258) Corona-Lektionen 106

Wird es eigentlich noch hell oder schon wieder dunkel? Die Frage stelle ich mir gerade, wenn ich aus dem Fenster schaue. Die gleiche Frage kann man sich aber auch stellen, wenn man auf die Corona-Zahlen blickt. Aber ich habe überhaupt keine Lust heute auf das Infektions-und Impfgeschehen einzugehen, ich will schließlich auch keine Corona-Chronik … Coronik … hier aufbauen. Deshalb kehre ich heute mal wieder zum Alltag zurück und dokumentiere ein paar skurrile Momente, die zeigen, wie „coronarisiert“ wir schon alle sind 😉

Ausgewählte Situationen der letzten Tage:

Höhlenoffice 1:
Ich musste in einem Meeting etwas notieren, griff hektisch nach Stiften und bekam nur ausgedienten Stifte-Schrott zu greifen. So etwas hätte es vor Corona nie gegeben. Da fanden ständig neue Kugelschreiber den Weg in unsere Höhle. Fluggesellschaften, Hotels und Lieferanten versorgten uns ständig mit neuem Schreibbesteck. Ich setzte das Wort „Kugelschreiber“ auf die Einkaufsliste.

Höhlenoffice 2:
Am späten Nachmittag bimmelte ein mir völlig unbekannter Ton, ich konnte den überhaupt nicht zuordnen, die Kids zuckten auch nur mit den Schultern. Dann rief der Stammhalter aus dem Südflügel. „Papa, das ist dein Arbeitshandy!!!!“ Aha. Tatsache. Ich lade das Ding zwar regelmäßig auf und kommuniziere damit auch schriftlich, aber telefonieren? Nee! Ich rollte die Anrufliste zurück und sah den letzten Anruf am 9. Juli 2021 von einem „Unbekannt“. Tja, tut mir Leid, aber da war ich im Urlaub.

1G, 2G, 3G:
Der Stammhalter und ich zogen uns gestern James Bond (Moonraker) rein. Roger Moore besucht dabei einen Art Branson-Musk-Verschnitt der 70-er Jahre und schaut sich auf dessen Gelände um. Dabei willigt Bond ein, eine Humanzentrifuge zu probieren. Eine Assistentin klärt ihn ausführlich auf, welche g-Kräfte dabei wirken und was das mit den Astronauten so macht. Sie spricht von 1 g, 2 g, 3 g … über 10 g … bis 20 g. Der Stammhalter stutzt … verdutzt … und murmelt nur: „Hähh, 3G?“

Praxis:
Kurzer Termin beim Arzt, ich sitze im überbelüfteten, unterkühlten Warteraum. Außerhalb meines Blickfeldes höre ich einen unendlichen Dialog zwischen einem Ehe-Paar, aus dem ich hier nur Auszüge in herrlichem Berliner Dialekt wiedergeben kann. Und ich beschränke mich nur auf den Herren 😉

  • „Is‘do zum Kotzen hia!“
  • „Soll’n die Scheiße hia?“
  • „Woher soll ick‘n dit wissn‘, wat schreib‘ ick‘n da nun?
  • „Welche Medikamente?“
  • „Müss‘n die doch wissen“
  • „Soll ick jetze die janze Liste meener Pillen hier uffschreiben?“
  • „Kann do‘ nich‘ wah sein, hia!“
  • „Die erste Impfung?, Keene Ahnung, Mensch.“
  • „Und die zweete? Wees ick doch nich‘“
  • „Müssen die doch wiss‘n“
  • „Man, dit liest doch eh keena“

Ohne die beiden zu sehen, wusste ich, warum die in der Praxis wahren 😉

Und dann folgte das Highlight: Ein weiterer Patient betritt die Praxis „oben ohne“, stellt sich an den Tresen und platziert sein Anliegen:

  • Er: „Hallo, ich hab einen Termin.“
  • Sie: „Haben Sie auch eine Maske?“
  • Er: „Ja. Soll ich die jetzt aufsetzen?“
  • Sie: „Ja, wäre schon angebracht, oder?“

Herrlich, leider war mein Telefon-Akku fast leer, ich hätte das am Liebsten aufgenommen und malte mir ein anderes Dialog-Ende aus.

  • Sie: „Ach wo, wissen sie, wir tragen die Dinger hier nur zum Spaß und die anderen 50 Patienten auch. Aber bei ihnen machen wir eine Ausnahme. Setzen Sie sich doch. Einen Kaffee vielleicht, einen Keks, ein Stück Stolle?

Ich geh‘ kaputt …

<— Corona-Lektionen 105

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241) The flying locus

Neulich tigerte ich durch mein Höhlenoffice. Das Headset auf der Rübe lief ich in und her. Schreibtisch – Fenster – Schreibtisch – Fenster – Schreibtisch – Fenster. Der Labersack am anderen Ende der Konferenz hörte nicht auf zu lamentieren. Auf einmal sah ich eine Klo-Kabine am Himmel vorbeifliegen.

Was für eine willkommene Abwechslung, dachte ich. Die Stimme des Labersacks in meinen Ohren wurde immer leiser …

„Und deshalb frage ich dich ob, bla bla … bla … bl … b … ….“

Meine Gedanken drifteten ab:

  • Ist das Ding eher noch leer oder schon voll gefüllt?
  • Schwappt die Brühe eigentlich über bei starkem Wind?
  • Was, wenn da noch ein Bauarbeiter drauf sitzt und Zeitung liest?
  • Verursacht der akustische Störungen, so dass man ihn immer über die Kante schickt?
  • Ist vielleicht der Zoll auf der Baustelle und da verstecken sich fünf Illegale drin?
  • Was wäre das wohl für eine Sauerei, wenn das Ding vom Haken rutscht?
  • Und was hätten Monty Python aus dieser Szene wohl gemacht?

„Hallooooooooooo! Hörst du mich?? Bist du noch daaaaaa? Ich rede mit dir! Du antwortest ja gaaaaar nicht!“

Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen:

„Doch doch, ich bin da. Ich denke, für die Beantwortung all deiner Fragen, sollten wir eine andere Flughöhe wählen. Mal von oben drauf schauen, weißt du? Durch eine andere Brille, sozusagen. Und wenn wir so nicht weiterkommen, kann man dich … ähm … „sich“ ja auch mal in einen Raum einsperren, vielleicht auch mal außerhalb … an einem ungewöhnlichen Ort, meine ich. Noch mal tiefer in die Materie eintauchen. So from top to down. Das kann ja auch mal ganz erfrischend sein. Ich meine, unsere täglichen Baustellen hindern uns vielleicht auch am kreativen Denken. Out of the box, weißt du? Und wenn wir den Scheiß dann immer noch vor uns haben, dann müssen wir die Entwicklung auch einfach mal laufen lassen, abkoppeln … abstoßen … du weißt was ich meine, oder? Und wenn das alles nichts bringt, dann müssen wir das halt auf alle Köpfe im Team verteilen.“

“Ja so machen wir das“

Na also!

238) Corona-Lektionen 101

Seit Veröffentlichung der >100. Jubiläumsausgabe dieser Beitragsreihe sind nun schon wieder vier Wochen vergangen. Krass. Die Zeit fliegt nur so vorbei. Für einen weiteren Beitrag zum Thema konnte ich mich seitdem nicht aufraffen. Es gab genug andere Themen und irgendwie leide ich beim Thema Corona etwas an Geschmacksverlust. Aber heute ist es mal wieder so weit, ein paar Entwicklungen will ich dokumentieren.

Ein paar Gedanken der letzten Woche:

Höhlen-Office:
Ja, immer noch. Seit einem Jahr und 8 Monaten genau. Ohne Unterbrechung, ohne Dienstreise. Etwas frustrierend auf Dauer. Zum Ausgleich gibt’s private Kurz-Trips ins >Berliner Umland, nach >Sachsen oder >MeckPom. Damit die Kofferrollen nicht festbacken und ich nicht aus der Übung komme.

Vernunft:
Im letzten Hotel (3G) wiesen Schilder auf notwendige Masken hin und man bat sogar darum, sich mit Plastikhandschuhen am Buffet zu bedienen. Wow. Die nehmen es aber genau, dachte ich. Ein Irrtum. Während wir uns als Familie mit FFP2 und Handschuhen dem Buffet näherten wie vier Chefchirurgen dem OP-Tisch, wuselten ständig andere Gäste um uns herum. Zwar mit Handschuhen, aber nasal und oral standen alle Türen offen. Muss das ein?

Planung:
Die Sprachreise fürs Kind im nächsten Jahr wurde zunächst angekündigt, dann heftig diskutiert und dann wieder vom Senat kassiert, weil England bei Einreise 2G vorschreibt. Und das wäre dann ja unfair, weil es Kinder benachteiligt. What? Ist aber vielleicht auch gut so, die Zahlen in UK gehen wieder deutlich hoch, in Deutschland auch. Seit Tagen. Macht es Sinn über Reisen im nächsten Frühling oder Sommer nachzudenken? Keine Lust auf Enttäuschungen, aber ich brauche auch etwas zum Festhalten. Also ja!

Schule:
Heute hat in Berlin die Schule wieder begonnen, die Kids kommen aus ganz Europa wieder zusammen und hocken nun dicht an dicht. Bei 10° Tageshöchsttemperatur, kann man sich vorstellen wie groß die Freude aufs Stoßlüften ist. So dürfen sie nun bis incl 23.12. die Schulbank drücken, danach quetschen sich alle wieder in die Autos oder in die Flieger, um rechtzeitig bei den Großeltern unterm Baum zu sitzen. Na lecker. Frohe Weihnachten schon mal.

Und nun zum Sport. Fußball:
Ihr ahnt vielleicht, was nun kommt, aber ich fasse mich kurz, will nicht noch weiter auf den Nationalspieler eindreschen. Aber einen side kick muss er aushalten. Meine Teenie-Kids haben sich impfen lassen, nicht weil sie so wild drauf waren oder wir besonderen Zugang zu Langzeitstudien haben. Nee, wir alle wollen, dass dieser Spuk bald mal vorbei ist. Also jetzt reiß dich mal zusammen, Mann!

In diesem Sinne.
Schöne Woche

<— Corona-Lektionen 100

–> Corona-Lektionen 102

233) Corona-Lektionen 100 (Jubiläum ;-)

Das ist sie nun, die 100. Ausgabe dieser Reihe! Eigentlich wollte ich genüsslich im Eigenlob baden, aber es gab natürlich ein paar Entwicklungen, die wollen dokumentiert und kommentiert werden. Ich mache es kurz.

Impfen: 
Der Impfstatus der Familie liegt bei exakt 75% ;-). Damit liegen wir weit über Bundesdurchschnitt und arbeiten uns bereits an den Dänemark-Gold-Status heran. Weiter so!

Tankwart erschossen: 
Dass da so etwas noch passieren muss. Wegen einer Maske und einem Sechser-Pack Bier. Furchtbar. Na klar trägt der Täter die Verantwortung, rein strafrechtlich. Aber die Gesellschaft (und da meine ich alle) muss sich die Frage stellen, wie es dazu kommen konnte.

Frage 1: Wie kann ein Tankstellen-Kunde so ausrasten, wegen einer Maske, die er für 2 Minuten Kassiervorgang tragen muss?

Frage 2: Warum muss ein Student, der an einer Tankstelle jobbt, die Corona-Maßnahmen des Staates durchsetzen?

Wortwahl:
Es ist nicht das erste Mal, dass ich in dieser Reihe auf bestimmte Wörter hinweise, die mir sauer aufstoßen. Diesmal soll es das Wort „Daumenschraube“ sein. Es wird in den letzten Tagen vermehrt verwendet, wenn es darum geht, den Druck auf die Impfunwilligen und Impfunentschiedenen zu erhöhen. Auch in den öffentlichen-rechtlichen Programmen, für die ich immer eine Fahne hochhalte. Aber solche platten Begriffe polarisieren und verschärfen die Situation. Wer keine Ahnung hat, was eine Daumenschraube ist, findet im Internet genügend schmerzhafte Bilder. Da nehme ich lieber eine Impfung im Sechser-Pack.

Und nun aber zum Eigenlob:
Ja es sind 100. Beiträge geworden. Hätte ich nie gedacht. Und da es anscheinend für den Pulitzer-Preis nicht gereicht hat, rufe ich mich nun selber auf die Bühne und beantworte ein paar Fragen des virtuellen Laudators:

Wie bist du auf die Idee für diese Reihe gekommen?
Nun, daraus sollte eigentlich nie eine Reihe werden. Der erste Beitrag entstand im März 2020, um ein paar Gedanken loszuwerden. Ich stellte in Aussicht, dass es vielleicht noch einen zweiten Beitrag geben könnte. Und nun sind es eben 100 geworden.

Warum der Titel Corona-Lektionen?
Ursprünglich ging es mir gar nicht um die Corona-Bekämpfung, um alle die Daten und Maßnahmen. Ich wollte mich eher damit befassen, was die Pandemie mit uns macht und was wir für die Zukunft daraus lernen können. Daher der Begriff „Lektionen“.

Und dann?
Tja, dann ging es Schlag auf Schlag. Es wurde politisch und der Dissens in der Gesellschaft wurde lauter. Es dauerte nicht lange, und da fand das Wort „Freiheit“ den Weg in meine Beiträge. Die ersten Male bei Lektion 7, Lektion 17 und Lektion 41. Und kurz danach kam der Begriff “Demonstration“ hinzu. Beginnend in Lektion 31, Lektion 36 und Lektion 37, die mich emotional schon aufgewühlt haben.

Oh, das hat Deiner Beitragsreihe wohl einen deutlichen Moll-Anstrich verpasst?
Ja, da gab es Beiträge, wo ich sehr frustriert war, aber ich habe auch mit Humor und Augenzwinkern geschrieben. Zum Beispiel in Lektion 21, Lektion 23 oder Lektion 43. Man muss auch mal schmunzeln, auch in pandemischen Zeiten.

Welche Beiträge wurden am wenigsten gelesen?
Rein statistisch die Lektion 5, Lektion 32 und Lektion 44. Das haben die aber echt nicht verdient, die sind durchaus gut, vielleicht hatten die Leute einfach keinen Bock an diesen Tagen oder es gab eine Störung im WLAN

Und die Top-Seller?
Na ja, „Seller“ ist vielleicht das falsche Wort. Es sind ja eher Geschenke für die Leserschaft. Aber die besten Beiträge vom Klick-Volumen her, waren die Lektion 30, Lektion 38 und Lektion 42. Und natürlich, sie sind Spitzenklasse, keine Frage 😉

Du hast immer das gleiche Motiv für die Beiträge, oder?
Ja, das gleiche, aber nie das selbe. Ich habe fast jeden Arbeitstag den Sonnenaufgang fotografiert, für mich ein Symbol das täglichen Aufstehens, Nachrichtenhörens und dem dann folgenden „Weg“ ins Homeoffice. Manchmal war aber das Wetter schlecht oder das Bild verwackelt, einige sind der Löschtaste zum Opfer gefallen. Es gibt aber einen einzigen Beitrag, der das aus der Reihe tanzt, das ist die Lektion 92, denn die habe ich in Frankreich geschrieben.

Und wie gehts weiter?
Nun ja, das Thema beschäftigt mich schon und ich fürchte, da gibt es noch eine Menge zu kommentieren. Ich mache erst einmal weiter, vielleicht nicht mehr mit der Häufigkeit. Ich will ja keinen Corona-Blog betreiben.

Was willst Du Deinen Lesern mitteilen?
Großes DANKE für’s Lesen und dass es bei den Kommentarwechseln immer freundlich und sachlich abging. Ich würde mich freuen, wenn ihr weiter dran bleibt oder Freunde und Familie dazu einladet. Als kleine Zugabe, gibt es heute ein paar Sonnenaufgänge, die noch auf meinem Handy schlummerten, es bislang aber nicht auf die Titelseite geschafft haben.

Und wer das alles noch einmal Review passieren, kann hier die ganze Reihe von der Rolle weglesen 😉

Schönes Wochenende!

<— Corona-Lektionen 99

–> Corona-Lektionen 101

228) Corona-Lektionen 97

Die 4. Woche nach den Ferien ist absolviert, die Inzidenzen bei den Kindern stiegen an, halten sich aber stabil. Die Infektionen bei den jungen Erwachsenen nehmen mächtig zu und das liesse sich ja nun relativ einfach verhindern. Unser Regierender Bürgermeister verschickte neulich poppige Postkarten und rief in mehreren Sprachen zum Impfen auf. Ein Versuch ist es wert.

Ein paar Gedanken der letzten Tage:

0G
Habe ich in Beitrag 96 dieser Reihe, noch über alle möglichen G-Varianten philosophiert, hat der Döner-Mann um die Ecke dieses komplexe Regelwerk bereits übersprungen. Während ich mit FFP2 meine „Kantine“ betrat, schauten mich Personal und andere Gäste verwundert an. Sie trugen alle „oben ohne“ und ich gab hinter meinem Kaffee-Filter die Bestellung auf.

Er: „Bitte?“
Ich: „Einen Pöner pitte“.
Er: „Salat alles?
Ich: „Ja, pie immer, Palat allep und scharp/knoblaup“.

Er hatte Schwierigkeiten mich zu verstehen, aber wir hatten in den letzten 18 Monaten ja häufiger das Vergnügen miteinander. Mittlerweile kennt er meine kulinarischen Vorlieben. Und ich winke ihm schon zu, wenn ich mal an dem Laden vorbeilaufe. Mit der Küche sollte man sich immer gut stellen, habe ich gelernt. Das galt schon in Aula und Mensa, auf Klassenfahrten und während einer Pandemie gilt das natürlich erst recht.

Jubiläum
Bald feiere ich Jubiläum. Am 10. September erreiche ich 18 Monate Höhlenoffice. Bis auf Urlaub und Wochenende ganz ohne Unterbrechung. Nix Büro, Nada Dienstreise, Niente „face to face & skin to skin“ mit Kollegen. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, wie lange man doch ohne Chef:In auskommt, oder? Aber zurück zu meinem Jubiläum. Leider können die Kollegen nicht zur Party kommen. Denn die hocken ja auch alle noch zu Hause. Wir werden uns also virtuell befeiern und an die letzten Meetings im Frühjahr 2020 erinnern.

Höhlenoffice
75% meines Höhlen-Teams hier, sind bereits wieder tagsüber unterwegs. Schule und Büro fordern Präsenz. Das gibt mir in der Höhle die volle WiFi-Power zurück, aber ich merke auch, dass wieder mehr „Organisation“ in den familiären Alltag Einzug hält. Elternversammlung, Arbeitswege, Bahn-Streik, Joggen, Arzttermine, Klassenarbeiten, Fußballspiele und so weiter. Und die Straßen sind wieder deutlich voller, es ist wieder lauter geworden und die Menschen sind ruppiger zueinander.

Ist das schon wieder das „old normal“?
Oahhhh nee, bitte nicht!

<— Corona-Lektionen 96

–> Corona-Lektionen 98

Mehr lustig Döner gibts hier 😉

51) Postkarte aus Berlin (… solche und solche)

Großstädte wie Berlin sind laut, verdreckt und hässlich. Sie sind überfüllt, mit Graffiti beschmiert, das wenige Grün ist plattgelatscht und Beton überwiegt überall. Da ist was dran. Im ersten Halbjahr 2021 war ich auf meinen Corona-Freigängen mehr im Kiez unterwegs und habe aus dem Fenster geschaut. Aber eher zeitversetzt, wenn noch nicht so viele Menschen unterwegs waren. Und wenn man da etwas wählerischer hinschaut, lassen sich da durchaus schöne Bilder einfangen. 

Wer hier öfter mal auf’m Blog vorbeischaut, hat vielleicht schon mitbekommen, dass ich eine Schwäche für Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge habe. Warum? Weiß nicht. Vielleicht weil sie jedes Mal anders sind. Mit ihnen beginnt und endet der Tag, wenn man Glück hat und auch hinschaut, auf of recht beeindruckende Weise.


Und die Natur versucht die Stadt zurückzuerobern. Da streifen Füchse über die Höfe, Blütenteppiche auf dem Gehweg lassen eine Indische Hochzeit in der Nachbarschaft vermuten und das knappe Budget für die Grünflächen-Pflege lässt Wildwiesen entstehen. Hat ja auch was.

Selbst im Winter war Berlin recht ansehnlich. Zumindest so lange Schnee lag oder man allein unterwegs war. Gelben Schnee sollte man trotzdem nicht essen und die Schnee-Engel-Figur macht man besser nicht gerade an der Häuserwand.

Aber wenn ihr jetzt denkt, „Ohhhh  … das ist es aber nett dort, da fahren wir doch glatt mal hin … “ lasst es besser sein. Bleibt zu Hause.

Kommt bloß nich‘ her 😉

214) Corona-Lektionen 91

Die morgendlichen Corona-Meldungen rauschen durchs Gehör wie Wetter und Verkehr. Für die Corona-Karte von Berlin wurden extra neue Grautöne entwickelt, nur damit bloß nicht so schnell „weiß“ genutzt werden muss. Also? War’s das? Können wir einpacken? Uns wieder anderen Dingen widmen? Da hab‘ ich noch Zweifel.

Ein paar Gedanken aus den letzten Tagen:

Fußball
Während hier eigentlich niemand so eine richtige Vorstellung hat, wie nach den Ferien die Schulen wieder öffnen sollen und die Kultur immer noch keine Perspektive hat, schafft König Fußball Erstaunliches. Geht es in manchen Stadien noch recht AHA ab, drehen die Fans in anderen Arenen völlig durch, brüllen sich an und liegen sich in den Armen. Man kann nur mutmaßen, was eigentlich besser wäre. Das Spektakel an einem Ort durchzuführen oder es als Corona-Wander-Zirkus weiterziehen zu lassen, damit sich das Delta-Dingsbums mal jede Metropole anschauen kann. Apropos „Delta“, ich sehe die Markenanwälte der gleichnamigen Airline quasi vor mir, wie sie eine Unterlassungsklage nach der anderen an die Mutante schicken. Die hat aber keinen Bock, das zu lesen.

Kleiderschrank
Schon in Corona Lektion 38 wollte ich schon meine Business-Klamotten anzünden, in Corona Lektion 68 immerhin in die Kleider-Tonne werfen. Ich habe nichts davon getan, konnte mich nicht trennen, obwohl es seit März 2020 nur eine Hand voll Gelegenheiten gab, davon mal etwas anzuziehen. Jugendweihe, Panel Discussion und Weihnachten. Zum Glück keine Beerdigung. Holz. Klopf. Letzten Dienstag gab es wieder eine Möglichkeit, ich war als Gast-Referent eingeladen, da hielt ich es mal für angemessen. Das stand ich vor meinem Kleiderschrank und schob die Hemden von rechts nach links. Die Auswahl wurde schnell kleiner, denn am besten bitte keine Streifen oder Karos, denn das „flirrt“ in der Video-Aufnahme und vielleicht nun nicht gerade dieselbe Farbe wie der Hintergrund der Meeting Software, sonst sähe ich aus, wie ein sprechender Kopf ohne Oberkörper. Die Business-Mode der Zukunft wird also nicht mehr durch Mode-Schöpfer erschaffen, sondern durch Software-Giganten diktiert. Bald tragen wir eh alle bald einen Business-Overall / White / Uni-Size.

Apropos Overall
Über meinen Alter Ego „Noah“ machte ich mir ab November 2019 zunehmend Gedanken über meine damaligen und künftigen Arbeitsformen. Noah trug damals schon Overall, er war seiner Zeit voraus. Selbst das Lunch kam täglich bis in seine Micro-Flat gefahren. Weit vor Corona, weit vor Höhlen-Office und Höhlen-Schooling. Kommentatoren machten sich schon Sorgen bezüglich meiner Verfassung, andere hielte das für reine Dystopie. Nun sind wir ungefähr dort angekommen und so falsch lag ich gar nicht. Beitragsreihe verpasst? Dann hier noch mal der Reihe nach lesen.

—> Hier gehts zur Reihe „New Work“ mit Noah … aber besser bei Teil 1 anfangen

Schönes Wochenende!

T.

<— Corona-Lektionen 90

–> Corona-Lektionen 92

206) Corona-Lektionen 86

Die Pfingstfeiertage sind vorüber, die „Inpfingstionszahlen“ sinken weiter und bevor wir morgen wieder ins Höhlen-Office krabbeln, schnell noch ein paar Gedanken der letzten Tage.

Kanülen statt Kanaren
Am Samstag nutzte ich meinen „Freigang“ mal wieder für eine Runde oben auf der Grünfläche des Velodroms bzw. Europasportparks. Die Anlage dient seit Anfang des Jahres als Impfzentrum. Regelmäßig fahren Taxen oder Busse vor und setzen die Impflinge direkt an der Kanüle ab. (Impflinge … was für ein blödes Wort, oder? Klingt nach Lemming oder Speisepilz.) Jeden Tag herrscht dort dasselbe Bild. Am Samstag war es aber anders. 15 Taxen standen draußen Schlange und konnten nicht reinfahren und saßen samt impfwilliger Fracht fest. Das erinnerte mich an den Flughafen Tegel, Taxi-Vorfahrt Terminal C. Aber was war los? Klemmt die Schranke? Hat die Terminvergabe-Plattform zu viele Termine vergeben? Ist der Kühlschrank leer? Oder kaut da wieder einer dem Arzt ein Ohr ab? Ach was waren das noch für Zeiten, als hier Rennräder im Kreis fuhren oder Rock-Größen ihre Konzerte gaben. 

ESC
Apropos Konzerte. Ganz passend stolperte ich am Samstagabend in den Eurovision Song Contest rein, der aus Rotterdam übertragen wurde. Ich konnte kaum meinen Augen trauen. Ist das eine Aufzeichnung?? Zig Leute sangen, feierten, tanzten, atmeten dort. Miteinander!! “Aber das geht doch nicht ...“, beginne ich instinktiv zu rufen. Doch anscheinend schon. Die wurden alle durchgetestet und in den nächsten Tagen will man auswerten, welche Auswirkungen das Event hatte. Na hoffentlich geht das gut, denn das wäre ja immerhin ein machbarer Weg für  Veranstaltungen.

Corona-Fashion
Umso wärmer es wird, umso weniger Klamotten hat man an. Logisch. Aber ich merke, dass ich mein Anti-Corona-Equipment nicht mehr unterbringe. Für den Sommer muss ich mir über funktionale Corona-Kleidung Gedanken machen. Am besten eine Feldhose von der Army. Die haben so viele praktische Taschen an der Seite. Fürs Handy, Power-Bank, diverse Masken, 4x Impfbücher, Family-Pack Feuchttücher, Desinfektionsmittel, vorausgefüllte Selbsterklärungen und ausreichend Selbsttests.

Dann sehe ich aus wie ein Corona-Warrior … und dann lerne ich dem Biest das Fürchten!!! 

Schöne Woche!
T.

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—> Corona-Lektionen 87

 

205) Von der Rolle – Teil 2

Heute früh, fiel mir eine Zeitungsbeilage eines Küchenherstellers in die Hand. Nach dem oberflächlichen Durchblättern kribbelte es in meinen Fingerspitzen und ich hatte große Lust, einen zweiten Teil zu „Von der Rolle“ zu schreiben.

Von der Rolle – Teil 1 entstand im September 2020 und kam ganz gut an.

Also los geht‘s:

Seite 1: Typ in Business-Hemd und Kaschmir-Pullover kippt grinsend Essig auf einen tiefen Teller. Die Backofen-Uhr zeigt 12:30 Uhr.
Soll das etwa ein Homeoffice-Lunch darstellen? Ich habe ja schon viele Co-Worker in ihren Office-Höhlen gesehen, aber keiner trug Hemd und Pullover und keiner grinste, wenn es Salat mit Öl gab.

Seite 2: Lady im lachsfarbenen Pulli blättert im Kochbuch, im Ofen liegt ein Brot. Neben der Kochinsel steht ein Beistelltisch, darauf steht ein Laptop. Ah schon wieder Homeoffice.
Nee. Auf dem Display erstrahlt Startseite eines Versandhandels. Is‘ ja wieder typisch. Während der Kerl die Firma durch die Krise steuert, hockt sie zu Hause und denkt nur ans Shoppen.

Seite 4: Typ mit Bart und Zopf lehnt an der Arbeitsplatte, hält einen Kaffee in der Hand und lächelt seinem Vierbeiner zu. Zu seinen Füßen ein Fahrrad-Rucksack mit Zeichnungen.
Das muss wohl so ein neuer Wohlstandsgrüner sein. Gibt sich ganz regional mit Hund und Fahrrad, aber auf dem Tresen auf dem Tresen statt ein Obstkorb voller Südfrüchte

Seite 5: Lady mit Hochwasser-Hosen und hohen Absätzen nimmt einen Schneebesen aus der Schublade und lächelt etwas unsichtbares in Bodennähe an.
Kann kein Tier sein, kann kein Kind ein, die Küche sieht aus wie dreimal täglich geputzt. Ihr Göttergatte ist vermutlich Staatssekretär im Gesundheitsministerium und rettet die Nation, während sie mit dem Saugrobotter flirtet.

Seite 6: Junge Mama mit Kleinkind auf dem Arm, schenkt sich ein Glas Wasser ein. Auf dem Küchentisch liegen Laptop, Handy und irgendwelche Skizzen.
Also, wenn das die gestresste Mama sein soll, die Kind und Job unter einen Hut bringen muss, scheint es ihr ja ganz gut zu gehen. Sie lächelt noch über beide Ohren und der Laptop steht verkehrt herum, so kann man gar nicht arbeiten. Aber die über die Lehne geworfene Strickjacke zeugt nun wirklich von Verwahrlosung und Kontrollverlust. Man sollte das Jugendamt rufen.

Seite 8 und 9: Nur Küchen ohne Menschen.
Die Leute sind bestimmt alle systemrelevant und sind daher zur Arbeit gefahren. Aber ganz bei der Sache scheinen sich nicht zu sein, den in allen Backöfen brennt noch Licht.

Seite 10: Typ mit Wuschelkopf, Bart und Holzfäller-Hemd lehnt an Highboard und beobachtet die Aufbackbrötchen im Ofen. Er freut sich riesig und beisst in eine verstrahlte Riesen-Erdbeere. Auf dem Tisch liegt ein Tablet, die Küchenuhr zeigt 10:12 Uhr
Tja, in jeder Krise gibts auch Gewinner. Guten Morgen, schon aufgestanden?

Und sonst so?
Lego-Steine, Socken oder Frühstückskrümel auf dem Boden sucht man vergebens. Es scheint auch nicht nach Fischstäbchen zu riechen, die Fronten sind nicht mit Schoko-Creme* beschmiert und halbleere Kaffee-Tassen stehen auch nirgends herum. Alle Menschen tragen Straßenschuhe in ihren Küchen, sind bestens gekleidet und noch besser gelaunt. Keine Stapel von Schulbüchern auf dem Küchentisch, keine zerknüllten Mathe-Arbeitsblätter und keine angekauten Tinten-Killer. Keiner bockt weil er den Dreisatz nicht kapiert, keiner heult weil es einen Vortrag über die SPD schreiben gilt. Apropos Schüler. Wo sind die eigentlich auf den Bildern? Ach die sind bestimmt in ihren voll-equipten Einzelzimmern, sitzen an ihren Workstations und lauschen konzentriert der digitalisierten Lehrerschaft.

Schöne neue Welt.
Noch einen Schluck Soma gefällig?

*) ohne Palmfett natürlich 😉

<— Von der Rolle – Teil 1