59) Sekundenbruchteil-Momente 4

Seit ich >Teil 3 dieser Reihe im Dezember veröffentlichte, ist nun schon wieder ein halbes Jahr vergangen. Verrückt. Und noch verrückter, dass wir Mitte Dezember 2019 null Schimmer von Corona und all den Auswirkungen hatten. Aber trotzdem. Auch wenn wir in der Zwischenzeit zu Heimarbeitern wurden, zu Hobby-Lehrern und Kantinen-Chefs, gab es aber auch diese kleinen, unscheinbaren Momente, die an sich nur eine Bruchteil einer Sekunde dauern, aber doch einiges mit uns anstellen. Zeit also für einen Teil 4

Hier ein paar Sekundenbruchteilmomente aus den letzten Monaten:

  • Man greift einen Tetra Pak, der in der Küche steht, setzt beherzt an und nimmt einen kräftigen Schluck. In dem Moment fragt man sich, seit wann dieser Saft eigentlich schon dort steht.
    Würg?
  • Der Stoffwechsel meldet sich, man muss aufs Klo. Dort niedergelassen blickt man sich um und schaut auf die blanke Papp-Rolle.
    Wut? Hass? Panik? Alles zusammen.
  • Man steht im Copy Shop, drückt wahllos die Knöpfe am Kopierer. Man ist zu stolz, das Personal zu fragen, denn man braucht ja nur 10 SW-Kopien von 9 Seiten. Herauskommen 20 Exemplare, voll in Farbe. Macht dann 62 EUR. Selbstspott?
  • Für ein paar Tage muss man auf Schwiegervaters Auto umsteigen. Wie immer in Eile haste ich hinten um das Heck. Es macht „klonk“, mir wird schwarz vor Augen und mein Schienbein funkt SOS. Stimmt. Die Karre hat ja eine Hängerkupplung.
    Fluch?
  • Ich eile auf meinen Lieblingsbäcker zu, denn er erschließt in wenigen Minuten. Kurz vor der Tür will ich meine Maske aus der Jackentasche ziehen und greife ins Leere. Andere Jacke.
    Nix gelernt, man? Nur noch immer dieselbe Jacke anziehen oder jede Jacke mit Maske ausstatten.

Sorry liebe Leser, ganz ohne Corona ging es dann doch nicht.

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57) Gib mir den Rest

Bei all dem aktuellen Geschehen um uns herum, kommen die kleinen Widrigkeiten des Alltags zu kurz. Es muss mal wieder sein. Viren, Krankheiten, Konflikte, Öl-Preise, Finanzmärkte und unser Klima haben mal zwei Minuten Pause.

Stattdessen?

Wenn Lebens-oder Verbrauchsmittel verpackt sind, lassen sie sich eigentlich ganz gut befreien, wenn man sie gießen, schütten, schneiden oder stückweise packen kann. Doof wird‘s, wenn sie als Paste, Gel und Creme in Tuben vertrieben werden. Noch doofer, wenn man geneigt ist, auch noch den letzten Rest herauszubekommen.

Jeder hat da so seine eigene Tuben-Technik entwickelt, oder?

  • So manch einer quetscht die Tube mit der vollen Faust. Das wirkt irgendwie infantil, herzlos und brutal.
  • Andere drücken nur das obere Drittel der Tube. Dort ist dann aber bald nichts mehr drin, also muss weiterer Nachschub von unten hochmassiert werden.
  • Echte Verwertungsprofis und Sparfüchse „rollen“ den Inhalt von unten nach oben heraus. Um so enger gewickelt um so besser. Vom Business Case her betrachtet ist das sicher gut, aber man muss aufpassen, dass sich daraus kein Spleen entwickelt 😉

Richtig spannend wird dann das Tuben-Finale:

Denn egal, wie man sich durchs Material arbeitet, es wird ein Rest oben im Kopf der Tube verbleiben. Da hilft’s auch nicht, wenn man die Tube auf den Kopf stellt, schon gar nicht auf den eigenen. Bei Tuben-Köpfen aus Weichplastik (z.B. Zahnpasta) geht das noch ganz gut. Es gibt sie aber auch aus Hartplastik (z.B. Haar-Gel) oder aus Alu (z.B. Tomatenmark) und da kann ich man schon mal schlechte Laune bekommen.

Denn, drückt man dann mit kräftigem Daumen auf den verkanteten Tuben-Kopf, folgt eine Indoor-Eruption die ihresgleichen sucht. Da fliegt das Haar-Gel aufs frisch gebügelte Hemd und die Tomate verteilt sich in der halben Küche. Da kommt Freude auf.

Und so polarisiert die Tube weiterhin. Man kann sie mögen oder hassen. Genauso wie Tuberkulose oder YouTube … was für ein Wortspiel.

PS: sollten Markennamen auf dem Foto erkennbar sein, ist das nicht meine Absicht, sondern Zufall, ich stehe bei denen nicht auf der Gehaltsliste.

So, und jetzt können wir wieder Nachrichten hören.

55) Sekundenbruchteil-Momente 3

Seit meinem >letzten Beitrag zum Thema, sind schon wieder drei Monate vergangen. Die Zeit fliegt nur so, kaum die ersten Anzeichen von Herbst erkannt ist nun schon wieder bald Weihnachten. Worum es bei den Sekundenbruchteil-Momenten geht? Ganz einfach, das sind Vorkommnisse in unserem alltäglichen Leben, die für sich nur sehr kurz andauern, aber unser System „Mensch“ schnell an die Grenzen bringen. Die Beschreibung des Moments dauert viel länger als der Moment selbst.

Und wieder ein paar Ereignisse aus den letzten drei Monaten:

Ich eile durch den Supermarkt und erspähe eine leere Kasse. Siegesbewusst laufe ich drauf zu. Die Lieblings-Kassiererin jedoch, zeigt mit dem Finger über sich auf eine rote Lampe und sagt nur „Hier bitte nich‘ mehr“.
Verrat?

Der Zug hält im Nirgendwo. Über die Lautsprecher teilt man uns mit, dass der Zug nun geteilt wird. Man sollte doch bitte auf die Anzeige achten und ggf. den Zugteil wechseln. Die Anzeige zeigt aber nichts „an“. Sie zeigt eher „aus“.
Panik?

Man verlässt einen Imbiss und ein paar Minuten später schaut man auf die 6 EUR Wechselgeld in der Hand. Man fragt sich … „Ähm, hatte ich dem nicht gerade eben einen Fünfziger in die Hand gegeben?
Wut?

Du bekommst ein Blatt Spielkarten zugeteilt. Langsam nimmst du sie auf, ordnest sie für dich und dann erkennst du … dass du ein Traumblatt erhalten hast 🙂 Die Wärme steigt in dir hoch, es kribbelt und du kannst es kaum erwarten, endlich auslegen zu dürfen. In diesem Moment ist aber dein Gegenüber dran und grinst bereits über beide Ohren.
Hass?

Du setzt den Blinker, fährst rechts raus zur Tanke. Du steckst die Zapf-Pistole in die Tanköffnung und grübelst beim Tanken über ein Problem nach. Es macht klick und dann fragst du dich “öööhhm… habe ich jetzt eigentlich das richtige … uff … ja, … habe ich …“. Noch nie so froh, dass Wort „Diesel“ vor dir zu lesen
Erleichterung?

Du sitzt mit einer 3D-Brille in einem Walt-Disney-Animations-Film. Es wird viel gesungen. Irgendwoher zieht es kalt, also deckst du dich mit deiner Jacke zu. Nun ist es schön warm und du wirst müde. Darf ich …, ist das in Ordnung wenn ich …, vielleicht kurz … ich meine, ich könnte doch nur mal kurz die Aug …
Loslassen?

Die Mikro-Welle piept und verlangt nach Aufmerksamkeit. Der Teller scheint heiß zu sehen, also ziehe ich den schnell aus der Wellen-Maschine. Der runde Glas-Dreh-Tellerdarunter kommt mir auch entgegengeflogen und zerschellt auf dem Küchenboden. Hunderte Kristalle … kann man sich denken … ich barfuß … Rumpelstilzchen und so weiter
Was für eine Schei…?

Und bei euch? Was sind eure Sekundenbruchteilmomente, die euch in Wallung bringen?

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43) Sekundenbruchteil-Momente 1

Manche Momente sind so kurz und intensiv, dass es kaum möglich ist, sie in Worte zu fassen. Oftmals fehlt es der deutschen Sprache einfach an passenden Begriffen. Man braucht also viel mehr Buchstaben, als der Moment eigentlich andauerte.

Verschiedenste Momente von früh bis spät:

  • Man erwacht, öffnet die Augen und orientiert sich. Wo bin ich? Das Oberstübchen informiert, dass ein wichtiger Termin (Arzt, Präsentation, Chef-Gespräch, etc) ansteht.
    Bammel?
  • Man tritt ins Treppenhaus und tastet noch einmal die Tasche ab, wo eigentlich der Schlüssel sein sollte. Zeitgleich rummst es von hinten. Die Tür ist zugefallen.
    Panik?
  • Man eilt die Treppe hinunter, ist in Gedanken schon beim Termin. Auf einmal bemerkt man, dass man aus dem Takt kommt und zu stolpern beginnt.
    Hoffnung?
  • Man rennt quer über die Straße, um noch die Bahn zu kriegen. Es sieht gut aus. Man hat die Tür des letzten Wagens fast erreicht. Aber sie beginnt zu piepen und schließt vor der eigenen Nase.
    Enttäuschung?
  • Man spielt mit dem Handy, es fällt aus der Hand und landet auf dem steinigen Fußweg. Mit dem Glas nach unten natürlich. Man greift es, dreht es vorsichtig und versucht einen Blick auf das Glas zu erhaschen.
    Vorahnung?
  • Man sitzt im Flieger nach Hause und träumt so vor sich hin. Auf einmal fühlt man sich ganz leicht und scheint zu schweben. Im nächsten Moment wird man wach, der Kopf ist nach vorn gekippt.
    Nahtot?
  • Man betritt das Parkhaus, fährt per Fahrstuhl zum Geschoss, wo das Auto steht. Die Tür des Lifts öffnet sich langsam. Das Auto ist aber nicht zu sehen.
    Selbstzweifel?
  • Man fährt auf das Ende eines Staus zu. Während man noch hastig den Warnblinker drückt, zieht im selben Moment die letzte freie Ausfahrt rechts vorbei.
    Hilflosigkeit?
  • Man ist endlich wieder daheim und lässt sich auf die Couch fallen. Man freut sich auf ein Bier und die Spätnachrichten. Stattdessen wird Karneval oder eine blumige Schmonzette aus Süd-England gezeigt.
    Wut! Hass! Tobsucht! Groll! Raserei! Rage! Empörung! Zorn!

Mit jedem Moment steigen Blutdruck oder Puls, Schweiß wird produziert und es wird einem warm oder kalt. Gesichtszüge entgleiten, Pupillen weiten sich, Falten entstehen, Haare werden grau oder fallen aus, noch bevor sie grau werden.
Aber all das dauert eigentlich nur einen Sekundenbruchteil …

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