34) Mega-Slide und Super-Maus

Schön, wenn die Kinder größer werden. Insbesondere deshalb, weil sie dann die Dinge zunehmend allein machen dürfen, die ihnen zwar einen Riesen-Spaß bereiten, mir aber ein absolutes „Unbehagen“ verschaffen. Vorsichtig ausgedrückt. Leider müssen sie aber bei bestimmten Anlässen immer noch von einem Erwachsenen begleitet werden.

Zwei Anlässe: 

Im Sommer lassen wir uns überreden, einen Wasserrutschenpark an der Algarve zu besuchen. Die Tickets kann man schon vorher online bestellen. Das ist praktisch. Zum Event selber, muss man aber noch persönlich erscheinen. Das ist eher unpraktisch. Für mich. Nachdem wir uns durch die Drehkreuze gedreht haben, geht es zur zentralen Umkleide. Von dort aus bewegen wir uns nur noch in Badekleidung. Das muss man mögen. Ich hasse es. Tasche, T-Shirt oder Latschen mitzunehmen macht keinen Sinn, wenn wir zu viert rutschen wollen … ähhm … müssen. Dann suchen wir uns die erstbeste Schlange und stellen uns an. Mit all den anderen halbnackten Menschen stehen wir also dicht an dicht in praller Sonne und warten. Überall riecht es nach Sonnen-Chreme. Das ganze Wasser muss doch schimmern wie eine Benzin-Pfütze unterm Auto, denk ich mir so. Bewegt sich die Warte-Schlange etwas nach vorn, drängen uns sofort nackte Leiber von hinten, die entstandene Lücke vor uns zu schließen. Passt man nicht auf, rutscht man der korpulenten Rutsch-Genossin vor uns auf. Nach circa 30 bis 45 Minuten kommen wir näher an das Geschehen heran und können schon mal sehen, wie sich andere Erwachsene so anstellen, wenn sie in den Rutschkanal verschwinden und unten wieder kopfüber herausfallen. Sieht turbulent aus, aber immerhin sind ihre Bikinis und Badehosen meistens noch da, wo sie hingehören. Manchmal aber auch nicht. Unsere Kinder hüpfen vor Freude wie Gummi-Bälle vor uns auf und ab, wir Erwachsenen werden immer stiller und schließen mit dem Leben ab. Was machen wir hier eigentlich? Könnten wir nicht gemütlich mit einer Flasche Vino Verde auf der Terrasse sitzen? Vielleicht etwas lesen oder was lustiges schreiben? Aber nein, wir müssen hier die Mega-Slide rutschen, bei der wir im Reifen eine Steilwand hinauf katapultiert werden und zum Ende in einer Art überdimensionalen Ausguss verschwinden. 

Aber auch der Winter in Berlin bietet ähnliche Challenges für uns Eltern. Auf dem Weihnachtsmarkt beim IKEA an der Landsberger Allee wartet die Super-Maus auf die Kinder. Und auf uns. Die Schlangen sind deutlich kürzer als im Rutschenpark in Portugals Süden. Die Menschen dort haben wenigstens Klamotten an und es gibt Glühwein so viel man will. Kein Vino Verde, aber immerhin. Um uns herum stehen lauter Teenies und gackern vor sich hin. Ein Girl aus der Gruppe telefoniert mit ihrem Handy und brüllt „Nee, isch bin nich Alex, isch bin IKEA, Alder“ in das Mikro. Ich sehe meine staatliche Rente im Schlamm des Weihnachtsmarkts versickern. Aber darum geht es ja hier nicht. Das wäre schon einen eigenen Beitrag wert. Zu viert besteigen wir also den Wagen der Achterbahn und lassen uns die stählerne Rampe hinauf ziehen. Noch einmal drücke ich den Metall-Bügel über unseren Hüften nach unten. Nur um sicher zu gehen, dass keiner herausfliegt. Zuviel. Ich kriege kaum noch Luft. Misst. Wir erreichen den Gipfel der Bahn, verharren für einen Moment und dann donnern wir hinunter. Kurve für Kurve. Über Berg und Tal. Es gibt zwar keine Loopings, trotzdem reicht es mir bald. Die Gondel beginnt nun auch noch, sich zu drehen. Ich habe die ganze Zeit meine Augen geschlossen, spüre meine Knie an die Wagen-Kante prellen und mein Halswirbel aus der Verankerung springen. Kaum ist es überstanden schallt es im Chor „Noch maaaal!!“. Also wenn ich heute 16 Jahre alt wäre, würde ich mich mit einem Papp-Schild vor die Achterbahn stellen. Darauf stünde dann so etwas wie „Kinderbegleitung: 5 EUR“.

Bei der Gelegenheit wünsche Ich allen Lesern einen guten Rutsch!!!

Frühere Beiträge aus dem Familienleben:

6) Postkarte von der Algarve 2018

An der Algarve kann man ohne Probleme zwei Wochen verbringen. Im besten Fall hat man zwei bis drei Unterkünfte und ein Auto vor Ort, dann kann man viel von der Küste und dem Hinterland erkunden, ohne einzelne Wege immer doppelt fahren zu müssen. Man kann sogar mal kurz nach Spanien düsen, wenn man mag.

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Und natürlich kann man auch in Portugal so einige Skurrilitäten entdecken:

Wovon will eigentlich Portugal leben, wenn der Export-Schlager mal irgendwann in Rente … oder in die Breite geht wie Maradonna? Und warum hat diese Kuh rasierte Beine?

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Wenn Mobil-Funkantennen hässlich aussehen, dann hängt man in Portugal halt etwas Grünzeugs dran und schon geht’s doch, oder? Kommen dann zum Jahresende auch noch bunte Kugeln dazu? Und was ist mit Lametta?

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Trinkt man gern Bier, kann man schnell den Überblick verlieren, wie viele man schon getrunken hat. So klein sind die Flaschen dort. Eine viel bessere Alternative ist der gute Vino Verde, den gibt’s auch in großen Flaschen.

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Wiederverwendung wird in Portugal groß geschrieben. So macht manches Porzellan noch eine zweite Kariere und duftet fortan blumig. Leider hängen sie nur etwas hoch für den Durchschnittsmann …

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Wenn Portugiesen kein See-Kajak haben, dann bauen sie sich halt selber eins. Portugal war schon immer eine stolze Seefahrer-Nation und hat es sogar bis nach Indien und Südamerika geschafft…

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…allerdings fragt man sich manchmal, wo all die Schiffe geblieben sind.

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Fazit: Kann man auf jeden Fall empfehlen, wenn man von etwas „shabby chic“ nicht gleich enttäuscht ist und bei durch und durch gelassenen Menschen nicht die Fassung verliert. Optimal wenn man Sonne, Wein und Fisch mag und sich über angenehme Preise freut. Für Familien auf jeden Fall geeignet und für jeden der mal einen Gang zurückschalten will.

Frühere Postkarten:

6) Portugiesisches Hafenklo

Lagos, Algarve, Portugal. Unser Sohn muss auf’s Klo. Zum Glück erinnere ich mich an ein blaues WC-Schild am Hafen. Ein paar Meter gehen wir beide zurück, unsere Frauen gehen derweil schon einmal weiter. Meine Bitte, die Kabinen-Tür nicht abzuschließen ignoriert der kleine Mann. Und so erleben wir nun gleich zwei väterliche Panik-Attacken in Folge. 

Nummer 1: „Papa, hier gibt’s kein Papier“! Mein Puls steigt. Ich schaue beim Nachbarn, aber da gibt es auch nichts, auch nicht bei den Waschbecken und auch nicht nicht bei den Frauen. Das Behinderten-Klo ist verschlossen. In meiner Tasche finde ich noch ein altes Sagrotan-Tuch. Ausgetrocknet, aber egal, dass sollte ausreichen. „Lass uns gehen“, sage ich. 

Nummer 2: „Papa, ich komme hier nicht raus“! Mein Puls legt noch einmal zu. Ich kann von außen nichts tun, außer irgendwie das Innere zu erfragen. Doch er berichtet nur von einem  „Schniepel“ oder so einem „Ding“. Also klettere ich in der Nachbarkabine aufs Klo und lehne mich von dort über die gemauerte Trennwand und kann das System endlich erkennen. Es es ist ein Bolzenriegel, aber ich kann den bei aller Akrobatik nicht packen. Also muss ich ihm Anweisungen geben. Leider kennt mein Sohn aber nur „an“ oder „aus“ beziehungsweise „volle Kraft“ oder „keine Kraft“. Portugiesische Schiebe-Riegel bezwingt man aber mit Gefühl und Ausdauer.

Lessons learned:

  1. Papier vorher checken
  2. Nur abschließen, wenn es echt sein muss

 

Frühere Beiträge zum Thema Reisen: