31) New Work – Teil 9

Fortsetzung …

Der Rechner seines ehemaligen Arbeitgebers fuhr herunter und sollte nie mehr erwachen. Zumindest nicht unter Noahs Fingern. Mit dem Laptop gingen auch seine Daten, Projekte und Referenzen. Er war ein „Niemand“. Ein unbeschriebenes Blatt.

Er ging seine Optionen durch. Neuorientierung? Etwas ganz anderes machen? Ja, warum nicht. Aber solche Veränderungen brauchen Zeit. Still war es in seiner Mirco-Flat. Die Stimme aus der Zimmerdecke schien gegangen. Wurde sie auch deaktiviert? Sollte sie nie mehr auf Meetings und Aufgaben hinweisen? Ihm Struktur und Orientierung geben? Noah fühlt sich allein, geht zum Fenster und schaut wieder auf die Dächer des Wohnviertels. Denk nach! Doch dann wird er unterbrochen.

Gong: „Noah, gemäß §11 der Geschäftsbedingungen für virtuelle Zusammenarbeit, bleibe ich als  Assistenz-System implementiert und werde auf Arbeitspakete und Abgabetermine hinweisen.

Das war es erst einmal mit dem Nachdenken. Na großartig, erst schmeißen sie mich raus, aber deren diktatorische Abhöranlage bleibt mir erhalten, dachte Noah.

Gong: „Noah, es wurden soeben 14 passende Arbeitspakete ermittelt. Vertragsunterlagen und weitere Instruktionen wurden an deinen privaten Mail-Account verschickt. Interessenten können bis 10:00 Uhr ihre Gebote einreichen.

Er spürt Spannung im rechten Mittelfinger, unterdrückt aber seine Wut. Er startet seinen privaten Rechner, folgt der E-Mail, wählt sich in die Arbeitsplattform ein und überfliegt die Arbeitspakete. Fachlich könnte er sie alle bedienen und sie würden ihn ein paar Tage beschäftigen. Jedes Paket war mit einer Aufwandsschätzung gekennzeichnet, jedoch gab es keine Angaben zur Vergütung. Die Anzahl der Gebote war hingegen für jeden Job sichtbar. Und sie stiegen kontinuierlich an. Noah klickt auf einen dieser Zähler und erhält eine Liste aller Mitbietenden. Martin75, SvenK, Juergen_F und so weiter. Ob er wohl einen von denen kennt? Sind das vielleicht seine Ex-Kollegen? Jeder User Name ist mit einer zusätzlichen Sternebewertung versehen. Bei den folgenden Namen auf der Liste, beginnt er zu ahnen, dass das kein Spaziergang wird.

JamalX, Ranjid_4.0, Santosh2020 und Rajni2. Er schnappt nach Luft. Es scrollt weiter nach unten. Han_04, ShengBao, TianLi und Luan2018. Sie alle tragen 4 oder 5 Sterne hinter ihren Namen. Noahs Account hat hingegen noch keinen einzigen Stern. All diese User haben Gebote abgegeben, aber niemand kann die Gebote der anderen sehen. Den Namen nach, sind das alles Co-Worker aus Asien, die würden nur einen Bruchteil dessen verlangen, was er zum Leben bräuchte. Da kann er ja gleich einpacken. 

Oder wurden diese Identitäten nur erfunden, um sein Gebot zu drücken?
Was kriegen denn die anderen User von ihm zu sehen?
Gibt es überhaupt andere User die mitbieten?
Ist er vielleicht ganz allein hier?

Fortsetzung folgt

<— Zum Anfang der Serie

<— New Work – Teil 8

 

178) Corona-Lektionen 73

An dem Sonntag genau vor einem Jahr, hatten wir noch keinen blassen Schimmer, was es bedeuten würde, wenn beide Eltern im Homeoffice arbeiten und die Kids im Homeschooling lernen sollten. Einen Tag später, am 16.03.20 bekamen wir dann schon den Aperitif gereicht und ahnten bereits, dass es kein Zuckerschlecken werden würde. Nun, unzählige WLAN-Resets, Instant-Suppen und Spiegeleier später, darf auch das zweite Kind morgen mal in die Schule gehen und Präsenzluft schnuppern. Aber nur durch eine Maske natürlich.

Apropos Maske
Ein Kind sagt zum Frühstück, es könne sich gar nicht mehr vorstellen wie es so wäre, ohne Maske zum Supermarkt zu gehen oder Bahn zu fahren. Tolles Thema zum Spekulieren. 

  • Wie würde es sein, wenn irgendwann ein Kollege mit ausgestreckter Hand vor mir steht?
  • Wenn ich mal wieder reisen würde und zwei Reihen hinter mir im Flieger jemand herzhaft niest?
  • Ich mit Maske eine Bank betreten würde und mich sofort ein Sicherheitsmann zu Boden streckt?
  • Oder wir mal wieder eine Party schmeißen und zig Leute bei uns in der Küche stehen? Werde ich da völlig hilflos sein? Verklemmt? Blockiert? Asozial?

Ich glaube, wir müssen erst einmal alle wieder zur Abendschule gehen und den Kurs „Soziales Miteinander – Part 1“ besuchen. Und nur wenn man das Zertifikat der VHS in den Händen hat, darf man wieder unter Menschen gehen. Vorausgesetzt geimpft. 

Erschöpfung
Irgendwie fällt mir auf, dass ich bereits Mitte der Woche schon platt bin. Kollegen berichten auch von diesem Phänomen. Werden wir einfach nur älter? Ist es die Arbeitsmenge, die Geschwindigkeit? Oder das immer gleiche Corona-Hamsterrad was so an uns zehrt? Ich glaube wir sind einfach alle nur „an oder mit Corona“ …. erschöpft.

Wortwahl
Es gibt Worte und Redewendungen, die wurden in der Pandemie erfunden, andere gab es schon eher, wurden aber in den letzte Monaten häufiger ausgesprochen. In Corona Lektion 71 ging es um das Wort „eigentlich“. Ein anderes solches Wort ist aber auch „eh“. Zum Beispiel so wie in …

  • „Wir sind eh zu Hause“
  • „Ich bin eh noch nicht dran“
  • „Wegfahren werden wir vermutlich eh nicht“.

Oh, ich merke, der Beitrag driftet ins Moll ab, sorry.

Wo habe ich nur wieder mein Dur hingelegt? Ich gehe mal beim Nachbarn klingeln, ob der vielleicht noch etwas Dur im Schrank hat.

Eine schöne Woche!

<— Corona-Lektionen 72

—> Corona-Lektionen 74

177) Corona-Lektionen 72

Am 11. März 2020, also vor einem Jahr, kam ich von meiner vorerst letzten Dienstreise zurück. Seitdem hocke ich im Homeoffice. Das machen viele andere auch, manche werden aber schon wieder in die Büros kommandiert. 

Mit diesem Beitrag möchte ich mal auf meine persönliche Homeoffice / Mobile Work Erfahrung zurückblicken.

Nun wird’s nostalgisch, nicht mehr in Sepia, aber mit weniger Mega-Pixel 😉

Zum Ende der 90-er Jahre durfte ich ein paar Mal einen „Abteilungslaptop“ mit nach Hause nehmen. Dieses schwere Ding konnte ich über ein 56k Modem mit dem Internet verbinden und fröhlich quietschend, empfing ich dann e-Mails und konnte auf Gruppenlaufwerke und Websites zugreifen. Etwas später bekam ich mein eigenes Gerät (stolze 3,8kg! ohne Netzteil und Tasche), das Ding konnte ich sogar im Hotel nutzen, ich musste nur mit etwas Kraft den Schreibtisch verschieben, um dahinter an die Telefon-Dose zu gelangen. Meistens ekelhaft, ging aber!

Ab 2002 hatte ich mal für zwei Jahre einen vollwertigen Telearbeitsvertrag. Mit ISDN-Zugang! Der Anschluss hatte sogar drei Leitungen. Da war ich schon viel „schneller“ im Netz unterwegs und konnte sogar parallel telefonieren! Dienstlich und Privat mit getrennten Rechnungen. Ein Meilenstein und schnell wie nie zuvor!

Mitte der nuller Jahre gab es dann Netmeeting*, später Livemeeting*. Mit denen konnte man sich in virtuellen Räumen treffen und sogar den Bildschirm teilen. Wow! Wahnsinn! Später kam dann der Communicator* hinzu, mit dem man zu dienstlichen Zwecken „chatten“ konnte. Chatten zu Dienstzwecken? Pfui! Teufelszeug! Das setzt sich nie durch, wurde laut getönt.

So und wo sind wir jetzt? Die Technik ist viel ausgereifter, die meisten habe eine Flat Rate, wir chatten uns die Finger wund, nutzen Video und anderen Moderations-Schnick-Schnack. Gesetzgeber und betriebliche Regelungen kommen aber nur mühsam hinterher. Beim dezentralen Arbeiten wurde also … gelinde gesagt … circa … 20 Jahre … gepennt. Es brauchte einen kleinen miesen Corona-Virus, der diesen Misstand im letzten Jahr ans Tageslicht brachte. Na wenigstens etwas.

Tut mir leid, Note Sechs, setzen. Bitte nun endlich die Hausaufgaben machen bitte!

*) alles Produkte der Firma Microsoft, will ich hier nur vollständigkeitshalber erwähnen, kriege aber kein Geld dafür und ist bitte nicht als Werbung zu verstehen.

<— Corona-Lektionen 71

—> Corona-Lektionen 73

175) Corona-Lektionen 70

So langsam dürfte sich bei jedem von uns das einjährige Corona-Jubiläum einstellen, oder? „Weißt du noch, vor einem Jahr?“ höre ich recht häufig dieser Tage. Und ich denke auch daran zurück.

Blick zurück:
Genau vor einem Jahr war ich noch in >> Bukarest und habe mich kurz danach über die heimischen >> Hamsterkäufe aufgeregt. Das Wort “Corona“ fand am 29. Februar erstmals Einzug in meinen Blog. Hielten wir das vorher alle noch für eine Biermarke aus >> Mexico oder ein Sonnenspektakel, sind wir mittlerweile zu 4-Sterne-Virologen und digitalen Heimwerkern mutiert. Unsere Kinder haben bereits mehr Homeoffice und Teilzeitmodelle kennengelernt, als wir jemals bei Chef oder Chefin durchsetzen konnten.

Reisen:
Die Lusthansa hat mir ihren Shopping-Katalog Frühjahr/Sommer 21 geschickt. Ich blättere kurz durch und habe die Wahl zwischen 36 Seiten Haushaltsgeräten (… nach Haushalt ist mir aber nun gerade mal gar nicht … ) und 25 Seiten rollendem Reisegepäck. Wollt ihr mich verarschen? Die Rubrik Vinothek hat nur noch magere 7 Seiten. Oh, oh. Alles abverkauft. Das bringt mich zum Thema Langzeitwirkung.

Langzeitwirkung:
Wir haben gelernt, dass Corona nicht nur die Lunge angreift, sondern auch den Rücken und das Oberstübchen. Und es macht die Haare grau. Lege ich mir eigenhändig einen Kurzhaarschnitt zu, muss ich mich an der Mülltonne schon gegenüber Nachbarn rechtfertigen. „Hey, sag mal, warst du etwa beim Frisör?“ Ich setze mittlerweile schon ein Perücke auf, damit mich bloß keiner anschwärzt. Aber was macht das alles langfristig mit uns? Kinder, die in dieser Zeit geboren wurden, haben vermutlich schon einen Knacks weg. Den meisten Menschen auf diesem Planeten fehlen Mund und Nase und die eigene Omma will sie nicht anfassen oder mal auf den Arm nehmen. Was soll aus denen nur werden? Bei der Fußball-WM in 12 Jahren wird Deutschland vermutlich so dermaßen abkacken, weil unsere Jungs seit Wochen nicht auf dem Platz waren. Und die bemannte/befraute Mars-Mission wird auf Jahre verschoben, weil sich keine Astronauten finden, die monatelang auf engem Raum zusammenleben wollen ;-

Schönes Wochenende!

<— Corona-Lektionen 69

—> Corona-Lektionen 71

174) Corona-Lektionen 69

Der Frühling hat sein erstes Gastspiel. Im Stadtpark um die Ecke fuhren letzte Woche noch fette SUVs vor und luden ihre Eigner samt Ski-Ausrüstung aus. Jetzt spielen die Hipster da oben ohne Volleyball. Ich komm da kaum noch mit.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Impfen:
Meine Güte. Zuerst war kein Stoff da, jetzt schicken die Briten ein paar Pullen rüber und jetzt passt es nun auch wieder nicht. Das Zeug schützt ja „nur“ zu 70% und danach gehts dir vielleicht zwei Tage nicht gut. Ey, jetzt hört doch mal auf zu flennen! Was ist das nur für ein Wohlstand-Genöle? Wer das nicht haben will, der soll mir das mit der Post schicken, ich haue mir das auch selber in den Arm. 

Menscheln:
Als Jemand, der gut und gerne mal allein sein kann, haben mir die Kontaktbeschränkungen im letztem Jahr eigentlich wenig ausgemacht. Vor ein paar Tagen jedoch, habe ich mich doch aber glatt beim „menscheln“ erwischt. Nee, nicht googeln, nicht daddeln, nicht nextflixen. Sondern menscheln! Ich war beim Zahnarzt (wo man mich eigentlich nur unter Androhung von Gewalt hinkriegt) und ich verbrachte dort eine wirklich nette Stunde. Ich habe seit langem nicht mehr soviel mit Menschen außerhalb Arbeit/Familie gequatscht. Wir machten gleich weitere Termine fürs Frühjahr aus. Ich freue mich schon und fühle mich wie John Dunbar im Fort Sedgwick 😉  

Fernreisen:
Wer dieser Tage einer Fernreise machen will, muss kreativ sein. Ich hab’s versucht.

  1. Zunächst war ich im Asia-Lebensmittelladen, bin durch die Gänge gestreift, habe gerochen und gefühlt. Als ich wieder draußen war, hatte ich die Zutaten fürs Dinner und zwei Flaschen Singha in der Hand. Kingfisher gab‘s leider nicht. 
  2. Zum Abend gab es Indischen Blumenkohl mit Papadams und Raita. Und das Bier aus Thailand natürlich. Nicht ganz passend, aber Annapurna wird es verzeihen. 
  3. Für die Unterhaltung folgte dann ein 2,5-stündiger Bollywood-Actionfilm mit Super Star Shah Rukh Khan. Natürlich auf dem Tablet und mit Kopfhörern im Liegesessel. So fühlte ich mich dann wie auf einem >> Langstreckenflug kurz hinter Dubai, über dem Arabischen Meer. Nur ohne Luftloch. Und warme Tücher wurden auch nicht gereicht, dafür musste ich aber beim Klo nicht anstehen. Und es gab keinen Nebenmann der furzte und schnarchte. Oder aber schallend über alte Mr. Bean-Folgen lachte 😉

Ein guten Start in die nächste Homeoffice/Homeschooling-Woche!

<— Corona-Lektionen 68

—> Corona-Lektionen 70

173) Corona-Lektionen 68

Der Countdown läuft. Noch ganze drei Wochen, dann habe ich ein Jahr im Corona-Homeoffice absolviert. Wer hätte das je gedacht. Tschakka! I made it! Mission accomplished!

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Schaden:
Aus irgendeinem Grund fliegt mir seit Tagen das Wort „Schaden“ durch den Kopf. Ist es der Kreuzschaden nach soviel Homeoffice? Der Sehschaden weil wir noch auf Flachbildschirme glotzen oder der Hörschaden, weil wir den ganzen Tag die Kopfhörer CT aufhaben? Oder der Sachschaden, der Totalschaden für so manchen Unternehmer. Oder ist es der Dachschaden, den wir nach Corona haben werden? Puh. Das zieht runter, ich versuche es noch mal anders

Lunch im Homeoffice:
Homeworker 1: „Ich habe heute zwischen 11:30 und 12:30 mal nichts, wir könnten ja gemeinsam rausgehen, uns etwas zum Mittag besorgen.“
Homeworker 2: „Ich kann nicht, ich will über Mittag mal kurz in die Firma, etwas abholen.“
Schoolboy: „Also ich habe von 11:00 bis 12:30 ein Meeting, ich habe da keine Zeit.“
Schoolgirl: „Geht nicht, ich habe ein Meeting von 09:00-14:00, weiß noch nicht wann Pause ist.“
Aha … Mahlzeit 

Auslandsreise:
Vor knapp einem Jahr habe ich mich mit meiner vorerst letzten > Auslandsreise nach Bukarest beschäftigt. Was nehme ich mit? Wie komme ich vom Hotel in die Firma? Was kann man abends noch so machen? Alles Geschichte. Seitdem hängen die Business-Outfits im Schrank. Dreimal haben sie es bislang nach draußen geschafft. Letzte Reise nach München im März, Jugendweihe im April und eine Online-Podiums-Diskussion im Oktober. Vermutlich wären die Klamotten in der Kleidertonne besser aufgehoben.
Es zieht immer noch runter, oder? 

Frühling:
Der Frühling kommt! Juchuuu! Es wird besser. Die dicke Winterjacke habe ich weit hinten im Schrank verstaut. Beim Durchsehen der Taschen, fand ich eine Maske. Ich entschied mich dafür, sie in der Jacke zu lassen. Denn dann bleibt die Entwicklung offen und beim nächsten Super-Winter habe ich dann entweder …

A) etwas zum Schmunzeln
ODER
B) eine Maske für den Super-Markt

Ja, ich weiß was ich will 😉

<— Corona-Lektionen 67

—> Corona-Lektionen 69

171) Corona-Lektionen 66

Global Warming hat uns einen Wintereinbruch beschert. Schnee, Wind und Eiseskälte toben draußen. Bloß gut, dass wir ein Dach über dem Kopf haben. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Neues Lernen
Bevor mein Text gleich auf Stammtisch-Niveau fällt, möchte ich noch einen wichtigen Betrag von Sarah teilen. >>Was Lehrerinnen und Lehrer brauchen um wirklich guten Unterricht halten zu können. Während wir Elternhäuser auf den analogen Schulen herumhacken können, hat sie sich aus Sicht der Lehrkräfte ein paar Gedanken gemacht, wie die Transformation der Institution Schule gelingen kann. Denn da ist noch so viel zu tun. 

Die Schule einer unserer Home-Schüler hat es bis heute nicht gepackt, die Halbjahreszeugnisse auszuteilen. Und das ist sogar ein ganz analoges Vorgehen, was doch trotz Corona-Vorsichtsmaßnahmen irgendwie gehen müsste. Vielleicht sollte man die Verteilung den Paketboten überlassen. Sorry, jetzt ist es so weit … das Niveau fällt nun konstant.

Impfgeschehen
Schon bevor die erste Seniorin am 27.12.2020 geimpft wurde, brach immer wieder die Diskussion über „Sonderrechte für Geimpfte“ durch. Mal abgesehen davon, dass wir noch lange nicht die Impfgeschwindigkeit haben und die Fragestellung rechtlich / moralisch / ethisch zu den Schwierigeren gehört, gehts mir jetzt mal nur um die Wortwahl. „Für Geimpfte“… wie das klingt, oder? Zwar immer noch besser als „für Vaccinierte“, erinnert es mich aber sehr schnell an „entwurmte“ Katzen oder „gechipte“ Hunde. Die Türsteher müssen nun alle weitergebildet werden. Da ist keine Zeit zu verlieren! „Alda, bist’ geimpft? Sonst kommst‘ hier nit rein.

Veranstaltungen
Ach ja, seufz… . So ein krachendvolles Kino, Nachos mit Käse-Sauce auf dem Schoß und ein Bier in der Hand, was dem Ende naht, bevor auch nur der Film beginnt. Das fehlt schon, oder? Während man das Kino-Erlebnis zu Hause halbwegs nachbilden kann, steht es um den Fußball im Stadion ganz übel. Nun bin ich wahrlich kein großer Fußball-Fan, aber diese leeren Ränge sind ja immer noch schlimm anzusehen. Das Stadion ist vollgepackt mit Übertragungs-und Analyse-Technik, sie kriegen es aber nicht hin, die Distanz zum Zuschauer abzubauen. In der Video-Konferenz-Software der Firma „Winzigweich“ gibts einen „Zusammen-Modus“, da werden alle Teilnehmer wie in einem Hörsaal nebeneinander und übereinander gesetzt. Das ist oft ganz lustig. So stelle ich mir ein Bundesliga-Spiel vor … mit 70.000 Besuchern … wo man sein unrasiertes Corona-Face auf den Rängen jubeln sieht. Das ist die Zukunft! Man sitzt bequemer, es gibt keine Randale und auch keine Bengalos. Man muss kein Maske tragen und beim Klo steht man auch nicht mehr an. Außer die Stadion-Wurst. Die würde schon fehlen. Aber die kann man ja online bestellen 😉 Aber mit doppelt Senf bitte!

Schönen Sonntag.

T.

<— Corona-Lektionen 65

—> Corona-Lektionen 66

169) Corona-Lektionen 65

Berlin hat schon wieder Ferien. 
Oahhhh großartig!
Dann können wir endlich mal nicht wegfahren. 
Fantastisch, das wird sicher gut!
Wir könnten ja mal den Stadtpark entdecken. 
Toll! Ja, das ist ja mal ganz was Neues.
Stattdessen können wir ja auch mal zu Hause bleiben.
Wunderbar! Als täten wir das nicht schon seit Monaten. 

Homeoffice wird Homework
Da ich meinen Resturlaub nicht im Berliner Schmuddelwetter abbummeln wollte, entschloss ich mich für ein Job-Rotation-Programm. Also tauschte ich Laptop gegen Pinsel und verwirklichte mich die letzten Tage als Maler und Tapezierer. Zu Hause. Wo sonst. So stand ich drei Tage auf der Leiter und ließ die Farbrolle und Gedanken kreisen. Besser jetzt im Februar als dann im Sommer, wenn wir uns vermutlich alle wieder an der Ostsee die Ellbogen in die Rippen rammen. Wenn … , … ach lassen wir das.

Lesen 1
Beim Abdecken von Möbeln konnte ich die Zeitungen der letzten Tage ganz gut einsetzen. Bei den Anzeigen blieb meine Aufmerksamkeit einen Moment hängen. Die ganze Rubrik „Reisemarkt“ bot nur zwei Anzeigen. Im Schwarzwald hat man noch Betten, im Spreewald bietet die „Waldhütte“ neu ausgestattete Zimmer und Bäder. Hunde sind erlaubt. Bin mir nicht sicher, ob die wirklich Gäste suchen, vermutlich haben die ein Jahresvertrag mit der Zeitung und kriegen die Annonce nun nicht mehr raus. Die Traueranzeigen dafür, belegen neuerdings eine ganze Seite. Das war „früher“ nicht so oder täuscht das? 

Lesen 2
An den Abenden konnte ich ein Buch beenden, dass schon länger darauf wartete. Es ist schwere Kost, zu der ich in den letzten Wochen nicht immer Appetit hatte. Aber es war ein wichtiges Buch und es hat mich schwer berührt. Seweryna Szmaglewska, eine politische Gefangene aus Polen, verbrachte zwischen 1942 bis 1945 schwere Jahre im KZ Auschwitz-Birkenau und schrieb kurz nach der Befreiung ihre Erlebnisse auf. 450 Seiten Lageralltag in all seiner Brutalität und ausweglosen Monotonie. Dagegen ist unser Alltag aktuell das reine Vergnügen. Eigentlich halte ich mich ja hier mit Literatur-Empfehlungen zurück, aber dieses Buch sollte zum Standard-Werk für Heranwachsende werden. Ich behaupte mal, da lernt die Jugend mehr als bei Goethes „Faust“ oder Shakespeares „Romeo und Julia“.

Und sonst so? Morgen geht’s wieder auf die Leiter.

<— Corona-Lektionen 64

—> Corona-Lektionen 65

168) Corona-Lektionen 64

Schon 45 Wochen im Office! Törrööööööö“. I made it. Well done.  Tschakka. Das Modem glüht, ich verlasse die Online-Meetings schon gar nicht mehr, denn dann muss ich mich beim nächsten Mal auch nicht mehr einwählen. Spart Zeit.

Ein paar Gedanken aus der letzten Woche:

Homeoffice:
Am Montagmorgen stand ich im Badezimmer, schaute zerknautscht in den Spiel und hörte bei der Zahnpflege wie immer die Nachrichten. Stau auf der B2 nach Berlin, Stau am Potsdamer Platz, Stau hier und da. Gab es nicht eigentlich einen eindeutigen Aufruf der Politik, vermehrt Homeoffice anzubieten? Wie kann denn da eigentlich ein Stau entstehen? Das, was mir so langsam auf die Ketten geht, ist bei anderen Firmen immer noch Sience-Fiction. Den Arbeitnehmer ohne Aufsicht zu Hause arbeiten lassen? Au weiha. Wie schlimm. Der pult bestimmt den ganzen Tag an den Fußnägeln oder glotzt Netflix. Liebe Arbeitgeber dieser Kategorie: Wenn ihr so denkt und mir dann einen Headhunter auf den Hals hetzt, vergesst es. Ich werde nie und nimmer bei euch anheuern. Nie! Spart euch Anrufe und e-mails.

Wortwahl:
Beim Online-Tagesspiegel sah ich neulich einen Aufmacher mit dem Titel „10 Überlebenstipps von Erzieherinnen: Wie Sie im Homeoffice mit dem Kind den Lockdown überstehen.“ Also beim Tagesspiegel werde ich auch nie arbeiten! Erstens falsch gegendert, zweitens überhaupt nicht zielführend und drittens völlig überdreht. Aber auch das eigentlich von mir sehr geschätzte „Heute Journal“ sprach von „Folterwerkzeugen“ der EU gegenüber AstraZeneca. Muss diese Wortwahl sein? Ist die Lage nicht schon angespannt genug? Also to do-Liste öffnen und neuen Eintrag aufnehmen. „Brief an ZDF schreiben.“

Selbsttests:
Ach wie wäre es schön, sich selber zu Hause testen zu können, ohne sich so ein Stäbchen bis an die Schädeldecke zu schieben, oder? Man arbeitet wohl dran und ich glaube das wäre ein riesiger Fortschritt. Du stehst morgens auf, schmeißt die Kaffee-Maschine an, tappst dann ins Bad und machst einen einfachen Test. Für Laien. Super. 

Aber jetzt stellt euch mal vor, man hätte eine App entwickelt, die Speichel auf Viren analysieren kann. Und die einzige Stelle auf dem Handy, die einen Sensor hat, ist der Home-Button. Glücklich sind die, die noch einen Home-Button haben;-) Und dann verlangt die App, man solle jeden Morgen beherzt … also von ganz unten … Speichel … ihr wisst schon … hervorbringen … und dann … treffgenau … auf den Home-Button … auftropfen … lassen.  Mindestens fünf Milli-Liter. Oaaaah. Was für ein Bild. Großartig. Mehr davon! Like it!

Ich nehme Wetten an, ob die Menschen so weit gehen würden 😉

<— Corona-Lektionen 63

—> Corona-Lektionen 65

PS: Bei der Gelegenheit sei meine Reihe SmartVid-20 empfohlen, die ich im ersten Lockdown Anno 2020 schrieb. Lest selbst.

166) Corona-Lektionen 63

Die ersten drei Wochen Homeoffice, Homeschooling, Homedining, Homelunching, Homedingsbums in 2021 sind geschafft. Draußen ist es grau, feucht und düster. Zeit für ein paar Gedanken der letzten Tage.

Musik:
Jede Zeit hat so ihre Musik, oder? Und die ist im Kopf dann für immer fest mit diesen Epochen verknüpft. Gerade wenn es bedeutende Ereignisse sind. Seien es sehr persönliche Erinnerungen, wie die erste Liebe, Geburt der Kinder oder Schicksalsschläge. Oder eben auch weltbewegende, wie Mauerfall, 9/11 oder eben nun eine Pandemie.

Für mich bleibt bislang folgende Musik mit den letzten Monaten verbunden:

AnnenMayKantereit mit ihrem Moll-Album: „12“.
Beatsticks mit ihrem Kneef Cover: „Von nun an ging’s bergab“
Die Ärtzte mit ihrem Lock Down-Song: „Ein Lied für jetzt“
Seed mit der gute Laune Nummer: „Hale Bopp“

Jetzt beim Schreiben fällt mir auf, dass die alle deutschsprachig sind. Früher fand ich deutschsprachige Musik doof, mittlerweile kann ich ihr immer mehr abgewinnen. Denn gute Texte in Deutsch zu schreiben, dass muss man erst mal können.

Impfung:
Letzte Woche habe ich wiederholt durchs Telefon gebrüllt. 

Ich: „OMA, KANNST DU MICH VERSTEEEEHHEEEEEN???“ 
Oma: „Mhm, ja, nein, wie bitte?“
Ich: “HAST DU DEINE ZWEITE IMPFUNG SCHON BEKOMMEEEEEEEEEEN??“
Oma: „Was? Ihr könnt kommen? Ach, das wäre ja …“
Ich: “Nein, ich meinte ob du …“

Dann muss ich schlucken und nehme mir fest vor, Wörter mit „kommen“ vorerst noch zu meiden. Aber gestern erreichte uns die Nachricht, dass sie ihren zweiten -70 Grad kalten Impf-Cocktail bekommen hat. Erleichterung.

Und ich kann all die Impfgegner beruhigen. Sie lebt noch. Ihr gehts gut. Sie spricht auch nicht wie Bill Gates und die Wörter „Excel“ und „Word“ sagen ihr immer noch nichts. Sie ist munter und freut sich auf den Sommer.

Optimismus:
Den besten Satz seit langem, sprach die Radiosprecherin Mitte letzter Woche: „Die Vereinigten Staaten von Amerika haben einen neuen Präsidenten“.

Uff. Noch einmal Erleichterung. Wer hätte das gedacht. Und ohne weitere Gewalt. Sehr gut. In den Tagen danach strebte Mr. Biden wieder zurück in Internationale Verträge und Organisationen. Das macht Hoffnung.

Schönes Wochenende allerseits und danke Anja S. für die kontaktlosen Zimtschnecken … 😉

<— Corona-Lektionen 62

—> Corona-Lektionen 64