104) Corona-Lektionen 24

Die Neunte Family-Homeoffice-Woche liegt vor uns. Der Sohn darf morgen wieder in die Schule, zeitweise zumindest. Die lange Liste der Hygiene-Maßnahmen sorgt für Enttäuschung und zeigt eindrücklich, dass da noch lange nichts „normal“ ist. Aber was ist schon „normal“?

Durch Corona ist kein Stein auf dem anderen geblieben:

  • Vormals fast undenkbare Veränderungen sind in Deutschland auf einmal möglich geworden. Nehmen wir nur mal flächendeckendes Home-Office, Video-Konferenz mit Lehrern und Kartenzahlung.
  • Relikte alter Zeiten, die wir schon überwunden glaubten, machen nun eine zweite Karriere. Die Warteschlange ist zurück, Drive In-Konzepte gibts nicht mehr nur beim Fast Food sondern auch für die Beichte. Religionen entdecken Auto-Kinos für sich.
  • Bei den großen Herausforderungen, die bislang unerreichbar schienen, hat es bereits kurzfristige Veränderungen gegeben. Der Verkehr hat abgenommen, in Großstädten wird die Luft besser und es wird viel weniger geflogen.
  • Schlechte Angewohnheiten, von den wir doch eigentlich ablassen wollten, festigen sich nun erst recht. Der Versandhandel und Individualverkehr boomt, „To Go“-Konzepte sind die einzige Überlebenschance für die Gastronomie. Verpackung inklusive.
  • Und wir konnten alle mal schnuppern, wie es sich denn so anfühlt, wenn Grundrechte  eingeschränkt, Versammlungen, Demonstrationen, Soziales Miteinander verboten werden. Für manche Deutsche war das gar nicht so neu. Uns eint nun aber die neue Erfahrung, wenn staatlicherseits eine partielle Bedeckung des Gesichstes gefordert ist.

Und weil das ja mal nur die eher „kleineren“ Veränderungen der letzten Wochen sind, wird uns doch allen klar, dass es kein „back to normal“ geben kann. Und wer sagt eigentlich, was das neue „normal“ ist?

Aber das wird ein neuer Beitrag 😉

Schönen Sonntag
T.

<— Corona-Lektionen 23

—> Corona-Lektionen 25

81) Corona-Lektionen 3

Klingelt dieser Tage mein Wecker, schießen mir zwei Fragen durch den Kopf:

  1. Wo bin ich? Ach ja, Berlin. Ist ja auch mal nett!
  2. Was bringt der Tag? Ach ja, Corona, stimmt. Oh ha!

Nach den ersten beiden Tagen „Family-Home-Office“, muss ich wieder ein paar Gedanken loswerden. Zur Corona-Pandemie. Dabei geht es nicht ums Klo-Papier, sondern um einzelne Vorkommnisse, die ich kommentieren will und die hoffentlich zum Umdenken anregen.

Party 1: Am Samstag wagten wir uns zum Nachmittag mal in den Kiez, um zu schauen, was „noch so geht“. Die Fußwege waren voller Menschen, Eis und Latte Macchiato kreisten durch die Hände. Auch im Park herrschte eher Frühlingsfest und ausgelassene Stimmung. Habe ich etwas verpasst? Wurde Corona frühzeitig als April-Scherz entlarvt oder haben die Menschen dort kein Radio? Kurz später höre ich von Corona-Parties. Ich meine, ich finde es ja echt gut, wenn wir nach Terror-Anschlägen oder Naturkatastrophen bewusst unseren freiheitlichen Lebenswillen demonstrieren … aber … es handelt sich hier um ein ansteckendes unsichtbares Virus, Leute. Check?

Party 2: Das Gymnasium in der Straße hatte am Montag noch geöffnet. Ab ca. 11:00 Uhr strömten Schüler aus den Toren. Eine Mischung aus Ferien-Beginn, Fasching und Junggesellen-Abschied. Fläschchen, Späßchen und Helau. „School‘s out!“ Ja, die Kids nehmen das lockerer. Ja, die Jugend muss „anti“ sein. Waren wir auch. Aber haben die halbwegs umrissen, dass es gerade mal nicht um „Hitzefrei“ geht, sondern um die vermutlich gravierendsten Einschränkungen der letzte 70 Jahre? Und wo sind deren Eltern? Wieso lassen sie die Kids in solchem Aufzug zur Schule gehen? Kein Verständnis. Nicht diskutabel.

Digitalisierung 1: Die Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter reihenweise ins Home-Office. Logisch, nachvollziehbar. Nur werden damit auch die versäumten Investitionen der letzten Jahre sichtbar. Digitalisierung ist nun mal ein bisschen mehr, als eine halb gare Weisheit bei LinkedIn zu posten. Die VPN-Tunnel sind zu knapp bemessen, Mitarbeiter können sich nicht einwählen. War nicht voraussehbar? Ach hört doch auf! VPN-Tunnel kenne ich seit Ende der 90er Jahre. Dass das Klima, die Sicherheit oder eben nun ein Virus die Leute irgendwann aus den Büros treibt, ist seit 20 Jahren erkennbar. Durchgefallen! Nachsitzen! Mitarbeiter dezentral arbeitsfähig machen und draus lernen. Bald! Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt.

Digitalisierung 2: Dass oben geschriebene gilt natürlich auch für Schulen und Schüler. Selbstverständlich. Der aktuelle Standard an „Digitaler Wissensvermittlung“ ist aber, dass wir morgen eventuell ein paar Aufgaben „per e-mail“ erwarten können. Auch hier bitte umdenken und nacharbeiten Ihr Schulen und Bildungsbehörden! Sonst macht Ihr es den teils sehr guten YouTube-Lehrern sehr einfach, euch digital zu „disrupten“.

Realitäten: Die letzten Tage fühlten sich an, als würde man in kurzen Abständen durch verschiedenste Filme hüpfen. Letzte Dienstreisen, morgendliche Nachrichten, leere Regale, virtuelle Meetings mit der halben Welt, Schulaufgaben, „Freigang“, Besorgungen und wieder Nachrichten mit den nächsten Ankündigungen, leere Stühle in Talk-Shows, Luftbrücken, Rückhohl-Aktionen mit Charter-Flügen. Vielleicht sollte ich mir auch einen Papp-Hut aufsetzen und den Frühling feiern…?

Ich würde mal sagen, dass ich mich echt schnell an verschiedene Situationen anpassen kann. Aber die „Chamäleon“-Gene werden schon arg gefordert dieser Tage, oder? Und ich vermute mal, dass ist erst der ganz frühe Anfang von einer längeren Strecke.

Bis bald

<— Corona-Lektionen 2

—> Corona-Lektionen 4