145) Corona-Lektionen 50

Ich habe eine Woche lang gezögert, mich an die 50. Ausgabe meiner Corona-Lektionen zu setzen. Irgendwie dachte ich, die Fünfzig ist eine bedeutende, eine runde Zahl, da muss etwas Besonderes her, aber nach den Entwicklungen der letzten Tage, gibt’s nun erst einmal einen gemischten Gefühls-Salat, gefolgt von herzhafter Maßnahmen-Suppe.

Das verstärkte Gefühl der Unsicherheit aus dem Frühjahr ist zurück. Ständig überschlagen sich Daten und neue Meldungen. Kaum habe ich mal einen halben Tag keine Nachrichten gehört, habe ich das Gefühl, drei Wochen im Urlaub gewesen zu sein. Man kommt kaum noch hinterher, das alles zu verarbeiten.

Ging es letztes Wochenende noch darum, wessen Postleitzahl denn nun gelb, orange oder rot gefärbt ist und ob man mit dieser Bürde ein Hotel nicht nur betreten, sondern auch dort übernachten darf, ist das alles schon wieder Schnee von gestern. Kurz nach Rückkehr vom Sachsen-Kurztrip sind die Beherbungsverbote nun gekippt. Und in Berliner Lokalen dürfen des Nächstens wieder Gläser gekippt werden. Na vielen Dank auch.

Auch das Gefühl, in verschiedenen Realitäten zu leben, ist wieder da. Auf der Rückfahrt hörten wir „Die Pest“ von Albert Camus. Eindrucksvolles Werk. Während wir so über die Autobahn gurkten, schaute ich mehrfach aufs Auto-Radio, um mich zu vergewissern, ob da wirklich mein Hörbuch lief oder nicht vielleicht doch ein Nachrichtensender. Es war das Hörbuch. Ein Roman. Alles gut. Einen Tag später diskutiert man hier nun die Rechtsgrundlage für eine Abriegelung einzelner Berliner Stadtbezirke. Kein Roman. Somit ist nun auch das Gefühl des enger werdenden Kragens zurück.

Gestern mahnt die Kanzlerin per Video, auf alle unnötigen Reisen und Feiern zu verzichten, Kontakte zu reduzieren und am Wohnort zu bleiben. Und sie sagt deutlich, dass es nun an uns allen ist, diesen Eintopf wieder auszulöffeln. Sonst fällt der Weihnachtsbraten aus.

In diesem Sinne. Dann nimmt sich jetzt mal bitte jeder zwei große Löffel und dann wünsche ich uns allen Guten Appetit!

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143) Corona-Lektionen 48

Vor dem Rathaus Berlin Schöneberg rief John F. Kennedy einst „Ich bin ein Berliner!“ und wurde von den Menschen bejubelt und gefeiert. Ab heute sagt man das besser nicht, denn dann kommen die anderen Länderchefs im Antlitz des berühmten Türstehers Hakan, zeigen mit dem Finger zwischen unsere Augen und sagen „Du kommst hier net rein“. Noch nicht einmal abgefahren, fühlt man sich schon als Flüchtling (… böse, sorry).

Waren vor ein paar Tagen nur einzelne Berliner Stadtbezirke mit roter Ampel geschmückt und damit von der Beherbung in anderen Destinationen ausgeschlossen, ist die Ampel nun für ganz Berlin rot. Na wunderbar.

Wer nächste Woche eigentlich noch einmal andere Tapeten in Deutschland sehen wollte, braucht nicht einmal anfangen, die Koffer zu packen. Die üblichen Fragen wie „Was nehmen wir mit?“ oder „Was ziehen wir an?“ sind heute bereits beantwortet: „Nüscht und Schlunzhose“. Auch die Frage „Wo fahren wir nun eigentlich hin“, die hat sich schon erledigt. Nach Hause. Mal wieder. Im Ideal-Fall geht‘s für ein, zwei Tagestrips ins Umland. Vielleicht aber besser mit einem Mietwagen. Wegen dem Kfz-Kennzeichen. Aber aufpassen, dass man auch nicht M- oder F- erwischt. Ganz praktisch dieser Tage wäre eher NVP oder OVP … aber da gibt‘s keine Mietwagen … aber ich schweife ab.

Bleibt mehr Zeit für Literatur also: H. hat neulich das Buch „Der Wal und das Ende der Welt“ von John Ironmonger empfohlen. Ich höre es derzeit als Hörbuch und gerade in diesen pandemischen Tagen, mit Blick auf die Adventszeit, kann ich es nur empfehlen. Eigentlich  schon in 2015 veröffentlicht, aber erst im März 2020 (…hört hört) ins Deutsche übersetzt, ist es aktueller denn je. Und macht Hoffnung.

Worum es geht? Sag‘ ich nich‘.

Selber lesen oder hören 😉

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120) Zeit 1

Vor ein paar Tagen habe ich mir ein neues Hörbuch gekauft. Ein Jugendbuch. Ein Buch, dass schon auf einigen Blogs angesprochen wurde, mir sagte der Titel aber gar nichts. Bildungslücke? Einfach übersehen? Oder bisher keine Zeit gehabt? Vermutlich Letzteres.

Also fix heruntergeladen und beim Joggen angehört. Es begann aber „sehr gemächlich“, der Sprecher strahlte eine Gelassenheit aus, die in mir sehr schnell Unruhe entfachte. Sehr bald schaltete ich in der Hörbuch-App auf Tempo 1 1/4 und konnte dem Stoff immer noch gut folgen. Ein Amphitheater vor den Toren der Stadt, spielende Kinder, Phantasie-Spiel und so weiter. Mhm… passiert da noch etwas? Kann ich mit meiner Zeit nicht etwas Besseres anstellen? Ich überlegte abzubrechen, hörte aber weiter. Bis zum Kapitel 19, als die „grauen Herren“ die Bühne betraten. Und da hörte ich dann genauer hin, denn es ging um die Zeit. Ich muss sagen, ich gehöre auch zu den „von der Zeit getriebenen“. Vermutlich hört mein Umfeld folgende Sätze mehrfach am Tag von mir und rollt die Augen:

  • Ist noch Zeit?
  • Lass dir ruhig Zeit!
  • Los jetzt, wir müssen gehen!
  • Dafür habe ich nun echt keine Zeit!
  • Ich weiß nicht, was ich zuerst machen soll!
  • Das mache ich, wenn ich irgendwann mal Zeit habe!
  • Wann geht es los? Wie lange dauert das? Wann ist Schluss?
  • Und so weiter ….

Nun bin ich bei Kapitel 61 angekommen. Keine Ahnung was noch kommt. Aber ich freue mich drauf und frage mich, ob ich auch so einer von den „grauen Herren“ bin.

Wie das Buch heißt? Na, ich denke die eingefleischten Bücherwürmer haben es schon erraten, oder? Es ist nicht Pipi, auch nicht Lala und nicht Mini.

Es ist Momo 😉

Lesen, wer‘s noch nicht getan hat!

Oder hören … beim Joggen … auf Englisch. Dann ist‘s gleich dreimal produktiv 😉

45) Schnürsenkel

Folgt man dieser Tage den Nachrichten, da kann einem schon echt schlecht werden. Wahlergebnisse aus Brandenburg, zerbröselnde Regierungen in Europa und immer wieder diese Brüllereien aus Washington. Zum Glück gibt es da noch viele sympathische Kleinigkeiten aus dem Alltag, über die ich mich herrlich aufregen kann.

Schnürsenkel zum Beispiel:

5.Stock: Ich lasse die Tür hinter mir zufallen und binde mir die Lauf-Schuhe zu. Mit Doppelknoten. Nichts ist schlimmer, als Schnürsenkel, die während des Laufens aufgehen. Ich öffne die Lauf-App auf dem Handy, damit das GPS mich schon mal orten kann und mache mich die Treppen hinunter. Es kann losgehen!

4.Stock: Irgendwie ist der rechte Schnürsenkel heute enger als der Linke. Schlimmer noch. Es drückt auf den Fußrücken. Das könnte unangenehm werden. Aber vielleicht legt sich das gleich noch. Ich habe keine Lust, die Schuhe wieder neu zu schnüren. Weiter die Treppe hinab. Ich will starten!

3.Stock: Es wird nicht besser. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein? Zur Ablenkung starte ich mein Hörbuch und versuche wieder ins Thema zu kommen. Ach ja, … die Verfolgungsjagd …, stimmt, da habe ich letztens aufgehört. Ich arbeite mich weiter die Treppe hinunter. Gleich gehts los!

2.Stock: Ok, ich gebe auf. Ich muss da etwas gegen unternehmen. Es tut weh. Ich bücke mich, schnüre den rechten Schuh neu und binde ihn aber diesmal nicht so fest. Natürlich setze ich noch einen Doppelknoten drauf. Weiter gehts die Treppe bergab. Nun aber!

1.Stock: Sag mal spinn’ ich jetzt? Ist jetzt der linke Schuh zu fest? Kann das sein? Oder fühlt sich das nur so an, weil der rechte Schuh nun lockerer ist. Vielleicht muss ich noch einmal beide Schuhe neu binden? Es hilft nichts. Ich fange komplett von vorn an. Irgendwann habe ich es dann geschafft und laufe die Straße hinunter zum Park. Endlich kann ich starten!

Aber worum geht es im Hörbuch gerade? Wer zum Henker ist dieser Jim? Wo kommt der auf einmal her?

 

PS: Großen Dank an meine Tochter, die mich zu dem Beitrag inspiriert hat und damit beweist, dass ich damit nicht allein auf der Welt bin 😉