4) Corona + Astra + Tegel = Osterausflug (Gastbeitrag Hermann)

Liebe Leser, die Stimmung dieser Tage ist nicht allzu üppig. Es gibt aber auch positives zu berichten. Hermann war beim Impfen und berichtet „live“. Aber lest selbst. Es geht aufwärts!

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Corona + Astra + Tegel = Osterausflug (Gastbeitrag Hermann)

Verrückt, vor 5 Monaten habe ich hier dem Flughafen Tegel tschüss geschrieben und heute 9:30 Uhr stand ich mit ca. 300 anderen „best agern“ vorm früheren Touristen-Terminal C an, um hineinzukommen.

Der Parkplatz P5 war voll wie zu „alten“ Flugzeiten; die Leute allerdings ohne Gepäck, schön mit Maske und auf ca. 2 m Abstand. Sonnenschein, gelockerte Stimmung, nette Kurzgespräche mit den Anstehnachbarn.

Aber wie das?
Ich bin knapp 69 und wäre erst in etwa 2 Monaten zum Anti-Corona-Schuss dran gewesen. Nach dem Astra-Durcheinander hat der Senat schnell gehandelt und eine Hotline eingerichtet, wo man ohne die geordnete Einladung als 60-69-Jährige(r) telefonisch buchen und die vorhandenen Mengen Astra-Stoff bekommen kann.

Am Donnerstag erzählte mir meine Frau davon (im Radio gehört), ich hab´s aber in der Dauer-Corona-Benachrichtigungswelle nicht ernst genommen oder nur halb hingehört. (F1)

Freitag nachmittag fragte die Tochter, ob ich denn schon den Corona-Link von ihr gelesen hätte. (als Smartphone-Privat-Verweigerer leere ich normalerweise meinen E-Mail-Briefkasten am PC nach dem Frühstück). Diesmal nicht! (F2). So hat ihre Nachfrage meine Nachlässigkeiten (F1) und (F2) kompensiert und ich hatte doch noch die Chance zur Schnellbuchung und habe tatsächlich gegen 18:00 Uhr einen Termin für heute (!!!) 9:45 Uhr im Impfzentrum Ex-Airport Tegel buchen können.

Und so lief es dann ab

Gegen 9:15 Uhr Ankunft (wegen möglicher Nachwirkungen habe ich die Frauen und den Quasi-Schwiegersohn gebeten, mich zu chauffieren; bei einer Grippeschutzimpfung machen wir nicht so viel Action, aber Corona… ja, ist halt etwas Besonderes). Ca. 300 Leute standen vor mir, nach etwa 30 Minuten war ich drin. Überall Helfer, Security, Ordner, DRK-Leute, einige Soldaten. Man wird ständig geleitet, „ausbüchsen“ geht nicht (warum auch?) und wenn man folgsam ist, versteht man auch den Sinn der Schritte. Z.B. gibt es nach der Dokumentenüberprüfung und vorm eigentlichen Impfakt noch Wartebereiche als Puffer. Mein Wartebereich war auf ca. 40 Leute ausgelegt, Stühle auf 2 m Abstand, beim Eingang wird ein Stuhl zugewiesen (eine Frau wollte gern einen anderen Platz haben, der „Aufpasser“ blieb aber freundlich und deutlich bei seiner Zuweisung). Ebenso mit System bittet ein anderer Helfer den nächsten Impfling in die eigentliche Impfstraße und weist dort eine Kabine zu. Je nach Zeitaufwand gibt es Parallelstationen. So geht alles schön der Reihe nach und ist auch recht entspannt. 
Kurzes Gespräch mit dem Betreuer vor der Impfung: er arbeitet sonst in der Organisation für Musikveranstaltungen und ist froh, einen guten und nützlichen Job zu haben, netter Kerl.

10:30 Uhr ruhiges, ausreichendes Gespräch mit dem Impfarzt und dann der Schuss. Danach bis 11:00 Uhr im Abspannbereich, falls irgendetwas wäre. Freundliche Verabschiedung mit Schoko-Osterhasen.

Draußen wieder (immer noch ca. 300 Leute beim Anstehen in der Sonne), also der Durchlauf klappt.

Das Beste: alle leicht positiv aufgekratzt, freundlicher Umgang, kein Gemecker, so waren auch die vielen Helfer zwar konzentriert bei der Sache, aber auch immer nett und entspannt.

Kein Wunder: die Leute, die dort hingehen, freuen sich auf den Piekser!

(Jetzt 18:30; bisher gar keine Nachwirkungen)

Ende Gastbeitrag

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Also Leute, bleibt cool!
Und die Chancen stehen gut, dass ich dann doch noch mal nach Tegel komme. 😉

159) Corona-Lektionen 59

Kaum ist der Weihnachtsbraten verdaut und Winnetou hat in die ewigen Jagdgründe eingecheckt, rollen LKW mit Polizeischutz über Europa‘s Autobahnen. Ein Anblick der Hoffnung macht. Denn sie haben den heiß ersehnten Impfstoff geladen. 

Beim Impfstoff wird mir wunderbar klar, wie verzerrt manchmal unsere zeitliche Wahrnehmung ist. Die Wartezeit auf diesen edlen Tropfen fühlte sich elendig lang an, dabei sind doch gerade erst einmal 10 Monate vergangen, seitdem das Virus an unsere Türen geklopft hat. Ein Rekord ist das. In unserer „Bestellichmalebenonline“-Welt wird uns mal gesund ins Gedächtnis gerufen, dass die Dinge nun mal ihre Zeit brauchen und dass man das Zeug auch nicht bei der nächsten Packstation abladen kann.

Beim kurzen Freigang durch den Kiez fällt auf, dass nur zwei Drittel der Parkflächen belegt sind. Wo sind all die Autos hin? Sind die nach Bayern und ins Schwabenland gefahren? Na ob das so angebracht ist in diesen Tagen. Vermutlich war es eine gute Entscheidung, dass neue Jahr mit Homeschooling zu beginnen, so dass die Familien in der Wohnung ausdünsten können. Und es müsste mal langsam etwas kälter werden. Im Stadtpark herrschte ausgelassene Stimmung gestern. Da wurden Gewichte gestemmt und Beachvolleybälle übers Netz geschmettert.

Apropos Stimmung. Sylvester steht vor der Tür. Und das, was Umweltschutz, Tierschutz, Gesundheitsschutz und Lärmschutz, jahrelang nicht geschafft haben, macht dieser kleine fiese Virus nun mit einem Fingerschnipp. Ohne Finger sogar. Es gibt nun ein Böllerverbot an öffentlichen Plätzen und es gibt auch keine Böller zu kaufen. Ein Novum. Und dann gleich noch eine Primäre. Der Supermarkt um die Ecke informiert bereits frühzeitig mit einem Plakat und drei Ausrufezeichen, dass es ab 31. Dezember 14:00 keinen Alkohol mehr zu kaufen gibt. Ich glaube, dass gab‘s noch nie im Land der Germanen. 

Wird „Dinner for One“ nun noch schnell umgeschrieben? Stößt Butler James fortan mit Himbeer-Brause an? Werden LKW Konvois aus dem kalten Osten über die Oder zu uns kommen, um uns im Rahmen einer humanitären Aktion mit Polen-Böllern und Kartoffel-Fusel zu versorgen? Es bleibt spannend.

Bis bald. 

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