33) Postkarte aus Kuba

What? Eine Postkarte aus Kuba? Wie is’n der jetzt dahin gekommen? Und wieso darf der überhaupt verreisen?

Keine Sorge. Ich bin nicht in Kuba, habe nur etwas Fernweh. Und wenn uns dieser miese neuartige Virus (… dessen Namen wir jetzt hier mal nicht sagen …) schon das Reisen verhagelt, dann kann er mir aber nicht verbieten, ein paar Postkarten zu verschicken. Auch wenn die hier schon etwas länger unterwegs ist.

Anfang 2006 verschlug es uns nach Kuba. Tolles Land, tolle Menschen. Ein wenig Öffnung und Lockerung (…was für blöde Worte dieser Tage…) war damals schon sicht-und fühlbar. Ich denke oft an die Reise zurück. Drei Wochen Autofahrt und ein Inlandsflug … beides ein Abenteuer.

Meine persönlichen Big Five Kubas:

Menschen beobachten, mit ihnen reden und ihnen etwas mitbringen

Über Land fahren, am besten eigenhändig

Lebensart, Geschichte und Rhythmus erfahren

In die grünen Berge fahren, Tabak kennen lernen

Einsame Strände finden und relaxen

 

Ach man … schön war´s. Es klingt noch immer in meinen Ohren.

Guantanamera, guajira Guantanamera
Guantanamera, guajira Guantanamera

Großartig 😉

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Reisen 6.0 – Teil 2

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Am nächsten Morgen steht Noah als erster auf. Er macht sich kurz frisch und schlüpft in kurze Hose, Shirt und Flip-Flops. Das fühlt sich im Januar zwar etwas eigenartig an, aber in Indien wird es ja warm sein. 

Er checkt noch einmal den Wetterbericht in der VTS-App. Es erwarten sie herrliche 29°C dort. Schön warm, nicht zu heiß und kein Regen. Gegen 08:00 Uhr klingelt es wie angekündigt an der Tür. Durch die Kamera kann Noah einen kleinen Mann Asiatischer Herkunft erkennen.

„Yourr driverr, Sirr“, spricht der Mann in die Sprechanlage und rollt dabei das „r“ etwas mehr, als Noah es tun würde.

„Yumi, es geht los“, ruft Noah durch die kleine Micro-Flat. Sie greifen Tasche und Rucksack und fahren mit dem Lift die 82 Stockwerke hinunter auf die Straße

Unten vor der Haustür wartet der Mann und begrüßt sie mit gefalteten Händen. „Namaste!, My name is Arjun, I’m yourr drriver today“. Er deutet auf einen weißen Toyota-E-Van. Der trägt die Aufschrift „VTS Transfer“, darunter in kleinerer Schrift „Enjoy India“. Noah und Yumi springen auf die Rückbank des vorgeheizten Vans,  Arjun schließt die Türen, schaltet laute Indische Musik ein und fährt los. Kaum haben sie ihre verkehrsberuhigte Wohngegend verlassen, reiht Arjun den Toyota in den Verkehr ein und beginnt heftig zu hupen. Noah und Yumi schauen aus dem Fenster ihrer jeweiligen Seite und nehmen ersten Indischen Straßenverkehr war. Völlig überfüllte Kleinwagen, Motorroller, Busse, unzählige Tuk Tuks und viele geschmückte Trucks fahren kreuz und quer und hupen zurück was das Zeug hält. Arjun schaut in den Rückspiegel und fragt „Firrst time in India, Sirr?“, Noah antwortet knapp „Yes, first time“. Arjun grinst über beide Ohren und wackelt mit dem Kopf. „Heavy trraffic today, Sirr“, sagt Arjun. Sie kämpfen sich durch den Verkehr und nach circa 90 Minuten kommt der Wagen zum Stehen. „Here we arre“, sagt Arjun und schaltet den Motor ab. Im selben Moment stoppt die Musik und auch das Gehupe der anderen Autos endet wie auf Kommando. Die Fensterscheiben sind schwarz geworden. Arjun öffnet die hinteren Türen und hilft Noah und Yumi hinaus. Sie steigen aus und stehen vor dem VTC Tower. Das Virtual Travel Center ist das größte seiner Art. Sie laufen ein paar Meter über einen roten Teppich an deren Ende ein Mann mit rotem Turban steht. Auch er faltet die Hände, und sagt „Namaste!, Welcome to India. I am your guide“. Er hängt Yumi und Noah eine frische Blumenkette um den Hals und malt ihnen mit dem Zeigefinger einen roten Punkt auf die Stirn. Mit einer einladenden Geste deutet er auf den Eingang des VTC. „Enjoy India“.

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Reisen 6.0 – Teil 1

Die kühlen Tage im Dezember und Januar bescheren Noah zunehmend Fernweh. Ihm ist verstärkt nach Sonne, Wärme, nach neuen Impressionen und Bildern. Er greift zum Smart Phone und chattet Yumi an.

Noah: Hi
Yumi: Na, was los?
Noah: Ich muss mal raus, lass uns verreisen
Yumi: Ok, klar warum nicht, wohin?
Noah: Indien?
Yumi: Moment … muss kurz gucken … ob ich da …
Noah: ??
Yumi: Nee, da war ich noch nicht. Wann?
Noah: Morgen?
Yumi: Sollte klappen. Wieder über VTS?
Noah: Ja, klar. Wie sonst.

Noah öffnet die VTS-App auf seinem Gerät. Das VTS (Virtual Travel System) wurde 2022 allen deutschen Privat-Haushalten zugeteilt, die trotz Klima-Krise weiterhin in die Ferne reisen wollten. Im Menü tippt er auf „Reise buchen“, sofort erscheint ein virtueller Reiseberater, begrüßt ihn und fragt sofort ein paar Parameter ab.

VTS: Hallo Noah, schön, dass sie wieder mit VTS reisen.
VTS: Ihr Reise-Ziel?
Noah: Indien
VTS: Gewünschte Reise-Dauer? Wir haben S, M, L, XL
Noah: S reicht.
VTS: Art der Verpflegung? Wir hätten Frühstück, Halbpension oder All-Inclusive
Noah: All in
VTS: Kulinarische Vorlieben? Wir haben Traditional oder Continental
Noah: Traditional
VTS: Transfer?
Noah: Ja, bitte. Da fahre ich nicht selber
VTS: Typ der Unterkunft? Wir haben Shared oder Exclusive
Noah: Shared
VTS: Vielen Dank für Ihre Buchung. Der Fahrer holt sie morgen 08:00 Uhr ab. Wichtige Reise-Hinweise liegen zum Download bereit.

Zufrieden mit der Abwicklung und voller Vorfreude beginnt Noah mit dem Packen seiner Sachen. Für Indien braucht man in der Regel ja nicht viel. Es wird warm sein und notfalls kann man halt vor Ort ein paar Dinge kaufen. Seit dem er über VTS verreist, sind die Reisevorbereitungen viel einfacher geworden. Komplizierte VISA-Anträge und selbst Reise-Pässe wurden für VTS-Reisen abgeschafft. Für Impfungen hatte das Robert-Koch-Institut den Europäischen Standard als vollkommen Ausreichend erklärt. Mittlerweile konnte man auch vor Ort alles mit Euro zahlen. Als Yumi von der Arbeit nach Hause kommt, packt sie auch noch ein paar Klamotten in den Koffer und bestückt einen kleinen Rucksack. Den Rest des Abends verbringen sie auf der Couch. Sie schauen sich gemeinsam die Reisehinweise für Indien an. Klima, Verkehr, Trinkgeld, Armut, Bettler, Essen, Trinken und so weiter.

Gegen 22:00 Uhr gehen sie ins Bett. Am nächsten Morgen müssen sie ja früh raus.

„Wow, Indien.  Ich bin aufgeregt, Noah!“
„Das wird sicher eine tolle Reise, Schlaf gut Yumi.“

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22) Postkarte aus Amsterdam

Kürzlich waren wir seit Längerem mal wieder in Amsterdam. Hochglanz-Fotos gibt es im Netz schon zu Hauf, also will ich mich auf ein paar Kuriositäten und persönliche Eindrücke beschränken.

Der erste Tag bescherte uns zunächst Regen, also entschieden wir uns für eine Tram-Fahrt zum Rijks-Museum. Und schon beim Betreten der Tram wurden wir überrascht. Im mittleren Teil fanden wir einen Info-Tresen und eine mehrsprachige Dame, die als Ticket-Verkäuferin und rollendes Tourist-Office agierte. Was für eine coole Idee. Wenn man das Konzept auf die Berliner Tram-Linie M10 übertragen wollte, könnte man da noch Bier verkaufen.

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Im Rijks-Museum selber, liefen wir die großen Klassiker der Niederländischen Kunst ab. Van Gogh, Rembrandt und viele andere Künstler. Das folgende Bild fand ich am besten. Über was beklagt sich der Typ in der Mitte da eigentlich? War der Gockel nicht durchgebraten, bereits kalt oder was macht ihn da so unzufrieden? Die anderen um ihn herum singen oder tuscheln. Vermutlich oute ich mich hier jetzt als absoluter Kunst-Banause. Sei es drum.

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Im weiteren Verlauf der großen Bilderausstellung kam das Museum auch auf den übermäßigen Alkohol-Konsum im früheren Holland zu sprechen. Der war auf den alten Gemälden auch mehrfach abgebildet und musste zur Ehrenrettung mal kommentiert werden.

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Am nächsten Tag flossen die Getränke aber in noch größeren Mengen. Es war Canal Parade bzw. Pride-Demo in Amsterdam. Menschen aller Altersklassen, Herkünfte und sexueller Orientierung feierten ausgelassen, während die anderen tanzend auf geschmückten Boten durch die Grachten demonstrierten.

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In Amsterdam gibt es angeblich 3.000 Hausboote. Ausgediente Fischerbote, umgebaute Fähren oder Flöße. Wir hatten selber die Gelegenheit, in einem zu wohnen, das war mal etwas anderes und gar nicht so wackelig wie man vielleicht denkt. Vielleicht auch eine Idee für Deutsche Metropolen, der zunehmenden Wohnungsknappheit zu begegnen?

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In den Geschäften und auch auf den Märkten staunten wir über all den Käse dort. Jung, alt, sehr alt. Mild und würzig. Hunderte Sorten. Da mag man sagen, „ist doch logisch, ist halt Holland“. Ja stimmt. Aber so viel Käse, in solchen Größen und auch noch als „Partyklette“ zum mitbringen, hat mich schon überrascht

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Wie jede andere Metropole hat auch Amsterdam seine Herausforderungen. Die Amsterdamer  wirken dabei aber entspannter und sind an bestimmten Stellen auch konsequenter. In manchen Ecken gilt Alkohol-Verbot auf der Straße, Pi-Pi in der Öffentlichkeit wird saftig bestraft und obwohl Amsterdam ja „die“ Zweirad-Stadt ist, hat sich der E-Scooter-Wahn da noch nicht durchgesetzt. Gut so!

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Müsste ich für Amsterdam ein Wort finden wäre es vermutlich:

Entspannte-Menschen-Und-Sonst-Viele-Tulpen-Fahrräder-Museen-Grachten-Sowie-Hasch-Bier-Und-Rotlicht-Das-Alles-Zusammen-Sehr-Charmant.

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21) Postkarte aus Kopenhagen

Die Hauptstadt Dänemarks stand schon länger auf der Liste der Kurzreisen. Nun gab es mal Gelegenheit für einen Wochenend-Tripp. Wie so üblich bei meinen Postkarten, geht es hier weniger um die bekannten Touristen-Attraktionen (die findet ihr bei der gängigen Suchmaschine), sondern eher um Skurrilitäten und Beobachtungen.

Taler du dansk?

Als Deutschsprachiger hat man es in Kopenhagen sehr einfach. Auch wenn man hier überall Englisch spricht, ist das meistens gar nicht nötig. Insbesondere bei den geschriebenen Wörtern, macht es echt Freude sie zu entziffern. Noch irgendwelche Frægen?

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Kunst, Architektur und Egon Olsen

Kopenhagen bietet viel Kunst und Kultur. Da wären Oper, Theater und Street-Art in Christiana. Aber auch Aktionskunst, wie diese Debattier-Sauna hier. Moderne Architektur wechselt sich mit nordisch-rotem Klinker-Bau ab. Bei manchen Häusern glaubt man, jeden Moment auf die Olsen-Bande zu treffen. Aber das passiert nur bei uns im Kopf. In Kopenhagen konnte ich nicht mal im Souvenir-Laden irgendwelche Spuren von den drei sympathischen Kleinkriminellen finden. Auch das Wort „Politi“ war nur selten im Stadtbild zu sehen. Sehr angenehm.

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Fahrrad und Verkehr

Kopenhagen zählt sich zu den fahrradfreundlichsten Städten der Welt. Das kann ich nur bestätigen, am ersten Tag waren wir noch zu Fuß unterwegs, am zweiten Tag größtenteils per Rad. Da kann unsere Hauptstadt noch eine Menge lernen. Der Fahrrad-Verkehr läuft in einem eigenen System ab, breite und glatte Radwege stehen zur Verfügung, die meistens sind vom Straßenverkehr und Fußverkehr entkoppelt . Und die Radler halten sich sogar an Ampeln! Berlin? Mal sehen, wie sich die vielen Räder gegen die neue Konkurrenz der vielen E-Roller behauptet.

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Kreuzfahrt

Im Norden der Innenstadt legen die dicken Pötte an. Schwimmende Luxus-Hotels bringen täglich neues Gäste in die Stadt. Viele aus Fernost, aber auch unsere Landsleute sind kaum zu überhören. Bereitgestellte Busse bringen die Besucher zur kleinen Meerjungfrau in der Nähe und dann später in die Altstadt. Währenddessen kommen Versorgungs-LKW, die den Gästen neues Bier, Klo-Papier, Handtücher und braunen Zucker für den Caipi bringen. Prost.

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Altstadt, Hafen und Schlösser

Kopenhagen hat eine schöne Altstadt, einen alten Hafen, aber auch Parks, Burgen, Brunnen und Schlösser. Und die Stadt wächst weiterhin. Es werden neue Gebiete am Hafen geschaffen und sogar neue Schlösser kommen täglich dazu. Und nur weil hier mehr Schlösser verkauft werden, heißt es noch lange nicht, dass man sich dort unsicher fühlt. Dänen zählen zu den glücklichsten Menschen der Welt!

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War wirklich nett hier.

Alle de bedste fra København!

Frühere Postkarten gibt es hier: Postkarten

 

1) Postkarten-Intro

Postkarten aus dem Urlaub zu verschicken, ist eigentlich ein schöner Brauch. Die Postkarte lässt Familie und Freunde in der Heimat an der „Ferne“ teilhaben und vermittelt einen Eindruck, wie es da vor Ort so aussieht. Zusätzlich generiert diese Gepflogenheit auch einen klaren Arbeitsauftrag an die Eltern. Es ist gut, wenn „die Alten“ im Urlaub etwas zu tun haben. Karten müssen gekauft, mit Briefmarken beklebt und halbwegs sinnvoll beschrieben werden. Stellt man sich nicht ganz blöd an, kann man die Texte auch von bereits geschriebenen Karten kopieren. Die Adressaten sollten sich aber normalerweise nicht über den Weg laufen, um Verstimmungen zu vermeiden. Für die schreibfaulen Urlauber gibt es auch Postkarten zum Ankreuzen und es soll sogar schon Online-Dienste geben, die das Kartenschreiben übernehmen. Doch wie steht es um die Zukunft der Postkarte? Wird sie gegen WhatsApp, Facebook und Instagram bestehen können? Vermutlich kann sie das nicht oder zumindest nicht mehr in dem Umfang der Jahre vor den Smart Phones. Wir schreiben ja selber auch immer weniger Karten, sondern bombardieren die Lieben daheim gern mit Fotos über WhatsApp. Es kostet quasi nichts, man hat unbegrenzt Platz und einen unerschöpflichen Vorrat an Emoticons zur Hand, mit denen man seine Nachricht schmücken kann. Und was hat das nun mit dem Blog hier zu tun? Ganz einfach. Von Zeit zu Zeit werde ich hier mal ein paar digitale Postkarten und Eindrücke veröffentlichen. Keine Sorge… es werden keine Selfies in Badehose sein. Auch keine Bilder von Eisbechern, Pizzas oder Eimern voll Sangria. Auch keine Hochglanz-Bilder wie sie die Touristik-Ministerien gern so hätten. Stattdessen möchte ich skurrile und doppeldeutige Bilder auswählen. Vielleicht auch mal makabere oder schockierende Schnappschüsse, die zum Nachdenken einladen. Mal sehen was draus wird und was die Motive so hergeben. Dabei ist mir der zeitliche Bezug nicht so wichtig. Es können Eindrücke aus der Vergangenheit sein, ganz aktuelle Bilder von einer laufenden Reise oder vielleicht auch mal eine Karte aus der Zukunft. Gibt es das eigentlich schon?