63) Postkarte aus Oslo

Diese Postkarte ist für mich etwas Besonderes, denn wir werden nach zwei Jahren Flug-Abstinenz endlich mal wieder in einen Flieger steigen. Wir sitzen am Gate und warten noch ca. 45 Minuten bis zu unserem Aufruf nach Oslo. 

Also Zeit für ein paar Zeilen.

Ich muss zugeben, trotz früherer Vielfliegerei war ich in den letzten Tagen doch sehr angespannt. Was brauchen wir vor Ort, was gehört in welches Gepäckstück, wann müssen wir am neuen Airport sein, wie kommen wir da hin und was erwartet uns dort? Man hat ja schon von einigen Pannen gehört. Check-In-Chaos? Koffer-Chaos? Ich bin wohl etwas aus der Übung gekommen und da ich mit dem Stammhalter reise, ist das ja auch noch mal was Anderes.

Aber letztlich hat alles super geklappt, wir sind früh genug los gefahren, hatten etwas Puffer eingebaut und konnten im Terminal direkt zur Sicherheit durchmarschieren. Dort stieg dann der Puls noch mal kurz an. „Bitte hierher“, „dies auspacken“, „das auch“, „Koffer in eine Wanne“, „da Hinstellen“, „Beine breit“, „Arme hoch“, „Gürtel auf“ und so weiter. Gepäck, Taschen, Jacken, Flüssigkeiten, Handys, alles auf 6 Plastikwannen verteilt. Na großartig, das mag ich ja nun gar nicht.

„Sehr geehrte Fluggäste, Ihr Flug DY 1103 nach Oslo ist bereit zum Boarding.“

Na dann … los gehts.

Der Flug ist ruhig, Puls und Blutdruck fallen auf Pre-Corona-Niveau. Schnell haben wir die Ostseeküste erreicht, fliegen zwischen Kopenhagen und Malmö durch und dann die schwedische Küste hoch über Göteburg nach Oslo. Da war ich vor 4 Jahren schon mal dienstlich, aber im Winter und in Businessklamotten. Wenig prickelnd.

Da gab sich die Stadt diesmal viel einladender und es waren wieder einige Skurrilitäten zu entdecken.

Entgegen der Angaben auf diesem Schild, ist Oslo nicht nur was für Leute mit Hochschulabschluss oder Softi‘s.

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Selbst die Baucontainer der Stadt, sind mit typisch nordisch-roten Latten designed, da haben es die Bauarbeiter gleich ganz „hyggelig“.

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Da wir ja zu Himmelfahrt hier sind, genehmigen sich die Väter der Reisegruppe zwei norwegische Bier in der Pappabuene. Wo sonst?

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Oslo liegt weit südlicher als ich dachte. Man kann zu Fuß nach New Delhi laufen. In der Lobby quatsche ich zwei Inder an, stellt sich raus, sie kommen aus Bengalore, arbeiten in Berlin. War ja klar, dass die mir über den Weg laufen.

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Die Mädels in der Stadt, sitzen meist nackig am Wegesrand oder haben eine Taube auf dem Kopf. Manche sehen etwas besch… aus.

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Auch Norwegen muss sich mit dem demographischen Wandel auseinandersetzen, die Generation Ü60 kann sich aber ihres festen Platzes in der Gesellschaft sicher sein.

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Die Norweger haben es mit ihren Saunen. Man kann sie im Stadthaften mieten und dort vollschwitzen.

D1366E24-71F2-47A9-AE6E-B9B88B243B19Die Badekultur ist ihnen auch sehr wichtig, selbst gegenüber der Oper.

58489DED-61D4-440B-BFB6-A3F0B44B6868Die Mädels springen dort quietschend ins Wasser, als wir dann aber auf dieses Schild stießen, sind wir dann schnell weitergelaufen.

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Norwegisch ist eine tolle Sprache. Will man auf sein Hotelzimmer, benötigt man eine nøkkelkort. 233FC3F1-4B7C-415A-BE36-1FA51D327708

Hat man Blähungen kann man das komfortabel an zentralen Stellen in der Stadt erledigen.84061C47-26EB-472D-B181-DF07710451E4

Und hier war der Drops aber nicht so schnell gelutscht …

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Liebe Grüße aus der Bergensbanen! Es geht 7 Stunden über Berg und Tal … Handy-Kamera im Anschlag.

Melde mich wieder.

PS: Gestern hat es Andrew Fletcher (Keyboarder und Gründungsmitglied von Depeche Mode) aus den Schuhen gehauen. Mit 60 Jahren. Schluck. Es erinnert mich daran, solche Trips zu genießen, das Bühnenlicht kann schneller ausgehen, als man so denkt.
Rest in peace Fletch!

—> 64) Postkarte von Bergensbanen

—> 65) Postkarte von Bergen & Rosendal

62) Postkarte aus der Ostprignitz – Vol 2

Zuletzt waren wir im >Juni 2021 in der Gegend. Da ging es uns noch um Flucht aus dem Homeoffice, stattdessen Arbeiten im Greenoffice, zusammen mit der XX des Hauses. Spike Proteine bestimmten die Nachrichten. Diesmal aber blieb der Laptop und die XX zu Hause und ich verbrachte zwei Tage mit XY-Wesen dort. 

War sehr nett, aber bitte nicht weitersagen:

Eigentlich hatten wir ja diese olle Hütte hier gebucht, aber das WLAN war etwas dünn, die Musik auch und es gab keinen Kühlschrank.

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Obwohl die Gegend eigentlich schon gut erschlossen ist, muss ich mal festhalten. Es gab sogar überall Zugang zu Clouds.

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Also machten wir uns mit XX-Zweirädern auf den Weg, wir hätten vielleicht etwas mehr Bike Proteine benötigt. Wir Menschen fliegen zwar ins All, aber das blöde Steißbein haben wir immer noch. Vermutlich werde ich die nächsten 3 Tage nicht laufen können.

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„Fisch muss schwimmen“, so heißt es. Und es ist gut, wenn man solche Sprüche weiß. Prost!

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Die Fische der Gegend heißen alle Luca und tragen Schuppen im QR-Muster. Wie aus längst vergangenen Zeiten.

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Paddeln kann man auch sehr schön, man sollte nur nicht so arrogant sein, auf die Steueranlage zu verzichten und noch noch freiwillig den Steuerplatz übernehmen. Ich fühlte mich wie Popeye … nur ohne Spinat.

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Zum Abend wurde es dann ganz chillig.

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War schönt mit euch M. und O. !

Die nächste Postkarte folgt hier aus dem hohen Norden, auf der Suche nach Elsa, Anna, Olaf, Kristoff und Jens.

Bin schon ganz aufgeregt …

ICH WERDE IN EIN FLUGZEUG STEIGEN … 🙂
OAHHHHHH!

Andere Postkarten aus der Ecke:

61) Postkarte aus Indien … gestern vor 3 Jahren

Gestern vor 3 Jahren stand kurz nach 04:00 Uhr ein Taxi vor der Tür. Es brachte uns zum Flughafen Tegel und dann ging es per Flieger weiter via Paris nach Indien. Anlässlich dieses „Jubiläums“, mit 500kg Fernweh im Brustbeutel und nach 2 Jahren Voll-Homeoffice habe ich mir alle Beiträge wieder durchgelesen und möchte sie gern noch einmal teilen.

Blick zurück: Wieder ein paar Tage in New Delhi, aufregende Autofahrt zum Taj Mahal und ganz „besonders“ wieder zurück, emotionaler Besuch unseres Patenkinds im Süden Delhis und zum Ende das familiäre „Abhängen“ in Goa.

Alles sehr kompakt, wenig Zeit, aber für uns in Familie sicher eine ganz besondere, intensive Reise an die wir oft zurückdenken. Beim erneuten Lesen stelle ich fest, dass ich eigentlich noch einen Indischen Besen fressen müsste. Aber wo krieg ich den denn her? Ich meine, Indische „Budda“ gibt‘s in jedem Kühlschrank der Asia-Märkte hier, aber Indische Besen … das ist nicht so einfach. Ohne Besen nichts gewesen, oder?

Aber lest selbst. Schön war‘s und wenn es nach mir ginge, würde ich 2023 gerne wieder hin. Wer kommt mit?

Hier noch einmal meine Postkarten vom Indien-Trip in 2019. Einfach Bild oder Titel klicken:

—> Noch mehr Postkarten gibts hier 😉

60) Postkarte aus LRO-DBR-ROS

Wir haben schon wieder Ferien, Vaccination … ähm … Vacation … meinte ich ;-), also flüchteten wir für ein paar Tage ins Land der Fischbrötchen, Windräder, Burger und Pommes. Meck-Pomm.

Und natürlich gab‘s hier auch wieder ein paar Skurrilitäten zu entdecken:

Man sagt den Fischköppen ja nach, dass sie nicht sonderlich gesprächig sind, aber der Fischkopp ist durchaus weltoffen und heißt wirklich jeden Willkommen, sogar Fahrradschläuche.

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Auch kulinarisch hat sich Meck Pomm weiterentwickelt und öffnet sich den „neuen“ Einflüssen aus Nah-und Fernost. Wer Bismarck-Hering nicht mehr sehen kann, findet hier das richtig gute Zeug aus der hippen Fusionsküche.

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Beim Spaziergang durch einen Gespensterwald wird‘ schnell gespenstisch, wenn man sieht, wieviele alte Buchen es da umgehauen hat und liest, dass das Wasser pro Jahr 16 cm vom Land wegknabbert. Trotz Ferien wird das Pubi-Hirn um etwas Rechenleistung gebeten und wir kommen auf knappe 20 Meter in 100 Jahren. Wenn es bei der Geschwindigkeit bleibt. Wenn. Schluck.

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Ein paar Meter weiter liess sich noch einmal ganz eindrücklich der Begriff „Erosion“ vertiefen. Das Geländer hängt in der Luft, der Wanderweg ist weg und so manch Wanderer auch. Deshalb heißt er ja auch Wandererweg … ähm … Wanderweg. Gespenstisch.

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In Börgerende wird‘s noch gespenstischer, denn da gibts keine Burger und für die Bürger der DDR war hier Ende. Laut Wiki gab es 27 solcher Türme entlang der Küste, ein weiterer Turm steht in Kühlungsborn. Bloß gut, dass die Zeiten vorbei sind. Hier ließ sich recht eindrücklich der Begriff „Freiheit“ diskutieren, der ja dieser Tage gern gebrüllt wird. Von Leuten die immer in Freiheit gelebt haben bzw. unter Amnesie leiden müssen. Vor 35 Jahren leuchtete dort nicht der Mond am Himmel, sondern der Suchscheinwerfer.

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Joggen bei 70 km/h Wind ist auch eine neue Erfahrung. Kommt der Wind von hinten, fühlt man sich wie Usain Bolt und bekommt norddeutsch-skeptische Blicke, wenn man am Fischbrötchenstand die typische Bolt-Pose macht. Kommt der Wind von vorn, bereut man man jeden seiner Schritte, denn der wirft dich einen halben Meter nach hinten.

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In Warnemünde war es am Sonntag rammelvoll wie auf einer 1.Mai-Demo auf der Karl-Marx-Alle. Das Backfischbrötchen kostet mittlerweile 5 EUR. Hej, das sind 10 Mark! Und zwar West! Hier ließ sich recht eindrücklich der Begriff „Inflation“ diskutieren.

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Auf der Halbinsel Wustrow ist wunderbar zu sehen, wie Kasernen und Munition mehrere Regime überleben können. Erst hockte die Wehrmacht dort, dann die Rote Armee. Jetzt keiner mehr. Mal sehen wie lange noch. Ich sehe da schon Bettenburgen stehen, aber erst einmal muss man den ganzen Flecken von Altlasten befreien.

Um zum Schluss noch etwas richtig schön Deutsches. Ach, ich liebe so etwas 😉

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Schöne Ferien noch!

59) Postkarte vom Chandni Chowk

Heute probiere ich mal etwas Neues aus. Ich verschicke rückwirkend eine Postkarte von einem Ort, den es heute nicht mehr gibt. Zumindest nicht so, wie er Jahrzehnte war und so wie er in zig Reiseführer als „must visit“ eines jeden Delhi-Besuchers einzog.

Aber der Reihe nach. Neulich war ich beim Inder um die Ecke, der Laden nennt sich Chandni (Mondlicht). Und als das Curry weggeputzt war und im Hindergrund Boolywood-Musik schmetterte, drifteten meine Gedanken zum Chandni Chowk in Delhi ab. Einer der verrücktesten Straßen der Welt und gleichnamigen Viertel drumherum. Zu Hause angekommen bemühte ich die Datenkrake nach ein paar aktuellen Bildern von dort und traute meinen Augen nicht. Sie haben es wirklich getan. Sie haben die Chandni Chowk Road, eine der abgefahrensten Orte, in eine Fußgänger-Zone verwandelt. Ich rede hier nicht von München, Stuttgart oder Leipzig, sondern von Delhi. Old-Delhi.

In 2015 zum Beispiel war ich vor Ort und da war alles noch ganz „normal“. Das Gewusel in der Chandni Chowk Road, lässt sich ohne Geräusche, Gerüche und Temperatur kaum beschreiben. Es ist proppenvoll. Menschen, Hunde, Kühe, Affen und Krähen wuseln durcheinander. Genauso wie Fahrrad-Rickshaws, Auto-Rickshaws (a.k.a. Tuk Tuk) Mopeds, Fahrräder und Autos. Ständig hupt irgendwer und Musik tönt aus den Geschäften. In den Shops wird alles Mögliche verkauft, Leder, Gewürze, Musik, Technik. An Fußweg und Straßenrand macht jeder seine Geschäfte, da wird gebettelt, der nächste macht ein Nickerchen, manch einer wacht nie wieder auf, Tagelöhner bieten ihre Dienste an, Hunde liegen mittenmang und es besteht die sehr große Wahrscheinlichkeit, dass man in eine tiefe Pfütze von … man will es nicht wissen … tritt. Biegt man in den Gassen zwei, drei mal ab, fühlt man sich schnell verloren, biegt man zu oft ab, ist man als Bleichgesicht auf einmal ganz allein und fragt sich, ob das nun die beste Idee war. Die Bausubstanz rundherum ist marode, die Elektroleitung hängen kreuz und quer über die Straße, Werbetafeln kaschieren den Verfall. Hier ein paar Bilder aus 2015.


In 2019 war der Anblick schon anders. Natürlich wollte immer noch jeder Geschäfte machen und  es gab junge Typen, die meinten, wir sollen da bloß nicht alleine rein, es sei viel zu gefährlich. Er könne uns aber führen. Was für ein Zufall. Ich lehnte dankend ab. Es war immer noch riesiges Gewusel, aber es gab mehr Freiräume und erste Baustellen. Ich vermutete zunächst Kanalarbeiten oder so etwas.

Dann trafen wir auf diese Informationstafel, sie deutete schon an, dass hier ganz große Dinge geplant sind. Aber so etwas wird dort häufig geplant und dann dauert es weitere 100 Jahre, bis das Vorhaben abgeschlossen ist.

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Aber nun haben sie echt Ernst gemacht. Sie haben den Verkehr anscheinend verbannt und aus rotem Sandstein eine Fußgänger-Zone gebaut. Da wo früher ein „Grün“streifen mit Zaun war, stehen jetzt Pflanzenkübel und Poller. Rein optisch gesehen, passt das jetzt besser mit dem Red Fort zusammen, welches gegenüber steht und mit großer Indien-Fahne auf sich aufmerksam macht.

Laut >Times of India vom 28. Juli 2020 wartet der neue Chandni Chowk mit folgenden Highlights auf:

  • 1) All the electricity wires will be moved underground, which is commendable.
  • 2) The 1.3 km stretch will be a non-motorised zone from 9 AM to 9 PM.
  • 3) The decoration work will be done keeping Mughal architecture in mind.
  • 4) To give it a Mughal-era feel, the place will be decorated with 175 red sandstone planters.
  • 5) The new Chandni Chowk will also have 250 moulsari trees.
  • 6) There will be LED lighting.
  • 7) After the completion of revamp work, Chandni Chowk will become the first region in Delhi, restricted only for pedestrians, cycle rickshaws and e-rickshaws.
  • 8) To accommodate 2300 cars, a multilevel parking facility is being constructed by the North MCD near Gandhi Maidan.
  • 9) Chandni Chowk makeover project is costing around 90 crore.
  • 10) Rehabilitation on ancient sewer lines is also a part of the project.

Hier ein paar >Bilder bei Google, wie es da wohl heute aussieht. Und hier dazu noch >ein Video bei http://www.thehindu.com

Wirklich beachtlich und Respekt, dass sie das durchgezogen haben.

Aber ich glaube, sie haben den Chandni Chowk kaputt gemacht …

—> Weitere Postkarten gibt‘s hier

57) Postkarte aus Dänemark

Dänemark über den Jahreswechsel. Das klang im Oktober sehr weise. Erstens waren die Corona-Zahlen da sehr niedrig, zweitens war Dänemark Impfmeister und drittens ist das Infektionsgeschehen in den Dünen von Fünen wohl eher gering.

Eine Vernunftsentscheidung gegen Halli-Galli, mit wenig Risiko, wieder abgeblasen zu werden. Und nun zum Risiko. Vor Weihnachten wurde DK dann zum Hochrisikogebiet eingestuft, für unsere Einreise sollte das ganz kein Problem werden, möglicherweise könnte es bei Rückreise etwas Stress geben. Also diskutierten die Stimmen im Kopf. Dürfen wir fahren? Wollen wir fahren? Sollten wir fahren? Vielleicht jetzt erst Recht, um nicht wieder enttäuscht zu werden und vor der Kulisse einer kleinen Vorahnung, was uns wohl ab Mitte Januar erwarten wird?

Die Entscheidung ist für die Reise gefallen und bislang war es richtig so.

Hier ein paar Eindrücke:

Am ersten Tag war es noch arschkalt, dafür gab es aber auch etwas Sonne. Ideal zum Joggen. Die Corona-Regeln nahm ich dabei sehr genau, zu jedem menschlichen Wesen hielt ich locker 3 Kilometer Abstand.

Ab dem zweiten Tag wurde es zwar wärmer, dafür sah man aber nicht viel von der Umgebung. Ich nahm die selbe Jogging-Strecke, bin dann aber irgendwo falsch abgebogen. Nach einer gefühlten Ewigkeit stand ich vor der Japanischen Staatsgrenze, entschloss mich aber, besser wieder umzukehren, denn mein Japanisch beschränkt sich auf Miso, Teriyaki, Sushi, Sake und Udon. Da fühle ich mich im Dänischen Sprachraum wohler.

Am dritten und vierten Tag hielt es uns Großstädter nicht mehr auf der Couch. Wir besuchten Städte im Süden der Insel und entdeckten die eine oder andere Skurrilität, die ich euch nicht vorenthalten will, denn so ist diese >Kathegorie der Postkarten hier schließlich mal gestartet.

Manche Häuser wurden noch vor der Erfindung der Wasserwaage gebaut oder die Wikinger hatten sich selber zu viel ge-ølt.

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Die hippen Backpacker können in diesem Hostel absteigen. Rucksäcke müssen draußen rechts von der Tür abgestellt werden, dafür ist drinnen kein Platz.

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Und sogar die Freimaurer haben sich hier mal eine schicke gelbe Loge gebaut und erfanden damit vermutlich die erste geschlossene Chatgruppe.

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In einer anderen Stadt gerieten wir etwas vom Weg ab und fanden uns in der Gasse der Büchsenmacher wieder. Bloß schnell weg hier.

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Die Corona-Regeln sind den unseren recht ähnlich, man trägt zwar das etwas lockere OP-Modell hier, aber die Instruktionen an den Türen klingen nicht so bedrohlich wie bei uns … eher hyggelig.

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Bei der Benamsung der schaumigen Kalorienbomben sind die Dänen schon einen Schritt weiter. Weder sind es geküsste Afrikaner mit dunkler Haut, noch die Köpfe selbiger. Es sind auch keine dicken Männer (Frechheit eigentlich!) und schon gar keine dürren Frauen. Sie nennen sie einfach Flødeboller. Wie hyggelig. Das heißt übersetzt „Sahnebrötchen“. Na lecker, das hat bestimmt das dänische Gesundheitsministerium erfunden, denn das kauft doch nun kein Mensch mehr.

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Und zum Schluß nun noch etwas adulte Kunst. Das passiert, wenn der Däne zu lange in Nebel und Dunkelheit sitzt. Dann wird er Kunstschmied und schmiedet ganz hyggelig vor sich hin.

Ei, Ei, Ei.

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So, liebe Leser, ich glaube, ich verabschiede mich nun aus dem Bloggerjahr 2021. Es sei denn, morgen passiert noch was ganz hyggeliges, dann melde ich mich noch mal.

Guten Rutsch und Godt nytår!

56) Postkarte von Morgenröten – Vol 3

Ich schon wieder. Ging es mir gestern um meine morgendlichen Walks im Park und deren mediale Begleitung, soll es heute um die etwas schnellere Variante mit Laufschuhen gehen.

Aber bevor ich an die Startlinie trete, möchte ich einen neuen Blog vorstellen. Synke von >https://vollverkopft.com verspricht uns „Mindfood für Kopf, Herz und Seele“ und hatte sich jüngst auch dem Thema >Morgenrituale gewidmet. Schaut mal vorbei, sie freut sich sicher über euere Likes und erste Follower 😉

So, und nun aber zum Thema. Eigentlich war ich ja lange Zeit ein Parkläufer, aber mit Corona, den Aerosol- und Bratwurstwolken im Park, habe ich mich sehr bald auf eine Tartan-Bahn verabschiedet.

JA, Rundendrehen ist nicht jedermanns Sache, es kann schnell öde werden und man hat alle 400 Meter die gute Gelegenheit abzubrechen.

Aber ich will heute mal die positiven Aspekte herausarbeiten:

  • Häufig ist man ganz allein, das ist keiner der einem in den Nacken hechelt
  • Es gibt keine Hunde, oder deren Haufen, keine Schlammpfützen, keine Scherben
  • Die absolvierte Strecke lässt sich exakt bestimmen, die Schrittzähler Apps überraschen ja manchmal.
  • Gerade in Frühling und Herbst, ist ein Sportplatz der Ort, wo es am ehesten Helligkeit gibt
  • Und der Himmel, der hat natürlich auch genug Möglichkeiten, sich zu zeigen.

Also ich mag die Runde und Stunde dort, auch wenn es etwas mehr Motivation braucht. Aber schließlich kann man sich ja nebenbei auch gut beschäftigen

Hier der zweite Teil der Liste, meiner Podcasts und Hörbücher aus den letzten Monaten:

  • Die aufgeregte Gesellschaft (Philipp Hübl)
  • 180 Grad (Lukas Klaschinski)
  • Wischmeyers Stundenhotel (Dietmar Wischmeyer und Tina Voß)
  • Die Selbstgerechten (Sahra Wagenknecht)
  • Deutschland 2050 (Nick Reimer und Toralf Staud)
  • Die Pest (Albert Camus)
  • Der Fall (Albert Camus)
  • Der Fremde (Albert Camus)
  • Der Wal und das Ender der Welt (John Ironmonger)

Und nun noch was für die Augen:

<—Postkarte von Morgenröten – Vol 2

Sport frei!

51) Postkarte aus Berlin (… solche und solche)

Großstädte wie Berlin sind laut, verdreckt und hässlich. Sie sind überfüllt, mit Graffiti beschmiert, das wenige Grün ist plattgelatscht und Beton überwiegt überall. Da ist was dran. Im ersten Halbjahr 2021 war ich auf meinen Corona-Freigängen mehr im Kiez unterwegs und habe aus dem Fenster geschaut. Aber eher zeitversetzt, wenn noch nicht so viele Menschen unterwegs waren. Und wenn man da etwas wählerischer hinschaut, lassen sich da durchaus schöne Bilder einfangen. 

Wer hier öfter mal auf’m Blog vorbeischaut, hat vielleicht schon mitbekommen, dass ich eine Schwäche für Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge habe. Warum? Weiß nicht. Vielleicht weil sie jedes Mal anders sind. Mit ihnen beginnt und endet der Tag, wenn man Glück hat und auch hinschaut, auf of recht beeindruckende Weise.


Und die Natur versucht die Stadt zurückzuerobern. Da streifen Füchse über die Höfe, Blütenteppiche auf dem Gehweg lassen eine Indische Hochzeit in der Nachbarschaft vermuten und das knappe Budget für die Grünflächen-Pflege lässt Wildwiesen entstehen. Hat ja auch was.

Selbst im Winter war Berlin recht ansehnlich. Zumindest so lange Schnee lag oder man allein unterwegs war. Gelben Schnee sollte man trotzdem nicht essen und die Schnee-Engel-Figur macht man besser nicht gerade an der Häuserwand.

Aber wenn ihr jetzt denkt, „Ohhhh  … das ist es aber nett dort, da fahren wir doch glatt mal hin … “ lasst es besser sein. Bleibt zu Hause.

Kommt bloß nich‘ her 😉

46) Postkarte aus dem Barnimer Land

Am Wochenende haben wir mal unser Höhlen-Office verlassen. Statt Teams, Zoom und Skype, gab es Luft, Heide und Fontane.

Die Sonne hatte zwar keinen Bock mitzukommen, trotzdem war es eine gute Gelegenheit, dass ganze Corona-Geschehen für den Moment zu vergessen. 

Ein paar Eindrücke:

 

Zum Ende der Tour hatte Corona uns dann doch wieder eingeholt. Mit viel mehr Abstand und Respekt! Also AHA+L+C+R. Klaro?

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3) Postkarte aus … Pick-Up (Gastbeitrag Hermann

Liebe Leser, zu dieser Stunde diskutieren unserer Volksvertreter immer noch, ob wir nun zu Ostern verreisen dürfen und zu wem und wozu eigentlich. Da wir anscheinend noch etwas länger auf die leeren Stühle in der Presse-Konferenz glotzen werden, hier noch etwas Unterhaltung für zwischendurch und ein paar heiße Tipps für vergnügliche Oster-Reisen.
Ach ist das spannend, oder 😉 ?
Grüße, T.

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Corona–Ausflug in Berlin – Gastbeitrag von Hermann

T. hat uns ja mit Postkarten aus aller Welt an seinen Reisen und mit seinem wöchentlichen Corona-Tagebuch am aktuellen Alltag teilhaben lassen. 

Corona und Reisen – eine wahrhaft explosive Mischung – habe ich gestern auf ganz kleiner Flamme erlebt und sogar ein bisschen genossen.

Für eine kleine Heimwerkerei brauchte ich etwas Material, bestellte übers Netz bei einer bekannten Baumarktkette zum Abholen. Die Lieferei ist eh schon überlastet, die lokalen Werktätigen wollen ja auch was tun und das Auto sollte auch mal bewegt werden.

Zu diesem Mikro-Ausflug kam meine Frau mit, denn sie wollte mal was Anderes sehen, als Haus und Garten am Stadtrand.

Die Abholung ging schnell, neu waren auch Kunden mit Termin und sogar ohne Termin, dann mit extra- Registrierung. Baumärkte sind ja wegen Garten….. teilgeöffnet. Es gab  keinen Andrang, aber grad leer war es auch nicht, samstags gegen Mittag.

Und nun, mit der Beute schnell wieder nach Hause? 

Nein, wir machen einen kleinen, ökologisch verwerflichen und auch sonst nutzlosen Schlenker in Richtung Stadt (als Stadtrandler „fahren wir in die Stadt“, wenn wir uns in Richtung City bewegen). 

Am Tierpark vorbei (wäre mal ein Corona-Ausflugsziel), wie früher, dann mit den Kindern, heute mit den Enkeln, braucht aber gutes Wetter und aktuell eine time-slot-reservation.

Stadtteil Karlshorst, Treskowallee habe ich die letzten Jahre als Autofahrer gemieden, ewige Baustelle, nervige Staus – siehe da: FERTIG! Straßenbahn verlegt, S-Bahn-Brücke fertig, toll.

Weiter über die „Rummelsburger“, da stehen etliche neue Townhouses – nichts für Geringverdiener, weiter zum Ostkreuz. Eine langjährige Bahnhofsbaustelle – auch FERTIG!

Damit es keine Ganztagstour wird, über die Spree zurück, Kurs heimwärts. Treptower Park, Baumschulenweg nichts Neues an der Strecke. 

Schöneweide , Wilhelminenhofstraße, vor 100 Jahren eine Säule von Elektropolis, als Berlin das Weltzentrum der Elektroindustrie war. Heute restaurierte Backsteinindustriehallen, ein großes AEG erinnert an die Gründer. Das Industriegleis längs der Straße, mit dem noch vor 40 Jahren Großtransformatoren und Kabeltrommeln verladen wurden, ist weg und heute ein Radweg. Nix mehr Großproduktion. Abgewandert gen Westen oder wegglobalisiert.

Weiter durch die Ostendstraße, vorbei am früheren Werk für Fernsehelektronik, in dessen Bildröhrenwerk ich in den 70er öfter mal gejobbt habe als menschliches Bindeglied zwischen Hängeförderern und Bearbeitungsstationen. Mann, waren die Glasbildröhren schwer!

Weiter durch Köpenick, immer noch vertraut, aber beim Autofahren muss man höllisch aufpassen, denn die Straßenbahnhaltestellen sind teilweise komplett auf die eigentliche rechte Fahrspur gebaut und so erhöht, dass man barrierefrei direkt in die Straßenbahn rein kann. Für die ÖPNV-Nutzer prima, für mich in meinem kleinen koreanischen Corona-Käfig (Auto) manchmal „tricky“  — Zeichen der Veränderung.

Zum Abschluss der Mini-Tour gab es einen leckeren Döner vom Imbiss an unserer 
S-Bahnstation.

…… wie eingangs gesagt: ein kleiner Ausflug, den wir ohne Corona wohl nicht gemacht oder nicht so wahrgenommen hätten.

Vielleicht ein Tipp an die Mitleidenden, die eigene Umgebung wieder zu entdecken und die Veränderungen dort als Teil unseres Lebens (auch) zu genießen.

Foto: Ausschnitt einer Abholinformation der Firma Hellweg