110) Corona-Lektionen 30

Wir gehen auf die 11. Woche im Family-Homeoffice zu. Vielleicht sollten wir Kerben in den Türrahmen ritzen? Das glaubt sonst später keiner. Vielleicht wird unsere Bude ja in 30 Jahren zum Museum erklärt und ich führe Schulklassen durch die Gemächer.

Und wieder ein paar Gedankengänge der letzten Tage:

Fußball: Das gestrige Fußall-Derby des Hertha BSC gegen Union Berlin fand als Geisterspiel statt. Im Berliner Olympia-Stadion. In dem Monumental-Bau der sonst 75.000 (!) Menschen einen Sitzplatz bietet. Laut Berliner Zeitung waren dort gestern 300 Menschen unterwegs. Spieler, Funktionäre, Presse und Sicherheit. Nicht nur das Spielergebnis war übel, auch die komplette Situation. Ein paar Stimmen brüllten Anweisungen über den Platz, es klang wie in einer Schwimmhalle. „Nich‘ vom Beckenrand springen!“, „Nich‘ rennen, is’ glatt hia!“. „Finger zusammen, hab‘ ick jesacht!“ Ich verstehe nicht, warum dort keine Zuschauer hineindürfen. Soll man halt nur jeden fünften Platz besetzen, dann müsste sich doch das Ansteckungsrisiko in Grenzen halten, oder? Und vielleicht diese Plätze nicht an die Meistbietenden verticken, sondern eher an Menschen, die sich so etwas sonst nicht leisten können oder es in den letzten Wochen besonders schwer hatten. Das muss doch gehen!

Besuch: Sie darf wieder besucht werden. Aber nur von einer Person aus der Familie. Und die Sicherheitsmaßnahmen sind streng. Terminvereinbarung, Warten am Tor, Gesundheitsabfrage, Protokoll, Unterschrift, Temperatur messen, Mundschutz um, Kittel an, Handschuhe an und im Besuchsraum an einem 1×2 Meter langen Tisch Platz nehmen. An der schmalen Seite. Warten. Sie wird hereingebracht und am anderen Ende des Tisches abgestellt. Körperkontakt ist verboten. Ein Betreuer bleibt in Sichtweite und rückt ihre Maske zurecht, sollte sie verrutschen. Eine Kommunikation mit ihr, ist auf zwei Meter Distanz kaum möglich. Sie hört sehr schlecht, er hat ein Textil vor dem Mund. Seine Mundbewegungen kann sie nicht sehen. Er nutzt Arme und Hände, um sich verständlich zu machen. Ja, wo waren die denn da? In der JVA Tegel etwa? Nee. Ein Sohn besuchte seine knapp hundertjährige Mutter im Altersheim und brachte ihr die bunten Zeitungen der letzten 10 Wochen. Ein Foto verlässt das Haus. Der Stoff bedeckt Mund und Nase, aber ihre Augen … die glänzen … die sind so wach … so froh über seinen Besuch und die vielen bunten Zeitungen.

Vermischtes:
„Wenn morgen Maskenball wäre, wüsste ich was die Leute dazu tragen.“
„Angebot das Tages: Spaghetti Corona. 7,90 EUR. Nur zum Mitnehmen“
„Du Schatz, sag mal, haben wir eigentlich noch Alu-Folie?“
„Ich kauf mir lieber einen Alu-Hut, der steht mir so gut, der steht mir so gut…“
“Darf‘s noch etwas Corona sein? Nein danke, ich bin satt.“

 

Und zum Schluss noch ein Zitat aus „Warten auf’n Bus“:
„Alta, ick schäm ma so dass Leute denken, dass ick irre bin, so dass ick davon schon wieder irre werde.“

 

Schönen Sonntag!
T.

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106) Corona-Lektionen 26

So langsam beenden wir die 9. Woche im Family-Homeoffice. Ein Teil der Mannschaft war schon mal vorsichtig schauen, ob Firma und Schule noch stehen. Sie tun es. Gemütlich ist es da aber nicht.

Zeit für ein paar Beobachtungen und Gedankengänge:

Lockerungsgaben: Sprach die Marietta im ZDF am Montagabend wirklich von „Lockerungsgaben“. Sehr kreativ eigentlich. Oder habe ich mich da verhört? Das hat mich nicht mehr in Ruhe gelassen. Beim erneuten Abspielen gestern, verstand ich es nun als „Lockerungsgraben“ zwischen den Bundesländern. Schade eigentlich. Ist doch „Lockerungsgaben“ eine Mega-Wortkombinationen über die man mal nachdenken kann. Selbst die gängige Suchmaschine liefert keine Treffer für dieses Wort!

„Gaben“ ist doch ein anderes Wort für Geschenke oder? Und wir verstehen darunter auch sehr kleine Geschenke. Häufig auch im Zusammenhang mit Bedürftigkeit. Auf jeden Fall sind wir dankbar für Gaben, sind sie auch noch so bescheiden. Wir kennen da noch die „milde Gabe“ und den „Gabentisch“. Gaben sind aber auch bedingungslos würde ich mal sagen, und da unterscheiden sie sich dann eben doch wieder von den Lockerungsmaßnahmen.

Weihnacht: Das Wort Gabentisch bringt mich doch glatt auf Weihnachten, auch wenn gerade erst Mai ist. Wird der Weihnachtsmann mit Maske kommen? Mit einer roten vielleicht? Passt der gewaltige Bart darunter oder müssen die Weihnachtsmänner alle auf den kürzeren Berlin-Hipster-Bart umsteigen? Oder kleben die den Bart einfach auf die Maske drauf? Und dürfen wir mit Maske und Mütze überhaupt auf den Weihnachtsmarkt gehen? Ich glaube, der Innensenator und ich wollen das Thema gleich wieder beenden. Aber es bringt mich weiter zum Feiern großer Feste.

Fete: Wenn dieser Spuk mal wieder vorbei ist, gebe ich eine Party und freue mich schon riesig drauf. Lasst uns herzlich begrüßen, auf die Schulter klopfen, in die Arme fallen, aneinander drücken und auch Küsschen verteilen. Wenn es denn sein muss. Schuhe könnt ihr anlassen, Jacken schmeißt ihr auf’s Bett. Dann können wir dicht an dicht in Flur und Küche stehen, gemeinsam vom Käse-Igel naschen, mit vollen Händen in die Chips-Schüssel greifen, eine Pulle nach der anderen öffnen und, von mir aus auch, rauchen. Auch drinnen. Scheiß drauf. Ansonsten wollen wir quatschen, scherzen, lachen, schunkeln, tanzen, prosten, lärmen und lauthals singen. „Ich war noch niemals in New York“ … „Über den Wolken“ … „Staying alive“ … „I am still standing“ … egal was läuft. Bis es wieder hell wird und die ersten glücklich von den Stühlen kippen.

Wir lassen es krachen!

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104) Corona-Lektionen 24

Die Neunte Family-Homeoffice-Woche liegt vor uns. Der Sohn darf morgen wieder in die Schule, zeitweise zumindest. Die lange Liste der Hygiene-Maßnahmen sorgt für Enttäuschung und zeigt eindrücklich, dass da noch lange nichts „normal“ ist. Aber was ist schon „normal“?

Durch Corona ist kein Stein auf dem anderen geblieben:

  • Vormals fast undenkbare Veränderungen sind in Deutschland auf einmal möglich geworden. Nehmen wir nur mal flächendeckendes Home-Office, Video-Konferenz mit Lehrern und Kartenzahlung.
  • Relikte alter Zeiten, die wir schon überwunden glaubten, machen nun eine zweite Karriere. Die Warteschlange ist zurück, Drive In-Konzepte gibts nicht mehr nur beim Fast Food sondern auch für die Beichte. Religionen entdecken Auto-Kinos für sich.
  • Bei den großen Herausforderungen, die bislang unerreichbar schienen, hat es bereits kurzfristige Veränderungen gegeben. Der Verkehr hat abgenommen, in Großstädten wird die Luft besser und es wird viel weniger geflogen.
  • Schlechte Angewohnheiten, von den wir doch eigentlich ablassen wollten, festigen sich nun erst recht. Der Versandhandel und Individualverkehr boomt, „To Go“-Konzepte sind die einzige Überlebenschance für die Gastronomie. Verpackung inklusive.
  • Und wir konnten alle mal schnuppern, wie es sich denn so anfühlt, wenn Grundrechte  eingeschränkt, Versammlungen, Demonstrationen, Soziales Miteinander verboten werden. Für manche Deutsche war das gar nicht so neu. Uns eint nun aber die neue Erfahrung, wenn staatlicherseits eine partielle Bedeckung des Gesichstes gefordert ist.

Und weil das ja mal nur die eher „kleineren“ Veränderungen der letzten Wochen sind, wird uns doch allen klar, dass es kein „back to normal“ geben kann. Und wer sagt eigentlich, was das neue „normal“ ist?

Aber das wird ein neuer Beitrag 😉

Schönen Sonntag
T.

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102) Corona-Lektionen 23

In Berlin endet bereits heute die 8. Woche im Family-Homeoffice. Morgen haben wir frei. Eigentlich wollten wir ja den Frauentag feiern, aber der 8. März fiel dieses Jahr auf einen Sonntag. Also bekamen wir den 8. Mai geschenkt.

Ein paar Gedankengänge der letzten Tage:

Spiel: Kerstin schrieb kürzlich auf https://alltagseinsichten.com, dass sie das aktuell doch alles sehr an Brot & Spiele und den Film „Matrix“ erinnere. Ähnliche Gedanken kamen mir in der Woche auch, ich hatte aber eher „Monopoli„ vor Augen. Aber mit dem Unterschied, dass man nicht selber würfelt, sondern die Würfel von anderen geworfen werfen.

Der Rest bleibt ungefähr gleich:

  • Gegen Sie hier hin, aber gehen Sie nicht dahin
  • Gehen Sie am Rand, kommen Sie einander nicht zu nahe
  • Gehen Sie in den Bau, warten Sie 8 Runden … oder Wochen
  • Zahlen Sie dies und das, Strafgebühr, Anzahlung für keinen Urlaub
  • Stehen Sie hier an, warten Sie dort, aber bitte mit Abstand
  • Hotels sind gerade wieder im Kommen, kann man kaufen.
  • Theater und Kulturstädten besser noch schnell abstoßen

Hygiene-Konzept: Die Arbeitgeber, die ihre Leute zurück in die Büros holen wollen oder müssen, beschäftigen sich mit seitenlangen Hygiene-Bestimmungen. Klinken putzen, Fenstergriffe desinfizieren, Kaffee-Maschine reinigen, Tastatur abwischen, Telefonhörer polieren usw usw.  Team-Leads sind von nun an nicht mehr nur Chef, Coach, Datenschützer, Informationsschützer, Arbeitssicherheitsverantwotlicher und Chief Happiness Officer, sondern nun auch noch Putzkraft. Herzlichen Glückwunsch. Ich bleibe im Homeoffice so lange ich kann.

Hamster-Retrospektive: Die ersten Hamster-Käufe fanden nach meinen Notizen in der Woche vom 24.02.2020 statt. Die Mindesthaltbarkeitsdaten dürften nun Anfang Mai überschritten sein.

Daher lasst mich nun die Hamster fragen:

  • Hat die Mehlsuppe gut geschmeckt?
  • Habt Ihr euch an Dosen-Ravioli gelabt?
  • Oder sind euch die Kartoffel-Zentner, Salami-Ringe und Käse-Räder verfault?
  • Und wie steht’s eigentlich um die Klo-Papier-Bestände?

8. Mai: Der Tag der Befreiung jährt sich morgen zum 75. Mal. Die Deutschen krabbelten damals wieder aus den Kellern und Schützengräben. Die Städte lagen in Schutt und Asche. Sie standen vor dem Nichts. Und weil das alles noch nicht genug war, folgten 1946 und 1947 noch eisige Winter.

Das lässt doch die heutigen Probleme in einem ganz anderen Licht da stehen, oder?

Nachtrag: Tja, so wollte ich den Beitrag eigentlich enden lassen. Aber vorhin war ich noch mal im Park, etwas frische Luft schnappen. Da schien niemand ein Problem zu haben. Skater, Jogger, Volley-Baller überall. Kinder tobten auf den Spielplätzen, Picknick-Decken und Sitzgelage mit Bierchen auf der Wiese. Schon wieder eine neue Realität.

<—  Corona-Lektionen 22

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101) Corona-Lektionen 22

Meine Güte, die Zeit rennt, oder? Haben wir uns nicht erst kürzlich damit abgefunden, auf längere Zeit in der Höhle zu hocken. Alles ging „damals“ Schlag auf Schlag. Und nun scheint es genauso schnell wieder rückwärts zu gehen. Aber ist das überhaupt „rückwärts“? Ist das nicht eher ein „seitwärts“ oder etwa ein „anderes vorwärts“. Verwirrend.

Ein paar Gedankengänge der letzten Tage:

Schule: Die wurde nun wieder geöffnet, zumindest für die höheren Klassen. Die mittleren Jahrgänge folgen bald. Sohnemann freut sich schon. Ich lasse ihm die Freude mal noch, denn die wird ihm in der Schule schnell vergehen, glaube ich. Zig Verhaltensregeln scheinen da auf die Kids zu warten und mit seinen Freunden darf er nur auf großer Distanz umgehen. Bin mir nicht sicher, ob das so erfreulich wird.

Maske: Man fühlt sich zwar immernoch wie Darth Vader auf der Zugspitze und all die anderen da draußen wirken wie emotionslose Zombies, aber so langsam gewöhnt man sich an den Stoff vor den Kauleisten, oder?

Zwei Dinge sind mir aber klar geworden:

1. Ich muss meine Ausgehroutine anpassen.

Klopfte ich sonst meine Taschen nach folgenden Schema ab …

  • Schlüssel?
  • Geld?
  • Handy?

… muss ich das nun ändern in …

  • Schlüssel
  • Maske für mich
  • Ersatz-Maske für ein Kind
  • Am besten noch eine Maske … man weiß ja nie
  • Geld?
  • Handy?

… Sonst stehst‘de nämlich dumm da.

2. Die Grenzen der automatischen Gesichtserkennung

Ich weiß nun, warum autokratische Systeme in die Identitätserkennung über die Gangart investiert haben und nicht mehr so sehr in die Erkennung übers Gesicht. Schlau waren die. Als hätten die es gewusst.

Urlaub: Nun auch gecancelt. Nix Flug, nix Insel. Stattdessen rennen wir, wie alle anderen Ex-Reisenden, nun der Kohle hinterher. Aber immerhin herrscht nun Klarheit und man könnte nach Alternativen in Deutschland suchen. Könnte. Denn ich weiß gar nicht ob ich das will. Wenn sich auch nur die Hälfte aller Ex-Reisenden an den deutschen Hotspots trifft, habe ich so meine Zweifel, ob ich dann dort sein will. Bestimmt werden Hotels und Restaurants dann wieder geöffnet sein, aber alles andere ringsherum vermutlich noch sehr stark eingeschränkt bleiben. Will man da mit Millionen anderen maskierten Menschen zwischen rot-weißem-Flatterband am Strand sitzen? Das kann sich jeder selber beantworten.

Oder vereisen wir künftig virtuell? Wie das gehen könnte, darüber hatte ich mir im Januar den Kopf zerbrochen.

Nicht, dass ich da großen Bock drauf hätte, aber vielleicht kommen wir mit Pandemie und CO2 schneller dahin, als uns lieb ist…

<— 100) Corona-Lektionen 21

98) Corona-Lektionen 20

Die siebte Family-Homeoffice-Woche geht dem Ende zu, vor uns liegt ein langes Mai-Wochenende. Das Wetter wird so la la, aber Mai-Fest oder Straßen-Café gibt‘s eh nicht. Nächstes Jahr vielleicht.

Zeit für ein paar Gedankengänge, die mich beschäftigen

Abwägung: Seit längerem liegt ein Text-Fetzen in meinen Notizen: „… Alles für die Gesundheit? Wie lange? …“. Aber ich hatte keinen Schimmer, wie ich das hier halbwegs sensibel ansprechen kann. Nun hat der Bundestagspräsident das getan. Er provoziert eine wichtige Diskussion: Kann alles der Gesundheit unterliegen? Was riskieren wir sonst noch so, um die Infektionszahlen niedrig zu halten? Wie lange tragen wir das alle mit? Ist es nicht auch der Lauf der Dinge, dass Menschen erkranken? Das klingt kalt und herzlos, das weiß ich auch. Aber ich denke, die Gesellschaft kann sich der Frage auch nicht entziehen. Schwieriges Thema, gar keine Frage.

Risiko: Ein Bespiel, wo es definitiv ein Risiko gibt. Da gibt es eine kleine Omma, die soll im Juni stolze 100 Jahre alt werden. Seit Wochen darf sie niemand mehr besuchen, auch ihr Zimmer darf sie nicht mehr verlassen. Nicht einmal zum Essen. Alles zum Schutze ihrer Gesundheit. Sie ist damit sehr unglücklich, die Kommunikation mit den Angehörigen klappt schlecht, da sie schwerhörig ist. Zum Briefe schreiben kann sie kaum den Stift halten. Also bleibt nur die Glotze bei Lautstärke 100. Und diese kleine Omma, schützen wir nun vor „uns“, die vielleicht diese fiese Krankheit unwissend in uns tragen. Dieser kleinen Omma wird man wohl verklickern müssen, dass der Bürgermeister nicht kommen wird, um zum Hundertsten zu gratulieren. Fraglich ist, ob überhaupt EINER aus der Familie vorbei gehen kann. Vielleicht ist sie nun so gut geschützt, dass sie noch 100,5 wird oder gar 101 oder 102? Wird aber die Familie nie mehr sehen, wenn es ganz blöd läuft.

Applaus: Ich will den Beitrag nicht so düster enden lassen, also nun noch etwas Unterhaltsames: Unsere jungen Mitbewohner hatten kürzlich den Fernseher fürs Finale von „The Voice of Kids“ okkupiert. Die Show lief ohne Publikum natürlich. Die Sitzreihen dort im Studio waren unbesetzt und abgedunkelt. Alle 30 Sekunden ertönte aber ein Applaus. Wie damals bei „Alf“ oder der „Schrecklich netten Familie“. Sehr skurril. Das wäre doch auch was für die kommenden Geisterspiele im Fußball  oder? Das kann man auch wunderbar automatisieren. Kaum rollt der Ball aufs gegnerische Tor zu, toben die einen Lautsprecher, rollt er zurück, tönen die anderen Boxen. Fangesänge, Schlachtenrufe und selbstverständlich die üblichen Beleidigungen könnte man auch abspielen. Für die Bengalos kann man vielleicht einen Pyro-Werker anheuern, die haben doch eh nix zu tun gerade.

In diesem Sinne.

Schönen Feiertag 

<— Corona-Lektionen 19

97) Corona-Lektionen 19

Bevor wir in die siebte Family-Homeoffice-Woche starten und uns daran gewöhnen müssen, Stoff-Stücke vor der Schnauze tragen, will ich noch ein paar Gedanken-Gänge vom Wochenende teilen.

Generation: Gerne geben wir den Generationen Namen, den letzten wurden nur noch Buchstaben aufgedrückt. X und die Y und die Z. Das blöde an den Buchstaben ist, dass man häufig ins Schlingern kommt, wer was ist und was diese Generation eigentlich ausmacht. Ich bin mir sicher, dass es eine Generation „Corona“ geben wird. Was wird die ausmachen? Es wird die Generation der Stubenhocker, der Home Workers, der sozial distanzierten sein. Gleich bei Geburt werden die Kinder lernen, dass auf diesem Planeten nicht nur die Geburtshelfer Mundschutz tragen, sondern auch Mama und Papa. Nur blumiger. Omma und Oppa werden sie erst einmal nur per Video kennenlernen.

Gesundheit: Viele heilige Kühe aus der Arbeitsgesetzgebung wurden in den letzten Wochen geschlachtet. Menschen arbeiten dauerhaft von zu Hause. Arbeit und Privatleben fließen ineinander über. Arbeitnehmer generieren massiv Überstunden, arbeiten bevor die Kids wach werden und nachdem sie wieder im Bett sind. Sie sitzen wochenlang auf klapprigen Küchenstühlen, vor viel zu kleinen Bildschirmen und schicken Daten über schwach geschützte Leitungen. Den Arbeitssicherheitsbeauftragten, Datenschützern, Betriebsräten, Betriebsärzten und Betriebspsychologen kräuseln sich die Fußnägel. Ich bin gespannt wie das wieder in „normale“ Verhältnisse zurückgeführt wird. Vielleicht bleibt es auch einfach so.

Konflikte: Wirtschaft, Sport und Tourismus drängeln kräftig und verlangen weitere Lockerungen. Letztlich geht es dort ums liebe Geld, um deren „Überleben“. Aber es werden auch andere Stimmen laut. Neben den wirtschaftlichen Interessen, darf nicht vergessen werden, dass die Arbeit von Vereinen, Hilfs-und Beratungsstellen, Religionen und Politischen Gruppen immer noch massiv eingeschränkt ist. Wenn 100 Menschen gemeinsam einen Baumarkt betreten dürfen, ist es nur schwer verständlich, dass z.B. Demonstrationen nur bis 20 Teilnehmern möglich sind und das Selbsthilfe-Café und die Familienberatung um die Ecke seit Wochen geschlossen sind. Da droht neues Unheil.

Ich möchte euch einen Beitrag vorstellen, der bereits bunt kommentiert wurde. 

https://mutter-und-sohn.blog/2020/04/24/die-psychologie-der-maske-deutschland-und-die-maskenpflicht/

Ich bin bestimmt kein Drängler, aber ich denke auch, hier muss mehr geöffnet werden. Mit Abstand und Mundschutz sollte es doch möglich sein. Raum dafür gibt es genug. Große Plätze, Stadien, Hallen und Hotels sind ungenutzt. 

Gesellschaft besteht nich nur aus Balkon-Pflanzen und subventionierten Neuwagen!

<— Corona-Lektionen 18

—> Corona-Lektionen 20

96) Corona-Lektionen 18

Wir beenden die sechste Woche im Family-Homeoffice. Egal ob groß oder klein, es gab viel zu tun, der Router tat guten Dienst und so langsam tritt Freitägliche Entspannung ein.

Ein paar Gedankengänge aus der Woche:

Masken: Die Kanzlerin empfahl vor ein paar Tagen Masken für Mund und Nase. An sich nichts Neues für uns Hobby-Virologen, oder? Unterhaltsam fand ich dann eher ihre hauswirtschaftlichen Hinweise. Man solle die Dinger bei 60-90° waschen oder backen. What? Sofort tanzten Fragezeichen vor meiner zunehmend faltigen Stirn. Waschen bei 60-90°? Wow? Nur die Maske oder kann man da noch etwas mitwaschen? Welche meiner Klamotten halten denn bitte 90°C aus? Ich bin ein Kerl, der nur zwei Programme kennt. Und zwar 30° für Sport, 40° für den Rest. Da hätte ich mir mehr praktische Hinweise von „Mutti“ gewünscht. Und wirklich Backen? Mit TK-Pizza und Pommes aus der Tüte? Darf man das oder muss die Maske dann einen Mindest-Abstand zu den Fritten einhalten?

Klebeband: Klo-Papier gab‘s heute wieder. Das beruhigt deutsche Seelen und deren Ärsche. Oder deutsche Ärsche und deren Seelen. Allerdings würde ich erwarten, dass es bald kein Packband mehr gibt. Unzählige Meter „Vorsicht Glas!“ oder „Fragile“ oder „Achtung“ oder „Oben“ kleben auf den Fliesen der Supermärkte. Wer soll das jemals wieder wegfummeln? Praktikanten werden ihre Fingernägel für die große Sache opfern müssen und man wird ihnen ein Denkmal setzen. „Sie hingen Corona an den Nagel“ oder „Sie gaben ihre Nägel für Corona.“

Abstand: Das Wort scheint im deutschen Alphabet zügig von A nach Z zu wandern. Kaum sprach man über Lockerungen und kaum stimmten mehr in diesen Kanon ein, habe ich heute den Eindruck, die Aufhebung aller Einschränkungen verpasst zu haben. Beim Döner-Imbiss steckt der Kunde den ganzen Kopf durchs Fenster und befeuchtet den Fleischspieß, Radler fahren in Gruppen durch den Kietz, der „Günther“ gegenüber gibt eine Balkon-Party. Ich Frage noch einmal: Die beiden Osterwochenenden sind noch nicht mal in der Statistik angekommen … oder?  Wie wird das weitergehen?

Eigentlich gibt‘s nur zwei Optionen:

  1. Wir kriegen in 2-3 Wochen noch mal so richtig eins auf die Mütze.
  2. Es passiert gar nichts. Dann frage ich mich allerdings was wir hier seit Wochen treiben.

Ratlos. Grüße aus Berlin
T.

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95) Corona-Lektionen 17

Die ersten kleineren Läden dürfen wieder öffnen. Das ist schön und bringt wieder etwas Leben auf die Straße. In zwei Wochen werden wir sehen wohin das führt, etwas skeptisch bin ich da auch noch, haben wir doch noch nicht einmal die Effekte des ersten Oster-Wochenendes virologisch verkraftet. Ganz zu Schweigen vom zweiten Wochenende mit den warmen Temperaturen und Freiheitsgefühlen, getragen von der Diskussion um Lockerungen. Aber gut.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Homeschooling: Gestern habe ich eine Diskussion im TV verfolgt, da ging es auch um die Herausforderungen im Homeschooling. Ein Argument war, dass es nichts bringe, die Kids mit Hausarbeiten zuzuschütten, stattdessen bräuchte man „Lernplattformen“. Da bin ich ja voll dabei, aber die wird’s nicht morgen geben. Die Realität sieht leider anders aus. Wenige Lehrer experimentieren kreativ und offen mit den „neuen“ Medien (volles Lob!), aber der Großteil ist doch herzlich überfordert. Tut mir leid, dass so sagen zu müssen, auch wenn Lehrkräfte hier mitlesen, aber so ist es nun mal in unserem Schulumfeld. Seit letztem Mittwoch 12:00 Uhr ist klar, dass die Schulen nicht öffnen werden, heute am Dienstag trifft man sich zur ersten Beratung und nun trudeln die ersten Aufgaben per e-mail ein. Sechs Tage später. Unterschiedlich in der Menge, der Erläuterung und der Verbindlichkeit. Und auch nicht von allen, sondern nur von einzelnen Lehrkräften. Und wo ist die Schulleitung in dem Spiel? Kann ich alles nur schwer nachvollziehen, ehrlich. Und da soll mir keiner sagen, das ist alles „neu“ und „gab es noch nie“. Das ist Quatsch.

Medienzugang: Und nun zu einem sehr heiklen Thema, wobei ich mir vielleicht die Finger verbrenne. Aber ich will das Thema trotzdem mal ansprechen. Häufig höre ich das Argument, dass nicht alle Haushalte den nötigen Zugang zu entsprechender Technik haben und deshalb die elektronische Verteilung der Lerninhalte nicht funktionieren kann. Und jetzt wage ich mal die Provokation, dass das nicht stimmt. Sicherlich haben nicht ALLE den Zugang zur Technik, aber ich bin mir sehr sicher, dass ein Großteil dieser ALLE ihre Smart Phones im Einsatz haben, da wird auch gedaddelt, WhatsApp genutzt und bei Insta vorbeigeschaut. Und ich glaube auch, dass viele Playstations oder andere Zeitvertreiber in den Kinderzimmern laufen. Wenn das wirklich nicht so ist, dann soll der Shitstorm über mich ergehen und ich lerne gern dazu. Bitte um Kommentare, ich korrigiere mich gern.

Auf Sicht: Diese Formulierung wird dieser Tage häufig verwendet. Aufgrund mangelnder Daten und Erfahrung muss man auf „Sicht fahren“ oder auf „Sicht fliegen“. Schöner Vergleich eigentlich. Aber er ist eben nicht vergleichbar und daher möchte ich aktuell auch nicht in der Haut der Entscheider stecken. Auf „Sicht fahren“ heisst doch, ich fahre mangels Daten vorsichtig vorwärts, sehe kurz vor mir Hindernisse oder Tiere und reagiere entsprechend. Und da hinkt der Vergleich. Bei der Diskussion um Lockerungen der Beschränkungen, fahren die Entscheider nicht „auf Sicht“, sondern sie müssen heute entscheiden, und zwar aufgrund von Daten, die sie 10-14 Tage zuvor an einer Kreuzung gesehen haben. Das macht einen großen Unterschied. Stellt euch vor, ihr dürftet nur rückwärts auf euer Ziel zufahren, ohne Rückspiegel und müsstet eure Lenkbewegung aufgrund der zurückgelegten Strecke machen. Viel Erfolg.

Grüße aus Berlin

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94) Corona-Lektionen 16

Kaum war ->Corona-Lektionen 15 veröffentlicht, wurde letzten Mittwoch nun bekanntgegeben, wie es mit der Schule weiter geht. Gar nicht. Zumindest bis Anfang Mai. Doof, aber immerhin mal `ne klare Ansage. Besser als dieses permanente Spekulieren.

Drei Gedankengänge aus den letzten Tagen:

Positives: Nach dem letzten Beitrag auf ->Ida‘s Blog habe ich über positive kurzfristige Effekte nachgedacht, die diese Zeit für uns im Angebot hat. Neben der gewonnen Zeit und Entschleunigung, über die ich schon geschrieben habe, gibt es da viele Kleinigkeiten, die man nun endlich mal machen kann. Hier ein paar Vorschläge, ihr könnt gerne weitere kommentieren: Wollte man schon immer mal grüne Haare oder eine Glatze probieren, dann ist jetzt der ideale Zeitpunkt dafür. Einfach mal sehen, wie man mit Vollbart oder Schnautzbart aussieht? Jetzt machen! Nach Herzenslust Knoblauch futtern ohne sich Gedanken zu machen, ob man morgen Kollegen trifft? Macht es! Großräumig Menschen ausweichen, ohne als soziophob zu gelten? Herrlich! Selbst nur zwei Brötchen mit Karte zahlen? Was für ein Vergnügen in Deutschland!

Dummes: Heute habe ich im Supermarkt ein Gespräch zwischen einer Kundin und ihrer Kassiererin mitbekommen. Darin berichtete die Frau hinter der Kasse auch über manch miese Reaktion, die sie erwidert bekommt, wenn sie auf bestimmte Corona-Spielregeln hinweist. Nur ein Erlebnis frei zitiert „Du blöde Schnepfe, hättest du mal etwas ordentliches gelernt …“ mehr gebe ich hier nicht wieder. Der Wachmann habe wohl schon viele Hausverbote erteilt, erzählte sie weiter. Was hat diesen Mitmenschen nur das Hirn gegrillt? Ist es Corona? Sorgt Covid-19 nicht nur für Verlust des Geruchs-und Geschmacksinns, sondern fördert es vielleicht auch Stumpfsinn, Dumpfsinn, Pöbelsinn oder Größenwahnsinn?

Begrüßenswertes: Anfang März war ich auf einer Veranstaltung, die von unserem Bundesarbeitsminister eröffnet wurde. Als Warm-Up faltete er die Hände und nickte uns im Publikum ein Indisches „Namaste“ entgegen. Berührungsfrei, aber trotzdem herzlich. Jeder, der schon mal in Indien war weiß, dass sich das weitaus besser anfühlen kann, als ein feuchter europäischer Händedruck. Auch Günther Wallraff schlug kürzlich vor, eine neue Art der berührungsfreien Begrüßung zu entwickeln. Großartig! Ich bin dabei. Keine schlaffen Hände mehr schütteln, keine „Hugs and Kisses“ im Job, die ich noch nie leiden könnte (siehe auch Beitrag ->38) Kannst du kniggen). Aber was kann es werden? Nase-Reiben wie die Eskimos? Geht nicht, zu nah. Verbeugen wie die Japaner? Gut gegen Viren, aber für unsere Verhältnisse zu förmlich. Ellenbogen reiben ist albern. Also … dann gern Namaste!

Viele Grüße an Freunde, Kollegen und Blogger in Indien.

Haltet durch!

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