183) Corona-Lektionen 78

So, Ostern wäre nun auch geschafft. Das Wetter war grau, kalt und feucht, für Unternehmungen im Freien eher weniger geeignet. Bestimmt steckt die Regierung dahinter, oder? Die wollen uns wohl alle in den eigenen vier Wänden wissen. Das ist doch offensichtlich! Daher rufe ich nun laut „Freiheit!, Freiheit!, Freiheit!“ und „Wir sind die Wolk! Wir sind die Wolk! Wir sind die Wolk!“

Tut mir leid, eigentlich wollte ich sachlicher beginnen, ich kann aber nicht anders. In den letzten Tagen stolperte ich wieder durch verschiedene Realitäten, es fühlte sich an, als hätte ich fünf Spielfilme hintereinander geschaut und weiß nun gar nicht mehr, worum es bei denen eigentlich ging.

Lockdown
Das vegane Osterlamm ist vernascht, die Flasche alkoholfreier Osterschnaps steht beim Glascontainer und das CO2-freie Osterfeuer ist auch abgebrannt. Aber ab Morgen ist Schluß mit der Völlerei! Morgen wird zurückgekehrt an den Corona-Verhandlungstisch. Harter Lockdown? Oder das bisherige Stop-and-Go auf Sicht? Oder besser doch alles öffnen bevor die Deutschland AG den Bach runtergeht? Ich weiß es doch auch nicht, aber ich glaube, dieses Waschen ohne sich nass zu machen bringt’s auch nicht. Da geht der Dreck halt nicht ab. Also dann. Hinein in die Duschkabine, Hebel voll auf kalt drehen und dann Wasser Marsch!

Stuttgart
Apropos „Wasser Marsch“! Die Bilder der Demo aus Stuttgart kann ich nur schwer ertragen. Jeder soll demonstrieren, wenn ihm etwas nicht passt. Absolut ok. Und er soll klar sagen, was er stattdessen will. Vollkommen in Ordnung. Von mir aus. Aber ich kapiere nicht, was sie eigentlich wollen? Ich sehe und höre nur „Stimmt nicht“, „Lügen“, „Fake News“ und „Diktatur“. Aber das ist doch kein Argument, kein Ziel, keine Position. Stattdessen laufen zehntausend Menschen dichtgedrängt und „oben ohne“ durch die Stadt und die Polizei lässt sie gewähren. Jedes Bundesliga-Spiel ist da besser abgesichert. Wenn das Schule macht … oh oh.

Impfung
Aber vielleicht noch was „Positives“. Rund um das Impfzentrum hier in der Nähe war über die Ostertage deutlich Betrieb zu vernehmen. Kleinbusse rollten vom nahegelegenen S-Bahnhof heran, Taxen fuhren mit Licht und Warnblinker vor und setzten die „Impflinge“ am Eingang ab. Bürger mit Zettel in der Hand befragen die Ordner in ihren schicken grünen Westen. 

„Wo is’n hia dit Impfsentrum“
„Isset etwa noch sehr weit?
„Ham ´se och Biontech?

In diesem Sinne. Ärmel hoch!

PS:
Und zum Abschluss noch etwas Humor: Auf der Suche nach einem Urlaubshäuschen bemühen wir die Übersetzungsmaschine. 

Und da steht doch glatt:

„Rote amerikanische Küchenhilfe:
Wenn du unsere rote Küchenhilfe verwenden möchtest, beachte bitte, dass sie aus den USA stammt und einen Adapter benötigt – andernfalls bricht sie zusammen.“

Pahh! Wusste ich’s doch!

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182) Corona-Lektionen 77

Vor einem Jahr habe ich in >> Corona-Lektionen 10 noch drüber sinniert, was wohl “Positives“ aus der Krise erwachsen könnte. Nun, ein Jahr später haben wir über die Mutationen quasi eine neue Pandemie und hocken zu Ostern wieder daheim. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Realitäten

Eine Kollegin aus England fragte mich gestern, wie es denn bei uns so vorwärts ginge mit dem Impfen. Ich begann zu stammeln. „Ahhmmm … well … actually … slowly … very slowly … because other countries bought more than …, …. we are at … 5% (… weil „ihr“ alles aufkauft und nichts rausrückt ihr Linksfahrer !!!!!) … hätte ich am liebsten hinzugefügt. Habe ich dann aber doch nicht. Kann die ja auch nichts für. Und ich, als EU-Bürger bin ja schließlich nicht so egoistisch.

Mich erreichte ein Nachricht aus einem Slum-Resettlement im Süd-Osten von New Delhi. Wenn man da über die „Straße“ geht, steht man im Dreck. Ich war schon zweimal dort, ich weiß wovon ich rede. Zitat: „All schools and colleges are still closed here and its effected on the children education but children are online studying at home. I am also studying at home. What is your situation there?“ Was soll ich da antworten? Dass der Mathe-Lehrer ganze zwei Video-Calls in einem Jahr hingekriegt hat? Das für Studienräte in Deutschland „Lernmittelfreiheit“ besteht, man ihnen also die Medien nicht vorschreiben darf? Dass man „schon“ vor zwei Wochen ein Rahmen-Papier verabschiedet hat, wie das Home-Schooling künftig besser laufen soll. Ich lach’ mich schlapp. 

Die Osterferien haben gestern begonnen, viele Familien sind über alle Berge und vergnügen sich dort bei den sieben Zwergen. Oder bei den sieben Mallorcinos. Schön für sie. Und in Berlin munkelt man, ob die Ferien nach Ferien-Ende vielleicht noch einmal verlängert werden, um die Welle zu brechen. Um im heimischen Covid-Abklingbecken noch etwas auszudunsten, bevor die Brut dann wieder in die Schule geschickt wird. Welch klasse Idee! Nach zwei Wochen Fun auf Malle, gibt‘s dann vielleicht noch mal zwei chillige Wochen oben drauf. Na Großartig!

Wer hat noch nicht? Wer mag noch eine Runde? 

„Die Hände zum Himmel … komm lass uns fröhlich sein …“. 

Nun weiß ich nicht mehr, wie ich hier nun noch die Kurve zu einem optimistischen Abschluss kriegen soll. Ich fürchte, dass wird heute nichts mehr. Tut mir leid, vielleicht nächstes Mal wieder.

Nachtrag 19:00: sorry, der Beitrag war irrtümlicherweise als Nummer 78 veröffentlich, es ist aber „erst“ die 77

Nachtrag 21:45: mit der Pressekonferenz soeben, ist das Impfen mit AstraZeneca unter 60 Jahren ausgesetzt. Grmpf.

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—> Corona-Lektionen 78

180) Corona-Lektionen 75

Die 75. Folge der Corona-Lektionen ist da! Hätte ich ja nie gedacht. Bereits bei der 30. Ausgabe formulierte ich ein gewisse Sättigung und flüchtete mich abschließend in Humor. Aber wie fange ich den Beitrag hier heute nun an? Mhm. Ich habe eine Idee. Ich schreibe einfach ganz wenige Worte, nur Fragmente eigentlich und garantiere Emotionen pur. Aber lest selbst.

Osterei
Osterfeierta … Reisen … Mallorc … Lüneburger Hei … Gründonn … Zusätzlicher Ruheta … MPK … Beschlüsse … Fehler.

Na, dampft es im Kessel? Glaube ich gern. Es hat mich gerade mal 10 Begriffe gekostet und ich habe eure volle Aufmerksamkeit. Jeder BWL-er macht einen Luftsprung bei soviel Effizie …. Effektivi … im Affekt. Es wurde schon viel geschrieben, ich will nicht weiter bashen. Vielleicht trotzdem ein wenig anerkennen, dass die Kanzlerin so kurzfristig zurückrudert. Das gibt es auch nicht alle Tage. Respekt.

Dubai
Während wir also drüber diskutieren, ob wir die Urlauber wirklich nach Malle schicken sollten, damit die sich da gegenseitig anstecken und mit Corona-Gepäck wieder heim ins Reich fliegen, wird mein Beitrag > Postkarte aus Dubai vermehrt geklickt. Es müssen wirklich Deutschsprachige Reisende sein und meine Blogstatistik lokalisiert die Leser ganz klar in VAE. Was machen die da? Sind das diese O-P-Q-bis R-Promis, die sich da die Sonne auf die verblassten Mund-Nasen-Partien scheinen lassen? Na macht mal! Ich beneide euch nicht! Viel zu viel Sand, Wolkenkratzer aus Glas, kein gescheites Bier und eine fragwürdige Auffassung zu Gleichstellung und Nachhaltigkeit. Nee. 

Und täglich grüßt …
Routinen verschaffen Struktur und Ordnung, sagt man. So laufe ich jeden Morgen meine Standardrunde und sehe …

  • abgerockte > Sachspenden, die sich in der Nacht an Hauswände gelehnt haben
  • viele > Fahrradskelette, die ihrer Sattel und Lenker beraubt wurden
  • graue Gestalten, die schon um 07:30 pünktlich vorm Netto stehen. Moin. Plopp. Prost.
  • Hobby-Sportler, die sich von einem Personal Trainer triezen lassen
  • Mutti‘s, die Ihre Prenzl-Berger Brut in riesigen Holzkisten zur Schule kutschen oder im fetten SUV dort absetzen (> Kids-Drive In, > SUV im Prenzlauer Berg)

Und abends drehe ich dann noch eine Runde und treffe immer wieder auf die selben Situationen…

  • bei Hausnummer 60, strömt der Duft indischer Küche aus der Hochparterre. Och, lecker
  • an jeder Laterne hängen Zettel, die nach Schlüsselbunden, Hunden oder Wohnungen suchen
  • auf den Wegen liegen > E-Roller, die rot-oder grün leuchtend auf Kundschaft warten
  • am jüngst eröffneten Juppi-Neubau wurden die Scheiben eingeschlagen
  • bei Hausnummer 4 wieder mal Nebelschwaden. Brennt es? Nee, ist Cannabis. Na denn.

Alles in geordneten Verhältnissen.

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177) Corona-Lektionen 72

Am 11. März 2020, also vor einem Jahr, kam ich von meiner vorerst letzten Dienstreise zurück. Seitdem hocke ich im Homeoffice. Das machen viele andere auch, manche werden aber schon wieder in die Büros kommandiert. 

Mit diesem Beitrag möchte ich mal auf meine persönliche Homeoffice / Mobile Work Erfahrung zurückblicken.

Nun wird’s nostalgisch, nicht mehr in Sepia, aber mit weniger Mega-Pixel 😉

Zum Ende der 90-er Jahre durfte ich ein paar Mal einen „Abteilungslaptop“ mit nach Hause nehmen. Dieses schwere Ding konnte ich über ein 56k Modem mit dem Internet verbinden und fröhlich quietschend, empfing ich dann e-Mails und konnte auf Gruppenlaufwerke und Websites zugreifen. Etwas später bekam ich mein eigenes Gerät (stolze 3,8kg! ohne Netzteil und Tasche), das Ding konnte ich sogar im Hotel nutzen, ich musste nur mit etwas Kraft den Schreibtisch verschieben, um dahinter an die Telefon-Dose zu gelangen. Meistens ekelhaft, ging aber!

Ab 2002 hatte ich mal für zwei Jahre einen vollwertigen Telearbeitsvertrag. Mit ISDN-Zugang! Der Anschluss hatte sogar drei Leitungen. Da war ich schon viel „schneller“ im Netz unterwegs und konnte sogar parallel telefonieren! Dienstlich und Privat mit getrennten Rechnungen. Ein Meilenstein und schnell wie nie zuvor!

Mitte der nuller Jahre gab es dann Netmeeting*, später Livemeeting*. Mit denen konnte man sich in virtuellen Räumen treffen und sogar den Bildschirm teilen. Wow! Wahnsinn! Später kam dann der Communicator* hinzu, mit dem man zu dienstlichen Zwecken „chatten“ konnte. Chatten zu Dienstzwecken? Pfui! Teufelszeug! Das setzt sich nie durch, wurde laut getönt.

So und wo sind wir jetzt? Die Technik ist viel ausgereifter, die meisten habe eine Flat Rate, wir chatten uns die Finger wund, nutzen Video und anderen Moderations-Schnick-Schnack. Gesetzgeber und betriebliche Regelungen kommen aber nur mühsam hinterher. Beim dezentralen Arbeiten wurde also … gelinde gesagt … circa … 20 Jahre … gepennt. Es brauchte einen kleinen miesen Corona-Virus, der diesen Misstand im letzten Jahr ans Tageslicht brachte. Na wenigstens etwas.

Tut mir leid, Note Sechs, setzen. Bitte nun endlich die Hausaufgaben machen bitte!

*) alles Produkte der Firma Microsoft, will ich hier nur vollständigkeitshalber erwähnen, kriege aber kein Geld dafür und ist bitte nicht als Werbung zu verstehen.

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176) Corona-Lektionen 71

Es fällt mir schwer dieser Tage, die Corona-Lage zu verfolgen und dabei besonnen zu bleiben. Ich versuche es aber weiterhin.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Fliegerei
Vor ein paar Tagen schickte mir die Lusthansa einen Brief. Er enthielt eine neue Vielflieger-Karte. Die wurde aus Kulanz verlängert. Und was mache ich jetzt damit? Soll ich die beim Drehtor zum Stadtpark vorzeigen? Und überhaupt …. ein Vielflieger-Programm … das ist auch so ein Ding wie aus einer anderen Zeit. Abschaffen.

Taskforce
Wenn man sich so ins Gedächtnis ruft, welches Image die Deutschen so gern von sich pflegen, da treibt es mir gerade die Schamesröte ins Gesicht. Wir sind Qualitätsstandort, Logistik-Meister, Export-Weltmeister und Pünktlichkeitsfanatiker. Und wie gern schauen wir herab auf die Länder Ost-Europas, weil das da immer noch so marode aussieht. Oder die im Süden, die mit ihrer „Kommst‘ heut‘ nich‘, kommst‘ morgen“-Mentalität auch nichts auf die Straße bringen. Aber jetzt kommt der Super-Andi aus dem Mauthäuschen dazu und soll mit dem Gesundheits-Jens die Karre aus dem Dreck ziehen. König Markus hat letzte Woche nochmals bekräftigt, dass der Andi sogar Erfahrungen in der Logistik hat. Beruhigt mich das? Vielleicht sollte man Logistik doch lieber Amazon überlassen. Ach, nee. Da wollten wir ja eigentlich nicht mehr so viel bestellen. Eigentlich.

Eigentlich
Das Wort „eigentlich“ kommt mir in der Corona-Zeit recht häufig in den Köpf. Nicht nur weil ich jetzt „eigentlich“ ganz gern woanders wäre, sondern weil uns der Virus in vielen Bereichen weit nach hinten wirft. Und zwar ganz uneigentlich.

Eigentlich wollten wir weniger amazonieren, sondern die Geschäfte in den Innenstädten stärken.
Eigentlich wollten wir weniger liefern lassen, wegen der miesen Arbeitsverträge der Liefer-Helden. 
Eigentlich wollten wir weniger „to go“ essen, wegen der Esskultur und Kunststoff-Verpackungen.
Eigentlich wollten wir mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, statt mit dem eigenen Auto.
Eigentlich wollten wir uns doch wieder mehr mit Menschen abgeben und all die Technik mal beiseite legen.
Eigentlich …

Hoffentlich haben wir das alles nicht vergessen, wenn der Corona-Spuk mal vorbei sein sollte.

Schönen Sonntag noch!

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44) Postkarte von Morgenröten

Die Leser, die hier schon eine Weile dabei sind, haben vielleicht schon festgestellt, dass ich einen kleinen Fimmel für Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge habe.

Während meiner morgendlichen Freigänge im aktuellen Lockdown konnte ich ein paar tolle Exemplare mit der Kamera einfangen. 

Aber was macht Sonnenaufgänge für mich so interessant? 

Tja, der Stadtpark ist noch leer, alles wirkt frisch und es beginnt etwas Neues, wo man noch nicht genau weiß wie es ausgeht. Vielleicht macht man sich Gedanken über den Tag, hat ihn vielleicht super durchgeplant, aber kaum wählt man sich dann ins Netz ein, warten die Überraschungen. Und man ist so zwischen den Zeiten irgendwie. Die Kollegen in Asien gehen schon wieder in Richtung Lunch, die in Amerika haben gerade erst einmal in Schlummerland eingecheckt und wollen da noch ein paar Stunden bleiben.

Aber seht selbst, ist sicher keine Profi-Fotografie,  „but not too bad“ würde ich mal sagen.

Ähnliche Bilder gibts hier >> Postkarte vom Auf und Ab der Sonne und wer aktuell eher etwas mehr Ausland als Stadtpark mag, kann ja mal bei meinen anderen Postkarten vorbeischauen >> Postkarten / Post Cards oder mit mir in die Luft fliegen >> Postkarte aus‘m Himmel

174) Corona-Lektionen 69

Der Frühling hat sein erstes Gastspiel. Im Stadtpark um die Ecke fuhren letzte Woche noch fette SUVs vor und luden ihre Eigner samt Ski-Ausrüstung aus. Jetzt spielen die Hipster da oben ohne Volleyball. Ich komm da kaum noch mit.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Impfen:
Meine Güte. Zuerst war kein Stoff da, jetzt schicken die Briten ein paar Pullen rüber und jetzt passt es nun auch wieder nicht. Das Zeug schützt ja „nur“ zu 70% und danach gehts dir vielleicht zwei Tage nicht gut. Ey, jetzt hört doch mal auf zu flennen! Was ist das nur für ein Wohlstand-Genöle? Wer das nicht haben will, der soll mir das mit der Post schicken, ich haue mir das auch selber in den Arm. 

Menscheln:
Als Jemand, der gut und gerne mal allein sein kann, haben mir die Kontaktbeschränkungen im letztem Jahr eigentlich wenig ausgemacht. Vor ein paar Tagen jedoch, habe ich mich doch aber glatt beim „menscheln“ erwischt. Nee, nicht googeln, nicht daddeln, nicht nextflixen. Sondern menscheln! Ich war beim Zahnarzt (wo man mich eigentlich nur unter Androhung von Gewalt hinkriegt) und ich verbrachte dort eine wirklich nette Stunde. Ich habe seit langem nicht mehr soviel mit Menschen außerhalb Arbeit/Familie gequatscht. Wir machten gleich weitere Termine fürs Frühjahr aus. Ich freue mich schon und fühle mich wie John Dunbar im Fort Sedgwick 😉  

Fernreisen:
Wer dieser Tage einer Fernreise machen will, muss kreativ sein. Ich hab’s versucht.

  1. Zunächst war ich im Asia-Lebensmittelladen, bin durch die Gänge gestreift, habe gerochen und gefühlt. Als ich wieder draußen war, hatte ich die Zutaten fürs Dinner und zwei Flaschen Singha in der Hand. Kingfisher gab‘s leider nicht. 
  2. Zum Abend gab es Indischen Blumenkohl mit Papadams und Raita. Und das Bier aus Thailand natürlich. Nicht ganz passend, aber Annapurna wird es verzeihen. 
  3. Für die Unterhaltung folgte dann ein 2,5-stündiger Bollywood-Actionfilm mit Super Star Shah Rukh Khan. Natürlich auf dem Tablet und mit Kopfhörern im Liegesessel. So fühlte ich mich dann wie auf einem >> Langstreckenflug kurz hinter Dubai, über dem Arabischen Meer. Nur ohne Luftloch. Und warme Tücher wurden auch nicht gereicht, dafür musste ich aber beim Klo nicht anstehen. Und es gab keinen Nebenmann der furzte und schnarchte. Oder aber schallend über alte Mr. Bean-Folgen lachte 😉

Ein guten Start in die nächste Homeoffice/Homeschooling-Woche!

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173) Corona-Lektionen 68

Der Countdown läuft. Noch ganze drei Wochen, dann habe ich ein Jahr im Corona-Homeoffice absolviert. Wer hätte das je gedacht. Tschakka! I made it! Mission accomplished!

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Schaden:
Aus irgendeinem Grund fliegt mir seit Tagen das Wort „Schaden“ durch den Kopf. Ist es der Kreuzschaden nach soviel Homeoffice? Der Sehschaden weil wir noch auf Flachbildschirme glotzen oder der Hörschaden, weil wir den ganzen Tag die Kopfhörer CT aufhaben? Oder der Sachschaden, der Totalschaden für so manchen Unternehmer. Oder ist es der Dachschaden, den wir nach Corona haben werden? Puh. Das zieht runter, ich versuche es noch mal anders

Lunch im Homeoffice:
Homeworker 1: „Ich habe heute zwischen 11:30 und 12:30 mal nichts, wir könnten ja gemeinsam rausgehen, uns etwas zum Mittag besorgen.“
Homeworker 2: „Ich kann nicht, ich will über Mittag mal kurz in die Firma, etwas abholen.“
Schoolboy: „Also ich habe von 11:00 bis 12:30 ein Meeting, ich habe da keine Zeit.“
Schoolgirl: „Geht nicht, ich habe ein Meeting von 09:00-14:00, weiß noch nicht wann Pause ist.“
Aha … Mahlzeit 

Auslandsreise:
Vor knapp einem Jahr habe ich mich mit meiner vorerst letzten > Auslandsreise nach Bukarest beschäftigt. Was nehme ich mit? Wie komme ich vom Hotel in die Firma? Was kann man abends noch so machen? Alles Geschichte. Seitdem hängen die Business-Outfits im Schrank. Dreimal haben sie es bislang nach draußen geschafft. Letzte Reise nach München im März, Jugendweihe im April und eine Online-Podiums-Diskussion im Oktober. Vermutlich wären die Klamotten in der Kleidertonne besser aufgehoben.
Es zieht immer noch runter, oder? 

Frühling:
Der Frühling kommt! Juchuuu! Es wird besser. Die dicke Winterjacke habe ich weit hinten im Schrank verstaut. Beim Durchsehen der Taschen, fand ich eine Maske. Ich entschied mich dafür, sie in der Jacke zu lassen. Denn dann bleibt die Entwicklung offen und beim nächsten Super-Winter habe ich dann entweder …

A) etwas zum Schmunzeln
ODER
B) eine Maske für den Super-Markt

Ja, ich weiß was ich will 😉

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—> Corona-Lektionen 69

171) Corona-Lektionen 66

Global Warming hat uns einen Wintereinbruch beschert. Schnee, Wind und Eiseskälte toben draußen. Bloß gut, dass wir ein Dach über dem Kopf haben. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Neues Lernen
Bevor mein Text gleich auf Stammtisch-Niveau fällt, möchte ich noch einen wichtigen Betrag von Sarah teilen. >>Was Lehrerinnen und Lehrer brauchen um wirklich guten Unterricht halten zu können. Während wir Elternhäuser auf den analogen Schulen herumhacken können, hat sie sich aus Sicht der Lehrkräfte ein paar Gedanken gemacht, wie die Transformation der Institution Schule gelingen kann. Denn da ist noch so viel zu tun. 

Die Schule einer unserer Home-Schüler hat es bis heute nicht gepackt, die Halbjahreszeugnisse auszuteilen. Und das ist sogar ein ganz analoges Vorgehen, was doch trotz Corona-Vorsichtsmaßnahmen irgendwie gehen müsste. Vielleicht sollte man die Verteilung den Paketboten überlassen. Sorry, jetzt ist es so weit … das Niveau fällt nun konstant.

Impfgeschehen
Schon bevor die erste Seniorin am 27.12.2020 geimpft wurde, brach immer wieder die Diskussion über „Sonderrechte für Geimpfte“ durch. Mal abgesehen davon, dass wir noch lange nicht die Impfgeschwindigkeit haben und die Fragestellung rechtlich / moralisch / ethisch zu den Schwierigeren gehört, gehts mir jetzt mal nur um die Wortwahl. „Für Geimpfte“… wie das klingt, oder? Zwar immer noch besser als „für Vaccinierte“, erinnert es mich aber sehr schnell an „entwurmte“ Katzen oder „gechipte“ Hunde. Die Türsteher müssen nun alle weitergebildet werden. Da ist keine Zeit zu verlieren! „Alda, bist’ geimpft? Sonst kommst‘ hier nit rein.

Veranstaltungen
Ach ja, seufz… . So ein krachendvolles Kino, Nachos mit Käse-Sauce auf dem Schoß und ein Bier in der Hand, was dem Ende naht, bevor auch nur der Film beginnt. Das fehlt schon, oder? Während man das Kino-Erlebnis zu Hause halbwegs nachbilden kann, steht es um den Fußball im Stadion ganz übel. Nun bin ich wahrlich kein großer Fußball-Fan, aber diese leeren Ränge sind ja immer noch schlimm anzusehen. Das Stadion ist vollgepackt mit Übertragungs-und Analyse-Technik, sie kriegen es aber nicht hin, die Distanz zum Zuschauer abzubauen. In der Video-Konferenz-Software der Firma „Winzigweich“ gibts einen „Zusammen-Modus“, da werden alle Teilnehmer wie in einem Hörsaal nebeneinander und übereinander gesetzt. Das ist oft ganz lustig. So stelle ich mir ein Bundesliga-Spiel vor … mit 70.000 Besuchern … wo man sein unrasiertes Corona-Face auf den Rängen jubeln sieht. Das ist die Zukunft! Man sitzt bequemer, es gibt keine Randale und auch keine Bengalos. Man muss kein Maske tragen und beim Klo steht man auch nicht mehr an. Außer die Stadion-Wurst. Die würde schon fehlen. Aber die kann man ja online bestellen 😉 Aber mit doppelt Senf bitte!

Schönen Sonntag.

T.

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169) Corona-Lektionen 65

Berlin hat schon wieder Ferien. 
Oahhhh großartig!
Dann können wir endlich mal nicht wegfahren. 
Fantastisch, das wird sicher gut!
Wir könnten ja mal den Stadtpark entdecken. 
Toll! Ja, das ist ja mal ganz was Neues.
Stattdessen können wir ja auch mal zu Hause bleiben.
Wunderbar! Als täten wir das nicht schon seit Monaten. 

Homeoffice wird Homework
Da ich meinen Resturlaub nicht im Berliner Schmuddelwetter abbummeln wollte, entschloss ich mich für ein Job-Rotation-Programm. Also tauschte ich Laptop gegen Pinsel und verwirklichte mich die letzten Tage als Maler und Tapezierer. Zu Hause. Wo sonst. So stand ich drei Tage auf der Leiter und ließ die Farbrolle und Gedanken kreisen. Besser jetzt im Februar als dann im Sommer, wenn wir uns vermutlich alle wieder an der Ostsee die Ellbogen in die Rippen rammen. Wenn … , … ach lassen wir das.

Lesen 1
Beim Abdecken von Möbeln konnte ich die Zeitungen der letzten Tage ganz gut einsetzen. Bei den Anzeigen blieb meine Aufmerksamkeit einen Moment hängen. Die ganze Rubrik „Reisemarkt“ bot nur zwei Anzeigen. Im Schwarzwald hat man noch Betten, im Spreewald bietet die „Waldhütte“ neu ausgestattete Zimmer und Bäder. Hunde sind erlaubt. Bin mir nicht sicher, ob die wirklich Gäste suchen, vermutlich haben die ein Jahresvertrag mit der Zeitung und kriegen die Annonce nun nicht mehr raus. Die Traueranzeigen dafür, belegen neuerdings eine ganze Seite. Das war „früher“ nicht so oder täuscht das? 

Lesen 2
An den Abenden konnte ich ein Buch beenden, dass schon länger darauf wartete. Es ist schwere Kost, zu der ich in den letzten Wochen nicht immer Appetit hatte. Aber es war ein wichtiges Buch und es hat mich schwer berührt. Seweryna Szmaglewska, eine politische Gefangene aus Polen, verbrachte zwischen 1942 bis 1945 schwere Jahre im KZ Auschwitz-Birkenau und schrieb kurz nach der Befreiung ihre Erlebnisse auf. 450 Seiten Lageralltag in all seiner Brutalität und ausweglosen Monotonie. Dagegen ist unser Alltag aktuell das reine Vergnügen. Eigentlich halte ich mich ja hier mit Literatur-Empfehlungen zurück, aber dieses Buch sollte zum Standard-Werk für Heranwachsende werden. Ich behaupte mal, da lernt die Jugend mehr als bei Goethes „Faust“ oder Shakespeares „Romeo und Julia“.

Und sonst so? Morgen geht’s wieder auf die Leiter.

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