46) Krümel-Kaffee und Mikro-Welle

Sao Paulo, Dienstag 03:30 Uhr: Ich bin wach, kann nicht mehr schlafen und beschließe, die Qual zu beenden und mich der Arbeit zu widmen. Das Hotel-Zimmer hat sogar eine kleine Küchenzeile und ich meine, dort bei Ankunft sogar kleine Kaffee-, Zucker-, und Creamer-Tütchen gesehen zu haben. So ein Kaffee wäre jetzt genau das Richtige. Also checke ich die Mini-Küche. Zwei Tassen, zwei Gläser, 1 Besteck und eine Mikro-Welle. Wasser-Kocher = Fehlanzeige. Wie kriege ich jetzt bloß Wasser heiß? Meine Augen bleiben bei der Mikro-Welle hängen. Habe ich noch nie gemacht, aber müsste doch gehen, oder? Tief im Gedächtnis habe ich einen Informationsfetzen gespeichert, dass die schnelle/heiße Erwärmung zu einem Problem führen kann, kriege es aber nicht mehr zusammen. 

Probieren geht über Studieren:

  1. Versuch: Ich kippe etwas von meinem restlichen Mineralwasser in eine Tasse, stelle sie in die Mikro-Welle und drücke auf die „Milch-Taste“.  Dadurch erwarte ich eher eine schonende Erwärmung. Und siehe da, 200 Watt liegen an. Nach 1:40 Minuten ist die Tasse schweineheiß, aber das Wasser immernoch kalt. So wir das nichts.
  2. Versuch: Ich kippe Mineralwasser in eines der Gläser, das sollte doch die Mikro-Wellen viel besser durchlassen als die Tasse. Wieder drücke ich die „Milch-Taste“. Nach Ablauf das „Milch-Programms“ ist das Wasser sichtlich heiß. Es sprudelt nicht. Aber es sieht so aus, als wollte es irgendwo hin ausbrechen. Ich kippe ein Tütchen Instant-Kaffee-Pulver drauf und dann auch noch Zucker. Auf einmal beginnt ein energisches Sprudeln, der Kaffee wird immer mehr und geht ab wie eine geschüttelte Cola. Der Kaffee schwimmt in der Mikro-Welle.
  3. Versuch: Basierend auf Versuch Nummer 2, nehme ich nun Wasser ohne Sprudel aus der Mini-Bar. Diesmal mache ich das Glas nur halbvoll, starte wieder das „Milch-Programm“. Das Wasser wird heiß. Ich kippe das zweite Kaffeetütchen drauf. Die Eruption bleibt aus. Den Zucker werfe ich hinterher. Dann noch mehr Wasser oben drauf, aber eben nicht bis ganz voll, denn oben muss ich das Glas irgendwie noch anfassen können.

Bing! Kaffee ist fertig. Na geht doch. Ich bin zwar in einem Hotel in Sau Paulo, es fühlt sich aber an wie auf dem Zeltplatz. Nachdem ich ja nun Erfahrung damit habe, könnte ich gegen 04:30 Uhr glatt noch eine zweiten Kaffee vertragen, aber das Päckchen hatte sich ja leider in Schaum aufgelöst und schwimmt in der Mikro-Welle.

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42) Bettdecken-Gewurschtel

Zugegeben, es gibt größere Probleme auf der Welt, aber über die kleinen lässt sich besser schreiben 😉
Betritt man sein Hotel-Zimmer zum ersten Mal, wandern die Blicke im Zimmer kurz umher, um schnell einen Überblick zu bekommen. Kaffee-Maschine, Schreibtisch, Bad, Schrank, Sitzgelegenheit, Fernseher. Oder anders herum, je nachdem welche Prioritäten man setzt. Mit Sicherheit bleiben die Augen auch am Bett hängen, schließlich hat man ja deswegen ein Hotelzimmer gebucht. Die Bettdecke ist spiegelglatt, man könnte ein Kartenhaus drauf bauen. Wie machen die das nur? Bügeln die das Bett? Zerren sie zu viert an den Ecken? Manchmal liegt noch eine Tagesdecke drüber und mehr Kissen, als die kommende Nacht eigentlich Stunden bietet. Irgendwann ist der Moment erreicht, an dem ich mein müdes Haupt zur Ruhe legen will. 

Und dann geht es los:

  • Zunächst sammele ich all die Kissen vom Bett. Ich brauche nur eins. Aber welches soll ich nehmen? Eines, was meinem Kissen zu Hause am ähnlichsten ist oder vielleicht mal ein anderes Modell? Etwas Inspiration vielleicht? Gewohnte Pfade verlassen? Und wohin mit all den anderen Kissen?
  • Die Bettdecke ist ringsherum noch unter die schwere Matratze geklemmt. So kann ich nicht schlafen. Da komme ich mir ja fixiert vor wie in der Klapse. Also ziehe ich die Decke unter der Matratze hervor. Auf einmal sieht das Bett gar nicht mehr schön aus. Voll zerfleddert, als hätten da heute schon fünf Leute drin geschlafen.
  • Liege ich endlich im Bett, versuche ich die Decke zu ordnen. Ich kann drauf wetten, dass am oberen Ende des Bezugs gar keine Decke mehr zu greifen ist. Die oberen 15 cm Stoff schlabbern inhaltsleer vor sich hin. Am Fuß-Ende verzichten die effizienzgetriebenen Hoteliers immer häufiger auf Knöpfe. Beine und Füße kommen also immer wieder in Kontakt mit der eigentlichen Decke. Ein Zustand, über den man nicht zu sehr nachdenken sollte.
  • Ist dann alles sortiert, will ich das Licht ausschalten. Der Fernseher reicht als letzte Lichtquelle. Doch welcher Schalter ist es?
    —> siehe früherer Beitrag Lichtschaltkreise
  • Sind die Lichter endlich aus, verfolge ich noch etwas die Nachrichten. Die Lieder werden immer schwerer und ich beschließe, den Fernseher abzuschalten. Sch…, wo zum Henker habe ich die Fernbedienung hingelegt 😦

 

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13) Wi-Fi for kids

New Delhi, Connaught Place, Zimmer 100, Bett rechts und Bett links. Darauf unsere Kinder.  Sie haben genug für heute und ihren ersten Tag auf dem Subkontinent wirklich gut gemeistert. Besonders wenn man bedenkt, dass wir heute erst 02:00 Uhr im Hotel waren und am Tag bereits bei über 40 Grad durch die nähere Umgebung des Hotels gelaufen sind. In Jantar Mantar waren wir und dann noch zu Fuß in einem Handicrafts Bazar. Anschließend ging es per Taxi zum Lodi-Garden, der Driver hat das Geschäft der Woche gemacht … am Sonntag schon 😉. Zum Abhängen kriegen die Kids nun die iPads und dürfen daddeln. Ich will mal kurz in den WordPress Reader schauen und mache es mir auf dem Büro-Stuhl bequem. Gar nicht so einfach, sich hier zu konzentrieren. Die Klimaanlage habe ich heruntergedreht, trotzdem pustet sie mich permanent an. Hinter mir auf dem Connaught Circle hupt es pausenlos. Die Stadt kommt eher in Fahrt, nicht zur Ruhe. Ist das noch Wochenende, oder schon Wochenanfang?

Es ist 20:30 Uhr Ortszeit und ich lausche ab und zu den Kids:

  • “Wie sind deine Serverdaten?“
  • “Ich habe eine Spitzhacke und Äpfel für dich“
  • “Die Welt ist doch super oder? Ich nehme mir einen Platz“

Na dann, Namaste!

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26) McRaff

Neulich konnte ich im Hotel der Geburt des neuen Burgers „McRaff“ beiwohnen. Oder sollte ich vielleicht sogar besser „Raff-Bürger“ sagen? Das Ganze gestaltete sich ungefähr so: Beim Frühstück setzte sich ein kräftiger Kerl an den Nachbartisch. Zunächst belegte er den Platz mit persönlichen Dingen, damit keiner mehr diesen Tisch für sich beanspruchen konnte. Quasi das Bade-Handtuch des Frühstücks. Dann verschwand er erst einmal am Buffet. Schnell kam er wieder mit gehäuften Tellern zurück an seinen Platz. Soweit ich das sehen konnte, waren es drei Kaiser-Brötchen, ein Berg voll gebratener Speck, dazu Kartoffel-Röstis in rauen Mengen und viele Nürnberger Würstchen. Will der das wirklich alles essen? Ist der vielleicht Kugelstoßer oder Gewichtheber und braucht das jeden Morgen? Oder ist er nur ein Vater, der für die noch schlafenden Kids die Brötchen macht? Aber das sollte sich bald herausstellen. Mit geübten Griffen halbierte er zunächst die Kaiser-Brötchen, legte dann die Nürnberger Würstchen auf die eine Hälfte, gefolgt von den Kartoffel-Röstis. Dann stapelte er den gebratenen Schinken, eine Scheibe Käse und dann noch die zweite Brötchen-Hälfte als Deckel oben drauf. Den ersten Burger aß er sofort, den zweiten wickelte er in eine Serviette und ließ ihn unauffällig in der Tasche zu seinen Füßen verschwinden. Gespannt beobachtete ich, was denn nun mit dem dritten Burger passieren würde. Auch den wickelte er in Serviette und versenkte ihn neben dem ersten Burger in seiner Tasche. Der Mann erhob sich, kippte zwei Gläser O-Saft direkt an der Saftbar in seinen Schlund und verschwand. Stille. Als wäre nichts gewesen. Nur der Dreck auf seiner Tischdecke war noch da. Die ganze Szenerie wirkte, als wäre gerade ein Heuschreckenschwarm oder das Krümelmonster vorbeigezogen. Mal abgesehen von fehlenden Tisch-Manieren und seinem vermutlich erhöhtem Cholesterinspiegel, erschütterte mich am meisten die Routine und Selbstverständlichkeit, mit der er dort die Tasche füllte. Bloß gut, dass ich bereits vor ihm mein Rührei mit EINER Scheibe Schinken veredelt hatte und ich Nürnberger Würstchen zum Frühstück nicht mag.

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12) Spucking Duschkopf

Dass Duschköpfe an der Wand fixiert sein können und damit erheblich Einfluss auf die Laune zu Tagesbeginn haben, habe ich in einem vorigen Beitrag schon beschrieben. Duschen können aber auch noch auf andere fiese Weise zum Ärgernis werden. Es gibt an allen Duschen eine fragile Stelle und zwar genau dort, wo der Schlauch in das Handteil mündet. Gerät diese Verbindung länger unter Zug und leiert aus, dann passiert häufig folgendes. Der Gast stellt sich gegen 06:00 Uhr müde unter die Dusche und schließt die Glastür. Den Temperatur-Regler stellt er sicherheitshalber auf die Mitte, weil er morgens weder kaltes noch heißes Wasser mag. Dann dreht er den Hahn auf und …? Flucht laut, schimpft und gerät in Panik. Kaltes abgestandenes Wasser schießt aus der defekten Verbindung hinten heraus, prallt auf die Wand-Fliesen, wird von ihnen umgehend reflektiert und trifft den Gast. Meistens auf Brust oder Bauch-Höhe, also dort, wo niemand kaltes Wasser haben will. Versucht er dann, den Schlauch wieder in das Handteil zu stopfen, wird alles nur noch schlimmer. Wasser spritzt umher, die Haare werden nass und man fragt sich, ob die Putzkräfte in letzter Zeit mal die Dusche benutzt hatten. Besser nicht. Zeit fürs Frühstück! 

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8) Watt, Volt, Ampere, Prozent

Erinnere ich mich an den Physik-Unterricht, gab es damals folgende Einheiten für elektrischen Strom: Watt, Volt und Ampere. Anscheinend gibt es neuerdings auch noch „Prozent“. Das Verlangen nach diesen „Prozent“ kann ein Schlechte-Laune-Garant für die Familie werden, wenn es im Hotel nur eine erreichbare Steckdose gibt. Ja, das gibt es noch. Dummerweise schaltet der Strom ab, wenn man das Zimmer verlässt und die Geschäfte in der Gegend haben schon geschlossen. Vier Smartphones, zwei Tablets und zwei Power Banks dürsten aber nach „Prozent“. Ich weiß, das ist wohl eher ein Wohlstandsproblem und Familien auf indischen Dörfern haben wahrlich andere Sorgen. Um nun aber dicke Luft zu vermeiden, gibt es nicht viele Optionen. Da wären Verzicht und Kompromiss oder halt eine geeignete „Ladestrategie“ auszuarbeiten. Letzteres sieht dann ungefähr so aus: Handy-Strom sparen und mit Hilfe der wenigen vorliegenden Adapter ein Versorgungsnetz  aufbauen, welches so viele Geräte wie möglich mit „Prozent“ versorgt.
Und in der Familie knobeln, wer nachts aufsteht und das System umsteckt…. 

7) Lichtschaltkreise

Betrete ich ein Hotel-Zimmer, so wirkt es oft, als wohne schon jemand anders dort. Der Fernseher läuft und überall leuchtet Licht. Ich bin aber ganz allein, auf dem Klo sitzt auch niemand. Hat sich dann meine Seele auch endlich im Zimmer eingefunden, mache ich mir es etwas gemütlicher. Dazu gehört zum Beispiel, das viele Licht im Zimmer reduzieren. Das ist aber oft gar nicht so einfach. Versuche ich den erstbesten Schalter, stehe ich danach fast im Dunklen. Probiere ich den Taster daneben, gehen nur die Mini-Spots an den Nachttischen an. Wähle ich dann einen anderen Lichtschalter am anderen Ende des Zimmers, durchfluten Decken-und Wandleuchten das Zimmer und es wird taghell. Und so geht das Spiel weiter. Die wirkliche Überraschung gibt es dann zum Ende des Tages. Wenn ich endlich müde im Bett liege und von dort aus das letzte Licht löschen will…

3) Fixierter Duschkopf

Neulich, in irgendeinem Hotel, machte ich Bekanntschaft mit einem echten Launen-Killer. Ich tappte verschlafen ins Bad und stellte mich in die enge Duschkabine. Üblicherweise nehme ich vor dem Duschen den Duschkopf in die Hand , um so ungefähr auf Kniehöhe die Wassertemperatur einzustellen. Erst wenn das geregelt ist, traue ich mich dann komplett unter das Wasser. Diesmal allerdings war der Duschkopf über mir fest installiert. Das wahre Grauen. Selbst wenn ich also die Mischbatterie auf ca. halbe / halbe einstelle und mich in eine Ecke der Kabine verkrieche, wird der erste Schwall kalt sein. Es wird passieren. Das ist absolut sicher.