71) Ein Bomben-Haushalt

Heute früh beim Zähneputzen aufgeschnappt: Präsident Trump stellt seine Vorstellungen zum neuen Haushalt vor.

Kurz gefasst:

  • Zunächst deutlich mehr Geld für’s Militär, insgesamt 740 Mrd US-Dollar
  • Reduzierte 2 Mrd USD für die Mauer nach Mexico … waren schon mal 5 Mrd … ist aber auch Wurscht.
  • Für Umwelt, Wohnungsbau, Gesundheit und Entwicklungshilfe sollen die Budgets gekürzt werden

Eher unwahrscheinlich, dass er das so durch den Kongress kriegt, aber zeigt es durch ganz eindrücklich, wie der Mann so tickt.

Liegt die Mauer nach Mexiko kostentechnisch irgendwo zwischen Elbphilharmonie und Flughafen BER haut mich das nicht um.

Aber lasst euch noch mal den Etat für die Verteidigung auf der Zunge zergehen.

  • 740 Mrd
  • Eine 740 mit 9 Nullen.
  • 740 000 000 000

Als ich das mit meinem Handy auf den Monat umrechnen will, streikt es zunächst. Im Profil -Mode kann ich insgesamt nur 9 Ziffern eintippen. Im Landscape-Mode ging es dann.

Es sind 61.666.666.666,66667. Pro Monat.

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3) 30 Jahre Mauerfall – Teil 3

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Fortsetzung

„Oder arbeite ich vielleicht sogar für den Staat… ?“

Bei dem letzten Gedanken wird ihm immer heißer.
„Mein Beruf ist das eine, aber wie stehe ich eigentlich zum System? 
Schwimme ich hier einfach so mit der grauen Masse mit? Bin ich eher ein unauffälliges Rädchen im Getriebe und wurschtele mich durch den sozialistischen Alltag?
Bin ich vielleicht ein Unruhestifter, ein Oppositioneller sogar? Wartet deshalb der dunkle LADA da unten auf der Straße, um mich mitzunehmen sobald ich auch nur die Straße betrete?“

Die nächste Frage folgt konsequent und es läuft ihm kalt den Rücken herunter.
„Bin ich wohlmöglich bei den Grenztruppen gelandet, ein Inoffizieller Mitarbeiter des MfS geworden oder arbeite ich vielleicht sogar hauptamtlich bei der STASI? Warten im dunklen LADA da unten vielleicht Kollegen? Ober bin ich gar deren Vorgesetzter? Ist das der Grund für den klingelnden Wecker am frühen Sonntagmorgen? Oh nein, bitte nicht!“

Der Raum um ihn herum scheint sich zu drehen. Ihm wird übel. Er stolpert ins Bad und übergibt sich ins Klo. Der Magen gibt nicht viel her. Die Krämpfe lassen langsam nach, er erhebt sich wieder und schaut verrotzt in den Spiegel.
„Kann es wirklich dazu gekommen sein? Haben die mich letztlich für ihre Sache gekriegt? Wie kann ich mich dessen vergewissern? In der Wohnung hier gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Soll ich hinuntergehen und beim LADA ans Fenster klopfen? Keine gute Idee. Kann ich mich allein auf meinen Charakter und meine inneren Werte verlassen? Eigentlich schon, aber …“

Vor seinem inneren Auge erscheinen ein paar bewegte Bilder in Schwarz-Weiß.
Soldaten in Uniform besuchen eine Schulklasse und erzählen über ihre Aufgaben und ihren Dienst fürs Vaterland.
Im Sportunterricht werfen Jungs zunächst mit Bällen, später dann mit roten Übungs-Handgranaten. Typ F1. Russisch.
Wandertag und Ausflug zu einer Kaserne der Nationalen Volksarmee. Die Mädchen bekamen Papierfähnchen in die Hand, die Jungs werden ermutigt, in einen Schützenpanzer zu steigen.

Mit der Stirn hämmert er rhythmisch gegen den Spiegelschrank.
„Bitte lass‘ das alles nicht wahr sein. 
Bitte befreie mich jemand aus dieser Blase.
Bitte lass‘ mich die 30 Jahre nicht geträumt haben.
Bitte verwandle diesen furchtbaren Sonntag in einen Traum.
Bitte gib mir Zugang zu Informationen, zu Medien, so dass ich mich der Realität versichern kann.“

ENDE

PS: Liebe Leser, morgen ist der 10.11.2019. Ich wünsche allen, dass kein dunkler LADA vor der Tür steht. Auf das Ende der Mauer. Prost!

2) 30 Jahre Mauerfall – Teil 2

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Fortsetzung

… Auf dem Küchentisch liegt die Wochenendausgabe der Berliner Zeitung. Ein winzig kleiner Artikel, am Rande der Rubrik „Vermischtes“, sticht ihm sofort ins Auge. Er beginnt zu lesen.

Rückblick: Zeitweise Öffnung des Antifaschistischen Schutzwalles 1989
Berlin. Am Rande des jährlichen Arbeitstreffens von KPdSU und SED, kommentierte der Staatsratsvorsitzende und General des ZK mit knappen Worten: „Rückblickend war die zeitweise Öffnung der Grenzanlagen 1989 ein echter Glücksfall für die Deutsche Demokratische Republik. Alle Kritiker, Nörgler und Dissidenten konnten in einer Einmal-Aktion aus dem Land geschafft werden. Seitdem kann sich die Bevölkerung endlich nach Sozialistischem Lebensentwurf entfalten. Die nur sehr wenigen Zwischenfälle in den letzten 30 Jahren wurden durch die  Sicherheitsdienste routiniert gehandhabt und im Keim erstickt.“

Ihm werden die Knie weich und er muss sich erst einmal setzen.
„Ach du Scheiße. Bedeutet das etwa, dass …? Kann das sein? Das is‘n jetzt Witz oder? Soll das etwa heißen, dass es die DDR in 2019 immernoch gibt und ich in diesem Land lebe? Hier und jetzt? Hier in dieser mir so fremden Wohnung?“

Er wird blass, bekommt kalte Hände und ihm fliegen sofort unzählige Fragen durch den Kopf.
„Existierten die letzten 30 Jahre gemeinsames Deutschland nur im Traum der letzten Nacht? Bin ich gerade aus einem Koma erwacht? Habe ich eine Amnesie? Hat es die Deutsch-Deutsche-Vereinigung also nie gegeben? Und was ist mit all den Dingen, die in der Zeit passiert sind? Unsere Reisen? Die erste gemeinsame Wohnung? Die Kinder? Mein Job? All die vielen schönen Erlebnisse. Alles nie passiert?“

Trotz fehlendem Kaffee im Körper, läuft sein Kopf auch Hochtouren und seine Beine wippen nervös. Er knabbert an seinen Fingernägeln.
„Wenn das alles zutrifft und heute wirklich Sonntag ist, dann ist morgen folglich Montag. Das heißt, ich werde morgen auf irgendeiner Arbeit erwartet. Aber was ist denn meine Arbeit? Was bin ich denn in diesem Land geworden? Nichts hier in der Wohnung deutet auf irgendetwas hin.“

Umso mehr er drüber nachdenkt, um so wärmer wird ihm.
“Habe ich hier einen ganz normalen Job? Sachbearbeiter vielleicht? Unspektakulär, aber ausreichend, um über die Runden zu kommen? Habe ich etwas besonderes gelernt oder studiert, was mich ein Experte sein lässt? Bin ich Ingenieur geworden? Oder arbeite ich vielleicht sogar für den Staat… ?“

—> hier gehts zum Teil 3

1) 30 Jahre Mauerfall – Teil 1

Etwas piept nahe seines Bettkissens, er wird endlich wach.
„Oaah, was ist das für ein nervender Ton? Ah, ein Wecker. Komisches Teil. Egal.“

Wie immer, setzt er sich für einen Moment an die Bettkante und kommt schnell zu sich. Er schaut hinüber auf die andere Betthälfte. Keiner zu sehen.
„Wo ist eigentlich meine Frau? Mhm, vielleicht schon aufgestanden.“

Er versucht sich zeitlich zu orientieren.
„Gestern hat Deutschland 30 Jahre Mauerfall gefeiert … also müsste heute der … 10.11.2019 sein. Ja, genau. Heute ist Sonntag, der 10.11.2019. Und warum klingelt der Wecker an einem Sonntag?“

Er langt in Richtung Nachtisch, um sein Handy einzuschalten.
„Komisch, es ist nicht am gewohnten Platz. Na ja, egal. Mal schauen, was das Wetter heute so zu bieten hat.“

Durch das Schlafzimmerfenster wirft er einen Blick hinunter auf die Straße.
„Mächtig dunkel heute, düsterer als sonst und irgendwie verraucht. Nur wenige Autos stehen am Straßenrand. Sogar ein paar Trabi’s sind dabei und ein dunkler LADA auch. Schau an. Bestimmt noch Reste der Kulisse für die gestrigen Feierlichkeiten zum Mauerfall.“

Durch die halbdunkle Wohnung tappt er in die Küche zur Kaffee-Maschine, schaltet etwas Licht ein und greift aber anschließend ins Leere.
„Meine Kaffee-Maschine ist weg! Die Kapseln auch. What? Und warum ist es überall so verdammt kalt hier in der Bude“

Um einen Blick auf Nachrichten und Blog zu werfen, macht er sich auf die Suche nach seinem Tablet.
„Mein Tablet ist auch weg! Wo ist das Ding abgeblieben? Wo habe ich das gestern Abend hingelegt?“

Im Flur kommt er an einem Abreisskalender vorbei.
„Seit wann haben wir denn so etwas hier hängen? Waren das die Kids vielleicht? Ja, wo sind die überhaupt? Eigenartig. Das Kalender-Blatt zeigt noch den 09.11.2019 an, dann muss also heute wirklich der 10.11.2019 sein. Also, alles gut. Bin anscheinend nur etwas neben der Spur heute.“

In der Hoffnung, übers Fernsehen etwas mehr Zugang zur Außenwelt zu bekommen, geht er ins Wohnzimmer. Beim Betreten der Stube nimmt er im Vorbeigehen einen großen Kachelofen war. Kalt.
„Seit wann haben wir denn einen …. , ach egal. Ich brauche jetzt die Fernbedienung! Auf dem Couch-Tisch liegen sonst immer irgendwelche Fernbedienungen herum. Heute Morgen gibt es überhaupt keine mehr.“

An der Front des altertümlich anmutenden Fernsehers drückt er ein paar Schalter und setzt damit den Flimmerkasten in Gang.
„Beim ARD ist DDR 1 zu Gast und wiederholt einen Eiskunstlauf-Wettbewerb. Auf ZDF zeigt DDR 2 immernoch das Testbild der Nacht. Lustig. Nette Aktion zum Mauerfall-Jubiläum. Like it. Thumbs up.“

Er geht wieder zurück in die Küche. Auf dem Küchentisch liegt die Wochenendausgabe der Berliner Zeitung. Ein kleiner Artikel, am Rande der Rubrik „Vermischtes“, sticht ihm sofort ins Auge. Er beginnt zu lesen.

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