57) Gib mir den Rest

Bei all dem aktuellen Geschehen um uns herum, kommen die kleinen Widrigkeiten des Alltags zu kurz. Es muss mal wieder sein. Viren, Krankheiten, Konflikte, Öl-Preise, Finanzmärkte und unser Klima haben mal zwei Minuten Pause.

Stattdessen?

Wenn Lebens-oder Verbrauchsmittel verpackt sind, lassen sie sich eigentlich ganz gut befreien, wenn man sie gießen, schütten, schneiden oder stückweise packen kann. Doof wird‘s, wenn sie als Paste, Gel und Creme in Tuben vertrieben werden. Noch doofer, wenn man geneigt ist, auch noch den letzten Rest herauszubekommen.

Jeder hat da so seine eigene Tuben-Technik entwickelt, oder?

  • So manch einer quetscht die Tube mit der vollen Pfaust. Das wirkt irgendwie infantil, herzlos und brutal.
  • Andere drücken nur das obere Drittel der Tube. Dort ist dann aber bald nichts mehr drin, also muss weiterer Nachschub von unten hochmassiert werden.
  • Echte Verwertungsprofis und Sparfüchse „rollen“ den Inhalt von unten nach oben heraus. Um so enger gewickelt um so besser. Vom Business Case her betrachtet ist das sicher gut, aber man muss aufpassen, dass sich daraus kein Spleen entwickelt 😉

Richtig spannend wird dann das Tuben-Finale:

Denn egal, wie man sich durchs Material arbeitet, es wird ein Rest oben im Kopf der Tube verbleiben. Da hilft’s auch nicht, wenn man die Tube auf den Kopf stellt, schon gar nicht auf den eigenen. Bei Tuben-Köpfen aus Weichplastik (z.B. Zahnpasta) geht das noch ganz gut. Es gibt sie aber auch aus Hartplastik (z.B. Haar-Gel) oder aus Alu (z.B. Tomatenmark) und da kann ich man schon mal schlechte Laune bekommen.

Denn, drückt man dann mit kräftigem Daumen auf den verkannteten Tuben-Kopf, folgt eine Indoor-Eruption die ihresgleichen sucht. Da fliegt das Haar-Gel aufs frisch gebügelte Hemd und die Tomate verteilt sich in der halben Küche. Da kommt Freude auf.

Und so polarisiert die Tube weiterhin. Man kann sie mögen oder hassen. Genauso wie Tuberkulose oder YouTube … was für ein Wortspiel.

PS: sollten Markennamen auf dem Foto erkennbar sein, ist das nicht meine Absicht, sondern Zufall, ich stehe bei denen nicht auf der Gehaltsliste.

So, und jetzt können wir wieder Nachrichten hören.

71) Ein Bomben-Haushalt

Heute früh beim Zähneputzen aufgeschnappt: Präsident Trump stellt seine Vorstellungen zum neuen Haushalt vor.

Kurz gefasst:

  • Zunächst deutlich mehr Geld für’s Militär, insgesamt 740 Mrd US-Dollar
  • Reduzierte 2 Mrd USD für die Mauer nach Mexico … waren schon mal 5 Mrd … ist aber auch Wurscht.
  • Für Umwelt, Wohnungsbau, Gesundheit und Entwicklungshilfe sollen die Budgets gekürzt werden

Eher unwahrscheinlich, dass er das so durch den Kongress kriegt, aber zeigt es durch ganz eindrücklich, wie der Mann so tickt.

Liegt die Mauer nach Mexiko kostentechnisch irgendwo zwischen Elbphilharmonie und Flughafen BER haut mich das nicht um.

Aber lasst euch noch mal den Etat für die Verteidigung auf der Zunge zergehen.

  • 740 Mrd
  • Eine 740 mit 9 Nullen.
  • 740 000 000 000

Als ich das mit meinem Handy auf den Monat umrechnen will, streikt es zunächst. Im Profil -Mode kann ich insgesamt nur 9 Ziffern eintippen. Im Landscape-Mode ging es dann.

Es sind 61.666.666.666,66667. Pro Monat.

<— Mehr aus der verrückten Welt

 

46) Feiertag

Der Feiertag beginnt grau und nass. Die eigentlich geplante Rad-Tour muss wohl ins Wasser fallen, sonst fällt das Wasser auf uns und auf die Räder.

Was nun tun mit diesem Feiertag? 

Im Radio verfolge ich eine Sondersendung zur Stadt Berlin, den aktuellen Themen und Veränderungen. Ein Statistiker berichtet, dass die meisten Ur-Berliner in Reinickendorf wohnen, also am Rande der Stadt. Die Hinzugezogenen haben sich eher in der Innenstadt niedergelassen. Angeblich wohnen im Prenzlauer Berg die wenigsten gebürtigen Berliner.
Das glaube ich gern!

Ich schaue auf meine ToDo-Liste und nehme mir für heute die Dunstabzugshaube in der Küche vor. Dafür liegt seit Wochen ein Kohlefilter bereit, hatte bislang aber keine Zeit dazu. Ich brauche ein knappe Stunde, bis ich diesen blöden Plastikrahmen des Filters mit Taschen-Messer und Cutter so bearbeitet habe, dass er endlich in die Fassung passt.
Großartig, dem Normwesen sei Dank!

Ich öffne einen Brief vom Finanzamt. „Sehr geehrte Steuerzahlerin, sehr geehrte Steuerzahler, … das Finanzamt hat ihnen ….“ steht da geschrieben. Also das geht ja nun gar nicht! Das ist ja überhaupt nicht gender-neutral. Selbst bei der Verkehrswacht sprechen sie schon von „Zu Fuß gehenden“ statt von „Fußgängern“,  „Lehrer“ sind neuerdings „Lehrende“ und „Radfahrer“ heißen „Radfahrende“. Klaro? Also möchte ich vom Finanzamt bitte als … ja, wie nun … ähm … vielleicht … ach keine Ahnung.
Sollen die mich doch mit meinem Namen ansprechen!

Wir beschließen, ins Kino zu gehen. Karten kaufen wir online. Vor Ort ein Wasser, kleines Pop-Corn, kleine Gummi-Tiere und einmal Nachos mit Käse-Sauce. „19,20 EUR bitte.“ Oh ha. Heute lassen wir es krachen. Aber immerhin bediente uns da noch ein Mensch am Tresen. Unten in der Eingangshalle stehen schon Ticket-Maschinen, oben plopped Pop-Corn-Automaten. Dauert nicht mehr lange, dann gibt es Drehkreuze wie am Flughafen. Dann brauchen wir auch den Karten-Kontrolleur bzw. die Karten-Kontrolleurin … ach nein … „die Karten-Kontrollierenden“ nicht mehr. Ich setze mich in den Leder-Sessel und mache es mir bequem.
Geht‘s endlich los?

Die Werbung beginnt. Ein deutscher Bahn-Konzern bringt den ersten Spot und berichtet von seinem positiven Beitrag für die Umwelt. Als nächstes verpasst sich ein Schwedisches Energie-Unternehmen einen Öko-Anstrich. Zu guter Letzt verspricht uns ein Amerikanischer Hersteller von Eiscreme eine bessere Welt. „Unser Eis gibt‘s auch hier im Kino“. Na wer hatte das gedacht. Es wird dunkel, der Film beginnt. Die Lehne lässt sich nach hinten verstellen. Ich greife links und rechts nach den Gurten und will mich anschnallen …
Mann, es ist Feiertag!

48) Wäsche aufhängen

Die frisch gewaschene Wäsche aufzuhängen, kann noch viel schlimmer sein, als den Geschirrspüler (-> früherer Beitrag) auszuräumen.

Das Zeug, was der Spüli ausspuckt, ist ja über die Woche mehr oder weniger gleichartig und damit in der Menge gut kalkulierbar. Die Waschmaschine dagegen, hat da viel mehr Überraschungen parat. Es gleicht einem Lotterie-Spiel. Hat die Maschine ihr Piepen endlich aufgegeben (-> früherer Beitrag), hat sie im besten Fall wenige Teile Bettwäsche im Angebot oder im worst case viele Socken und andere Kleinteile. Zudem ist die Waschmaschine immer genau dann fertig, wenn man es nun echt nicht gebrauchen kann. Den Spüli kann man ja einfach nur öffnen und ggf über Nacht stehen lassen, bei feuchter Wäsche allerdings hat das seine Grenzen.

Also los, fangen wir an, hilft ja nix…

  1. Das Bullauge geöffnet und beherzt zugegriffen
    … wo ist dieses blöde Waschmittel-Portionierungs-Ding nur geblieben?
  2. Die klammen Stoffe quer durch die Wohnung zum Wäschetrockner geschleppt
    … eine Schüssel wäre praktisch, ist aber irgendwie auch uncool oder?
  3. Die Klamotten auf dem Trockner zwischengeparkt, fallen weitere Teile durch die Lücken hinunter auf die Erde
    … vielleicht doch eine Schüssel?
  4. Passende Socken-Pärchen suchen (-> früherer Beitrag), T-Shirts in Form ziehen, Kaugummi-Papier und Steine aus des Sohnes Hosentaschen pulen
    … was  kommt da noch? Taschentücher? Sand?
  5. Mehrer gezielte Griffe in den Klammer-Korb
    … kommen zwei gleichfarbige Klammern eigentlich bereits einer Marotte gleich?

Irgendwann ist es dann geschafft.

Schleppt der Sohn zusätzlich die roten Trikot-Sets der E-Jugend an, ist man zunächst entsetzt wegen der schieren Menge, dann aber schnell entspannt, ist doch alles Uni Size und Uni Color und ohne Socken …

40) Spülmaschine

Spülmaschinen sollen ja eigentlich Arbeit abnehmen, sie können uns aber auch ganz gut beschäftigen. Andere schreiben über diese weißen Monster, ich tat es auch schon. Eine Spülmaschine kann ein Geschenk oder ein Graus sein. Je nachdem was man von ihnen will und zu welcher Tageszeit man ihren „Service“ bemüht.

Ist man am Abend nur müde und will Geschirr und Gläser aus den Augen haben, ist sie ein Segen. Einfach nur die Klappe öffnen und das ganze Zeug halbwegs sinnvoll unterbringen. Die Schwerkraft hilft da ungemein. Abend für Abend kann man das Schwedische Porzellan darin entsorgen, bis die Maschine voll ist. Dann noch ein Tab hinterherwerfen, Super-Programm auswählen (viel hilft ja viel… weiß man ja), Klappe zuwerfen und dann schnurstracks ins Bettchen. Gute Nacht. 

Schon ganz anders verläuft dagegen das Ausräumen der Maschine am Morgen. Zunächst ist da die Fülle an Material, die auf einmal zu Tage tritt. Wer hat das eigentlich alles dort hineingestellt? Um effizient vorzugehen, versuche ich mehrere gleichartige Dinge mit einem Mal zu greifen und an ihren Plätzen zu verstauen. Also zum Beispiel die großen Teller in die eine Hand. Alle kleinen Teller in die andere. Nach dem all die zueinander passenden Dinge eingesammelt sind, finden sich jedoch immer mehr „Singles“ im Spüli.

  • Da ist ein Plastik-Deckel zu einer Frischhalte-Dose, allerdings fehlt die Dose. 
  • Eine Souvenir-Espresso-Tasse von der Algarve tanzt aus der Reihe und lässt sich nicht stapeln.
  • Der Bier-Becher vom „Hosen“-Konzert ist umgekippt und hat Dreckwasser in sich gesammelt.

Alle Einzelgänger müssen nun separat gegriffen und verstaut werden. Mit jedem dieser Teile singt meine Laune und steigt das Risiko, dass ich mir nun doch noch den Kopf an einer offen Schranktür stoße. 

Der Erfinder in mir wird wach: 

  • Warum können wir nicht einfach zwei Spül-Maschinen haben? Aus der einen Maschine bedient man sich mit sauberem Geschirr, in die andere packt man gleich danach die dreckige Teile.
  • Warum gibts denn noch keinen Küchenschrank, dessen Innenleben sich quasi von selber reinigt? Das lästige Ausräumen hätte ausgedient, nur das Einräumen bliebe noch.
  • Warum gibt es keine Roboter, die nachts heimlich alle Einzelteile entsorgen. Wenn das jemand anderes macht, sind wir doch alle dankbar, oder? Nur wir selber können uns doch davon nicht trennen.

Ich weiß, ich weiß … das sind alles Wohlstandssorgen. All die Fragen werden für einen Moment an die Seite gelegt, wenn der weiße Aparillo mit einem Dauer-Piepton und „Error `20“ im Display auf sich aufmerksam macht. Sofort entwickelt sich die heimische Wohnküche zum Waschraum auf dem Camping-Platz. Wie früher. Alles schön per Hand. Die gängige Suchmaschine rät zur vollständigen Demontage des Abwasserschlauches. Auch den Siphon und die Rohre unter der Spüle sollte man bei der Gelegenheit mal abbauen.

Sonntag scheint ein guter Moment dafür zu sein. Ich liege mit Oberkörper und Taschenlampe im Spülschrank, baue alles ab und lege die Teile in das Spülbecken über mir. Durch den Einsatz der Küchen-Rolle bleibt alles erstaunlich trocken. Uff. Die erste Hürde ist erfolgreich genommen. Durch irgendetwas abgelenkt, widme ich mich kurzzeitig einer anderen „Challenge“ im Familien-Haushalt. Als das erledigt ist, stocke ich kurz. Wo war ich doch gleich stehengeblieben ….? Ach ja. Den Siphon und die Rohre durchpusten.

Also kehre ich zum Spülbecken zurück, drehe das Wasser auf (viel hilft viel…) und versuche den Dreck aus den Rohren zu kriegen. Das geht soweit ganz gut voran, bis ich merke, dass ich mit meinen Socken in einer schnell größer werdenden Pfütze stehe…

In diesem Moment schaue ich auf den Siphon in meinen Händen.

Schei…. !

Frühere Beiträge zu „weißer Ware“:

37) Senf am Morgen

Wieder so ein Moment, bei dem ich am liebsten laut „Schei…“ schreien möchte. Es ist Freitagmorgen um 06:45 Uhr. Die Familie sitzt am Frühstückstisch. Wir schieben Cornflakes und Toasts in unsere Futterluken und nippen an Kakao und Kaffe. Ein paar Wörter lösen sich aus unseren Kehlen, aber für tiefergehende Gespräche fehlt es an Zeit und Energie. Also mache ich den Anfang und beginne schon einmal, den Tisch abzuräumen. Geschirr und Besteck kommen in den Spüler, Wurst und Käse gehören in den Kühlschrank. Alles reine Routine, ich könnte es mit verbundenen Augen. Also reiße ich die Kühlschrank-Tür auf und … sehe einen Senfbecher in der untersten Ablage der Kühlschranktür? Aber das geht nun wirklich nicht. Ich brumme mein Unverständnis in den Raum. Der Platz unten in der Tür ist für große Tetra-Packs und Flaschen reserviert, aber bestimmt nicht für kleine Senf-Becher. Da bin ich etwas eigen und kann schnell zickig werden. Also greife ich den Senf-Becher am Schlafittchen, um ihn in die oberste Etage zu befördern. Meine Feinmotorik liegt aber noch im Bett und schläft. Der Becher fällt zu Boden und zerplatzt. „Klatsch“ macht es. Ein großer Haufen gelber Senf liegt auf den Bodenfliesen vor dem Kühlschrank. Oaaahh, nö!!! Bitte nicht das jetzt! Das brauche ich jetzt echt nicht. Es riecht hier wie am Schwenkgrill auf dem Weihnachtsmarkt. Wie kriege ich das nun wieder weg? 

Mit ein paar Blättern Küchen-Papier von der Rolle? Nein, das ist irgendwie zu trocken. Vielleicht mit feuchtem Lappen oder Schwamm? Auch nicht, dann verschmiere ich das alles bloß noch. Also begebe ich mich auf die Knie und baue den Senf-Berg mit Torten-Heber und Crêpe-Besteck ab.

Um so mehr ich mich dort unten auf den Fliesen so umsehe, um so deutlicher sehe ich, dass sich der Senf noch weiter verteilt hat. Senf-Spritzer an den Tür-Fronten, weitere Kleckse an den Blenden und so weiter. Großartig.

Ach man, das ist doch eine riesige „Schei…“ fluche ich. 

Zum Glück ist heute Freitag und nicht Montag.

Frühere Beiträge zu Haushalt und Co:

33) Ceran-Feld

Habe ich schon einmal darüber geschrieben, dass es mich auf die Palme bringt, wenn Haushaltsgeräte oder andere Maschinen mitdenken und vermeintlich intelligent in meinen Alltag eingreifen wollen? So etwas wie piepende Geschirrspüler und Waschmaschinen? Oder etwa geistig gestörte Saugroboter? Oder das nie endende Bimmeln des Autos, wenn ich mal nicht angeschnallt bin? Ja, habe ich. Auf meiner Hitliste der nervigsten Haushaltsgeräte arbeitet sich auch unser Ceran-Feld in der Küche beharrlich nach oben. Es hat nun die Top 5 der Liste erreicht, also verdient es einen Beitrag hier in aller Öffentlichkeit. Das Kochen auf vier Flammen ist eh schon stressig genug, aber unser Ceran-Feld kann mich auf fiese Weise an den Rand eines Tobsuchtsanfalls bringen. Auf Fläche 1 blubbert ein Gemüse, auf Fläche 2 eine Beilage, auf Fläche 3 steht die Soße und wartet bereits auf ihren Einsatz. Fehlt also nur noch das Steak. Aber zunächst muss dazu ordentlich Hitze auf Fläche 4 entstehen, damit die Pfanne so richtig heiß wird. Nichts ist schlimmer, als ein Steak in einer Pfanne, die nicht heiß genug ist, oder? Nun hat sie ausreichend Temperatur, es kann losgehen. Ich warte trotzdem noch einen Moment und beobachte dabei die Küchen-Uhr. Ich will warten bis die nächsten vollen 5 Minuten erreicht sind, um beim Steakbraten nicht ständig rechnen zu müssen, wieviele Minuten, denn nun schon vergangen sind. Es ist so weit und ich lege die Steaks in die Pfanne. Sofort tut sich etwas unter dem Fleisch. Phantastisch, so muss es sein. Auf einmal aber sabbert der Topf auf Fläche 2 und spuckt etwas Wasser. Es blubbert mehr aus diesem Topf und das Ceran-Feld fängt an zu piepen. Ich kenne das Piepen schon und mein Puls steigt an. Das Piepen heisst so viel wie „irgendwo läuft etwas über und wenn du blöder Mensch das nach dem fünften Piepen nicht stoppst, schalte ich schlauer Herd mich erst einmal ab“. Ich drehe die Hitze auf Fläche 2 etwas herunter, trotzdem befindet sich nun aber Wasser auf dem Ceran-Feld. Bevor ich mir überlegen kann, wie ich das Wasser vom Glas entfernt kriege, ohne mir die Pfoten zu verbrennen, piept der Herd zum fünften Mal und schaltet sich ab. Na großartig. Man bekommt das Ceran-Feld aber nur wieder angeschaltet, wenn man alle 4 Flächen geräumt und die Flüssigkeit entfernt hat. Wo soll ich aber mal soeben vier heiße Töpfe zwischenparken? Dazu fehlt mir gerade der Platz. Das Manöver dauert zwar nur eine kurze Zeit, aber lang genug, dass die Pfanne mit den Steaks abkühlt. Nachdem das Ceran-Feld wieder zum Leben erwacht ist, versuche ich schnell wieder die alte Hitze in die Pfanne zu kriegen. Vergeblich. Die Steaks geben ihre Flüssigkeit ab und schwimmen nun darin vor sich hin. Mann, du dämliches Kochfeld! Ich wollte kein gekochtes Steak!!! Welcher schlaue Ingenieur hat sich diese bekloppte Abschaltautomatik einfallen lassen? Ich wünsche mir eine dumme Kochstelle!

Frühere Beiträge zu widerspenstigen Gerätschaften:

28) Waschmaschine

Habe ich nicht erst vor kurzem über die heutige Auto-Ausstattung geschrieben, die permanent klingelt, piept und gongt? Ja, das habe ich und zwar im Beitrag „Das klingende Auto“. Das ist schon wirklich nervig, aber im Auto hat man zumindest alle Möglichkeiten in Reichweite, um das Gepiepe sofort zu stoppen. Man kann sich anschnallen, man kann langsamer fahren oder halt die Türen noch einmal schließen. Bei unseren Haushaltsgeräten aber, kann das noch viel mehr nerven und das Geräusch lässt sich eben nicht mehr in Greifnähe stoppen. Mein bester Freund ist unser Toaster. Der verrichtet sein Werk ganz leise und wirft die Brote kurz in die Höhe, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Nichts piept. Großartig. Schon etwas offensiver meldet sich unsere Mikro-Welle. Sie piept 5 mal hintereinander, um uns zu sagen, dass das Essen ausreichend bestrahlt wurde. Für meinen Bedarf schon viel zu viel Getöse. Ich frage mich, warum sie überhaupt piept, wenn sie schon gar nicht mehr heizt. Müsste sie nicht eher piepen, wenn das Zeug darin zu lang seine Runden dreht und zu heiß wird? Wenn ein Unglück droht? Ähnlich meldet sich der Geschirrspüler. Der ist üblicherweise dann fertig, wenn ich auf der Couch liege und die Nachrichten des Tages sehen will. Kaum ist der Spüli fertig, piept er 5 mal. Ich will aber nun echt nicht aufstehen, um das Piepen zu stoppen. Ich will fernsehen. Eine echte Eskalation droht, wenn ich in der Badewanne liege und meine Ruhe haben will. Mal einen Moment allein sein, gern in Gesellschaft eines Buches oder einer Zeitung. Oder einer Radiosendung. Wenn dann die Waschmaschine im Bad die Zielgerade erreicht, piept sie exakt 3 mal hintereinander. Und das Ganze in 5 Durchgängen. Warum muss ein Waschmaschine 15 mal piepen und was soll ich jetzt tun, um diesen Wahnsinn zu beenden? Soll ich aus der Wanne aussteigen, um die Maschine abzuschalten? Danach schwimmt das halbe Bad, weil ich überall das Wasser verteile. Oder ich rutsche vielleicht noch auf den Fliesen aus und schlage mir den Kopf auf. Keine gute Idee. Kann ich vielleicht mit Duschbad oder Shampoo nach der Maschine werfen? Eher unrealistisch, dass ich wirklich den Stopp-Knopf treffe. Vielleicht könnte ich jemanden aus der Familie rufen? Gute Idee, dumm nur, dass ich die Tür von innen verriegelt habe. Soll ich die Kids ermutigen, die Tür von außen zu öffnen? Das käme einem Dammbruch gleich und ich wäre nie wieder für mich allein. Was bleibt da sonst noch an Optionen? Unsere Waschmaschine hat leider keine Fernbedienung, keine Sprachsteuerung und sonstige künstliche Intelligenz verbaut. Ich entscheide mich fürs Abtauchen und Haare-Waschen. Unter Wasser lässt es sich das Piepen aushalten. Derweil frage ich mich, warum es für die Maschine ungefähr 30 Waschprogramme gibt, aber keine Stumm-Taste. Jedes analoge Handy hatte so etwas bereits. Vielleicht sollte ich mal einen Brief an den Hersteller der Maschine schreiben. Oder mich nach einer smarten Waschmaschine umsehen?

PS: jetzt zum Ende des Beitrags werfe ich einen Blick in die gängige Suchmaschine. Ich tippe „piepsende W..“ ein und sehe, dass sich auch viele andere Menschen darüber aufregen. Na ein Glück.

Frühere Beiträge zum Thema Haushalt und Technik:

26) Socken-Memory

Das man Waschmaschinen häufig vorwirft, unsere Socken zu fressen, ist allgemein bekannt. Andererseits ist das technisch kaum möglich. Die Waschmaschine hat keinen zweiten Ausgang und wenn all die fehlenden Socken wirklich noch in der Waschmaschine wären, wäre sie verstopft und hätte schon längst den Geist aufgegeben. Jeder hat vermutlich seine eigene Theorie, wie es eigentlich dazu kommt, dass man nach dem Öffnen des Bull-Auges häufig „Single-Socken“ findet. Vielleicht gibt es mittlerweile schon wissenschaftliche Arbeiten über dieses Wohlstands-Problem. Doch wie kann man der Situation Herr und Frau werden?

Bei Erwachsenen kann man folgendes probieren:

1. Ein Groß-Kontingent an gleichfarbigen Socken kaufen, alles austauschen und alle noch später auftauchenden andersfarbigen Socken wegschmeißen. Das klingt sehr drastisch, im Falle von Socken ist das vielleicht aber noch vertretbar.

2. Mit Socken-Klammern, Wäsche-Netzen und anderen Hausmitteln probieren, das Problem zu managen. Oder eine eigene Erfindung dafür machen, Patent anmelden und reich werden. Dann in ein Land umziehen, wo man nur selten Socken benötigt.

Beide Ansätze eignen sich für Kinder nicht so gut. Durchgehend schwarze oder graue Socken finden sie vermutlich doof und alle Hausmittel funktionieren nur, wenn sich auch beide Socken an einem Ort befinden. Aber hier beginnt das Problem ja bereits.

Einzelne Socken befinden sich bei Kids aber noch in Hosen, Sporttaschen und Schlafsäcken. Sogar außerhalb der Wohnung liegen sie. Bei den Großeltern, in der Schule oder auf dem letzten Kindergeburtstag. Im schlimmsten Fall im Schullandheim 300 km weit weg. Ohne ein Socken-Ortungs-System besteht kaum eine Chance.

Da bleibt nicht viel anderes übrig, als die Singles in einem Korb zu sammeln und die Kids alle paar Wochen zum gemeinsamen „Socken-Memory“ aufzurufen. Also gemeinsam den Korb auskippen und dann passende Socken-Paare suchen. Die Kids begreifen aber schnell, dass dahinter kein Spiel steckt und verlieren bald die Lust dazu. Irgendwann sitzt man allein da. Hat man dann krampfhaft  6-7 passende Paare gefunden, legt sie übereinander und zieht sie etwas in die Länge, stellt man fest, dass die vermutlich schon zu klein sind. Soll man sie nun letztlich doch in die Kleider-Tonne oder in den Müll werfen? Und was macht man dann mit dem Rest der Singles? Noch ein paar Wochen warten, bis die zweite Socke auftaucht? Ist das noch realistisch? Und was ist eigentlich, wenn man gar nicht mehr die erste Socke in der Hand hält, sondern bereits den Zweiten?

PS: Bei der Gelegenheit: Auch wenn das hier kein Hausmittel-Forum werden soll. Hat denn jemand einen entspannten Umgang damit gefunden? Wenn ja, dann einfach unten kommentieren. DANKE

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21) Zeitumstellung

Kaum werden die Tage kürzer, droht schon wieder die Zeitumstellung für den Winter. Ich mag die Zeitumstellung nicht. Mir geht es aber gar nicht um diese eine Stunde, die uns mal geschenkt oder mal entzogen wird. Damit komme ich ganz gut klar. Das kommen wir doch alle, wenn wir für den Urlaub durch die Welt fliegen, oder? Was mich nervt, ist eher die Umstellung der Zeit bei uns zu Hause. Alle neuen smarten Geräte lösen das irgendwie selbständig. Großartig. Die analogen Uhren an den Wänden allerdings, sind da weniger smart. Nach und nach klappern wir also die Zimmer ab, klettern auf Stühle und Hocker, um an sie heranzukommen. Kaum hat man eine Uhr abgenommen, hat man schon wieder vergessen, welche Zeit man gerade auf der vorigen eingestellt hat. Außerdem ist die Zeit ja schon weiter vorangeschritten, das muss man ja berücksichtigen. Also läuft man wieder zurück oder man schreit die aktuelle Zeit durch die Wohnung. Ist das dann abgeschlossen, entdeckt man nach und nach weitere Mini-Uhren, die auch noch umgestellt werden wollen. Zum Beispiel im DVD-Player, in diversen Weckern, in der Mikro-Welle, in der Pulsuhr und natürlich auch im Auto. Den wiederkehrenden Höhepunkt bildet aber unser Backofen. Auf dem Tastenfeld ist nicht wirklich zu erkennen, wie man nun die Uhrzeit einstellt. Man kann sich nur durch verschiedene Zeitsymbole durchschalten und raten was sie bedeuten sollen. Das erste Symbol sieht aus wie die Startzeit, das zweite soll vielleicht die Laufzeit darstellen, das dritte könnte ein Countdown sein, dann folgt so etwas wie die Abschaltzeit und zum Schluss endlich die Uhrzeit. In der folgenden Nacht lauschen wir, ob der Backofen anspringt und am nächsten Morgen stellen wir fest, dass alle Uhren leicht abweichen. Mal sehen, vielleicht ist ja bald Schluss damit.

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