312) Gefühle und Erfahrungen

Neulich musste ich Ersatzteile für unseren >labilen Saugroboter bestellen und die kamen natürlich prompt, gefolgt von einer Zufriedenheitsabfrage.

„Hallo,
Ich freue mich sehr, Ihre Liebe zu unseren Produkten zu sehen!
Wir sammeln die Rückmeldungen und Vorschläge, um das Produkt … zu verbessern.
Könnten Sie uns bitte mehr Gefühle oder Erfahrungen mit der Verwendung der Artikel mitteilen?“

Also nach Erfahrungen mit Produkten oder Services wird man ja öfter mal gefragt. Aber nach Gefühlen? Ich? Mit einem Saugroboter?

Aber was könnte das sein?

  • Erleichterung? Weil jemand die Dreckarbeit macht, während ich die Füße hochlege?
  • Macht? Weil ich das Ding jederzeit irgendwo abstellen oder hinkommandieren kann?
  • Mitleid? Weil das Ding Arbeit verrichten muss, zu der ich zu faul bin?
  • Angst? Weil ich die Arbeit machen muss, sollte das Ding jemals versagen?
  • Skrupel? Weil ein Stück Plastik mit Akku durch die Bude fährt und Strom verbraucht?
  • Zweifel? Weil ich das vermutlich effizienter und günstiger machen könnte?
  • Triumph? Weil diese Maschinen noch nicht besser als wir Menschen sind?
  • Frust? Weil das Ding echt zu blöd ist, den augenfälligsten Dreck zu finden?
  • Hass? Weil der meine Schnürsenkel frisst und die Botten durch die Bude zieht?
  • Zuneigung? Weil der mich mit seinen Bürsten zart an den Füßen kitzelt?

Tja, ich weiß es nicht.
Keine Ahnung was die Frage soll.
W
elche Gefühle und Erfahrungen habt ihr mit Staubsaugern bzw Staubsauger:Innen  ;-)?

PS: Jetzt wo ich die Frage gestellt habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich es wirklich wissen will. Aber mal sehen …

310) Kann Spuren von Weichteilen enthalten

Wer mal etwas Abstand zum Nachrichtengeschehen sucht, kann Bücher lesen oder was ich ganz gern‘ mal mache, Produktverpackungen studieren 😉

Hier ein paar schöne Fundstücke der letzten Wochen:

1) Fangen wir mal mit den visuellen Klassifizierungen an, die das Konsumenten-Leben ja eigentlich einfacher machen sollten:

Zum Beispiel dem „Nutri-Score“:
Je mehr rechts und orange/rot und weiter hinten im Alphabet, um so mehr doof … glaube ich.

Dann das EU-Energielabel:
Umso weiter oben und grüner und kürzer der Balken, umso mehr nachhaltig … verstehe ich.

Anders beim „Haltungsindex“:
Umso mehr links, und rot und umso geringer die Zahl, umso weniger gut … vermute ich.

… Oahhh mein Kopf.

2) Weiter geht’s mit mehrdeutigen Texten:

Da steht zum Beispiel:
„Mit Schweinefleisch aus der EU“
Ist das nun besser? Da kommt das Schwein nicht tiefgefroren aus Fernost sondern mit dem LKW aus Rumänien oder was?

Auf einer Käsepackung steht:
„Neuer Inhalt“
Na, da gehe ich doch mal vor aus oder? Stünde da „Alter Inhalt“ würde das doch keiner kaufen

Der 6-er Pack Eier kommen mit der Aufschrift:
„Aus Bodenhaltung“
Mhm, also ich find die Haltung von Eiern in Regalen zwar irgendwie praktischer, aber bitte, macht nur.

Auf der Schachtel Cookies steht geschrieben:
„Mit 40% Schokolade“
„70% weniger Plastik“

Na lecker, magst‘n Keks?

Auf der ungarischen Salami finde ich:
„Csökkentett Müanyag Felhasznalas“.
Also das ist mir irgendwie auch wichtig.

Ein Herren-Deo trägt einen Englischen Titel:
„Collision Leather & Cookies“.
Vorbei die Zeiten, wo Schweißbremsen noch ganz profan „Sport“ oder „Flowers“ hießen. Heute muss es ein Zusammenstoß aus Tierhaut und Feingebäck sein.

Oder hier auf‘m Schafskäse:
„Täglicher Weidegang für unsere Schafe*
Später dann das Kleingedruckte:
*) Sobald das Wetter es zulässt und Weidegras verfügbar ist, weiden unsere Schafe täglich im Freien.
Meine Güte, das Kleingedruckte ist doppelt so lang

3) Und noch zwei herrliche Beschriftungen fürs flüchtige Lesen:

Auf einer Packung Fisch fand ich:
„Von Hand gecancelt“
What? Cancel Culture in der Fischwirtschaft?
Ach nee, da steht:
„Von Hand geangelt“
Na dann.

Auf einer Asia-Sauce stand:
„Kann Weichteile, Krebstiere, Fisch, Weizen, Soja, Sesam und Ernüsse enthalten“
Waaas? Weichteile? Ekelhaft! Also die essen da aber auch wirklich alles oder?
Ich lese besser noch einmal.
„Kann Weichtiere, Krebstiere, Fisch … und so weiter“
Ach soooooo.

In diesem Sinne …

Frohe Ostern!

Andere Beiträge zum Thema:

306) Brauch‘ ick‘ nich‘ – Vol 3

Kaum war >Brauch‘ ick‘ nich – Vol 2 veröffentlicht, flog mir schon die nächste Zeitungsbeilage ins Haus über die ich mich hätte lustig machen können. Aber ich habe die erst einmal beiseitegelegt, denn mein Blog hier soll sich ja schließlich nicht zu einer Verbrauchersendung entwickeln. Beim Blick in die Nachrichten ist mir aber heute irgendwie nach leichter Unterhaltung.

Schon auf Seite 2 gehts los:
„Noch kraftvoller. Noch ausdauernder (und schöner).“ „Elegantes 2-in-1-Design: Extra schlank, extra flach und ergonomisch. Empfohlen auch von „Aktion Gesunder Rücken““ … und weiter … „ das Powerpaket liegt leicht in der Hand und lächelt sich spielend manövrieren…“.

Um was geht’s denn hier eigentlich?
Um die grinsende Brünette, die da durch Küche und Flur wirbelt?

Ach, du schnittiges Powerpaket, du.
Aber jetzt kapiere ich. Es geht um den Staubsauger.

Und dann Seite 10:
„Praktischer Beistelltisch mit bequemen Transportgriff“. „Mühelos, mit einer Hand transportieren Sie Naschwerk und Kaffee oder Drinks und Snacks von der Küche zu Terrasse“.

Mhm, sieht aus wie ein kleiner Couchtisch mit Marterpfahl in der Mitte.
Du Hasi-Mausi, kannst du mir bitte etwas Naschwerk auf die Ost-Terrasse bringen? Vielleicht auf unserem schicken neuen Tablett-Tisch aus Amerikanischer Weißeiche? Ich hocke hier in einem Call, aus dem ich nicht rauskomme. Daaaaaaankööööö!

Seite 13:
„Serviettenring, Eierbecher und Teelicht zugleich.“ „Handgefertigt aus massivem Eichenholz. Mit individueller Maserung. Jeder Ring ein Unikat“. „Designed und gefertigt in Deutschland im wunderschönen Schwarzwald.“

Du, Schaaaa-aaatz, machst du uns ein Frühstücksei?
Nein, meine Liebe, du wolltest ein romantisches Teelicht haben. Jetzt muss du halt warten, bis das abgebrannt ist!

Seite 16:
„Diese ist 6 cm dick mit einem weichen Vlies aus 100% Polyester gepolstert. So liegen sie stundenlang bequem …“.

Eine Dame im hellblauen Bikini räkelt sich tiefenentspannt auf einer Liege am heimischen Teich. Ich sollte mal weiter blättern.

Seite 17:
„Dekorativ. Nachhaltig. Und um Nu verlegt. Die Medaillon-Trittplatten aus recycelten Autoreifen.“ „Die runden Trittplatten mit dem klassischen Relief-Dekor wirken wie aus Eisen gegossen …“, „ … und passen sich leichten Bodenunebenheiten flexibel an.“

Na klar und schon lege ich mir zerbröselnde Autoreifen in den Garten, die aussehen wie Berliner Gulli-Deckel oder was?

Seite 20:
Oh, ein Photo eines Mannes. Wie hat der das denn in den Katalog geschafft?

Seite 24:
„Ruck-Zuck akkurate Rasenkanten. Ohne Bücken. Ohne Kraftaufwand. Mühen Sie sich nicht länger mit Kantenscheren and anstrengendem Bücken. Die zeitsparende und rückenschonende Alternative ist dieser komfortable Kantenschneider mit Fußtritt.“

Also das ist ja der Knaller. Da läufst du also wie ein Olympiasieger auf geschliffenen Schlittschuhen durch deinen Garten und „kappst mühelos Kanten und wucherndem Wurzelwerk“. Geil. Musst du nur beim Gartenschlauch und Springseil der Tochter aufpas … uuuups.. 😉

Seite 26:
„Die schönere Fliegenklatsche: Gnadenlos zu Plagegeistern. Schonend zu Ihrer Einrichtung“. „Dicke Brummer, aggressive Wespen und gemeine Stechmücken: mit dieser Fliegenklatsche machen Sie nervenden Plagegeistern den Garaus.“ “Lautlos, mit gezieltem Schwung saust der 8mm dicke perforierte Filz auf das lästige Insekt. Und Sie müssen sich keine Sorgen über Kratzer an ihren wertvollen Möbeln, Bildern und Sammelobjekten machen“.

Och da bestelle ich doch mal gleich 20 Exemplare, für jeden Salon eine Klatsche.
Habt Ihr auch schon eine Klatsche??

Brauch‘ ick‘ allet‘ nich‘!

293) Brauch‘ ick nich‘ – Vol 2

Bei der aktuellen Nachrichtenlage suchte ich nach Ablenkung und blätterte durch den Prämienkatalog der Sternenallianz. Und da seit dem ersten Beitrag von >Brauch‘ ick nich‘ schon wieder 2 Jahre vergangen sind, kann ich das Thema durchaus mal wieder ansprechen. Es ist ja aktueller denn je. Also los gehts.

Taucht ein mit mir in eine Welt voller Dinge, die eigentlich kein Mensch braucht:

Seite 3: Fitnessgeräte für die Wohnung. Ein „Technogym Elliptical Cross Trainer“. Digga, von dem Budget kann ich mir 23 Paar neue Laufschuhe kaufen, wäre also die nächsten 10 Jahre bestens ausgestattet.
966.000 Meilen/3.450 EUR

Seite 13: Noch mehr Fitnessgeräte für die Wohnung. Ein Rudergerät aus Holz mit „Wasserwiderstand“, Also wenn man schon gegen Wasser anrudert … könnte man natürlich auch … erwägen … auf einem See … na ja egal. Keine Zeit.
406.000 Meilen/1.449 EUR

Seite 20: Ein „Massage Gun Compact Triggerpunkt-Massagegerät“, das sieht aus wie ein kleiner Fön, den hält man sich an den Bizeps und dann …  Bäng … sieht man aus wie Arni.
28.000 Meilen/99 EUR

Seite 29: Ein Kugelschreiber der „Elvis Presley Special Edition“. Jetzt mal angenommen, man hätte den 2 Jahre, weil man ihn dann eh irgendwann verliert, dann hätte man jeden Tag exakt 1 EUR ausgeben, nur um etwas aufzuschreiben. Hast ‘de mal nen Euro?
198.000 Meilen/730 EUR

Seite 56: Ein Koffer im Retro-Riffelblech-Design. Der sieht nach 2-3 Flügen eh aus wie eine zerbeulte Bierbüchse.
305.000 M/1.140 EUR

Seite 67: Ein Gasgrill mit „Snap-Jet-Zünder, Sear Zone, Seitenkocher, Infrarotbrenner und elektrischem Drehspieß“. Also bei „Sear Zone“ musste ich erst einmal den Übersetzungsdienst bemühen. Wie konnte ich die letzten 25 Jahre Steaks und Würstchen (… und natürlich Gemüse … ja ja…) nur mit „Glut“ grillen. Hat es denn nie geschmeckt? Nicht mal ein bisschen?
770.000 Meilen/2.799 EUR

Seite 68: Ein „Multi-Brennstoff-Pizzaofen“, den man sich in den Garten stellen kann. Es lassen sich „authentische Pizzen in nur 60 Sekunden“ backen und es sei ein „einzigartiges Kocherlebnis“. What? Jede Minute eine Pizza backen? Das ist kein Erlebnis, das ist purer Stress!
219.000 Meilen/799 EUR

Seite 77: Eine Sitzbank in Tropfenform, nennt sich „San Francisco Twin“. Jep, na dann tropft mal schön vor euch hin.
550.000 Meilen/1.999 EUR

Seite 110: Ein Plattenspieler mit „kernlosem Direktantriebsmotor für stabile Rotation“. Für umgerechnet ca. 1.700 DM. Also da hätte man durchaus einige Amiga-Platten für bekommen
266.000 Meilen/899 EUR

Seite 127: Eine „GPS Multisport Smartwatch mit Solar-Ladelinse“ aus Titan und mit 65 Apps. Damit sieht man dann aus wie ein Navy SEAL-Elite-Kämpfer … zumindest am Handgelenk.
295.000 Meilen/999 EUR

Fazit: Ich war ja vor Corona auch oft in den Wolken unterwegs, aber rückblickend bin ich echt froh, nie so viele Meilen angesammelt zu haben … denn dann wäre ich nie zu Hause gewesen, und letztlich doch ´ne ziemlich arme Sau.

<— Mehr aus unserer verrückten Welt

19) Radiowerbung

Bad und Auto gehören zu den wenigen Orten, an denen ich Radio hören kann. Das Bad kann ich von innen verschließen und im Auto habe ich noch die Hoheitsrechte über das Armaturenbrett. Meistens. Also kann ich für einen Moment einer Radio-Sendung lauschen. Leider sind aber auch die wenigen guten Programm-Radios schon von Werbung zersetzt. Selbst meine kurzen Gelegenheiten reichen da schon aus, um von einer Welle von Radio-Werbung überrollt zu werden. Dabei ist es eigentlich egal wann man Radio hört. Nur die Art der Werbung variiert je nach Tageszeit. Am Morgen labern die von PENNY etwas von einem „Framstag“, ein Mädel schreit mich an, ich solle „doch zu NETTO gehen“ und ein Einstein-Imitator sagt, dass ihm die Relativitätstheorie „relativ“ egal sei, denn er müsse erst einmal zu ALDI fahren. Später versucht mir AMAZON den Echo-Dot zu verkaufen, über den wahlweise die digitale ALEXA oder meine analoge Mutter beruhigend auf mein Baby (12 Jahre) einreden könnten, während wir Eltern mal ins Kino gehen. Mehmet Scholl behauptet, es gäbe „gar kein besseres Statussymbol als gar kein Statussymbol“ zu haben und will mir damit einen DACIA schmackhaft machen. Wenn ich dann tagsüber zwischen zwei Conference Calls mal aufs Klo muss, tönt MEDIAMARKT laut „Hauptsache ich hätte Spaß“ ins Bad und die Krankenkasse IKK BB fragt dreist, ob „es denn noch etwas mehr sein dürfe“. So geht das die ganze Woche durch. Besser wird es erst gegen Ende der Woche. Die KROMBACHER-Leute bringen ab Freitag Mittag ihre „Perle der Natur“ und machen durstig. Auf der Fahrt ins Wochenende fordert BAUHAUS, dass es „gut werden muss“ und HORNBACH erinnert mich daran, das „es immer ´was zu tun gibt“. Das sind ja großartige Aussichten. Es gibt aber eine Werbung, die das alles noch übertreffen kann und mich an den Rand der Verzweiflung bringt…

„Kennen Sie Dinkel? Das Urgetreide aus unserer Heimat? Seitenbacher hat ein leckeres Müsli daraus gemacht. Gesund und so lecker … natürlich von Saiiite’bacher“. „Nur unser Müsli von Sssaaiiiiite‘bacher…, … Probieren Sie selber unser Sssssssaiiiiiitte‘bacher Müsli“.

Das macht mich echt fertig. Dann schalte ich am Gerät von „Radio“ auf „Media“ um und biete es den Kids zur weiteren Verwendung an. Egal was kommt, so schlimm kann es gar nicht werden.