78) Wortwahl: Push Back

Während wir hier im Warmen sitzen und uns vor lauter Corona-Panik in die Vegan-gefertigten Unterhosen machen, spielen sich an der EU-Außengrenze zwischen Türkei und Griechenland furchtbare Szenen ab. 

Flüchtende Menschen irren bei Wind und Wetter zwischen den Grenzanlagen hin und her. Kinder sind natürlich auch dabei. Wo sollen die auch sonst sein. Zu Hause bleiben wollten die nicht, denn das „zu Hause“ gibt es nicht mehr.

Verwendet man aber für diesen Vorgang den englischen Begriff „Push Back“, klingt das alles gar nicht mehr so schlimm, oder? Selbst im öffentlich rechtlichen Fernsehen berichtete ein Reporter vor ein paar Tagen, man habe die Flüchtlinge „zurückgepusht“.  Hört sich irgendwie weich und kuschelig an, oder? So wie Puschel, Bommel, Weichspüler oder der Name eines Haustiers. „Pusch Ultra-Soft“ oder „Pusch Sensitive“ oder „Puschel das Mehrschwein“.

Türkei und Griechenland setzen Tränengas und Rauchbombem ein. Das ist gar nichts kuschelig.

  • Vor 30 (!) Jahren erschien 1990 der Film „Der Marsch“ bei dem es um riesige Fluchtbewegungen ging, die nach Europa strömen. Aber das war ja nur ein „Sci-Fi“-Film, eine Dystopie. Nichts reales, nur ein Film. Ein Kunst-Projekt.
  • Vor 2 Jahren dann der Roman „Die Hungrigen und die Satten“. Wirklich lesenswert, hörenswert und sehr unterhaltsam. Durch seine flachgeistigen Hauptdarsteller, verkommt das ernsthafte Thema aber leider zu einer Satirik-Komödie. Die Menschen dort in Kastanies finden das aktuell bestimmt nicht lustig.
  • Nun muss man nicht mehr ins Kino gehen, kein Buch lesen. Das Drama spielt sich vor unseren Augen ab.

Klar, können nicht alle flüchtenden Menschen der Welt in die EU kommen. Das geht nicht. Schon gar nicht, wenn man mit der „EU“ eigentlich „Deutschland“ meint. Aber was sich da abspielt ist zutiefst beschämend. Soll mir keiner sagen, Europa ist durch christliche Werte geprägt. Ich lach‘ mich schlapp! Viele Regierungen sind wohl eher durch „egoistische“ oder „protektionistische“ Werte geprägt. Die EU hat 27 Mitgliedsstaaten. Der Staatenverbund finanziert deren Gehwege, Spielplätze und die heiß geliebten Auto-Bahnen.

Und die Kinder hocken da im Dreck …

Schönen Sonntag noch!

7) Postkarte von Korfu 2018

Korfu ist per Direktflug von Berlin zu erreichen und bietet „Stoff“ für ca. eine Woche. Mitte Oktober erwarten einen dort noch über 20°C, wobei das für Berlin ja neuerdings auch zu gelten scheint. Auf Korfu sollte man sich nach ein paar Tagen Chill Out einen Mietwagen leihen, um keinen Lager-Koller zu bekommen. Die Insel hat durchaus schöne Ecken…

043B8951-7A61-4BDB-8846-067CEEDC9D20

…und bietet auch einige Skurrilitäten:

Ende Oktober wirkte Korfu wie ausgestorben. Die Saison ging dem Ende zu, täglich verließen Besucher die Insel, verrammelten Gewerbetreibene ihre Shops und Restaurants. Von Tag zu Tag wurde die Insel zur Geister-Insel und die Katzen übernahmen die Oberhand.

BFA3F791-E5D0-4472-B50C-F5CCB6CE7FB6

Alles was den Eigentürmern schützenswert erschien, wurde in blaube Plastikmülltüten verpackt. Egal ob Straßen-Lampen, Neon-Reklamen oder Speisekarten-Aushänge. Im nächsten Leben werde ich Plastik-Tüten-Fabrikant auf Korfu.

FD364C7E-BA01-453C-ABB4-BB941D2551C1

Beim folgenden Anblick diskutierte ich eifrig mit meiner Tochter: Haben sie hier  den wachsenden Oliven-Baum so lange ignoriert, bis er schließlich die Mauer spaltete oder hat man die Mauer einfach schlampig um den Oliven-Baum herum gebaut, weil man zu faul war, den Baum vorher zu entfernen.

BD935E48-F94A-481D-AFC9-2DF8D1589FCA

Beide Varianten werfen kein gutes Licht auf das grieschiche Bauwesen. Vielleicht gab es ja auch einen anderen „besseren“ Grund.

Grundsatz: Ingenieure für Maschinen-Bau, Energieverteilung, Straßenbau oder Fernmeldewesen sollten im Korfu-Urlaub häufig mal die Augen schließen. Das sieht teilweise schon sehr gespenstisch aus und manchmal könnte man meinen, man fährt durch Indien.

ABER: bei einem Thema gibt es keinen Zweifel und das muss ich hier nennen, auch wenn das der Touristik-Minister dort vielleicht nicht hören will. Korfu hat ein „Müll-Problem“. In den kleinen Orten sieht man schon genug Müll auf der Straße oder in den Büschen liegen. Bei heftigem Regen, wurden die gefüllten Tüten durch die Orte gespült. Aber auch zwischen den Orten bilden sich große Müllhaufen. Auch direkt am Wasser wie auf dem Foto. Bei deren Ausmaßen, können die nicht erst 3 Tage alt sein. Auch „der Wind“ kann dafür nicht verantwortlich sein. Da muss mehr dahinter stecken.

B137A9E7-4CC0-44AB-8160-FBC83A8439D3

Wir fragen uns:

1. Ist der öffentliche Dienst vielleicht nicht mehr finanziert. Streiken die Müllwerker wohlmöglich?

2. Gibt es hier gar kein Entsortungsnetzwerk, was den Müll zu Hause abholt? Ist es völlig normal, dass die Leute ihre Tüten einfach am Straßenrand zwischen den Ortschaften stapeln?

3. Wenn Punkt 1 oder Punkt 2 zutreffen, ist das schon schlimm genug für ein Land was der Europischen Union angehört und sich doch sonst so stolz auf die grieschichen Errungenschaften beruft. Aber dann verstehe ich nicht, warum die Einwohner nicht nur ihren Müll, sondern auch ihre alten Autos, Bauschutt oder Gas-Flaschen einfach irgendwo abstellen.

Fazit: Wenn man Mitte oder Ende Oktober mal noch eine andere Tapete sehen will, bevor zu Hause die kalte Jahreszeit beginnt und dafür keine langen Flüge machen will, ist Korfu durchaus eine Option. Man sollte aber mit den Müllbergen klar kommen und dem permanenten Gefühl, den letzten Flieger nach Deutschland zu verpassen.

Frühere Postkarten: