219) Corona-Lektionen 94

Am Montag soll in Berlin die Schule wieder starten. In voller Klassenstärke, maskiert, getestet und intensiv belüftet. Mit jedem Wort dieser Einleitung werfen sich Falten auf meiner Stirn auf. Hoffentlich geht das gut.

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Kino
Ja, wir haben es mal wieder gewagt. Wir waren in einem Lichtspieltheater! Ihr wisst, so eine Einrichtung, wo man gegen Entgelt bewegliche Bilder auf einer Leinwand dargeboten bekommt. Inclusive erhitzen Maiskörnern, dunkler Brause aus Übersee und Tex-Mex-Tortilla-Chips mit warmer Käse-Sauce und grünen Chilli-Schoten. Eine nette Abwechslung, allerdings sollte man für das Eintritts-Procedere immer einen Pandemie-Zweit-Akku dabeihaben. Noch an der Tür wurde der digitale Impfpass kontrolliert, dann galt es bei Luca einzuchecken und natürlich die Tickets auf dem Handy vorzuzeigen. Mit FFP2 Kaffee-Filter vor dem Gesicht, die Hände voller Snacks, Getränke und Corona-Apps arbeiteten wir uns zu unseren Plätzen vor. Die Plätze wurden nur paarweise vergeben, unsere Brut also 5 Meter von uns entfernt platziert. „Der, der da so laut lacht und mit der Chips-Tüte raschelt??? Keine Ahnung, nee, der gehört nich’s zu uns, da müssen sie mal jemand anders fragen“ 😉

Demonstrationen
In den letzten Tagen wurde wieder gegen die Anti-Corona-Maßnahmen demonstriert in Berlin. Beobachter sprechen davon, dass das nicht mehr die heterogene Menge war, wie letztes Jahr, sondern ein verbitterter, gewaltbereiter Kern, der aus dem halben Bundesgebiet herangekarrt wurde. Zum einen ein bisschen beruhigend weil es so wenige waren, zum Anderen aber verstörend, weil diese Typen unberechenbar sind. Die Demo war verboten. Ich muss zurückdenken, als die ersten Demos genau vor einem Jahr in Berlin stattfanden. Bei einer Demo war ich ja selber als Beobachter dort und habe mir mal ein Bild gemacht

Rückblick August 2020:

Corona-Lektionen 37
Corona-Lektionen 39
Corona-Lektionen 40
Corona-Lektionen 41
Corona-Lektionen 42

Impfen
Das Impfen erhitzt die Gemüter, ganz besonders, die Diskussionen, ob geimpfte Menschen eher weitere Vorteile oder nichtgeimpfte Bürger eher Nachteile bekommen. Nichtgeimpfte Menschen von Restaurants und Veranstaltungen auszuschließen finde ich affig. Ich bin dafür, dass die Tests für Erwachsene irgendwann kostenpflichtig werden, dann wird sich das der Ein oder Andere noch mal überlegen, wenn man vor dem Kneipen-Besuch erst einmal 30 EUR für zwei Tests hinlatzen muss…

Die beste Nachricht der Woche erreichte mich Mitte der Woche:  Astrazeneca-Bestände werden an die internationale COVAX-Initiative abgegeben.

Das war auch längst überfällig! 

Schönen Sonntag!

<—Corona-Lektionen 93

–> Corona-Lektionen 95

 

 

214) Corona-Lektionen 91

Die morgendlichen Corona-Meldungen rauschen durchs Gehör wie Wetter und Verkehr. Für die Corona-Karte von Berlin wurden extra neue Grautöne entwickelt, nur damit bloß nicht so schnell „weiß“ genutzt werden muss. Also? War’s das? Können wir einpacken? Uns wieder anderen Dingen widmen? Da hab‘ ich noch Zweifel.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Fußball
Während hier eigentlich niemand so eine richtige Vorstellung hat, wie nach den Ferien die Schulen wieder öffnen sollen und die Kultur immer noch keine Perspektive hat, schafft König Fußball Erstaunliches. Geht es in manchen Stadien noch recht AHA ab, drehen die Fans in anderen Arenen völlig durch, brüllen sich an und liegen sich in den Armen. Man kann nur mutmaßen, was eigentlich besser wäre. Das Spektakel an einem Ort durchzuführen oder es als Corona-Wander-Zirkus weiterziehen zu lassen, damit sich das Delta-Dingsbums mal jede Metropole anschauen kann. Apropos „Delta“, ich sehe die Markenanwälte der gleichnamigen Airline quasi vor mir, wie sie eine Unterlassungsklage nach der anderen an die Mutante schicken. Die hat aber keinen Bock, das zu lesen.

Kleiderschrank
Schon in Corona Lektion 38 wollte ich schon meine Business-Klamotten anzünden, in Corona Lektion 68 immerhin in die Kleider-Tonne werfen. Ich habe nichts davon getan, konnte mich nicht trennen, obwohl es seit März 2020 nur eine Hand voll Gelegenheiten gab, davon mal etwas anzuziehen. Jugendweihe, Panel Discussion und Weihnachten. Zum Glück keine Beerdigung. Holz. Klopf. Letzten Dienstag gab es wieder eine Möglichkeit, ich war als Gast-Referent eingeladen, da hielt ich es mal für angemessen. Das stand ich vor meinem Kleiderschrank und schob die Hemden von rechts nach links. Die Auswahl wurde schnell kleiner, denn am besten bitte keine Streifen oder Karos, denn das „flirrt“ in der Video-Aufnahme und vielleicht nun nicht gerade dieselbe Farbe wie der Hintergrund der Meeting Software, sonst sähe ich aus, wie ein sprechender Kopf ohne Oberkörper. Die Business-Mode der Zukunft wird also nicht mehr durch Mode-Schöpfer erschaffen, sondern durch Software-Giganten diktiert. Bald tragen wir eh alle bald einen Business-Overall / White / Uni-Size.

Apropos Overall
Über meinen Alter Ego „Noah“ machte ich mir ab November 2019 zunehmend Gedanken über meine damaligen und künftigen Arbeitsformen. Noah trug damals schon Overall, er war seiner Zeit voraus. Selbst das Lunch kam täglich bis in seine Micro-Flat gefahren. Weit vor Corona, weit vor Höhlen-Office und Höhlen-Schooling. Kommentatoren machten sich schon Sorgen bezüglich meiner Verfassung, andere hielte das für reine Dystopie. Nun sind wir ungefähr dort angekommen und so falsch lag ich gar nicht. Beitragsreihe verpasst? Dann hier noch mal der Reihe nach lesen.

—> Hier gehts zur Reihe „New Work“ mit Noah … aber besser bei Teil 1 anfangen

Schönes Wochenende!

T.

<— Corona-Lektionen 90

–> Corona-Lektionen 92

205) Von der Rolle – Teil 2

Heute früh, fiel mir eine Zeitungsbeilage eines Küchenherstellers in die Hand. Nach dem oberflächlichen Durchblättern kribbelte es in meinen Fingerspitzen und ich hatte große Lust, einen zweiten Teil zu „Von der Rolle“ zu schreiben.

Von der Rolle – Teil 1 entstand im September 2020 und kam ganz gut an.

Also los geht‘s:

Seite 1: Typ in Business-Hemd und Kaschmir-Pullover kippt grinsend Essig auf einen tiefen Teller. Die Backofen-Uhr zeigt 12:30 Uhr.
Soll das etwa ein Homeoffice-Lunch darstellen? Ich habe ja schon viele Co-Worker in ihren Office-Höhlen gesehen, aber keiner trug Hemd und Pullover und keiner grinste, wenn es Salat mit Öl gab.

Seite 2: Lady im lachsfarbenen Pulli blättert im Kochbuch, im Ofen liegt ein Brot. Neben der Kochinsel steht ein Beistelltisch, darauf steht ein Laptop. Ah schon wieder Homeoffice.
Nee. Auf dem Display erstrahlt Startseite eines Versandhandels. Is‘ ja wieder typisch. Während der Kerl die Firma durch die Krise steuert, hockt sie zu Hause und denkt nur ans Shoppen.

Seite 4: Typ mit Bart und Zopf lehnt an der Arbeitsplatte, hält einen Kaffee in der Hand und lächelt seinem Vierbeiner zu. Zu seinen Füßen ein Fahrrad-Rucksack mit Zeichnungen.
Das muss wohl so ein neuer Wohlstandsgrüner sein. Gibt sich ganz regional mit Hund und Fahrrad, aber auf dem Tresen auf dem Tresen statt ein Obstkorb voller Südfrüchte

Seite 5: Lady mit Hochwasser-Hosen und hohen Absätzen nimmt einen Schneebesen aus der Schublade und lächelt etwas unsichtbares in Bodennähe an.
Kann kein Tier sein, kann kein Kind ein, die Küche sieht aus wie dreimal täglich geputzt. Ihr Göttergatte ist vermutlich Staatssekretär im Gesundheitsministerium und rettet die Nation, während sie mit dem Saugrobotter flirtet.

Seite 6: Junge Mama mit Kleinkind auf dem Arm, schenkt sich ein Glas Wasser ein. Auf dem Küchentisch liegen Laptop, Handy und irgendwelche Skizzen.
Also, wenn das die gestresste Mama sein soll, die Kind und Job unter einen Hut bringen muss, scheint es ihr ja ganz gut zu gehen. Sie lächelt noch über beide Ohren und der Laptop steht verkehrt herum, so kann man gar nicht arbeiten. Aber die über die Lehne geworfene Strickjacke zeugt nun wirklich von Verwahrlosung und Kontrollverlust. Man sollte das Jugendamt rufen.

Seite 8 und 9: Nur Küchen ohne Menschen.
Die Leute sind bestimmt alle systemrelevant und sind daher zur Arbeit gefahren. Aber ganz bei der Sache scheinen sich nicht zu sein, den in allen Backöfen brennt noch Licht.

Seite 10: Typ mit Wuschelkopf, Bart und Holzfäller-Hemd lehnt an Highboard und beobachtet die Aufbackbrötchen im Ofen. Er freut sich riesig und beisst in eine verstrahlte Riesen-Erdbeere. Auf dem Tisch liegt ein Tablet, die Küchenuhr zeigt 10:12 Uhr
Tja, in jeder Krise gibts auch Gewinner. Guten Morgen, schon aufgestanden?

Und sonst so?
Lego-Steine, Socken oder Frühstückskrümel auf dem Boden sucht man vergebens. Es scheint auch nicht nach Fischstäbchen zu riechen, die Fronten sind nicht mit Schoko-Creme* beschmiert und halbleere Kaffee-Tassen stehen auch nirgends herum. Alle Menschen tragen Straßenschuhe in ihren Küchen, sind bestens gekleidet und noch besser gelaunt. Keine Stapel von Schulbüchern auf dem Küchentisch, keine zerknüllten Mathe-Arbeitsblätter und keine angekauten Tinten-Killer. Keiner bockt weil er den Dreisatz nicht kapiert, keiner heult weil es einen Vortrag über die SPD schreiben gilt. Apropos Schüler. Wo sind die eigentlich auf den Bildern? Ach die sind bestimmt in ihren voll-equipten Einzelzimmern, sitzen an ihren Workstations und lauschen konzentriert der digitalisierten Lehrerschaft.

Schöne neue Welt.
Noch einen Schluck Soma gefällig?

*) ohne Palmfett natürlich 😉

<— Von der Rolle – Teil 1

195) Corona-Lektionen 81

Es fühlt sich zwar an wie März, ist aber Mai. Keine Sonne, wenig Wonne. Super Wetter gegen Virus- Spreader. … oh oh, das wird nun zu albern. Zurück zum Ernst.

Rückkehr in die Schule:
Das große Kind hatte nach 18 Wochen Abstinenz, die Schule dann doch wiedergefunden. Ab morgen heißt es für sie aber wieder „Schulisch angeleitetes Lernen von zu Hause“. Also im Wesentlichen „Selbststudium“

1. Der Präsenzanteil muss steigen! Nur so kann verhindert werden, das Kinder abgehängt werden und nur so können Eltern dann jemals wieder in ihrem eigentlichen Präsenz-Job nachgehen, sollte es mit weiterem Impffortschritt mehr Öffnungen geben.

2. Der Lehrplan muss hinterfragt werden. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Kinder keinen bleibenden Schaden davontragen, wenn sie in pandemischen Zeiten in Musik, Kunst, Textilarbeit und Sport etwas kürzer treten. Ich frage auch, ob es die richtige Zeit ist, die griechischen Götter oder Basketball-Regeln auswendig zu lernen. Jeder Personaler hätte doch Verständnis dafür, wenn es für zwei Jahre in diesen Fächern keine Noten auf dem Zeugnis gäbe. 

3. Und liebe Lehrkräfte, überlegt bitte, welches Unterrichtsformat in welcher Situation angebracht ist. Im Präsenzunterricht dann doch wieder Arbeitsblätter ausfüllen zu lassen, ist es ein Unding! Ach so … und noch etwas. Unsere Glasfaserleitung fühlt sich unterfordert. Sie hat noch freie Bandbreite, die könnt ihr gern noch mit Video-Unterricht auffüllen 😉

Rückblick
Manchmal rolle ich in meinen Corona-Lektionen zurück, nur um mal zu sehen, was ich denn da so vor einem Jahr gedacht habe.

In >Nummer 21 vom 02.05.202berichtete ich, wie ich das erste Mal mit Maske im Kaufland war und amüsierte mich prächtig über eine Kundin, die dort ständig „Bapu“ rief. Ist lustig 😉

In >Nummer 22 vom 05.05.2020 schrieb ich über erste zaghafte Schulöffnungen nach Lockdown 1 und wie sich das neue Gesichtstextil noch in die Familienroutinen integrieren muss.

In >Nummer 23 vom 07.05.2020 spürte ich eine erste Sättigung an Regeln und Vorschriften. Gleichzeitig fragte ich mich, wie es denn den Hamsterern so ergangen ist. Haben die 30 kg Ravioli gemundet? Ist die Rötung am Hinterteil wieder verschwunden?

Pandemie-Topping
Wem das aktuelle Pandemiegeschehen zu fad ist, wer noch etwas Sahne auf den trockenen Corona-Kuchen haben will, kann sich mal den Film „Contagion“ reinziehen. Den habe ich bei seinem Erscheinen vor zehn Jahren irgendwie verpasst, vielleicht fand ich den Inhalt damals auch irgendwie „unrealistisch“ und „an den Haaren herbeigezogen“. Es geht um eine Virus-Pandemie, die Suche nach einem Impfstoff, auftretende Mutationen, Verschwörungstheorien, Social Media, Angst und Panik. Damals hätte ich vermutlich gelassen in die Popcorn-Tüte gegriffen und den dort angesprochen R0-Wert sofort wieder vergessen.

Heute sind wir schlauer und erkennen, dass dieser Film doch sehr realistisch war.

Schönen Sonntag
T.

<— Corona-Lektionen 80

–> Corona-Lektionen 82

194) Corona-Lektionen 80

Der 80. Beitrag dieser Serie, … nun ja, … was gibt’s neues? Nüscht! Nur Höhlen-Office, ein paar Besorgungen und ein regelmäßiger Blick aufs Thermometer.

Der Frühling kommt nur in kleinen Dosen. Und zwar gut gekühlt. Wir sollten ihn besser zuteilen … priorisieren sozusagen.

Ein paar Gedanken der letzte Tage:

Notbremse
Ein Bundesgesetz regelt nun diverse Dinge bei Erreichen bestimmter Inzidenzen. Für uns hat sich rein gar nichts geändert. Aber es ist eine großartige Errungenschaft, dass man nun bundeseinheitlich bis 00:00 Uhr joggen kann. Allein. Mich würde ja echt mal interessieren, welcher Kreis das nun wieder durchgedrückt hat. Jetzt mal Hand aufs Sportler-Herz. Wart ihr das? Geht Ihr echt um 23:00 Uhr allein joggen … 

Schule
Das große Kind darf wieder in die Schule gehen. Nach unglaublichen 18 (!) Monaten war ihre Klassenhälfte nun wirklich dran. Ich hatte ja schon Wetten angenommen, dass das vor den Sommer-Ferien nicht mehr klappt. Kurzzeitig überlegte ich, ob wir wohl ihre Schultüte noch irgendwo herumzuliegen hatten. Die hätten wir ihr mitgeben können. Aber diesen ironischen Spaß hätte man wohl missverstanden. Aber so ist das nun mal mit ironischen Statements inmitten angespannter Pandemie-Situation. Sollten man vorher drüber nachdenken. Seitenhieb … Video-Künstler … ihr wisst schon.

Indien
Der ein oder andere weiß, dass ich regelmäßig mit Indischen Kollegen zu tun habe. Natürlich sprechen wir schon ein ganzes Jahr über Corona. Lockdown, Einschränkungen, die Schule der Kinder und so weiter. Seit ein paar Tagen komme ich nun aber an die Grenzen meines Englisch- Wortschatzes. Und zwar wenn sie aus erster Hand berichten, was da aktuell los ist. Wenn Sie erzählen, dass Familienmitglieder in Krankenhäusern liegen (… wenn sie Glück haben …) oder schon „passed away“ sind. Dann sprechen sie weiter von „Oxygen-Shortage“, „lack of ICU“ und … cousin … nephew … mother in law … und so weiter. Dann kriege ich kaum ein Wort über die Lippen. Was soll ich da sagen?

Und dann fragen sie mich, was hier so läuft …

Frohes Nachdenken allerseits
T.   

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—> Corona-Lektionen 81

190) Corona-Lektionen 79

Was für ein Sauwetter da draußen, wird es eigentlich gerade noch hell oder schon dunkel? Schwer auszumachen, ähnlich wie bei Corona.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Schule:
Der Sohn geht morgen mal wieder in die Schule, die Tochter noch nicht. Denn sie ist „A“. Pech gehabt, denn nächste Woche darf nur „B“ kommen. Und wenn sich das C weiter so verbreitet und die Inzidenz nach oben treibt, wird „B“ vermutlich nicht mehr so schnell in die Schule gehen. Die Mittelstufe hockt nun schon seit 14. Dezember zu Hause, das sind 18 (!) Wochen. Während mir langsam die Kopfhörer an den Ohren festwachsen, hatte das große Kind letzte Woche ganze 2 (!) Video-Calls. Digitales Lernen? Distanzunterricht? Hah! Deutsche Astronauten machten die „Sendung mit der Maus“ schon von der ISS aus, aber unser Bildungsapparat kriegt es seit 13 Monaten nicht auf die Reihe, regelmäßigen Video-Unterricht anzubieten. Auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sagt Frau Karliczek „Wir brauchen Mut zur Veränderung“. Was soll ich dazu sagen? Mehr als „bmbf“ kommt mir da nicht über die Lippen. Auf der Homepage unserer Ober-Digitalistin Dorothee Bär berichtet man von einem „Digitalgipfel am 30. November 2020“ auf dem man die „Digitale Schule von morgen“ diskutiert. Übernehmt euch bitte nicht. Macht doch bitte erst einmal digitale Schule von gestern! Von letzter Woche. Von letztem Monat! Vom letzten Jahr!

Lockdown:
Machen wir nun alles dicht? Besser noch nicht, wir warten mal noch ein klitze-kleines Bisschen. Und erfinden mal lieber noch ein paar Regeln. Die „Übersicht“ der aktuellen Regeln war am Wochenende in der Morgenpost abgedruckt. Diese Übersicht nahm eine halbe (!) Seite ein. Kein Wunder, dass viele Leute keinen Bock mehr haben. Nicht falsch verstehen, es muss Regeln geben, aber es ist zu viel und manches liest sich doch absurd. Zwischen 21:00 und 05:00 Uhr des Folgetags sind Zusammenkünfte mit haushaltsfremden Personen verboten. Alkohol kann man dagegen noch bis 23:00 Uhr kaufen, bevor es dann bis 06:00 Uhr am nächsten Morgen keinen Tropfen mehr gibt. Oh, das ist schon hart, oder? Also ich weiß ja nicht, wie es euch so geht, aber zwischen 22:30 und 05:30 Uhr liege ich normalweise im Bett. Vermutlich tut das die Mehrheit hier. Es gibt aber auch Idioten, die nachts im Park immer noch dicke Partys feiern. Sollen die Ordnungshüter doch mal bitte dort vorbeischauen. Jedem eine Ordnungsstrafe von 1.000 EUR, Intensivbettennutzungsverbot für die nächsten drei Jahre und den Park saubermachen. Mit der Hand!

Ich stelle fest, der Beitrag kippt ins Aggressive. Am besten ich mach jetzt mal Schluss für heute.

Und jetzt kommt auch die Sonne raus 😉

Schönen Sonntag noch

T.

<— Corona-Lektionen 78

—> Corona-Lektionen 80

182) Corona-Lektionen 77

Vor einem Jahr habe ich in >> Corona-Lektionen 10 noch drüber sinniert, was wohl “Positives“ aus der Krise erwachsen könnte. Nun, ein Jahr später haben wir über die Mutationen quasi eine neue Pandemie und hocken zu Ostern wieder daheim. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Realitäten
Eine Kollegin aus England fragte mich gestern, wie es denn bei uns so vorwärts ginge mit dem Impfen. Ich begann zu stammeln. „Ahhmmm … well … actually … slowly … very slowly … because other countries bought more than …, …. we are at … 5% (… weil „ihr“ alles aufkauft und nichts rausrückt ihr Linksfahrer !!!!!) … hätte ich am liebsten hinzugefügt. Habe ich dann aber doch nicht. Kann die ja auch nichts für. Und ich, als EU-Bürger bin ja schließlich nicht so egoistisch.

Mich erreichte eine Nachricht aus einem Slum-Resettlement im Süd-Osten von New Delhi. Wenn man da über die „Straße“ geht, steht man im Dreck. Ich war schon zweimal dort, ich weiß wovon ich rede. Zitat: „All schools and colleges are still closed here and its effected on the children education but children are online studying at home. I am also studying at home. What is your situation there?“ Was soll ich da antworten? Dass der Mathe-Lehrer ganze zwei Video-Calls in einem Jahr hingekriegt hat? Das für Studienräte in Deutschland „Lernmittelfreiheit“ besteht, man ihnen also die Medien nicht vorschreiben darf? Dass man „schon“ vor zwei Wochen ein Rahmen-Papier verabschiedet hat, wie das Home-Schooling künftig besser laufen soll. Ich lach’ mich schlapp. 

Die Osterferien haben gestern begonnen, viele Familien sind über alle Berge und vergnügen sich dort bei den sieben Zwergen. Oder bei den sieben Mallorcinos. Schön für sie. Und in Berlin munkelt man, ob die Ferien nach Ferien-Ende vielleicht noch einmal verlängert werden, um die Welle zu brechen. Um im heimischen Covid-Abklingbecken noch etwas auszudunsten, bevor die Brut dann wieder in die Schule geschickt wird. Welch klasse Idee! Nach zwei Wochen Fun auf Malle, gibt‘s dann vielleicht noch mal zwei chillige Wochen oben drauf. Na Großartig!

Wer hat noch nicht? Wer mag noch eine Runde? 

„Die Hände zum Himmel … komm lass uns fröhlich sein …“. 

Nun weiß ich nicht mehr, wie ich hier nun noch die Kurve zu einem optimistischen Abschluss kriegen soll. Ich fürchte, dass wird heute nichts mehr. Tut mir leid, vielleicht nächstes Mal wieder.

Nachtrag 19:00: sorry, der Beitrag war irrtümlicherweise als Nummer 78 veröffentlich, es ist aber „erst“ die 77

Nachtrag 21:45: mit der Pressekonferenz soeben, ist das Impfen mit AstraZeneca unter 60 Jahren ausgesetzt. Grmpf.

<— Corona-Lektionen 76

—> Corona-Lektionen 78

177) Corona-Lektionen 72

Am 11. März 2020, also vor einem Jahr, kam ich von meiner vorerst letzten Dienstreise zurück. Seitdem hocke ich im Homeoffice. Das machen viele andere auch, manche werden aber schon wieder in die Büros kommandiert. 

Mit diesem Beitrag möchte ich mal auf meine persönliche Homeoffice / Mobile Work Erfahrung zurückblicken.

Nun wird’s nostalgisch, nicht mehr in Sepia, aber mit weniger Mega-Pixel 😉

Zum Ende der 90-er Jahre durfte ich ein paar Mal einen „Abteilungslaptop“ mit nach Hause nehmen. Dieses schwere Ding konnte ich über ein 56k Modem mit dem Internet verbinden und fröhlich quietschend, empfing ich dann e-Mails und konnte auf Gruppenlaufwerke und Websites zugreifen. Etwas später bekam ich mein eigenes Gerät (stolze 3,8kg! ohne Netzteil und Tasche), das Ding konnte ich sogar im Hotel nutzen, ich musste nur mit etwas Kraft den Schreibtisch verschieben, um dahinter an die Telefon-Dose zu gelangen. Meistens ekelhaft, ging aber!

Ab 2002 hatte ich mal für zwei Jahre einen vollwertigen Telearbeitsvertrag. Mit ISDN-Zugang! Der Anschluss hatte sogar drei Leitungen. Da war ich schon viel „schneller“ im Netz unterwegs und konnte sogar parallel telefonieren! Dienstlich und Privat mit getrennten Rechnungen. Ein Meilenstein und schnell wie nie zuvor!

Mitte der nuller Jahre gab es dann Netmeeting*, später Livemeeting*. Mit denen konnte man sich in virtuellen Räumen treffen und sogar den Bildschirm teilen. Wow! Wahnsinn! Später kam dann der Communicator* hinzu, mit dem man zu dienstlichen Zwecken „chatten“ konnte. Chatten zu Dienstzwecken? Pfui! Teufelszeug! Das setzt sich nie durch, wurde laut getönt.

So und wo sind wir jetzt? Die Technik ist viel ausgereifter, die meisten habe eine Flat Rate, wir chatten uns die Finger wund, nutzen Video und anderen Moderations-Schnick-Schnack. Gesetzgeber und betriebliche Regelungen kommen aber nur mühsam hinterher. Beim dezentralen Arbeiten wurde also … gelinde gesagt … circa … 20 Jahre … gepennt. Es brauchte einen kleinen miesen Corona-Virus, der diesen Misstand im letzten Jahr ans Tageslicht brachte. Na wenigstens etwas.

Tut mir leid, Note Sechs, setzen. Bitte nun endlich die Hausaufgaben machen bitte!

*) alles Produkte der Firma Microsoft, will ich hier nur vollständigkeitshalber erwähnen, kriege aber kein Geld dafür und ist bitte nicht als Werbung zu verstehen.

<— Corona-Lektionen 71

—> Corona-Lektionen 73

173) Corona-Lektionen 68

Der Countdown läuft. Noch ganze drei Wochen, dann habe ich ein Jahr im Corona-Homeoffice absolviert. Wer hätte das je gedacht. Tschakka! I made it! Mission accomplished!

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Schaden:
Aus irgendeinem Grund fliegt mir seit Tagen das Wort „Schaden“ durch den Kopf. Ist es der Kreuzschaden nach soviel Homeoffice? Der Sehschaden weil wir noch auf Flachbildschirme glotzen oder der Hörschaden, weil wir den ganzen Tag die Kopfhörer CT aufhaben? Oder der Sachschaden, der Totalschaden für so manchen Unternehmer. Oder ist es der Dachschaden, den wir nach Corona haben werden? Puh. Das zieht runter, ich versuche es noch mal anders

Lunch im Homeoffice:
Homeworker 1: „Ich habe heute zwischen 11:30 und 12:30 mal nichts, wir könnten ja gemeinsam rausgehen, uns etwas zum Mittag besorgen.“
Homeworker 2: „Ich kann nicht, ich will über Mittag mal kurz in die Firma, etwas abholen.“
Schoolboy: „Also ich habe von 11:00 bis 12:30 ein Meeting, ich habe da keine Zeit.“
Schoolgirl: „Geht nicht, ich habe ein Meeting von 09:00-14:00, weiß noch nicht wann Pause ist.“
Aha … Mahlzeit 

Auslandsreise:
Vor knapp einem Jahr habe ich mich mit meiner vorerst letzten > Auslandsreise nach Bukarest beschäftigt. Was nehme ich mit? Wie komme ich vom Hotel in die Firma? Was kann man abends noch so machen? Alles Geschichte. Seitdem hängen die Business-Outfits im Schrank. Dreimal haben sie es bislang nach draußen geschafft. Letzte Reise nach München im März, Jugendweihe im April und eine Online-Podiums-Diskussion im Oktober. Vermutlich wären die Klamotten in der Kleidertonne besser aufgehoben.
Es zieht immer noch runter, oder? 

Frühling:
Der Frühling kommt! Juchuuu! Es wird besser. Die dicke Winterjacke habe ich weit hinten im Schrank verstaut. Beim Durchsehen der Taschen, fand ich eine Maske. Ich entschied mich dafür, sie in der Jacke zu lassen. Denn dann bleibt die Entwicklung offen und beim nächsten Super-Winter habe ich dann entweder …

A) etwas zum Schmunzeln
ODER
B) eine Maske für den Super-Markt

Ja, ich weiß was ich will 😉

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—> Corona-Lektionen 69

171) Corona-Lektionen 66

Global Warming hat uns einen Wintereinbruch beschert. Schnee, Wind und Eiseskälte toben draußen. Bloß gut, dass wir ein Dach über dem Kopf haben. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Neues Lernen
Bevor mein Text gleich auf Stammtisch-Niveau fällt, möchte ich noch einen wichtigen Betrag von Sarah teilen. >>Was Lehrerinnen und Lehrer brauchen um wirklich guten Unterricht halten zu können. Während wir Elternhäuser auf den analogen Schulen herumhacken können, hat sie sich aus Sicht der Lehrkräfte ein paar Gedanken gemacht, wie die Transformation der Institution Schule gelingen kann. Denn da ist noch so viel zu tun. 

Die Schule einer unserer Home-Schüler hat es bis heute nicht gepackt, die Halbjahreszeugnisse auszuteilen. Und das ist sogar ein ganz analoges Vorgehen, was doch trotz Corona-Vorsichtsmaßnahmen irgendwie gehen müsste. Vielleicht sollte man die Verteilung den Paketboten überlassen. Sorry, jetzt ist es so weit … das Niveau fällt nun konstant.

Impfgeschehen
Schon bevor die erste Seniorin am 27.12.2020 geimpft wurde, brach immer wieder die Diskussion über „Sonderrechte für Geimpfte“ durch. Mal abgesehen davon, dass wir noch lange nicht die Impfgeschwindigkeit haben und die Fragestellung rechtlich / moralisch / ethisch zu den Schwierigeren gehört, gehts mir jetzt mal nur um die Wortwahl. „Für Geimpfte“… wie das klingt, oder? Zwar immer noch besser als „für Vaccinierte“, erinnert es mich aber sehr schnell an „entwurmte“ Katzen oder „gechipte“ Hunde. Die Türsteher müssen nun alle weitergebildet werden. Da ist keine Zeit zu verlieren! „Alda, bist’ geimpft? Sonst kommst‘ hier nit rein.

Veranstaltungen
Ach ja, seufz… . So ein krachendvolles Kino, Nachos mit Käse-Sauce auf dem Schoß und ein Bier in der Hand, was dem Ende naht, bevor auch nur der Film beginnt. Das fehlt schon, oder? Während man das Kino-Erlebnis zu Hause halbwegs nachbilden kann, steht es um den Fußball im Stadion ganz übel. Nun bin ich wahrlich kein großer Fußball-Fan, aber diese leeren Ränge sind ja immer noch schlimm anzusehen. Das Stadion ist vollgepackt mit Übertragungs-und Analyse-Technik, sie kriegen es aber nicht hin, die Distanz zum Zuschauer abzubauen. In der Video-Konferenz-Software der Firma „Winzigweich“ gibts einen „Zusammen-Modus“, da werden alle Teilnehmer wie in einem Hörsaal nebeneinander und übereinander gesetzt. Das ist oft ganz lustig. So stelle ich mir ein Bundesliga-Spiel vor … mit 70.000 Besuchern … wo man sein unrasiertes Corona-Face auf den Rängen jubeln sieht. Das ist die Zukunft! Man sitzt bequemer, es gibt keine Randale und auch keine Bengalos. Man muss keine Maske tragen und beim Klo steht man auch nicht mehr an. Außer die Stadion-Wurst. Die würde schon fehlen. Aber die kann man ja online bestellen 😉 Aber mit doppelt Senf bitte!

Schönen Sonntag.

T.

<— Corona-Lektionen 65

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