326) Bahn-Self-Bashing

Die Bahn hat es ja nun echt nicht einfach. In den letzten Jahren marode gespart, gestiegene Anforderungen seitens der Fahrgäste und nun wird sie auch noch im Putin-Takt mit zusätzlichen Fahrgästen geflutet. Klar sind einige Probleme sicherlich hausgemacht, aber im Vergleich zu ihren fliegenden Kollegen sind ihre Züge nun mal an die Erde gebunden, an Schienen und Bahnhöfe. Die Hardware ist sperriger als ein Airbus, wetteranfälliger und sie muss sich die 2D-Infrastruktur auch noch mit anderen Zügen teilen, die unterschiedlich schnell unterwegs sind.

Auf solchen „Erfahrungen“ kann man wunderbar herumhacken. Man kann sich über jedes stockende Wifi ergötzen, über jede gesperrte Toilette und defekte Klimaanlage. Hat der Flieger 30 Minuten Verspätung, regt sich kaum einer auf, denn man ist ja froh, dass man überhaupt heil auf dem Boden angekommen ist. Da wird selbst bei verspäteter Landung teilweise  noch geklatscht. In die Hände der Gäste meine ich. Nicht ins Gesicht des Piloten.

Natürlich sind Reisende gefrustet und machen ihrem Ärger auch Luft, allerdings ist auch die Bahn selbst ein schlechter „Kommunikator“ und nicht ganz unschuldig am Image.

Ich bin gestern von Franken nach Berlin gefahren und ich habe glatt 6 e-mails von der „DB Reisebegleitung“ erhalten.

  • 15:23: Ihre Abfahrt mit ICE 504 verspätet sich um 14 Minuten
  • 15:28: Ihre Abfahrt mit ICE 504 verspätet sich um 8 Minuten
  • 15:40: Ihre Abfahrt mit ICE 504 verspätet sich um 23 Minuten
  • 16:39: Ihre Abfahrt mit ICE 504 verspätet sich um 33 Minuten
  • 16:54: Ihre Ankunft mit ICE 504 verspätet sich um 18 Minuten
  • 18:23: Ihre Ankunft mit ICE 504 verspätet sich um 13 Minuten

Eigentlich hatte ich eine angenehme Fahrt, das WLAN war ok, die Klima-Anlage arbeitete und selbst ein gekühltes Blondes gab‘s im Bordrestaurant zu einem fairen Preis.

Letztlich war ich nur 14 Minuten später und mit Kundenzufriedenheit 1,3 in Berlin, aber dieser E-Mail-Automat hat mir 6-mal ins Hirn gehämmert, dass die Bahn „zu spät“ ist.

Warum also dieses Self-Bashing?

Das habe ich bei einer Airline noch nie erlebt. Die sagen „Sehr geehrte Fluggäste, wir haben über den Tag etwas Verspätung aufgebaut, wir versuchen auf der Strecke ein paar Minuten gutzumachen, wir melden uns noch mal.“

Klingt doch gleich ganz anders, oder?

Und wenn sie dann 10 Minuten aufholen, sind es die Helden des Abends.

323) Batterie auf Rädern

Neulich kam ich an einer Ladesäule im Kiez vorbei und sah diesen riesigen weißen Blechhaufen kostbaren Strom aus der Erde zapfen. Auf dem Bild sieht dieses „Vehicle“ noch recht knuffig aus, aber ich hatte den Eindruck vor mir steht ein Schlafzimmer-Schrank schwedischer Bauart. 

Der Hersteller dieser „Innovation“ hat seinen Stammsitz im Südwesten Deutschlands, mehr will ich dazu gar nicht sagen. Eigentlich wollte ich für diesen Beitrag ein paar technische Daten diese „Dings“ aus dem Internet zu ziehen und dann mal mit meinem bald 14 Jahre alten „can be bashed“-Diesel zu vergleichen. Also Maße, Gewicht, Geschwindigkeit, CO2 Ausstoß etc.

Aber dann hätte ich mich eine ganze Weile mit E-Automodellen dieser Oberklasse beschäftigen müssen, bei denen ich erheblichen Zweifel verspüre, ob das nun der richtige Weg für die nahe Zukunft ist.

Ich bin kein Kfz-Ingenieur, kein Energieberater, kein Luftreinheitsspezialist aber, ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das nun besser sein soll, als meine geliebte Familien-Kutsche. Immerhin ist die schon gebaut, das Alu wurde bereits gepresst, der Kunststoff gegossen, ich fahre mit reduzierten Tempo und versuche sie noch weniger zu bewegen. Natürlich kommt im Moment des Fahrens noch Dreck hinten raus, keine Frage, aber dieses „Monster“ dort, wurde kürzlich zusätzlich gebaut. In einer Größe, die absolut fragwürdig ist. Es hat einen schweren Akku hinten drin, dass ein Teil der Energie nur dafür draufgehen muss, diesen zu transportieren. Es wurden seltene Erden von weniger selten schlecht bezahlten Arbeitern aus dem Boden gepult, dieses „System“ nimmt noch mehr öffentlichen Straßenraum weg und keiner hat eine Ahnung, wohin mit der Batterie, wenn die mal schlappmacht. Und das alles wird dann noch steuerlich gefördert. Von uns allen. What?

Vielleicht bin ich da nicht genug informiert oder voreingenommen, mag sein. Aber kann mir mal bitte jemand darstellen, wie und wann sich das rechnet? Außer für die Autobauer, die nun ein neues Konjunkturprogramm bekommen??

Frühere Beiträge zum Thema:

71) Volle Packung

Moin Nachbar, wo soll es denn hingehen?
Ach … öhm … nix Besonderes eigentlich.
Ja aber, die Karre, die is‘ voll bis unters Dach?
Tja … nur das Nötigste, weißt ja wie das is‘.
Wem sagst du das. Aber jetzt sag‘ mal … was macht ihr?

Zum Wandern nach Patagonien?
Auf UN-Hilfsmission? Nach Mali?
Südpol, Nordpol, Mond, Mars?
Gebt ihr etwa die Wohnung auf?
Sonst, alles in Ordnung … Probleme?
Schimmel, Schwamm, Schädlinge?
Schafft ihr Platz? Macht ihr jetzt Airbnb?
Habt ihr vielleicht finanzielle … ?
Können wir irgendwie helf…?

Nee du, eigentlich … fahren wir nur …
Nach Italien, Spanien, Portugal?
Nee … gar nich‘ weit von …
Norwegen?… auch schön da!
Nee … eigentlich nur …
Jetz‘ hab‘ ich‘s … Schweden oder?

Nee … nur fünf Tage Sachsen 😉

232) Lieferdienste

Vor ein paar Wochen, kam etwas Leben in ein leerstehendes Ladengeschäft hier um die Ecke. Aber die Vorfreude währte nur kurz und kühlte schnell wieder ab.

Es lief ungefähr so:

1. Auf einmal war da Licht, Menschen wuselten dort im Erdgeschoss umher.
„Oh, vielleicht ein nettes Restaurant? Das wäre aber nett.“

2. Bald wurden aber die Scheiben mit Milchglasfolie beklebt
„Och nee, nicht noch ein Coaching-Laden oder Bodyshaping-Studio!“

3. Dann wurden Regalsysteme und Lebensmittel hineingetragen.
„Etwa noch ein Späti? Haben wir davon nicht genug?“

4. Und dann zig Fahrräder vor den Laden gestellt
„Ein weiterer Fahrrad-Laden vielleicht? Denkste!“

Nun warten da jeden Tag „Menschen mit internationalem Background“ auf einen Stücklohn, weil es anscheinend genug Mitbürger hier im Kiez gibt, die nicht mehr in der Lage sind, selber ein Stück Butter zu organisieren.

Denn das kann man ja nun easy zusammenklicken, ganz modern und hipp. Alles per App. Von der Couch aus. Und dann kommen Shiva aus Indien oder Djamal aus Syrien und bringen den Bio-Käse bis an die Tür. Mit einem Fahrrad. Elektrisch natürlich. Weil Zeitgeist. 

Was für ein Blödsinn! Nicht falsch verstehen, mir geht es nicht um Shiva und Djamal, die ja nur versuchen, ein paar prekäre Euros zu verdienen. Es geht mir um künstlich erzeugten Verkehr, den es früher nie gab. Es geht mir um unnötige Akkus und schlecht bezahlte Jobs, nur weil ein Teil der Menschheit nicht willens oder fähig ist, seine blöden Einkäufe auf die Rille zu kriegen.

Es ist ja nicht so, als würden die Jungs irgendwelche seltenen Spezialitäten oder warme Gerichte liefern und als gäbe es hier nicht genug Supermärkte um die Ecke, die von 07:00 bis 22:00 offen haben. Nein. 

Aber ich versuche auch in diesem Trend etwas Positives zu finden:

  • Wenn alles nur „on demand“ bestellt, wird vielleicht weniger in Kühlschränken gebunkert, letztlich also weniger weggeschmissen?
  • Und wenn mehrmals am Tag geliefert wird, kann man doch eigentlich den Kühlschrank gleich abbauen, Strom sparen und die Fläche als Stehbett untervermieten? Kaffee-Maschine und Teekocher könnte man gleich mit entsorgen, das aufgeschäumte Heißgetränk lässt sich auch bestellen. Achtmal am Tag.
  • Und wenn dann der Gürtel eng wird, fordert die Schritte-App Bewegung und man lässt sich vom Digital Coach ein persönliches Workout für‘s Wohnzimmer erstellen. Damit man dabei nicht ganz so allein ist, kann man auch die Kamera freigeben und andere „User“ mit gleicher „Passion“ online „meeten“ und seine Experience „sharen“.

Kopf schüttel …

Geht mal wieder vor die Tür!

5) Wind of Change (Gastbeitrag Hermann)

Vorwort: Was habe ich nicht hier schon geschimpft über grün angepinselte Radwege, neue Mobilitätskonzepte und das permanente „Bashen“ meines Diesels. Da wird mir manchmal immer noch der Kragen eng, aber mir ist bewusst, dass sich Dinge ändern müssen, auch wenn es nicht immer bequem ist. Und da kam mir sehr gelegen, dass Hermann einen Gastbeitrag anbot. Aber lest selbst.

Wind of Change (Gastbeitrag Hermann)

Vor 30 Jahren sangen die Scorpions vom wind of change, der über die östliche Welt hinweg fegte. Die westlichen Freunde der Demokratie und der Marktwirtschaft waren glückselig und bekamen bei dem Song feuchte Augen – alles so schön, denn sie waren entweder Zuschauer oder Nutznießer…..und sie gehörten zu den Siegern der Geschichte.

Die Ostwelt wurde ordentlich durchgerüttelt, der deutsche Osten bekam zügig die Kopie aus dem Westen, die anderen östlichen Länder mussten ihren Weg finden in die globale Marktwirtschaft, z.T. mit Oligarchen oder sogar Parteidiktatur und Turbokapitalismus.

Vor 10 Jahren blies der Sturm scharf aus West von „hinterm Atlantik“ und brachte die globale Finanzwirtschaft ins Wanken.  Das betraf dann schon sehr viele Menschen auf der ganzen Welt.

Jetzt, spätestens nach den häufigeren Unwetterkatastrophen (im selbstzufriedenen Westen – wo anders gab´ s die aber auch), wird klar, dass wieder wind of change weht, nur diesmal sind wir alle dabei.

In wenigen Tagen gehen wir zur Wahl und sollten bereit sein für deutliche Veränderungen, auch wenn´s schwer fällt; jeder ahnt, so geht es nicht weiter, aber Änderungen mag man ja eigentlich auch nicht.

Selbst Spitzenleute, die jetzt viel im Fernsehen auftreten, sagen „wir müssen schneller werden; 6 Jahre für die Genehmigung einer Windkraftanlage sind zu viel, Ziel muss 6 Monate sein“. Die Verwaltungsmodernisierung hätten sie schon seit Jahren anschieben können, jetzt aber kommt Druck – wind of change.

Die Digitalisierung oft wird als Lösungsweg angesehen, aber eine verkrustete, m.E. über-föderale Organisation (mit vielen schönen, warmen Sesseln) kann man damit noch ein bisschen sichern, wirklich auf Drehzahl kommt sie damit nicht. – wind of change.

Berlin arbeitet an der der Verkehrswende; teilweise tauchen echt breite Radbahnen auf. Der klassische Straßenverkehr wird enger.

Die Digital Natives mit optimierter Work-Life-Balance bestellen ihren Lebensmittelbedarf per App und lassen sich das Zeug durch radelnde Kulis nach hause bringen.

Mal sehen, wann die ersten Radel-LKW zur Belieferung der hubs auftauchen. Elektro-unterstützte Minitransporter für Paketdienste habe ich schon gesehen. Man könnte doch die 8-Mann-Bierradel-Fahrzeuge umbauen, oder?

Als ganz persönlichen Beitrag zur CO2-Reduzierung habe ich mir kürzlich einen Elektro-Roller für die typischen Allein-Kurzstrecken angeschafft und fühle mich gut dabei. (3 kwh statt 10 ltr sprit pro 100 km ist schon super).

Blöd nur, dass ich als „Guter“ damit neben den Verbrennern an der Kreuzung stehe und neidisch auf den wachsenden geschützten Verkehrsraum schaue.

Ich sollte eine Petition „E-Roller auch auf Radwegen“ lostreten. – wind of change

Abschließend ein Kulturtipp zur Wahl:

Kurt Tucholsky 1930: „Ein älterer, aber leicht besoffener Herr“ by Gerd E. Schäfer – köstlich, hört mal bei Youtube rein –

– Allen eine gute Wahl! –

Ende Gastbeitrag Hermann

Kommentare? Gerne 😉

203) Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 4

„Pling, Plopp, Bing, Ssssst, Fffffft, Klong, Beep“, so ähnlich machen unsere Handys mehrmals pro Stunde auf sich aufmerksam. Man hat eine Mail bekommen, irgendwer schickt eine Nachricht, Fußballtraining fällt aus, Päckchen wurde Versand, „Du sitzt


zu viel“, etc. Doch das war nicht immer so.

Es muss circa 1997 gewesen sein, da hatte ich mein erstes Handy in der Hand. Ein S6 der Firma Siemens. Es war ungefähr so groß wie eine Fernbedienung, aber flacher als das S4, hatte eine „harte“ Stummel-Antenne, wog ca. 200 g (nicht schwerer als das neueste Apfel-Phone) und der Akku hielt ewig.

Erinnerungen:

  • Frisch aus der Verpackung genommen und aufgeladen, lag das edle Stück auf dem Couch-Tisch aber rührte sich nicht. Es machte einfach …. „nichts“. Kein Mensch rief an. Ich programmierte ein paar Telefonnummern von Freunden ein, aber die hatte ich eigentlich eh im Kopf. Man musste also wirklich jemanden anrufen, damit das Ding irgendetwas tut.
  • Das Display war monochrom, neben Telefonieren konnte man noch … Kontakte sortieren. Aber es gab noch andere coole Features wie Minuten-Ton, Gebührenanzeige, Beleuchtung, Begrüßungstext, Makeln und Konferenz mit bis zu 4(!) Teilnehmern.
  • Eine andere Funktion fand ich eher zufällig. Unter Menü/Meldungen gab es eine Option „Textnachrichten“ und ich meine, die war sogar anfänglich kostenlos. Damit konnte man Textnachrichten an andere Nutzer schicken. Nur Text natürlich, keine Bilder, aber genial. Aber man musste sich sehr kurz fassen. Später nannte sich das Ganze „SMS“ und wurde zur beliebtesten Kommunikationsform der Jugend.
  • T9 und Rechtschreibkorrektur gab‘s für die Textnachrichten noch nicht, geschweige denn „Diktier-Funktion“ oder „Text to Speech“. Also wurde jede Zifferntaste solange gedrückt, bis der richtige Buchstabe auf dem Display erschien oder die Daumen bluteten. Und wehe man hatte sich zu Beginn des Satzes verschrieben, dann ging alles rückwärts.
  • Zu Sylvester und anderen Feiertagen war das Netz total überlastet, die Mobilfunk-Firmen offerierten spezielle Zeitfenster für kostenlose SMS oder preiswertere Gespräche in Nebenzeiten.
  • Und das Telefonieren war teuer. Der meist gesprochene Satz dieser Zeit war: „Warte mal, ich rufe dich gleich auf’m Festnetz zurück“ … und ich erwische mich heute noch dabei, obwohl ich eine Flat Rate habe.
  • Da das Gerät in keine Hosentasche passte, gab es dazu eine schicke Gürteltasche für den Herren. Die trug man eher seitlich oder hinten und wenn man sich damit auf den Fahrersitz des Autos fädelte, rammte man sich die Antenne in die Nieren. Ich muss doch glatt mal nachschauen, ob die blauen Flecken mittlerweile weg sind.

Hat’s bei euch etwas auch gerade „Pling“ gemacht?

Dann war das vielleicht dieser Beitrag hier … aber dann ist das ja auch in völlig Ordnung … wenn es bei euch „Pling“ macht 😉

<— Aus der digitalen Mottenkiste – Teil 4

192) Atlas, wat das?

Ab und zu fällt mir mal mein Auto-Atlas in die Hände. Das stolze Werk steht im Seitenfach der Fahrertür und wartet dort auf den Fall der Fälle. „Atlas? Wat das?“ mögen die jungen Erdenbürger fragen. Ich versuche mich mal an einer Rezension

Features:

  • 2,1 kg, Hard Cover (scheiße schwer)
  • Farbdruck, 1.232 Seiten Papier (… ja Papier … wirklich)
  • 2 Lesebändchen (heute würde man wohl „Bookmarks“ oder „Favorites“ sagen)
  • „Touren-Planer auf CD-Rom für PC“ (das sind die komischen Scheiben, die eure Alten im Regal stehen haben)

Content:

  • Reisekarten, Durchfahrtspläne für Europa
  • Innenstadtpläne, Planungskarten
  • Entfernungstabellen, Hotel-und Restaurantverzeichnis
  • Verkehrsregel pro Land, KfZ-Kennzeichen
  • Erste Hilfe, Pannenhilfe, Fremdwörter
  • Ortsregister
  • PS: manchen Autobahnen fehlen noch

User Experience:

  • Entweder man arbeitet sich durch 70 Seiten Ortsregister oder man blättert „free style“ zum Ziel. Ihr wisst ja hoffentlich noch, Polen ist rechts von zu Hause, Frankreich ist links, Dänemark ist oben, Österreich unten. Von da kommt man dann ganz gut weiter.
  • Auf jeden Fall braucht man gute Augen, wenn man sein Reiseziel finden will. Und man kann nur hoffen, dass es nicht direkt im Knick zwischen zwei Seiten liegt. So wie „Oberi         lbach“ in Bayern oder „Frie         gen“ in Westfalen. Wenn dann noch Kekskrümel im Knick liegen, wird es fast unmöglich.
  • Zoomen funktioniert da noch nicht. Zumindest nicht mit den Fingern. Entweder man hält sich das Buch direkt vor die Nase oder man senkt den Kopf über das Buch, bis man Druckfarbe riechen kann.
  • Wischen und Swipen geht nur bedingt, man kann sich aber anhand von kleinen Zahlen an den Seitenrändern orientieren und „blättern“. Man sollte aber vorher Daumen und Zeigefinger in die eigene Viren-Gusche halten und ordentlich befeuchten.
  • Sprachsteuerung? Fehlanzeige. Auto-Korrektur, Auto-Updates und Auto-Backup gibt’s noch nicht, dafür aber eine Auto-Versicherung auf Seite 6 und eine Auto-Vermietung auf Seite 123
  • Siri, Alexa, Cortana … könnt ihr vergessen … nix da

Fun Factor:

  • Der/die/das Beifahrer_*-In mit dem Ding navigieren lassen und dann seinen/ihren/dessen Ansag_Innen vertrauen und folgen
  • Die Route halten, wenn er/sie/es dann doch bei 80km/h auf Dänemarks Landstraßen eingeschlafen ist
  • Nachtfahrten, wenn man die Abfahrt Genua gerade verpasst hat und die Fähre in 10 Minuten erreichen muss.

Und nun, was mache ich nun damit? Wegschmeißen? Anzünden? Ins Museum bringen?

Ach … ich glaube ich lege das Ding wieder ins Seitenfach der Fahrertür.
Nur für den Fall der Fälle

60) Auto-Innenreinigung

Da ich noch die Ehre habe, dass Innere der Familienkutsche selber reinigen zu dürfen, läuft dieses Spektakel jedes Mal ähnlich ab.

Zunächst muss ich Dampf ablassen:

  • Haben diese Auto-Designer eigentlich selber Kinder? Und waren sie jemals mit ihnen auf der Autobahn? Oder am Meer, oder im Wald unterwegs? Wie kann man sich nur so eine dämliche Innenausstattung ausdenken? Ich meine Teppiche am Boden! Polster auf den Sitzen!
  • Und wenn sie Kinder haben, verdienen vermutlich soviel Schotter, dass sie ihr Auto ständig zur Innenreinigung weggeben können? Oder kriegen sie einfach alle 6 Monate eine neue Karre gestellt und die verdreckte Schüssel wird nach Afrika verschifft?
  • Und wer hat eigentlich den Kindern erlaubt, hinten Salzstangen zu knabbern, Schokolade zu essen oder Kaugummi zu kauen? Und die ganzen Ü-Eier? Und die Fußballkarten? Wo kommen die her? Vorsicht, das könnte nach hinten losgehen 😉

Nachdem diese Schuldfragen nun angesprochen sind, folgen dann die etwas konstruktiveren Überlegungen:

  • Warum müssen Autos mit Teppich ausgelegt sein? Kann man die Bodenplatte nicht fliesen, mit Laminat auslegen? Oder eine Auffangeinrichtung wie beim Toaster vorsehen, die man rausziehen kann. Oder die Karosserie gleich auf ein Rost montieren? So könnten die Krümel durchfallen und man könnte mit einem Hochdruck-Reiniger ran.
  • Warum bauen sie allmöglichen High-Tech Schnick Schnack in die Karren rein, so dass es permanent piept und gongt? Aber sie kriegen es seit Beginn der seriellen Autofertigung nicht gebacken, mit dem Dreck der Reisenden umzugehen.
  • Warum gibt‘s Saug- und Wischroboter, Fenster-Putzgeräte für den Haushalt, aber nicht fürs Auto? Wieso sind manch andere Automaten im Auto sogar schon wieder ausgestorben (man denke an CD-Wechsler) und wir krauchen immer noch kopfüber unter die Polster und fluchen über die zu breite Staubsauger-Düse!

Liebe Auto-Industrie, bevor ihr euch an den selbstfahrenden Autos die Zähne ausbeißt, löst doch bitte erst einmal dieses Problem. Oder glaubt ihr etwa ich putze das Auto, während es autonom über die Autobahn fliegt?

Andere Nervigkeiten zum Thema Auto:

 

51) Bake Bake Radspur

Backe Backe Kuchen, habe ich selber im Sandkasten gesungen. Meine Kinder auch.

Liebe Städte, oder ihr Orte, die ihr mal Städte werden wollt, der neueste Scheiß kommt aus Berlin! Total heiß. Der letzte Schrei aus dem Mobilitätskonzept unseres Senats.

  • Ganze Auto-Spuren wegnehmen für die Fahrräder? Schnee von gestern.
  • Auch wenn im Winter keine Sau drauf fährt? Schreit kein Hahn mehr nach.
  • Die neu gewonnen Radspuren grün anmalen? Auch schon wieder ein alter Hut.
  • Die Stadt mit Fahrrad-Müll zustellen?  Is‘ auch schon Retro.
  • Mit rollenden Batterien durch die City brettern? Schon völlig normal.

Nee, Leute. Der neueste Trend nennt sich Protected Bike Lane.
Zitat http://www.morgenpost.de vom 23-05-2019:

Die Anlage von sogenannten „protected bike lane“ (kurz: PBL) ist ein aus Nordamerika importiertes Konzept, mit dem Kommunen schnell und kostengünstig Platz für komfortablen Radverkehr schaffen können. Dabei wird in der Regel dem Autoverkehr eine Spur weggenommen – und darauf ein mindestens zwei Meter breiter geschützter Radfahrstreifen angelegt. Durch bauliche Barrieren (zum Beispiel durch Poller) wird die Radspur vor dem Überfahren und Zuparken durch Autos geschützt.

Aha.

Wir hier, in der Hauptstadt, wir nageln jetzt also tausende kleine Baken auf die Straße und die Radler sind damit sofort „protected“. So einfach ist das. Sieht Scheiße aus, erinnert irgendwie an Playmobil, aber wer das nicht hat, ist eben auch keine richtige Metropole. PBL.

 

PS: Nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen Rad-Verkehr, mir gehts nur ums „Wie“

47) E-Sharing-Wahn

Dass ich so meine Probleme mit den unzähligen bunten Leih-Rädern in der Stadt habe, hatte ich schon mal hier in >Bikesharing geschrieben. Mittlerweile kann ich denen ja wenigstens noch etwas ökologisches und sportliches abgewinnen, ABER nur wenn sie an Stationen gebunden sind. Wenn die Dinger einfach irgendwo abgestellt oder in die Büsche geschmissen werden, bleiben sie mir ein Dorn im Auge. Nix zu machen!

Aber nun wird‘s ja immer bunter:

In jeder Nacht werden neue bunte E-Tretroller in den Straßen abgestellt. Man spricht mittlerweile von 5.000-6.000 Stück in der Stadt, Tendenz steigend. Über diese Roller wurde schon vor ihrer Zulassung heftig gestritten, als es um Geschwindigkeit, Helmpflicht und Nutzungsrechte ging. Darum geht es mir aber heute nicht. Mir fehlt z.B. die Diskussion, welche konventionellen Verkehrsmittel denn dadurch weniger wurden. Haben denn all diese Spaß-E-Tretroller-Fahrer ihre Autos oder Mopeds verschrottet? Glaube ich wohl kaum. Da das Fahren der Dinger vermutlich auch noch Spaß macht und sie überall zu haben sind, wird künstlich Verkehr geschaffen, der sonst nie da war. Diese Wegstrecken wurden früher mit der Bahn oder eben zu Fuß erledigt. Die zweite Frage, die mich beschäftigt ist, wie denn die Dinger geladen und gewartet werden? Werden sie mit Diesel-LKW durch die halbe Stadt gefahren und morgens wieder aufgestellt? Das wäre eine schlechte Öko-Bilanz. Mal ganz zu schweigen davon, mit welchem Strom sie geladen werden und wie die vielen Heinzelmännchen bezahlt werden. Weiß hier jemand mehr?

Und nun kommt noch mehr oben drauf. In den letzten Tagen wurden zig Elektro-Autos in den Straßen abgestellt. Zum Beispiel 1.500 VW e-Golf ! Was soll denn der Mist nun wieder? Wenn man e-Tretroller und Fahrräder in die Büsche schmeißt, sieht das zwar übel aus, aber sie nehmen wenigstens keine Park-Plätze weg. Mit den E-Cars werden nun noch mehr Autos in die Stadt gespült und geparkt. Sollten es nicht eigentlich weniger Autos werden? Was soll der Schwachsinn? Auch hier die Fragen. Wie und wo werden die aufgeladen? Wieviele werden nachts irgendwo durch Waschanlagen geschoben, die Wasser und Chemie verbrauchen. All die Kunststoffe, Reifen und Metalle, die nötig waren, um die Autos zu produzieren. Und auch noch einmal die Frage, wieviele konventionelle Autos dafür aus dem Verkehr gezogen wurden. Weiß das jemand?

Wenn ich nur mal die Zahlen hier im Beitrag addiere, handelt es sich ungefähr um zusätzliche 7.500 Batterien! Für den Moment. Die müssen alles aus seltenen Rohstoffen hergestellt, nach Deutschland gebracht und später wieder entsorgt werden. Mir wird da echt schwindelig. Was hier im grünen Antlitz daher kommt, ist doch ökologisch eine Mega-Augenwischerei oder denke ich zu einfach? Kann mal bitte jemand aufklären?

Was soll das nur werden, wenn es irgendwann mal an jeder Ecke E-Hoverboards zum Leihen gibt? Und noch E-Segways, E-Dreiräder und E-Rollschuhe und E-Inliner und E-Skateboards und E-Tuk-Tuks und E-Rollatoren und E-Bobby-Cars und …

Wir müllen unsere Stadt mit stehendem Schrott zu und verfetten zunehmend, weil keiner mehr nur noch einen Meter läuft. Na großartig. Gut gemacht!

Anmerkung: Ich finde E-Autos sehr interessant und könnte mich selber mit einem E-Auto oder Hybriden anfreunden. Aber das was hier passiert, wirkt total planlos. Oder ist da echt ein Plan dahinter? Autos auf den Markt spülen, damit Menschen ihre alten Autos abgeben und am Ende weniger Autos auf dem Markt sind als vorher. Hääääh??? Is‘n das für eine Rechnung?

PS: mein Sohn klärte mich gerade auf, dass ein durchschnittlicher E-Tretroller in Paris ungefähr 78 Tage alt wird, häufig landen sie in der Seine. Bingo!