64) Berlinari Desert

Wer mit offenen Augen im Berliner Raum unterwegs ist, wird feststellen, dass es hier furztrocken ist. War das früher auch so? 

Waren Rasenflächen bereits Anfang August braun? Verloren die Bäume da schon ihre Blätter? Versandet das hier zunehmend oder ist das alles nur Einbildung?

Schaut man sich ein paar Statistiken an, so liegen die Regenmengen hier seit Monaten weit unter dem Vieljährigen Mittel (1961-1990). Ob das Menschengemacht ist oder eine Laune der Natur, müssen die Profis ermitteln. Aber so oder so. Es ist zu trocken. Fakt. Und damit muss sich eine wachsende Großstadt beschäftigen. Im Gegensatz zu anderen Metropolen hat Berlin eigentlich den Vorteil, dass es viele Grünflächen in der Stadt gibt. Das kühlt die Temperaturen etwas herunter und ermöglicht die Flucht ins Grüne. Noch.

Denn das Trampel-Volk macht noch den letzten Berliner Grashalm platt:

  • Da gibts die ganz Digitalen, die zwar per App ihre Schritte zählen, aber via Navi den kürzesten Weg durch den Park ermitteln. Wenn nötig mitten durch die Sträucher. Wie Elefanten.
  • Viele Jogger laufen neben den Wegen. Könnte ich ja noch verstehen, wenn der Belag auf dem Weg so hart ist. Aber wenn der Weg aus Kies ist? Was soll das dann?
  • Selbst ernannte Personal Trainer coachen ihre Kunden in den frühen Morgenstunden und lassen deren Pfunde auf den Boden trommeln. Oder Gewichte fallen. Immer drauf aufs zarte Grün. Buff!
  • Die Oberfreiheitlichen und Querdenkenden laufen grundsätzlich quer feld ein. „Ich lass mir doch nicht vorschreiben, wo ich entlang zu gehen habe“ und „Me first“.
  • Den Rest besorgen Grill-Parties, Lagerfeuer und nächtliche Feten. Die Clubs haben ja leider zu. Wegen Corona. Wie doof. Da müssen wir halt den halben Stadtpark verfeuern. Is‘ so.

So werden Wege zu wahren Schneisen. Gabelungen zu Plätzen. Von den kartografierten Grünflächen müsste man ehrlicherweise glatt ein Drittel abziehen.

Und das liebe Leute ist Menschengemacht, ohne Zweifel!

Macht nur weiter so, dann siehts hier bald aus wie in der Kalahari … ähm … Berlinari Desert.

61) Laubsauger

Noch ein Beitrag zum Herbst, bevor der nun bald wieder vorbei ist und wir direkt in den Frühling übergehen und wieder angrillen können!

Schon vor Jahren waren die ersten Laubbläser in Straßen und Parks zu sehen. Orange gekleidete Männer der Stadtreinigung trugen diese Ungetüme von der Schulter baumelnd, bliesen Laub von Links nach Rechts und dabei ausreichend CO2 in die Luft. Sie sahen aus wie Außerirdische und fabrizierten einen Höllen-Lärm. All der Dreck wird dabei auf die Straße gepustet, dann kommt ein LKW mit großen Bürsten und sammelt alles auf. Klassische Straßenfeger sieht man nun immer seltener. Hälfte Personal, doppelt Laub. Faktor 4. Stadtkämmerer happy!

Im Stadtpark sehe ich nun immer häufiger Autos, die das Laub gar nicht mehr nur durch die Gegend blasen, sondern direkt von der Wiese absaugen. Klingt im ersten Moment logisch, oder?

Aber um so mehr ich das wilde Treiben … äh Saugen … beobachte … frage ich mich:

  • Ist das so gut, wenn Laub, Insekten, Mikro-Teilchen und anderes Gewimmel regelmäßig „aufgenommen“ und der „Entsorgung zugeführt“ werden? Nun bin ich ja wahrlich kein Botaniker und schon gar kein Mikro-Biologe. Weiß das jemand?
  • Fahren die Dinger bald autonom durch die Gegend und dann permanent zwischen unseren Füßen herum? Und wäre es daher nicht sogar besser, man würde das Gelände komplett ebnen? Oder ist das gar nicht nötig, weil die Blätter sowieso irgendwann von Mini-Drohnen abgesammelt werden?
  • Und was ist mit den Menschen, die das bislang taten? Das war doch eine ehrliche Arbeit. Will die keiner mehr machen und deshalb erfinden wir die Roboter? Oder bekommt die Jobs keiner mehr angeboten, weil Roboter die Arbeit viel besser erledigen? Henne? Ei?

Und überhaupt. Wir sollten alle Bäume und Sträucher im Park roden und danach alles fliesen! Dann kann man dann noch `nen Wisch-Roboter hinterher schicken.