217) Corona-Lektionen 92

Die letzte Folge meiner > Corona-Lektionen ist schon wieder drei Wochen alt. Da wird doch wohl etwa auf der Zielgeraden zur 100. Folge nicht etwa der Saft ausgehen, oder? Mit Nichten.

Teil 1 der Reihe erschien hier am 13. März 2020 und ich wollte nur ein paar Gedanken dazu loswerden. Zum Ende stellte ich in Aussicht, dass es vielleicht noch einen 2. Teil davon geben würde. Heute veröffentliche ich Teil 92 und dieser Teil ist etwas Besonderes. Denn es ist der erste Teil der Reihe, der aus dem Ausland veröffentlicht wird. Daher gehe ich den Beitrag auch etwas lockerer an 

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

Delta
Ich habe keine Ahnung wie die Schule in drei Wochen wieder anlaufen soll, der Corona-Ticker für unseren Stadtbezirk bewegt sich schon wieder auf die 20 zu. Die Delta-Variante macht sich breit, ich habe etwas von „Delta plus“ gelesen, ich erwarte eigentlich noch „Delta XXL“, „Super Delta“, „Extreme Delta“ und „3 in 1-Delta“ … bevor wir dann endlich in die Epsilon-Klasse aufsteigen. Je suis désolé, je ne veux pas traîner le sujet dans le cacao

Masque Obligatore!
Wir genießen den Urlaub, auch wenn natürlich Corona hier immer noch „in aller Munde“ ist. Um die weitere Verbreitung zu verhindern, trägt man auch hier schicke Kaffee-Filter auf Mund und Nase. Und da wird das Urlaubserlebnis noch intensiver. Die Besteigung eines Leuchtturms mit FFP2 oder die Besichtigung einer alten Burg lassen halbwegs erahnen, wie sich Reinhold Messner ohne Sauerstoff auf dem Mount Everest fühlte. In einem Chateau hier um die Ecke, haben sie die komplette Beschilderung/ Wegführung „coronaesque“ gestaltet. Oder haben einfach die alten Schilder aus den Zeiten der Pest vom Dachboden geholt?

„Habt ihr eure Masken?“ hat wohl den Satz „Könnt ihr mich hören?“ als häufigst gesprochenen Satz der Menschheitsgeschichte abgelöst.

Les Schwurbliers
Auch in Frankreich gibt es Schwurbler. Der Online-Translator gibt mir auf Anhieb keine französische Entsprechung. Also erfinde ich selber eine. Ich nenne sie „Les Schwurbliers“. Das klingt besonders schön, wenn man es französisch ausspricht. Impfzentren gibt es natürlich hier hier auch, aber das nächstgelegene Institut ist nicht so einfach zu erreichen.

Krisen
Vor ein paar Tagen stand ich im Supermarkt vor dem Regal und sah schon wieder die nächste Pandemie kommen, auch wenn es dort eigentlich nur „weiches Brot“ gab. Oh man … ich habe echt eine Corona-Macke. Ich muss den Urlaub vom Höhlen-Office wohl noch verlängern.

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Wenn ich allerdings den Nachrichten aus Deutschland folge, werden da die echten Herausforderungen sichtbar. Unwetter, Zerstörung, Tote …übel.

Für den Moment bin ich heilfroh, an diesem friedlichen Ort hier zu sein.

<— Corona-Lektionen 91

215) Rückkehr ins Büro – Teil 2

Manche von euch waren schon wieder mal im Büro, bei meinem Brötchengeber ist das noch kein Thema. Also bleibt mir nur der Blick in die Glaskugel und das Mutmaßen, wie es denn so wäre. Kürzliche Wortwechsel mit Anke und Belana Hermine inspirierten mich für einen zwinkernden Fortsetzung von >Rückkehr ins Büro.

Also … wenn wir mal wieder ins Büro kommen … dann …

  • stehen wir zunächst ratlos vor dem Kleiderschrank. Die Klamotten, die da hängen, sind schon über zwei Jahre alt. Kann man post-coronär noch Streifen, Punkte oder Karo tragen? Oder trägt man nun lebenslang Home-Hoodie und Schlappen? Besser wir wählen ein zeitlos hellblaues Hemd
  • müssen wir unseren Sitzplatz über eine App buchen, so wie einst den Platz im Kino. Die App wird uns Arbeitsplätze vorschlagen, belegte Plätze werden aber anonym angezeigt, so dass jeder mal neben „Knolauch-Ulf“ oder „Quassel-Biggi“ sitzen muss
  • torkeln wir aufs Firmengelände zu, erwarten uns große Wegweiser, Anzeige-Tafeln, Warte-Bereiche,  Quarantäne-Zonen, Sicherheitsschleusen, Temperatur-Scanner und über Lautsprecher werden die neuen Spielregeln verkündet. „Achtung, Achtung … hier spricht die Firmenleitung! Wir erwarten alle Rückkehrer_Innen pünktlich 10:00 Uhr zum Appell im Innenhof
  • haben wir dann endlich unseren Sitzplatz im Großraum-Stall gefunden, fühlen wir uns sofort unwohl und beobachtet. Wir brauchen etwas im Rücken. Wir überlegen, morgen das Rennrad, den Wäscheständer oder unser verkramtes Bücherregal mitzubringen
  • in persönlichen Gesprächen mit Kollegen fremdeln wir total. Wir kriegen es einfach nicht hin, ihnen in die Augen zu schauen. Stattdessen suchen wir ständig die Kamera, die sich die letzten 1,5 Jahre ungefähr 4-5 cm über deren Stirn befand
  • zum Mittag stehen wir völlig verloren in der Kantine. Überfordert von all den Speisen, suchen wir mit der Minuten-Terrine in der Hand die Mikro-Welle und hoffen verzweifelt, dass sie baugleich mit dem heimischen Modell ist. Piep. 2 Minuten. Bing. Mittag!!!!!.
  • nach dem Essen, gehen wir mehrmals vor die Tür, weil wir die Freunde der letzten Monate vermissen. Der Zoltan von Hermes, der Pete von Amazon oder auch der nette Klaus von DHL. Wo bleiben die heute nur, es ist doch schon nach 13:00 Uhr?
  • gegen 14:00 Uhr geht uns der Büro-Lärm so sehr auf die Ketten, dass wir uns verabschieden. „Macht‘s gut, ich fahre jetzt nach Hause zum Arbeiten!“

So oder so ähnlich wird’s wohl werden, oder 😉

<— Rückkehr ins Büro – Teil 1

207) Corona-Lektionen 87



In die positiven Entwicklungen in der vergangenen Woche, platzt nun der nächste Skandal. Die privaten Test-Center, die wie Pilze aus dem Boden gewachsen sind und Schnelltests anbieten, können die 18 EUR Aufwandsersatz pro Test abrechnen, ohne entsprechende Belege einzureichen. What? Sonst wirft man Deutschland vor, oberbürokratisch zu sein und nun prüft man … gar nichts? Oberster Grundsatz in der Buchhaltung lautet „Keine Buchung ohne Beleg“. Und die Center können (heißt nicht, dass alle das machen) abrechnen was sie wollen? Das kommt einer Veruntreuung von Steuergeldern bei gleichzeitiger Ermunterung zum Betrug nahe. Ich meine, man muss ja nun nicht gleich wieder ein Mega-Prüf-Monster erfinden, aber der Betreiber eines solchen Centers könnte doch mindestens dazu aufgefordert werden, die Rechnung/Lieferscheinnummer für die Test-Kits beizulegen. Da kann man immer noch bescheißen, ja klar, aber ich lass doch auch nicht die Tür meiner Wohnung offenstehen, um mich dann zu wundern, dass sie ausgeräumt wird. Das ist dilettantisch und hat rein gar nichts mit der „der so unverhofften und nie gekannten Pandemie-Situation“ zu tun.

Hellblau
Gerade eben habe ich mir noch einmal auf die Corona-Karte von Berlin geschaut. Unser Stadtbezirk erstrahlt da in einem ganz zarten himmelblau. Die Einfärbung ist so schwach, ich muss bald mal die Kontrasteinstellungen am smarten Gerät verändern, damit ich das überhaupt noch erkennen kann. Und auf diesem hellblau protzt eine superschlanke 18,3. Zum Glück sind es nicht die Wahlprognosen der AfD, sondern unsere 7-Tage-Inzidenz. So schön wie das klingt, so zögerlich bin ich aber auch, gleich in Euphorie zu verfallen. Keiner rennt vor Freude auf die Straße, keiner zündet Raketen, keiner liegt sich freudeheulend in den Armen. War’s das? 

Ich traue dem Frieden noch nicht. 

Vielleicht macht das Biest nur Sommer-Pause?
Schönen Sonntag
T.

<—Corona-Lektionen 86

—> Corona-Lektionen 88

202) Corona-Lektionen 84

Hah! Unser Kiez ist deutlich unter 50. Nein, nicht nur vom Durchschnittsalter her, sondern auch von den Neuinfektion auf 100.000 Einwohner gerechnet. Bevor die neue Arbeitswoche im Höhlen-Office startet, hier noch ein paar Gedanken der letzten Tage.

Tja, wie ging nun die Inzidenz so deutlich runter?
Haben wir uns so diszipliniert heruntergearbeitet? Durch Vernunft, Verzicht und nächtliche Ausgangssperre? Lag es daran, dass die gebürtigen Schwaben und Bayern über’s lange Wochenende nach Hause gefahren sind 😉 Aber wäre die Inzidenz dadurch nicht eigentlich sogar höher, weil gar nicht 3,5 Mio Einwohner in der Stadt waren? Oh, oh …, zu früh gefreut? Oder hat diese böse Regierung vielleicht doch heimlich Impfstoff ins Trinkwasser gekippt? Oder entwickelte das Bundeswetterministerium das ideale Anti-Corona-Wetter für uns. Schwedischer Sonne-Wolke-Mix bei 13°C für die nächsten 30 Jahre? Oder hat das Virus einfach keinen Bock mehr. Würde ich verstehen, ist ja auch anstrengend so eine Pandemie.

Und warum kennt mein Schreibprogramm immer noch nicht den Begriff „Inzidenz“ und unterstreicht ihn ständig rot?

Impf-Schummel
Man liest von Schummelei und Dokumentenfälschung. Wundert mich alles nicht und da soll mal keiner so erstaunt tun. Die miese Dokumentationsform der erfolgten Impfungen, muss man noch mal aufs Brot schmieren. Da war nun wirklich genug Zeit, sich etwas Vernünftiges einfallen zu lassen. Vielleicht sollten sie mal bei Fluggesellschaften, Kinobetreibern und Bonuspogrammen anfragen, wie man so etwas macht. Aber nein, wir wedeln mit einem gelben Büchlein durch die Außen-Gastro und erbitten Einlass. Ich warte auf die ersten Datenschutzdiskussionen, ob der Kellner die anderen Impfungen im Buch überhaupt sehen darf. Aber obwohl, da könnten sie dann ja auch einen Service draus machen. „Ihre Lasagne kommt sofort, aber sagen sie mal … ihre Tetanus müssten sie auch mal wieder auffrischen“.

Lockerung
Zeit für eine paar Lockerungsübungen! Bei dieser erfreulichen Entwicklung der Zahlen, fragt sich bestimmt jeder dieser Tage mal, was er/sie denn gern machen würde, wenn der Spuk mal beherrschbar wird, oder?

  • Mal irgendwo gemütlich sitzen und etwas essen? Sich nicht ständig von der Fläche vor dem Lokal vertreiben lassen? Den Döner nicht an einer zugigen Häuse-Ecke herunterschlingen und die Kanton-Ente nicht in Kunststoffverpackung nach Hause tragen? 
  • Lust auf einen Kino-Besuch? Einen Blockbuster mit Überlänge und eine Schüssel Nachos auf dem Schoß. Mit Käsesauce und Jalapeños? 
  • Oder mal eine chillige Wiedersehens-Party veranstalten? So wie schon hier im letzten Mai in Corona-Lektionen 26 geschrieben.
  • Mal wieder einen Laden betreten, dessen Fenster nicht mit Verhaltensregeln zugeklebt sind? Sondern wo einfach ein einziges Schild die Eingangstür ziert: 

„OFFEN“

Ach ja … wie schön … aber mit Geduld bitte.

Schönen Sonntag noch
T.

<— Corona-Lektionen 83

–> Corona-Lektionen 85

198) Corona-Lektionen 83

Ich habe gerade meinen 14. Höhlen-Office-Monate beendet .. bzw. unterbrochen wegen Himmelfahrt. Für all die, die sich nicht mehr erinnern können, Himmelfahrt war der Tag, wo man als „Mann“ mit den Jungs einen drauf machte, oder als „Vater“ etwas mit der Familie unternahm. Die Optionen sind eher wieder dünn dieses Mal. Keine Ausflugslokale, keine Kremserfahrten, immer noch Abstandsgebot und bloß nicht laut singen … oder grölen … oder in den Armen liegen.

Zeit für ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Homeoffice 1:
Nicht nur wir Menschen arbeiten auf Verschleiß, auch die Technik um uns herum. Da sind beängstigende Meldungen nach Windows-Updates, die Smart Card wird häufiger nicht erkannt, das Headset ist mehrfach geflickt, der Rechner fiel in Super-Sleep Mode und gestern verabschiedete sich das DSL Modem in zweitweisen Streik. Großes Geschrei aus allen Zimmern. Wenn die Pandemie beherrschbar wird, muss die ganze Technik auf Kur. Wir Home Worker vielleicht auch?

Homeoffice 2:
Habe heute an einer virtuellen Messe teilgenommen. Referenten aus allmöglichen Ländern sprachen über ihre Solutions und waren natürlich per Video zugeschaltet. Und ich muss sagen, ich kann das nicht mehr haben. Ein durchgewühltes Sofa im Hintergrund, persönliche Bilder im Bilderrahmen-Sammelsurium, ein vollgekramtes Bücher-Regal. Neeee! Ich will das nicht sehen! Und Obstkorb oder Pflanze auf dem Sideboard machen es nicht besser! Gebt mir lieber eine durchgestylte Power Point Präsi oder macht einen coolen Film draus! Oder bastelt euch einen lustigen Hintergrund! Aber lasst mich nicht in eure Höhle schauen!

Homeoffice 3:
Irgendwann wird es ja mal wieder zurück in die Büros gehen. Das wird sehr spannend. Lassen die Arbeitgeber dann nur „Geimpfte und Genesene“ kommen und der Rest bleibt für immer daheim? Oder dürfen nichtgeimpfte Mitarbeiter kommen und werden dann besonders abgeschottet, denn der Arbeitgeber muss sie ja vor Infektion schützen? Ist es dann ein Arbeitsunfall wenn sie sich im Büro anstecken? Oder persönliches Pech?

Es bleibt spannend! 
Aber jetzt machen wir erst einmal etwas aus dem Feiertag. 
Aber was nur?

<— Corona-Lektionen 82

—> Corona-Lektionen 84

196) Corona-Lektionen 82

Eine arbeitsreiche Woche liegt hinter mir, ich hatte nur wenig Zeit den Corona-News zu folgen. Ein paar Nachrichten am Abend und Talkshow-Fetzen, mehr war nicht drin. Trotzdem (oder vielleicht genau deshalb) habe ich das Gefühl, dass sich die Ereignisse überschlagen oder täuscht das?

  • Zu Wochenbeginn saß ich noch bei Plasberg und ertrug die ermüdenden Erläuterungen der Bundesbildungsministerin. „Wir haben schon zu Beginn der Pandemie gesagt, dass …“, „Luftfilter einbauen geht nicht weil …“, „da gibt es Vorschriften hier“ und „Standards da“. Ein sehr sympathischer Soziologe konterte sehr charmant und ungefähr „Ja wenn wir mal all die Vorschriften und Standards ernst nehmen würden, dann hätten die Kids auch funktionierende Toiletten und die Fenster wären dicht“. Herrlich! 
  • Das war ungefähr der Zeitpunkt, als ich die Doku-Reihe „plan b“ entdeckte. Positive, konstruktive Entwicklungen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Technik. Das tut mal richtig gut. Kein rückwärtsgewandtes Genöle, sondern ein Blick nach vorn. Kann ich nur empfehlen.
  • Zur Mitte der Woche ging es dann Schlag auf Schlag. Wiederkehrende Freiheiten für „Geimpfte und Genesende“, ja sogar Reisen im Sommer soll möglich sein. Die Haustechniker in den Hotels überlegen bereits krampfhaft, wo eigentlich die Hauptsicherung für den Strom und das Absperrventil für die Wasserversorgung zu finden sind. Und dann ging es so weiter. Impfungen von Kindern über 12 Jahre in Canada, Diskussionen um die Aussetzung von Patentrechten für Impfstoffe, Impfung der deutschen Kinder noch in den Ferien, hört hört!
  • Und nun zum Ende der Woche geht das so weiter. Die Impfreihenfolge für AstraZeneca ist ausgesetzt, es gibt einen Sonder-Etat für Kinder und Jugendliche und man diskutiert nun wieder ein Wort, was längere Zeit nicht zu hören war. „Klima“. Was ist hier nur los? Lag ich 2 Monate im Koma? Wird jetzt geklotzt? Ist alles überstanden?

Vorhin war ich beim Supermarkt um die Ecke. Ein Typ steht an der Fleischtheke, seine Maske hängt auf „halb sieben“ und er blökt seine Bestellung über den Tresen. „Würden Sie bitte ihre Maske über die Nase ziehen“, fragt die Fleischfachverkäuferin“ sehr freundlich. Der Typ fängt das Diskutieren an. „Wissen `se ick halt davon ja nix …“

Es ist noch nicht vorbei … aber es geht aufwärts.
Bleibt stark!

<— Corona-Lektionen 81

—> Corona-Lektionen 83

195) Corona-Lektionen 81

Es fühlt sich zwar an wie März, ist aber Mai. Keine Sonne, wenig Wonne. Super Wetter gegen Virus- Spreader. … oh oh, das wird nun zu albern. Zurück zum Ernst.

Rückkehr in die Schule:
Das große Kind hatte nach 18 Wochen Abstinenz, die Schule dann doch wiedergefunden. Ab morgen heißt es für sie aber wieder „Schulisch angeleitetes Lernen von zu Hause“. Also im Wesentlichen „Selbststudium“

1. Der Präsenzanteil muss steigen! Nur so kann verhindert werden, das Kinder abgehängt werden und nur so können Eltern dann jemals wieder in ihrem eigentlichen Präsenz-Job nachgehen, sollte es mit weiterem Impffortschritt mehr Öffnungen geben.

2. Der Lehrplan muss hinterfragt werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Kinder keinen bleibenden Schaden davontragen, wenn sie in pandemischen Zeiten in Musik, Kunst, Textilarbeit und Sport etwas kürzer treten. Ich frage auch, ob es die richtige Zeit ist, die griechischen Götter oder Basketball-Regeln auswendig zu lernen. Jeder Personaler hätte doch Verständnis dafür, wenn es für zwei Jahre in diesen Fächern keine Noten auf dem Zeugnis gäbe. 

3. Und liebe Lehrkräfte, überlegt bitte, welches Unterrichtsformat in welcher Situation angebracht ist. Im Präsenzunterricht dann doch wieder Arbeitsblätter ausfüllen zu lassen, ist es ein Unding! Ach so … und noch etwas. Unsere Glasfaserleitung fühlt sich unterfordert. Sie hat noch freie Bandbreite, die könnt ihr gern noch mit Video-Unterricht auffüllen 😉

Rückblick
Manchmal rolle ich in meinen Corona-Lektionen zurück, nur um mal zu sehen, was ich denn da so vor einem Jahr gedacht habe.

In >Nummer 21 vom 02.05.202berichtete ich, wie ich das erste Mal mit Maske im Kaufland war und amüsierte mich prächtig über eine Kundin, die dort ständig „Bapu“ rief. Ist lustig 😉

In >Nummer 22 vom 05.05.2020 schrieb ich über erste zaghafte Schulöffnungen nach Lockdown 1 und wie sich das neue Gesichtstextil noch in die Familienroutinen integrieren muss.

In >Nummer 23 vom 07.05.2020 spürte ich eine erste Sättigung an Regeln und Vorschriften. Gleichzeitig fragte ich mich, wie es denn den Hamsterern so ergangen ist. Haben die 30 kg Ravioli gemundet? Ist die Rötung am Hinterteil wieder verschwunden?

Pandemie-Topping
Wem das aktuelle Pandemiegeschehen zu fad ist, wer noch etwas Sahne auf den trockenen Corona-Kuchen haben will, kann sich mal den Film „Contagion“ reinziehen. Den habe ich bei seinem Erscheinen vor zehn Jahren irgendwie verpasst, vielleicht fand ich den Inhalt damals auch irgendwie „unrealistisch“ und „an den Haaren herbeigezogen“. Es geht um eine Virus-Pandemie, die Suche nach einem Impfstoff, auftretende Mutationen, Verschwörungstheorien, Social Media, Angst und Panik. Damals hätte ich vermutlich gelassen in die Popcorn-Tüte gegriffen und den dort angesprochen R0-Wert sofort wieder vergessen.

Heute sind wir schlauer und erkennen, dass dieser Film doch sehr realistisch war.

Schönen Sonntag
T.

<— Corona-Lektionen 80

–> Corona-Lektionen 82

194) Corona-Lektionen 80

Der 80. Beitrag dieser Serie, … nun ja, … was gibt’s neues? Nüscht! Nur Höhlen-Office, ein paar Besorgungen und ein regelmäßiger Blick aufs Thermometer.

Der Frühling kommt nur in kleinen Dosen. Und zwar gut gekühlt. Wir sollten ihn besser zuteilen … priorisieren sozusagen.

Ein paar Gedanken der letzte Tage:

Notbremse
Ein Bundesgesetz regelt nun diverse Dinge bei Erreichen bestimmter Inzidenzen. Für uns hat sich rein gar nichts geändert. Aber es ist eine großartige Errungenschaft, dass man nun bundeseinheitlich bis 00:00 Uhr joggen kann. Allein. Mich würde ja echt mal interessieren, welcher Kreis das nun wieder durchgedrückt hat. Jetzt mal Hand aufs Sportler-Herz. Wart ihr das? Geht Ihr echt um 23:00 Uhr allein joggen … 

Schule
Das große Kind darf wieder in die Schule gehen. Nach unglaublichen 18 (!) Monaten war ihre Klassenhälfte nun wirklich dran. Ich hatte ja schon Wetten angenommen, dass das vor den Sommer-Ferien nicht mehr klappt. Kurzzeitig überlegte ich, ob wir wohl ihre Schultüte noch irgendwo herumzuliegen hatten. Die hätten wir ihr mitgeben können. Aber diesen ironischen Spaß hätte man wohl missverstanden. Aber so ist das nun mal mit ironischen Statements inmitten angespannter Pandemie-Situation. Sollten man vorher drüber nachdenken. Seitenhieb … Video-Künstler … ihr wisst schon.

Indien
Der ein oder andere weiß, dass ich regelmäßig mit Indischen Kollegen zu tun habe. Natürlich sprechen wir schon ein ganzes Jahr über Corona. Lockdown, Einschränkungen, die Schule der Kinder und so weiter. Seit ein paar Tagen komme ich nun aber an die Grenzen meines Englisch- Wortschatzes. Und zwar wenn sie aus erster Hand berichten, was da aktuell los ist. Wenn Sie erzählen, dass Familienmitglieder in Krankenhäusern liegen (… wenn sie Glück haben …) oder schon „passed away“ sind. Dann sprechen sie weiter von „Oxygen-Shortage“, „lack of ICU“ und … cousin … nephew … mother in law … und so weiter. Dann kriege ich kaum ein Wort über die Lippen. Was soll ich da sagen?

Und dann fragen sie mich, was hier so läuft …

Frohes Nachdenken allerseits
T.   

<— Corona-Lektionen 79

—> Corona-Lektionen 81

188) Wäre, hätte … Infektionskette

Man hört immer wieder schlaue Erkenntnisse, was man in der Pandemie hätte anders machen können. Oder sogar müssen. Wo falsche Entscheidungen getroffen wurden. Das ist einfach und beliebt, ganz besonders im Nachhinein 😉

Daher will ich jetzt hier nicht weiter darauf eingehen.

Die Worte „wäre“ und „hätte“ beschäftigen mich aber trotzdem im Corona-Kontext, allerdings auf einer anderen Ebene:

Wäre
Was wäre eigentlich geschehen, wenn uns diese Pandemie in den 80-er Jahren erwischt hätte?

  • Wäre es überhaupt dazu gekommen? Schließlich war der Tourismus noch nicht so extrem und die Grenzen waren ja mehr oder weniger dicht. Trotzdem, gereist wurde da ja auch schon, auch interkontinental.
  • Wo wären all die Daten hergekommen? All die Inzidenzen, Fallzahlen, R-Werte, die wir mittlerweile checken wie den Wetterbericht. Und uns dann schon aufregen, wenn die Zahlen vom Wochenende „noch nicht drin“ sind. Wie wären die ermittelt worden? Per Telefon, Fernschreiber, Telegram?
  • Wie wären Schule und Arbeit damals abgelaufen? Homeoffice, Homeschooling gab‘s nicht. Tragbare PC’s waren erst am Entstehen, aber was hätte das „Tragen“ schon geholfen, gab es doch kein Internet in den Wohnungen. Nicht einmal Telefon überall.
  • Und wie wären Regierungen und Ordnungskräfte vorgegangen? Wäre das Militär auf den Straßen unterwegs? Hätte man ganze Stadtbezirke abgeriegelt und ausdörren lassen (Camus, Die Pest)?

Wie wäre das wohl gewesen???

Hätte
Und nun mal anders herum. Was hätten wir eigentlich auf dem Tisch, hätte uns die Pandemie nicht erwischt? Was hätte unser aller Aufmerksamkeit erreicht und an den Stammtischen diskutieren lassen?

  • Hätte unser Klima da seinen Platz? Hätten Greta und Future-Friends weiter demonstriert? Hätten sich „die alten“ immer noch drüber aufgeregt, dass die Kids erst einmal zur Schule gehen sollen, bevor sie sich anmaßen, die Welt zu retten?
  • Oder hätte die Digitalisierung und die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt den Weg in die Nachrichten gefunden? Die anstehende Transformation von Beschäftigungs-und Einkommensstrukturen?
  • Vielleicht hätten wir aber auch unseren maßlosen Konsum thematisiert, der uns Europäern dank ausgeklügelter Lieferketten, die Bengalen-Billo-Shirts bis in den heimischen Kleiderschrank liefert.
  • Möglicherweise hätten wir uns mit flüchtenden Menschen beschäftigt, die ja auch noch „da“ sind und sich bald auf den Weg zu uns „hier“ machen? Hoffentlich auch mit deren Ursachen?

Wäre … hätte … Infektionskette.

Ich bin mal auf den kommenden Wahlkampf und die Schwerpunkte da gespannt.

191) Rückkehr ins Büro – Teil 1

Irgendwann wird der Tag kommen, an dem wir unsere Höhlen-Offices wieder verlassen werden. Die Arbeitgeber werden in die Büro-Türme rufen und die Human-Resourcen sind mit dieser Entwicklung völlig überfordert.

So ungefähr wird’s wohl werden ;-):

  • Die Arbeitnehmer schauen sicherheitshalber noch einmal in ihre Arbeitsverträge, um sich zu vergewissern, dass sie noch die richtige Adresse im Kopf haben. 
  • Tag für Tag werden mehr blasse Homeworker auf die Straßen treten. Planlos und ausgemergelt von all den Tütensuppen, gehen sie das erste Mal seit langer Zeit wieder mehr als 30 Schritte am Stück. Krummbuckelig irren sie über die Fußwege und halten sich die Hände vor die Augen, da das Tageslicht die Netzhaut reizt.
  • In der Lobby der Firma steht eine Informationstafel, die an passable Kleidung erinnert. Piktogramme zeigen durchgestrichene Jogging-Hosen und Flip Flops. Auf einem Symbol für Unterwäsche, prangt „24h max!“.
  • Die erwünschte Körperhygiene wird auf jeder Etage und in den Aufzügen thematisiert. Übermäßig lange Vollbärte, behaarte Ohren und Rastalocken seien nur aus religiösen oder kulturhistorischen Gründen erlaubt.
  • Haben wir dann unser Büro erreicht und können uns noch an den Tür-Code erinnern, schreiten wir hinein in die Großraum-Höhle und rufen laut „Bling“. Dann rufen wir „Guten Morgen, könnt ihr mich hören?“
  • Kommt uns das Netzwerk irgendwie langsam vor, brüllen wir die ganze Etage zusammen. „Amelieeeeeeee, bist du etwa in Netfliiiiiiiix? Hier hängt alles! Man, ich muss hier arbeitööööön!“
  • Ist es um uns herum verdächtig still, fragen wir durch den Raum: „Jonaaaaaas, denkst du bitte an Englisch? Und dann noch GeWi und NaWi hochladen!“ 
  • Spinnt der PC rufen wir nur „Schaaaa-aatz, kannst du mal gucken, hier is‘ so ´ne komische Meldung“. (Danke Anke für diese Inspiration 😉
  • Gegen Mittag stehen ein Haufen bunter Fahrrad-Lieferdienste am Zaun und sorgt für Ärger mit dem Wachschutz. Die Lunch-Verträge mit den Homeworkern ließen sich nicht so kurzfristig beenden. Also werden die Koordinaten der Handy-Inhaber weiterhin mit Mittagessen beliefert.
  • Betriebsrat und Sozialberatung verteilen verschiedene Broschüren
    „Präsenzarbeit – 100 Tipps für eine neue Arbeitsform“
    „Büro-Knigge –  Für ein soziales Miteinander am Arbeitsplatz“
    „Auf Augenhöhe – Die Geheimnisse adulter Frontalkommunikation“

Video-Konferenzen wird es natürlich weiterhin geben, die Firmen sind auf den Geschmack gekommen. Aber wir werden unsere Hintergrundbilder tauschen. Ein verkramtes Bücherregal, ein Rennrad oder die Ehefrau, die im Bademantel durchs Bild huscht lassen uns nostalgisch zurückdenken an die schöne Zeit im Höhlen-Office.

So oder so ähnlich wird’s wohl werden, oder was denkt ihr?

—>Rückkehr ins Büro – Teil 2