137) Corona-Lektionen 45

Also warum eigentlich, wird an den Menschen, die das mit Corona etwas lockerer nehmen, immer so herumnörgelt?

  • Sie feiern doch extra in Parks und auf Plätzen, um das Infektionsrisiko klein zu halten und unser aller Gesundheitssystem zu schonen.
  • Dem Kleingewerbe helfen sie auch durch die Krise, in dem sie beim Späti fleißig Bier, Schnaps und Kippen kaufen.
  • Sollten sie nachweislich erkranken, laufen sie noch schnell in all die Clubs der Stadt, um ihre Freunde zu warnen.
  • Und wenn sie im Bus keine Maske tragen, dann doch eigentlich nur, weil sie den anderen Menschen welche übrig lassen wollen.
  • Sie kommen uns oft sehr nahe, um genau das zu tun, was doch immer gefordert wird. In schwierigen Zeit dichter zusammenrücken, dem anderen die Hand reichen und füreinander da sein

Also, das ist doch alles sehr selbstlos und sozial, oder 😉

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126) Corona-Lektionen 35

Jedes Kleinkind hat‘s mittlerweile kapiert und kann es textsicher aufsagen: Maske auf und 1,5 m Abstand. Ich bin ja bekanntermaßen kein Virologe, aber ich bin überzeugt, dass wir mit diesen beiden einfachen Maßnahmen eine Weile überbrücken könnten, bis endlich der Impfstoff da ist. Könnten wohlgemerkt.

Ein Teil der Mitmenschen ist dazu aber schlichtweg zu blöd. Und mit Habgier, Faulheit und Egoismus infiziert. Tut mir Leid, dass so sagen zu müssen, aber anders kann ich es mir nicht erklären.

Drei ausgewählte Situationen aus den letzten Tagen:

Ich stehe an der Ausgabe eines Imbisses und bezahle meine „Bocki“. Vor meiner Nase trennt mich eine halbe Glasscheibe von der Bedienung in der Hütte. Unter der Glasscheibe wurden noch ca. 40 cm Luft gelassen, um eben Speisen und Geld zu tauschen. Ich verstaue mein Geld und will mir meine Bocki auf‘m Pappteller greifen. Da kommt ein Typ von der Seite, sagt „Tschuljung“, steckt seinen Specknacken unter der Glasscheibe in den Imbiss und fragt „Kann ick noch mal zweimal Besteck haben“.

Warum du Blödmann ist da wohl ein Glasscheibe und warum aerosolst du das Wort Besteck so feucht auf meine Bocki?

Ich warte noch einmal in der Schlange vor dem Eisladen gleich neben dem Imbiss, lasse vor mir die circa 1,5 m Abstand zum Vordermann. Oder mehr, ist aber auch egal. Die Geschwindigkeit des Vorankommens wird schließlich durch den Ferien-Jobber an der Eis-Vitrine bestimmt, nicht durch die kompakte Aufstellung der Menschenschlange. Es geht weiter, aber ich träume etwas vor mich hin und schließe nicht sofort auf. Vor mir entsteht ein Abstand von 2 Metern. Dieser wird kurzerhand zur Transfer-Fläche erklärt. Ein Familien-Vater kreuzt die Schlange und trägt ein Tablet voller Speisen direkt vor mir auf Brusthöhe durch die Lücke.

Warum du fauler Sack, kannst du nicht einfach diesen aufgemalten Weg gehen? Stattdessen trägst du das Fritten-Zeug direkt vor meinem Corona-Auspuff vorbei. Soll ich mal kräftig in deine Armbeuge niesen?

Ich beobachte das Boarding eines Dampfers. Man ruft zum Einstieg für die Zwei-Stundenfahrt auf. Was bis eben noch wie eine halbwegs gestrechte Corona-Schlange aussah, entwickelt sich in kürzester Zeit zu einem gestauchten Touristen-Engerling. Der Durchschnitts-Teutone kann es auf den Tod nicht leiden, wenn vor dem Vordermann eine Lücke entsteht und wenn‘s „da vorn“ nicht weiter geht. Dann hält er panisch die Tickets in die Luft und rückt Anderen so dicht auf die Pelle, dass er bei der Gelegenheit gleich noch einen Abstrich von dessen Rachenraum machen könnte.

Warum ihr gierigen, von Neid und Torschluss-Panik durchtränkten Landsleute, könnt ihr nicht einfach mal die Füße stillhalten?

 

Also Leute, Corona ist gar nicht so hinterhältig, so unberechenbar oder so komplex. Corona ist einfach nur schlau und hat verstanden, wie es Zugang in die Körper der Deutschen bekommt.

Nicht Mund und Nase sind das Einfallstor, sondern Habgier, Faulheit und Egoismus.

Schönen Sonntag noch!

T.

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118) Corona-Lektionen 32

In welcher Homeoffice-Woche sind wir denn jetzt eigentlich? In Nummer 12 oder schon 13? Habe den Überblick verloren. Ich zähle noch einmal nach. Wir gehen nun in die 14. Woche!

Zwei Gedankengänge der letzten Tage:

Normalität 1: Viel wird derzeit geschrieben und besprochen, was uns wohl in der „neuen Normalität“, dem „New Normal“, erwarten wird. Der Begriff klingt verheißungsvoll, irgendwie nach Reform, oder? Als würde demnächst ein weißhaariger Mann mit Bart auf einen Hügel klettern und uns den Weg weisen, wie wir alle ab Stichtag X leben werden. Und so als würde diese neue Normalität dann eine Weile anhalten, bis sie dann mal wieder überarbeitet wird, wenn ein Grund dazu besteht. Ein neuer Virus, die Polkappen-Schmelze oder der Umwelt-Kollaps vielleicht? Der Begriff „Normalität“ scheint uns Orientierung zu geben, uns zu beruhigen, irgendwie unser Leben zu ordnen. Ist aber eigentlich auch Augenwischerei. Denn Normalität ändert sich doch täglich! Etwas wirkt auf uns ein, oder wir wirken auf andere. Das alles verändert den Status Quo. Und weil das so ist, brauchen wir auch nicht auf das „New Normal“ warten.

Normalität 2: Gemäß der großen Suchmaschine ist Normalität „ … das Selbstverständliche in einer Gesellschaft, das nicht mehr erklärt und über das nicht mehr entschieden werden muss. Dieses Selbstverständliche betrifft soziale Normen und konkrete Verhaltensweisen von Menschen …“! Na bitte. Da steht’s doch. Und wie kommt es dazu? Normalität wird diktiert (z.B. durch Politik, Organisationen oder Gesetze) und sie wird bestimmt durch unser aller Handeln. Letzteres können wir direkt beeinflussen und können was draus machen. Sollten wir auch. Sonst machen es nämlich andere! Wie wollen wir künftig konsumieren, wie wollen wir uns ernähren, wir wollen reisen, wie wollen wir arbeiten? Da haben wir durchaus Einfluss und sollten uns nicht unmündig vor die Karren anderer spannen lassen.

Frohes Nachdenken!

T.

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–-> Corona-Lektionen 33

94) Corona-Lektionen 16

Kaum war ->Corona-Lektionen 15 veröffentlicht, wurde letzten Mittwoch nun bekanntgegeben, wie es mit der Schule weiter geht. Gar nicht. Zumindest bis Anfang Mai. Doof, aber immerhin mal `ne klare Ansage. Besser als dieses permanente Spekulieren.

Drei Gedankengänge aus den letzten Tagen:

Positives: Nach dem letzten Beitrag auf ->Ida‘s Blog habe ich über positive kurzfristige Effekte nachgedacht, die diese Zeit für uns im Angebot hat. Neben der gewonnen Zeit und Entschleunigung, über die ich schon geschrieben habe, gibt es da viele Kleinigkeiten, die man nun endlich mal machen kann. Hier ein paar Vorschläge, ihr könnt gerne weitere kommentieren: Wollte man schon immer mal grüne Haare oder eine Glatze probieren, dann ist jetzt der ideale Zeitpunkt dafür. Einfach mal sehen, wie man mit Vollbart oder Schnautzbart aussieht? Jetzt machen! Nach Herzenslust Knoblauch futtern ohne sich Gedanken zu machen, ob man morgen Kollegen trifft? Macht es! Großräumig Menschen ausweichen, ohne als soziophob zu gelten? Herrlich! Selbst nur zwei Brötchen mit Karte zahlen? Was für ein Vergnügen in Deutschland!

Dummes: Heute habe ich im Supermarkt ein Gespräch zwischen einer Kundin und ihrer Kassiererin mitbekommen. Darin berichtete die Frau hinter der Kasse auch über manch miese Reaktion, die sie erwidert bekommt, wenn sie auf bestimmte Corona-Spielregeln hinweist. Nur ein Erlebnis frei zitiert „Du blöde Schnepfe, hättest du mal etwas ordentliches gelernt …“ mehr gebe ich hier nicht wieder. Der Wachmann habe wohl schon viele Hausverbote erteilt, erzählte sie weiter. Was hat diesen Mitmenschen nur das Hirn gegrillt? Ist es Corona? Sorgt Covid-19 nicht nur für Verlust des Geruchs-und Geschmacksinns, sondern fördert es vielleicht auch Stumpfsinn, Dumpfsinn, Pöbelsinn oder Größenwahnsinn?

Begrüßenswertes: Anfang März war ich auf einer Veranstaltung, die von unserem Bundesarbeitsminister eröffnet wurde. Als Warm-Up faltete er die Hände und nickte uns im Publikum ein Indisches „Namaste“ entgegen. Berührungsfrei, aber trotzdem herzlich. Jeder, der schon mal in Indien war weiß, dass sich das weitaus besser anfühlen kann, als ein feuchter europäischer Händedruck. Auch Günther Wallraff schlug kürzlich vor, eine neue Art der berührungsfreien Begrüßung zu entwickeln. Großartig! Ich bin dabei. Keine schlaffen Hände mehr schütteln, keine „Hugs and Kisses“ im Job, die ich noch nie leiden könnte (siehe auch Beitrag ->38) Kannst du kniggen). Aber was kann es werden? Nase-Reiben wie die Eskimos? Geht nicht, zu nah. Verbeugen wie die Japaner? Gut gegen Viren, aber für unsere Verhältnisse zu förmlich. Ellenbogen reiben ist albern. Also … dann gern Namaste!

Viele Grüße an Freunde, Kollegen und Blogger in Indien.

Haltet durch!

<—Corona-Lektionen 15

—>Corona-Lektionen 17

84) Corona-Lektionen 6

Spätestens beim täglichen Erwachen zeigt sich, dass wir noch lange nicht in der neuen Realität angekommen sind. Mein Oberstübchen ist mächtig durcheinander geraten dieser Tage. Also schreib ich was hier auf‘m Blog, um mich zu sortieren.

Realitäten 1: Habe ich das mit dem Virus nur geträumt? Mit dieser inneren Frage gleich nach dem Erwachen, verbindet sich eine kleine Hoffnung, aber sie zerplatzt schnell wieder. Nee, das war kein Traum. Auch kein Spielfilm gestern abend. Das ist jetzt echt so. Für Wochen. Oder länger? Was war nun noch mal die zuletzt kommunizierte Maßnahme in den Nachrichten? Dürfen wir noch raus? Oder nicht? Und zu welchem Zweck? Kann bitte endlich jemand vor die Kameras treten und die Aktion als „Globale Katastrophen-Schutzübung“ erklären und damit beenden? Lassen die uns noch bis zum 1. April in dem Glauben und rufen dann „April, April“?

Lagebestimmung: Habe ich „früher“ nach dem Aufstehen relativ bald Wettervorhersage und Regen-Radar gecheckt, kommt nun die Welt-Karte mit den roten, größer werdenden Kreisen dazu. Links daneben stehen die Länder sortiert nach Fallzahlen. Was in guten Zeiten aussieht wie ein Olympia-Medaillen-Spiegel oder die Ergebnisse vom Eurovision Song Contest, macht den morgendlichen Kaffee schwer genießbar.

Realitäten 2: Und weil eh alles durcheinander ist, sind meine Antennen für Realitäten und Wahrheiten hyper-empfindlich. Am Freitag erreichte uns eine täuschend echt aussehende Verkündigung der Berliner Behörden und erklärte die Ausgangssperre. Fake News, wie sich später herausstellte. In der Berliner Zeitung überfliege ich einen Artikel und traue meinen Augen nicht: Da steht doch wirklich „… die der Berliner Senat vom Corona-Schließbefehl ausgenommen hat …“. Welcher Chefredakteur lässt so etwas durchgehen? Hat man es mit den Augen und lässt mal eben das „L“ in der Mitte weg, kriegt man sofort einen Fieber-Schub. Bei den Radio-Nachrichten um 10:30 Uhr läuft im Hintergrund Musik. Der Sprecher scheint verwirrt. Sind das Frequenz-Überlagerungen oder spielt dessen Kind an der heimischen Stereo-Anlage, während Papa aus dem Home-Office die Nachrichten verliest?

Klatschen: Nicht nur Italien klatscht am Abend für die Helfer und fleißigen Mitarbeiter, die dafür sorgen, dass der Laden hier noch halbwegs rund läuft. In Deutschland beginnt diese Bewegung nun auch und wird sich vermutlich bald zum Ritual etablieren. Eine nette, friedliche Aktion. Jeder kann sich überlegen, ob er klatscht oder nicht. Wenn ich mir aber vorstelle, dass irgendwelche Voll-Honks tagsüber Kassiererinnen anpöbeln und sich abends eine Minute von ihrer Schuld „freiklatschen“ wird mir kotzübel.

Schönen Sonntag an die Leserschaft und einen guten Wochenstart morgen!

T.

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83) Corona-Lektionen 5

Die erste Corona-Family-Home-Office-Woche ist vorüber. Die viele Arbeit sorgt für Ablenkung, wirft man aber zwischendurch mal einen Blick aufs Handy, holt einen die neue Realität schnell ein. Viele Gespräche mit Kollegen weltweit … überall das selbe Bild. Egal ob Kuala Lumpur, Bengaluru, Bratislava, Mexico-City oder Sao Paulo.

Aber darum geht es in der Serie hier nicht, hier geht‘s darum, was das ganze mit uns macht.

Donnerstag, 19. März:

Distanz: Die Menschen im Kiez machen größere Bögen wenn sie aufeinander zugehen, halten mehr Abstand. Auf dem Fußweg vor dem Eisladen warten rosa Striche im Abstand von 1,5 m auf die Kunden. Irgendwie ist den Leuten aber die Lust auf Eis-Diele vergangen. Und das schon Mitte März. Nicht gut.

Stammtisch: Während ich zwei Pizzen organisiere, höre ich einer Bierseligen 3-er Runde zu. „Ick hör da nich mea hin, man“ … „Wenn de zum Arzt jehst, biste erst recht krank danach“ …  „Völlijer Blödsinnn, dit Janze“ … „Darfst de allet nich globen“ … „Jetzt machen die allet zu hia, bis zun 18.04., wat is’n dann anders, meinen die, dit virus ist dann weg“ … „Is ejal, Hauptsache der Schwachsinn hört bald uff“ … Prost!“ Ein Kommentar liegt mir auf der Zunge. Ich lasse es denn aber. Vermutlich werden wir uns wohl nie wieder sehen.

Klo-Papier: Es gibt wieder Klo-Papier. Die Mitarbeiter des Super-Markts räumen die Packen gar nicht mehr ins Regal, die Leute nehmen es direkt von der Euro-Palette. Ich wollte noch nicht sofort zugreifen, ich fühlte mich irgendwie schlecht dabei. Morgen oder übermorgen vielleicht. Und dann werden wir sparsam damit umgehen und auch die Blatt-Rückseite nutzen 😉

Freitag, 20. März

Park: Die Menschen kapieren zunehmend, sich aus dem Weg zu gegen. Zumindest da wo ich unterwegs bin. Die Enten im Park haben schon vor Jahren aus der Vogelgrippe gelernt und gehen freiwillig in Quarantäne. Die Spielplätze sind mit rot-weißem Flatter-Band gesperrt. Auch der versteckte Spielplatz, wo sonst eine Klimmzug-Stange auf mich wartet. Muss das sein? Hier ist keine Menschenseele. Hüpfe ich einfach schnell über den hüfthohen Zaun? Nee, besser nicht.

Geschäfte 1: Ich muss ein paar Kleinigkeiten im Baumarkt besorgen. Ein Sicherheitsdienst wartet an der Tür und wirft für jeden Neuankömmling eine Münze in einen Topf. An den Kassen hat man auf die Schnelle einen Plexiglas-Schutz für die Kassierer installiert, Markierungen auf dem Boden zeigen an, wieviel Abstand man halten soll. Im Markt sind zwar Kunden unterwegs, aber es herrscht bedächtige Stille.

Geschäfte 2: Der sonst etwas „maulfaule“ Mann in der Reinigung freut sich, mich zu sehen. Ich hole ein paar Hemden ab, wir kommen ins Quatschen. Zwanzig Kunden hatte er gehabt. In der ganzen Woche. Das sind exakt vier am Tag. Ich verspreche ihm, weitere Arbeits-Klamotten zu bringen. Die brauche ich jetzt eh lange nicht.

Samstag, 21. März

Schlange: Wir müssen etwas bei der Post abgeben. Menschen die in der DDR groß geworden sind, fühlen sich auf einmal 35 Jahre zurückversetzt.  So viele Erinnerungen kommen hoch. Anstehen. Reingehen. Gucken. Weitergehen. Wo anders probieren. Wieder anstehen. Reingehen. Und so weiter.

Idioten: Nun, wo viele vernünftige Menschen zu Hause bleiben bzw. nur wenig unterwegs sind, fallen leider die Voll-Idioten viel deutlicher auf. Wir waren heute kurz mit dem Auto unterwegs. Fette SUV‘s ballern durch die Stadt, die Fahrer denken sich wohl, die Polizei hat anderes zu tun. Man, ihr Honks! Muss das sein? Das ist doch alles schon doof genug.

Nachdenken: Ein Moderator im Radio sagte so etwas wie „… Man sollte es nicht Social Distancing nennen, sondern nur Physical Distancing…“. Ja, da ist was dran und damit beende ich diesen Beitrag.

Macht‘s gut und tragt zur Beruhigung … und Belustigung … der Lage bei.

<— Corona-Lektionen 4

—> Corona-Lektionen 6

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82) Corona-Lektionen 4

Die Hälfte der ersten Corona-Family-Home-Office-Woche ist geschafft. Wieder eine Gelegenheit, ein paar Gedanken zu sortieren und zum Umdenken anzuregen.

Bewegung: Heute früh drehte ich meine übliche Laufrunde durch den Park. Und ich kann berichten, dass ich noch so viele Läufer morgens 07:00 Uhr im Park angetroffen habe. Da zeigt die Krise ausnahmsweise erste positive Effekte. Es wird wärmer, es ist hell und aufgrund vieler Homeoffice-Lösungen und Schulschließungen entfällt sogar die Ausrede, am Morgen „keine Zeit“ zu haben. Weiter so! Bewegt euch, so lange es noch geht!

Hygiene 1: Viel wird geredet über Klinken, Türöffner und das intensive Händewaschen. Eigentlich können wir ja froh sein, Hände zu haben, oder? Ich meine Vögel und Vierbeiner müssen den Dreck direkt mit Schnabel und Schnauze durchwühlen. Trotzdem frage ich mich dieser Tage, warum wir in unserer hoch technisierten Gesellschaft so viele Dinge anfassen müssen, um sie zu bedienen. Geld-Automaten, Zapf-Säulen, Fahrstühle, Visa-Karten-PIN-Geräte, Türöffner in Tram und S-Bahn. Warum eigentlich? Das muss doch anders gehen. Liebe Ingenieure da draußen, denkt nach!

Hygiene 2: Als ich beim Joggen über Schalter und Knöpfe nachdachte, kam mir ein anderer Gedanke. Der ist zwar völlig an den Haaren herbei gezogen und wissenschaftlich überhaupt nicht abgesichert, aber wir können ja mal drüber nachdenken. Ich meine, wir fassen Knöpfe und Stangen in der Bahn an, bedienen Automaten und waschen danach unsere Hände. Hoffentlich. Habt ihr schon einmal drüber nachgedacht, wie oft ihr am Tag euer Handy in der Hand habt während ihr unterwegs seid? Wer weiß, was da vielleicht alles auf dem Home-Button eures Handys oder Tablets lebt? Da könnt ihr Händewäschen soviel ihr wollt, vielleicht sollte man auch „Handywaschen“.

Mit diesem genialen Wortspiel müsste ich eigentlich den Beitrag beenden.
Aber vielleicht eins noch:

Mag man die Kanzlerin mögen oder nicht. Vielleicht auch ihre späte öffentliche Reaktion kritisieren. Bei mir steht sie auch nicht ganzen oben auf dem Zettel. ABER, was sie da heue Abend gesagt hat, klingt ernst und richtig. Jeder Bürger sollte sich das anhören und entsprechend handeln. Sonst werden wir noch sehr lange in diesem (H)Alb-Traum gefangen sein. Und das wollen wir alle nicht!

In diesem Sinne!
Grüße aus der Hauptstadt

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81) Corona-Lektionen 3

Klingelt dieser Tage mein Wecker, schießen mir zwei Fragen durch den Kopf:

  1. Wo bin ich? Ach ja, Berlin. Ist ja auch mal nett!
  2. Was bringt der Tag? Ach ja, Corona, stimmt. Oh ha!

Nach den ersten beiden Tagen „Family-Home-Office“, muss ich wieder ein paar Gedanken loswerden. Zur Corona-Pandemie. Dabei geht es nicht ums Klo-Papier, sondern um einzelne Vorkommnisse, die ich kommentieren will und die hoffentlich zum Umdenken anregen.

Party 1: Am Samstag wagten wir uns zum Nachmittag mal in den Kiez, um zu schauen, was „noch so geht“. Die Fußwege waren voller Menschen, Eis und Latte Macchiato kreisten durch die Hände. Auch im Park herrschte eher Frühlingsfest und ausgelassene Stimmung. Habe ich etwas verpasst? Wurde Corona frühzeitig als April-Scherz entlarvt oder haben die Menschen dort kein Radio? Kurz später höre ich von Corona-Parties. Ich meine, ich finde es ja echt gut, wenn wir nach Terror-Anschlägen oder Naturkatastrophen bewusst unseren freiheitlichen Lebenswillen demonstrieren … aber … es handelt sich hier um ein ansteckendes unsichtbares Virus, Leute. Check?

Party 2: Das Gymnasium in der Straße hatte am Montag noch geöffnet. Ab ca. 11:00 Uhr strömten Schüler aus den Toren. Eine Mischung aus Ferien-Beginn, Fasching und Junggesellen-Abschied. Fläschchen, Späßchen und Helau. „School‘s out!“ Ja, die Kids nehmen das lockerer. Ja, die Jugend muss „anti“ sein. Waren wir auch. Aber haben die halbwegs umrissen, dass es gerade mal nicht um „Hitzefrei“ geht, sondern um die vermutlich gravierendsten Einschränkungen der letzte 70 Jahre? Und wo sind deren Eltern? Wieso lassen sie die Kids in solchem Aufzug zur Schule gehen? Kein Verständnis. Nicht diskutabel.

Digitalisierung 1: Die Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter reihenweise ins Home-Office. Logisch, nachvollziehbar. Nur werden damit auch die versäumten Investitionen der letzten Jahre sichtbar. Digitalisierung ist nun mal ein bisschen mehr, als eine halb gare Weisheit bei LinkedIn zu posten. Die VPN-Tunnel sind zu knapp bemessen, Mitarbeiter können sich nicht einwählen. War nicht voraussehbar? Ach hört doch auf! VPN-Tunnel kenne ich seit Ende der 90er Jahre. Dass das Klima, die Sicherheit oder eben nun ein Virus die Leute irgendwann aus den Büros treibt, ist seit 20 Jahren erkennbar. Durchgefallen! Nachsitzen! Mitarbeiter dezentral arbeitsfähig machen und draus lernen. Bald! Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt.

Digitalisierung 2: Dass oben geschriebene gilt natürlich auch für Schulen und Schüler. Selbstverständlich. Der aktuelle Standard an „Digitaler Wissensvermittlung“ ist aber, dass wir morgen eventuell ein paar Aufgaben „per e-mail“ erwarten können. Auch hier bitte umdenken und nacharbeiten Ihr Schulen und Bildungsbehörden! Sonst macht Ihr es den teils sehr guten YouTube-Lehrern sehr einfach, euch digital zu „disrupten“.

Realitäten: Die letzten Tage fühlten sich an, als würde man in kurzen Abständen durch verschiedenste Filme hüpfen. Letzte Dienstreisen, morgendliche Nachrichten, leere Regale, virtuelle Meetings mit der halben Welt, Schulaufgaben, „Freigang“, Besorgungen und wieder Nachrichten mit den nächsten Ankündigungen, leere Stühle in Talk-Shows, Luftbrücken, Rückhohl-Aktionen mit Charter-Flügen. Vielleicht sollte ich mir auch einen Papp-Hut aufsetzen und den Frühling feiern…?

Ich würde mal sagen, dass ich mich echt schnell an verschiedene Situationen anpassen kann. Aber die „Chamäleon“-Gene werden schon arg gefordert dieser Tage, oder? Und ich vermute mal, dass ist erst der ganz frühe Anfang von einer längeren Strecke.

Bis bald

<— Corona-Lektionen 2

—> Corona-Lektionen 4

 

80) Corona-Lektionen 2

Die Neuigkeiten zu Corona überschlagen sich. Alle paar Stunden werden neue Einschränkungen verkündet.

Mit meiner Reihe „Corona-Lektionen“ will ich ein wenig zum Nachdenken anregen, was das alles mit uns „macht“ und was wir daraus lernen können … oder werden.

Wahrheiten: Die einen rechnen mit dem Weltuntergang, andere zucken mit der Schulter und bestellen sich erst einmal einen Eisbecher mit Sahne. Dazwischen gibt es Fake News, die zur Einnahme von Schmerztabletten und Grünem Tee raten. Dass sich Wissenschaftler nicht immer einig sind, kann ich ja verstehen. Aber den Hobby-Virologen, die die Kanäle mit Mutmaßungen und Fehlinformationen fluten, sollte man den Strom abschalten! Hier hoffe ich auf ein Nachspiel.

Konsum: Je nach dem wann und wo man geboren ist, hat man schon vor Corona irgendwann einmal leere Regale gesehen. Vielen Menschen ist das jedoch völlig fremd. Da wo es sonst bereits im August schon Weihnachtsgebäck gibt, sorgt man sich nun um den eigenen Arsch, weil es kein Klo-Papier gibt und irgendwer das ganze Mehl weggekauft hat. Ich hoffe diese Eindrücke bleiben den Menschen noch lange im Kopf.

Europa: Dänemark, Polen, Tschechien usw. schließen ihre Grenzen zu Deutschland. War das Verhältnis aufgrund der Flüchtlingspolitik doch eh schon mächtig angespannt, schotten sich einzelne EU-Länder mehr und mehr ab. Diese drastischen Maßnahmen werden zusätzlich an der Europäischen Idee rütteln und den Nationalisten zu weiterem Auftrieb verhelfen. Aussicht? Düster. Leider.

Innehalten: Die behördlich verordnete Verlangsamung bringt die Menschen vielleicht mal zum tieferen Nachdenken. In anderen Ländern gibt es immer wieder längere Phasen von Stille und Innehalten (Fastenzeit, Gebehtswoche etc.). Vielleicht tut uns das Deutschen auch mal ganz gut. Wenn Netflix keine Erleuchtung mehr bringt, können die Menschen mal ein bisschen reflektieren und ein paar Vorsätze für die Zeit nach Corona formulieren.

Miteinander: Noch können wir uns ja frei in der Stadt bewegen. Sollte es sich so entwickeln wie in Italien, werden wir tagelang in unseren Höhlen hocken und im eigenen Saft schmoren. Das heimische Miteinander wird auf die Probe gestellt. Scheidungen werden zunehmen oder wir haben in 40 Wochen einen Baby-Boom ;-). Mal sehen. Auf jeden Fall glaube ich, dass wir uns wieder auf die Menschen „da draußen“ freuen werden. Das wäre ja sehr positiv. Mal sehen wie lange das dann anhält.

Schönen Sonntag!

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79) Corona-Lektionen 1

Corona ist nun in Deutschland angekommen und wir werden in den nächsten Wochen deutlich spüren, was das so für unseren Alltag heißt.

Das Zusammenleben wird heruntergefahren, wir bleiben in unseren Hütten und gehen nur fürs Nötigste unter Menschen. Na großartig.

Aber ich will mit dem Beitrag gar nicht so sehr auf den persönlichen Einschränkungen herumreiten, sondern über ein paar Punkte nachdenken, bei denen die Pandemie hoffentlich zum Umdenken anregt.

  1. CO2-Emissionen: Wir erleben gerade, wie schnell für sauberere Luft gesorgt werden kann. Vor wenigen Tagen noch demonstrierten Schüler freitags für die Zukunft. Flugzeuge bleiben nun vermehrt am Boden, Mitarbeiter fahren seltener in die Firma. Stinkende Diesel-Schiffe bleiben in fernen Häfen stecken. Auf einmal geht‘s doch oder? Aber vielleicht lesen wir zunächst Punkt 2.
  2. Klimaschutz: Punkt 1 zeigt aber auch, dass solch eine drastische Reduktion des Verkehrs „von Heute auf Morgen“ allerorts zu Problemen führt. Die Gesellschaft und Infrastruktur ist noch nicht so weit, sie muss dahin entwickelt werden. Fliegen weniger Flugzeuge und fahren weniger Schiffe, gibt‘s schnell Engpässe, die reiseabhängige Wirtschaft geht in die Knie. Und zwar schon nach wenigen Tagen.
  3. Importe: Wenn Fernseher und Smart Phones in China hergestellt werden, soll das so sein. Von mir aus. ABER: Wenn überlebenswichtige Medikamente, Mundschutze und sogar Flüssigseifen aus China oder Indien importiert werden, dann hört der Spaß auf. Man wird nach Corona nachdenken müssen, bestimmte Fertigungsbereiche zurückzuholen oder die Produktion weiter zu dezentralisieren.
  4. Virtuelles Arbeiten: Was mussten sich Arbeitnehmer „früher“ einfallen lassen, um den Chef wenigstens einen Tag Home-Office pro Woche aus den Rippen zu leiern. “Was der faule Mitarbeiter da wohl alles so nebenbei macht“, „Bloß kein Exempel statuieren, dann kommen sonst noch andere“ mag sich der Chef da gedacht haben. Seit Tagen werden Mitarbeiter nun förmlich nach Hause gedrängt. Hier habe ich große Hoffnung, dass das „Virtuelle Arbeiten“  entspannter gesehen wird, wenn der Spuk mal vorbei ist.
  5. Kinder: Die Kids stehen in manchen Bundesländern schon vor verschlossenen Schultoren, Berlin zieht nächste Woche nach. Das führt ihnen mal wunderbar vor Augen, wie sich Kids in der Dritten Welt fühlen. Von dem kleinen Unterschied mal abgesehen, dass sich unsere Kids untereinander vernetzen können und vieles online lernen können. Oder zwei Wochen abhängen und daddeln. Kids, denkt drüber nach!
  6. Hass: Beklagte man vor Tagen noch die teils verrohte Fan-Kultur und drohte mit leeren Rängen, können diese Idioten das nun mehrere Wochen üben. Zunächst Geister-Spiele, jetzt Pause in der Bundesliga. Schaut euch das an, ihr krakeelenden Schreihälse und Haters. Genießt es!
  7. Digitalisierung: Daten scheinen sonst überall verfügbar, wir können die Schritte zählen, Schlaf vermessen, Kalorien zählen und miteinander teilen. Phantastisch. Aber keine App der Welt, kann uns momentan sagen, ob wir den Virus unbemerkt in uns tragen. Vernünftige Digitalisierung muss nicht der böse Job-fressende Roboter sein, sondern zum Beispiel eine „Spuck-Fläche“ auf meinem Handy mit integriertem Viren-Scanner. Warum nicht?
  8. Richtig/Falsch: Was gestern noch richtig war, ist heute falsch. War es sonst “Bahn fahren“, ist es nun „Am besten allein Auto“, war es früher „Vorn beim Fahrer einsteigen“ ist es nun „Türen zu, bitte nur hinten einsteigen“. „Nähe“ wird zu „Abstand“. Gelernte Werte und auch willkürlich festgelegte Regeln verschieben sich. Andere machen auf einmal keinen Sinn mehr.
  9. Miteinander: Und das ist ein Punkt, der mir wirklich am meisten Sorgen macht. Ist doch mein Blog eigentlich auf diesem Fundament entstanden. Wenn sich sehe, wie „freundlich und selbstlos“ die Menschen auf einmal zurücktreten und mich die S-Bahn-Taste drücken lassen. Und wenn dieselben Typen mir am Spaghetti-Ragel die Ellbogen in die Rippen rammen (bildlich gesprochen) frage ich mich, was hier eigentlich los wäre, wenn wir mal einen richtigen Killer-Virus ins Land kriegen.

Der Beitrag trägt den Zusatz 1, könnte mir gut vorstellen, dass es noch einen zweiten Teil gibt. Passt auf euch auf und tragt zur Beruhigung der Lage bei!

—> Corona-Lektionen 2

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