37) Senf am Morgen

Wieder so ein Moment, bei dem ich am liebsten laut „Schei…“ schreien möchte. Es ist Freitagmorgen um 06:45 Uhr. Die Familie sitzt am Frühstückstisch. Wir schieben Cornflakes und Toasts in unsere Futterluken und nippen an Kakao und Kaffe. Ein paar Wörter lösen sich aus unseren Kehlen, aber für tiefergehende Gespräche fehlt es an Zeit und Energie. Also mache ich den Anfang und beginne schon einmal, den Tisch abzuräumen. Geschirr und Besteck kommen in den Spüler, Wurst und Käse gehören in den Kühlschrank. Alles reine Routine, ich könnte es mit verbundenen Augen. Also reiße ich die Kühlschrank-Tür auf und … sehe einen Senfbecher in der untersten Ablage der Kühlschranktür? Aber das geht nun wirklich nicht. Ich brumme mein Unverständnis in den Raum. Der Platz unten in der Tür ist für große Tetra-Packs und Flaschen reserviert, aber bestimmt nicht für kleine Senf-Becher. Da bin ich etwas eigen und kann schnell zickig werden. Also greife ich den Senf-Becher am Schlafittchen, um ihn in die oberste Etage zu befördern. Meine Feinmotorik liegt aber noch im Bett und schläft. Der Becher fällt zu Boden und zerplatzt. „Klatsch“ macht es. Ein großer Haufen gelber Senf liegt auf den Bodenfliesen vor dem Kühlschrank. Oaaahh, nö!!! Bitte nicht das jetzt! Das brauche ich jetzt echt nicht. Es riecht hier wie am Schwenkgrill auf dem Weihnachtsmarkt. Wie kriege ich das nun wieder weg? 

Mit ein paar Blättern Küchen-Papier von der Rolle? Nein, das ist irgendwie zu trocken. Vielleicht mit feuchtem Lappen oder Schwamm? Auch nicht, dann verschmiere ich das alles bloß noch. Also begebe ich mich auf die Knie und baue den Senf-Berg mit Torten-Heber und Crêpe-Besteck ab.

Um so mehr ich mich dort unten auf den Fliesen so umsehe, um so deutlicher sehe ich, dass sich der Senf noch weiter verteilt hat. Senf-Spritzer an den Tür-Fronten, weitere Kleckse an den Blenden und so weiter. Großartig.

Ach man, das ist doch eine riesige „Schei…“ fluche ich. 

Zum Glück ist heute Freitag und nicht Montag.

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26) McRaff

Neulich konnte ich im Hotel der Geburt des neuen Burgers „McRaff“ beiwohnen. Oder sollte ich vielleicht sogar besser „Raff-Bürger“ sagen? Das Ganze gestaltete sich ungefähr so: Beim Frühstück setzte sich ein kräftiger Kerl an den Nachbartisch. Zunächst belegte er den Platz mit persönlichen Dingen, damit keiner mehr diesen Tisch für sich beanspruchen konnte. Quasi das Bade-Handtuch des Frühstücks. Dann verschwand er erst einmal am Buffet. Schnell kam er wieder mit gehäuften Tellern zurück an seinen Platz. Soweit ich das sehen konnte, waren es drei Kaiser-Brötchen, ein Berg voll gebratener Speck, dazu Kartoffel-Röstis in rauen Mengen und viele Nürnberger Würstchen. Will der das wirklich alles essen? Ist der vielleicht Kugelstoßer oder Gewichtheber und braucht das jeden Morgen? Oder ist er nur ein Vater, der für die noch schlafenden Kids die Brötchen macht? Aber das sollte sich bald herausstellen. Mit geübten Griffen halbierte er zunächst die Kaiser-Brötchen, legte dann die Nürnberger Würstchen auf die eine Hälfte, gefolgt von den Kartoffel-Röstis. Dann stapelte er den gebratenen Schinken, eine Scheibe Käse und dann noch die zweite Brötchen-Hälfte als Deckel oben drauf. Den ersten Burger aß er sofort, den zweiten wickelte er in eine Serviette und ließ ihn unauffällig in der Tasche zu seinen Füßen verschwinden. Gespannt beobachtete ich, was denn nun mit dem dritten Burger passieren würde. Auch den wickelte er in Serviette und versenkte ihn neben dem ersten Burger in seiner Tasche. Der Mann erhob sich, kippte zwei Gläser O-Saft direkt an der Saftbar in seinen Schlund und verschwand. Stille. Als wäre nichts gewesen. Nur der Dreck auf seiner Tischdecke war noch da. Die ganze Szenerie wirkte, als wäre gerade ein Heuschreckenschwarm oder das Krümelmonster vorbeigezogen. Mal abgesehen von fehlenden Tisch-Manieren und seinem vermutlich erhöhtem Cholesterinspiegel, erschütterte mich am meisten die Routine und Selbstverständlichkeit, mit der er dort die Tasche füllte. Bloß gut, dass ich bereits vor ihm mein Rührei mit EINER Scheibe Schinken veredelt hatte und ich Nürnberger Würstchen zum Frühstück nicht mag.

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