14) Das Bloggen der Anderen

Seit Sommer 2018 bin ich nun mit meinem Blog unterwegs und fühle mich trotzdem noch als Neuling. Ich freue mich über Besucher, Likes und Follower. Aber das ist eine etwas egozentrische Sichtweise. Natürlich bin ich auch auf andere Blogs gestoßen und bin bei ihnen als Follower unterwegs. Es ist aber gar nicht so einfach, gutes Schriftwerk zu finden.

Auf manchen Blogs geschieht nur geistiger Dünnpfiff, da ist jeder weitere Verbrauch des Akkus reine Geldverschwendung. Andere Blogger dagegen, sind auf ähnlichem Feld unterwegs wie ich. Sie kommentieren aktuelle Ereignisse aus Gesellschaft oder Politik und wollen sich Gehör verschaffen. Ihre Meinung sagen oder einfach mal nur Schimpfen. Manche dokumentieren Alltags-Geschichten oder denken sich sogar selber Geschichten aus. Respekt. Andere berichten von Reisen, Rezepten, Büchern oder aus dem Familienleben. Ein anderer Blogger schreibt wunderbar überzeichnet, wie bekloppt das Leben in unserer Hauptstadt manchmal ist. Großartig. 

All das ist meist gut zu konsumieren, sehr kurzweilig und unterhaltsam. Ein bisschen WLAN und Rest-Akku reichen schon und man kann sich stundenlang darin verlieren. Ab und zu hinterlässt man ein Kommentar oder tippt den „like“-Button. Beim Lesen der eigenen Blog-Statistik, bin ich manchmal echt erstaunt, von wo überall auf der Welt die Aufrufe erfolgen. 

In den letzten Tagen, hier in Goa, hatte ich viel mehr Zeit zum „Folgen“ als sonst und ich bin auf weitere Blogs gestoßen, die mich nicht in Ruhe lassen. Eine junge Frau zum Beispiel schreibt über ihre üblen Erlebnisse in der Kindheit, Depression, Tabletten-Abhängigkeit und ihrem Kampf aus all diesem Schlamassel heraus. Ein Mann, der eh schon die volle Packung im Alltag zu tragen hat, schreibt zudem seit Sommer 2018 über die Krebserkrankung seiner Frau und den Umgang mit damit verbundenen Ängsten und Hoffnungen. Das ist nun gar nicht mehr „unterhaltsam“. Ganz im Gegenteil. Es ist sehr berührend und nimmt mich als Leser mit. 

Dann frage ich mich häufig….

  • Ob ich das alles lesen und wissen sollte. Ich meine, es sind doch sehr intime Dinge, die da beschrieben sind. Das geht manchmal so tief rein und ich kenne diesen Menschen doch gar nicht. Andererseits, denke ich, haben die Publizisten bewusst das Blog-Format gewählt und sind sich dessen bewusst, dass jeder mitlesen kann oder gar soll. Vielleicht stützt es sie auch, wenn sie wissen, das sie ihre Gedanken teilen können und andere teilhaben. 

 

  • Ob ich solche Beiträge „liken“ darf. In manchen Beiträgen geht es heftig zur Sache, es geht um schwindende Gesundheit und ums nackte Überleben. Ist es da angemessen, den „Gefällt mir“-Knopf zu drücken. Wie kann man mir das „gefallen“, wenn ich doch eigentlich lieber „bin nachdenklich und fühle mit“ klicken würde. Allerdings hat das Blog-Format nun mal eben nur die „Gefällt mir“ und die „Kommentar-Funktion“, um ein Feedback an den Verfasser zu geben. Kommentieren kann ich nicht immer, weil es mir nicht zusteht und mir auch oft die Worte fehlen. Also „like“ ich auch diese Beiträge, damit der Publizist weiß, dass ich den Beitrag gelesen habe und ich es sehr mutig finde, dass er drüber schreibt.

 

  • Ob meine Beträge gerechtfertigt sind. Oft schreibe ich hier über Kleinigkeiten, Situationen und Pannen, die mich auf die Palme bringen. Ich verschicke digitale Postkarten aus dem Urlaub. Dabei sind sie im Vergleich zu diesen sehr sensiblen Themen, nicht mal ein Fliegen-Schiss wert. Auf den Blogs der „Anderen“ dagegen, geht’s um essentielle Dinge, um die wirklich wichtigen Fragen. Die würden bestimmt gern mit meinen „Problemchen“ tauschen, wenn man sie fragt. Andererseits muss es weiter Humor geben. Es muss Kleinigkeiten geben, über die man sich herrlich echauffieren kann. Es muss exotische Bilder aus dem Urlaub geben. Es muss okay sein, dass manche Leute ihr Essen fotografieren, auch wenn das so banal ist. Ich hoffe, dass die Blogger, die gerade durch solch eine tiefes Tal gehen, Verständnis dafür haben.

Da diese Blogger teilweise auch zu meinen Followern gehören, möchte ich sie auf diesem Weg grüßen und viel Kraft wünschen.

17) Postkarte aus Goa 3

Indien, in unserem Fall Goa, bietet so viele Eindrücke, dass ich noch genug Stoff für eine dritte Postkarte von hier habe.

Von Strandbars:

Strandbars gibt es hier alle paar Meter. Die meisten sind „sehr einfach“. Wir konnten ein paar von ihnen für Lunch und Dinner ausprobieren. Das Essen war immer lecker. Es gab viel Fisch, Goan food, Indische Klassiker, aber auch Chinesisch und ein paar Internationale Klassiker wie Pommes oder Pasta. Die Kids haben auch immer etwas gefunden. Wir haben alles gut vertragen, die Reise-Apotheke mussten wir nicht einmal anfassen. Am Mittwoch konnten wir ein interessantes Ritual beobachten. In der Nachbar-Kneipe begann man kurz nach 18:00, die Korbstühle von der Terrasse zu tragen und mitten auf dem Strand zu stellen. Alle anderen Bars zogen nach, bald gab es in den Bars kaum noch Stühle und Tische. Der Grund wurde schnell klar. Erstens gibt es keine Sitzgelegenheiten im Sand, zweitens sind die Sonnen-Untergänge schön anzusehen, drittens sind sie noch viel schöner mit einem kühlen Getränk in der Hand. Da lässt sich doch etwas Business generieren.

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Von der Straße:

Der Verkehr in Goa ist typisch Indisch, wenn auch nicht ganz so stressig wie in den Großstädten. Unser Driver fährt schon seit 20 Jahren und geniesst das „slow live“ hier, gute Voraussetzungen für eine Fahrt mit ihm über Land. Zeitweise fährt ein Pritschenwagen mit der Aufschrift „On Election Duty“ vor uns. Ich frage den Driver, er verrät mir, dass die EVMs (Wahlmaschinen) wieder aus den Wahl-Lokalen eingesammelt werden. Die Wahlen waren „peaceful“ und manche Wahlbezirke erreichten stolze 80% Wahlbeteiligung. Respekt! Kurze Zeit später folgt der nächste Pritschenwagen voll beladen mit Gas-Flaschen. Gesichert nur durch Schwerkraft und vier Hände.

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Von Terror:

Kaum in Old Goa aus dem Taxi ausgestiegen, marschieren wir direkt auf die Basilika Bom Jesus (erbaut um 1600) zu . Auf meinem Rücken haben ich einen kleinen Rucksack mit Getränken und Sonnenschutz. Eine Sicherheitsmann stoppt uns und informiert, dass Rücksäcke nicht erlaubt sind. Auf meine Frage, wo ich den denn abgeben könne, wirkt er ratlos. Als hätten sie bei der Angelegenheit wenig Erfahrung. Ein anderer Mann springt zur Erklärung ein. „There was a terrorist attack in Sri Lanka“. Natürlich. Auf Menschen in Kirchen und Hotels. Das haben wir hier auch mitbekommen. Natürlich denkt man auch drüber nach, wie schnell man selber davon betroffen sein kann. Besonders in solch symbolträchtigen Gebäuden. Aber genau das wollen diese Idioten ja erreichen. Nein, nicht mit uns! Wir gehen da jetzt rein und schauen uns das an!

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Von Stadt und Land:

Viele Häuser in den Orten sind extrem bunt angemalt. Drumherum ist alles grün, die sind Palmen hochgewachsen.

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Zwischen den Orten werden die Flächen bewirtschaftet. Links und rechts der Straße gibt es z.B. Reis-Felder, Salinen und Wasserbüffel.

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Aber auch die Straße selber wird genutzt. Shrimps liegen am Straßenrand und sollen trocknen. Und auch die Fischer-Netze liegen hunderte Meter lang auf der Straße verteilt und braten in der Sonne.

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Von Menschen:

Etwas skurril ist der Anblick der Menschen am Strand. Zwischen den Orten kann man sehr allein sein, an den Orten wird es voller. Vergleichbar mit unseren Stränden in der Heimat. Allerdings „liegt“ man bei uns eher oder man „schwimmt“ halt. In Goa ist das anders. Da „steht“ man. Wir erklären uns das mit fehlenden Strandkörben und hohem Nichtschwimmer-Anteil. Viele haben Smart Phones in der Hand und posen aufwändig für die Selfies. Auch unsere Gesichter befinden sich mittlerweile auf unzähligen Indischen Selfies. Mit heller Haut und blonden Haaren sind wir hier die Exoten und gut gebuchte Foto-Motive. Immer höflich und nett angefragt, wissen wir nun, wie sich Promi‘s fühlen müssen.

In der Lobby des Hotels betreibt eine Inderin einen Travel-Office. Sie vermittelt Ausflüge und Taxi-Fahrten an lokale Kleinunternehmer. Natürlich ist das etwas teuer, aber für den Tisch muss sie Miete an das Hotel bezahlen und sie will ja auch noch von etwas leben. Sie hat ihr Netzwerk, kümmert sich um alles und auch die Zahlungsabwicklung läuft über sie. Wir nehmen ihren Dienst gern in Anspruch. Außerdem gibt es wieder Gelegenheit zum quatschen. Ihre Tochter ist 12 Jahre alt und ein Ass in fortgeschrittener Mathematik. Sie kann gigantische Summen mit einem Abakus ausrechnen, ein normaler Taschen-Rechner kann das gar nicht. Zunächst hat sie den nationalen Wettbewerb in Chennai gewonnen und durfte Indien dann noch auf einem Internationalen Event in Malaysia vertreten.

Wir stehen vor der Basilika Bom Jesus und ich mache ein paar Selfies. Ein Inder neben uns macht auch Fotos und bietet sich an, uns zu fotografieren. Wir kommen ins Gespräch, seine Frau und Tochter kommen auch dazu, schnell ergibt sich ein netter Plausch. Er arbeitet in Delhis Süden, in Gurgaon, und zwar bei einer deutschen Firma. Na da werde ich doch hellhörig und siehe da, er arbeitet für den gleichen Laden wie ich! Sofort bequatschen wir, was wir so tun und was uns hertreibt. Er arbeitet gerade an einem Projekt, was ihm eine Dienstreise nach Deutschland ermöglichen könnte. Wir tauschen unsere Daten aus und verabreden uns lose.

So Leute, das war‘s, ich melde mich wieder aus Berlin! Ich hoffe es hat gefallen, Likes und Kommentare wie immer gern gesehen… 🙏🏻

 

Und hier noch eine Zugabe der Mini-Blogger:

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Frühere Postkarten aus Indien:

16) Postkarte aus Goa 2

Bevor uns der Alltag zurück nach Deutschland befehlt, bleibt noch Zeit für eine zweite Postkarte aus den Tropen.

Von Strand und Sonne:

Wie schon geschrieben, ist der Strand bei Colva sehr breit, flach und sauber. Es gibt Ebbe und Flut, aber moderat. Wasser ist immer zu haben. Es ist warm und salzig, man könnte Nudeln drin kochen. Ich mag es kaum schreiben, aber für mich könnte es glatt etwas kühler sein. In Sand und Wasser gibt es kaum Steine und Muscheln. Man kann also problemlos barfuß ins Wasser gehen. In regelmäßigen Abständen gibt es sogar Life Guards! Die Sonne brennt aber ohne Pause, zwei russischen Pärchen sehen bereits aus wie vier Hummer auf einer Fischplatte. Eincremen muss sein und Badeshirts (auch für Erwachsene) kann ich nur empfehlen! Da die meisten Inder eh alle bekleidet ins Wasser gehen, fällt man damit kaum auf.

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Von Henna und Tattoo:

Meine Tochter wünscht sich so sehr ein Henna Tattoo. Sie ist etwas überfordert wegen all den Motiven, Styles und Farben. Eine junge Frau vor einem der Tattoo-Shops nimmt sich uns an und bringt uns in ihr Studio. Zusammen starten wir Google und wählen ein Muster aus. Ich bin für anderthalb Stunden auf einen Plastikstuhl gefesselt und übe mich in Entschleunigung. Meine Blicke wandern über all die Tattoo-Motive, die an den Wänden hängen. Da gibt es Religiöses, Sportliches, Phantastisches und Tierisches. Oder bei Bedarf kann es auch ein hübscher Reichsadler auf einem Haken-Kreuz sein. Am besten mitten auf die Stirn tätowiert, damit alle sehen wie doof man ist.

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Von Flora und Fauna:

Goa ist sehr grün, an der Küste stehen überall Palmen, Mango-Bäume und Büsche mit Blüten in allen Farben. Ab und zu macht es auf dem Hotel-Gelände „Plumps“, dann hat sich eine Mango todesmutig in die Tiefe gestürzt. Die Kokos-Nüsse über meiner Pool-Liege beobachte ich skeptisch. Wenn mir davon eine auf den Kopf fällt, ist Schluss mit der Bloggerei.

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Ansonsten gibt es viele frei laufende Hunde und Katzen, eine morgendliche Begegnung mit einer Kakerlake hatte ich erstaunlicherweise noch nicht und auch die Geckos scheinen einen anderen Platz zum Leben gefunden zu haben. Allerdings landete ein sehr großes Insekt (Zikade?) mitten auf unserem Abend-Tisch. Das Gekreische war groß und ich musste zu drastischen Mitteln greifen. Zum Glück war kein Jain in der Nähe. Das größte Tier, was wir zu sehen bekommen haben, war ein Büffel bei der Wäsche.

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Von Menschen:

Am Pool komme ich mit einem Indischen Papa ins Gespräch. Eigentlich aus Mumbai, lebt die Familie nun in Bengaluru. Geld verdienen, was sonst. Er ist in Sachen IT unterwegs, ich auch, außerdem war ich auch schon in Bengaluru. Also haben wir gleich genug Gesprächsstoff.  Früher lebte er mal ein paar Jahre in London und konnte auf diese Weise auch andere Europäische Städte besuchen. Am liebsten will die Familie mal in die USA, da dort auch andere Verwandte in Dallas leben.

Das Mädel aus dem Tattoo-Studio arbeitet mit ihren zwei Brüdern nur für die Saison hier. Eigentlich kommt die Familie aus Rajasthan. Zu Hause hat sie noch 7 (!) Schwestern. Diesmal darf sie zum ersten Mal bei den Wahlen teilnehmen, beim letzten Mal fehlte ihr eine ID-Card, die man zum Wählen benötigt. Sie geht auf jeden Fall wählen. Sie hat sich für die Kongress-Partei entschieden, gegen die regierende B.J.P. von Modi. Weit weg von ihrer Heimat, kann sie auch aus Goa wählen. Mag man über Wahlmaschinen denken, was man will, immerhin wird der Zugang zur Demokratie erleichtert. Briefwahl kann man in Indien vermutlich vergessen.

Ich bin am Tresen und zahle unser Abendessen. Ein alter Inder nähert sich unserem Tisch und spricht meine Family an. Ich stoße dazu. Er behauptet, Deutsch und  noch viele andere Sprachen zu beherrschen. Zunächst vermute ich nur die üblichen Touri-Worte wie „Bayern München“, „Merkel“ oder Oktoberfest“, aber nein er spricht wirklich Deutsch. Er kennt Berlin-Lichtenberg, weiß dass Kreuzberger Tage kurz und Kreuzberger Nächte lang sind und dass Berlin seit ca 30 die Hauptstadt Berlins ist. Ui Ui, da muss ich selbst schnell grübeln.  Er bietet uns eine private Kochshow bei sich im Haus oder einen Rundgang durch die Natur an. Beides passt aber nicht in unsere Vorstellung, aber er sammle deutsche Münzen. Na da lässt sich doch bestimmt was machen … 

Frühere Postkarten aus Indien:

15) Postkarte aus Goa 1

Dieses Ostern 2019 verbringen wir in Goa. Zeit für eine erste Postkarte, die wie immer, auch Nachdenkliches und Skurriles enthält.

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Von Ostern:

Goa ist kein Ort, um Schoko-Eier zu verstecken. Durch seine christliche Prägung, feiert man in Goa aber durchaus Ostern. Und zwar ausgelassen. Das Personal hat das Gelände des Hotels mit bunt bemalten Eiern geschmückt, im Schatten des Gartens gibt es ein Buffet, ein DJ wurde angeheuert und beschallt den Pool. Für meinen Geschmack zu laut, aber Inder mögen es nun mal bunt und laut. WLAN gibt es seit heute morgen nicht mehr. Wir spekulieren, dass der DJ die komplette Bandbreite für sich beansprucht.

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Von Dry Days:

An der Pool-Bar stehen Schnapsflaschen. Mal sehen wie lange noch. Ab heute Abend beginnen die „Dry Days“ in Goa. Die Bevölkerung Goas wird am Dienstag zu den Wahlurnen gerufen, da will man die erhitzten Gemüter besonnen halten. Wer nicht vertrocknen will, deckt sich vorher ein oder verlässt sich einfach auf den Indischen Geschäftssinn. Der Chef einer Strandbar hier um die Ecke wirbt trotzdem für einen Besuch, bei Bedarf gibt’s Cola mit Rum, steckt er mir. Das fällt nicht so auf.

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Von weißen Stränden:

Der Strand ist sauber, zumindest hier in Colva. Überraschend sauber. Sauberer als in Südwest-Europa. Sehr wenig Müll, keine Scherben, kein Viehzeug was man sich eintreten kann, beisst oder sticht. Ab und zu streunende Hund, viel weniger Händler als gedacht und alle paar Meter kommt eine kleine Strandbar. Dort gibt es Cola, Limca, Wasser und ein großes Kingfisher für sehr kleines Geld.

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Von Russen:

Hauptsprachen hier in Goa sind English, Konkani, Marathi. Wenig Hindi. Dafür aber Russisch, so scheint es. Viele der Schilder sind in Englisch und Russisch beschrieben. Ein Klamottenhändler um die Ecke, begrüßt mich jedes mal mit „Smatriii“, was so viel wie „schau mal“ auf Russisch heisst. Für die paar Getränke heute, soll ich „Vosem Desyat“, also achtzig Rupien zahlen. Hätte nicht gedacht, dass mir mein Schul-Russisch in Indien nützt.

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Von Plastik und Planen:

Die weißen Strände sind wirklich schön anzusehen, sollen aber bitte nicht davon ablenken, dass Indien ein massives Müll-Problem hat. Dazu muss man den Strand nur 100 Meter in Richtung Land verlassen. Das ist auch nicht wirklich neu, jeder weiß das oder hat schon mal davon gehört. Vor vielen Jahren aber, war das eher noch eher „natürlicher Müll“. Also Zeug, was zwar zum Himmel stank, aber irgendwann mal noch verrotten konnte. Kein Entsorgungssystem und fehlende öffentlich Toiletten waren das Problem. Heute gibt es durchaus eine Art Müllabfuhr und begehbare Klos. Es stinkt nun nicht mehr so wie früher, dafür liegt Plastik überall. Man kann sich überlegen, was besser ist. Wer soll das nur jemals wieder wegräumen?? Und die nächste Seuche wird sichtbar, blaue Plastik-Planen an vielen Stellen. Was vor Jahren noch das gute alte Wellblech war, ist heute die 4x4m-Plane Modell OBI, TOOM, BAUHAUS

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Von Menschen:

Wie immer in Indien, ist das gesellschaftliche Spektrum auch hier sehr breit. Manche Einwohner versuchen, mit Klamotten und Früchten am Straßenrand über die Runden zu kommen. Manch einer kommt von weit weg zum Arbeiten hierher. Andere nur kurz für einen Urlaub. Ritchie hat eigentlich Blut von den Seychellen seinen Adern, ist in Bahrain aufgewachsen und managed nun die Pool-Bar. Er ist sehr glücklich damit und möchte nicht in einem Moloch wie Delhi arbeiten. Zu laut, zu voll, zu schmutzig, sagt er. Der Chef von der Boomerang-Strandbar sieht aus wie eine Mischung aus Harry Belafonte und Dwayne Johnson. Er lebt eigentlich in Holland und kommt zum „Arbeiten und Leben“ hier nach Goa. Gut gestellte Indische Familien aus den Großstädten machen hier Urlaub. Genießen das Wasser, die saubere Luft und den liberalen Lebensstil hier. Und manch Tourist aus dem Ausland … nun was soll ich sagen … ihr wisst ja was ich meine … seht einfach selbst 😉

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Frühere Postkarten aus Indien: