auf Wiedersehen bei VT@Home“
Links: „Auf unbestimmte Zeit verlängern“

Noah muss nicht lange überlegen. Ohne Yumi zu fragen drückt er … Links.

Ende.
Vorläufig 😉

<— Reisen 6.0 – Teil 1

<— Reisen 6.0 – Teil 9

42) Postkarte aus Mitkopfanderswo

Ach ja, das Reisen. Seufzt. Das war in 2020 ziemlich vermurkst. Bei mir zumindest. Und irgendwie fühle ich, dass das in 2021 nicht üppiger wird. Also muss ich anders reisen. Weniger mit den Füßen, eher mit dem Kopf.

Viele schlaue Menschen haben bereits übers Reisen nachgedacht.

Hier eine nette Sammlung auf https://reisespatz.de/reisezitate/.

Auf der Webseite gibt es 100 Zitate rund ums Reisen, ich habe aber die drei folgenden herausgefischt. Denn sie passen gut zum heutigen Leitgedanken hier.

  • Das Reisen lehrt Toleranz.“ (Benjamin Disraeli)
  • Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen.“ (Johann Wolfgang von Goethe)
  • Was ist Reisen? Ein Ortswechsel? Keineswegs! Beim Reisen wechselt man seine Meinungen und Vorurteile.“ (Anatole France)

Also, Reisen ist weit mehr als ein Duck Face Selfie vor einem Tempel. Mehr als das Abarbeiten, der Top 5 „must visit places“ am Zielort. Es hat mit Hinkommen zu tun, mit Beobachtungen, Gesprächen und Inspirationen auf dem Weg. Und auch die Heimkehr gehört natürlich dazu.   

In diesem Sinn, fühlt euch eingeladen auf einen kurzen Trip!
Klicken und auf der Couch verreisen.

— > Weitere Postkarten gibts hier