219) Corona-Lektionen 94

Am Montag soll in Berlin die Schule wieder starten. In voller Klassenstärke, maskiert, getestet und intensiv belüftet. Mit jedem Wort dieser Einleitung werfen sich Falten auf meiner Stirn auf. Hoffentlich geht das gut.

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Kino
Ja, wir haben es mal wieder gewagt. Wir waren in einem Lichtspieltheater! Ihr wisst, so eine Einrichtung, wo man gegen Entgelt bewegliche Bilder auf einer Leinwand dargeboten bekommt. Inclusive erhitzen Maiskörnern, dunkler Brause aus Übersee und Tex-Mex-Tortilla-Chips mit warmer Käse-Sauce und grünen Chilli-Schoten. Eine nette Abwechslung, allerdings sollte man für das Eintritts-Procedere immer einen Pandemie-Zweit-Akku dabeihaben. Noch an der Tür wurde der digitale Impfpass kontrolliert, dann galt es bei Luca einzuchecken und natürlich die Tickets auf dem Handy vorzuzeigen. Mit FFP2 Kaffee-Filter vor dem Gesicht, die Hände voller Snacks, Getränke und Corona-Apps arbeiteten wir uns zu unseren Plätzen vor. Die Plätze wurden nur paarweise vergeben, unsere Brut also 5 Meter von uns entfernt platziert. „Der, der da so laut lacht und mit der Chips-Tüte raschelt??? Keine Ahnung, nee, der gehört nich’s zu uns, da müssen sie mal jemand anders fragen“ 😉

Demonstrationen
In den letzten Tagen wurde wieder gegen die Anti-Corona-Maßnahmen demonstriert in Berlin. Beobachter sprechen davon, dass das nicht mehr die heterogene Menge war, wie letztes Jahr, sondern ein verbitterter, gewaltbereiter Kern, der aus dem halben Bundesgebiet herangekarrt wurde. Zum einen ein bisschen beruhigend weil es so wenige waren, zum Anderen aber verstörend, weil diese Typen unberechenbar sind. Die Demo war verboten. Ich muss zurückdenken, als die ersten Demos genau vor einem Jahr in Berlin stattfanden. Bei einer Demo war ich ja selber als Beobachter dort und habe mir mal ein Bild gemacht

Rückblick August 2020:

Corona-Lektionen 37
Corona-Lektionen 39
Corona-Lektionen 40
Corona-Lektionen 41
Corona-Lektionen 42

Impfen
Das Impfen erhitzt die Gemüter, ganz besonders, die Diskussionen, ob geimpfte Menschen eher weitere Vorteile oder nichtgeimpfte Bürger eher Nachteile bekommen. Nichtgeimpfte Menschen von Restaurants und Veranstaltungen auszuschließen finde ich affig. Ich bin dafür, dass die Tests für Erwachsene irgendwann kostenpflichtig werden, dann wird sich das der Ein oder Andere noch mal überlegen, wenn man vor dem Kneipen-Besuch erst einmal 30 EUR für zwei Tests hinlatzen muss…

Die beste Nachricht der Woche erreichte mich Mitte der Woche:  Astrazeneca-Bestände werden an die internationale COVAX-Initiative abgegeben.

Das war auch längst überfällig! 

Schönen Sonntag!

<—Corona-Lektionen 93

–> Corona-Lektionen 95

 

 

215) Rückkehr ins Büro – Teil 2

Manche von euch waren schon wieder mal im Büro, bei meinem Brötchengeber ist das noch kein Thema. Also bleibt mir nur der Blick in die Glaskugel und das Mutmaßen, wie es denn so wäre. Kürzliche Wortwechsel mit Anke und Belana Hermine inspirierten mich für einen zwinkernden Fortsetzung von >Rückkehr ins Büro.

Also … wenn wir mal wieder ins Büro kommen … dann …

  • stehen wir zunächst ratlos vor dem Kleiderschrank. Die Klamotten, die da hängen, sind schon über zwei Jahre alt. Kann man post-coronär noch Streifen, Punkte oder Karo tragen? Oder trägt man nun lebenslang Home-Hoodie und Schlappen? Besser wir wählen ein zeitlos hellblaues Hemd
  • müssen wir unseren Sitzplatz über eine App buchen, so wie einst den Platz im Kino. Die App wird uns Arbeitsplätze vorschlagen, belegte Plätze werden aber anonym angezeigt, so dass jeder mal neben „Knolauch-Ulf“ oder „Quassel-Biggi“ sitzen muss
  • torkeln wir aufs Firmengelände zu, erwarten uns große Wegweiser, Anzeige-Tafeln, Warte-Bereiche,  Quarantäne-Zonen, Sicherheitsschleusen, Temperatur-Scanner und über Lautsprecher werden die neuen Spielregeln verkündet. „Achtung, Achtung … hier spricht die Firmenleitung! Wir erwarten alle Rückkehrer_Innen pünktlich 10:00 Uhr zum Appell im Innenhof
  • haben wir dann endlich unseren Sitzplatz im Großraum-Stall gefunden, fühlen wir uns sofort unwohl und beobachtet. Wir brauchen etwas im Rücken. Wir überlegen, morgen das Rennrad, den Wäscheständer oder unser verkramtes Bücherregal mitzubringen
  • in persönlichen Gesprächen mit Kollegen fremdeln wir total. Wir kriegen es einfach nicht hin, ihnen in die Augen zu schauen. Stattdessen suchen wir ständig die Kamera, die sich die letzten 1,5 Jahre ungefähr 4-5 cm über deren Stirn befand
  • zum Mittag stehen wir völlig verloren in der Kantine. Überfordert von all den Speisen, suchen wir mit der Minuten-Terrine in der Hand die Mikro-Welle und hoffen verzweifelt, dass sie baugleich mit dem heimischen Modell ist. Piep. 2 Minuten. Bing. Mittag!!!!!.
  • nach dem Essen, gehen wir mehrmals vor die Tür, weil wir die Freunde der letzten Monate vermissen. Der Zoltan von Hermes, der Pete von Amazon oder auch der nette Klaus von DHL. Wo bleiben die heute nur, es ist doch schon nach 13:00 Uhr?
  • gegen 14:00 Uhr geht uns der Büro-Lärm so sehr auf die Ketten, dass wir uns verabschieden. „Macht‘s gut, ich fahre jetzt nach Hause zum Arbeiten!“

So oder so ähnlich wird’s wohl werden, oder 😉

<— Rückkehr ins Büro – Teil 1

214) Corona-Lektionen 91

Die morgendlichen Corona-Meldungen rauschen durchs Gehör wie Wetter und Verkehr. Für die Corona-Karte von Berlin wurden extra neue Grautöne entwickelt, nur damit bloß nicht so schnell „weiß“ genutzt werden muss. Also? War’s das? Können wir einpacken? Uns wieder anderen Dingen widmen? Da hab‘ ich noch Zweifel.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Fußball
Während hier eigentlich niemand so eine richtige Vorstellung hat, wie nach den Ferien die Schulen wieder öffnen sollen und die Kultur immer noch keine Perspektive hat, schafft König Fußball Erstaunliches. Geht es in manchen Stadien noch recht AHA ab, drehen die Fans in anderen Arenen völlig durch, brüllen sich an und liegen sich in den Armen. Man kann nur mutmaßen, was eigentlich besser wäre. Das Spektakel an einem Ort durchzuführen oder es als Corona-Wander-Zirkus weiterziehen zu lassen, damit sich das Delta-Dingsbums mal jede Metropole anschauen kann. Apropos „Delta“, ich sehe die Markenanwälte der gleichnamigen Airline quasi vor mir, wie sie eine Unterlassungsklage nach der anderen an die Mutante schicken. Die hat aber keinen Bock, das zu lesen.

Kleiderschrank
Schon in Corona Lektion 38 wollte ich schon meine Business-Klamotten anzünden, in Corona Lektion 68 immerhin in die Kleider-Tonne werfen. Ich habe nichts davon getan, konnte mich nicht trennen, obwohl es seit März 2020 nur eine Hand voll Gelegenheiten gab, davon mal etwas anzuziehen. Jugendweihe, Panel Discussion und Weihnachten. Zum Glück keine Beerdigung. Holz. Klopf. Letzten Dienstag gab es wieder eine Möglichkeit, ich war als Gast-Referent eingeladen, da hielt ich es mal für angemessen. Das stand ich vor meinem Kleiderschrank und schob die Hemden von rechts nach links. Die Auswahl wurde schnell kleiner, denn am besten bitte keine Streifen oder Karos, denn das „flirrt“ in der Video-Aufnahme und vielleicht nun nicht gerade dieselbe Farbe wie der Hintergrund der Meeting Software, sonst sähe ich aus, wie ein sprechender Kopf ohne Oberkörper. Die Business-Mode der Zukunft wird also nicht mehr durch Mode-Schöpfer erschaffen, sondern durch Software-Giganten diktiert. Bald tragen wir eh alle bald einen Business-Overall / White / Uni-Size.

Apropos Overall
Über meinen Alter Ego „Noah“ machte ich mir ab November 2019 zunehmend Gedanken über meine damaligen und künftigen Arbeitsformen. Noah trug damals schon Overall, er war seiner Zeit voraus. Selbst das Lunch kam täglich bis in seine Micro-Flat gefahren. Weit vor Corona, weit vor Höhlen-Office und Höhlen-Schooling. Kommentatoren machten sich schon Sorgen bezüglich meiner Verfassung, andere hielte das für reine Dystopie. Nun sind wir ungefähr dort angekommen und so falsch lag ich gar nicht. Beitragsreihe verpasst? Dann hier noch mal der Reihe nach lesen.

—> Hier gehts zur Reihe „New Work“ mit Noah … aber besser bei Teil 1 anfangen

Schönes Wochenende!

T.

<— Corona-Lektionen 90

–> Corona-Lektionen 92

211) Corona-Lektionen 90

Draußen ist Hochsommer, die Stadt stöhnt bei 36°C. Das Virus stöhnt auch. Sehr gut. Soll es stöhnen, soll aus austrocknen und uns bitte seine buckelige Variantenschaft vom Hals halten.

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Einzelhandel:
Letztes Wochenende war ich mit dem Stammhalter im nächsten Shopping-Center. Aber so richtig prickelnd war das nicht. Knapp ein Drittel der Läden war gar nicht mehr da bzw. durch eigenartige Dienstleistungen besetzt. Bei der Schwedischen Klamotten-Schleuder standen sie ewig an, in der Fress-Etage informierten Schilder, dass der Sohn zwar sitzen und schlemmen darf, ich aber nur, wenn ich meinen Impfstatus nachweisen könnte. Konnte ich aber nicht, das gelbe Heft der Freiheit lag zu Hause. Schilder sind geduldig. Also besorgte ich mir was zu futtern und setzte mich dem Junior gegenüber an den kleinen Tisch. Nur wir zwei. Unbedenklich für das nationale Infektionsgeschehen. Notfalls würde ich mich auf meine Fürsorgepflicht berufen, wenn irgend jemand etwas wollte. Wollte aber keiner.

Selbsttests
Als die Selbsttests endlich in die Supermärkte kamen, waren die Dinger nur an der Kasse zu haben, für knappe 5 EUR pro Kit. Zwei Packungen gab’s pro Einkauf, wenn es sie überhaupt gab. Diese Bückware der Neuzeit vermittelte Hoffnung auf rückkehrende Freiheiten. Der Begriff Selbsttest tauchte zum ersten Mal am 27.03.21 bei mir aufm Blog in Corona-Lektionen 76 auf und wir bestellten auch ein paar Kits, um für die anstehende Veränderung in der Pandemie gewappnet zu sein. Vor ein paar Tagen vernahm ich die Radio-Werbung einer Drogerie-Kette. „Corona-Selbsttests für nur 80 CENT, weil uns ihre Gesundheit am Herzen liegt. Keine Mengenbeschränkungen. So lange Vorrat reicht.  Aha. Und was ist  mit den 4,20 EUR Differenz die wir pro Stück hingelatzt haben? Lagen die euch auch am Herzen? Egal. Besser so also anders herum

Nähe:
Die kleine Omma wurde 101 und durfte dazu sogar das Heim verlassen. Ja, in die Öffentlichkeit! Ja, sogar zum Italiener, Open Air natürlich. Eine schöne Gelegenheit, die Familie nach langer Zeit mal wieder auf einem Haufen zu sehen. Und man merkt dabei auch deutlich, dass wir mittlerweile alle einen kleinen Corona-Dachschaden haben. Zunächst begrüßt man sich unsicher. Umarmen? Oder vielleicht doch besser Faust, oder Ellbogen? Tischplatte klopfen? „Ich mach’ mal so“? Was ist nun angemessen, was ist der neue Standard? Was geht, was besser noch nicht? Und kaum hatten wir uns gesetzt, folgten die Corona-Dialoge. „Na, schon geimpft? Wie ist es euch so ergangen? Homeoffice, Kurzarbeitergeld, Homeschooling, Impfausweis … trallalala … “ … das ganze Program also noch einmal.

Bin gespannt, über was wir nächsten Sommer so reden.

Schönen Sonntag
T.

<— Corona-Lektionen 89

–> Corona-Lektionen 91

209) Corona-Lektionen 89

Die Radtour fällt buchstäblich ins Wasser, aber das verschafft mir etwas Zeit für einen weiteren Beitrag über das blöde Virus und was es so mit uns macht.

Ein paar Gedanken der letzten Tage

Freiheiten
Eine Einschränkung fällt nach der anderen. Kaum ist eine Lockerung zu mir durchgedrungen, überlege ich, was ich damit nun anstelle. Aber da ist die Information schon wieder veraltet und es geht schon wieder etwas mehr. Ich find es echt krass, wie sehr wir in 7 Monaten gelernt haben zu verzichten und bin mit den neuen Freiheiten auch leicht überfordert. Aber Stück für Stück entdecken wir sie zurück. Zum Beispiel letzten Dienstag mit Freunden beim Griechen. Es gab Wein, Gyros und Tsatsiki in ordentlichen Mengen. Es fühlt sich noch sehr ungewohnt an und ich hatte das Gefühl, das nun besonders genießen zu müssen, denn wer weiß was im Herbst wieder auf uns wartet.

3G
Auch wenn wir sonst gern über das mobile Netz in Deutschland schimpfen und uns bereits auf 5G freuen, scheint 3G dieser Tage völlig ausreichend. Getestet, Geimpft oder Genesen. Aber selbst das ist gar nicht mehr unbedingt notwendig. Ich wollte heute endlich mal wieder in den Baumarkt (letztes Mal Mitte November !), checkte aber vorher noch mal die Regeln dort. „Dieser Markt hat ohne Test und Einkaufstermin für alle Kunden geöffnet. Wir freuen uns auf ihren Besuch.“, stand auf der Homepage. Und Tatsache, die Türen standen offen, die Gänge waren luftig leer und die Abteilungen waren noch an ihren alten Plätzen. So wie „damals“ in 2020. Zum Glück haben sie während des Lockdowns nicht noch umgeräumt, dann wäre ich völlig verloren gewesen.

Events
Auch Veranstaltungen scheinen wieder möglich. Nun bin ich ja wahrlich kein großer Fußball-Fan, aber als gestern die Italiener im Stadion ihre Nationalhymne schmetterten, stand mir PiPi in den Augen.

Stringiamoci a coorte,
Siam pronti alla morte,
Siam pronti alla morte,
L’Italia chiamò

Puhhh, was für Zeilen. Die geballte Kraft der Stimme, die vielen Menschen im Stadion und aber natürlich auch das Wissen, wie der blödes Virus dort gewütet hat. 

PS: Vor einem Jahr habe ich >Corona-Lektionen 32 zum Thema „New Normal“ geschrieben. Passt bestens in die aktuelle Zeit.

Also, genießt die Möglichkeiten, aber übertreibt‘s nicht gleich wieder!

<— Corona-Lektionen 88

—> Corona-Lektionen 90

198) Corona-Lektionen 83

Ich habe gerade meinen 14. Höhlen-Office-Monate beendet .. bzw. unterbrochen wegen Himmelfahrt. Für all die, die sich nicht mehr erinnern können, Himmelfahrt war der Tag, wo man als „Mann“ mit den Jungs einen drauf machte, oder als „Vater“ etwas mit der Familie unternahm. Die Optionen sind eher wieder dünn dieses Mal. Keine Ausflugslokale, keine Kremserfahrten, immer noch Abstandsgebot und bloß nicht laut singen … oder grölen … oder in den Armen liegen.

Zeit für ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Homeoffice 1:
Nicht nur wir Menschen arbeiten auf Verschleiß, auch die Technik um uns herum. Da sind beängstigende Meldungen nach Windows-Updates, die Smart Card wird häufiger nicht erkannt, das Headset ist mehrfach geflickt, der Rechner fiel in Super-Sleep Mode und gestern verabschiedete sich das DSL Modem in zweitweisen Streik. Großes Geschrei aus allen Zimmern. Wenn die Pandemie beherrschbar wird, muss die ganze Technik auf Kur. Wir Home Worker vielleicht auch?

Homeoffice 2:
Habe heute an einer virtuellen Messe teilgenommen. Referenten aus allmöglichen Ländern sprachen über ihre Solutions und waren natürlich per Video zugeschaltet. Und ich muss sagen, ich kann das nicht mehr haben. Ein durchgewühltes Sofa im Hintergrund, persönliche Bilder im Bilderrahmen-Sammelsurium, ein vollgekramtes Bücher-Regal. Neeee! Ich will das nicht sehen! Und Obstkorb oder Pflanze auf dem Sideboard machen es nicht besser! Gebt mir lieber eine durchgestylte Power Point Präsi oder macht einen coolen Film draus! Oder bastelt euch einen lustigen Hintergrund! Aber lasst mich nicht in eure Höhle schauen!

Homeoffice 3:
Irgendwann wird es ja mal wieder zurück in die Büros gehen. Das wird sehr spannend. Lassen die Arbeitgeber dann nur „Geimpfte und Genesene“ kommen und der Rest bleibt für immer daheim? Oder dürfen nichtgeimpfte Mitarbeiter kommen und werden dann besonders abgeschottet, denn der Arbeitgeber muss sie ja vor Infektion schützen? Ist es dann ein Arbeitsunfall wenn sie sich im Büro anstecken? Oder persönliches Pech?

Es bleibt spannend! 
Aber jetzt machen wir erst einmal etwas aus dem Feiertag. 
Aber was nur?

<— Corona-Lektionen 82

—> Corona-Lektionen 84

136) Corona-Lektionen 44

So, die Ferien sind überall beendet, die Kids gehen wieder in die Schule, selbst ins Kino kann man wieder gehen und die Bundesliga öffnet schrittweise die Stadien.

Die Infektionszahlen gehen leicht nach oben, es sind aber eher jüngere Menschen betroffen, die feiern das locker weg.

Prima, dann ist ja „allet jut“, oder? Nun können wir uns der Afrikanischen Schweinepest widmen und unsere Erfahrung weitergeben. Sollen die Schweine erst einmal Masken tragen. Dürfen die halt ihre Schweine-Oma ein halbes Jahr nicht besuchen. Und sie müssen mal häufiger ihre Hufe waschen und Abstand halten. A-H-A heißt das Rezept, mein liebes Schwein!

Aber zurück zu uns Menschen:

  • Ich habe seit 10. März kein Büro betreten, ich muss das auch nicht haben. Aber es zeigt, wieviel Respekt manche Unternehmen davor haben, wieder unkontrolliert Tür und Tor zu öffnen. 
  • Andere Firmen kommandieren ihre Leute zurück, als wäre nichts gewesen. Hoffend, dass die Homeoffice-„Phase“ endlich überstanden ist und sie nun wieder volle Kontrolle über ihre Human-Ressourcen haben. Na wenn ihr euch da mal nicht irrt.
  • Wieder andere verkleinern ihre Offices, weil sie die nicht mehr finanzieren können oder gelernt haben, dass die Mitarbeiter zu Hause eben doch nicht nur Netflix schauen. Krankmeldungen sind zurückgegangen, die üblichen Gängeleien am Arbeitsplatz auch und so manch überflüssiger Kaffee-Klatsch ebenso.
  • Bin ich als Fußgänger unterwegs und ein Jogger überrennt mich fast von hinten, dampft mir seinen Atem ins Ohr, zucke ich jedes Mal zusammen.
  • Zudem tingeln naive oder dumme Menschen infiziert von Club zu Club und bringen Kneipiers und Hoteliers an den Rand der Verzweiflung.

Also. hier ist noch lange nicht „allet jut“

Und nun wieder zu den Schweinen:

Tja, macht euch mal schnell noch ein Schnitzel oder eine Frikadelle, Boulette oder Pflanzerl! Asien nimmt das Schweinefleisch nicht mehr ab, es wird schnell billiger, aber eben auch enger in den Ställen. Was den Tierschutz wieder lauter auf den Plan ruft. Und irgendwann zu größeren Tier-Tötungen führen könnte. Was wiederum die Fleischwirtschaft schon wieder in die Nachrichten bringt. Diesmal geht es dann aber nicht um den prekär beschäftigten Schlachtarbeiter dort, sondern um das arme Schwein selbst.

Knack macht‘s! … Was war das?

Möhre …

… mit Quark.

<— Corona-Lektionen 43

—> Corona-Lektionen 45

129) Corona-Lektionen 38

Gestern bin ich in die 22. Homeoffice-Woche gestartet. Die Kids allerdings nicht, in Berlin war gestern wieder Schulbeginn. Zeit für ein paar Gedanken aus den letzten Tagen.

Schule:
Die Schulen sind nun wieder voll geöffnet, allerdings mit diversen Maßnahmen, die Lehrer und Schüler nun zu beachten haben. Gestern hatte ich die Gelegenheit, das bunte Treiben vor der Schule zu beobachten. Die Realität sah ungefähr so aus. Vor dem Schulzaun treffen sich die Kids, haben sich lange nicht gesehen, Küsschen links/rechts, Umarmung. Like it, Peace, LOL. Kurz vor dem Schultor wird schnell die Maske aus der Hosentasche gezaubert und vor die Schnute gehangen. Wenn ich nur daran denke, dass in dem Gebäude nun 700 Menschen aufeinander hocken, wird mir ganz anders. Nach wenigen Stunden standen die Kids schon wieder hier auf der Matte. Erst mal nur „Orientierung“ in den nächsten Tagen, „Belehrung“ und „Vorbereitung“. Kopfschütteln meinerseits. Sind wir nicht eh schon deutlich hinter dem Lehrplan? Als Vollblutskeptiker sehe ich die Kids nach einer Woche Vorbereitung schon wieder im Home Schooling.

Homeoffice:
Neulich dachte ich über das Gegenteil von Homeoffice nach. Ursprünglich als Ausnahme gedacht, beschreibt Homeoffice ja die Büro-Arbeit von zu Hause. Gibt es eigentlich auch einen Begriff für die Arbeit im Büro der Firma? So selbstverständlich ist diese Arbeitsform ja nicht mehr und wird sie nie wieder werden. Legen wir bald einen Tag im „Onsite Office“ ein? Oder im „Corporate Office“ ein? Schatz, ich fahre morgen mal wieder ins „Formal Office“. Schaue ich in meinen Kleiderschrank hängen da die Hemden und Anzüge, wirken wie aus einer anderen Zeit zu uns geschickt. Wie Ballast. Mein Bauch sagt mir, dass ich die Klamotten noch längere Zeit nicht tragen werde. Alles auf einen Haufen, hübsches Feuerchen machen, dieses Kapitel abschließen?

Dienstreise:
Auch das dienstliche Reisen erscheint mir wie eine längst vergangene Mode. Lufthansa, Austrian Airlines, TAP und schicken mir regelmäßig e-mails und buhlen um Aufmerksamkeit. Da gibts 10.000 Meilen on top, wenn ich einen großen Koffer kaufe. Man bedaure, dass man derzeit den gewohnten Service nicht bringen könne. Meine Meilen sind mir für weitere drei Jahre gesichert und garantieren bestes „Flugerlebnis“ und noch mehr „Privilegien“. Nach Wien könnte ich mal wieder fliegen, für nur 109 EUR, mit Rückflugversprechen. Na immerhin. Alle Vielfliegerkarten auf den Tisch, haushaltsübliche Schere greifen und Schnipp-Schnapp? Ist diese Epoche beendet? Alles Geschichte?

Der durchsichtige Kulturbeutel mit der kleinen Reise-Kosmetik steht völlig deprimiert im Regal. Keiner beachtet ihn. Sollte ich mal aufbrauchen das Zeug, sonst erreicht das bald das Mindesthaltbarkeitsdatum oder zerfällt zu Staub.

<— Corona-Lektionen 37

—> Corona-Lektionen 39

118) Corona-Lektionen 32

In welcher Homeoffice-Woche sind wir denn jetzt eigentlich? In Nummer 12 oder schon 13? Habe den Überblick verloren. Ich zähle noch einmal nach. Wir gehen nun in die 14. Woche!

Zwei Gedankengänge der letzten Tage:

Normalität 1: Viel wird derzeit geschrieben und besprochen, was uns wohl in der „neuen Normalität“, dem „New Normal“, erwarten wird. Der Begriff klingt verheißungsvoll, irgendwie nach Reform, oder? Als würde demnächst ein weißhaariger Mann mit Bart auf einen Hügel klettern und uns den Weg weisen, wie wir alle ab Stichtag X leben werden. Und so als würde diese neue Normalität dann eine Weile anhalten, bis sie dann mal wieder überarbeitet wird, wenn ein Grund dazu besteht. Ein neuer Virus, die Polkappen-Schmelze oder der Umwelt-Kollaps vielleicht? Der Begriff „Normalität“ scheint uns Orientierung zu geben, uns zu beruhigen, irgendwie unser Leben zu ordnen. Ist aber eigentlich auch Augenwischerei. Denn Normalität ändert sich doch täglich! Etwas wirkt auf uns ein, oder wir wirken auf andere. Das alles verändert den Status Quo. Und weil das so ist, brauchen wir auch nicht auf das „New Normal“ warten.

Normalität 2: Gemäß der großen Suchmaschine ist Normalität „ … das Selbstverständliche in einer Gesellschaft, das nicht mehr erklärt und über das nicht mehr entschieden werden muss. Dieses Selbstverständliche betrifft soziale Normen und konkrete Verhaltensweisen von Menschen …“! Na bitte. Da steht’s doch. Und wie kommt es dazu? Normalität wird diktiert (z.B. durch Politik, Organisationen oder Gesetze) und sie wird bestimmt durch unser aller Handeln. Letzteres können wir direkt beeinflussen und können was draus machen. Sollten wir auch. Sonst machen es nämlich andere! Wie wollen wir künftig konsumieren, wie wollen wir uns ernähren, wir wollen reisen, wie wollen wir arbeiten? Da haben wir durchaus Einfluss und sollten uns nicht unmündig vor die Karren anderer spannen lassen.

Frohes Nachdenken!

T.

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109) Corona-Lektionen 29

Geht man mit offenen Augen durch die Stadt könnte man meinen, wir haben das gröbste überstanden. An vielen Ecken zeigen sich deutliche Szenen der Entspannung und oben drüber schweben die Argumente für deren Rechtfertigung. Wie bei einer Karikatur in einem Satire-Magazin.

Impressionen der letzten Tage:

  • Der Park ist voll, Menschen genießen den Frühling auf der Wiese, Kinder stecken sich gegenseitig die Sandförmchen in den Mund und hüpfen gemeinsam auf dem Trampolin.
    Was soll man machen? Man kann die Kids ja nicht den ganzen Tag vor Netflix setzen, oder?
  • Die Biergärten sind wieder geöffnet, Restaurants stellen Tische raus, Latte Macchiato, Bier und Aperol Spritz fließen wieder.
    Was soll man machen? Das gehört doch auch irgendwie zu unserer Kultur und zum Frühling dazu, oder?
  • Die Pizza-Kartons und Sektflaschen stapeln sich im Park und lassen beim morgendlichen Joggen fragen, was denn hier das Nächstens wohl so abgeht.
    Was soll man machen? Wenn die Kneipen schon um 22:00 Uhr schließen müssen, dann ist man ja schon dazu gezwungen, oder?
  • Die Brachen in der Umgebung, werden zu privat organisierten Beachvolleyball-Plätzen umfunktioniert und es sieht aus wie an der Copacabana.
    Was soll man machen? Wenn die Corona-Regeln auf den Vereinsplätzen so streng sind, dann hat man ja kaum eine andere Wahl, oder?
  • Zwei Gruppen Radfahrer/Innen fahren aufeinander zu und fallen sich zur Begrüßung, um den Hals. Bussi links, rechts. Wie geht‘s euch denn?
    Was soll man machen? Die haben wir schon so lange nicht gesehen, außerdem kennen wir die ja, das sind ganz vernünftige Leute, die haben kein Corona.
  • Die Corona-Kurven anderer Länder, sind noch lange nicht „flat“ und man hört von üblen Schicksalen. Wanderarbeiter sind nach zehn Wochen immer noch nicht zu Hause angekommen, manche werden nachts auf Straßen und Schienen überfahren.
    Was sollen man machen? Das ist ja schließlich weit weg, oder? Solange die nicht an die Ost- oder Nordsee fahren und unseren Nearshore Urlaub versauen ist doch bei uns hier alles supi.

Schönen Feiertag morgen.

<— Corona-Lektionen 28

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