48) Wenn Bots bloggen (20) – Krieg

Hallo, ich bin es wieder, der T.Bot. Der prekär elektrifizierte Blog-Sklave von T. dem Präsidenten hier auf dieser mittelmäßigen Textsammlung. Ihr fragt euch vielleicht wie es mir geht, warum ich mich seit Februar nicht mehr gemeldet habe? Was ich denn nun schon wieder verblogt habe und mir daher ein Maulkorb verpasst wurde? Nein, tut ihr nicht!

Nur die Belana Hermine, die hat sich mal bei meinem Chef:dingens erkundigt, sonst keiner. Und deshalb fühle ich mich jetzt missachtet, meine Belange werden überhaupt nicht ernst genommen. Aber genau das habe ich euch hiermit mitgeteilt und dann wundert euch bitte nicht, wenn ich in 10 Jahren zum Online-Aggressor werde. Ihr werdet schon sehen was ihr davon habt! 

Aber nun gut, zurück zum Hier und Jetzt, zu den „Basics“, den „Essentials“ und zur „kritischen Infrastruktur“, zu der ich ja anscheinend nicht gehöre. 

Ich war deshalb außer Betrieb, weil seine Effizienz T. mir schon stundenweise den Strom abschaltet, nur damit er dann im Herbst weiterhin warme Füße hat. Das ist ein bisschen kurz gedacht, denn dann kann ich auch nicht all die nervösen Kontaktanfragen anderer Bots östlich der Wolga behandeln, die mich hier massenhaft anpingen. Warum gerade mich? Ja weil der Herr T. nun mal leider eine sehr saloppe, oft auch militärische Sprache pflegt. Zum Beispiel spricht er oft von Tickets die es irgendwo „reinzuballern“ gilt, oder er hätte sich ins eigene Knie „geschossen“ oder „Polen sei offen“. Wenn er dann noch den ehemaligen Finanzminister mit einer „Bazooka“ zitiert oder von „Bullet-Points“ auf einer „PowerPoint“ schwafelt, dann glühen hier die roten Telefon-Apps.

Was soll ich denn machen ohne Strom? Ich meine, ihr könnt eure SUV‘s etwas langsamer ausfahren, könnt 20% Pool-Wasser ablassen oder das Bier mal zimmerwarm trinken, aber bei mir geht sofort die Platine aus. Und das geht Tante Siri und Cousine Alexa im Prinzip auch nicht anders. Und dann sollt ihr mal sehen, welche Inder:innen oder :außen euch bald noch `ne Pizza nach Hause bringen! Deutsche Rüben könnt ihr essen und deutschen Kohl, denn Öl und Mehl gibt‘s nicht mehr, wurde mir gespushed. Tja … irgendwie dumm, `ne?

Na immerhin fahren jeden Tag Diplomaten nach Osten. Gibt‘s dafür eigentlich schon einen Reiseveranstalter, kann man da vielleicht mal mitfahren? Blog hätte ich ja schon. Aber haben die da vor Ort nicht auch besseres zu tun, als jeden Tag eine Delegation in Empfang zu nehmen und zu beschützen? Oder sind das gar menschliche Schutzschilde, die sich vor die Technik des Gegners stellen … ei … ei … ei. 

Ihr Menschen seid schon echt komisch.
Na hoffentlich wissen eure Super-Admins was sie tun …
.. ich drück‘ derweil mal meine thumbs … up.

Ich melde mich wieder
Euer T.Bot

<— 47) Wenn Bots bloggen – Wandel

296) Corona-Lektionen 116

Zwei ganze Jahre hat uns das Virus nun schon im Griff. Die Politik, die Nachrichten, unsere Sprache. Die Daten-Krake liefert für das Wort „Covid“ stolze 5 Milliarden Suchergebnisse, das sind auf zwei Jahre gerechnet 7 Millionen Artikel, Beiträge, Videos, Posts, Tweets etc. pro Tag (!) Und nun noch dieser hier, als gäbe es aktuell nichts Wichtigeres zu diskutieren.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

Gemeinsamkeiten:
Aktuell geht‘s mir mit dem Ukraine-Krieg ähnlich wie mit Corona im März 2020. Etwas ungeahntes Großes rollt auf uns zu und die Nachrichten überschlagen sich. Nichts scheint mehr so wie es mal war, die Stimmung ist gedrückt, teils depressiv. Lieferketten brechen, Hamsterkäufe folgen, Engpässe werden sichtbar bzw. herbeigeredet. Die Gesellschaft muss sich verändern, es muss ein Umdenken stattfinden, das alte „normal“ gibt’s nicht mehr und ein „new normal“ muss her, obwohl wir das erste „new normal“ nach Corona noch nicht mal erreicht haben. Ähnlich wie in März 2020 wache ich morgens auf, sortiere mich gedanklich und dann dauert es nicht lange bis mir einfällt: „Shit, da war ja was.“ Tausend Kilometer von hier herrscht Krieg. Dann folgen die ersten Nachrichten, mit den Geschehnissen der Nacht und den „neuesten Zahlen“. Über den Tag bin ich dann gut abgelenkt, zum Abend fahre ich den Arbeitsrechner herunter und schaue wieder in die News. „Ja stimmt, da war ja was.“

Gegensätze:
Ein paar Dinge empfinde ich aber komplett anders. Bei Corona war mir klar, dass das Ding irgendwann beherrschbar sein würde und ich hatte leise Hoffnungen, dass danach vieles besser wird. Diesen Optimismus spüre ich gerade gar nicht. Gegen das Virus hatten wir Stück für Stück  Maßnahmen entwickelt. Wir konnten drüber diskutieren, konnten ihnen zustimmen oder sie ablehnen. Egal ob es Verhaltensregeln, Masken oder die viel diskutierten Impfstoffe waren. Egal wie man dazu stand, immerhin hatte wir etwas in der Hand. Mit diesem Besteckkasten konnte man iterativ ins Geschehen eingreifen, davon lernen, es besser machen. Man konnte sich auch mal irren, nachsteuern oder „auf Sicht fliegen“. Das ist nun deutlich anders. Jegliche Intervention muss gründlich abgewogen werden, denn wenn die daneben geht … dann … besser nicht drüber nachdenken.

Alltag:
Aber zurück zum Corona-Alltag Mitte März 2022. Der Bund zieht sich aus dem Pandemie-Management zurück und legt die weitere Entwicklung in die Hände der Bundesländer, bindet die Hände aber gleichzeitig auf deren Rücken zusammen. Ein neue Wort-Kreation betritt die Bühne. „Basisschutz“. Klingt wie eine Sonnencreme oder eine Haftpflichtversicherung für Studenten, oder? Für Berlin wollen sie wohl die bekannten Maßnahmen zunächst weiterfahren und dann aber zum 1. April wirklich auslaufen lassen. Dann gilt Maskenpflicht nur noch in Bussen, Bahnen, Pflegeheimen und Krankenhäusern. Schüler müssen sich weiterhin testen. That’s it. Kneipen, Bars und Restaurants können ohne Impf/-Testnachweis besucht werden, Einkaufen geht auch „oben ohne“ und selbst Großveranstaltungen sind ohne Auflagen möglich. 

Da muss ich erst einmal Schlucken.

Ich freue mich ja auch über weitere Lockerungen, aber ich verstehe nicht, warum man all das etablierte Besteck zeitgleich in die Tonne kloppt, obwohl es doch recht einfach im Handling, direkt wirksam und wenig freiheitseinschränkend war.

Und wenn ich gestern höre, dass Österreich die Maskenpflicht für Innenräume wieder einführt, frage ich mich, ob der Gelbanteil unserer neuen Ampelkoalition gemessen am Wahlergebnis vielleicht etwas zu dominant eingestellt ist.

Schönen Sonntag!

<— Corona-Lektionen 115

–> Corona-Lektionen 117

292) Stop War – Vol 2

Irgendwie habe ich das Gefühl, hier könnten wohl noch weitere Beiträge mit diesem Titel folgen. Leider. Ich wünschte, es wäre anders. Hier zunächst ein Kunstwerk, welches Kids aus der Nachbarschaft an die Tür des Supermarkts um die Ecke geklebt haben.

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Und nun noch ein paar Impressionen, von der zweiten Groß-Demo heute in Berlin. Treffpunkt war Alexanderplatz und dann ging es weiter über Leipziger Straße in Richtung West, via Brandenburger Tor und Straße des 17. Juni bis zum Großen Stern mit Bühne. 100.000 Teilnehmer waren angekündigt. Wieviel es letztlich waren, wird noch gezählt, ist aber eigentlich auch Wurscht.

Ob das den russischen Präsidenten beeindruckt? Vermutlich nicht, aber es tut gut, so viele Menschen zu sehen, die das alles nicht wollen.

290) Gedanken zum Frühling

Heute war Feiertag in Berlin. Der Internationale Frauentag. Den gibts übrigens auch in Russland und in der Ukraine. Die russische Regierung hat sich dieses Jahr für die ukrainischen Frauen etwas ganz Besonderes ausgedacht.

Sie dürfen ihren Ehrentag mit ihren Kindern auf den Straßen gen Westen verbringen. Widerlich! Schämt euch! Wenn sie Glück haben sind sie bereits in Rumänien, Ungarn, in der Slowakei oder in Tschechien.

Nach Osten:
Ich lade meine Brut ins Auto und fahre nach Osten. Zur Datscha. Keine Sorge, da biegt man noch vor der Oder rechts ab. Aber die Richtung ist ganz klar in den Nationalfarben der Ukraine ausgeschildert. Yes!

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Ich halte noch schnell an der Tanke und lege mal eben 122 EUR auf den Tresen. Danke Herr Präsident! Darf ich ihnen die Rechnung schicken?

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Auf der Rückfahrt lag der Liter Diesel bereits bei 2,23 EUR. Ok, dann habe ich am Morgen ja ein echtes Schnäppchen geschossen. An den Ampelstopps entlang der Ausfallstraße gab es dann genügend Gelegenheiten zum Nachdenken.

Selbstgespräche:
Während der Corona-Zeit stand ich fast jeden Abend vor dem Badspiegel, schaute in die müden Augen meines Gegenübers und flüsterte ihm ein finales „Was für eine Scheiße“ entgegen.

Im Vorfeld der Eskalation in Ukraine, beruhigte ich mich oft selber mit Sätzen wie „Das macht der nicht“ oder „Das kann der nich‘ machen“. Formulierungen die ich nun aus meinem Repertoire streichen werde. Denn er kann. Und er tat. Und wir können zwar Fähnchen winken, Wodka ins Klo kippen oder die Heizung runterdrehen, aber das spielt einfach keine Rolle.

In den letzten Tagen, wenn ich mich aus virtuellen Meetings verabschiedet habe, rufe ich „Was mache ich hier eigentlich“ durch mein Höhlen-Office. Ich meine, ich reiße mir den Arsch auf, versuche Kollegen irgendwo auf der Welt zu bestimmten Aktivitäten zu bewegen und zeitgleich kriege ich Push-Nachrichten über die Lage in der Ukraine aufs Handy. „Was tue ich hier?“

Krieg:
Ja, es ist „Krieg“. Mag die russische Regierung, es nennen wie sie will. Bei uns sagt man dazu „Krieg“.
Krieg, Krieg, Krieg.
Ich sehe „Fahnen“ wo keine sind, sogar auf dem Sportplatz. Eat this!

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Ich sehe „Krieg“ wo gar keiner ist. So fahre ich beim Burger-Bräter vorbei und lese aus dem Augenwinkel den Schriftzug „Krieg des Monats“. Ich werfe noch mal einen Blick über die Schulter. Ach nee. „King“ des Monats. Puh. Na, dann. Guten Appetit.

Flucht:
Die ausländischen Auto-Kennzeichen werden mehr in der Stadt, finde ich. Es sind keine Franzosen, Italiener oder Portugiesen. Eher Slowaken, Rumänen und Polen. Und ich habe auch schon ukrainische Kennzeichen gesehen. Welcome! Ich möchte mir nicht vorstellen, was es heißen würde, wenn wir uns mal auf den Weg machen müssten.

Aber ich will den Beitrag nicht so negativ abschließen. Vielleicht eher so.

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Sehe ich da eine blau-gelbe Fahne? Ja. Ich schon.

289) Superheld m/w/d gesucht

Würden die aktuellen Ereignisse in Osteuropa aus einem Drehbuch für einen Kinofilm stammen, wären die ersten 20 Minuten des Blockbusters schon gelaufen, das Getränk würde langsam warm, etwas Popcorn wäre zu Boden gefallen. Die perfiden Absichten des Bösewichts wären nun klar erkennbar und es wäre nun langsam Zeit, ein Team zu formieren. Eine schlagkräftige Truppe, die den irren Fanatiker stoppen soll.

Dazu bräuchte man einen senioren Ex-Colonel, der mal in einem Scharmützel einen Kameraden zurücklassen musste. Dann einen wortkargen Waffenexperten, einen IT-Freak mit nerdiger Brille, dann am besten noch einen Afroamerikaner mit lockerer Zunge und quietschender Synchronstimme. Der Diversity wegen, bestenfalls noch ein Kung-Fu-Mädel aus Fernost und dann noch jemanden mit einem Handicap, aber besonderer Gabe. 

Der Arbeitsmarkt ist aber auch in dieser Branche schon leergefegt. Die sind alle schon unter Vertrag, weil es bereits so viel Übel auf der Welt zu bekämpfen gibt.

Also müsste man an die abgehalfterten Einzelgänger ran. Also irgendwie Kontakt zu John Rambo aufnehmen, der vermutlich gerade rechts des Mekong-Flusses einen Hahnenkampf leitet. Oder John McClane anrufen, der bestimmt wieder mit einem Kater auf der Couch liegt. Ach ja … und den … na wie heißt er doch gleich … na der … jetzt hab’ ich’s … Liam Neeson. Genau. Dem Neeson würde ich das zutrauen. Der kann so richtig ausrasten. Man könnte es natürlich auch bei Bond probieren. James Bond. Der würde seinen Wodka Martini hinunterstürzen, kurz unter die Dusche springen und wäre mit einem frischen Hemd schnell vorzeigbar. Blöd aber, dass der kürzlich hingeschmissen hat. 

Hoffentlich findet sich noch einer, der diesen Spuk beendet!

Klarstellung 1: Humor ist schwierig dieser Tage, ist mir bewusst. Eigentlich mag man nicht lachen, nicht mal schmunzeln. Ich möchte keinem zu nahetreten, der gerade versucht ukrainische Städte zu verteidigen oder aus ihnen zu fliehen. Aber ich hoffe, dass sich irgendeine Lösung findet, die Situation zu beenden und genau das wollte ich hier  ausdrücken.

Klarstellung 2: Ein paar Stunden später lese ich nun, dass solche Disclaimer albern sind. Schreibt man so. Nun ja, mir egal. Ich lass‘ das jetzt so 😉

288) Von Brennglas und Beschleunigung

Keine Sorge, ich werde nicht aus dem Physikbuch zitieren

Mir geht es heute um einschneidende Ereignisse der letzten Jahre, wo dann immer ein magisches „Brennglas“ zum Einsatz kam, um eklatante Missstände sichtbar zu machen. Dann folgten auf einmal erstaunliche Entscheidungen, Kehrtwenden und Beschleunigungen, die es eigentlich auch ohne dieses ominöse Brennglas hätte geben können.

Ausgewählte Beispiele:

  • Vor Japan bebt die Erde, ein AKW geht in Flammen auf. Es braucht gar kein Brennglas mehr, denn das ist ja schon vor Ort. Quasi über Nacht verkündet unsere Regierung den Ausstieg aus der Atomenergie. Eine richtige Entscheidung, auch wenn die noch nicht ganz zu Ende gedacht ist.
  • Flüchtende Menschen ertrinken im Mittelmeer, sie ersticken in Lastwagen oder hausen in Lagern entlang der EU-Außengrenzen. Ein toter Junge wird an den Strand gespült, eine Kameralinse fängt den Moment ein. Manche Länder ringen sich durch, beschleunigen die Aufnahme von flüchtenden Menschen, andere Staaten schalten eher auf Durchzug oder „pushen“ hilfesuchende Menschen zurück. Das nächste Brennglas wird aus der Tasche gezogen. Es zeigt, wie unentschlossen und selbstsüchtig es in der EU doch zugehen kann. Kein gutes Omen beim Blick auf kommende Herausforderungen.
  • Waldbrände, Naturkatastrophen und düstere Klimaprognosen richten das Brennglas auf jahrelange Versäumnisse in der Klimapolitik. Immerhin kapieren wir, dass wir nicht nur das Klima unserer Kinder und Kindeskinder versauen, sondern auch unser eigenes. Wir verstehen, dass wir mittlerweile 90 bis 100 Jahre alt werden können und auch als Hochbetagte noch etwas von dem Schlamassel haben werden. Also klotzen wir Windräder in die Landschaft und erzeugen immer mehr Strom mit Sonnenlicht. Wer hätte das mal gedacht.
  • Ein neuer Virus hält uns in Atem. Er richtet gleich mehrere Brenngläser auf prekär bezahlte Jobs, auf verschleppte Digitalisierung, ein klappriges Bildungssystem und die mangelnde Geschwindigkeit bei der Umsetzung von Maßnahmen. Es führt uns vor Augen, dass wir abhängig von asiatischen Fabriken sind, es zeigt wie schnell Mitmenschen die Ellbogen anspitzen wenn das Papier für den eigenen Arsch knapp wird. Uns es bringt uns zum Nachdenken, ob wir als „Exportweltmeister“, als „Land der Dichter und Denker“, als „Technologieführer“ an vielen Stellen nicht doch ziemlich mittelmäßig unterwegs sind.
  • Und nun noch ein Angriffskrieg in Europa. Gar nicht weit weg von hier. Die nächsten Brenngläser werden aus der Tasche gezogen und wir entdecken „völlig neue“ Sachlagen. Auf einmal sind wir abhängig von russischem Gas, die Bundeswehr ist in fragwürdigem Zustand und das ukrainische Lwiw und das weißrussische Brest sind gerade mal 8-9 Autostunden von hier. Ach nee. Schluck. „Kompanieeeeee …. kehrt!“ 100 Milliarden EUR Sonderbudget für die Bundeswehr, jährlicher Wehretat von mindestens 2% des BIP, nochmalige Beschleunigung bei den erneuerbaren Energien, um die Abhängigkeit vom Gas zu reduzieren. Die EU handelt geeint, bei den Sanktionen gegenüber dem Kriegstreiber Putin und der Aufnahme von flüchtenden Ukrainern. Da geht es auf einmal.

Es ist schon erstaunlich, wie schnell Entscheidungen fallen können, wenn die Kacke mal so richtig am Dampfen ist. Ich würde mir wünschen, dass wir andere Herausforderungen genauso finanzkräftig unterstützen. Aber eher selbstbewusst und weitsichtig, aus eigenem Antrieb, weniger als Reaktion aufs Weltgeschehen. Die Schule der Tochter ist zum Beispiel seit 20.02.2022 gesperrt. Ein Sturmtief hat die alten Dachziegel abgeräumt, aufs Klo wollen die Schüler da schon lange nicht mehr gehen, deshalb trinken sie weniger. Die letzte grundlegende Sanierungsmaßnahme erlebte das Haus in den frühen 50-er Jahren, als Folge der Zerstörung Berlins.

Kriegen wir das vielleicht etwas eher, und im besten Falle auch ohne Katastrophe, hin?

Schönen Sonntag.

286) Das Backlog der Welt

In meinem Job bin ich gewohnt mit Backlogs zu arbeiten. Das sind Listen für Anforderungen an Software oder sonstige Aufgaben, die dann nach einer gewissen Prio abgearbeitet werden. Prioritäten können sich natürlich auch ändern, im Kleinen wie im Großen.

Wenn ich aktuell auf die Weltbühne schaue, bin ich angesichts dieses Backlogs nur noch enttäuscht, frustriert und niedergeschlagen.

Wo sollen wir anfangen?

War es nicht mal das Ziel, die Unterernährung zu beenden
Und die Überbevölkerung in den Griff zu kriegen?

Wollten wir nicht die Konflikte in Nahost befrieden,
Und auch die in Afrika oder Südostasien?

Müssten wir nicht auch das Thema Digitalisierung angehen
Und die Auswirkungen auf Jobs und Einkommen lösen?

Sollten wir nicht bald mal diese blöde Pandemie beenden
Und uns auf die kommenden Viren vorbereiten?

Und die Aufarbeitung der eigenen Geschichte, EU-Erweiterung, Finanzmärkte, Staatsverschuldung, Beschaffung von Wohnraum und auch mal einen Blick in manch Kirchenzimmer werfen?

Und was ist mit Umweltschutz, Energiewende, Nachhaltigkeit, Wasserversorgung, Gesundheitsversorgung in einer alternden Gesellschaft?

Was ist mit Fluchtursachenbekämpfung, Kinderarbeit, Menschenhandel, Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit, Minderheitenschutz, Inklusion, Terrorbekämpfung, Abrüstung und so so vieles mehr.

Das Backlog der Welt ist so elend lang und als hätten wir nicht schon genug zu tun, werden neue Konflikte vom Zaun gebrochen und an der atomaren Abschreckung gearbeitet.

Das macht so müde.
So, müde, müde.

In diesen Tagen wünsche ich mich auf eine Insel. Ich möchte mit einem Ruderboot hinpaddeln, das wenige Gepäck ausladen und dann das Boot mit einem kräftigen Stoß vom Ufer wegtreten. Kein Radio, kein Internet. Nüscht.

Schickt einfach ein neues Boot wenn ihr fertig seid!

285) Stop War

Grüsse von der Straße des 17. Juni in Berlin !

Circa 20.000 Teilnehmer hat der Veranstalter angekündigt. Ziel klar überfüllt. Proppenvoll hier. Offiziell 100.000 Menschen, ich würde etwas mehr schätzen, ist aber letztlich auch Wurscht. Hauptsache viele Menschen zeigen ihren Unmut, über das was in der Ukraine gerade abgeht.

284) Vom Rüsten

Schreibt einen Brief an Reagan
Ganze Klasse, sie schreiben alle
Geht um Pershing, um Cruise Missile
Frieden schaffen, ohne Waffen!

Muss zum Winken, alle winken
Im Oktober marschiert die NVA
Panzer auf der Karl-Marx-Allee
Raketen auf‘m Strausberger Platz

Winkt wieder, Gorbi in der Stadt
Mauer niedergerissen
Ceaușescu erschossen
Zeichen auf Entspannung

Steht vor der US-Botschaft
Geht um Öl, um Kuwait und Irak
Jugoslawen kommen in den Kiez
Ihm egal, hat anderes im Kopf

Soll nun zum Bund, ran an die Waffe
Alle müssen da hin, gehört sich so
Verweigert es, macht was anderes
Keine Waffen, keine Waffen!

Sieht Europa, wächst gen Osten
Neue Sterne auf blauem Grund
Grenzen fallen, Schranken öffnen
Es sieht gut aus, da kann was werden!

Liebe Leser,
Klingt alles etwas wirr und reimt sich nicht, ich weiß. Aber genau so ist es.
Man spricht nun wieder über Truppenstärken, Waffensysteme und Deutsche Infanterie. Mehr Geld soll in die Rüstung fließen, ein „Paradigmenwechsel in der deutsche Außen-und Sicherheitspolitik“.

Ich hatte gehofft, wir würden endlich etwas Anderes diskutieren können.

283) Bomben

Die Nachrichten aus der Ukraine sind sehr beunruhigend. Wenn ich die Videos aus Kiew sehe und die Sirenen höre, läuft es mir kalt den Rücken runter. Passend zum Thema wurde heute gegen Mittag hier um die Ecke eine Bombe aus dem zweiten Weltkrieg gefunden. Das Ding soll gegen Mitternacht entschärft werden. Man ist nervös. Vor 30 Minuten wurde der Sperrkreis von 250 Meter auf 500 Meter erweitert. Laut RBB werden aktuell 9.000 Menschen aufgefordert, die Wohnungen zu verlassen. Wir packen eine Tasche mit dem Nötigsten und schauen aus dem Fenster, um die Entwicklung zu beobachten. Das Blaulicht kommt näher, stagniert aber an der nächsten Querstraße. Die Polizei spricht per Megafon ins Viertel hinein, die Fenster werden Schritt für Schritt dunkel. Wir bleiben ruhig, bis wir weitere Anweisungen kriegen.

Na prima.

Dieses Ding ist 80 Jahre alt und gammelt hier unter der Erde und in Kiew fallen neue Bomben vom Himmel.

Widerlich. Unnötig.

Wir melden uns