34) Kids Drive in

Ab und zu ist es noch nötig, dass wir die Kids mit dem Auto in die Schule bringen. Das Schulgebäude liegt in einem Wohngebiet, direkt an einer Einbahnstraße. Wenn man aber nicht erst kurz vor Schulbeginn kommt, hat man eigentlich ganz gute Chancen, einen legalen Parkplatz zu ergattern. Manchmal ist dazu auch eine weitere Ehrenrunde nötig oder man findet halt eine Lücke um die Ecke. Dann läuft man halt mal 100 Meter. Alles klein Problem. Wenn die Zeit knapp ist, halte ich auch mal in der zweiten Reihe und lasse die Kids von dort aus dem Auto aussteigen. Bestimmt nicht ganz STVO-konform, aber wenn man ehrlich ist, ist es die schnellste und auch ökologischste Form. Der Vorgang dauert max 30 Sekunden und wirklich stören oder behindern tut man dort niemanden. Andere machen es sich aber noch einfacher. Sie halten direkt vor der Schuleinfahrt. „Was für ein Zufall, hier ist ja noch Platz“. Also schalten sie den Warnblinker ein, verabschieden in aller Ruhe die Gören und quatschen dann noch mit Bekannten aus der Nordic-Walking-Gruppe. Man hat ja Zeit. Deutlich weiter oben auf der Egoismus-Skala rangieren aber Eltern, die glauben, die Schulzufahrt gehört allein ihnen. Kurz vor 08:00 Uhr erreichen sie die Schule, kreuzen den Fußweg und fahren die Zufahrt hoch. Dann verlassen sie das Auto und bringen ihre Brut in das Schulgebäude. So selbstverständlich, als hätten sie dort ihren angemieteten Stellplatz. Als würde dort ein Schild mit ihrem KFZ-Kennzeichen drauf stehen. Am Nachmittag sieht man eine ähnliche Situation auf dem nahegelegenen Sportgelände. Dort führt eine kleine Sackgasse bis hinter zum Fußballplatz. Am Ende der schmalen Gasse befindet sich eine ausgewiesene Zufahrt und Rangierfläche für Feuerwehr und Rettungskräfte. Und natürlich der zweite Stellplatz für den Boliden von „Spieler-Mama“ (…oder auch „Spieler-Papa“). „Was soll man machen, war ja sonst kein Platz mehr zu kriegen“. Sollte es dort jemals ein Feuer geben oder ein Krankenwagen kommen müssen, wäre es besser, die kämen per Lösch-Flugzeug oder Helikopter, denn da ist jetzt für 90 Minuten kein Durchkommen mehr. Erst nach dem Training der Jungs lichtet sich das wieder. Also ehrlich Leute, nun seid doch mal nicht so faul und lauft halt mal ein paar Meter! Das wird den Kids auch gut tun. Oder wollt Ihr eure künftigen Weltmeister noch bis an die Mittellinie fahren, um sie dort an den Trainer zu übergeben?

 

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19) Kleinkrieg im Sandkasten

Ein vorerst letzter Griff in die Erinnerungen, bevor wir das Feld der Jung-Familien wieder verlassen. Ein Spielplatz ist ein Platz zum Spielen. Das ergibt sich allein schon aus dem Namen. Spielen klingt nach Friede, Freude und Sandkuchen. Ich persönlich gehe da aber nicht so gern hin. Warum? Ja, weil es eben auch ein riesiger Konflikt-Herd ist. Eigentlich habe ich nichts gegen kleine Konflikte zwischen Kindern. Sie lernen dann mit so etwas umzugehen, auch wenn mal eine Träne fließt. Wenn sich der Konflikt aus der Interaktion der Kinder miteinander ergibt, sollen sie das auch irgendwie lösen. Meine Toleranz zur offenen Streitkultur zwischen den Kindern hört aber dann auf, wenn andere Eltern durch ihre antiautoritäre Erziehung oder ihren Egoismus diese Konflike unter den Kids anzetteln. Spulen wir den Film wieder etwas zurück. Wir waren auf dem Spielplatz, meine Tochter turnt auf dem Klettergerüst herum, mein Sohn saß allein vergnügt im Sand und spielte mit seinem Buddelzeug. Er war voll in seinem Element, abgelenkt von all dem Trubel um ihn herum. Er war glücklich, mit sich allein. Eine Mutter betrat mit ihrem Sohn den Spielplatz und ihr Sohn klagte laut, dass sie gar kein Buddelzeug dabei hatten. Die Mutter begriff so langsam, dass sie ein Problem hatte und statt den Sohn in irgendeiner Form abzulenken oder zu ermutigen, etwas anderes zu unternehmen, sagte sie vorwurfsvoll. „Tja, Jonathan, das ist nun nicht meine Schuld. Dann hättest du dran denken müssen. Es ist ja nicht mein Buddel-Zeug“. Als der Wind diese Worte zu uns herüber trug, wackelte ich mit Kopf, wie ein Dackel auf der Hut-Ablage eines alten Audi A100. Die Lösung war für die Mutter ganz einfach. Sie rief über den ganzen Spielplatz: „Jonathan, dann geh‘ doch zu dem Jungen da, der hat ganz viel Buddelzeug dabei!“. Sie griff sich ihr Buch und begann zu lesen. „Cut! Stopp!“ rief der Regisseur mitten in den Film hinein. „Was soll das, wir wissen doch wie das ausgeht!“. Sie blätterte in ihrem Buch und vor meinen Augen entwickelt sich genau das, was der Regisseur vermutet hatte. Mein Sohn fühlte sich gestört und beraubt. Der Streit eskalierte. Ich schaute mir das ein paar Minuten an und griff dann ein. Jonathans Mutter las immer noch in ihrem Buch. Klar hätte ich nicht den Polizisten spielen müssen, die Jungs hätten sich auch etwas raufen und dabei ihre Hörner abstoßen können. Quasi als Einstieg auf die spätere Hackordnung. Aber musste denn das so sein? Warum hat Jonathans Mutter an ein Buch für sich gedacht, aber nicht an eine Schippe für ihren Sohn. Das könnte mir eigentlich egal sein, aber dass sie ihre Nachlässigkeit zu unseren Lasten austrägt, ist mies.

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18) Pädagogisches Frühstück

Und auch nach dem Einstand für meinen Sohn ging es munter weiter. In der Kita wurde einmal wöchentlich ein „pädagogisches Frühstück“ veranstaltet. Mein Sohn war zu der Zeit drei Jahre alt und konnte das kaum aussprechen, geschweige sich etwas darunter vorstellen. Jeden Mittwoch war ein anderes Elternhaus dran, für die Kitagruppe mit ca. 18 Kindern ein komplettes Frühstück auszurichten. Irgendwann waren auch wir an der Reihe. Ausgehend vom Appetit meiner Kinder hatte ich mir das sehr einfach vorgestellt. Ich würde einfach 18 Brötchen kaufen und ein Jumbo-Glas Nutella. Fertig. Das ließe sich schnell besorgen, würde mir nur wenig Arbeit und den Kindern eine Freude bereiten. Denkste. Es muss versteckt Eltern gegeben haben, die Einfluss auf die Ausgestaltung „unseres“ pädagogischen Frühstücks genommen haben. Und kurz darauf folgte dann die Liste der Lebensmittel, die doch bitte mitzubringen sein. Ein kurzer Auszug aus der umfangreichen Aufstellung: 18 Brötchen, 18 gekochte Eier, 3 Gläser Marmelade (zuckerfrei), 2 Packungen Wurst (laktosefrei), zwei Packungen Käse (laktosefrei), 18 Joghurts (laktosefrei), 2 Packungen Frischkäse natur (laktosefrei) usw. Ich war schon allein beim Anblick der Liste völlig überfordert. Teilte ich die Gesamte Menge durch 18 Erwachsene, war das mehr, als das was ich üblicherweise unter der Woche zum Frühstück aß. Nicht zu vergessen, dass es für die Kinder eigentlich das zweite Frühstück war, da ich annahm, dass die Eltern den Kids am frühen Morgen etwas zwischen die Kauleisten schieben. Bei uns jedenfalls war es so. Aber gut, es war „pädagogisch“ – das war natürlich etwas anderes. Also fuhren wir am Samstag in den großen Supermarkt und wollten auch gleich den Großteil der Lebensmittel für das Frühstück am Mittwoch einkaufen. Wenn es so außergewöhnliche Lebensmittel gibt, dann bestimmt dort. Konnte ja nicht so schwer sein. So stand ich dann vor den endlosen Wurst-, Käse und Quark-Regalen und die Packungen vollführten einen Tanz vor meinen Augen. Ich begann die mir vertrauten Produkte zu studieren und las die Miniaturschriften auf der Rückseite, um tödliche Laktose-Spuren zu finden. Es war mühsam und kostete Zeit. Mittlerweile hatte ich entdeckt, dass laktosefreie Produkte mit einem eigenen Label beworben wurden. Also orientiere ich mich an den Logos, um den Einkauf zügig fortzusetzen. Nur überall, wo diese Logos im Regal prangten, waren die Preise um 1/3 höher. Warum? Weil Milchzucker fehlt? Ist es wirklich so aufwändig laktosefreie Produkte zu produzieren, dass es einen deutlich höheren Preis rechtfertigt? Ich fand auch Produkte, die laktosefrei waren, aber nicht als solche ausgeschrieben sind. Soll ich jetzt alles Wurstsorten auf der Rückseite studieren? Eigentlich nicht, also packe ich wahllos ein, Hauptsache laktosefrei. Mit einem gefühlten Monats-Einkauf liefen wir zur Kasse und bekamen den Wert des pädagogischen Frühstücks umgehend auf dem 1 Meter langen Kassenbon bescheinigt. Der Einkauf war 40 EUR teurer als sonst und auch meine Uhr zeigt mir, dass wir eine halbe Stunde länger im Supermarkt verbracht hatten als sonst. Das Ende vom Lied war dann, dass wir am Mittwochnachmittag all die nicht verzehrten laktosefreien Joghurts und Frischkäse -Packungen mit nach Hause bekamen.

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17) Einstand in der Kita

Die folgende Geschichte, ist auch schon ein paar Jahre her, aber sie könnte sich genauso im „Hier und Jetzt“ abspielen. Vermutlich ist es heute noch dramatischer. Einstand in der Kita. Mhm, was macht man da zu essen? Recht einfach. Nichts Besonderes. Kuchen, Wiener, Brezeln und vielleicht etwas kleines zum Naschen. Das wollen alle Kids. Wir fragten die Erzieher, wie das denn in der Kita so gehandhabt wird. Sie antworteten, dass wir natürlich gern machen können, aber… . Da wären zunächst die „Laktose-Kinder“. Allein der Begriff, der Plural und Dominanz erschlug uns erst einmal. Es war anscheinend schon ein stehender Begriff. Bloß gut, dass es noch keine Verniedlichung dafür gab wie z.B. die Lakti’s oder die Vegani’s. Zudem durfte der Julius keinen Zucker essen und beim Tim untersuchte man das noch. Besser aber nichts riskieren. Die Eltern von Emma wollten, dass sie vegetarisch aufwächst und Paulas Eltern waren samt Kindern seit 4 Wochen Neu-Veganer. Letzteres ist zwar nicht kritisch, wir sollten es aber respektieren. Es folgten viele weitere Namen und Besonderheiten. Kein Schweinefleisch bei dem anderen Jungen, Süßigkeiten nicht gern gesehen bei den Eltern eines Mädchens, Lebensgefahr im Falle von Eiweiß bei den Zwillingen, Obst nur geschält, Obst nur in kleinen Stücken und so weiter und so weiter. Oh je! Wir wollten doch nur eine Runde schmeißen! Nun konnten wir nur noch Tüten mit Berliner Luft ausgeben, aber die ist auch nicht gerade die gesündeste. Ich habe vollstes Verständnis dafür, wenn sich ein Kind damit in Lebensgefahr begeben würde. Dann muss man wirklich vorsichtig sein. Ich habe auch mittleres Verständnis, wenn dem Kind nach dem Essen kotzübel wird. Auch ok. Wofür ich aber überhaupt kein Verständnis habe, ist, wenn Eltern ihren Ernährungstick grundlos ihren Kindern überstülpen und damit über die Kita indirekt in meine Küche tragen. Zu Hause könnt ihr machen, was ihr wollt. Es ist mir total egal, aber lasst meine Kinder damit in Ruhe. Wir versuchen, unseren Kindern halbwegs die Kulinarik zugänglich zu machen und ihr verkompliziert so etwas Schönes, wie das Essen. Wir haben uns dann für laktosefreie Reiswaffeln und zuckerfreies Wassereis entschieden, damit unser Einstand doch noch stattfinden konnte. Am nächsten Morgen sind alle Kinder wieder in der Kita erschienen, es ist keins gestorben. Ein Glück.

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16) Übereltern

Die ersten Beiträge dieser Rubrik drehten sich um ignorantes Verhalten gegenüber Familien. Soll aber keiner sagen, dass Familien nur die Leidtragenden sind. Familien können auch ein Quell von Verhalten sein, was andere auf die Palme bringt. Speziell wenn Eltern mit viel Freizeit, andere Eltern wiederum in Geiselhaft nehmen und beschäftigen. Sie packen auf die eh schon eingeplanten Beteiligungen der berufstätigen Eltern eben noch ein paar Engagements oben drauf. Ich rufe die MAZ, ein paar Videos aus dem Privat-Archiv dazu bitte:

Video: Ich hocke auf einem viel zu kleinen Stuhl in der Elternversammlung der Kita. Die Gespräche um mich herum drehen sich um Obst. Ich habe zehn Stunden gearbeitet und der Tag hallt noch nach. Termine, Offene Punkte Liste, Foliensatz, Statusbericht, und Datenanalyse. Und Obst? Unser Kind bekommt doch Obst in der persönlichen Büchse mit in die Kita! Warum reden wir jetzt über Obst? Ich habe nun wirklich andere Sorgen, als Obst! Es geht anscheinend darum, ob man nicht das ganze Obst in eine große Schüssel kippen könnte und sich die Kinder dann daraus bedienen. Das bringe Abwechslung und Interaktion untereinander in den Obst-Alltag. Ich finde das gut und bin sofort dafür, außerdem habe ich keine Lust über Obst zu sprechen, eigentlich möchte ich lieber bald nach Hause. Aber dann folgen ein paar Statements aus den Elternhäusern.

Wortmeldung 1: „Ja, aber wie ist es denn dann mit der Hygiene, wenn alle Kinder in dieselbe Schüssel greifen?“ Ich denke mir meinen Teil.

Wortmeldung 2: „Wie kann ich sicher sein, dass auch alle Eltern das Obst gründlich abwaschen?“ Auch dazu denke ich leise und mein Kopf neigt zum Schütteln.

Wortmeldung 3: „Ist denn sichergestellt, dass dann auch wirklich alle Eltern Bio-Obst mitbringen?“ Meine Augen beginnen zu rollen.

Wortmeldung 4: „Was passiert eigentlich mit den Obst-Überschüssen? Wäre ja schade, wenn die einfach im Müll landen würden.“ Ich nicke ausnahmsweise.

Wortmeldung 5: „Ich hätte da einen Vorschlag: Es könnte doch abwechselnd eine Familie Obst einkaufen und morgens in der Kita frisch zuschneiden“.

Nun denke ich nicht mehr leise. Es folgt ein klares Veto meinerseits. Wir bringen die Kids bereits um 07:15 zur Kita und werden bestimmt nicht um diese Uhrzeit für 18 Kinder Obst vor Ort in der Kita schnippeln und den vergammelten Salat am Abend wieder mit nach Hause nehmen. Niemals!
Das Obst-Thema ist abgeschlossen. Nächster Tagesordnungspunkt: „Kita-Gruppen-Fahrt“. Die Daten zur anstehenden Gruppenfahrt auf einen Bauernhof wurden bereits an alle Eltern per E-Mail versandt. Checklisten, Kontakt-Daten und der Ablauf vor Ort lagen bei. Was soll das? Es wurden doch alle wichtigen Dinge bereits verteilt, warum muss ich jetzt noch über eine Stunde über die Reise reden. Ich habe eigentlich gar keinen Bedarf. Andere schon.

Und schon folgten die besorgten Fragen der anderen Eltern, hier nur ein Auszug:
-ob denn z.B. das Wasser dort aus Flaschen oder aus der Leitung käme
-ob die Kinder dort nur duschen oder auch baden könnten
-ob auch wirklich täglich die Flaschen ausgewaschen werden.
…und ob man bitte die zwei kleinen Hunde, die es wohl auf dem Bauernhof geben würde, anleinen könne. Hunde auf einem Bauernhof? Das ist ja echt eine Zumutung!

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