233) Corona-Lektionen 100 (Jubiläum ;-)

Das ist sie nun, die 100. Ausgabe dieser Reihe! Eigentlich wollte ich genüsslich im Eigenlob baden, aber es gab natürlich ein paar Entwicklungen, die wollen dokumentiert und kommentiert werden. Ich mache es kurz.

Impfen: 
Der Impfstatus der Familie liegt bei exakt 75% ;-). Damit liegen wir weit über Bundesdurchschnitt und arbeiten uns bereits an den Dänemark-Gold-Status heran. Weiter so!

Tankwart erschossen: 
Dass da so etwas noch passieren muss. Wegen einer Maske und einem Sechser-Pack Bier. Furchtbar. Na klar trägt der Täter die Verantwortung, rein strafrechtlich. Aber die Gesellschaft (und da meine ich alle) muss sich die Frage stellen, wie es dazu kommen konnte.

Frage 1: Wie kann ein Tankstellen-Kunde so ausrasten, wegen einer Maske, die er für 2 Minuten Kassiervorgang tragen muss?

Frage 2: Warum muss ein Student, der an einer Tankstelle jobbt, die Corona-Maßnahmen des Staates durchsetzen?

Wortwahl:
Es ist nicht das erste Mal, dass ich in dieser Reihe auf bestimmte Wörter hinweise, die mir sauer aufstoßen. Diesmal soll es das Wort „Daumenschraube“ sein. Es wird in den letzten Tagen vermehrt verwendet, wenn es darum geht, den Druck auf die Impfunwilligen und Impfunentschiedenen zu erhöhen. Auch in den öffentlichen-rechtlichen Programmen, für die ich immer eine Fahne hochhalte. Aber solche platten Begriffe polarisieren und verschärfen die Situation. Wer keine Ahnung hat, was eine Daumenschraube ist, findet im Internet genügend schmerzhafte Bilder. Da nehme ich lieber eine Impfung im Sechser-Pack.

Und nun aber zum Eigenlob:
Ja es sind 100. Beiträge geworden. Hätte ich nie gedacht. Und da es anscheinend für den Pulitzer-Preis nicht gereicht hat, rufe ich mich nun selber auf die Bühne und beantworte ein paar Fragen des virtuellen Laudators:

Wie bist du auf die Idee für diese Reihe gekommen?
Nun, daraus sollte eigentlich nie eine Reihe werden. Der erste Beitrag entstand im März 2020, um ein paar Gedanken loszuwerden. Ich stellte in Aussicht, dass es vielleicht noch einen zweiten Beitrag geben könnte. Und nun sind es eben 100 geworden.

Warum der Titel Corona-Lektionen?
Ursprünglich ging es mir gar nicht um die Corona-Bekämpfung, um alle die Daten und Maßnahmen. Ich wollte mich eher damit befassen, was die Pandemie mit uns macht und was wir für die Zukunft daraus lernen können. Daher der Begriff „Lektionen“.

Und dann?
Tja, dann ging es Schlag auf Schlag. Es wurde politisch und der Dissens in der Gesellschaft wurde lauter. Es dauerte nicht lange, und da fand das Wort „Freiheit“ den Weg in meine Beiträge. Die ersten Male bei Lektion 7, Lektion 17 und Lektion 41. Und kurz danach kam der Begriff “Demonstration“ hinzu. Beginnend in Lektion 31, Lektion 36 und Lektion 37, die mich emotional schon aufgewühlt haben.

Oh, das hat Deiner Beitragsreihe wohl einen deutlichen Moll-Anstrich verpasst?
Ja, da gab es Beiträge, wo ich sehr frustriert war, aber ich habe auch mit Humor und Augenzwinkern geschrieben. Zum Beispiel in Lektion 21, Lektion 23 oder Lektion 43. Man muss auch mal schmunzeln, auch in pandemischen Zeiten.

Welche Beiträge wurden am wenigsten gelesen?
Rein statistisch die Lektion 5, Lektion 32 und Lektion 44. Das haben die aber echt nicht verdient, die sind durchaus gut, vielleicht hatten die Leute einfach keinen Bock an diesen Tagen oder es gab eine Störung im WLAN

Und die Top-Seller?
Na ja, „Seller“ ist vielleicht das falsche Wort. Es sind ja eher Geschenke für die Leserschaft. Aber die besten Beiträge vom Klick-Volumen her, waren die Lektion 30, Lektion 38 und Lektion 42. Und natürlich, sie sind Spitzenklasse, keine Frage 😉

Du hast immer das gleiche Motiv für die Beiträge, oder?
Ja, das gleiche, aber nie das selbe. Ich habe fast jeden Arbeitstag den Sonnenaufgang fotografiert, für mich ein Symbol das täglichen Aufstehens, Nachrichtenhörens und dem dann folgenden „Weg“ ins Homeoffice. Manchmal war aber das Wetter schlecht oder das Bild verwackelt, einige sind der Löschtaste zum Opfer gefallen. Es gibt aber einen einzigen Beitrag, der das aus der Reihe tanzt, das ist die Lektion 92, denn die habe ich in Frankreich geschrieben.

Und wie gehts weiter?
Nun ja, das Thema beschäftigt mich schon und ich fürchte, da gibt es noch eine Menge zu kommentieren. Ich mache erst einmal weiter, vielleicht nicht mehr mit der Häufigkeit. Ich will ja keinen Corona-Blog betreiben.

Was willst Du Deinen Lesern mitteilen?
Großes DANKE für’s Lesen und dass es bei den Kommentarwechseln immer freundlich und sachlich abging. Ich würde mich freuen, wenn ihr weiter dran bleibt oder Freunde und Familie dazu einladet. Als kleine Zugabe, gibt es heute ein paar Sonnenaufgänge, die noch auf meinem Handy schlummerten, es bislang aber nicht auf die Titelseite geschafft haben.

Und wer das alles noch einmal Review passieren, kann hier die ganze Reihe von der Rolle weglesen 😉

Schönes Wochenende!

229) Corona-Lektionen 98

Nächste Woche öffnen BaWü und Bayern wieder ihre Schultore … und die Fenster. Ja, das „Extreme-Lüfting“ beginnt wieder und wenn das Kind die C-Karte gezogen hat und an der Fensterseite sitzen darf, kann man schon mal dicke Pullies besorgen. Aus den Lüftungs-Hoodies des letzten Jahres sind sie vermutlich schon rausgewachsen und die Luftfilter wird’s erst geben, wenn die Mars-Landung geglückt ist. Vorher hat man für solch komplexe Aufgaben keine Kapazitäten.

Ein paar Gedanken der letzten Woche:

Impfen 1
Impfen macht müde. Erst mussten wir auf den edlen Stoff warten, dann wurde er Ende letzten Jahres unter Polizeischutz über die nächtlichen Autobahnen verteilt und am 27.12.20 fand er den Weg in die ersten Deutschen Oberarme. Erst 9 Monate sind seither vergangen, der Stoff stapelt sich in den Regalen und wir diskutieren und diskutieren, wie die Impfquote im Land der Dichter und Querdenker erhöhen können. Mit Appell, Motivation und Überzeugung oder durch Druck, Sanktion bis hinzu Zwang. Wenn mich Kollegen aus Asien fragen, wie es denn bei uns so vorwärts geht, weiß ich gar nicht was ich sagen soll. Wie soll man das erläutern? Dabei fehlt es mir nicht nur an den passenden Vokabeln, sondern mir bleibt einfach die Spucke weg.

Impfen 2
Wenn ich dann sehe, wie die Dänen ihre Corona-Regeln und die nationale Ausnahme-Situation aufheben, da kann ich schon neidisch werden. Und sie machen das nicht, weil ihnen der Virus und die erkrankten Menschen egal sind, nö, sie können sich das mit einer Impfquote von schlapp 80% leisten. Nun werden wir sehen, wie sie damit durch die kalten Monate kommen, aber es zeigt doch recht eindrücklich, wie vermeintlich einfach die Geschichte doch sein könnte. Bei der großen Datenkrake suchte ich nach den Impfquoten im internationalen Vergleich. Ganz oben standen Malta und Gibraltar. Und da kann man gern schmunzeln … ja ja … Zwergstaat … is’ ja auch einfacher … klar. Mit den nächsten 8 Ländern ergab sich eine Top 10. Deutschland war nicht dabei. Ich klickte „View more“, weitere 10 wurden nachgeladen und in den Top 20 war dann schwarz-rot-gold zu finden … war aber Belgien … dann wieder „View more“ … nix … noch mal „View more“ und immerhin stehen wir am Ende der Top 40. Es ist deprimierend, ich muss das Thema wechseln, ich will den Beitrag nicht so enden lassen.

Wortwahl
Ich werfe einen Blick auf die Übersicht der aktuellen Corona-Regeln für unsere Stadt. Was für eine eigenartige Sprache … ich glaube darin sind wir aber nun aber wirklich Weltmeister. Der Begriff „Körpernahe Dienstleistungen“ klingt ja schon bizarr, aber lädt immerhin zu Phantasie ein. Beim Terminus „Prostitutionsbetriebe und Bordelle“ kann es einem schon wieder gleich vergehen. Das klingt nach Groß-Schlachterei und man benötigt dort ein „Hygienekonzept, Termin, FFP2-Maske und Test*“, das kleine Sternchen ist weiter unten erläutert. Schüler müssen keinen Test mitbringen. Erleichterung. Schön sind auch „ Tanzlustbarkeiten im Freien“ und „allg. Erwachsenenbildung, Musik-, Jugendkunst-, Jugendverkehrs-und Gartenarbeitsschulen“.

Herrlich!
Schönen Sonntag
T.

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219) Corona-Lektionen 94

Am Montag soll in Berlin die Schule wieder starten. In voller Klassenstärke, maskiert, getestet und intensiv belüftet. Mit jedem Wort dieser Einleitung werfen sich Falten auf meiner Stirn auf. Hoffentlich geht das gut.

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Kino
Ja, wir haben es mal wieder gewagt. Wir waren in einem Lichtspieltheater! Ihr wisst, so eine Einrichtung, wo man gegen Entgelt bewegliche Bilder auf einer Leinwand dargeboten bekommt. Inclusive erhitzen Maiskörnern, dunkler Brause aus Übersee und Tex-Mex-Tortilla-Chips mit warmer Käse-Sauce und grünen Chilli-Schoten. Eine nette Abwechslung, allerdings sollte man für das Eintritts-Procedere immer einen Pandemie-Zweit-Akku dabeihaben. Noch an der Tür wurde der digitale Impfpass kontrolliert, dann galt es bei Luca einzuchecken und natürlich die Tickets auf dem Handy vorzuzeigen. Mit FFP2 Kaffee-Filter vor dem Gesicht, die Hände voller Snacks, Getränke und Corona-Apps arbeiteten wir uns zu unseren Plätzen vor. Die Plätze wurden nur paarweise vergeben, unsere Brut also 5 Meter von uns entfernt platziert. „Der, der da so laut lacht und mit der Chips-Tüte raschelt??? Keine Ahnung, nee, der gehört nich’s zu uns, da müssen sie mal jemand anders fragen“ 😉

Demonstrationen
In den letzten Tagen wurde wieder gegen die Anti-Corona-Maßnahmen demonstriert in Berlin. Beobachter sprechen davon, dass das nicht mehr die heterogene Menge war, wie letztes Jahr, sondern ein verbitterter, gewaltbereiter Kern, der aus dem halben Bundesgebiet herangekarrt wurde. Zum einen ein bisschen beruhigend weil es so wenige waren, zum Anderen aber verstörend, weil diese Typen unberechenbar sind. Die Demo war verboten. Ich muss zurückdenken, als die ersten Demos genau vor einem Jahr in Berlin stattfanden. Bei einer Demo war ich ja selber als Beobachter dort und habe mir mal ein Bild gemacht

Rückblick August 2020:

Corona-Lektionen 37
Corona-Lektionen 39
Corona-Lektionen 40
Corona-Lektionen 41
Corona-Lektionen 42

Impfen
Das Impfen erhitzt die Gemüter, ganz besonders, die Diskussionen, ob geimpfte Menschen eher weitere Vorteile oder nichtgeimpfte Bürger eher Nachteile bekommen. Nichtgeimpfte Menschen von Restaurants und Veranstaltungen auszuschließen finde ich affig. Ich bin dafür, dass die Tests für Erwachsene irgendwann kostenpflichtig werden, dann wird sich das der Ein oder Andere noch mal überlegen, wenn man vor dem Kneipen-Besuch erst einmal 30 EUR für zwei Tests hinlatzen muss…

Die beste Nachricht der Woche erreichte mich Mitte der Woche:  Astrazeneca-Bestände werden an die internationale COVAX-Initiative abgegeben.

Das war auch längst überfällig! 

Schönen Sonntag!

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217) Corona-Lektionen 92

Die letzte Folge meiner > Corona-Lektionen ist schon wieder drei Wochen alt. Da wird doch wohl etwa auf der Zielgeraden zur 100. Folge nicht etwa der Saft ausgehen, oder? Mit Nichten.

Teil 1 der Reihe erschien hier am 13. März 2020 und ich wollte nur ein paar Gedanken dazu loswerden. Zum Ende stellte ich in Aussicht, dass es vielleicht noch einen 2. Teil davon geben würde. Heute veröffentliche ich Teil 92 und dieser Teil ist etwas Besonderes. Denn es ist der erste Teil der Reihe, der aus dem Ausland veröffentlicht wird. Daher gehe ich den Beitrag auch etwas lockerer an 

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

Delta
Ich habe keine Ahnung wie die Schule in drei Wochen wieder anlaufen soll, der Corona-Ticker für unseren Stadtbezirk bewegt sich schon wieder auf die 20 zu. Die Delta-Variante macht sich breit, ich habe etwas von „Delta plus“ gelesen, ich erwarte eigentlich noch „Delta XXL“, „Super Delta“, „Extreme Delta“ und „3 in 1-Delta“ … bevor wir dann endlich in die Epsilon-Klasse aufsteigen. Je suis désolé, je ne veux pas traîner le sujet dans le cacao

Masque Obligatore!
Wir genießen den Urlaub, auch wenn natürlich Corona hier immer noch „in aller Munde“ ist. Um die weitere Verbreitung zu verhindern, trägt man auch hier schicke Kaffee-Filter auf Mund und Nase. Und da wird das Urlaubserlebnis noch intensiver. Die Besteigung eines Leuchtturms mit FFP2 oder die Besichtigung einer alten Burg lassen halbwegs erahnen, wie sich Reinhold Messner ohne Sauerstoff auf dem Mount Everest fühlte. In einem Chateau hier um die Ecke, haben sie die komplette Beschilderung/ Wegführung „coronaesque“ gestaltet. Oder haben einfach die alten Schilder aus den Zeiten der Pest vom Dachboden geholt?

„Habt ihr eure Masken?“ hat wohl den Satz „Könnt ihr mich hören?“ als häufigst gesprochenen Satz der Menschheitsgeschichte abgelöst.

Les Schwurbliers
Auch in Frankreich gibt es Schwurbler. Der Online-Translator gibt mir auf Anhieb keine französische Entsprechung. Also erfinde ich selber eine. Ich nenne sie „Les Schwurbliers“. Das klingt besonders schön, wenn man es französisch ausspricht. Impfzentren gibt es natürlich hier hier auch, aber das nächstgelegene Institut ist nicht so einfach zu erreichen.

Krisen
Vor ein paar Tagen stand ich im Supermarkt vor dem Regal und sah schon wieder die nächste Pandemie kommen, auch wenn es dort eigentlich nur „weiches Brot“ gab. Oh man … ich habe echt eine Corona-Macke. Ich muss den Urlaub vom Höhlen-Office wohl noch verlängern.

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Wenn ich allerdings den Nachrichten aus Deutschland folge, werden da die echten Herausforderungen sichtbar. Unwetter, Zerstörung, Tote …übel.

Für den Moment bin ich heilfroh, an diesem friedlichen Ort hier zu sein.

<— Corona-Lektionen 91

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206) Corona-Lektionen 86

Die Pfingstfeiertage sind vorüber, die „Inpfingstionszahlen“ sinken weiter und bevor wir morgen wieder ins Höhlen-Office krabbeln, schnell noch ein paar Gedanken der letzten Tage.

Kanülen statt Kanaren
Am Samstag nutzte ich meinen „Freigang“ mal wieder für eine Runde oben auf der Grünfläche des Velodroms bzw. Europasportparks. Die Anlage dient seit Anfang des Jahres als Impfzentrum. Regelmäßig fahren Taxen oder Busse vor und setzen die Impflinge direkt an der Kanüle ab. (Impflinge … was für ein blödes Wort, oder? Klingt nach Lemming oder Speisepilz.) Jeden Tag herrscht dort dasselbe Bild. Am Samstag war es aber anders. 15 Taxen standen draußen Schlange und konnten nicht reinfahren und saßen samt impfwilliger Fracht fest. Das erinnerte mich an den Flughafen Tegel, Taxi-Vorfahrt Terminal C. Aber was war los? Klemmt die Schranke? Hat die Terminvergabe-Plattform zu viele Termine vergeben? Ist der Kühlschrank leer? Oder kaut da wieder einer dem Arzt ein Ohr ab? Ach was waren das noch für Zeiten, als hier Rennräder im Kreis fuhren oder Rock-Größen ihre Konzerte gaben. 

ESC
Apropos Konzerte. Ganz passend stolperte ich am Samstagabend in den Eurovision Song Contest rein, der aus Rotterdam übertragen wurde. Ich konnte kaum meinen Augen trauen. Ist das eine Aufzeichnung?? Zig Leute sangen, feierten, tanzten, atmeten dort. Miteinander!! “Aber das geht doch nicht ...“, beginne ich instinktiv zu rufen. Doch anscheinend schon. Die wurden alle durchgetestet und in den nächsten Tagen will man auswerten, welche Auswirkungen das Event hatte. Na hoffentlich geht das gut, denn das wäre ja immerhin ein machbarer Weg für  Veranstaltungen.

Corona-Fashion
Umso wärmer es wird, umso weniger Klamotten hat man an. Logisch. Aber ich merke, dass ich mein Anti-Corona-Equipment nicht mehr unterbringe. Für den Sommer muss ich mir über funktionale Corona-Kleidung Gedanken machen. Am besten eine Feldhose von der Army. Die haben so viele praktische Taschen an der Seite. Fürs Handy, Power-Bank, diverse Masken, 4x Impfbücher, Family-Pack Feuchttücher, Desinfektionsmittel, vorausgefüllte Selbsterklärungen und ausreichend Selbsttests.

Dann sehe ich aus wie ein Corona-Warrior … und dann lerne ich dem Biest das Fürchten!!! 

Schöne Woche!
T.

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204) Corona-Lektionen 85

Ist da draußen eigentlich noch Mai oder schon Oktober. Schwer zu sagen. Aber alle sprechen über die Sommerferien, also muss demzufolge ja Mai sein.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

Öffnungen
Gestern krochen wir aus dem Höhlen-Office und trafen ein anderes Höhlen-Pärchen in einem hippen Stadtpark mit 49-er Inzidenz. Geblendet von Frühlingssonne und Multi-Kulti-Testosteron, waren unsere Schritte dort noch etwas ungelenk. Schnell trafen wir auf einen frisch wiedereröffneten Biergarten, dessen Eingang mit zig Verhaltensregeln beschriftet war. Registrierung per App, Corona-Test (max 24h alt), etc. Wie ein paar verpickelte Teenager standen wir also vor dem Tor und waren unsicher, ob wir denn „da schon rein dürften“. Völlig vergessene Gefühle des „Verbotenseins“ und des „Erwischtwerdens“ meldeten sich aus der Bauchgegend. Halbgeimpft und ungetestet, aber auch Freiheitsliebend und durstig, fassten wir aber Mut und schritten selbstbewusst auf die Schenke zu. Wenig später saßen wir mit Faßbier und Premium-Veggie-Pizza in der Kreuzberger Sonne und sprachen über die Zeit seit unserem letztem Treffen im Oktober. Nicht ganz korrekt, mag sein, aber richtig und wichtig! Liebe Grüße an der Stelle!

Reisen
Sonne, Urlaub in der Ferne … hätten alle mal gerne. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht irgendeinen Newsletter mir Reisebezug kriege. Die Staatslinie der Österreicher verspricht mir „Frizzante und einen g‘schmackigen Schwammerlgulasch“, eine „zünftige Brettljause“ oder gar einen „Apfelstrudel“ über den Wolken. Beim deutschen Meilensammler kann ich bis zu „40% sparen und ab 18.000 Prämienmeilen Hin-und Rückflüge buchen“. Im Reisezeitraum 2021 erhalte ich sogar „doppelt soviele Statusmeilen wie bisher“. Aber welches „bisher“ meinen die eigentlich? Das “bisher“ der letzten 15 Monate oder das „bisher“ vor Corona?

Indien
Während wir uns die Augen reiben, wie zügig die Zahlen nun runtergehen, sieht‘s anderswo auf der Kugel noch sehr schlimm aus. Ich bin täglich mit Kollegen aus Indien in Kontakt und pflege auch private Kontakte in den Subkontinent. Mangelnde Versorgung mit Krankenhausbetten und Sauerstoff, überforderte Verbrennungsstätten, hohe Neuinfektionen … und die hohe Dunkelziffer von der doch alle ausgehen. Übel. Nun könnte man meinen, ist doch egal, ist ja weit weg und solange der Indische Food-Fahrer mit dem lustigen Turban noch die warmen Pizza-Kartons vor die Tür stellt ist hier doch alles prima. Denkste! Es ist eine „Pan“demie, dass heißt sie muss auch „pan“bekämpft“. Wer denkt, „nach Indien und Afrika wollte ich eh nicht reisen“, der hat zu kurz gedacht und wir werden auch in Europa das Virus nicht so schnell los.

Ich muss Schluß machen, denn der Sohn ruft. 

„Papaaaaaaaa, du glaubst es nicht! Da sind Menschen im Stadioooooooooon“

Schöne Pfingsten … und übertreibt‘s nicht!
T.

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202) Corona-Lektionen 84

Hah! Unser Kiez ist deutlich unter 50. Nein, nicht nur vom Durchschnittsalter her, sondern auch von den Neuinfektion auf 100.000 Einwohner gerechnet. Bevor die neue Arbeitswoche im Höhlen-Office startet, hier noch ein paar Gedanken der letzten Tage.

Tja, wie ging nun die Inzidenz so deutlich runter?
Haben wir uns so diszipliniert heruntergearbeitet? Durch Vernunft, Verzicht und nächtliche Ausgangssperre? Lag es daran, dass die gebürtigen Schwaben und Bayern über’s lange Wochenende nach Hause gefahren sind 😉 Aber wäre die Inzidenz dadurch nicht eigentlich sogar höher, weil gar nicht 3,5 Mio Einwohner in der Stadt waren? Oh, oh …, zu früh gefreut? Oder hat diese böse Regierung vielleicht doch heimlich Impfstoff ins Trinkwasser gekippt? Oder entwickelte das Bundeswetterministerium das ideale Anti-Corona-Wetter für uns. Schwedischer Sonne-Wolke-Mix bei 13°C für die nächsten 30 Jahre? Oder hat das Virus einfach keinen Bock mehr. Würde ich verstehen, ist ja auch anstrengend so eine Pandemie.

Und warum kennt mein Schreibprogramm immer noch nicht den Begriff „Inzidenz“ und unterstreicht ihn ständig rot?

Impf-Schummel
Man liest von Schummelei und Dokumentenfälschung. Wundert mich alles nicht und da soll mal keiner so erstaunt tun. Die miese Dokumentationsform der erfolgten Impfungen, muss man noch mal aufs Brot schmieren. Da war nun wirklich genug Zeit, sich etwas Vernünftiges einfallen zu lassen. Vielleicht sollten sie mal bei Fluggesellschaften, Kinobetreibern und Bonuspogrammen anfragen, wie man so etwas macht. Aber nein, wir wedeln mit einem gelben Büchlein durch die Außen-Gastro und erbitten Einlass. Ich warte auf die ersten Datenschutzdiskussionen, ob der Kellner die anderen Impfungen im Buch überhaupt sehen darf. Aber obwohl, da könnten sie dann ja auch einen Service draus machen. „Ihre Lasagne kommt sofort, aber sagen sie mal … ihre Tetanus müssten sie auch mal wieder auffrischen“.

Lockerung
Zeit für eine paar Lockerungsübungen! Bei dieser erfreulichen Entwicklung der Zahlen, fragt sich bestimmt jeder dieser Tage mal, was er/sie denn gern machen würde, wenn der Spuk mal beherrschbar wird, oder?

  • Mal irgendwo gemütlich sitzen und etwas essen? Sich nicht ständig von der Fläche vor dem Lokal vertreiben lassen? Den Döner nicht an einer zugigen Häuse-Ecke herunterschlingen und die Kanton-Ente nicht in Kunststoffverpackung nach Hause tragen? 
  • Lust auf einen Kino-Besuch? Einen Blockbuster mit Überlänge und eine Schüssel Nachos auf dem Schoß. Mit Käsesauce und Jalapeños? 
  • Oder mal eine chillige Wiedersehens-Party veranstalten? So wie schon hier im letzten Mai in Corona-Lektionen 26 geschrieben.
  • Mal wieder einen Laden betreten, dessen Fenster nicht mit Verhaltensregeln zugeklebt sind? Sondern wo einfach ein einziges Schild die Eingangstür ziert: 

„OFFEN“

Ach ja … wie schön … aber mit Geduld bitte.

Schönen Sonntag noch
T.

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196) Corona-Lektionen 82

Eine arbeitsreiche Woche liegt hinter mir, ich hatte nur wenig Zeit den Corona-News zu folgen. Ein paar Nachrichten am Abend und Talkshow-Fetzen, mehr war nicht drin. Trotzdem (oder vielleicht genau deshalb) habe ich das Gefühl, dass sich die Ereignisse überschlagen oder täuscht das?

  • Zu Wochenbeginn saß ich noch bei Plasberg und ertrug die ermüdenden Erläuterungen der Bundesbildungsministerin. „Wir haben schon zu Beginn der Pandemie gesagt, dass …“, „Luftfilter einbauen geht nicht weil …“, „da gibt es Vorschriften hier“ und „Standards da“. Ein sehr sympathischer Soziologe konterte sehr charmant und ungefähr „Ja wenn wir mal all die Vorschriften und Standards ernst nehmen würden, dann hätten die Kids auch funktionierende Toiletten und die Fenster wären dicht“. Herrlich! 
  • Das war ungefähr der Zeitpunkt, als ich die Doku-Reihe „plan b“ entdeckte. Positive, konstruktive Entwicklungen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Technik. Das tut mal richtig gut. Kein rückwärtsgewandtes Genöle, sondern ein Blick nach vorn. Kann ich nur empfehlen.
  • Zur Mitte der Woche ging es dann Schlag auf Schlag. Wiederkehrende Freiheiten für „Geimpfte und Genesende“, ja sogar Reisen im Sommer soll möglich sein. Die Haustechniker in den Hotels überlegen bereits krampfhaft, wo eigentlich die Hauptsicherung für den Strom und das Absperrventil für die Wasserversorgung zu finden sind. Und dann ging es so weiter. Impfungen von Kindern über 12 Jahre in Canada, Diskussionen um die Aussetzung von Patentrechten für Impfstoffe, Impfung der deutschen Kinder noch in den Ferien, hört hört!
  • Und nun zum Ende der Woche geht das so weiter. Die Impfreihenfolge für AstraZeneca ist ausgesetzt, es gibt einen Sonder-Etat für Kinder und Jugendliche und man diskutiert nun wieder ein Wort, was längere Zeit nicht zu hören war. „Klima“. Was ist hier nur los? Lag ich 2 Monate im Koma? Wird jetzt geklotzt? Ist alles überstanden?

Vorhin war ich beim Supermarkt um die Ecke. Ein Typ steht an der Fleischtheke, seine Maske hängt auf „halb sieben“ und er blökt seine Bestellung über den Tresen. „Würden Sie bitte ihre Maske über die Nase ziehen“, fragt die Fleischfachverkäuferin“ sehr freundlich. Der Typ fängt das Diskutieren an. „Wissen `se ick halt davon ja nix …“

Es ist noch nicht vorbei … aber es geht aufwärts.
Bleibt stark!

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