232) Lieferdienste

Vor ein paar Wochen, kam etwas Leben in ein leerstehendes Ladengeschäft hier um die Ecke. Aber die Vorfreude währte nur kurz und kühlte schnell wieder ab.

Es lief ungefähr so:

1. Auf einmal war da Licht, Menschen wuselten dort im Erdgeschoss umher.
„Oh, vielleicht ein nettes Restaurant? Das wäre aber nett.“

2. Bald wurden aber die Scheiben mit Milchglasfolie beklebt
„Och nee, nicht noch ein Coaching-Laden oder Bodyshaping-Studio!“

3. Dann wurden Regalsysteme und Lebensmittel hineingetragen.
„Etwa noch ein Späti? Haben wir davon nicht genug?“

4. Und dann zig Fahrräder vor den Laden gestellt
„Ein weiterer Fahrrad-Laden vielleicht? Denkste!“

Nun warten da jeden Tag „Menschen mit internationalem Background“ auf einen Stücklohn, weil es anscheinend genug Mitbürger hier im Kiez gibt, die nicht mehr in der Lage sind, selber ein Stück Butter zu organisieren.

Denn das kann man ja nun easy zusammenklicken, ganz modern und hipp. Alles per App. Von der Couch aus. Und dann kommen Shiva aus Indien oder Djamal aus Syrien und bringen den Bio-Käse bis an die Tür. Mit einem Fahrrad. Elektrisch natürlich. Weil Zeitgeist. 

Was für ein Blödsinn! Nicht falsch verstehen, mir geht es nicht um Shiva und Djamal, die ja nur versuchen, ein paar prekäre Euros zu verdienen. Es geht mir um künstlich erzeugten Verkehr, den es früher nie gab. Es geht mir um unnötige Akkus und schlecht bezahlte Jobs, nur weil ein Teil der Menschheit nicht willens oder fähig ist, seine blöden Einkäufe auf die Rille zu kriegen.

Es ist ja nicht so, als würden die Jungs irgendwelche seltenen Spezialitäten oder warme Gerichte liefern und als gäbe es hier nicht genug Supermärkte um die Ecke, die von 07:00 bis 22:00 offen haben. Nein. 

Aber ich versuche auch in diesem Trend etwas Positives zu finden:

  • Wenn alles nur „on demand“ bestellt, wird vielleicht weniger in Kühlschränken gebunkert, letztlich also weniger weggeschmissen?
  • Und wenn mehrmals am Tag geliefert wird, kann man doch eigentlich den Kühlschrank gleich abbauen, Strom sparen und die Fläche als Stehbett untervermieten? Kaffee-Maschine und Teekocher könnte man gleich mit entsorgen, das aufgeschäumte Heißgetränk lässt sich auch bestellen. Achtmal am Tag.
  • Und wenn dann der Gürtel eng wird, fordert die Schritte-App Bewegung und man lässt sich vom Digital Coach ein persönliches Workout für‘s Wohnzimmer erstellen. Damit man dabei nicht ganz so allein ist, kann man auch die Kamera freigeben und andere „User“ mit gleicher „Passion“ online „meeten“ und seine Experience „sharen“.

Kopf schüttel …

Geht mal wieder vor die Tür!

40) Food Print

Wenige Tage nach meinen Beiträgen >Pizza-Automaten und >Blume oder Keule, las ich dann  >Irènes Kochrezept für Kathi Rolls und es ergab sich ein lustiger Kommentarwechsel. Und da mir parallel auch der Begriff CO2 Footprint in den Ohren hing, dachte ich also noch etwas über unsere kulinarische Zukunft nach. Aber lest selbst

Food Print – Eine Ära geht zu Ende

Liebe Leser der TZ, viel wurde diskutiert in den letzten Tagen, aber nun ist es amtlich. Die in der Bevölkerung sehr beliebten Food Printer werden in den nächsten Wochen außer Dienst gestellt. Lesen Sie einen wehmütigen Rückblick unseres Redaktionsleiters Hans-Peter Koch.

Bereits im letzten Jahrtausend verhieß der Blockbuster „Das Fünfte Element“ kulinarische Neuentwicklungen unbekannten Ausmaßes. Da flog ein Chinesischer Imbiss-Wagen bis an das Fenster der Wohnkabine von Korben Dalles heran und offerierte ein üppiges Asia-Buffet am Fensterbrett. Viele Feinschmecker konnten diese noch kommende Epoche kaum erwarten.

Aber selbst in 2020 war die Realität noch eine ganz andere. Eher ernüchternd. Unterbezahlte Radfahrer ließen sich knallbunte Rucksäcke auf die Rücken schnallen und fuhren damit italienische Teigspeisen aus. Selten heiß, dafür häufig in den Pappen verrutscht und zermatscht, fanden die Menschen ihr Abendessen auf dem Fahrstuhl-Boden liegend. Wahrlich kein Hochgenuss und frei von jeglicher Esskultur, war es während der Corona-Pandemie doch häufig die einzige Nahrungsquelle für die an Mangelerscheinungen leidenden Home Worker und Home Learner

Mit zunehmender Digitalisierung … ja ja … auch in Deutschland, entstanden dann die ersten Food-Printer. Das Speisenangebot war da noch sehr eingeschränkt, man hatte nur die Wahl zwischen Tomatensuppe, Labskaus oder Rührei. Die „Gerichte“ mussten vorher bestellt und über Patronen in das Gerät eingesetzt werden. Das Ende des Mikrowellen-Essens war eingeläutet. Bing!

Die Technik entwickelte sich rasant weiter. Bald ließen sich Rezepte downloaden oder bei Kulexa anfordern und dann an den heimischen Food Printer schicken. Man konnte sämtliche Speisen drucken, alles war auf einmal möglich. Man benötigte nur noch 5 Druckerpatronen, je Kontinent eine. Diese enthielten die jeweiligen Aromen, Stärken, Textur-Enabler und olfaktorischen Booster. 

Über eine App liess sich der Druck zusätzlich nach persönlichen Belieben konfigurieren (Kinderportion, Schärfe-Grad, Süße und Salzgehalt etc) und es gab ergänzende Funktionen wie „Surprise“, „Express“, „Candle Light“, „Veggie Day“ und „Melange“ (Anm.d.Red. das waren die Reste der Woche).

Zu Beginn gab es bei den Geräten noch ein störendes Systemverhalten, was man in der Bürowelt als „Papierstau“ kannte. Ein weiteres Problem war die Reinigung der Drucker-Düsen. Das Indische Chicken Tikka schmeckte nach Rinderroulade und das Kebap aus Nahost nach Schweinebraten und anders herum. Je nach dem in welcher Reihenfolge gedruckt werde. Sie werden sich erinnern, wie angespannt die Situation zwischen den Kulturen bei uns im Land war. 

Um das Problem zu beheben, riet man anfänglich, sogenannte „Leerdrucke“ zwischen den Mahlzeiten einzuschieben, um die Düsen freizukriegen. Solche Leerdrucke waren aber auf Dauer zu kostspielig, also wurden einfach Chicken Nuggets in Dino-Form gedruckt. Diese von „Natur aus“ geschmacklosen Teile eigneten sich hervorragend, um die Düsen der Geräte zu putzen und sie wurden dadurch sogar noch aufgewertet, kamen sie doch nun mit  internationalen Touch auf den Teller. 

Wer keine Lust hatte, sich so ein Gerät in die eigene Küche zu stellen, konnte den Druck auch outsourcen, dafür standen überall Druckautomaten in den Straßen, bei dem man sich das fertige Ergebnis dann abholen konnte. Auch Copy-Shops stiegen in das Geschäft ein. Viele Bürger fragten sich zunehmend, ob sie eigentlich noch eine eigene Küche brauchten und vermieteten ihre Küchen zu stolzen Preisen als „1-Zimmerwohnung mit Kochgelegenheit“. Damit leisteten sie zusätzlich einen nennenswerten Beitrag, den angespannten Wohnungsmarkt zu entlasten.

Aber all das ist nun bald Geschichte, denn die Internationale Weltraum-Agentur erhielt nun den Auftrag, die Ernährung der 15 Milliarden Erdbewohner sicherzustellen. Die Behörden haben Anfang der letzten Woche die nötigen Genehmigungen erteilt. Künftig wird die Ernährung entweder über stark konzentrierte Flüssigkeiten aus Ampullen oder in Dragée-Form erfolgen. Bürger, die des Schluckens oder Kauens unfähig oder müde sind, können bei Ihren Krankenkassen einen Zuschuss zur intravenösen Versorgung beantragen.

Eine Ära geht zu Ende.

Herzlichst, Hans-Peter Koch
Leiter Redaktion „Kulinarisches“
Berlin, 27.08.2051

Tja, so wird’s wohl werden oder 😉
Schönes Wochenende und kocht was schönes!
T.

66) Pizza-Automaten

Wenn es mal schnell gehen muss oder keiner Bock hat, sich lange an den Herd zu stellen, ist Pizza gern gesehen und im Nu verschlungen. Geht fix, macht wenig Dreck und wenn man den eigenen  Hunger überschätzt hat, kann man am nächsten Tag weitermachen.

Aber ihr wisst … Pizza ist nicht gleich Pizza.

  • Sie kann schweineteuer und ganz original sein und dann liegen in der Mitte zwei Muscheln und drei Shrimps. Vorher gibts Milchbrötchen, man weiß nicht ob es inclusive ist, aber man ist eigentlich schon satt.
  • Manche Pizzen … Pizzas … Pizzeten … Pizzata … sind künstlich mit anderen Gerichten aus aller Herren (…. und Damen natürlich…) Länder gekreutzt. Da gibt es Pizza Bolognese, Döner Pizza, Pizza Currywurst, Pizza Chicken Curry, Schoko-Nuss-Pizza, Heidelbeer-Pizza, Pommes Pizza, Spargel-Hollondaise-Pizza … und sogar … Rührei-Pizza. Also bitte, das ist doch … !
  • Aber nicht nur der Belag ist entscheidend, auch die Stabilität. Manche Exemplare sind so labberig, die muss man rollen, löffeln oder mit Stäbchen essen. Es gleicht eher einer Pizza-Suppe. Andere sind so braun, keksig, bröselig, man könnte mit ihnen Frisbee spielen.
  • Und der Käse. Der Käse, der Käse, der Käse … ich sage es euch. Der Käse gehört gefälligst unter den Belag und nicht drüber. Ein bisschen drüber ist ja von mir aus noch ok, aber nicht flächendeckend und schon gar nicht einen Zentimeter dick. Das ist ekelhaft! Wer viel Käse draufknallt, hat viel zu verstecken.
  • Dann zum Verzehr. Auch eine Wissenschaft für sich, oder? Mit der Hand oder mit Besteck? Gerollt, Ecke für Ecke, von links nach rechts, von außen nach innen? Und den Teller dabei drehen? Und was ist mit dem Rand, der so lecker ist, aber auch so satt macht. Jeder wird seine eigene Taktik entwickelt haben.
  • Aber eins geht gar nicht und da lasse ich mich auch nicht mit mir reden. In Frankreich, dem Land von Ratatouille, Bouillabaisse, Coq au vin, Boeuf bourguignon, Paul Bocuse und Michelin gibt es … am Rande von Ortschaften … auf größeren Parkplätzen … 

…PIZZA-AUTOMATEN !!!

Mal sehen, was die Blognachbarn aus Italien dazu sagen… 😉

216) Orange Netze, mystisch, sonderbar

In den letzten Wochen fallen mir in der Gegend immer mehr orange Netze auf, die eine frischgegossene Beton-Platte umrahmen. Was hat es damit auf sich? Nirgends ein Hinweis, keine Informationen wie sonst hier in Großschildistan.

Also bleibt nur Spekulation …

  • Entstehen da neue Arbeitsplätze, die man für die vierte Corona-Welle mieten kann, wenn es im Homeoffice wieder zu eng wird?
  • Oder werden da bald Mini-Townhouses gebaut, um der Berliner Wohnungsknappheit zu begegnen? Etagenbetten? Schlafregale?
  • Hat Berlin den Zuschlag für die Winter-Olympiade bekommen? Sind das Fangnetze für  Langläufer? Biathlon? Super-G?
  • Sind das neue Beerdigungskonzepte? Mal etwas ausgefallenen? Sogenanntes Near-Funeral? Böse, böse …
  • Vielleicht haben unsere Verkehrsplaner wieder mal eine neue Idee, was sie uns als Mobilitätskonzept verkaufen können? Kommen dort Mülltonnen hin, wo man endlich die E-Roller reinwerfen kann oder gibt es da künftig Skates oder Hoverboards zum Ausleihen?
  • Ist da möglicherweise eine Verschwörung im Gange? Ein Softwarekonzern oder eine dunkle Macht, die unsere Kinder aufessen will? Soll es ja schon alles gegeben haben.
  • Oder kommen da sogar Impf-Automaten hin? Vielleicht Checkpoints, die die nächsten Ausgangsbeschränkungen überwachen sollen?
  • Sind das etwa Landeplätze für unsere künftigen Drohnen, die die Brut zum Fußball und Tanzunterricht fliegen und auf dem Rückweg ein Koscher-Bio-Vegan-Regio-Schrot-Brot mitbringen?
  • Aber umso mehr ich drüber nachdenke, kommt mir da so eine Vermutung. Vermutlich steckt der große Online-Händler dahinter. Der hat einfach keinen Bock mehr, die Treppen zu laufen und schmeißt die Fracht irgendwann in große Schränke. Oder die Chinesen schicken ihre Päckchen gleich in diesen Schränken zu uns übers Meer, da muss man hier nicht mehr mühsam umpacken. Das scheint mir sehr schlau.

Und die Kunden können dann abends von Schrank zu Schrank irren und sich ihre Päckchen zusammensammeln.

Großartige Innovation …

Oder habt ihr eine Idee was das werden soll???

167) Luftnummer

Neulich habe ich eine Lampe bestellt. Über‘s böse Internetz. Ein paar Tage später klingelte der Bote und stellte ein Paket vor mir ab, das war fast so groß wie ich.

„Oh, danke.“

  • Was ist da drin?
  • Ist das wirklich für uns?
  • Habe ich die falsche Lampe bestellt?

Also wuchtete ich das Paket in den Flur und arbeitete mich durchs Klebeband. In diesem „Papp-Sarg“ lag tatsächlich die Lampe, die ich bestellt hatte. Selbst in einer stabilen Verpackung, aber trotzdem noch einmal dick eingepackt in Luftkammer-Folie. Nicht die typische Blasenfolie, die den Kindern immer Freude macht, nein eher unzählige dicke Luftkammern am Band. Ich schaufelte das Zeug aus der Kiste und zählte glatte 15 (!) Meter davon. Am Stück! Fünfzeeeeeeeeeehn!

Und wohin nun damit?

  • Einfach aufheben? Vielleicht gar nicht so schlecht, wenn man selber mal was verschicken muss. Aber wo soll ich bitte 15 Meter Luftkammern lagern? 
  • Sollte ich die wenigstens ein paar Tage aufbewahren, bis ich weiß, ob die Lampe überhaupt funktioniert? Vielleicht läuft es ja noch auf eine Retoure hinaus?
  • Oder kann ich die einfach in die gelbe Tonne stopfen? Aber dann wäre die sehr bald voll. Voller Luft. Und der Hass der Nachbarn wäre mir gewiss.

Ich entschied mich für Letzteres, wollte aber vorher wenigstens noch die Luft rauslassen. Aber wie? Jede Kammer (so groß wie ein Stück Butter) einzeln aufschneiden? Mit Messer oder Schere? 15 Meter? Da würde ich eine Weile sitzen. Also entschieden wir uns fürs Knallen. Die Tochter und ich arbeiteten uns durchs Material und zelebrierten die Zerstörung. 

Und erlebten dann doch noch unsere eigene Sylvester-Knallerei …

Peng!
Puff!
Paff!
Peng!

… hallte es durch die Wohnung.

Ökologisch so lala, aber ein großer Spaß 😉

156) Headset-Dialoge

Vor Corona habe ich auch schon viel von zu Hause gearbeitet, nun aber, seit Mitte März, bin ich zum full time-Homeworker geworden. Ich war nicht einmal auf Reisen, habe kein Büro betreten.

Stattdessen trage ich den Großteil des Tages mein Headset auf den Ohren und rede mit den Kollegen überall auf der Welt. Und mit den Menschen, die dann zwischendurch hinzukommen. Das kann interessante Gespräche ergeben.

Aber lest selbst:

1. Der Sohn schleicht hinein, macht auf sich aufmerksam und flüstert

Sohn: Papa, darf ich auf dem Handy spielen? Mit der Schule bin ich fertig.
Ich: N …
Chef: Ok, dann schickst dir mir das bis Ende der Woche?
Ich: Nei … nja, natürlich.
Chef: Deal!
Sohn: Wie lange darf ich?
Ich: Ein halbe …
Chef: Wie lange bis du heue noch erreichbar?
Ich: Drei Stunden
Sohn: Cool, Danke Papa.
Ich: grmpf…

2. Ich bin wieder im Meeting, es klingelt an der Haustür

Ich: Ja bitte?
Bote: Päckchen für Sie!
Ich: Fünfter Stock bitte.
Bote: „Kann ich es in den Fahrstuhl legen“
Ich: J…
Kollege: Aber dass können wir doch im 4 Wochen verschieben, oder?
Ich: J…nei… j … nein, auf keinen Fall!
Paket-Bote: Aber, warum nich`?
Kollege: Warum nicht?
Ich: Na weil … also … ach … macht doch was ihr wollt!

3. Und wieder klingelt es, diesmal an der Wohnungstür

Ich: Hallo, kann ich helfen?
Ablesedienst: Tach, ich will den Zählerstand ablesen.
Ich: Ja, klar. Geradeaus und dann links und dann …
Kollege: Und was denkst du, wo wir da terminlich rauskommen?
Ich: … unter dem kleinen Waschbecken rechts.
Kollege: Willst du mich verarschen?
Ich: Nein.
Ablesedienst: Und wo ist der Stromzähler?
Kollege: Also jetzt mal im Ernst, wo kommen wir raus?
Ich: Hinter der weißen Klappe bei der Garderobe.
Ablesedienst: Sonst noch wo?
Kollege: Ähm … geht‘s dir gut?
Ich: Nein danke. Bis zum nächsten Jahr.
Kollege: Gut, dann bin ich jetzt weg!
Ich: Warte!

Alles frei erfunden, aber so ähnlich isses doch oder 😉

Unterhaltsam? Dann könnte der hier auch gefallen:

—> Paket-Dienst

109) Corona-Lektionen 29

Geht man mit offenen Augen durch die Stadt könnte man meinen, wir haben das gröbste überstanden. An vielen Ecken zeigen sich deutliche Szenen der Entspannung und oben drüber schweben die Argumente für deren Rechtfertigung. Wie bei einer Karikatur in einem Satire-Magazin.

Impressionen der letzten Tage:

  • Der Park ist voll, Menschen genießen den Frühling auf der Wiese, Kinder stecken sich gegenseitig die Sandförmchen in den Mund und hüpfen gemeinsam auf dem Trampolin.
    Was soll man machen? Man kann die Kids ja nicht den ganzen Tag vor Netflix setzen, oder?
  • Die Biergärten sind wieder geöffnet, Restaurants stellen Tische raus, Latte Macchiato, Bier und Aperol Spritz fließen wieder.
    Was soll man machen? Das gehört doch auch irgendwie zu unserer Kultur und zum Frühling dazu, oder?
  • Die Pizza-Kartons und Sektflaschen stapeln sich im Park und lassen beim morgendlichen Joggen fragen, was denn hier das Nächstens wohl so abgeht.
    Was soll man machen? Wenn die Kneipen schon um 22:00 Uhr schließen müssen, dann ist man ja schon dazu gezwungen, oder?
  • Die Brachen in der Umgebung, werden zu privat organisierten Beachvolleyball-Plätzen umfunktioniert und es sieht aus wie an der Copacabana.
    Was soll man machen? Wenn die Corona-Regeln auf den Vereinsplätzen so streng sind, dann hat man ja kaum eine andere Wahl, oder?
  • Zwei Gruppen Radfahrer/Innen fahren aufeinander zu und fallen sich zur Begrüßung, um den Hals. Bussi links, rechts. Wie geht‘s euch denn?
    Was soll man machen? Die haben wir schon so lange nicht gesehen, außerdem kennen wir die ja, das sind ganz vernünftige Leute, die haben kein Corona.
  • Die Corona-Kurven anderer Länder, sind noch lange nicht „flat“ und man hört von üblen Schicksalen. Wanderarbeiter sind nach zehn Wochen immer noch nicht zu Hause angekommen, manche werden nachts auf Straßen und Schienen überfahren.
    Was sollen man machen? Das ist ja schließlich weit weg, oder? Solange die nicht an die Ost- oder Nordsee fahren und unseren Nearshore Urlaub versauen ist doch bei uns hier alles supi.

Schönen Feiertag morgen.

<— Corona-Lektionen 28

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16) Paket-Dienst

Ich kann schon fast die Zeit danach stellen, so regelmäßig habe ich das Vergnügen. Häufig arbeite ich im Homeoffice und bin gerade mit irgendwem auf der Welt im Gespräch. Zum Beispiel mit Mohammed aus dem nahen Osten und Kumar aus Indien. Dank der heutigen Technik geht das alles. Wir können sprechen, die Kamera einschalten oder uns gegenseitig unseren Bildschirm zeigen. Durch die Funk-Kopfhörer kann ich mich sogar 10 Meter vom Rechner entfernen. Ab circa 11:30 Uhr beginnt das Schauspiel. Es klingelt an der Wohnungstür und ich entschuldige mich bei Mohammed und Kumar für das laute Geräusch. Ich nehme beide auf meinen Ohren mit zur Tür, schalte aber mit einer Taste am Headset das Mikro stumm. Dann öffne ich die Tür und begrüße den Mann von DHL oder Hermes. Je nach dem wer zuerst klingelt. Im besten Fall reicht der Bote nur das Paket durch die Tür und ich kann die Stummschaltung schnell zurücknehmen. Im zweitbesten Fall unterschreibe ich nebenbei mit dem Fingernagel auf dem Handy des Boten und bin bald fertig. Im schlechtesten Fall hat er eine Sackkarre voll mit Päckchen fürs ganze Haus dabei, die nun alle einzeln gescannt werden müssen. Das kann dauern. Dann fragen Kumar und Mohammed schon ungeduldig. „What do you think about that, T.“. Ich bin aber stumm. Kumar fragt, „T. are you still there?“ und „We can‘t hear you anymore“. Ich nehme die Stummschaltung schnell zurück und will ein Lebenszeichen von mir geben. Bevor ich zu Wort komme, spricht nun aber der Bote. „Ich hab da noch was für Kowalski im Nachbarhaus, können sie das auch annehmen?“. In meinem Kopfhörer höre ich Mohammed fragen: „Sorry T. … what is Kowalski… I don‘t understand“. Kumar sagt: „Could you please spell that, T. You mean Kowalski … with K, like in King, right?“. Dann sage ich schnell „Mohammed, Kumar, one moment“. Nun guckt mich der Bote fragend an und fühlt sich verschaukelt. Ich deute auf meine Ohren und flüstere zu dem Boten, „bin im Gespräch“. Er versteht und nickt. Aus dem Kopfhörer kommt dann: „Why are you whispering, T.?“ und „Is there someone else we should know?“ und „is this Kowalski speaking there?“. Wie komme ich da nur wieder raus. Vielleicht sollte ich einfach nur sagen; „sorry guys, my wife…you know…“. Das würden sie bestimmt verstehen.

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